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3.1.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 2 Erstes Blatt

(85. Jahrgang

Dienstag, 3. Januar Ms

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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein undlür denAn- zeigenteil i.B.TH.Kümmel sämtlich in (ßiegen.

SasMinellwünschtbaldigeKlämngderparlamentanschenLage

Oie Gerüchte um Gtraßer. Wie wird sich die NSDAP, zu Schleicher einstellen?

früheren General von Siülpnagel zurückgehe, erklärt uns Reichskanzler a. D. von Papen auf Anfrage, daß er den General von Stülpnagel seit vier Wochen nicht gesehen und gesprochen habe, bah ihm auch von irgendeiner anderen Seite eine Zusammenkunft mit Adolf Hitler nicht a n - getragen worden fei und dah überhaupt die Ausführungeen des Blattes, soweit sie seine Person beträfen, absolut auf Erfindung beruhen.

Oie Preußenfrage.

Einige Blätter beschäftigen sich in diesem Zu­sammenhang auch mit der P r e u h e n f r a g e und der bevorstehenden Aussprache zwischen Reichs­kanzler von Schleicher und Ministerpräsident B r a u n. DieDAZ." meint, dah diese Unterredung neben anderem auch die Möglichkeiten der legalen Wahl eines neuen Ministerpräfiden- l e n in Preuhen und die Beendigung der kommis­sarischen Regierung zum Thema haben werde. Sollte eine Neuwahl des Ministerpräsidenten ent­sprechend den gesetzlichen Bestimmungen nicht Zu­standekommen. so dürfte nach Auffassung des Blat­tes mit einer Auflösung des Landtages auch unabhängig von dem künftigen Schicksal des Reichstages zu rechnen fein. Auch dieVosi. Zig." gibt dieser Aussassung Ausdruck und sagt, in

Ser ehemalige Reichskanzler Cuno t.

Dank des Reichspräsidenten

B e r l i n , 2. 3an. (WTB. Funkspruch.) Anläßlich des Jahreswechsels ist dem Herrn Reichspräsidenten wiederum eine Fülle telegraphischer und brieflicher Glückwünsche aus dem In- und Auslande zugegan­gen. Da die Einzelbeantwortung ihm nicht möglich ist. spricht der Herr Reichspräsident allen, die seiner freundlich gedacht haben, aus diesem Wege seinen herzlichsten Dank und seine Erwiderung der Glück­wünsche aus.

der Unterredung Schleicher-Braun werde geklärt werden müssen, ob sich in dem Dreimänner­kollegium, das über die Auflösung zu entschei­den habe, und das sich aus Ministerpräsident Braun, dem Slaatsratspräsidenlen Dr. Ade­nauer (Zentrum) und dem nationalsozialistischen Landlagspräsidenlen K e 111 zusammensehe, eine Mehrheit für Neuwahlen finden könnte. Die im Dezember abgebrochenen Berhandlun- g e n zwischen Nationalsozialisten und Zentrum in Preuhen sind bisher noch nicht wieder ausgenommen worden, wie die Tetegraphen- Union von unterrichteter Seite erfährt, ist auch für die nächste Zeit mit der Fortsetzung der Verhand­lungen nicht zu rechnen.

DieReichswehrimZchrel932

Don Major Foertfch,

Pressechef im Reichswehrmimsserium.

Das Ia.hr 1932 wird in der Geschichte der Reichswehr immer eine besondere Rolle spielen. Zwei wichtige Ereignisse fielen in das schicksals­schwere Jahr. Am 11. Dezember wurde nach lan­gen und schwierigen Verhandlungen in Genf die deutsche Gleichberechtigung auf wehrpolitischem Gebiet von den wich­tigsten Staaten der Gegenseite anerkannt. Der Teil V des Versailler Vertrages, der die ent­würdigenden Enlwaffnungsbestimmungen enthält, soll durch eine allgemeine, auch für Deutschland in gleichem Mähe wie für die anderen Staaten geltende Abmachung ersetzt werden. Damit ist der Kampf um die nationale Sicher­heit Deutschlands noch nicht zum Ab- schluh gelangt, aber er kann von nun an aus einer Plattform geführt werden, die meit mehr als bisher Aussicht aus Erreichung des Zieles bietet. Das bedeutet für Deutschlands Wehrmacht einen hoffnungsfreudigen Ausblick in die Zu­kunft. Rur der Soldat weih, wie drückend die De- stimmungen des Entwaffnungsdiktats und die daraus folgenden Auslegungen der Interall:- ierten Wilitär-Kontrolllommssion auf seiner Ar­beit lasten, wie er täglich im Kleinen und im Grohen auf Hindernisse stößt, die das Kennwort ..Versailles" tragen und die seine Aus- bildungs- und Erziehungsarbeit auf Schritt und Tritt pemnren. So würdigt auch der deutsche Sol­dat mehr als jeder andere den Erfolg des 11. Dezember und sieht im Vertrauen auf seine Führer dem erfolgreichen Ausgang dieses außen- politischen Kampfes zuversichtl.ch entgegen.

