Ausgabe 
3.1.1933 Frühausgabe
 
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Schleichers Echo in Karis.

Frankreich beginnt zu verstehen.

Paris. 2.Ian. (TU.) Die Neujahrsan­sprache des Reichskanzlers v. S ch l e i ch e r wird oomTemp s" als erste bezeichnende Kundgebung des neuen Jahres auf internationalem Gebiet be sonders hervorgehoben. In den Worten des Reichs­kanzlers sieht das dem Quai d'Orsay nahestehende Blatt einen Beweis dafür, daß

die Reichsregierung im Jahre 1933 das Sicherheilsproblem nicht unter dem allgemei­nen Gesichtspunkt aufrollen werde, unter dem es Frankreich sehe, wenn es gleiche Sicherheit für alle verlange, sondern unter einem rein deutschen Gesichtspunkt, der in der Gleichbe­rechtigungsforderung bestehe im Sinne der teilweisen oder ganzen Aufrüstung Deutsch­lands und der Forderung nach Abänderung der gebietsmäßigen Bestimmungen des Versailler Vertrages als Vorbedingung jeder Organisie­rung des Friedens.

Strefemann habe den Poungplan erreicht, Brüning das Ende derReparationen vorbereitet, von Papen die grundsätzliche Anerkennung der Gleichberechtigung durchgesetzt und nun werde es die Ausgabe von Schleichers sein, so viel als möglich bei der bevorstehenden Aussprache über die Organisierung der Sicherheit zu erreichen, d. h. die Abänderung der gebietsmäßigen Be­stimmungen des Versailler Vertrages bezüglich der deutschen Ost grenze, von der die Ber­liner Regierung jede Organisierung des europäischen Friedens und jedes Ostlocarno abhängig machen wolle. Man glaube zwar nicht, daß Reichskanzler von Schleicher einen unklugen Schritt wagen und in Genf die Frage der Abänderung der Verträge brutal stellen werde, was einen sicheren Mißerfolg bedeuten würde.

Da Schleicher einem Ostlocarno sicher nicht zu- stimmen würde, das Strefemann schon im Jahre 1925 rundweg obgelehnt habe, so nehme man an, daß man bei der Gewährung der Gleichberechtigung an Deutschland im Sinne der in Genf beschlossenen Formel in einem Regime, das allen Völkern die Sicherheit gebe, zur Prüfung einer Abänderung des Versailler Vertrages kommen werde.

DerIntransigeant" erklärt, Reichskanz­ler von Schleicher trage entschieden einen Sa­bel. Aber er halte es nicht für angebracht, ihn stän­dig aus der Scheide zu ziehen. In feinen Reden fei er viel gemäßigter als von P a p e n. Er habe das Wort Tribut keinmal gebraucht und ganz beschei­den die wirtschaftliche Vernunft der Gläubiger ge­lobt. Auch bei der Behandlung der Gleichberechti­gung habe er keine Drohung ober Herausforderung ausgestoßen. Aus Schleichers Plänen aber ergäbe sich eine Wahrheit, die man nie vergessen sollte, daß nämlich

der Versailler Vertrag nicht mehr existiere.

Es scheint, daß die deutsche Presse für dieses Jahr die Parole erhalten habe: Abänderung der Ver­träge für die Sicherheit.

Die Kommentare der französischen Presse zum Jahreswechsel und zu der Rede des Reichskanzlers zeigen immerhin, daß man in Frankreich verstanden hat, daß eine starre Verteidigung des ganzen Friedensvertragssystems nicht mehr Aufgabe der französischen Politik sein kann. Die Presse bestätigt also gewissermaßen den Um­schwung, der sich in vielen maßgebenden Kreisen langsam vollzogen hat.

Oie Revision der Friedenc» vertrage muß kommen.

