Ausgabe 
3.3.1933 Erstes Blatt
 
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wird also in ihrer Freitagsausgabe den Aufruf an das deutsche Volk bringen müssen.

Stahlhelm-Vorbeimarsch vor dem Reichspräsidenten am Wahlsonntag.

Berlin, 3. März. (CNB. Funkspruch.) Der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, veranstal­tet am Sonntagnachmittag zu Ehren seines Ehrenmitgliedes, des Reichspräsiden­ten Generalseldmarschall von Hindenburg einen Vorbeimarsch vor seiner Wohnung. Etwa 25 000 Mitglieder des Stahlhelm und seiner Unter- gruppen sammeln sich im Tiergarten und marschie­ren unter Führung des 2. Bundesführers Oberst- leutnant Duesterberg durch das Brandenbur­ger Tor über den Pariser Platz, Unter den Linden, durch die Wilhelmstratze an der Wohnung des Reichspräsidenten vorbei. Der 1. Bundessührer, Reichsarbeitsminister Sc löte, wird dem Vorbei­marsch beiwohnen.

Meine politische Nachrichten.

Aus den Rundfunk übertragen werden heute abend von Stuttgart aus um 20 Uhr auf alle Sender eine Rede des Vizekanzlers v. P a p e n, von Hannover aus um 21 U&r auf alle Sender eine Rede des Reichsarbeitsministers Seldte.

Das sozialdemokratischeKasseler Volks­blatt" ist bis einschließlich 16. März und die sozialdemokratische WochenschriftHessische S o n n t a g s p o st" bis einschließlich 2. Mai ver­boten worden, e

Der mecklenburg-schwerinsche Minister des Innern hat heute die gesamte sozialdemokra- tischePresse in Mecklenburg-Schwerin für die Zeit vom 3. bis 9. März verboten.

*

Der Stabschef der SA., Röhm, hat an den Reichstagspräsidenten Göring folgendes Tele­gramm gesandt:Die SA. gibt ihrer Empörung über die neue Untat marxisti cher Verbrecher Aus­druck und steht bereit, Hand n Hand mit Dir das deutsche Volk von dieser Pe t zu befreien. Ernst Rohrn."

*

Der Führer der KPD., Ernst Thälmann, von Hamburg, soll nach Kopenhagen geflohen fein.

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Die feierliche Amtseinführung des Prä­sidenten der Vereinigten Staaten Franklin R o o s e* velt wird am Samstag im Rundfunk übe# tragen. An der Uebertragung sind von 18.30 bis 19.15 Uhr u. a. die Sender Frankfurt a. M., Leipzig, Basel angeschlossen. In der Zeit von 22.25 bis 23.10 Uhr wird von Berlin über den Deutschlandsender ein Hörbericht über di Feierlichkeiten von Wachsplatten gesendet. Die Wach-plattenaufnahme bringen um ' 23.20 Uhr noch die Sender München und Stuttgart.

3n den.Vereinigten Staaten hat die Dundes- reservebank den Diskontsatz von 2,50 auf 3,50 v. H. erhöht.

Die Staaten der Kleinen Entente haben endgültig darauf verzichtet, die Hirtenber­ger Angelegenheit vor den Völker­bundsrat zu bringen. Sie betrachten die Ange­legenheit durch die inzwischen erfolgten diplomati­schen Schritte als erledigt.

Aus aller Welt.

Erdbeben und Sturmflut in Japan. Hunderte von Toten und Derlehten.

3n Tokio wurde ein Erdbeben verspürt, das die Häuser stark erschütterte. Die Bevölkerung ge­riet in grohe Aufregung. Rach Mitteilung deS

Wie sie ihn bezwang

Originalroman von J. Schneider-Ioerstl.

Urheberrechtsschutz.- Verlag D. Meister, Werdau i. S.

13. Fortsetzung. Rachdruck verboten!

Sie zuckte nur die Achseln. Erst hatte sie gefroren. Nun trieb die feuchte Luft ihr perlende Tropfen auf die Stirn. Er sah es und geriet in neue Bedrängnis. Seine Frage, ob sie nicht abzulegen wünsche, Der- neinte sie mit einem Kopfschütteln. ,^Ich versichere Ihnen" sagte er, indem er einen der weißen Korb- stühlc für sie zurecht schob,es gibt keinen Mann, der sich weniger aus Frauen macht als Hans Jörg!"