Tas zweite wichtige Ereignis ist zweifellos die Betrauung des bisherigen Reichs­wehrministers mit dem Amt des Reichskanzlers. Die Befürchtung der ver- schiedensten politischen Seiten, die Reichswehr könne damit leichter in den innerpolitischen Kampf hineingezogen werden, teilt der Soldat nicht. Tie Reichswehr wünscht schon im Interesse ihrer eigenen ruhigen Arbeit kein Hineinziehen in den politischen Lageskampf, das ihrem Wesen widerspricht. Sie kennt aus Erfahrung die Schwierigkeit und Lndantbarkeit sülcher Aus­gaben, die sie nur ablenken von ihrer eigentlichen und wichtigsten Arbeit, sich vorzubereiten aus den Schuh der Grenzen. Die Wehrmacht ist tief davon durchdrungen, das) ihr Dasein allein die Autorität des Staates sichert, wenn das Vewußt- sein der Tatsache allgemein ist. das) sie wie bis­her eine in sich geschlossene, gehorsame, stets einsatzbereite Macht in der Hand ihres obersten Befehlshabers, des Herrn Reichspräsidenten ist.

In diesem Glauben an ihre Aufgabe und ihre Kraft hat die deutsche Wehrmacht, Reichsheer und Reichsmarine, auch im abgelaufenen Iahr ihre Arbeit verrichtet. Sie konnte, nachdem das Iahr 1932 scharfe Einschränkungen der Lruppen- ausbildung brachte, ihre Hebungen wie vorgesehen abhalten. Alle Truppenteile schulten sich auf den LIebungsplätzen und im Herbst im freien Gelände in Manovem. Die größte Hebung des Iahres war das Manöver in der Gegend von Frankfurt a. d. Oder. Hier konnten verschiedene Probleme neuzeitlicher Ka­vallerieverwendung, besonders die Fragen der motorisierten Aufklärung, des Flußüberganges und der Verwendung von Kavalleriemassen in der Schlacht einer Klärung nähergebracht werden. Auch die Flotte hielt planmäßig ihre Hebun­gen ab. Sicherung der Handelsverbindungen in den Gewässern der Rordsee für den Kriegsfall war der Leitgedanke der großen Flottenübung.

Ein Einsatz im Innern mit der Waffe blieb der Reichswehr erspart. Der kurze mili­tärische Ausnahmezustand im Iuli in Berlin er­forderte keinen Einsatz stärkerer Truppenkorper. Seine Verhängung allein genügte. Dagegen konnte die Wehrmacht wieder Hilfe leisten bei Röt­st ä n d e n aller Art, um Hochwasser und Feuer­schäden abzuwehren. Im gleichen Sinne steht die Reichswehr wie im Vorjahre bei den Samm­lungen für die Winterhilfe in allen Gar­nisonen zur Verfügung.

Wieder sind im Iahre 1932 erfreuliche sportliche Erfolge zu verzeichnen. Die Kavallerieschule gewann denPreis der Ra­tionen" in Rom, Aachen, Verl in und W.en. Im Skilauf brachten die Heeresmeisterschaften beachtliche Erfolge. Drei deutsche Meisterschaften konnte das Reichsheer erringen im Kugelstoßen, Hammerwerfen und Schleuderballwerfen. Im modernen Fünfkampf wurde das Heer durch Leutnant Raube bei der Olympiade m Los Angeles vertreten. Oberleutnant H a x konnte dort nach schwerem Kampf den 2. Platz un Pi­stolenschießen erringen. Erstmalig wurden :m ab­gelaufenen Iahr Heeresschw'.mmeister.chaften ui Magdeburg mit recht gutem Erfolg ausgetragen. Hier verdienen auch Erwähnung die ausgeze.cy- neten Leistungen der beiden Oberstleutnants Sei bemann und Witt im Europa-Rundflug 1932. Sie konnten sich die besten Flugzeiten er­kämpfen und fanden im In- und Auslande be­geisterte Aufnahme.

