Ausgabe 
2.3.1933 Erstes Blatt
 
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Wie sie ihn bezwang

Origmalroman von Z. Schneider-Foerfil.

Urheberrechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau i. S.

12. Fortsetzung. Nachdruck verbotenI

Schließlich war es kein Verbrechen, wenn er das Photo einer Frau oder eines Mädchens, das er mög­licherweise einmal geliebt hatte, bei sich trug. Es lag ihr nichts ferner, als in diesem Punkte kleinlich zu sein.

Aber was sie sonst aus das strengste verpönt hätte, das tat sie jetzt. Sie unterzog den übrigen Inhalt der Brieftasche einer genauen Durchsicht: Rechnungen von Hotels, die Bestätigung von Firmen über er­haltene Gelder, die Einladung eines Luftschiffkonsor- tiums zu einer Ingenieurzusammenkunft in Reval. Und dann auf den Knien balancierend, entfaltete sie das Blatt mit dem Firmenaufdruck einer Konstanzer Rechtsanwaltskanzlei. Ihr Blick flog über die wenigen Zeilen.

Sehr geehrter Herr Baron!

Eine Scheidung einzuleiten ist nicht so einfach, wie Sie sich vielleicht denken. Noch dazu nach so kurzer Ehe. Dazu wird vor allem eine dem Gesetze genügende Handhabe benötigt wie Ehebruch, bös­williges Verlassen usw. Es wird das Beste sein, wenn Sie sich persönlich in mein Bureau bemühen, um mit Ihnen über alle in Betracht kommenden Punkte sprechen zu können.

Ihrem Besuch entgegensetzend

Hochachtungsvoll

Petersein, Justizrat.

Für den Moment jeder Bewegung unfähig, lag sie reglos. Alles drehte sich in Kreisen. Dann verschwand der Spuk. Die Gegenstände ringsum nahmen wieder Wirklichkeit und natürliche Gestalt an. Mit steifen Fingern stopfte sie die Briefsachen in die Tasche zurück. Nur das Schreiben des Iustizrats dehiell sie zurück, als Zeugen, welche Gedanken er im geheimen trug--jetzt, nach einem knappen Vierteljahr des

Verheiratetseins.

Einen Moment überlegte sie, ob sie nicht hinauf­laufen und ihn wachrütteln sollte. Dann ließ sie es. Zur Mutter gehen? Nie! Allein tragen, die über­große Not, die jetzt zur Nacht hereingebrochen war. Sie drückte die Hände vor das Gesicht. Aber ihre Augen fanden keine Träne.

Als sie sich erhob, knockte die Seide ihres Kleides. Eine der kostbaren Silberspitzen riß und floß als schillernde Welle am Boden dahin. In unbarm­herzig grellen Licht der Deckenbeleuchtung betrachtete sie ihr Spiegelbild. War sie denn nicht viel liebens­werter als die andere? So viel frauenhafter und hin­gehender als sie? Konnte ein Weib mehr schenken, als sie geschenkt hatte? Und doch wollte er von ihr geschieden sein, um jener anderen willen.

Vielleicht war es das Beste, wenn sie ihn freigab. Wozu noch lange mit ihm weiterleben, wenn es doch nur eine Gnadenfrist war?

Lebte sie denn überhaupt mtt>jhm? Wußte sie, was er alles tat, wenn er in Konstanz weilte? Nichts wußte sie!

Aber Oehme! Sein Freund war sicher eingeweiht in alles. Er war der einzige, der Auskunft geben konnte.

Die Alabasteruhr, welche auf dem Biedermeier­sockel thronte, zeigte bald Mitternach. Wenn sie Ge­wißheit haben wollte, mußte sie Oehme noch heute sprechen. Morgen in all dem Trubel war das un­möglich. Und wenn er ihr seine Aufwartung machte, wie er es vorhatte, war sicher Jörg zugegen. Es blieb keine Wahl der Zeit mehr. Möglich, daß sie Oehme aus dem Bette holen lassen mußte, aber das war einerlei. Er würde einsehen, daß sie nicht anders gekonnt hatte.