Das habe ich erfahren, ja!"

Es hörte sich an wie ein Schrei der Verzweiflung. Er wußte sich nicht mehr zu helfen. Dazu dieses nun todblasse, süße Frauengesicht, dessen Augen hilfe­suchend zu den Palmen hinaufirrten.

Einen Stuhl herbeiholend, sprach er auf sie ein: Sie sagten. Sie hätten Beweise, gnädige Frau! Welcherlei Beweise sind das?"

Ihre Rechte griff unter den Mantel. Ein Papier knisterte. Sie sah öte Spannung in seinem Blick, die schlecht verhehlte Angst verbarg, und riß sich zu­sammen. Lassen roirs, Doktor. Es geht ja schließlich doch nur ihn und mich an. Was soll ich Sie mit in die Affäre hineinziehen! Es war unvernünftig von mir, Sie überhaupt damit zu behelligen. Halten Sie es meiner Eregung zugute und und denken Sie nicht zu schlecht von mir!"

Wie können Sie das in Betracht ziehen, gnädige Frau! Ich möchte helfen Ihnen und Jörg und bin machtlos. Machtlos, weil Sie mich in Un- gewißheit lassen. Nur ein erklärendes Wort, Baronin. 2ch werde schweigen bis zu dem Tage, an dem Sie mir die Erlaubnis geben, darüber zu reden."

Sie falte sich erhoben und stand jetzt hochqereckt vor ihm.Es ist nicht mehr nötig, Doktor! Ich bitte, bleiben Sie!" Ihre Hand hielt ihn zurück, aber er führte sie an die Lippen und ging an ihrer Seite den Kiesweg entlang, dem Ausgange zu.

Ich werde Sie nach Hause bringen!"

Danke, nein! Ich habe einen Wagen draußen stehen. Bemühen Sie sich nicht!"

Er schien es nicht gehört zu haben. Durch die ge- schliffenen Glastüren der Bar sah man die flirtenden Wiener vorübertanzen. Sie wandte den Kopf und zog den Kragen des Pelzmantels hoher. Die Musik tat so weh und das Erinnern. Einmal, Gott, nur jetzt nicht daran denken, wie es einmal gewesen war Ewigkeiten lag das nun schon zurück und war kaum zwölf Wochen, daß sie das alles hingegeben hatte.

Um ein Nichts!"

Ihr eigenes Herz hatte sie betrogen!

Und neben ihr sprach jetzt Oehme von dem Mann,

japanischen 3nncnmtnlftcrium8 find bisher keine Menschenopfer zu beklagen. Auch in Vokohama wurden Erdstöße verspürt, die ernsterer Ratur gewesen sein sollen. Auf das Erdbeben folgte eine Sturmflut. 3n Kamaishi, an der Ost- küste von Rord-Hondo, ungefähr 320 Kilometer nördlich von Tokio, wurden 1500 Häuser von Wassermassen weggespült..Rach den bis­herigen Feststellungen wurden 306 Personen getötet und 1 222 verletzt. Heber 200 Per­sonen werden vermißt. 1200 Schiffe wurden aufs Meer hinausgetrieben. Am stärksten sind die Bezirke 3wate, 3hagi und Aomori getroffen. Einige Fischerdörfer sind vollkommen verschwunden.

Line amerikanische Entführungsaffäre.

Wie aus Denver (Colorado) gemeldet wird, ist der Freund der Obersten Lindberg h, Charles Böttcher, der am 12. Februar unter geheimnisvollen Umständen entführt wurde, dieser Tage von den Entführern im Zentrum der Stadt in Freiheit gesetzt worden, nachdem Böttchers Vater, ein wohlhabender Mann, den Entführern ein Lösegeld von 60 000 Dollar gezahlt hatte. Rach der Frei­lassung Böttchers nahmen fünf Lastwagen mit Polizei die Verfolgung der Entführer auf. Es kam dabei mit den Entführern zu einem Feuer- gesecht. Ein Entführer wurde dabei getötet, während die übrigen anscheinend entkommen konnten.