Budapest. 2. Ian. (LU.) ImQI^eggcF sagt Graf Ap p o nh i u. a.: Die Weisen der Welt stchen in beschämender Ratlosigkeit den zu lösenden politischen und wirtschaftlichen Fragen gegenüber. Die serienweisen Konferen­zen sind kläglich gescheitert, auch von

Die Heckhose.

Von Wilhelm Schäfer.

Ein Dauer aus dem Siegerland ging feine Straße trüb gesinnt; da kam bei Siegburg aus dem Wolfsberg ein Zwerg zu ihm mit einem Dort, der rot und grau und flachsig fast auf die Erde hing. Der fragte so im Wandern, ob er vorhätte, mit seiner abgeschabten Lederhose nach Bonn zu gehen? Und als der Dauer nicht eben frölich sagte, er suche jemand, der eine neue zu verschenken habe: saß ersuch schon im Straßengraben und packte aus feinem Ranzen eine frischgenähte Lederhose aus, die er dem Dauer auf beiden Händen gebreitet reichte. Der dachte, auch ein Zwerg muß wissen, was er verschenken kann; doch sah er sich das Ding noch lange mißtrauisch an, bevor er wech» fette und neu angetan die Straße in besserer Laune weiterging, sich bei dem raschen Geber auf bäuer­liche Art bedankend.

Rach einer Weile fragte ihn der Zwerg, was er für Geld aus seiner alten in die neue Hose, gewechselt habe? Der Dauer dachte: Holla, nun muß ich doch bezahlen, und holte mürrisch seine Weißpfennige heraus; toLe er sie aber vorzeigte, lagen ihrer sechs statt drei auf seiner flachen Hand. Da erst begriff er, daß er zu einer Heckhose ge­kommen war, die stets das Doppelte der Pfen­nige wiedergab; als er sich freundlicher nach dem Zwerg umsehen wollte, war er verschwunden, und nur noch sein Gelächter stak in der Luft, als ob ein Spihhund bellte.

Da fing er gleich mit dem Cxempel an, und machte zwölf aus sechs, und vierundzwanzig, acht­undvierzig: bis daß ihm beide Taschen w'.e Säcke niederhingen und er anstatt zu mißlichen Geschäf­ten gen Donn zurück nach Hause gehen konnte. Er wurde danach ein reicher 2Hann, weil ihm mit solcher Hose jeder Handel von selbst geriet; ihr Leder aber wurde blank und schwarz darüber, so daß er sie zuletzt vor einem Markttag seiner Frau zum Waschen gab. Obwohl er selber dabei stand, daß sie mit Sorgfalt auf die Leine käme, nahm sie ein Windstoß fort, als ob ein Huhn vom Habicht Überfällen wäre.

*

Als er nach vielen Iahren einem Rachbar davon erzählte, der reich und geizig war, zog der sich eine Lederhose an von seinem Knecht und ging mit dicken Sorgenfalten den gleichen Weg. Es dauerte auch nicht lange, jo kam der Zwerg wie

der Weltwirtschaftskonferenz erwarte ich fein Er. gebn'.s.

Die Revision der Friedensoertrage muß auf die Tagesordnung kommen. Ohne diese gibt es keine Besserung, auch auf wirtschaftlichem Gebiete nicht.

Allerdings ist diese Frage schwer in Fluß zu bringen, da noch übermächtige Kreiie ü.)r ent* gegenstcHen. Auf die Frage, woher er «ine Bes­serung erwarte, sagte Apponyi, ich glaube über Deutschland werden diese kommen. Die ersten Verhandlungen des Kabinetts Schleicher find klug, zielbewußt und stzmpa.'hisch, hingegen ist die Außenpolitik der neuen französischen Regierung vollständig noch im Sinne Herriols orientiert.

Polens Einstellung.

3m Osten Freundschaft, im Feindschaft."

