Ausgabe 
3.3.1933 Frühausgabe
 
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abgestimmt werden. Die Dordwahl wird auf zahlreichen Dampfern der Lieberseelinien durch­geführt. Auch auf den auf Llebungsreisen im Atlantik befindlichen KreuzernLeipzig" undEmden" wird der Zivilbesatzung Ge­legenheit zur Stimmabgabe gegeben. Die beiden Kreuzer fahren am Sonntag zur Ruhe in den spanischen Mittelmeerhafen von Las Palmas ein. wo an Bord derLeipzig" abgestimmt wird. Auch den Reichsdeutschen in Las Palmas ist damit Gelegenheit zur Wahlbeteiligung gegeben. Die reichsdeutsche Kolonie von Kairo wird sich auf den auf einer Weltreise befindlichen Damp­ferColumbus" des Norddeutschen Lloyd begeben und dort ihre Stimmen abgeben. Die deutsche Kolonie in Barcelona wird Gelegen­heit haben, an Bord des Hapagdamp- f e r sHalle" abzustimmen. Die Seemanns­wahlen in den deutschen Hafenstädten haben bereits am 23. Februar begonnen. Die Seeleute haben bis 10. März täglich w hrend zwei Stunden Gelegenheit zur Stimmabgabe.

ÄasöffentlicheFlagüeninpreußen

Berlin, 2. März. (WTB. Amtlich.) Die Kommissare des Reichs in Preußen haben fol­gende Verordnung über das öffentliche Flaggen beschlossen: Beflaggung der staatlichen und kom­munalen Dienstgebäude, sowie der Gebäude der öffentlichen Schulen erfolgt in den Landes­farben SchwarjU-Weih. Gemeinden, die bisher Flaggen in eigenen Farben führten, dürfen diese neben den Landesfarben zeigen. Unberührt bleibt das Recht der Religionsgesellschaften zum Zeigen eigener Kirchenflaggen.

Inhaber von Dien st- oder Miet­wohnungen in staatlichen oder kom­munalen Gebäuden jeder Art dürfen in ihren Wohnungen weder kommu nist ische noch marxistische Flaggen zeigen. Hin­gegen ist das Zeigen von Fahnen der hinter der Regierung stehenden nationalen Ver­bände gestattet.

Am Dolkstrauertag (12. März) sind sämtliche Dicnstgebäude sowie Schulen in den Landesfarben Schwarz-Weih halbmast zu be­flaggen. Zu Ehren der Toten des Weltkriegs, die ihr Leben unter der Flagge Schwarz-Weih- Rot dahingegeben haben, sind am Vollstrauer- tag neben den Landessarben Flaggen in den Farben Schwarz-Weih-Rot zu setzen, so­weit solche bei den Behörden vorhanden sind oder ohne besondere Kosten beschafft werden können.

Hilfe für die notleidenden Gebiete.

Berlin, 2. März. (CNB.) DaS Kabinett hat beschlossen, Hilfsmaßnahmen für die ausgespro­chenen Rotgebiete einzuleiten, und zwar in der Form, dah der Bevölkerung dieser Gebiete Le­bensmittel umsonst zugeführt werden zur Linderung der grohen Rot. Sn Betracht kommen vor allem Oberschlesien, Thüringen, Bayerischer Wald, Königsberg, das Ruhrgebiet, Berlin usw. Die beteiligten Reichsressorts sind dahin übereingekommen, dah rund 40000 Zentner Butter und 700000 Zent­ner Doggen unentgeltlich vom Reichsernäh­rungsministerium der notleidenden Bevölkerung dieser Rotstondsbezirke alsbald geliefert werden. Arbeitslose und sonstige Hilfsbe­dürftige sind es, denen die neue Aktion zugute kommen wird. Daneben sollen auch die Dauern in den besonders notleidenden W a l d- gebirgsgemeinden, in denen Brotgetreide nicht angebaut wird, Mehl aus Roggen erhalten. An Länder und Gemeinden liefert das Reich unentgeltlich die Lebensmittel. Der einzelne Lln- terstützte würde also lediglich die entstehenden Linkosten (z. B. Backlohn und Mahllohn) zu tra­gen haben, wobei zu hoffen ist, dah durch Ent­gegenkommen der Länder, Gemeinden und der freiwilligen Wohlfahrtspflege sich für die Be­dürftigen weitere Vergünstigungen erzielen lassen.

