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2.3.1933 Frühausgabe
 
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Oie Reform der Krankenversicherung.

Berlin, 1. Marz. (TU.) Der Aeichspräsi- Lent hat unter dem heutigen Tage (Mittwoch) eine Verordnung über Krankenversicherung er­lassen. Durch die neue Verordnung wird die Gebühr für den Krankenschein von 50 Pfennig auf 25 Pfennig herab­gesetzt. Weiter werden die Familien­angehörigen derjenigen Truppen von Ver­sicherten, die bisher für sich selbst keinen gebührenpflichtigen Krankenschein zu lösen brauchten (Arbeitslose, Rentenempfän­ger usw) ebenfalls von der Gebühren­pflicht befreit.

Um weitere Erleichterungen durch Einsparung aller vermeidbaren Verwaltungsausgaben zu er­möglichen, werden in der Verordnung der Reichs- reg.erung Ermächtigungen erteilt. Sie geben die erforderlichen Handhaben, die Krankenversiche­rung zu verbilligen, zu vereinfachen und ihre Wirtschaftlichkeit sicherzu­stellen. Das Aufsichtsrecht über die Träger der Krankenversicherung wird auch auf die Fragen der Zweckmäßigkeit und Wirtschaft- lichkett in der Geschäftsführung er­streckt.

Die Verordnung tritt am 2- März in Kraft. Es werden damit die notwendigen Voraus­setzungen für die durchgreifende Reform Les ganzen Krantenversicherungs- wesens geschaffen. Rach vollständiger Durch­führung der Reform, wofür diese Verordnung die Voraussetzung schafft, soll die G e b ü h V für Krankenscheine beseitigt wer­den. Die Verordnung erstreckt sich nicht auf Privatkrankenkassen. Die Einsetzung eines Aeichslommissars kann erst erfolgen, wenn über die Reform im einzelnen vom Reichsarbeits­ministerium eine Vorlage vorgelegt wird. Der Fortfall der Arznei gebühren ist in dieser Verordnung noch nicht enthalten. Cs ist aber anzunehmen. daß auch die Arznei- gebühr nach Durchführung der Reform Wegfällen kann-

Herabsetzung der Dienstbezüge in subventionierten UntemehMNgen

Berlin, 1. März. (WTD.) Die Deichs- reg.erung hat nunmehr zu dem Teil der Rot­verordnung vom 4. September 1932, der sich mit der Herabsetzung der Dienstbezüge von Borstandsm.tgkiedern und leitenden Ange­stellten insubventioniertenLlnterneh- mungen befaßt, Ergänzungs- und Durchfüh- rungsbestünmungen erlassen.

Als subventionierte Llnternehmungen gelten Ge- selischaf.en sowie Einzelunternehmungen, die aus ösicntlichen Mitteln Kredite, Zu­schüsse oder Gewährleistungen außerhalb eines regelmäßigen Ge­schäftsverkehrs zwecks Stützung er- hacken haben. Auch die Stützung durch lleber- nahmc von Aktien oder Stammeinlagen mit öf­fentlichen Mitteln gilt als Subvention.

Als öffentliche Wittel gelten die Mittel des Reichs, eines Landes, einer Ge­meinde (Gemeindeverband), der Deutschen Reichsbahngesellschaft, der Reichs­bank oder e.ner sonstigen Einrichtung oder Kör­perschaft, an der diese einzeln oder zusammen mit mchr als der Härfte des Kapitals betei­ligt sind oder sonü ausschlaggebenden Einfluß ausüben. ilm die Anwendung der Verordnung zu begründen, muh der Gesamtumfang der finan­ziellen Beihilfen eine bestimmte Windestgrenze (5 v. H. des Kapitals) überschreiten.

Der Herabsetzung f. die Dienstbezüge von Vorstandsmitgliedern und von Angestellten jeder Art unterworfen, deren jährliche Dienstbezüge 1 2 000 M k. erreichen oder übersteigen.

