Ausgabe 
3.4.1933 Frühausgabe
 
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Montag, Z.ApriUYZZ

185. Jahrgang

Nr. 7yKrüharrsgabe

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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pofifdiedfonto: jfranlfiirt am Main 11686.

Ein geschichtlicher Tag der deutschen Reichsmarine.

Indienststellung des PanzerschiffesDeutschland". Stapellauf des Panzerschiffes Admiral Scheer".

Deutschland" im Dienst.

Wilhelmshaven, 1. April. ($11.) Die Indienststellung des neuen Panzer- schiff esDeutschland" vollzog sich Pro- grammähig. An Bord des Schisses hatte die von der früherenEmden" übernommene, durch weitere Mannschaften verstärkte Besatzung aus dem Achterdeck mit Front zum Flaggenstock Auf­stellung genommen. Der Kommandant des neuen Schiffes, Kapitän zur See von F i s ch e l, nahm das Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. ausführte:Unsere Indienststellung erhält eine besondere Weihe durch den Umstand, daß das deutsche Volt heute Bismarcks Geburts­tag feiert. Wiederum ist eine grobe Wendung

Kapitän z. S. F l f d) c L

im Schicksal des deutschen Volkes eingetreten. Dank dem Führer, der heute des Reiches Kanzler ist, ist das deutsche Volk aus seiner Ohnmacht erwacht. Es ist auf­gerüttelt worden, es hat sich seiner selbst be­sonnen, und wenn noch vor kurzer Zeit große Teile unseres Volks der Wehrmacht gleichgültig, zum Teil feindlich gegenüberstanden, sieht das ganze deutsche Voll mit Stolz nunmehr wieder auf seine Wehrmacht. In diesem stolzen Bewußt­sein wollen wir an Bord unseres stolzen Schiffes unseren Dienst tun.

Bei präsentiertem Gewehr wurde dann die Kriegsflagge am Heck gehißt. Die Kapelle into­nierte sodann das Deutschlandlied. Damit war die Indienststellung erfolgt.

Das PanzerschiffDeutschland" ist 181 Meter lang, 20,7 Meter breit und hat einen Tiefgang von 6,62 Meter bei voller Ausrüstung. 3m Interesse einer möglichst geringen Zielscheibe hat es eine auffallend niedrige Silhouette. Der ausaebauchte Schiffsrumpf kann in seinen breiten Wulsten Oel- bunker aufnehmen. Die Ilmpanzerung umfaßt eine über die ganze Länge ausgedehnte Schutzseite, zwei gepanzerte Deck- und starte innere Längsschotten. Zum ersten Male wurde mit derDeutschland" ein reines Motor-Rennschiff geschaffen, dessen durch Oclfeuerung betriebene Dieselmotoren, die etwa 50 000 PS entwickeln, dem Schiff eine Geschwindig­keit von 26 Knoten verleihen. Bei nur 20 Knoten vermag das Schiss die gewaltige Strecke von 10 000 Seemeilen ohne Erneuerung des Brennstoffs zu­rückzulegen. Armiert wurde dieDeutschland" mit sechs 28-Zentimeter-Geschützeu in zwei Drillings­türmen, von denen einer vorn und einer hinten aus dem Schiff placiert ist, acht 15-Zentimeter- Gcschützen in Einzeltürmen, mehreren Flugzeug- abwchrkanonen und sechs Heberwasser-Torpedo- rohren. Die außerordentliche Fahrgeschwindigkeit und die große Schußweite der Geschütze verleihen dem Schiff hervorragende Kampffähigkeit, wie sie in solchem Ausmaß nur wenige Schlachtschiffe be­sitzen.

Hindenburg an dieDeutschland".

Bremen, 1. April. (TU., Reichspräsident von Hindenburg richtete an den Kom­mandanten des am Samstag in Dienst gestellten PanzerschiffesDeutschland", Kapitänleutnant z. S. von Fischet, folgendes Telegramm Dem PanzerschiffDeutschland" sende ich am Tage seiner Indienststellung meine besten Wünsche. Ich erwarte, daß die Besatzung dem Ramen dieses neuen Schiffes alle Ehre macht Möge der Wille zur treuen Pflichterlul lang und opfermütigen Vaterlands­liebe das höchste Ziel der gesamten Besatzung sein, von Hindenbur g.