Oie Ausdehnung -es Kelloggpakts.

G e n f, 2. März. (TLl.) Der auf englischen Vor­schlägen beruhenoe Vertrag über den Ge­waltverzicht der europäischen Mächte im Konfliktsfalle wurde am Donners­tag in der bereits veröffentlichten Fassung ohne Abänderung vom Politischen Ausschuß der Ab­rüstungskonferenz mit 27 Stimmen ohne Gegen­stimmen angenommen. Für die bekannte Formel über den Gewaltverzicht der europäischen Mächte stimmten sämtliche europäischen Mächte. Der Bericht des Redaktionsausschusses, den Po- litis erstattete, betont, dah der Beitritt der außereuropäischen Mächte zu dieser Verpflichtung den weiteren Verhandlungen Vorbehalten bleibt, daß die neuen Verpflichtungen unter den gleichen Bedingungen abgeschlossen werden, wie der Kel- logg-Dertrag und daß diese Erklärung auf der Vereinbarung der fünf Großmächte vom 11. De­zember beruht und in der Verurteilung al­ler Gewaltanwendung die Zweifel über die Bedeutung des Wortes Krieg beseitigt.

Sn der Ausshrache traten die außereuro­päischen Mächte unter Führung Persiens der Beschränkung des Vertrages auf Europa ent­gegen und verlangten dessen universelle Geltung. Der sowjetrussische Botschafter In Paris, Dowgalewski, betonte die Zustim­mung seiner Regierung unter der Voraussetzung des Beitritts der außereuropäischen Staaten. Der französische Standpunkt wurde diesmal von dem rumänischen Außenminister T i t u l e s c u vertre­ten, der betonte, dah der Vertrag keine neuen Verpflichtungen enthalte, nur als eine Be - stätigung und Auslegung des Kel- loggvertragcs anzusehen sei und deshalb keine neue Sicherheitsgarantic darstelle. Der gleiche Standpunkt wurde in weit schärferer Form von dem polnischen Vertreter Graf R a s c h n s k i zum Ausdruck gebracht, der aus­drücklich hervorhob, dah es sich hierbei um keine neue Garantie der Sicherheit handeln könne. Die polnische Regierung erblicke darin lediglich die Wiederbestätigung, Anerkennung und Achtung der bereits bestehenden internationalen Ver­pflichtungen. Der Vertreter Englands, Sir Phi­lipp S a s s o n , nahm die Erklärung unter dem Vorbehalt des Beitritts der außereuropäischen Staaten an.

Das vom politischen Ausschuß angenommene I Abkommen über den Gewaltverzicht der eure- I päischen Mächte im Konfliktsfalle ist von der |

französischen Staatengruppe aus offensichtlichen Gründen entwertet worden. Die französische Regierung konnte es nicht zulassen, daß diese neue feierliche Verpflichtung der Mächte a l s eine neue Sicherheitsgarantie gedeu­tet und damit der französischen Abrüstungspolitik der Boden entzogen wird. Rach deutscher Auffassung handelt es sich jedoch um eine Aus­dehnung und eine Weiterführung des Kellogg- Vertrages. Bei der Abstimmung über den euro­päischen Eewaltverzichtvertrag enthielten sich Sta- lien, Schweden und Norwegen der Stimme.

Keine Einigung über die Abrüstung der Luftfahrt.

Genf, 2. März. (WTB.) Der Luftfahrtausschuh hat heute seine Beratungen über internationale Maßnahmen auf dem Gebiete der Zivilluftfahrt, von denen die vollständige Abschaffung der Militär- und Marineluftfahrt abhängig sein soll, abgeschlos­sen. Die Aussprache über die Internationalisierung Der Zivilluftfahrt wurde beendet, ohne daß eine Abstimmung über das Prinzip e r - folgte. Man hat einen kleinen Ausschuß eingesetzt, in dem Deutschland vertreten ist, und der den Auftrag bekommen hat, einen Bericht für den Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz aus­zuarbeiten. Dieser Bericht soll die Bedingungen für die Abschaffung der Militärluftfahrt genau formu-. lieren.

