Oie Reform der Krankenversicherung.
Berlin, 1. Marz. (TU.) Der Aeichspräsi- Lent hat unter dem heutigen Tage (Mittwoch) eine Verordnung über Krankenversicherung erlassen. Durch die neue Verordnung wird die Gebühr für den Krankenschein von 50 Pfennig auf 25 Pfennig herabgesetzt. Weiter werden die Familienangehörigen derjenigen Truppen von Versicherten, die bisher für sich selbst keinen gebührenpflichtigen Krankenschein zu lösen brauchten (Arbeitslose, Rentenempfänger usw) ebenfalls von der Gebührenpflicht befreit.
Um weitere Erleichterungen durch Einsparung aller vermeidbaren Verwaltungsausgaben zu ermöglichen, werden in der Verordnung der Reichs- reg.erung Ermächtigungen erteilt. Sie geben die erforderlichen Handhaben, die Krankenversicherung zu verbilligen, zu vereinfachen und ihre Wirtschaftlichkeit sicherzustellen. Das Aufsichtsrecht über die Träger der Krankenversicherung wird auch auf die Fragen der Zweckmäßigkeit und Wirtschaft- lichkett in der Geschäftsführung erstreckt.
Die Verordnung tritt am 2- März in Kraft. Es werden damit die notwendigen Voraussetzungen für die durchgreifende Reform Les ganzen Krantenversicherungs- wesens geschaffen. Rach vollständiger Durchführung der Reform, wofür diese Verordnung die Voraussetzung schafft, soll die G e b ü h V für Krankenscheine beseitigt werden. Die Verordnung erstreckt sich nicht auf Privatkrankenkassen. Die Einsetzung eines Aeichslommissars kann erst erfolgen, wenn über die Reform im einzelnen vom Reichsarbeitsministerium eine Vorlage vorgelegt wird. Der Fortfall der Arznei gebühren ist in dieser Verordnung noch nicht enthalten. Cs ist aber anzunehmen. daß auch die Arznei- gebühr nach Durchführung der Reform Wegfällen kann-
Herabsetzung der Dienstbezüge in subventionierten UntemehMNgen
Berlin, 1. März. (WTD.) Die Deichs- reg.erung hat nunmehr zu dem Teil der Rotverordnung vom 4. September 1932, der sich mit der Herabsetzung der Dienstbezüge von Borstandsm.tgkiedern und leitenden Angestellten insubventioniertenLlnterneh- mungen befaßt, Ergänzungs- und Durchfüh- rungsbestünmungen erlassen.
Als subventionierte Llnternehmungen gelten Ge- selischaf.en sowie Einzelunternehmungen, die aus ösicntlichen Mitteln Kredite, Zuschüsse oder Gewährleistungen außerhalb eines regelmäßigen Geschäftsverkehrs zwecks Stützung er- hacken haben. Auch die Stützung durch lleber- nahmc von Aktien oder Stammeinlagen mit öffentlichen Mitteln gilt als Subvention.
Als öffentliche Wittel gelten die Mittel des Reichs, eines Landes, einer Gemeinde (Gemeindeverband), der Deutschen Reichsbahngesellschaft, der Reichsbank oder e.ner sonstigen Einrichtung oder Körperschaft, an der diese einzeln oder zusammen mit mchr als der Härfte des Kapitals beteiligt sind oder sonü ausschlaggebenden Einfluß ausüben. ilm die Anwendung der Verordnung zu begründen, muh der Gesamtumfang der finanziellen Beihilfen eine bestimmte Windestgrenze (5 v. H. des Kapitals) überschreiten.
Der Herabsetzung f.nü die Dienstbezüge von Vorstandsmitgliedern und von Angestellten jeder Art unterworfen, deren jährliche Dienstbezüge 1 2 000 M k. erreichen oder übersteigen.
Den von der Herabsetzung der Dienstbezüge betroffenen Personen wird ein einmaliges außerordentliches Kündigungsrecht gegeben.
Es wird mitgeteilt, daß keine schematische Regelung beabsichtigt und keineswegs
Oer erste Reichstag.
Als der Wallot-Bao m Berlin noch nicht stand.
Äon He nz Büttner.