Den von der Herabsetzung der Dienstbezüge be­troffenen Personen wird ein einmaliges außer­ordentliches Kündigungsrecht gegeben.

Es wird mitgeteilt, daß keine schema­tische Regelung beabsichtigt und keineswegs

Oer erste Reichstag.

Als der Wallot-Bao m Berlin noch nicht stand.

Äon He nz Büttner.

Dem greisen König und neuen Kaiser Wilhelm I. mag zu Beginn der siebziger Jahre das Vorbild der alten Reichstage oorgeschwebt haben, die von den Staufen oder Habsburgern in Gegenwart aller geistlichen und welllichen Größen abgehalten wur­den und Gelegenheit zur Entfallung der ganzen kaiserlichen Macht boten, als er den e r st e n deutschen Reichstag im Weißen Saal des Berliner Schlosses eröffnete. Lichterflut übergoß den Saal, als der Kaiser mit seiner Gemahlin auf dem Thronsessel Platz nahm. Uniformen blitzten in Gold und Silber, alle Hoschargen drängten sich um den Thron. Hinter dem Kaiser standen die Generäle Moltke, Roon und Wrangel und hielten Szepter und Schwert, ringsum im Kreise bauten sich alle regierenden Fürsten mit ihrem Gefolge auf. An sie schlossen sich an das diplomatische Korps, die Staatsminister, die Generalität, die hohe Be- amtenschaft. Bismarck in der Uniform der Hal- berstädter Kürassiere überreichte dem Kaiser die Thronrede. Der Oberhofmarschall stieß dreimal seinen Stab auf den Estrich, alles schwieg, und der Kaiser verkündete seine Botschaft an die neuen Reichstogsabgeordneten.

Diese aber, wenn auch geblendet von dem Glanz der höfischen Veranstaltung und hingerissen von der ehrwürdigen Erscheinung oes greifen Kaisers inmit­ten seiner ebenfalls durchweg schon älteren Bundes- ürften, waren sich dennoch nicht im Zweifel, daß ie hier im Weißen Saale nur Statistenrollen zu pielen hatten. Rach einer Viertelstunde erhob sich der Kaiser und schloß die erste Sitzung. Die Abge- ordneten verschwanden wieder auf dem Wege, auf dem sie gekommen waren über eine Seitentreppe. Die Repräsentation war vorüber, die eigentliche Ar­beit begann.

Aber Entsetzen packte die Volksvertreter, als sie die neue Stätte ihres Wirkens, das ehemalige preußische Abgeordnetenhaus am Dönhoffplatz zu Jei)en bekamen. Das Haus war alt und baufällig, alles machte einen abgeris­senen und kläglichen Eindruck. Die Lüft war must sig und dumpf, ein Teil der Abgeordneten konnte weder etwas sehen noch etwas hören. Die Enttäu­schung über diet r a u r i g e S ch e u n e", wie ganz allgemein dieses vorläufige Haus getauft wurde, machte sich oft in drastischer Weise Luft. So erschien eines Tages ein konservativer Abgeordneter, der

Hugerrberg über die Aufgabe der nationalen Negierung.