Anschlag auf einen Personenzug in Rordirland. 30 verletzte.

Der Personenzug von Belfast nach London- Derry wurde durch einen Anschlag zur Entglei­sung gebracht. Ein Teil des Schienenstranges war aufgerissen und die Signal- und Telefondrähte waren durchschnitten worden. Der Zug, der mit einer Geschwindigkeit von etwa 50 Stundenkilo­meter fuhr, stürzte die Böschung hinunter. Wie durch ein Wunder wurde niemand getötet. 30 Per­sonen wurden teilweise schwer, teilweise leichter, verletzt.

Explosion in einem Weinkeller. Zwei Verletzte.

Eine schwere Explosion ereignete sich in einem Weinkeller in Beurig (Wests.), was daraus zurückzuführen sein dürste, daß sich aus größeren Mengen Schwefels, der in dem Keller lagerte, Schwefelgase entwickelt hatten. Als der Küfer- meister ein Streichholz anzündete, explodierten die Gase und es bildete sch eine Stichflamme, die die Kleider des Küfers und die eines Ar­beiters erfaßte. Der Küfermeister muhte fofort ins Krankenhaus gebracht werden, wo er in be­denklichem Zustande darniederliegt. Auch der Keller war in Brand geraten. Die Feuerwehr mußte zur Bekämpfung des Brandes mit Gas­masken vorgehen.

Aus der provinzialhaupistadi.

Frühlingsgedanken.

Mein Rachbar ist in seinem Garten beschäftigt. Gr putzt seine Bäume und Sträucher aus. Da steht er auf einer bequemen Leiter und schaut sich alles an. Die spitzen dürren Aeste, die kran­ken Zweige, sie müssen weichen. 3ch höre, wie die »Schere arbeitet, wie -die überflüssigen Aeste zu Boden fallen. Run geht er zu einem alten Baum. Zuerst umwandelt er ihn prüfend, dann steigt er auf die Leiter. Die Säge tut ihr Werk. Ein mächtiger Ast, der aber Krankheitsstellen zeigt, wird abgesägt. Krachend stürzt er auf die Erde. Dann kommen die kleineren Aeste an die Reihe. Es folgt die Arbeit der Drahtbürste, der Baumkratze. Rach einiger Zeit betrachte ich den sauber geputzten Baum. Er sieht auf einmal ganz anders aus, viel lichter und freundlicher.

Auch die Beerensträucher werden von den überflüssigen Aesten befreit. Stunde um Stunde arbeitet der rüstige Mann. Es ist die erste Früh­lingsarbeit.

Und auch zu mir kommen Frühlingsgedanken. 3a, die Sonne lockt. Der Winter muh weichen. Die Haselkätzchen sind in den letzten Tagen gold­gelb geworden und lassen ihren Staub im Winde fliegen. Auch die Weidenkätzchen find aus der braunen Hülle hervorgesprungen und zeigen ihr silberweißes Fell im hellen Sonnenlicht. Die grünen Spitzen der Schneeglöckchen lugen aus der Erde hervor. Sie können es ja nie recht erwarten, bis der Frühling endlich einzieht. An der Rordseite liegen noch Spuren von schmutzigem Schnee. Aber überall quillt und wächst es.

Auch im Herzen der Menschen keimt nun neue Hossnung auf. Vergessen wir Sorgen und Winter, schauen wir hinaus in die erwachende Ratur! Hören wir, wie die Vögel, die nun auch froh sind, daß der harte Winter vergangen ist, ihr Lied schmettern!

Können wir es nicht auch so machen, wie unser Rachbar, der seine Bäume und Sträucher von überflüssigen Aesten säubert? Halten wir Um­schau in unferm täglichen Tun und Treiben! Wieviel Sorgen und Aergernisse belasten unser Herz! Wie oft haben wir verzweifeln wollen!