Stapellauf desAdmiral Scheer"

Wilhelmshaven, 1. April. (^TB.) Rach- dem heute früh das erste nach dem Krieg gebaute deutsche PanzerschiffDeutschland" in Dienst gestellt worden war, fand gegen Mittag die Taufe des zweiten Rachkriegspanzer­schiffs statt. In seiner Taufrede sagte

Admiral von paeder:

Der 1. April ist ein Tag von hervorragender Bedeutung für das deutsche Volk und für die

DieDeutschland". Ansprache des Kapitäns z. S. Fischet an die Besatzung.

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deutsche Marine als Teil der deutschen Wehr­macht, für das deutsche Volk der Geburtstag des Fürsten Bismarck, des gewaltigen Schmiedes deutscher Einheit. Als Hüter dieses Bismarckschen Erbes hat der Herr Reichspräsident, General­feldmarschall von Hindenburg die Regie­rung der nationalen Erhebung berufen, die unter Führung des Reichskanzlers Hitler dieses Erbe mit neuem Leben zu erfüllen und ein einheit­liches, von nationalem Willen durchdrungenes Volk :m Geiste des großen Kanzlers zu neuem Aufstieg zu führen gewillt ist. Für die Manne - der Tag der Indienststellung des Panzerschiffes Deutfchland" unter der ruhmreichen Flagge Schwarzweißrot, des ersten Schiffes der im Ver­sailler Vertrag festgelegten Ersahbauten für unser völlig überaltertes Panzerschiff-Material.

Durchdrungen davon, daß nur aus dem Loden lebendiger Anteilnahme des ganzen deutschen Volkes ihre Arbeit zum Erfolg führm kann, reicht die Marine jedem die Hand, bet bereit ist, feine pfllchtgegendasd.nische Dolf höher ; u st eilt als a ! e s andere, eine Besatzung zu bilden, in der jeder dem anderen gkiuj ist. Aber auch iiue bitter e r n ft e Mahnung liegt in diese» PanzerschiffDeutschland^: Es ,st gebaut unter den Beschränkungen des Bersailler Dik­tats Dieses Diktat laftel auch heute noch in voller Schwere auf Deutschland, das auf wehr­politischem Gebiet nichts anderes erstrebt als für seine Grenzen zu Lande und zur See die gleiche Sicherheit wieder ju gewinnen, wie sie jedes ehrtiebende und souveräne Volk für sich als selbstverständlich beansprucht.

Was gab uns die Kraft an dem Tag des furchtbaren Zusammenbruches, das Derk und Vermächtnis unseres unvergeßlichen Großadmi­rals allen Gewalten zum Trotz zu neuem Leben zu erwecken? Das war der Geist von Skagerrak, der mahnend uns zur Pflicht machtenRicht klagen, wieder wagen. Seefahrt ist Rot" Wenn wir des ruhmreichen Tages von Skagerrak gedenken, der uns ein Symbol unseres Zukunftglaubens ist, so ist dieses Ge­denken unzertrennbar verbunden mit dem Ramen des Führers der deutschen Flotte in der Schlacht von Admiral Scheer. Sein freier Geist be­reitete der der Flotte aufgezwungenen Zurück­haltung mit dem Tage seiner Kommando-lieber- nähme ein Ende. Die großen geistigen Gaben und jene geheimnisvollen Kräfte der Schicksals­überwindung. jene unbefangene Sorglosigkeit, wie sie Gras Schliessen als die Kennzeichen des großen Führers auffatzt, waren Admiral Scheer in hohem Grade zu eigen, lind wenn in dieser gewaltigsten aller Seeschlachten unter tosendem feindlichen Kanonendonner, unheimlich lodernden Flammen und tobenden Wasserbergen alle, vom Führer bis zum letzten Mann, in dienender Hingabe nur von einem Wilken beseelt waren:Ran an den Feind", so war das der Geist des Admirals Scheer, der in kühner Entschlossenheit, mit über­legener Taktik und überlegenem Einsatz feiner Besatzungen der größten Flotte der

Welt ihre Siegeslorbeeren entwand. Wie bitter das Eingeständnis auch fein mag, so urteilte eine große englische Zeitung nach dem Eintreffen der Rachrichten vom Skagerrak,wir müssen zugeben, daß wir in der Schlacht bei Iütland eine Niederlage erlitten haben."