Warschau, 2. Jan. (TU.) Nach den Neujahrs- bctrachtungen der polnischen Blätter aller Schattie­rungen tritt Polen unter dem ZeichenI m Osten Freundschaft, im Westen Feind­schaft" in das neue Jahr ein. Größte Aufmerk­samkeit verdient hierbei der Leitartikel des maß­gebenden RegierungsblattesGazeta P o 1 f l a" aus der Feder des früheren Ministers und Ehef- redakteurs M i e d z i n f k i. Der N i ch t a n g r i f f s- vertrag mit Sowjetrußland wird gleich­sam als Symbol der Friedfertigkeit beider Nach­barn im Osten dargestellt. Ganz anders ständen hin­gegen die Dinge im Westen. Dabei wird auf die Verkündigung der Botschaft von Eroberung und Revanche-Absichten durch eine deutsche Welle vor aller Welt" hingewiesen, wobei mit Bestimmtheit angenommen wird, daß dies nicht ohne Einverständ­nis mit den amtlichen Kreisen des deutschen Reiches geschehen sei.Der heutige Augenblick bringt der Welt zwei Stimmen aus der Mitte Europas. (Eine redliche und reale Friedensbestrebung von polni­scher Seite und die Stimme der unversöhnlichen Angriffslust der deutschen Seite."

In diesem Sinne haben sich auch die anderen Blätter ausgelassen. Deutlicher als dieGazeta Polska" erklärt die führende nationaldemokratische Gazeta Warszawska": Durch die offizielle Revanche-Kampagne Deutschlands brauche sich in Polen niemand aufzuregen, denn niemand werde es in Polen wagen, mit den Deutschen über diese Sache überhaupt zu reden, zumal die Deutschen sehr wohl wüßten, daß von einer friedlichen Revision keine Rede sein könne, und die ganze Propaganda vielmehr Borbereitung einer günstigen Stimmung für den Krieg fei ..." An einer anderen Stelle desselben Blattes wird erklärt: Die Verteidigung der polnischen Un­abhängigkeit sei die Verteidigung einer beste- ren und gerechteren politischen Ordnung in Europa. Deutschland wünsche die Wiederherstellung über­lebten Systemes und darum sei seine Politik zum Scheitern verurteilt, und das um so mehr, als der Rechtsanspruch auf die früheren deutschen Teilge­biete nicht die Folge der Friedensverträge, sondern die Folge der Tatsache ihres Besitzes und der ge­schichtlichen Tradition sei.

Deutscher Protest gegen belgischen Gewaltakt.

^Berlin, 2.Ian. (END.) Nachdem der deut­sche Gesandte in Brüssel in der Angelegen­heit der Ausweisung des Kaplans Gilles aus Eupen-Malmedy bereits von sich aus mit der belgischen Regierung sich in Verbindung gesetzt hat, ist er jetzt auf Anweisung von Berlin erneut bei der belgischen Regierung v o r st e 11 i g geworden.

Grenzsperre gegen überflüssige Fetteinsuhr gefordert.

Königsberg, 2. Jan. Die Ost preußische L a n d w i r t s ch a f t sk a m m e r hat an den Reichs­kanzler und den Reichsernährungsminister ein Tele-

damals und hatte den Ranzen angehängt. Der Dauer blieb gleich bei ihm stehen und bettelte ihn an, ob er ihm seine alte Hose mit einer neuen vertauschen möchte.

Vertauschen wohl, entgegnete der Zwerg und zog nachdenklich seinen Bart wie Flachs durch beide Hände. Doch hieß er ihn zuerst der alten Hose sich entledigen; und als der dürre Kerl mit seinen stakigen Deinen im nassen Sturm da- stand, riß ihm ein Windstoß die Hofe aus der Hand, als ob ein Habicht sie in die Luft genom­men hätte. Da hing der Zwerg den Ranzen wie­der um, nun sei der Handel nicht zu machen, und sprang mit langen Schritten in den Haselwald hinauf, wo er verschwand/

So stand der Dauer am hellen Tag mit nackten Deinen auf der Landstraße und mußte auch so in sein Dors zurück. Weil der Wind ihm heftig von hinten in den Rücken blies, flatterte sein Hemd vor ihm, wie wenn es nur ein Kinder- schürzchen am blauen Kittel gewesen wäre: so daß die Düben sich feit Iahren nicht solchen Spaß er­sonnen hatten, als da sie ihn gleich einem altere Esel vor sich hertraben ließen.