Bielefeld, 1. März. (ERB.) Die Kampf­front Schwarz-Weih-Aot veranstaltete eine Kund­gebung, auf der Reichswirtschaftsminister Dr. Hu- genberg von Berlin aus durch Rundfunk sprach. Der Minister führte u. a. aus: Der Generalfeld­marschall hat gerufen. Die deutschen Führer ha­ben sich zusammengefunden. Sie bieten jetzt das Volk auf: Tretet hinter uns, zeigt, daß die Zahl der wirklichen Deutschen weit größer ist als die Zahl derjenigen, die sich nur so nennen, ilnö wenn Mordbubcn und Brandstifter innerhalb die­ses deutschen Volkes leben und sich erfrechen, ihm Signale des Untergangs aufzurichten, so haben sie sich in der Zeit vertan, Wir werden ihrer schon Herr werden. Die Brandfackel, die der Bolschewismus in den Deutschen Reichstag geschleudert hat, ist eine furchtbare Anklage ge­gen die früheren parlamentarischen Regierungen, die das Unkraut des Bolschewismus in Deutsch­land hochschießen ließen. Die nationale Regierung hat innerhalb von ein paar Stunden fest z u g e- p a ck t. Deutschland soll ein für allemal von die­ser Geisel befreit werden. Auch in ihrem weite­ren Handeln wird die nationale Regierung nicht vor drakonischen Maßnahmen, auch nicht vor der Anwendung der Todesstrafe, zurückschrecken. Gilt es doch, das deutsche Volk vor drohender Le­bensgefahr zu bewahren.

Dazu gehört vor allem die Ausrottung der Brutstätten, in denen der Bolschewis­

mus gedeihen konnte. Die marxistisch beeinflußte Schule, die demokratischen Literaten- klüngel, die international geleitete Zer­setzungsarbeit in Theatern und Li­teratur, in Film und Presse daS alles hat geistig den Boden vorbereitet, auf dem heute Mord und Terror gedeihen. Deutschland muß kulturell und sittlich wieder gesunden. Da­mit wird der Keim der bolschewistischen Lehre am schnellsten aus der deutschen Seele entfernt.

Aber Deutschland muh auch wirtschaft­lich und sozial wieder gesunden, da­mit nicht Rot und Elend der Rährboden des Giftes bleiben. Die nationale Regierung will dem deutschen Volk wieder Brot und Arbeit schaffen. Sie wlll christlich-deutsche Kultur wieder zur Grundlage des Vollslebens machen. Wer den roten Umsturz nicht will, muß sich mit seiner Person für die Autorität dieser Re­gierung einsetzen. Parteien, di« 14 Jahr« lang die Herrschaft des Marxismus geduldet und da­mit die Treibhauspflanze Bolschewismus geför­dert haben, werden niemals wirklichen Kampf- Willen gegen die rote Gefahr ausbringen.

Der Sinn dieser Wahl liegt nicht darin, den einen oder anderen parlamentarischen Augen­blickserfolg zu erzielen. Der Sinn der Wahl liegt darin, daß das deutsche Volk sich entschlossen hinter eine Regierung stellt, die gewillt ist, das neue Deutschland zu schaffen.

eine bestimmte Rorm für die Neufestsetzung der Gehälter gegeben ist. Cs handelt sich überhaupt um eine Kannbestimmung, und die letzte Entscheidung trifft die Reichsregierung bzw. der Reichssinanzminister oder an seiner Stelle die Landesbehörde. Diese Regelung wird auch der Lage der einzelnen Unternehmungen am besten gerecht werden. Es soll nämlich durchaus unter­schieden werden, ob es sich um Unternehmungen handelt, die staatliche Unterstützung bekommen, well sie in Rot g er aten sind, und andere, die zwar mit dem Reich zusammenhängen, aber durchaus florieren.

Oer Reichsinnenminister ersucht die Länder um Verbot kommunistischer

Druckschriften und Versammlungen.

Berlin, 1.März. (TU.) Amtlich. Der Reichs­minister des Innern hat auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuhe von Volk und Staat vom 28.Februar 1933 sämtliche Lan­desregierungen ersucht, alle kommunisti­schen periodischen Druckschriften bis auf weiteres zu verbieten, ebenso alle Ver­sammlungen und Aufzüge der SPD^ auch Versammlungen in geschlossenen Räumen. Lr hat ferner die Landesregierungen ersucht, alle kom­munistischen Druckschriften einschließlich Flugblätter und Plakate sofort zu beschlagnahmen und einzuziehen.