Da kommt nun die ewige Ratur und lehrt uns wieder hoffen. Rur etwas müssen wir mit­

helfen. Krankhaftes und Lleberflüfsiges müssen wir selber beseitigen. Wir müssen dafür sorgen, daß wieder Luft und Licht in unser Herz ge­langen können. Dann werden die schlummernden Blütenknospen sich entfalten. Dann können wir dereinst auch eine frohe Ernte feiern.

Aber aushalten müssen wir lernen, nicht vor­zeitig erlahmen. Wir müssen Sorge tragen, daß Die Blütenknospen, die ja in jedem menschlichen Herzen ruhen, nicht durch Stürme und Witte­rungsrückschläge verkümmert oder gar vernichtet werden. Alles, was unS beschwert, können wir nicht auf einmal beseitigen, aber mit etwas Mut und Zuversicht können wir wenigstens die über- flüffigen und krankhaften Sorgen abschneiden.

Wir müssen den kommenden Frühling noch einmal so in uns aufnehmen, wie vor vielen, vielen 3ahren. wie die Kinder und Mädchen, die eine lange Kette bildend, über die Land­straße ziehen und singen:3eht fängt das schöne Frühjahr an ..." Z.

Enteignungsverfahren zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit.

Für die Geradelegung eines Teiles des Lahn- bettes unterhalb des Wehres am städtischen Elek­trizitätswerk hat die Bürgermeisterei Gießen das vereinfachte Enteignungsverfahren zur Beschaf­fung von Arbeitsgelegenheit für die an jener Baustelle gelegenen Grundstücke beantragt. Wie das Kreisamt Gießen im neuesten Amtsverkün­digungsblatt bekanntgibt, liegt der Plan der zu enteignenden Grundstücke samt dem Antrag und den sonstigen Rachweisungen in der Zeit vom 4. bis 17. März einschließlich auf Zimmer 15 des Stadthauses, Bergstraße 20, während der üblichen Geschäftsstunden zu jedermanns Einsicht offen. Zur Verhandlung über den Plan, die Entschädigung sowie Beschlußfassung über die ®nteignung ist Tagfahrt vor der Lokalkommission auf Mittwoch, 22. März, 8.30 Uhr, im Sitzungs­saal des Kreisamts anberaumt. (Interessenten seien auf die Bekanntmachung im neuesten Amts- verkündigungsblatt besonders hingewiesen.

Bornotizen.

Tageskalender fürFreitag: Stadt­theater, 20 bis 22.30 UhrDa stimmt was nicht".

um dessentwillen sie all das erduldete.Wenn Hans Jorg wüßte, was Sie von ihm denken, gnädige Frau! Soll ich mit ihm reden? Ich fürchte mich nicht vor ihm, obwohl er gerade in der letzten Zeit un­sagbar überarbeitet und darum auch über die Maßen nervös war. Ich kann ihn auch überwachen, wenn es Sie beruhigt. Er wohnt seit vier Wochen bei mir!"

Bei Ihnen?"

Ja! Wußten Sie bas nicht?"

Sie schüttelte den Kopf.Was weih ich überhaupt von ihm?"

Das war wieder der Ton, der ihn so in Angst ver- setzte. Er würde nicht Rast und Ruhe haben, bis er sie wieder zu Hause wußte. Sie war kaum zwanzig Jahre, und was tat man in diesem Alter nicht alles, wenn man sich verlassen und betrogen glaubte. Fühlte denn Hans Jörg nicht, daß seine Frau um diese Zeit einen Weg ging, den man nur lief, wenn einen die Verzweiflung gepackt hatte?" Er schlafe, hatte sie gesagt. Schlafen! Jetzt! Keine Ahnung hatte er, was alles auf dem Spiele stand. Er aber wußte darum und machte von neuem den Anwalt für den Freund: 2ch sehe ihn jeden Morgen nach seinem Bureau gehen, gnädige Frau! Nachmittags nach der Werft. Von dort geht er wieder nach seinem Bureau!"

Und nachts?"

Er bemerkte den erwartenden Blick, der auf dem Grunde feiner Seele zu lesen schien.Es ist schon vorgekommen," sagte er,daß ich ihn, wenn ich früh- morgens von Schwerkranken kam, von seinem Schreibtisch wegholen mußte. Wo bliebe ihm da noch Zeit für eine Frau?"