Der deutsche Vertreter erklärte heute nochmals, daß Deutschland bereit sei, an entscheidenden Maß­nahmen zur Entgiftung der Zivilluftfahrt mitzuar­beiten. Er bedauerte, daß man in der Diskussion überhaupt nicht auf den nach deutscher Auffassung einzig wirksamen Vorschlag eines ab­soluten Bombenabwurf Verbotes und einer gen au en Begriffsbestimmung der Militärflugzeuge eingegangen sei. Der Ver­treter der Vereinigten Staaten erklärte, er hätte es vorgezogen, wenn der Ausschuß die Abschaffung der Militär- und Marineluftfahrt ohne Zusam­menhang mit der Zivilluftfahrt gemäh dem deutschen Vorschlag behandelt hätte. Der Ver­treter Japans schloß sich dem Standpunkt her übri­gen Ueberfeeftaaten an, daß die Internationalisie­rung der Zivilluftfahrt für die Ueberseestaaten über­haupt nicht in Frage komme.

Abschluß her kommunalen Stillhalte- verhandlungen.

Berlin, 2. März. (WTB.) Die Verhand­lungenüber die Erneuerung des Stillhalte­abkommens für die kurzfristigen Aus­landschulden der deutschen Länder und Gemeinden sind mit der Llnterzeichnung eines neuen Abkommens abgeschlossen worden. Der Gesamtbetrag der in Frage kommenden öffentlichen Schulden beläuft sich auf rund 200 Millionen Mark. Das neue Abkommen läuft bis zum 15. März 1934. Sm neuen Stillhaltejahr erfolgt eine weitere Rückzahlung nur in Höhe von 5 Prozent in zwei Raten, von denen die erste nach dem Beitritt des Gläubigers und die zweite im Oktober d. S. zahlbar ist. Der Zinssatz ist von 6 auf 51 Prozent herab­gesetzt worden: daneben wird den Gläubigern eine Abschluhprovision von Vs Prozent pro Vierteljahr vergütet.

Keine Staaiskäufe bei Warenhäusern, Konsumvereinen und Einheitspreis­geschäften in Thüringen.

.Weimar, 2. März. (WTB.) Nach einer Ver­fügung des thüringischen Innenministeriums dürfen staatliche Behörden und An st alten nicht in Warenhäusern, Konsumvereinen und Einheits­

preisgeschäften kaufen. Lieferungsverträge find zum nächstmöglichen Termin zu l ö s e n. Beamte, die dem zuwiderhandeln, werden zur Ver­antwortung gezogen und für den Schaden, der aus der Zurverfügungstellung von Liefe­rungen aus Warenhäusern, Konsumvereinen und Einheitspreisgeschäften entsteht, haftbar ge­macht werden. Staatliche Aufträge sind künftighin lediglich Unternehmungen des Mittelstandes zuzu­wenden.

Braun-Severing« Klage gegen den »Angriffe.

Berlin, 2. März. (CND.) Vor dem Land­gericht I Berlin wurde der Zivilprozeh verhandelt, in dem die Minister Braun und Severing den Erlaß einer einstweiligenVerfugung verlangen, durch die die Verbreitung der Behaup­tung untersagt wird, die beiden Minister hätten zwei Millionen Steuergelder aus dem Fonds zur Bekämpfung des Verbrechertums zum Zwecke der Wahlpropaganda für die Landtagswahlen benutzt. Die Klage richtet sich gegen den Verlag desA n g r i f f", und den Her­ausgeber Dr. Goebbels. Es wurde folgendes Ur­teil verkündet: Den Antraggegnern wird ver­boten, die Erklärung öffentlich zu verbreiten, aus I der der Vorwurf oder der Verdacht I persönlicher Bereicherung der An - « trag steiler aus Staatsgeldern zu

entnehmen ift*bm übrigen wird der Antrag vom 17. Februar auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung zurück gewiesen. Von den Kosten dcs Verfahrens tragen die Antragsteller neun Zehntel, die Antragsgegner ein Zehntel.