Auch nach dem Urteil des Gegners wahrlich des Lobes genug, um Admiral Scheer, den größten Flottenführern aller Zeiten würdig zur Seite zu stellen. Wenn du, stolzes Schiss, das du vor uns stehst, als ein Zeichen kräftiger, deutscher Erneue­rung und als beredter Zeuge ungebrochenen deut­schen Lebenswillens, nun auf Befehl des Hqrrn Reichspräsidenten den Ramen des Siegers vom Skagerrak erhältst, so gleite in die Ele­mente, als Träger dieses hehren und verpflich­tenden Ramens.

wahre in Treue das Vermächtnis, das dieser Rame für die Reichsmarine und das deutsche Volk in sich birgt Glückhaft in Sturm und Wetter feien alle deine Fahrten, sieghaft in Rot und Gefahr fei fiele vereii, alle Kräfte einzufehen für das Vaterlund, füi feine Gei- ;unc, in der See, in der Heimat oöei draußen auf fernem Meer. Immer fei eingedenk btt Ehre deiner Flagge und des Vermächtniffes aller derer, denen es höchstes Ziel war, im Glauben an die deutsche Zukunft ihr Leben dahin zu geben für unser über alles geliebtes deutf^es Vaterland.

Im Anschluß nahm dann die Tochter des Ad­mirals von Scheer, Gattin des Kapitänleut­nants Besserer, das Wort. Indem sie dem Schis' den RamenAdmiral Scheer" gab, lieh sie eine Flasche Sekt am Bug des Schisses zerschellen. Der Oberwerftdirektor gab den Be­seht zum Ablaufen. Die Haltevorrichtungen lösten sich und stolz glittAdmiral Scheer" in die Flu­ten.

Englische Abänderungsvorschläge zu Mussolinis ViermüchiepaN.

London, 3 Apnt (WTB- Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent de» »Daily Telegraph" erfährt, daß die britische Regierung gegenwärtig wie in Paris, so auch in Rom und Berlin ihre An­sichten über den ursprünglich italienischen Entwurf eines viermächtepaktes, sowie Anregun­gen zu eventuellen Abänderungen Mit­teilen taste. Der allgemeine Zweck der britischen Ab­änderungsvorschläge dürfte sein, den Viermächtepakl in eine engereDeziehungzudemVölker- bunb. ber Abrüstungskonferenz und dem Locarnooertrag zu bringen. Der Korrespon­dent erwartet, daß es die Besorgnisse der Kleinen Entente und überhaupt der kleineren Mächte er­heblich beschwichtigen werde, wenn sie erfahren wür­den, daß Beschlüsse, die ihre Sonderinteressen sowohl in der Abrüstungsfrage, wie in der Frage der Ver­tragsrevision berühren könnten, nicht ohne ihre volle Mitwirkung gefaßt werden sollten.

Ruhiger Verlaus des Voykoffs.

München, 1.April. (WTB.) Das Zentral, k o m i t e e zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze gibt bekannt.

Es liegen nunmehr aus allen Teilen bei Reiches die Berichte der örtlichen Ab­wehrkomitees über den Verlauf des ersten Tages der Abwebraktion vor. Abgesehen von einem Zwischenfa11 in 6 ie 1, wo ein SA.-Mann von einem jüdischen Rechtsanwalt durch einen Schuß schwer verletzt wurde, ist der Tag überall unter größter Anteilnahme der Bevölkerung r u lj i g o er­laufen. Zahlreiche jüdische Firmen hatten frei­willig geschlossen.

Oer Zwischenfall in Kiel.