Sie strich sich über die Stirn und verspürte plötzlich eine ungeheure Müdigkeit. Die erste Erregung war abgeflaut und machte einer lähmenden Apathie Platz. In mir ist nichts als eine Wirrnis", gestand sie und hielt mit Gewalt das Weinen zurück.

3a, nicht wahr?" griff er ihre Worte auf.Eine Wirrnis. Sie sollten mit ihm sprechen, Baronin. Schon um Ihretwillen, und dann auch um seinet­willen. Es ist fürchterlich, einer Tat angeklagt zu sein, und nichts darum zu wissen. Er wird Ihnen sicher die volle Wahrheit sagen, selbst wenn es ihm Kopf und Kragen kosten sollte."

Sie erwiderte nichts, und der Portier sah erstaunt, wie der Herr im Frack und ohne Mantel mit der Fremden durch den Windfänger schritt, den einer der Boys in Bewegung setzte. Keiner von ihnen bei- den kam mehr zurück.

Sie machen sich ungücklich, gnädige Frau!" be­schwor er sie und setzte noch vor Stephanie den Fuß aus das Trittbrett.Ihre Sorge ist eine Sorge um nichts. Nur verlangen Sie um Gotteswillen nicht wehr von ihm, als er geben kann. Es ist nicht seine Art, zu küssen und ein Weib zu umschmeicheln. Aber das kann doch in Ihren Augen seinen Wert nicht vermindern."

Sie sind eben sein Freund und nicht seine Frau, Herr Doktor!" wehrte sie apathisch.Lassen wirs nein, lassen wir's!" flehte sie und wollte

seine Hände die auf der Klinke der vorderen Tür lag, zurückseyieben. Es gelang ihr nicht.

Auf der anderen Straßenseite zog ein Trupp junger Leute vorbei und lachte und sang in hellem Uebermut zu der Sternenklarheit des Winterhim- mels empor. Daß heute alles so weh tatl So fünf), terlich weh. Selbst dieses Lachen. Und als bann Oehme von neuem zu sprechen anhub, brückte sie in unbeherrschtem Aufschluchzen bas Gesicht gegen die blaue Lackierung des Wagens.

Um Gott, Baronin! Stephanie, ich bitte Sie!" Oehme stand ratlos.Was soll ich denn noch sagen? Daß er herrisch ist und eigenwillig und verschlossen! Zuweilen auch von bitterster Ironie!--Aber

ehrlos? Nein! Er ist die Treue selbst und von einer Aufopferungsfähigkeit, die ihresgleichen jucht.--

Ick) dachte, Sie liebten ihn!"

Mit tränenüberrieseltem Gesicht lehnte sie noch immer gegen den Wagen. Oehme sah sich um als er jetzt ihre Hand an seinen Mund führte. ,Lst es denn so schwer, den Weg zu finden, Frau Stephanie?"

Aus verweinten Augen sah sie ihn an:Wo ich ihn auch suche, er führt immer wieder an ihm vor­bei. Ihn wieder freigeben ist das einzige, was ich tun kann."

Oehme sah erschrocken wie sich hinter ihnen die Glastüren drehten. Es war unmöglich, noch länger hier stehen zu bleiben.Bitte steigen Sie ein", mahnte er dringlich!Bitte!" wiederholte er und stützte sie unter den Ellenbogen, damit sie das Tritt­brett nicht verfehlte. Die weiße Brust feines Frack- Hemdes leuchtete auf, als vorne die beiden Schein­werfer aufblitzten. Der Schnee des Fahrdammes sprühte silbern und knirschte unter den Rädern, die jetzt lautlos dahinglitten. Jedes Wort schwieg. Oehme wußte den Weg nicht, nahm eine falsche Richtung, eine Menge Straßen hatten sie schon gekreuzt.

Stephanies Schrecken war grenzenlos, als plötzlich hohe Gittertore einen Schatten auf den Fahrweg warfen.Schönbrunn!" sagte sie tonlos.Wir müs­sen zurück, Doktor! Lassen Sie mich ans Steuer, bitte!Er gehorchte, beschämt. Wien war zur Nacht ein Labyrinth für ihn. Zehn Minuten später hielten sie wieder vor dem Bristol.