Dem greisen König und neuen Kaiser Wilhelm I. mag zu Beginn der siebziger Jahre das Vorbild der alten Reichstage oorgeschwebt haben, die von den Staufen oder Habsburgern in Gegenwart aller geistlichen und welllichen Größen abgehalten wurden und Gelegenheit zur Entfallung der ganzen kaiserlichen Macht boten, — als er den e r st e n deutschen Reichstag im Weißen Saal des Berliner Schlosses eröffnete. Lichterflut übergoß den Saal, als der Kaiser mit seiner Gemahlin auf dem Thronsessel Platz nahm. Uniformen blitzten in Gold und Silber, alle Hoschargen drängten sich um den Thron. Hinter dem Kaiser standen die Generäle Moltke, Roon und Wrangel und hielten Szepter und Schwert, ringsum im Kreise bauten sich alle regierenden Fürsten mit ihrem Gefolge auf. An sie schlossen sich an das diplomatische Korps, die Staatsminister, die Generalität, die hohe Be- amtenschaft. Bismarck in der Uniform der Hal- berstädter Kürassiere überreichte dem Kaiser die Thronrede. Der Oberhofmarschall stieß dreimal seinen Stab auf den Estrich, alles schwieg, und der Kaiser verkündete seine Botschaft an die neuen Reichstogsabgeordneten.
Diese aber, wenn auch geblendet von dem Glanz der höfischen Veranstaltung und hingerissen von der ehrwürdigen Erscheinung oes greifen Kaisers inmitten seiner ebenfalls durchweg schon älteren Bundes- ürften, waren sich dennoch nicht im Zweifel, daß ie hier im Weißen Saale nur Statistenrollen zu pielen hatten. Rach einer Viertelstunde erhob sich der Kaiser und schloß die erste Sitzung. Die Abge- ordneten verschwanden wieder auf dem Wege, auf dem sie gekommen waren — über eine Seitentreppe. Die Repräsentation war vorüber, die eigentliche Arbeit begann.
Aber Entsetzen packte die Volksvertreter, als sie die neue Stätte ihres Wirkens, das ehemalige preußische Abgeordnetenhaus am Dönhoffplatz zu Jei)en bekamen. Das Haus war alt und baufällig, alles machte einen abgerissenen und kläglichen Eindruck. Die Lüft war must sig und dumpf, ein Teil der Abgeordneten konnte weder etwas sehen noch etwas hören. Die Enttäuschung über die „t r a u r i g e S ch e u n e", wie ganz allgemein dieses vorläufige Haus getauft wurde, machte sich oft in drastischer Weise Luft. So erschien eines Tages ein konservativer Abgeordneter, der
Hugerrberg über die Aufgabe der nationalen Negierung.
Bielefeld, 1. März. (ERB.) Die Kampffront Schwarz-Weih-Aot veranstaltete eine Kundgebung, auf der Reichswirtschaftsminister Dr. Hu- genberg von Berlin aus durch Rundfunk sprach. Der Minister führte u. a. aus: Der Generalfeldmarschall hat gerufen. Die deutschen Führer haben sich zusammengefunden. Sie bieten jetzt das Volk auf: Tretet hinter uns, zeigt, daß die Zahl der wirklichen Deutschen weit größer ist als die Zahl derjenigen, die sich nur so nennen, ilnö wenn Mordbubcn und Brandstifter innerhalb dieses deutschen Volkes leben und sich erfrechen, ihm Signale des Untergangs aufzurichten, so haben sie sich in der Zeit vertan, — Wir werden ihrer schon Herr werden. Die Brandfackel, die der Bolschewismus in den Deutschen Reichstag geschleudert hat, ist eine furchtbare Anklage gegen die früheren parlamentarischen Regierungen, die das Unkraut des Bolschewismus in Deutschland hochschießen ließen. Die nationale Regierung hat innerhalb von ein paar Stunden fest z u g e- p a ck t. Deutschland soll ein für allemal von dieser Geisel befreit werden. Auch in ihrem weiteren Handeln wird die nationale Regierung nicht vor drakonischen Maßnahmen, auch nicht vor der Anwendung der Todesstrafe, zurückschrecken. Gilt es doch, das deutsche Volk vor drohender Lebensgefahr zu bewahren.
Dazu gehört vor allem die Ausrottung der Brutstätten, in denen der Bolschewis
mus gedeihen konnte. Die marxistisch beeinflußte Schule, die demokratischen Literaten- klüngel, die international geleitete Zersetzungsarbeit in Theatern und Literatur, in Film und Presse — daS alles hat geistig den Boden vorbereitet, auf dem heute Mord und Terror gedeihen. Deutschland muß kulturell und sittlich wieder gesunden. Damit wird der Keim der bolschewistischen Lehre am schnellsten aus der deutschen Seele entfernt.