Die deutsche Marine hatte im 2uu den schmerzlichen Verlust des Segelschulschiffes R i o b e zu beklagen, bei dem viele braoc_ See- soldaten den Tod fanden. Das Crsahschifs für die Riobe" ist in Auftrag gegeben. Reu in Dienst gestellt wurde das ArtillerieschulbvotBremse als Ersah für denDrachen". DieKarls­ruhe" kehrte gegen Ende des Iahres von ihrer einjährigen Auslandsfahrt zur Ausbildung des Offiziemachwuchses in die Heimat zurück. Sie hatte die Gewässer von Rord- und Südamerika

Berlin. 2. Jan. (TU.) Berliner Blätter geben Gerüchte wieder, die sich im Zusammenhang mit dem Fall Straßer mit der künftigen Haltung der NSDAP, gegenüber der Regierung Schleicher beschäftigen. 1L a. wird vermutet, dah sich Gregor Straher endgültig von Hitler trennen werde, wenn die NSDAP, die Parole der unentwegten Opposition weiter verfolgen sollte. Weiter wird be- behanptet, Reichskanzler von Schleicher denke daran, Straßer den Po st en eines Vizekanzlers im Reichskabinett anzubieten und bemühe sich auch darum, daß Straßer im Preußischen Landtag zum ZHinifferpräfibenten gewählt werde.

Gegenüber allen diesen Kombinationen kann zu­nächst gesagt werden, daß die verantwortlichen Stellen ihnen fernstehen. Natürlich wird die Reichs­regierung die Entwicklung innerhalb der NSDAP, abwarten. In welcher Form aber, ober ob über­haupt in absehbarer Zeit bie sachlichen Gegensätze zwischen Gregor Straßer unb bet Parteiführung ber NSDAP, eine Klärung erfahren, steht noch dahin. Sollte sie in absehbarer Zelt erfolgen, so würbe bamif auch über bie enbgülfige parlamentarische Haltung ber NSDAP. Klarheit geschaffen fein. Die Reichsregierung ihrer- eits wirb sich, so wirb in unterrichteten Kreisen ver- ichert, den Wünschen bes Reichstages nach Abgabe ber Regierungserklärung unb nach einer politischen Aussprache keineswegs entziehen unb auch hinsichtlich bes Zeitpunktes ben Wünschen bes Reichstages zweifellos entgegenkommen. Ueber ben Tag bes Zusammentritts bes Reichstages wird sich ber Aelteftenrat am Mittwoch noch entscheiden. Auf jeden Fall aber wird der Reichskanzler selbst ein klares Bekenntnis der NSDAP, für ober gegen sich forbern. An einer Verschlep­pung bieser Klärung hat bie Reichsregierung kein Interesse. Daß biese Klärung in einer vorheri­gen Fühlung nähme zwischen bem Reichskanz­ler unb ber Führung ber NSDAP, gesucht wirb, hält man burchaus für möglich.

Der in ber Presse, aufgetauchte Gedanke, Gregor Straßer in irgendeiner Form ins Kabinett aufzu­nehmen und ihn auch zum preußischen Minisler- präsibenten wählen zu lassen, wirb als eine sehr wellgehenbe Spekulation angesehen, wobei man ber Uebetjeugung ist, baß ein Mann wie Gregor Stra­ßer alsSplitter", b. h. lebiglich als Person, keine Bereicherung bes Kabinetts im Sinne einer Ver­breiterung ber Regierungsbasis bedeuten würde. Diese Ansicht dürste sich übrigens, wie man weiß, mit der Gregor Straßers selbst decken.

Zu Behauptungen des ..Jungdeutschen", dah Adolf Hiller und der frühere Reichskanzler von P a p e n in den nächsten Tagen zu einer ein­gehenden Aussprache Zusammentreffen würden und dah die Vermittlung in erster Linie auf den

ausgesucht und hatte zum erstenmal nach dem Kriege Reuyork angelaufen. Der Kreuzer K ö l n" hat mit gleichen Ausbildungszwecken die Heimat verlassen und wird zunächst das Mittel­meer und den Indischen Ozean aufsuchen. Das Erscheinen deutscher Kriegsschiffe im Ausland hat wieder dazu beigetragen, Deutschlands Ansehen zu festigen und zu mehren.