Kleine völkische Nachrichten.

Die Beschränkungen hinsichtlich der Beflag­gung von Reichswohnungen durch die Wohnungsinhaber werden für Reichswohnungen mit Ausnahme der Reichsdienstwohnungen in Dienst- gcbäuden mit sofortiger Wirkung aufgehoben.

Der Kommissar des Reiches für das preußische Ministerium des Innern, Reichsminister Göring, teilt mit, daß aus oppositionellen Kreisen wiederholt dem Vorwurf Ausdruck gegeben worden ist, sein Erlaß vom 17. Februar d. I. könne von der Polizei mißverstanden werden, und es bestände die Gefahr, daß von einzelnen Beamten Gesetzesüber­treter mit zweierlei Maß gemessen wer­den könnten. In seinem Erlaß finde sich keinerlei Anhaltspunkt für diese Auffassung. Jeder Gesetzes­übertreter, gleichviel zu welcher Partei oder Organi­sation er gehöre, werde zur Rechenschaft gezogen.

Der Landrat des Oberlahnkreises Dr. Men­zel, Weilburg, ist mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres beurlaubt worden. Mit seiner Vertretung wurde Kreisdeputierter F i nk, Münster, beauftragt. Landrat Dr. Menzel ist ein Schwiegersohn Severings und ge­hört der Sozialdemokratischen Partei an.

Die sozialdemokratischeV o l k s st i m m e in Frankfurt a. M. ist bis einschließlich 15. März verboten worden. Die Verbotsdauer der in Frankfurt a. M. erscheinenden Wochenschrift D e r A r b e i t s l o s e" ist vom Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Rassau bis einschließlich 22. August d. S. verlängert worden.

Kunst und Wissenschaft.

Die Struktur des Vitamins C geklärt.

Dem Göttinger Privatdozenten für organische Chemie, Dr. Fritz Michel, ist eine außer­ordentlich wichtige Entdeckung gelungen. Er konnte die chemische Struktur des antiskorbuti- schens Vitamins C auf klären. Das Dita- ftnin C ist damit das erste, über dessen che­mische Formulierung völlige Klarheit besteht. Die Tatsache ist um so erfreulicher, als an dieser Ent­deckung in letzter Zeit sehr namhafte Gelehrte -des Auslandes arbeiteten. Obwohl Deutschlands wissenschaftliche Mittel beschränkt sind, ist es dem deutschen Gelehrten Vorbehalten gewesen, dcm Auslande zuvorzukommen. Das Vitamin C ist erst im Sah re 1931 von dem Norweger R u e g h rein dargestellt worden. Ruegh ist ein Schüler von Professor Windaus in Göttingen. Dr. Michel steht im 33. Lebensjahr. Sr wurde am 3. Suli 1900 zu Straßburg in der Lickermark geboren, studierte und promovierte in Berlin und habilitierte sich 1931 für organische Chemie an der Göttinger Universität.

Noch ein falscher van Gogh?

Zu dem unter Berliner Kunsthistorikern und anderen Sachverständigen ausgebrochenen Streit um die Echtheit des in der Ber­liner Nationalgalerie befindlichen BildesD e r Garten von Daubigni" von van Gogh erfährt die Schweizerische Depeschenagenftir, daß es sich bei jenem Bilde aller Wahrscheinlichkeit nach um eine der Nationalgalerie für 250 000 Mk. angehängte Fälschung handelt. Aus einem Dries van Goghs, der vier Tage vor seinem Tode ge­schrieben wurde, ergibt sich, dah derGarten von Daubigni" nur in einem einzigen Exemplar hergestellt wurde. Dieses von van Gogh selbst gezeichnete Bild befinde sich in der Sammlung des Basler Kunstmäzens Rudolf S t a e ch l i n, der eine bedeutende Sammlung jüngerer Fran­zosen hat.

Was wissen wir vom Mars? 3um 3. März.

Von Dr. Erwin Kcffinna.