Geschichten von Joses Kainz.

3um 75. Geburtstage des berühmten Schauspielers.

Ioses Kainz, besten letzte Sehnsucht auf dem Totenbette feiner Regisseur-Tätigkeit am Wiener Durgtheater galt, war es in jungen Tagen, frei­lich nur für eines Abends Dauer, beschieden, so­gar den Posten eines Theaterdirektors zu bellei- den. Er gastierte damals unter Direktor van Hell mit einem Ensemble deutscher Schauspieler im Dagmar-Theater zu Kopenhagen. Aber das Theater zeichnete sich meist durch gähnende Leere aus, und nur ein Besucher blieb ihm getreu: der Gerichtsvollzieher, der mit unerschütterlicher Treue kam und auch die magersten Einnahmen pfändete. Auf einmal aber trat eine günstige Wendung ein; der alte König Christian, begierig Kainz als Don Carlos zu sehen, hatte zu der Vor­stellung fein Erscheinen jugefagt Dieses Beispiel wirkte anfeurrnd auf das Kopenhagener Publi­kum, und der Kartenverkauf ging reihend vor sich. Der Direktor aber hatte an dieser Erscheinung keine reine Freude, denn im Geiste sah er bereits den Gerichtsvollzieher die volle Äaffe entführen. Mm dies zu vereiteln, rief er seinen ersten Hel­

gram m gerichtet, in dem erneut die Forderung unverzüglicher Grenzsperre gegen alle überflüssige Fetteinfuhr erhoben wird.

Besserung der Wirtschaftslage im Ruhrgebiet.

Essen, 2. Ian. (WTB.) Die Lohnord­nung für den Ruhrbergbau, die durch Schiedsspruch des Schlichters Prof. Dr. Drahn am 24. September 1932 zunächst auf vier Mo­nate mit Wirkung vom 1. Oktober 1932 in Kraft gefetzt wurde, ist zu dem ersten Kündigungstermin 31. Dezember weder von Arbeitnehmer-

noch von Arbeikgeberseite gekündigt worden. Da­mit läuft der Taris unverändert einen Monat weiter und kann erst wieder am 31. Ja­nuar zum 28. Februar gekündigt werden. Mit- bestimmend für die Richtkündigung des Lohn- tarifes dürfte bei den Zechenbefitzern der int Augenblick verhältnismäßig gute Ab­satz im Ruhrgebiet gewesen fcin, der das saisonübliche Ausmaß übersteigt und zu einer Verminderung der Feier­schichten sowie zu zahlreichen Reueinstel- lungen führte. Der Rahmentar's ist erstmalig am 1. Februar zum 1. April 1933 kündbar.

Aus aller Wett.

Zusammenschluß deutscher Pfadfinderbünde.

In der Silvesternacht wurde auf dem Gckards- berg bei Oberhof (Thüringen) der Zusammen- fchluß von vier Pfadfinderbünden zurReichs­schaft deutscher Pfadfinder" feierlich verkündet. Zur Reichsschgst zäh'en die schon verei­nigten Reia)spfadsinder und Späher, der neue deutsche Pfadsmoerbund und der bayerisaze Pfad­finderring. Die vereinigten Bünde haben sich zum Ziel gesetzt, der die Entwicklung des deut­schen Pfadsindertums hemmenden Zersplitterung durch den Zusammenschluß der einzelnen Pfad­finderbünde entgegenzutreten. Mit der Bundes­führung wurde Oberarzt Dr. Rudolf I ü r g e n s, Privatdozent an der llniüerfilät Leipzig, betraut.

Eisenbahnunsall in Westfalen. Lin Toter, vier verletzte.