Unerfreulich gestaltete sich zum Schluß des Iah­res die Lage der Dersorgungsanwär- ter der Wehrmacht. 13 000 ehemalige Soldaten befinden sich ohne Anstellung und Beschäftigung. Eine Verordnung des Reichspräsidenten zur Ver- besserung der Zivilversorgung wurde notwendig und brachte Hilfe, konnte aber naturgemäß die ungünstige Lage auf diesem Gebiet nicht restlos beheben.

Die Reichswehr kann bei einem Rückblick auf das zu Ende gehende Jahr eine weitere Festigung ihrer Ausbildung auf allen Gebieten vermerken. Beson­ders erfreulich aber ist die sich immer enger knüp­fende Verbindung der Wehrmacht mit dem deutschen Volk, dessen Interesse für Wehrfragen im Zusammenhang mit dem deutschen Kampf um die militärische Gleichberechtigung ge­rade in diesem Jahre erfreulich zugenommen hat. Eine Jahreswende reizt zu Ausblicken. Prophezeien ist mißlich, aber Hoffnungen sind erlaubt. Dabei steht im Vordergrund die Erwartung, dah unser ftampf in Genf zu endgültigen Ergebnissen fuhrt, die die deutsche Wehrmacht wieder stärker in die Bahnen der Volkserziehung führen und sie von den unerträglichen ideellen und mate­riellen Fesseln des Versailler Vertrages befreien. Der Wille der Reichswehr, über allen Par­teien, ungebunden an wirtschaftliche und gesell­schaftliche Interessen dem ganzen Volk zu dienen bleibt auch im neuen Jahre unerschuttert. Er wird getragen von dem starken Verantwortungs­gefühl des einzelnen für die Sicherheit bes Vater-

hämhurg, 3. Jan. (WTB. Funkspruch.) Der frühere Reichskanzler Geheimrat Cuno, Vorsitzen­der des Vorstandes bet Hamburg-Amerika-Linie, ist Im 57. Lebensjahre gestorben.

Zum Ableben von Geheimrat Luno teilt bie hapag mit, dah Dr. Luno feit einigen Tagen a n Anfällen von Herzneuralgie gelitten habe. Der Arzt hatte ihm am Montag geraten, schnell einen Urlaub anzutreten. Dr. Luno war am Dienstagfrüh Im Begriff, sich für eine Urlaubsreije, bie er mit feiner Gattin unternehmen wollte, zu rüsten, als ein Schlaganfall feinem Leben ein Ziel setzte.

*

Der Name Cuno ist unzertrennlich verknüpft mit der Erinnerung an den Ruhrkampf und die Jnfla- tionskatastrophe 1923. Dr. Wilhelm Cuno, der aus Suhl in Thüringen stammte, war während des Krie­ges Leiter der Reichs-Getreide stelle und übernahm 1916 im Reichsschaßamt das Haupt­referat für kriegswirtschaftliche Fragen. Im Jahre 1917 verließ er den Reichsdienst und trat in den Vorstand der Hamburg-Amerika-Linie ein, deren Generaldirektor er nach dem Tode Ballins im Jahre 1918 wurde. Als solcher hat er als erster deutscher Reeder nach dem Kriege Anschluß an Amerika gesucht und in der Folge die hapag mit den United American Lines zu einer Interessen­gemeinschaft verbunden. Von der fReidjsregierung

lanbes nach außen, und von dem Bewußtsein, d i e Klammer bes Reiches zu bleiben wie bisher.

Roosevelt über seine Aufgaben als Präsident der USA.

Berlin, 3. Jan. (TU.) DerBerliner Lokal­anzeiger" veröffentlicht einen Artikel, in dem der neugewählte Präsident der Vereinigten Staaten, Roosevelt, die Richtlinien bekannt gibt, die die amerikanische Politik nach dem Rücktritt Hoovers bestimmen werden. Roosevelt beabsichtigt u. a. zu­nächst das landwirtschaftliche Problem im Kern zu erfassen. Um für Baumwolle und Weizen Preise zu erhalten, die dem Landwirt ein normales Einkommen sicherstellen, müsse ihm die Regierung Zollvergünstigungen über den Welt­preis hinaus zugestehen. Die Durchführung dieses Planes müsse zeitlich mit dem Wiederauf­leben des Welthandels durch Zollangleichungen zu- sammenfallen.