Am Südhimmel strahlen jetzt Mars und Ju­piter neben den prächtigen Wintersternbildern in vollem Glanze. Es sind dies die einzigen Planeten, bei denen man schärfer umrissene Einzelheiten ihrer Oberfläche im Fernrohr erkennen kann. Am 1. März stand Mars der Sonne genau gegenüber und er­reicht am 3. M ä rz seine größte Erdnähe. Aber selbst bann trennen uns immer noch 100 Mil­lionen Kilometer von tiefem Planeten, ber wie an­dere Himmelskörper die Phantasie der Menschen be­schäftigt hat. Bleibt somit Mars uns diesmal ziem­lich fern im Jahre 1924 kam er der Erde aüf 56 Millionen Kilometer nahe so verspricht man sich doch in Amerika von der Beobachtung des Pla­neten mit dcm neuen Riesenfernrohr Ritchies große Erfolge. Während nun die amerikanischen Forscher Ritchie und Coblentz die Existenz von Lebewesen, zum mindesten aber von Vege­tation, auf dem Mars für möglich ober wahrschein­lich halten, stehen bie beutschen Astronomen biesen Spekulationen zumeist ablehnenb gegenüber, weil sich bie Entscheibung tiefer Frage gänzlich ber Be­obachtung entzieht. Denn auch bie besten optischen Hilfsmittel mit 3000= bis 6000facher Vergrößerung können den Planeten höchstens auf 20 000 oder 10 000 Kilometer heranholen, eine Entfernung also, aus der nur die größten Gebilde der Marsober­fläche, nicht aber deren feinere Struktur erkennbar sind.

Zweifellos besitzt der Mars eine gewisse Ähn­lichkeit mit ber Erbe, so in ber fast gleichen Ro­tationsdauer und in der Neigung seiner Achse gegen die Bahnebene mit dem hierdurch bedingten Wechsel der Jahreszeiten. Sonst aber bestehen recht beträchtliche Unterschiede. Da der Mars nur halb s o groß ist wie die (Erbe, seine Masse nur ein Neuntel ber Erbmasse beträgt, ist auch bie Schwer­kraft viel geringer. Ein Mensch von 130 Pfund Ge­wicht würde auf dem Mars nur 50 Pfund wiegen und sich mit größter Leichtigkeit dort bewegen. Diese geringe Schwerkraft genügt aber offenbar nicht, um eine dichte Atmosphäre festzuhalten. Die Marsatmosphäre ist daher sehr dünn und dürfte raum ein Zehntel ber Dichte unserer Luft besitzen. Aus bem Vergleich zwischen Rotfilteraufnahmen unb Photographien im kurzwelligen Licht, in benen Mars größer erscheint, ergibt sich bie Höhe ber Atmosphäre zu 190 Kilometer. Ihre technische Zu­sammensetzung ist unbekannt. Aber alle spektrosko- pischen Beobachtungen lehren, daß sie sehr arm an Wasserdamps ist, wenn auch Wolken gelegentlich

von 30 bis 45 Grab, gegen Mittag bagegen solche von + 10 bis 4- 20 Grab gemessen werben. Am Adcnb ist die Bodentemperatur bereits wieder unter den Gefrierpunkt gesunken. Daß diese eigen­artigen klimatischen Verhältnisse der Entwicklung von Vegetation nicht günstig sind, liegt auf der Hand. Das Klima auf dem Mars läßt sich noch am ehesten mit *em auf den Hochgipfeln des inneren Tibet vergleichen, nur ist die Luft noch weit dünner und trockener als in Tibet.

Großes Aufsehen erregten seinerzeit die von dem italienischen Marsforscher S ch i a p a r e l l i im Jahre 1877 zuerst beobachteten feinen dunklen Li­nien, die nahezu geradlinig bie hellen Gebiete durch - zogen unb von ihmK a n ä l e" genannt wurden. Mit zunehmender Verbesserung ber optischen Mittel erkannte man bald, daß es sich hierbei um Sin­nestäuschungen handelte. Das Sehen von Kanälen" erklärt sich zwanglos aus der Tatsache, daß die an der Grenze der Sichtbarkeit liegenden Objekte vom Auge unwillkürlich zu einem schemati­schen Bilde vereinigt werden. Damit wird zugleich verständlich, warum dieMarskanäle" in kleinen Fernrohren am besten sichtbar waren, in großen dagegen sich in einzelne Flecke auflösten.