Kurzerhand riß sie die Silberspitze ab und steckte die zerrissene Seide mit ein paar Nadeln fest. Und nun mußte sie doch noch einmal nach ihrem Zimmer, ihren Mantel zu holen. Ohne nach dem Bett zu sehen, in welchem der Gatte schlief, tastete sie sich nach dem Schranke. Die milchige Helle, welche die Winternacht durch den Raum schickte, kam ihr zustatten. So brauchte sie kein Licht zu machen. Ihre Hände fanden in diesem Dämmer sofort, was sie suchte.

Ohne jedes Knacken sprang die Tür hinter ihr ein. Don den Gesellschaftsräumen herauf kam noch Lachen und der verschwommene Hall der Musik. Das Glück schien dort fein Ende zu nehmen. Sie horchte nach der Treppe. Es durfte ihr jetzt niemand begegnen. Die Bronzefigur, welche die schwergestanzte Lampe mit tzocherhobenen Händen trug, lag plötzlich in schwarzem Dunkel. Stephanies Finger hatten den Schalter gedreht.

Saum drei Minuten später stand sie auf der Straße, die in lautloser Stille lag. Stephanie über­legte. Oehme wohnte im Bristol, hatte Hans Jörg gesagt. Das war ein Weg, der immerhin eine halbe Stunde beanspruchte, wenn nicht mehr. Sie sah zum Haus empor, dessen Parterreräume hell erleuchtet waren. Den Wagen aus der Garage zu holen, war gefährlich. Um die Ecke spähend, gewahrte sie einen Daimler, dessen Schlußlich brannte.

Ohne Zögern trat sie hinzu, fand den Führersitz leer und eine schwere Samtdecke über den Kühler gelegt. Wenn es glückte? Sie riß die Decke herab und warf sie in den Fond. Ehe sie auf das Trittbrett stieg, horchte sie nach der Villa zurück. Nur ab­gerissene Töne der Musik waren zu vernehmen. Den Kragen ihres Mantels hochgeschlagen, setzte sie sich an den Volant. Es war nicht der erste Daimler, den sie fuhr. Der Motor sprang an, machte einen Satz nach vorn und schoß mit ihr in die Nacht hinein.

Erst an der Straßenbiegung ließ sie die beiden Scheinwerfer aufflammen. Ihr breiter Lichtkegel- fiel in schmerzender Helle über den Weg, Häuser und Zäune flitzten vorbei. Sie hatte kein Gefühl für

Geschwindigkeit mehr und erschrak, als der Kilometer­zähler 70 zeigte. Trotzdem dünkte sie die Entfernung endlos. Dann schöllen sich auf einmal* die Riesen­konturen der Innenstadt aus dem schleierhaften Nebel. Die Durchfahrt der Hofburg warf gespenstische Schatten. Der Rauhreif, welcher Busch und Baum in den Anlagen überzuckerte, zog fpinnenartige Netze, und das Gewirr der Drähte hing wie Silbergeschnür über Straßen und Plätze.

Als sie in den Kärntnerring einbog, mäßigte sie das Tempo.

Das Hotel Bristol lag hellerleuchtet. Das Surren des Motors verstummte. Trotz der gefährlichen Er­regung, die in ihr hämmerte, vergaß sie nicht, die Samtdecke wieder über den Kühler zu breiten. Sie durfte um keinen Preis hier festsitzen.

Tropenhaft schwül schlug ihr die Luft des Vesti­büls entgegen. Von der Kuppel, die den Mittelbau überdachte, flössen Ströme von Licht, welche die grünen Jacken der Boys in ein märchenhaftes Far­benspiel tauchten. Einer von diesen sprang ihr ent­gegen und fragte nach ihren Wünschen. Dann kam auch schon einer der Direktoren und wiederholte des gleiche.

Ich möchte Herrn Doktor Oehme aus Konstanz sprechen. Er wohnt doch hier?"

Gewiß, Gnädigste. Soll der Herr gerufen werden?"