Aber Deutschland muh auch wirtschaftlich und sozial wieder gesunden, damit nicht Rot und Elend der Rährboden des Giftes bleiben. Die nationale Regierung will dem deutschen Volk wieder Brot und Arbeit schaffen. Sie wlll christlich-deutsche Kultur wieder zur Grundlage des Vollslebens machen. Wer den roten Umsturz nicht will, muß sich mit seiner Person für die Autorität dieser Regierung einsetzen. Parteien, di« 14 Jahr« lang die Herrschaft des Marxismus geduldet und damit die Treibhauspflanze Bolschewismus gefördert haben, werden niemals wirklichen Kampf- Willen gegen die rote Gefahr ausbringen.
Der Sinn dieser Wahl liegt nicht darin, den einen oder anderen parlamentarischen Augenblickserfolg zu erzielen. Der Sinn der Wahl liegt darin, daß das deutsche Volk sich entschlossen hinter eine Regierung stellt, die gewillt ist, das neue Deutschland zu schaffen.
eine bestimmte Rorm für die Neufestsetzung der Gehälter gegeben ist. Cs handelt sich überhaupt um eine Kannbestimmung, und die letzte Entscheidung trifft die Reichsregierung bzw. der Reichssinanzminister oder an seiner Stelle die Landesbehörde. Diese Regelung wird auch der Lage der einzelnen Unternehmungen am besten gerecht werden. Es soll nämlich durchaus unterschieden werden, ob es sich um Unternehmungen handelt, die staatliche Unterstützung bekommen, well sie in Rot g er aten sind, und andere, die zwar mit dem Reich zusammenhängen, aber durchaus florieren.
Oer Reichsinnenminister ersucht die Länder um Verbot kommunistischer
Druckschriften und Versammlungen.
Berlin, 1.März. (TU.) Amtlich. Der Reichsminister des Innern hat auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuhe von Volk und Staat vom 28.Februar 1933 sämtliche Landesregierungen ersucht, alle kommunistischen periodischen Druckschriften bis auf weiteres zu verbieten, ebenso alle Versammlungen und Aufzüge der SPD^ auch Versammlungen in geschlossenen Räumen. Lr hat ferner die Landesregierungen ersucht, alle kommunistischen Druckschriften einschließlich Flugblätter und Plakate sofort zu beschlagnahmen und einzuziehen.
Maßnahmen gegen die Kommunisten «n Hessen. V a r m st a d t, 1. März. (WSN. Amtlich.) Auf verlangen der Reichsregierung find in Hessen bis auf weiteres alle kommunistischen periodischen Druckschriften, sowie alle kommunistischen Versammlungen und Aufzüge einschließlich der Versammlungen In geschlossenen Räumen mH sofortiger Wirkung verboten worden. Die gesamte hessische Polizei sieht seit gestern in et- HSHter Alarmbereitschaft. Zur Siche- rung des Landtags, der Diensigebäude und der lebenswichtigen Betriebe sind die erforderUchen Maßnahmen getroffen worden. Die verschärfte
Kontrolle, unter der die kommunistische Partei in Hessen steht, hat im Zuge einer haus- suchungsaktion in zahlreichen hessischen Städten vor kurzem zur Beschlagnahme von zahlreichem kommunistischem Material geführt, das fichergestellt wurde. Die Vermutung, daß die kommunistische Partei inzwischen die Errichtung einer besonderen hessischen Parteizentrale durchgeführt habe, fand dabei keine Bestätigung. Der Sih der politischen und organisatorischen Zentrale der kommunistischen Bewegung in Hessen ist nach wie vor Frankfurt a. M.» das auch der Erscheinungsort der einzigen kommunistischen Tageszeitung von Hessen ist.
Die Offenbacher Polizei hak heute an 16 Stellen bei kommunistischen Funktionären Durchsuchungen oorgenommeu, die zahlreiches Flngblattmaterial hochverräterischen Inhalts zutage gefördert haben, in denen zum gewaltsamen Sturz der Regierung Papen- hugenberg und zum Generalstreik aufgefordert wurde. Außerdem wurde Material des verbotenen Rot-Front-Kämpferbundes gefunden. Eine Person wurde fesigenommen. weitere Festnahmen stehen bevor. Waffen wurden nicht gefunden.