Maßnahmen gegen die Kommunisten «n Hessen. V a r m st a d t, 1. März. (WSN. Amtlich.) Auf verlangen der Reichsregierung find in Hessen bis auf weiteres alle kommunistischen periodischen Druckschriften, sowie alle kommunistischen Versamm­lungen und Aufzüge einschließlich der Versamm­lungen In geschlossenen Räumen mH sofortiger Wirkung verboten worden. Die gesamte hessische Polizei sieht seit gestern in et- HSHter Alarmbereitschaft. Zur Siche- rung des Landtags, der Diensigebäude und der lebenswichtigen Betriebe sind die erforderUchen Maßnahmen getroffen worden. Die verschärfte

Kontrolle, unter der die kommunistische Par­tei in Hessen steht, hat im Zuge einer haus- suchungsaktion in zahlreichen hessi­schen Städten vor kurzem zur Beschlagnahme von zahlreichem kommunistischem Material geführt, das fichergestellt wurde. Die Vermutung, daß die kommunistische Partei inzwischen die Errichtung einer besonderen hessischen Parteizentrale durchgeführt habe, fand dabei keine Bestätigung. Der Sih der politischen und organisatorischen Zen­trale der kommunistischen Bewegung in Hessen ist nach wie vor Frankfurt a. M.» das auch der Erscheinungsort der einzigen kommunistischen Ta­geszeitung von Hessen ist.

Die Offenbacher Polizei hak heute an 16 Stellen bei kommunistischen Funktionären Durch­suchungen oorgenommeu, die zahlreiches Flngblattmaterial hochverräteri­schen Inhalts zutage gefördert haben, in denen zum gewaltsamen Sturz der Regierung Papen- hugenberg und zum Generalstreik aufgefordert wurde. Außerdem wurde Material des verbotenen Rot-Front-Kämpferbundes gefunden. Eine Person wurde fesigenommen. weitere Festnahmen stehen bevor. Waffen wurden nicht gefunden.

Auf Veranlassung des Reichsinnenminislers wurde ein sozialdemokratisches Schriftpla­kat1 0 0 0 Mark Belohnung-, das sich mit der Politik der Reichsregierung beschäftigt, ver­boten, weil darin eine böswillige Verächtlich­machung der Reichsregierung erblickt wird.

Sozialdemokratischer Protest bei Papen.

D e r l i n, 1. März. (TTl.) Der SPD.-Vorsihende Wels, hat an den Reichskommissar für das Land Preußen, Vizekanzler vonPapen, einen Brief gerichtet, in dem er ausführt, daß die An­nahme, die SPD. habe mit Leuten etwas zu tun, die den Reichstag in Brand steckten, falsch sei. Die ganze Vergangenheit der SPD.'biete keinerlei An­haltspunkte dafür. Vielmehr beweise ihre ganze Geschichte, daß sie terroristische Akte je­der Art ablehne und ihre Anhänger stets eine in jeder Beziehung vorbildliche Disziplin an den Tag gelegt patten. Ein Blick in die kommu­nistische Presse, die bis heute mit denschärf-

am Vortag wegen seines schlechten Platzes nicht zu Wort gekommen war, bewaffnet mit einer großen roten Fahne, die er alsbald heftig zu schwenken begann. Der Sozialdemokrat Bebel begrüßte die rote Fahne mit großem Hallo, das Haus brüllte vor Lachen. Und jeder war fick klar darüber, daß es mit dertraurigen Scheune'^ nicht lange so wei­tergehen konnte.

Bismarck, der von der Würde und der Auf­gabe des Reichstages viel höher dachte, als es feine Feinde wahr haben wolllen, drängte mit allen Mit­teln daraus, daß endlich ein Reichstagsgebäude ge­schaffen wurde, das der Bedeutung des Deutschen Reiches und seiner Volksvertretung entsprach. Ein internationaler Wettbewerb wurde ausgeschrieben, und aus allen europäischen Ländern gingen brauch­bare Entwürfe ein. Den ersten Preis erhielt der Deutsch-Russe B o h n st e d t. Wegen seiner russischen Staatsangehörigkelt wurde aber die Entscheidung später wieder aufgehoben und der Neubau vertagt.