Am Montag gegen 19 Uhr ereignete sich im Bahnhof Letmathe ein folgenschweres Eisenbahn­unglück. Der Güterzug 10 209 fuhr ausdenPer - sonenzug 631 LetmatheSchwerte auf. Der Zugführer Gustav Schneider I vom Bahnhof Schwerte wurde aus dem Zuge geschleudert und von dem noch nicht zum Stehen gebrachten Güter­zug überfahren und getötet. Außer dem toten Zugführer und einem verletzten Fahrgast haben auch die Lokomotivführer beider Züge und ein wei­terer Fahrgast Verletzungen erlitten. Das Un­glück ist darauf zurückzusühren, daß die Einfahrt für den Güte5zug von den Beamten unerlaubter Weise freigegeben wurde.

Zwei Schwerverletzte bei einem Autounglück.

Auf der Toster Chausiee, kurz vor Groß-Strelitz, ereignete sich ein Autounglück. Ein Personen­kraftwagen, der mit fünf Personen besetzt war, ge­riet infolge des Glatteises ins Schleudern. Das Auto sauste gegen einen Kilometerstein, riß ihn um, knickte mehrere Bäumchen und landete im Straßengraben, wo es sich überschlug. Die Gattin des Direktors der Oberschlesischen Elekttizi- tätswerke, Pilger, wurde herausgeschleudert und schwer verletzt. Ebenfalls erheblich verletzt wurde der Führer des Autos, während die übrigen drei Personen mit leichten Verletzungen davon- kamen. Das Auto wurde vollständig zerttümmert.

Zwei Tote bei einem Motorradunglück.

Einwohner von Galbuhnen bei Rastenburg (Ost­preußen) fanden neben einem Baum zwei Tote und ein Motorrad. Der Polizeiarzt stellte fest, daß beide bas Genick gebrochen hatten. Einer der Ver­unglückten ist der Amtsanwalt Horst Wilhelm aus Bartenstein; die Personalien des anderen sind noch unbekannt. Auch die Ursache des Unglücks konnte noch nicht ermittelt werden.

Einem Polizisten die Rase abgebissen.

In Emmagrube bei Radlyn (Ostoberschlesien) kam es in der Silvesternacht zwischen der Polizei und mehreren Arbeitern zu einem Zusammen st, bei dem einem Polizeibeamten Öre Nase abge­bissen wurde. Der Täter konnte verhaftet werden. Einer der Arbeiter trug gleichfalls schwere Verletzungen davon.

Grausiger Leichenfund im Hafen von Valparaiso.

Ein Taucher machte im Hafen von Valparaiso eine grauenhafte Entdeckung. Er fand auf dem Meeresgründe ze hn Le i chen, die an Eisenschienen festgebunden waren. Man glaubt, daß es sich um einen politischen Massen­

den Ioses Kainz zu sich und ernannte ihn feierlich zum Direktor. Stolz in der neuen Würde stellte sich Kainz neben die Kasse, und als der Mann des Gesetzes erschien, erklärte er ihm im schönsten Wienerisch, er sei der neue Direktor des Unter- nehmens und keineswegs für die Zahlungsver­pflichtungen van Hells haftbar. Es dauerte «ine gute Weile, ehe der Gerichtsvollzieher aus dem Wiener deutsch des neuen Direktors klug wurde; schließlich aber mußte er mit langer Miene und leerer Tasche abziehen. Für Kainz aber war es die höchste Zeit, sich für seine Rolle vorzubereiten. Der König war bereits im Hause erschienen. Er war ein hochbetagter Greis, der müde an der Wand des Bogenganges lehnte. Kainz in höchster Hast nach der Bühne stürzend, raste an ihm vor- bd, und trat ihm, ohne ihn zu erkennen, auf den Fuß. In wilder Hast verschwand er hinter der eisernen Dühnentür, nicht einmal zu einem Worte der Entschuldigung sich Zeit lassend. Rach Schluß der Vorstellung bat König Christian den Künstler zu sich in die Loge, sagte ihm warme Worte der Anerkennung über seine unvergleich­liche Leistung, fügte aber mit leisem Spott hin­zu:Den stärksten Eindruck auf mich hat frei­lich ihr erster Austritt gemacht."