Auf Veranlassung des Reichsinnenminislers wurde ein sozialdemokratisches Schriftplakat „1 0 0 0 Mark Belohnung-, das sich mit der Politik der Reichsregierung beschäftigt, verboten, weil darin eine böswillige Verächtlichmachung der Reichsregierung erblickt wird.
Sozialdemokratischer Protest bei Papen.
D e r l i n, 1. März. (TTl.) Der SPD.-Vorsihende Wels, hat an den Reichskommissar für das Land Preußen, Vizekanzler vonPapen, einen Brief gerichtet, in dem er ausführt, daß die Annahme, die SPD. habe mit Leuten etwas zu tun, die den Reichstag in Brand steckten, falsch sei. Die ganze Vergangenheit der SPD.'biete keinerlei Anhaltspunkte dafür. Vielmehr beweise ihre ganze Geschichte, daß sie terroristische Akte jeder Art ablehne und ihre Anhänger stets eine in jeder Beziehung vorbildliche Disziplin an den Tag gelegt patten. Ein Blick in die kommunistische Presse, die bis heute mit denschärf-
am Vortag wegen seines schlechten Platzes nicht zu Wort gekommen war, bewaffnet mit einer großen roten Fahne, die er alsbald heftig zu schwenken begann. Der Sozialdemokrat Bebel begrüßte die rote Fahne mit großem Hallo, das Haus brüllte vor Lachen. Und jeder war fick klar darüber, daß es mit der „traurigen Scheune'^ nicht lange so weitergehen konnte.
Bismarck, der von der Würde und der Aufgabe des Reichstages viel höher dachte, als es feine Feinde wahr haben wolllen, drängte mit allen Mitteln daraus, daß endlich ein Reichstagsgebäude geschaffen wurde, das der Bedeutung des Deutschen Reiches und seiner Volksvertretung entsprach. Ein internationaler Wettbewerb wurde ausgeschrieben, und aus allen europäischen Ländern gingen brauchbare Entwürfe ein. Den ersten Preis erhielt der Deutsch-Russe B o h n st e d t. Wegen seiner russischen Staatsangehörigkelt wurde aber die Entscheidung später wieder aufgehoben und der Neubau vertagt.
Sechs Monate Zeit verblieben nur, um das neue in Aussicht genommene Gebäude herzurichten. Im September 1871 konnte das provisorisch umgebaute Haus der preußischen Porzellanmanufaktur in her Leipziger Straße bezogen werden. Bismarcks treibende Energie hatte hinter der Arbeit gestanden. Einmal hörte er, daß die Direktion der Porzellan- Manufaktur passiven Widerstand leistete, indem sie mit unendlicher Vorsicht jedes einzelne Stück besonders verpacken und wegtragen ließ. „Bestellen Sitz dem Porzellanfritzen", sagte Bismarck zu dem Baumeister Gropius, „daß ich den ganzen Porzellanladen aus J>em Fenster schmeißen lasse, wenn nicht innerhalb von drei Tagen die Bude geräumt ist!" Dieser kernige Spruch half.
Die Abgeordneten waren mit Einrichtung und Ausstattung sichtbar zufrieden. Sie waren von der „traurigen Scheune" her nicht verwöhnt, und bemerkten einstweilen nicht, daß alles zwar sehr schön, aber wenig dauerhaft gebaut worhen war. An einem besonders heißen Sitzungstag im Jahre 1873, während ein Zentrumsabgeordneter eine leidenschaftliche Rede hielt, lösten sich plötzlich große Stücke der Decke und kamen mit Gepolter auf die entsetzten Abgeordneten herunter. Einige glaubten an ein Erdbeben, andere riefen erschreckt: „Feuer! Feuer!" und flüchteten. Doch als sich der Saub verzogen hatte, stellte sich heraus, daß wie durch ein Wunder niemand verletzt worden war.
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Der neue Reichstagsabgeordnete, der frisch gewählt den Wallotbau in Berlin am Platz der Republik betritt, sieht mit einem Gemisck von Ehrfurcht und Ernüchterung auf die Regierungsbank
und denkt bei sich „Hier h a t Bismarck gesessen!" Er irrt. Bismarck hat den neuen Reichstag niemals betreten. Er hat seine großen Reden zur Außenpolitik und seine leidenschaftlichen Auseinandersetzungen mit feinen Widersachern sämtlich noch im allen Haus an der Leipziger Straße gehalten. Es war geradezu symbolisch, daß an dem Tag, an dem Bismarck in.Friedrichsruh die Augen schloß, auch die Spitzhacke an das Gebäude gefegt wurde, in dem Bismarck unter den Blicken Eurovas für Deutschlands Ehre und Frieden gekämpft yat.