Verständnislos sah er sie an.Ich wollte es so", erklärte sie.Sie werden begreifen, daß Sie mich nicht nach Hause bringen dürfen.--Ich habe

das vorher zu wenig überlegt?

3ch kann die Verantwortung nicht auf mich neh- men, gnädige Frau." Er machte keine Miene aus- §usteigen, als sie mit der Linken den Schlag für ihn öffnete.

Haben Sie doch ein Einsehen", drängte sie.Ich bin jetzt"--sie sah rasch nach der Uhr im Wagen-

Innern,zwei und eine halbe Stunde von zu Hause fort. Der Daimler gehört nicht einmal mir. Ich habe ihn einfach vor der Türe weggenommen."

3ch muß wissen, wie Sie nach Hause kommen!" bestand er auf feinem Willen.

3ch werde Sie antelephonieren" versprach sie.

Oberhesf. Kunstverein, Turmhaus am Brand­platz, 15 bis 17 Uhr. Ausstellung. Kampf­front Schwarz-Weih°Rot, 20.15 Uhr, Turnhalle am Oswaldsaarten, öffentliche Wahlkundgebung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Wolkenstür- mer". Astoria-Licht piele, Seltersweg:Der Schrei der Masse".

*

Die Konfirmation in Hessen am Ostermontag. Früher wurden die Konfir- mationsfeiem fast überall in Hessen am Pfingst­montag abgehalten. Mit der Vorverlegung auf Ostern wurde von der Kirchenbehörde die Er­laubnis erteilt, die Konfirmationsfeiern am Oster­montag abzuhalten unter der Voraussetzung, daß dieser Tag von störenden Veranstaltungen, na­mentlich Tanzbelustigungen in den Landorten, freibliebe. Polizeiliche Bestimmungen garantierten diesen Schuh für den Ostermontag an den Orten, an denen früher der P f i n g st m o n t a g geschützt war. Da neuerdings nicht mehr alle polizeilichen 3nstanzen die betreffenden Bestim­mungen durchführen und durch das Zusammen­fallen von Konfirmation und Tanzvergnügungen bereits mehrfach schweres Aergernis entstanden ist, ist kirchlicherseits jetzt angeordnet worden, daß am Ostermontag nur an den Orten kon­firmiert werden darf, an denen garantiert wer­den kann, daß keinerlei «Störungen durch Tanz­belustigungen oder dergleichen vorkommen. Die Anordnung gilt bereits für dieses 3ahr.

** Autodieb stahl. Der Polizeibericht mel­det: 3n der letzten Rächt wurde in die Garage des Grundstücks Wartweg 21 eingebrochen und der dort stehende Dixi-Kraftwagen mit dem poli­zeilichen Kennzeichen VO 5674 gestohlen. Es han­delt sich um eine viersihige Limousine, maha­gonifarbig lackiert. 3m Wagen befanden sich drei Koffer mit Werkzeugmustern sowie Prospekte. Der Kraftwagenbesiher hatte außerdem Anzüge und Leibwäsche im Wagen untergebracht. Ferner drangen Einbrecher in der gleichen Rächt in eine weitere Garage am Wartweg ein. Das von den Eindringlingen vermutete Auto war aber nicht vorhanden, so daß sie schließlich aus der Garage nur eine Fahrradlampe mit sich nahmen. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Sach­dienliche Beobachtungen wolle man der Polizei mitteilen.

Ein Beitrag zur Bogelzugforschung.

* Nidda, 2. März. Kürzlich fand Landwirt Hermann Bechtold bei Arbeiten auf einem Acker in der Nähe der Nidda einen Dogelring B 3 3 81 6 der Vogelwarte Rossitten und sandte ihn an die Vogelwarte Rossitten ein. Nun erhielt er von dort ein Dankschreiben mit dem Bemerken, daß der Ring am 24. Mai 1932 einem jungen Fisch­reiher bei der Försterei Plötzenfließ, Kreis Deutsch-Krone, an der Grenze von Westpreußen angelegt worden war.

Wettervoraussage.