Sechs Monate Zeit verblieben nur, um das neue in Aussicht genommene Gebäude herzurichten. Im September 1871 konnte das provisorisch umgebaute Haus der preußischen Porzellanmanufaktur in her Leipziger Straße bezogen werden. Bismarcks trei­bende Energie hatte hinter der Arbeit gestanden. Einmal hörte er, daß die Direktion der Porzellan- Manufaktur passiven Widerstand leistete, indem sie mit unendlicher Vorsicht jedes einzelne Stück beson­ders verpacken und wegtragen ließ.Bestellen Sitz dem Porzellanfritzen", sagte Bismarck zu dem Bau­meister Gropius,daß ich den ganzen Porzel­lanladen aus J>em Fenster schmeißen lasse, wenn nicht innerhalb von drei Tagen die Bude geräumt ist!" Dieser kernige Spruch half.

Die Abgeordneten waren mit Einrichtung und Ausstattung sichtbar zufrieden. Sie waren von der traurigen Scheune" her nicht verwöhnt, und be­merkten einstweilen nicht, daß alles zwar sehr schön, aber wenig dauerhaft gebaut worhen war. An einem besonders heißen Sitzungstag im Jahre 1873, wäh­rend ein Zentrumsabgeordneter eine leidenschaftliche Rede hielt, lösten sich plötzlich große Stücke der Decke und kamen mit Gepolter auf die entsetzten Ab­geordneten herunter. Einige glaubten an ein Erd­beben, andere riefen erschreckt:Feuer! Feuer!" und flüchteten. Doch als sich der Saub verzogen hatte, stellte sich heraus, daß wie durch ein Wunder nie­mand verletzt worden war.

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Der neue Reichstagsabgeordnete, der frisch ge­wählt den Wallotbau in Berlin am Platz der Re­publik betritt, sieht mit einem Gemisck von Ehr­furcht und Ernüchterung auf die Regierungsbank

und denkt bei sichHier h a t Bismarck ge­sessen!" Er irrt. Bismarck hat den neuen Reichs­tag niemals betreten. Er hat seine großen Reden zur Außenpolitik und seine leidenschaftlichen Aus­einandersetzungen mit feinen Widersachern sämtlich noch im allen Haus an der Leipziger Straße ge­halten. Es war geradezu symbolisch, daß an dem Tag, an dem Bismarck in.Friedrichsruh die Augen schloß, auch die Spitzhacke an das Gebäude gefegt wurde, in dem Bismarck unter den Blicken Eurovas für Deutschlands Ehre und Frieden gekämpft yat.

23 Jahre nach 1871 noch mußten die Abgeord­neten im provisorischen Heim in der Leipziger Straße aushalten. Fast ständig wurden Deck§n- reparaturen vorgenommen. Die Sitzungsberichte melden aus dieser Zeit, daß der bekannte ultra- montane Abgeordnete Windthorst eines beson­ders stürmischen Tages dem Präsidenten sarkastisch zuvies:Wenn das letzte Stück, das soeben auf den Platz des Herrn von Puttkamer fiel, auf feinen Kopf gefallen wäre, so hätte es unter Umständen den Hirnkasten des verehrten Herrn Kollegen ein- schlagen oder vielleicht sogar edlere Teile verletzen können." Die Konservativen quittierten diese Bos­heit mit wütendem Zischen. Die in ihren edleren Teilen bedrohten Abgeordneten beschlossen, sich gegen Unfall z u versichern. Aber die Der- sicherungsgesellfchaften erhoben besondere Ri iko° Prämien für Besucher des Reichstages, unge ähr so, wie heute Luftakrobaten nur mit Sonderprä- mten versichert werden. Es war in diesen 23 Jah­ren keine Lust, M. d. R. zu sein ...