23 Jahre nach 1871 noch mußten die Abgeordneten im provisorischen Heim in der Leipziger Straße aushalten. Fast ständig wurden Deck§n- reparaturen vorgenommen. Die Sitzungsberichte melden aus dieser Zeit, daß der bekannte ultra- montane Abgeordnete Windthorst eines besonders stürmischen Tages dem Präsidenten sarkastisch zuvies: „Wenn das letzte Stück, das soeben auf den Platz des Herrn von Puttkamer fiel, auf feinen Kopf gefallen wäre, so hätte es unter Umständen den Hirnkasten des verehrten Herrn Kollegen ein- schlagen oder vielleicht sogar edlere Teile verletzen können." Die Konservativen quittierten diese Bosheit mit wütendem Zischen. Die in ihren edleren Teilen bedrohten Abgeordneten beschlossen, sich gegen Unfall z u versichern. Aber die Der- sicherungsgesellfchaften erhoben besondere Ri iko° Prämien für Besucher des Reichstages, unge ähr so, wie heute Luftakrobaten nur mit Sonderprä- mten versichert werden. Es war in diesen 23 Jahren keine Lust, M. d. R. zu sein ...
Das Geheimnis des Stradivarius.
Die Entdeckungen überstürzen sich. Bald find eS die Bücher des Titus Livius, bald die Villa des Horaz oder das Grab Dantes, die Gebeine Boccaccios, die steingewordenen Küsse RomeoS und Julias. Lind jedesmal kommen die italienischen Zeitungsspalten in Aus rühr, dessen Echo wiederum über die Grenzen dringt. Offenbar gibt es Leute, die sich wegen Stoffmangels auf die Erfindung von Entdeckungen stürzen.
Diesmal ist wieder der gute Stradivarius, an der Reihe. Alle drei Jahre wird sein Geheimnis enthüllt, diesmal aber endgültig. FerruccloSanier heißt der Forscher und streitet bereits um das Primat mit dem Doktor Leiser aus Prag, der die gleiche Entdeckung gemacht hat. Aber der Genueser Sanier ist schon zehn Jahre über der Sache, der Prager ein Reuling dagegen. Der Genueser hat unzählige ßade abgekratzt und mit
Ken Angriffen gegen die SPD. ge- füllt sei, beweise am besten, daß eine kommunistisch - sozialdemokratischeEin- heitsfront nicht bestehe. Das Verbot der sozialdemokratischen Zeitungen, der Flugblätter und der Plakate stehe mit den rechtlichen Bestimmungen in schärfstem Widerspruch. Die SPD. erwarte daher, daß v. Papen in feiner Eigenschaft als Deichskommissar für das Land Preußen dafür sorgen werde, daß dieses Verbot nicht durchgeführt werde.
Kleine politische Nachrichten.
Reichspräsident von Hindenburg empfing am Mittwochvormittag Reichskanzler Hitler zu einer Besprechung über die politische Lage. Ferner empfing der Reichspräsident am Mittwoch den Reichswehrminister von Blomberg zum Vortrag.
Vizekanzler v. Papen ist in München eingetroffen und gab im Hause des von München abwesenden Ministerpräsidenten Dr. Held seine Karte ab. Weitere Besuche galten dem bayerischen Minister des Innern D r. Stütze!, dem Oberbürgermeister Dr. Scharnagl, dem Kardinal-Erzbischof Dr. v. Faulhaber und dem evangelischen Kirchenpräsidenten D. Weit.
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Die Frankfurter „V o l k s st i m m e" ist trotz des generellen Verbots für sozialdemokratische Blätter am Dienstag und Mittwoch erschienen. Daraufhin hat die Polizei die Mlltwochausgabe des Blattes beschlagnahmt.
In Bayern wurde das nationalisozialistische Organ in Bayreuth „Fränkisches Volk" und die nationalsozialistische Zeitung „Bayerische O st w a ch t“, die größte nationalsozialistische Zeitung Rordbayerns, von der bayerischen Staatsregierung mrt Wirkung vom 2. bis einschließlich 5. März verboten.