Es war zur Zeit, da Kainz im Durgtheater auf Engagement gastierte. Eines Morgens sandte ein ihm Unbekannter seine Karte zu ihm hin­ein, und er bat den Schriftsteller Hans Land, der sich in seiner Gesellschaft befand, den Mann nach seinen Wünschen zu fragen. Dieser kam mit dem Bescheid zurück, daß der Mann der Chef der Durgtheater-Claque sei, der seine Mithilfe beim Gastspiel angeboten habe; als Entschädigung für diesen Liebesdienst fordere er 150 Gulden. Schmeiß den Kerl die Treppe runter, sagte Kainz kurz, und Land besorgte das pünttllch. Rach der Tat wurde dem Schauspieler aber doch recht bange, als er erfuhr, daß das Haupt der 61a que am Burgtheater allmächtig sei und keiner, auch nicht die ersten Größen des Theaters, ihm den geforderten Sold verweigerten. .Wurscht!" rief Kainz,geht's nicht ohne diesen dunllen Ehrenmann, so soll's über­haupt nicht geben. Ich will lieber nicht nach Wien als auf solchen schmachvollen Umwegen!" And bei dieser Meinung verharrte er auch, als nach we­nigen Minuten der damalige Burgtheater-Direk- tor mit bitteren Vorwürfen telephonierte, daß Kainz gewaltsames Vorgehen den Erfolg des

mord handelt, da eine der Leichen die des im vergangenen Iuni verschollenen Kommunisk.n>üh- rers Anab a lon sein soll. Anabalon hatte ei..e starke kommunistische Propaganda während der Amtszeit des Präsidenten D a v i l a entwickelt.

Schwerer Sturm über England. Reun Mann ertrunken.

lieber Großbritannien herrschte am letzten Sonn­tag wieder ein schweres Sturmwetter, das besonders an der schottischen Ostküste großen Scha­den anrichtete. Der schottische FischdampferVene- tia" wurde bei Stonehaven auf die Uferfel­sen geschleudert. Die Besatzung von neun Mann fand den Tod in den Wellen. Auch bei Holyhead lief ein Dampfer auf einen Felsen auf. Die Mannschaft konnte mit einem Raketenapparat gerettet werden.

Unfall im Hamburger Hafen.

Vor der Einfahrt zum Hamburger Segelschiff- Hafen ereignete sich ein schwerer Unfall. Das Flensburger Motorschiffh. C. Horn" sollte in den Scgelschiffhafen gelegt werden und kollidierte bei diesem Manöver mit einem seiner beiden Schlepper. Der SchlepperEdith" der Firma Louis Meyer kenterte und sank sofort. Die aus drei Mann bestehende Besatzung ist gerettet worden.

Der Erzbischof von Wien

lädt zum Allgemeinen Deutschen Katholikentag ein.

In einem in der «Reichspost" erschienenen Reu­jahrsartikel ladt der Erzbischof von Wien, Dr. Theodor I n n i tz e r, alle katholisch-deutschen Brüder in Oesterreich, dem Deutschen Reiche und in den vielen Staaten Europas und in Liebersee, weiter die Repräsentanten jener Völker, die mit dem kaiserlichen Heere im Iahre 1633 vor Wien kämpften, Tschechen, Polen und Ukrainer, und je­ner, deren Befreiung damals eingeleitet wurde, der Magyaren und Kroaten, zum Allgemei­ne n Deutschen Katholikentag ein, der vom 7. bis 12. September 1933 in Wien statt­findet. Der Katholikentag müsse die religiösen Aufgaben der deutschen Katholiken ihrem Volk und dem christlichen Mitteleuropa gegenüber klar und zielbewußt hrrausarbeiten.