Bitte!"

Stephanie sah in den hohen Spiegeln ihr Eigen­bild vielfach zurückgeworfen. Die Silberspitze des Kleides lugte verräterisch unter dem Pelzbesatz des Mantels hervor. Niemand kannte sie hier. Man mochte glauben, sie gehöre zum engeren Bekannten- kreise Oehmes. Nur was er dachte, das fiel in die Waagschale. Sonst nichts.

Wohin aber sollte man gehen, um die wenigen Worte, die sie mit ihm zu reden hatte, vor fremden Ohren zu verbergen? Sie sah sich um. Die Halle war der am wenigsten geeignete Platz für eine solche Zwiesprache. Immer wieder kamen neue Gäste oder es gingen welche. Durch die sich öffnenden und schlie­ßenden Glastüren vernahm sie das Gewirr von Stimmen sowie das Aufeinanderklingen von Tellern und Gläsern.

Und nun rief jemand mit gebieterischer Stimme m dem Raum linker Hand:Herr Doktor Oehme aus Konstanz wird in die Halle gebeten."

Stephanie zuckte zusammen, als wäre Unerhör­tes geschehen.--In ihren Wangen ging und

kam das Blut, während ihre Hände kältesteif in­einanderverschränkt waren. Der Schritt, den sie jetzt hinter sich vernahm, ließ sie eine halbe Wen­dung machen.

Baroyin!" Herz und Gehirn setzten einen Augenblick ihre Tätigkeit aus. Was mochte da Schreckliches geschehen sein? Der Portier äugte neu­gierig zu ihnen hinüber. Es galt Haltung zu bewah­ren. Stephanies Hand an die Lippen führend, frug er:Was ist mit Hans Jörg?"

sie das zu fragen, bin ich gekommen, Herr Doktor!"

Er prallte zurück.Er ist nicht bei Ihnen?"

»Doch!"

Er sah, wie sie trotz der Hitze fror. Sie ist krank, durchfuhr es ihn. War er denn blind. Die hektischen Flecken auf ihren Wangen waren Fieberröte. Sein Blick irrte durch die Halle. Wohin denn nur? Hebet; all standen Gaffer. Sie aus sein Zimmer zu bit­ten, war unmöglich. Mer wohin nur?--

Er hätte sich ohrfeigen mögen.

Der Direktor, weit- und menschenkundig, kam ihm zu Hilfe.Wenn die Herrschaften im Teeraum eine Kleinigkeit zu sich nehmen wollen?---

Eventuell im Wintergarten?----"

Oehme griff nach diesem Vorschlag wie ein Er- tringenber. Ein Boy wies ihnen den Weg.

Als die Pendeltüren des Palmengartens inein­anderschlugen, vermochte er sich nicht mehr zu be­herrschen.Ich bitte Sie, gnädige Frau, spannen Sie mich nicht länger auf die Folter. Sprechen Sie um Gottes willen, was ist mit Hans Jörg?!"

Nichts", sagte sie tonlos ruhig.Sie müssen ent­schuldigen, Doktor, daß, ich mir den Mut nahm, zu Ihnen zu kommen, noch dazu in dieser Stunde. Aber es kann mir niemand Auskunft geben als Sie: mit wem lebt mein Mann in Konstanz?"

Alles andere hatte er erwartet. Das nicht.

Es warf ihn beinah gegen die Riesenkaktee, die in seinem Rücken ihre stacheligen Blätter aus­streckte.Frau Stephanie", sagte er endlich und noch einmalFrau Stephanie."

Sie nahm seine Fassungslosigkeit als ein Zuge­ständnis, und zugleich las sie in seinem Gesichte die Nutzlosigkeit ihres Bemühens Eine Mutlosigleit die wie ein lähmendes Müdesein wirkte, ergriff sie: Ich hätte mir es denken können, daß Sie nicht ge­willt sind, mir Aufschluß zu geben. Sie sind sein Freund." Ihr Gesicht nahm einen hoffnungslosen Ausdruck an.