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51m die tatkräftige Bekämpfung bet kommunistischen Gefahr und die Durchführung der Anordnungen der Reichsregierung zur Abwehr staatsgefährdender Gewaltakte zu gewährleisten, ist der Polizeipräsident von Leipzig. F l e i h n e r, bis auf weiteres beurlaubt worden. Außerdem wurden die Stellvertreter der Amtshauptleute in Zittau, Meißen und C h e m n i tz mit der selbstständigen Erledigung der Polizeigeschäfte beauftragt
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Aus der Durchreise von Genf nach Moskau hat der russische Dolkskommissar des Aeußeren, Litwinow, dem Neichsaußenminister Freiherra von Neurath einen Besuch abgestattet
Aus aller Wett.
Die Goethe-Medaille »für Geheimrat Wolfram in Frankfurt
Der Reichspräsident hat dem Geheimrat Professor Dr. Georg W o l f r a m in Frankfurt anläßlich seines 50jährigen Doktorjubiläums für seine Verdienste um Wissenschaft und Kunst die Go ethe-Medaille verliehen. Geheimrat Wolfram, der bis 1918 an der Straßburger Universität wirkte, ist seitdem Leiter des Wissenschaftlichen Instituts der Elsaß-Lothringer im Reich an der Universität Frankfurt a. M.
Dettfedernfabrik eingeäschert
Ein gewaltiges Feuer brach in der Bettfedernfabrik von Paul Wodrich in Neutrebbin (Oderbruch) aus und vernichtete, das große zweistöckige Fabrikgebäude bis auf einen kleinen Seitenteil vollkommen. Dem energischen Eingreifen der Feuerwehr ist es zu verdanken, daß man das Wohnhaus retten konnte. Das Feuer dehnte sich mit riesiger Schnelligkeit aus; es fand an dem großen Lager von Bettfedern so reichliche Nahrung, daß gleich nach dem Ausbruch des Feuers aus den Fenstern große Flammen schlugen. Der Schaden dürfte 150 000 Mark überschreiten.
ihnen experimentiert; es ist das eine Wissenschaft, die gelernt fein will. Kommen wir gleich zu dem Kern der Sache: Zanier hat sich imstande erklärt, neue Geigen zu bauen, die denen dcs Stradivarius mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen sind. Denn es sei ein Irrtum, so berichtet er, daß die Güte des Instruments vom Alter herkomme. Im Gegentell, eine neue Violine oder Laute leiste weit mehr, wenn sie nur nach dem Geheimnis der Alten gebaut wird. Viele Musiker glauben auch, daß die alten Meistergeigen nach wenigen Stunden des Gebrauchs an Tonfeinheit einbühen, ja, leiser werden, weshalb man kräftiger den Dogen fuhren müsse. Falsch! sagt Meister Zanier. Man muh sie noch sanfter behandeln, die Stimme wird dann um so klarer. Lind was solcher Kniffe mehr sind. Aber die neuen Zanier-Stradivarius-Geigen flennen darauf verzichten, ein Kind wird sie spielen und einen Meister wird man zu hören glauben. Denn der Erfinder weiß nun um das Geheimnis des Wunderlacks. E.
Zeitschriften.
— Die Europäischen Gespräche (Verlagsbuchhandlung Dr. Walther Rothschild, Ber- lin-Gruncwald) bringen in. ihrem Ianuar-Fe- bruarhest Staatsmännerreden dreier über die Grenzen ihres Vaterlandes hinaus bekannter Per- sönllchkeiten: De Valero, der irische Ministerpräsident, Julius Curtius, der frühere deutsche Außenminister, und Henry Verenger, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im französischen Senat, kommen zu Wort. Eine Reihe ausführ- licher, sachkundiger Besprechungen der außenpolitisch bedeutsamen Werke aus letzter Zeit, sowie eine umfassende Bibliographie -und eine Zeittafel runden das Heft zu einem inhaltsreichen Ganzen ab.
— Die Märznummer von Westermanns Monatsheften enthält in bunter Reihenfolge einen Roman von Franz Adam Deyerlein, „Sie Haselnuß". Eine anekdotische Erzählung von Walter Meckauer, „Im Wein liegt Wahrheit", eine interessante Erinnerung, „Verkehrsmittel in den Kinderschuhen", die Abhandlungen «Hinter den Dingen des Haushaltes", von Dr. Braun, „Hund und Volk" von Graf Daudissin, „Die deutsche Jugendbewegung von heute", von Reveling, und die fesselnden unb reich illustrierten Erinnerungen einer deutschen Malerin: „Die Frau auf dem Gerüst", von Ida C. Ströver.