Kunst und Wissenschaft.

Oberammergaus neues Spiel im Jahre 1933.

Zur Erinnerung an das Pestjahr 1633, dem die Oberammergauer Pasfionsspiele bekanntlich ihre Entstehung verdanken, bringt Oberammergau 1933 ein neues Spiel, eine Vor­geschichte der Passion, zur Aufführung. Die Idee des Spiels stammt vom Oberammer­gauer Bürgermeister, der frärckische Dichter Leo W e i s m a n t e l hat die Ausarbeitung übernom­men. Das Stück ist jetzt dem Gemeinderat Ober­ammergau zur Prüfung eingereicht worden. Eine Propaganda wie bei den Passionsspielen soll nicht in Frage kommen, schon um dem Passionsspiel selbst, das 1934 als große Iubiläumsaufführung abgewickelt wird, keinen Abbruch zu tun. Weis­mantels Vorspiel wird aber auch 1934 als Auf­takt der Passionsspiele aufgeführt werden.

Der Vorsitzende der Internationalen Vereinigung für Malerei gestorben.

Der Pariser Maler Pierre Carrier-Bel- leuse ist im Alter von 81 Jahren geworben. Er war Vorsitzender der Internationalen Vereini­gung für Malerei und Bildhauerei.

ganzen Gastspieles aufs Spiel gesetzt habe, denn gegen Wessely", so hieß der Allgewaltige,habe noch kein Schauspieler an der Qiurg sich durch­setzen können."Schön", sagte Kainz, Jo will ich lieber gegen Wessely durchfallm!' Trotzdem er­tönte am Abend zu Kainz eigener Verwunde­rung im Burgtheater kein Pfiff; berat der vor­sichtige Direktor hatte, wie er später eingestand, selber den Tribut an die Claque gezahlt.

Gegen SchillersDon Carlos", tn dem Kainz in so unvergleichlicher Weise die Titelrolle vrrwr- perte, hegte er dennoch wegen der allzu großen Länge des Stückes einen gewissen Groll. Bevor sich der Vorhang zum fünften Akt hob, bat er deshalb seinen Freund Ferdinand G r e g o r t, den Darsteller des Posa, die letzten langen Reden im Eiltempo und mit möglichsten Kürzungen zu sprechen; aber Gregori, dieser gewissenhafte Schauspieler, lehnte diese Zumutung entrüstet ab. Run wußte sich Kainz auf andere Weise zu hel­fen. Er brüdte in die nehmefreudige Hand des Soldaten, der hinter der Szene den Schuß auf Posa abfeuern sollte, ein 10-Mark-Stück unter der Bedingung, daß er auf ein von ihm gegebenes Zeichen losdrücken werde. Dieses Zeichen erfolgte lange, bevor Posa mit seiner jambenbeschwingten Rede zu Ende war. In höchster Verblüffung ver­gaß der so früh aus dem Leben beförderte Posa die ihm vom Dichter vorgeschriebene Frage: .Wem galt das?" Sein Freund Carlos aber teilte ihm mit der liebenswürdigsten Miene mit:Ich glaube, das galt dir!" und schnitt damit dem Marquis Posa jede weitere Gegenrede ab. Auf diese Weise war ihm eine beträchlliche Kürzung der Vorstellung gelungen.

Oochschulnackn'chten.

Dem ordentlichen Professor Dr. Fr. Kl au sing in 9Jlarburg ist wieder ein Lehrstuhl für bürger­liches und Handelsrecht an der Universität Frank­furt angeboten worden.

Der Lehrftubl der Pharmakologie an der Hei­delberger Universität ist dem ordentlichen Pro­fessor Dr. F. Eichholtz in Königsberg ange­boten worden.

Der Göttinger Privatdozent Dr.-Ing. W. Prä­ge r hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der technischen Mechanik an der Technischen Hochschule in Karls« ruhe erhalten.