Das Geheimnis des Stradivarius.

Die Entdeckungen überstürzen sich. Bald find eS die Bücher des Titus Livius, bald die Villa des Horaz oder das Grab Dantes, die Gebeine Boccaccios, die steingewordenen Küsse RomeoS und Julias. Lind jedesmal kommen die italieni­schen Zeitungsspalten in Aus rühr, dessen Echo wie­derum über die Grenzen dringt. Offenbar gibt es Leute, die sich wegen Stoffmangels auf die Er­findung von Entdeckungen stürzen.

Diesmal ist wieder der gute Stradivarius, an der Reihe. Alle drei Jahre wird sein Geheimnis enthüllt, diesmal aber endgültig. FerruccloSa­nier heißt der Forscher und streitet bereits um das Primat mit dem Doktor Leiser aus Prag, der die gleiche Entdeckung gemacht hat. Aber der Genueser Sanier ist schon zehn Jahre über der Sache, der Prager ein Reuling dagegen. Der Genueser hat unzählige ßade abgekratzt und mit

Ken Angriffen gegen die SPD. ge- füllt sei, beweise am besten, daß eine kom­munistisch - sozialdemokratischeEin- heitsfront nicht bestehe. Das Verbot der sozialdemokratischen Zeitungen, der Flugblätter und der Plakate stehe mit den rechtlichen Bestim­mungen in schärfstem Widerspruch. Die SPD. er­warte daher, daß v. Papen in feiner Eigenschaft als Deichskommissar für das Land Preußen dafür sorgen werde, daß dieses Verbot nicht durch­geführt werde.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident von Hindenburg empfing am Mittwochvormittag Reichskanzler Hitler zu einer Besprechung über die politische Lage. Ferner empfing der Reichspräsident am Mittwoch den Reichswehrminister von Blomberg zum Vor­trag.

Vizekanzler v. Papen ist in München eingetroffen und gab im Hause des von Mün­chen abwesenden Ministerpräsidenten Dr. Held seine Karte ab. Weitere Besuche galten dem bayerischen Minister des Innern D r. Stütze!, dem Oberbürgermeister Dr. Scharnagl, dem Kardinal-Erzbischof Dr. v. Faulhaber und dem evangelischen Kirchenpräsidenten D. Weit.

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Die FrankfurterV o l k s st i m m e" ist trotz des generellen Verbots für sozialdemokratische Blätter am Dienstag und Mittwoch erschienen. Darauf­hin hat die Polizei die Mlltwochausgabe des Blattes beschlagnahmt.

In Bayern wurde das nationalisozialistische Organ in BayreuthFränkisches Volk" und die nationalsozialistische ZeitungBaye­rische O st w a ch t, die größte nationalsozia­listische Zeitung Rordbayerns, von der bayeri­schen Staatsregierung mrt Wirkung vom 2. bis einschließlich 5. März verboten.

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51m die tatkräftige Bekämpfung bet kommu­nistischen Gefahr und die Durchführung der An­ordnungen der Reichsregierung zur Abwehr staatsgefährdender Gewaltakte zu gewährleisten, ist der Polizeipräsident von Leipzig. F l e i h n e r, bis auf weiteres beurlaubt wor­den. Außerdem wurden die Stellvertreter der Amtshauptleute in Zittau, Meißen und C h e m n i tz mit der selbstständigen Erledigung der Polizeigeschäfte beauftragt

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Aus der Durchreise von Genf nach Moskau hat der russische Dolkskommissar des Aeußeren, Lit­winow, dem Neichsaußenminister Freiherra von Neurath einen Besuch abgestattet

Aus aller Wett.