Kiel, 1. April. (WTB.) Ueber den blutigen Vor­fall in ber Kehdenslraße am Samstagnachmiitag gibt die Pressestelle der NSDAP, jetzt folgende Dar­stellung:

Zwei vor dem jüdischen Modehaus Schum in In der Kehdenslraße stehende SS.-Männer machten einen jungen Mann, der das Geschäft be­treten wollte darauf aufmerksam, daß em Deutscher nicht beim.Juden kaust. Der junge Mann entfernte sich darauf Kurz danach verließ der Inhaber des Geschäftes der 9ube Schümm, den Laden, ent­fernte sich ebenfalls und tarn nach einigen Minuten mit dem bereits genannten jungen Mann, der, wie sich jetzt herau*ftellte, fein Sohn war, zurück. Beide begannen sofort eine wüste Schimpfkanonade gegen die SS.-Männer, und der junge Schümm zog plötzlich eine Pistole und legte auf den SS.-Mann Ast halt er an. Der Kamerad Astholters fiel dem jungen Schümm soforr in den Arm und riß ihn hoch, doch warf sich jetzt der alte Schümm dazwischen und riß die Hand seines Sohnes wieder herunter, der dann auch prompt auf den SS.-Mann Asthalter aus näch ster Nähe einen Schuß abgab. SS -Mann Astha 11er erhielt wenige Millimeter unter dem Herzen einen l e b e n s ge h r I > chen Steckschuß und mußte sofort in die Klinik über- geführt werden, wo er in fehr ernstem Zu - st a n d öarmeöerliegt Der Mörder flüchtete und konnte erst nach längerem Sucher unter altem Ge­rümpel versteckt im Modenlager des väterlichen Ge­schäftes entdeckt werden Er sowie- sein Vater und alle sonstigen Familienmitglieder die im Geschäft angetroffen wurden, sind verhaftet. Die blutige Mordtat hat unter der Bevölkerung Kiels große Erregung hervorgerufen, umso m"hr, als gerade die SS. und SA durch ihr diszipliniertes Verhalten die Anerkennung aller Beoölkerungsschichten gefunden hat."

lieber die blutigen Vorfälle am heutigen Sams­tag wird amtlich mitgeteilt: Der jüdische Rechtsanwalt und Rotor Schümm schoß heule vormittag gegen 11.30 Ahr den SS.-Mann Wal­ter Ast Halter in der Kehden-Strahe durch Bauchschuß nieder, und zwar nach den bis­herigen Meldungen ohne triftigen Grund. Eine erregte Menschenmenge sammelte sich vor Dein Polizeigefängnis an, bevor der vom Oberpräsi- denten angeordnete Abtransport des Rechtsan­waltes Schümm ermöglicht werden konnte. Die erregte Volksmenge drang in das Polizeigefängnis ein, wo Schümm durch Revotverschüsse getötet wurde.

Das Ganze entwickelte sich so schnell, dah poli- leilich der Vorgang nicht verhindert werden konnte. Die Menge drang auch in das Geschäft des Vaters des Rechtsanwaltes Schümm in der Kehdcn- Straße ein und zerstörte das Inventar.

Anordnungen

des Zentralkomitees.

München, 2.April. (WTv.) Das 3enfr*il- tom i fee zur Abwehr der Mischen Greuel- und Boykotthetze erläßt eine Anordnung Rr. 8, welche besagt.

1. Durch Anordnung der Reichsparteileitung des Zentralkomitees wurde der Boytott gegen jüdische Geschäfte, Aerzte, Rechlsanwälle usw. dis Mittwoch, 5 April 1933, 10 Ahr, aus­gesetzt. Damit ist der frühere Z u st a n d wiederhergestellt. Plakate, Anklebe­zettel usw. die nut dem Boykott Zusammen­hängen sind zu entfernen.

2. Der Boykott ist erst dann wi-der auf­zunehmen, wenn vom Zentralkomi­tee die Weisung hierzu an die ört­lichen Aktionskomitees ergeht.

3. Desien ungeachtet haben die Aktionskomitees ihre Vorbereitungen so zu treffen, daß auf Weisung der Boykott zur festgesehien Zeit ausgenommen und planmäßig durch­geführt werden kann.

4. Um eine Einheitlichkeit der Ab­wehraktion herbeizuführen, wurde jüc den Fall der Wiederaufnahme des Boykotts bestimmt, dah an jüdischen Geschäften Pta- täte anzubringen sind mit der Aufschrift Jude", an öeutfdjen Geschäften mit der Aus- schriftDeutsches Geschäft".

Erklärungen Streichers.

Wahrscheinlich keine Wiederaufnahme des Boykotts.

Berlin, 2. April. (211) Gegenüber einem Vertreter der RSDAP.-Korrespondenz erklärte der Leiter des Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze, Iulius