Er sah es und erwachte aus seiner Betäubung. Sie verdächtigen ihn grundlos!" Die Zunge ge­horchte nicht ganz.

Ich habe Beweise, Doktor!"

Beweise?" Neuer Schrecken überfiel ihn, dazu das Gefährliche der Situation. Wenn ein Mensch sie erkannte! Sie hatte so viele Freunde in Wien. Spione gab es überall und solche, die nur zu gern einen Brand anzustecken gewillt waren. Wenn dann das Feuer lichterloh prasselte, vermochte kein Mensch mehr ihm Einhalt zu gebieten. Er fühlte sich nicht sicher hier. Zumal nicht so nahe dem Eingang. Hinter jedem der meterhohen Farne und den, in der Treib­hausschwüle blühenden Rhododendrenbüschen konnte ein Lauscher versteckt fein.Wir wollen ein Stück weiter hineingehen, gnädige Frau", mahnte er bit­tend.Wo ist Hans Jörg jetzt?"

Er schläft!"

Und wenn er Sie vermißt?"

sFortsetzung folgt.)

Statt Karten.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Vaters, für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers, sowie dem Bauerseben Gesangverein für die letzte Ehrung, sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank.

Karl Kinzenbach. Ingenieur Liesel Kinzenbach.

Gießen (Bleichstraße 401), Februar 1933.

1c02D

Danksagung.

Für die außerordentlich vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen

Armin Becker

sagen wir auf diesem Wege allen unseren innigsten Dank.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Jakob Becker, Dentist

Lollar, den 28. Februar 1933. 1507 D

IAstoria-Lichtspiele I

Heute bi* Sonntag einschließlich:

Ein Sens.-Groß-Tonfihn in deutsch.Sprache |

üer Schrei der Masse

Iln dem gleichen rasenden Tempo, mit dem die Rennwagen um die Bahn jagen, spielt I sich das Geschehen dieses Filmes ab.

Packend-Aufpeitschend - Mitreißend I

Und das gute Beiprogramm. 15030 B

Oeff entliehe >

WaMlflindlW

Freitag, 3. März 1933, abends 8% Uhr. in der Turnhalle am Oswaldsgarten unter Mitwir­kung der Stahlhelmkapelle

Es sprechen: 1. Herr Pfr. Zeidler, Kassel, 2. Herr Dir. Lange, Hanau über:

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Eintritt frei!

Die Turnhalle ist gut geheizt

1362 D

Kampffront Schwarz -Weife - Rot

MinlMgeW.AMWger bksLeulgWWMsGjem

Samstag, den 4. März, abends 7'/» Uhr Pünktlich beginnend, sindet auf der

>ÄiM Eiolnitaatad statt. Nach den Darbietungen wird ge­tanzt. Alle ehemaligen Gießener Neal- gymnasiasten sind mit ihren Angehörigen herzlich eingeladen.__________ i 99 d

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I Lichtspielhaus Gießen

Ab heute Donnerstag:

Ein Flieger-Film, wie ihn

die Welt noch nie gesehen!

Wolkenstürmer

Hauptrollen: Wallace Beery, Clark Gable Das Hohelied auf den Flieger!

Eine Handlung von packender Wucht BI der von einzigartiger Schönheit Ein Film In deutscher Sprache! 1504c

Die Presse schreibt: Das ist ein Film, wie man ihn in Deutsch­land noch nicht gesehen hat. CLARK GABLE: für die amerika­nischen Zuschauerinnen Hans Albers. B. Z. am MITTAG.

Der Zuschauer wird Kopf gestellt Berliner Börsen-Courier.

Es ist einer der einzigartigsten Filme, die in der Geschichte der Kine­matographie gedreht worden sind .... alles unübertrefflich. Tempo. Der Film sollte überall in Deutschland gezeigt werden. Angriff.

Ferner: Das gute Beiprogramm und die Ufa-Ton-Woche

Dora Ram

Rudi Beierdörffer

/

Verlobte

Lollar, den 2. März 1933

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