Die Goethe-Medaille »für Geheimrat Wolfram in Frankfurt

Der Reichspräsident hat dem Geheimrat Professor Dr. Georg W o l f r a m in Frankfurt anläßlich seines 50jährigen Doktorjubiläums für seine Verdienste um Wissenschaft und Kunst die Go ethe-Medaille verliehen. Geheimrat Wolfram, der bis 1918 an der Straßburger Universität wirkte, ist seitdem Leiter des Wissenschaftlichen Instituts der Elsaß-Lothringer im Reich an der Universität Frankfurt a. M.

Dettfedernfabrik eingeäschert

Ein gewaltiges Feuer brach in der Bettfedern­fabrik von Paul Wodrich in Neutrebbin (Oder­bruch) aus und vernichtete, das große zwei­stöckige Fabrikgebäude bis auf einen kleinen Seiten­teil vollkommen. Dem energischen Eingreifen der Feuerwehr ist es zu verdanken, daß man das Wohn­haus retten konnte. Das Feuer dehnte sich mit riesi­ger Schnelligkeit aus; es fand an dem großen Lager von Bettfedern so reichliche Nahrung, daß gleich nach dem Ausbruch des Feuers aus den Fenstern große Flammen schlugen. Der Schaden dürfte 150 000 Mark überschreiten.

ihnen experimentiert; es ist das eine Wissen­schaft, die gelernt fein will. Kommen wir gleich zu dem Kern der Sache: Zanier hat sich imstande erklärt, neue Geigen zu bauen, die denen dcs Stradivarius mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen sind. Denn es sei ein Irrtum, so be­richtet er, daß die Güte des Instruments vom Alter herkomme. Im Gegentell, eine neue Vio­line oder Laute leiste weit mehr, wenn sie nur nach dem Geheimnis der Alten gebaut wird. Viele Musiker glauben auch, daß die alten Meister­geigen nach wenigen Stunden des Gebrauchs an Tonfeinheit einbühen, ja, leiser werden, wes­halb man kräftiger den Dogen fuhren müsse. Falsch! sagt Meister Zanier. Man muh sie noch sanfter behandeln, die Stimme wird dann um so klarer. Lind was solcher Kniffe mehr sind. Aber die neuen Zanier-Stradivarius-Geigen flennen darauf verzichten, ein Kind wird sie spielen und einen Meister wird man zu hören glauben. Denn der Erfinder weiß nun um das Geheimnis des Wunderlacks. E.

Zeitschriften.

Die Europäischen Gespräche (Ver­lagsbuchhandlung Dr. Walther Rothschild, Ber- lin-Gruncwald) bringen in. ihrem Ianuar-Fe- bruarhest Staatsmännerreden dreier über die Grenzen ihres Vaterlandes hinaus bekannter Per- sönllchkeiten: De Valero, der irische Ministerprä­sident, Julius Curtius, der frühere deutsche Außenminister, und Henry Verenger, Vorsitzen­der des Auswärtigen Ausschusses im französischen Senat, kommen zu Wort. Eine Reihe ausführ- licher, sachkundiger Besprechungen der außenpoli­tisch bedeutsamen Werke aus letzter Zeit, sowie eine umfassende Bibliographie -und eine Zeit­tafel runden das Heft zu einem inhaltsreichen Ganzen ab.

Die Märznummer von Westermanns Monatsheften enthält in bunter Reihenfolge einen Roman von Franz Adam Deyerlein,Sie Haselnuß". Eine anekdotische Erzählung von Wal­ter Meckauer,Im Wein liegt Wahrheit", eine interessante Erinnerung,Verkehrsmittel in den Kinderschuhen", die Abhandlungen «Hinter den Dingen des Haushaltes", von Dr. Braun,Hund und Volk" von Graf Daudissin,Die deutsche Ju­gendbewegung von heute", von Reveling, und die fesselnden unb reich illustrierten Erinnerungen einer deutschen Malerin:Die Frau auf dem Gerüst", von Ida C. Ströver.