Die Schulden des Auslandes an Ame­rika und nicht zuletzt auch die Kriegsschulden, müßten bezahlt werden. Dem Schuldner Zah- lungserleichterungen zu gewähren, lasse gesunder Menschenverstand als ratsam erscheinen. Eine Streichung der Schulden dagegen sei weder durchführbar, noch mit dem Begriff von Ehre und Recht vereinbar. Die Stabilisierung des internatio­nalen Geldmarktes könne am besten durch die An­erkennung übernommener Verpflich­tungen erreicht werden. Die kommende nationale Regierung werde bei der Prüfung der Sachlage nicht vergessen, daß sich die Menschheit aus einzel­nen Volkern und Nationen zusammensetze und daß es daher die Pflicht jeder nationalen Regierung sei, zunächst und vor allem das Wohl des eigenen Volkes zu fördern. Zu feinen

wurden feine umfassenden wirtschaftlichen Kennb nisse auch nach seinem Ausscheiden aus dem Reich»- dienst vielfach in Anspruch genommen. So wirkte Cuno als Sachverständiger zunächst bei den Waffen- ftillstandsverhandlungen, dann in Brüssel Spa und Versailles, und schließlich bei der Konferenz von Genua mit.

Im November 1922 nach bem Rücktritt des Ka­binetts Wirth bildete er als Reichskanzler einKabinett der Arbeit", in dem Männer der Praxis und von den Parteien das Zentrum, die Deutsche Volkspartei und die Demokraten vertreten waren. Das Kabinett Cuno organisierte dann nach dem Einmarsch der Franzosen ins Ruhrgebiet (Ja­nuar 1923) die Politik bes passiven Wi b e r ft a n b e s , bie jeboch im August 1923 roieber aufgegeben werden mußte. Cuno trat am 12. 8. 1923 zurück. Es folgte ein Kabinett Stresemann. Cuno unternahm nach seinem Rücktritt zunächst eine Reise nach Amerika, um bie persönlichen Be­ziehungen zu seinen amerikanischen Geschäftsfreun- ben roieber anzuknüpfen, unb trat nach seiner Rück­kehr zur hapag zurück, zunächst als stellvertreten- ber Vorsitzenber bes Aufsichtsrates unb Delegierter beim Vorstand. Im Mai 1926 trat er bann roieber in ben Vorstanb als Vorsitzenber bes Direktoriums ein. Cunos Bemühungen gelang es im Herbst 1929 bie Grünbung einer Deutsch-englifchenVer- einigung, bie bie freundschaftlichen Beziehungen zwischen ben beiben Säubern förbern unb vertiefen soll.

weiteren Aufgaben werbe er bie Beschneidung der Verwaltungskosten der Bundes- ft a a t e n zählen. Die Ausgaben würden um nicht roeni ge r als 25 v. h. gekürzt werden.

Roosevelt schließt:Ich werde bis zum 4. März dieses Jahres noch manches hinzuzufügen haben, aber ich möchte schon jetzt zu dem Grundgedanken meiner Ausführungen zurückkehren, nämlich, daß ich die Verantwortung auf mich genommen habe, mich unermüdlich mit der Besserung ber all­gemeinen Lebenslage zu befassen. Ich blicke mit Vertrauen in bie Zukunft."

Oer Urheber des Bombenanschlags in der Kathedrale von Sofia.

Luxemburg, 2. Ian. (TU.) Auslandbläkter verbreiten bie Meldung, im Luxemburger Ge­fängnis habe ein Bulgare sich erhängt und ein schriftliches Geständnis hinterlassen, in dem er sich als Urheber des im Jahre 1925 in Sofia verübten Bombenattentates in der Redelia-Kathedrale bezeichnet. Die Tatsache liegt indes fast zwei Monate zurück. Der aus So­fia gebürtige 32jährige Georg Eon st antinoff hatte sich am 7. und 8. Rovember 1932 vor dem Gerichtshof in Luxemburg wegen Ermor­dung und Beraubung eines katholi­schen G e i st 1 i ch e n zu verantworten. In der Rächt zum 8. Rovember erhängte er sich in seiner Zelle. Auf einer Fensterbank fand man

Varlamenisauflösung in Irland.

Dublin, 3. Jan. (WTB.) Die Regierung bes Frischen Freistaates hat bas Abgeorbnetenhaus und ben Senat aufgelöst. Die Neuwahlen sind auf ben 2 4. Januar festgesetzt worben. Der Schritt ber Regierung erklärt sich aus den Schwierigkeiten,