Die beiden Marsmonde sind im Gegensatz zum Erdmond winzige Körper von nur 10 Kilome­ter Durchmesser. Der innere, Phöbus, ist nur 5800 Kilometer von der Marsoberfläche entfernt und be­wegt sich um den Planeten dreimal schneller als die­ser um seine Achse, so daß er für einen Beobachter auf dem Mars im Westen aufgeht, im Osten unter- geht, sich also entgegengesetzt bewegt wie die Sterne. Der äußere Mond, Daimos, vollendet einen Um­lauf in 30i Stunden, in welcher Zeit ber innere Mond fast genau vier Umläufe ausführt.

Zum Schluß noch ein Wort über bie Frage ber M arsbewohne r". Wie wenig wahrscheinlich bie Annahme intelligenter Wesen auf bem Mars ist, zeigt folgende Ueberlegung. Die Geologen berechnen bas Alter ber Erdkruste zum mindestens 2000 Mil­lionen Jahre. Ungezählte Jahrmilliarden hat bie Erbe bereits zuvor als Planet bestanden. Eine menschliche Kultur gibt es aber erst seit einigen Zehntausenden von Jahren, obwohl die Erdober­fläche für die Entwicklung höheren Lebens denkbar günstige Bedingungen bietet. Hätte ein Beobachter die Erde alle zehntausend Jahre besuchen können, um nach vernunftbegabten Wesen Umsau zu halten, er wäre hunderttausendmal unb öfter enttäuscht worben. Im Vergleich zu ben ungeheuren Zeiträu­men ber Entwicklungsgeschichte eines Planeten ist bie Zeit, währenb ber eine yöhere Kultur bestehen kann, oerschwinbenb kurz. Die Annahme von Mars- bewohnern würbe voraussetzen, baß Mars sich un­gefähr in demselben Entwrcklungsstatium befände

große Gebiete ber Marsoberfläche verschleiern unb I bie Feuchtigkeit sich an ben Polen in Form von | Schnee und Eis nieberschlägt. Die weißen Polar­kappen bilden sich jedesmal im Winter ber betref­fenden Halbkugel, um zu Beginn des Sommers mit steigendem Sonnenstände ziemlich rasch ganz oder bis auf wenige Reste abzuschmelzen. Die große Schnelligkeit des Zurückweichens der Schneegrenze, bis 100 Kilometer täglich, läßt daraus schließen, daß es sich nicht um Eismassen größerer Mächtig­keit handelt, sondern nur um eine verhältnismäßig dünne Schneedecke. Manche Forscher halten die weißen Kuppen lediglich für dicht über bem Boden lagernde Eiswolken unb Nebel.

Größere Wasseransammlungen in Gestalt von Seen oder Meeren gibt es auf bem Mars nicht, ba sonst bei ber sehr durchsichtigen Atmosphäre Sonnenreflexe ihre Anwesenheit verraten würden. Wenn man daher die Hellen rötlichgelben oder braunen Gebiete der Marsoberfläche alsK o n - t i n e n t e", die dunkelgrauen, hauptsächlich auf der Südhalbkugel befindlichen Flächen alsMeere" be­zeichnet, so soll Damit durchaus nicht gesagt sein, daß dies ber Wirklichkeit entspricht. Vielleicht waren in einer weit zurückliegenden Zeit ber Entwicklung des Planeten diese dunklen Gebiete wirkliche Meere: jetzt sind sie ausgetrocknet. Ob bie mit ben Jahres­zeiten wechselnde Färbung der dunklen Partien durch das Vorhandensein von Vegetation hervor­gerufen wird, ist jetzt noch gänzlich unentschieden. Der Außenrand der Marsscheibe erscheint meist glatt und frei von Zacken, die Marsoberfläche ist daher ziemlich eben. Während auf der Erde der Höhenunterschied zwischen dem höchsten und tief­sten Punkt fast 20 000 Meter erreicht, dürfte er auf dem Mars 2000 Meter kaum übersteigen.