Die ozeanische Storung hat sich weit auf das Festland ausgebreitet und durch die Warmluft ihrer Vorderseite in fast ganz Deutschland Tau­wetter herbeigeführt, in unserer Gegend sogar Temperaturanstieg bis annähernd plus 10 Grad veranlaßt. Da nunmehr die Zufuhr maritimer Luft eingeleitet ist und über Frankreich solche mit hohen Temperaturen nachfolgt, wird sich daS Wetter weiterhin mild und regnerisch gestalten.

Aussichten für Samstag: 3m ganzen mild, meist bewölkt und regnerisch, südwestliche Winde.

Lufttemperaturen. Am 2. März mit­tags 4,3 Grad Celsius, abends 3,9 Grad. Am 3. März morgens 7,0 Grad. Maximum 7,2 Grad, Minimum 0,6 Grad. Riederschläge 10,7 Milli­meter.

Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 2. März abends minus 0,1 Grad. Am 3. März morgens 0,0 Grad.

Bis wann?"

In einer halben Stunde."

Er verglich rasch seine Uhr mit der anderen, die im Führersitz angebracht war.Also um zwei Uhr, gnädige Frau. Wenn ich fünf Minuten nach zwei keine Antwort habe, lasse ich Hans Jörg aus dem Bett holen."

Ich werde sofort anrufen.--Mein Wort,

Herr Doktor!"

Ehe er über das Trittbrett stieg, hielt er noch ein­mal ihre Rechte fest und neigte sich darüber.

Sein Gesicht schimmerte weiß, als er es jetzt zu ihr aufhob:Fahren Sie langsam, Frau Stephanie. Ich Sie wissen nicht, welche Verantwortung Sie mir auf die Seele laben."

Es kam kein Wort mehr aus ihrem Munde.

Auf dem Schnee der Fahrbahn stehend, sah er dem Wagen nach, unter dessen Scheinwerfer die Häuser aufleuchteten.

Als Stephanie in die Herrenstraße einbog, sah sie eine Gruppe erregter Menschen versammelt. Eine erregte Männerstimme gab auf eine andere zornige Antwort.Ich versichere Ihnen, Herr Graf, eine Viertelstunde vor vierundzwanzig Uhr stand der Wagen noch hier. Und als ich dann zehn Minuten später wieder herauskam"

Der Hupenton, der einem entgegenkommenden Wagen Vorsicht gebot, zerfetzte den Schluß der Rede.

Da kommt er ja", sagte die vorher zornige Stimme.Nun werden wir ja sehen, wer sich da einen Ulk erlaubt hat. Baronin, Sie? " Er sah verblüfft in Stephanies feingerötetes Gesicht und riß den Schlag auf, ihr seine Hand zu bieten.

Sie müssen verzeihen, Graf!" Die junge Frau verbarg ihre Angst unter einem bezaubernden Lächeln, das den schwedischen Attache über die Maßen glücklich machte.Ich dachte rascher zurück zu sein und habe damit gerechnet, daß Sie nicht so vald oufbrechen würden. Da bin ich denn durch mein liebes Wien gefahren, das ich schon so lange nicht mehr bei Nacht gesehen habe?

Es bedarf wirklich keiner Entschuldigung, Ba­ronin. In besseren Händen hätte der Wagen gar nicht sein können."

Er läuft wirklich brav", lobte sie, während ihre Zähne vor Kälte aufeinanderklangen.

Sie sind durchfroren", sorgte er sich.Es wird angebracht fein, wenn Sie noch ein Glas Punsch zu sich nehmen."

Aber sie lehnte' ab, gab vor, unsäglich müde zu sein. Ein Blick auf die Uhr hatte sie belehrt, daß cs sieben Minuten nach zwei Uhr war. Doktor Oehmes Drohung war zu ernst gewesen.Ich wollte eben Hans Jörg verständigen, sagte er, als sie einige Minuten später ihre Ankunft meldete. Gott, ick habe ihn gar nicht gebeten, zu schweigen dachte sie, als sie den Hörer in die Gabel zurücklegte. Aber das war ja bei einem Manne wie ihm selvstverständlich. Nun war sie aber unsagbar müde.

(Fortsetzung folgt.)