Infolge der größeren Entfernung von der Sonne ist die Wärmeeinstrahlung nur etwa halb so.groß, die Jahreszeiten aber doppelt so lang wie auf der (Erbe. Währenb des Südsommers ist ber Sübpol bes Mars 160 Tage lang ununterbrochen ber Sonnenbestrahlung ausgesetzt. Die auf bem Mount Wilson unb bem Lowell-Observatorium ra- biometrisch bestimmten Bodentemperaturen dieser lange bestrahlten Gebiete der Marsoberfläche liegen zwischen 10 unb + 20 Grab Celsius, was ben auf ber Erbe vorkommenden Temperatu­ren durchaus entspricht. Während aber auf ber Erde die Tropen durch außerordentlich gleichmäßige, hohe Wärme gekennzeichnet sind, erreicht auf dem Mars gerade am Aequator bie tägliche Wärme- schwenkung ganz erstaunliche Beträge von 50 bis 60 Grab. Im Laufe ber Nacht findet hier eine enorme Llusstrahlung burch bie bünne Luft gegen den kalten Weltenraum statt, so daß am Ostrand ber Marsscheibe bei Sonnenaufgang Temperaturen

wie bie Erde. Das ist aber sicher nicht ber Fall. Wenn bie Anschauung richtig ist, daß Venus mit ihrer unburchbringlichen Wolkenhülle gewissermaßen die Jugend, die Erde die Reife und Mars das Grei­senalter eines Planeten verkörpert, so müssen wir bie Marsbewohner, falls es jemals solche gelben hat, in jene fernen Zeiten zurückversetzen, ba Mars noch eine dichtere unb wasserreichere Atmosphäre hatte und eine heißere Sonne ihm mehr Wärme als gegenwärtig zustrahlte.

Tonfilm:Wolkenstürmer".

Das ist eine Produktion der amerikanischen Firma Metro-Goldwyn-Mayer in deutscher Fas­sung. Der Film erinnert etwas an den vor län­gerer Zeit hier gezeigten amerikanischen Flieger- FilmWings", stellenweise auch anF. P. 1' : er spielt in der amerikanischen Marineflieger­truppe und ist für den deutschen Besucher sachlich und technisch interessanter als um seiner Spiel- Handlung willen, die in ihrer Mischung von nüch­terner Objektivität und harmlosem Humor, von leichter Sentimentalität und derber Handgreif­lichkeit sich wohl in erster Linie an ein ameri­kanisches Publikum wendet. Der Film vermittelt einen Einblick in die amerikanische Seekriegs- fliegerei und gibt unheimliche Aufschlüsse über die verheerende Reichweite und Wirkung der hochentwickelten modernen Luftwaffe. Die Auf­nahmen (Regie: George Hill) sind technisch aus­gezeichnet: die Geschwadermanöver mit exakten Evolutionen, tollkühnen Sturzflügen und Loo­pings, der enorme Apparat des Flugzeugmutter­schiffsSaratoga". das GesechtLschiesien der Groß­kampfschiffe und der Bombenangriff einer Kampf­staffel auf die riesige Schiffsscheibe ergeben höchst eindrucksvolle Filmszenen. In diese flugtechnische Reportage aus USA. ist eine Spielhandlung ein­gebaut, die mit einfachen Konflikten arbeitet, gelegentlich auch vor den Effekten des Sensa­tionsstückes nicht zurückschreckt, aber auf das fast traditionell gewordene happy end verzichtet. Die Bilder vom Flugzeugabsturz und von der Ret­tung der drei im Nebel verschollenen Piloten sind von starker Spannung. Linker den amerikani­schen Darstellern steht Wallace Beery, einer der Prominenten von Hollywood, an erster Stelle: ein starker, gutmütiger und biederer Bursche, der in seinen besten Szenen von ferne an unfern Iannings denken läßt. Von den übrigen sind Clark Gable, Conrad Nagel, Marjorie R a m b e a u und Cliff Edwards zu nennen. Llebertragung und Wiedergabe lassen nichts zu wünschen übrig. Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus. r