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2.3.1933 Erstes Blatt
 
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Arbeitsjubiläum. Am heutigen 2. März kann der Schalttafelwärter Philipp Sturm auf eine 25jährige Tätigkeit im Städtischen (klektrizitöts- werk zurückblicken. Der Jubilar war nach seinem Ein- tritt am 2. März 1908 zunächst als erster Monteur im Stadtnetz des Elektrizitätswerks beschäftigt. Spä­ter wurde lhm die Stelle eines Schalttafelwärters übertragen. Allezeit hat er [id) auf diesem sehr wich­tigen Posten als fleißiger, äußerst zuverlässiger und umsichtiger Mann erwiesen. Durch seine Gewissen» Hastigkeit und durch sein freundliches Wesen hat er sich die Achtung seiner Vorgesetzten und Mitarbeiter erworben. Zahlreiche Anerkennungen bekundeten dem Jubilar die große Wertschätzung, die ihm zuteil wird. ee Städtische Brennholzversteige- rung. Bei der gestrigen Brennholzverste ge- rung in den Waldungen der Stadt Gießen (Försterei Hochwart) wurden im Durchschnitt ol- gend« Preise erzielt: Buchenscheiter (l.Kl.) 9,60 Mark. (2-Kl.) 7.00. Eichenscheiter (1. Kl.) 6,40, Dirkenscheiter (1. Kl.) 7,00, Buchenknüppel 8,00, Hainbuchenknüppel 7,20, Eschenknüppel 5,20, Eichenknüppel (1. Kl.) 5.00, (2 Kl.) 4,20, Fichten- knüppel (2- Kl.) 3,40. Buchenstöcke 5,60 Mk. per Raummeter: Eichennutzknüppel (Gartcnpfosten. 2,20 Meter lang) 7,00, Eschennuhknüppel (Garten- Pfosten, 2 Meter lang) 7,00, Buchenreisig (3. Kl.,

pro 100 Wellen) 16,00, Eichenderbstangen (1. Kl., Deichseln) 2,00, (2. Kl., Deichseln) 1,60. Eschen- de.bstangen 41-Kl., Deich.e.n) 3,20. (2. Kl., Deich- seln) 2,00. (3-Kl.. Deichseln) 1.40. Fichtenderb­stangen (1. Kl.) 1.20 Wk. per Stück.

** 21 u f der Straße gestorben. Gestern nachmittag brach der 62 Jahre alte Weißbinder» gehilfe Ludwig H i s g e n , Bahnhofstraße 61, als er mit einem kleinen Handwagen aus dem Walde kom» mend, über die Südanlage fuhr, infolge starken Un­wohlseins auf der Straße zusammen und war wenige Augenblicke später tot. Ein Herzschlag hatte dem Leben des bedauernswerten Mannes ein jähes Ende bereitet.

** Ein unbekannter Toter. Der Polizei­bericht meldet: Heute früh gegen 5.30 Uhr wurde auf der Eisenbahnstrecke GießenFulda in der Bähe der Landstrahenüberführung Gießen Rödgen bei Kilometer 4,6 eine unbekannte männ­liche Leiche aufgefunden. Der Tote ist von einem Zuge überfahren und auf der Stelle getötet worden. Anscheinend ist er etwa 22 Jahre alt, weiteres über seine Personalien ist aber bisher noch nicht bekannt. Mitteilungen, die zur Auf­klärung des Vorfalles dienen können, werden von der Kriminalpolizei erbeten.

Arbeitsbefchaffungsprogramm der Provinz Oberhessen.

In anerkennenswerter Weise hat sich die Pro­vinzialdirektion Oberhessen bemüht, im Rohmen ihrer Möglichkeiten auch für das kommende Früh­jahr und den Sommer Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, durch die dem Elend der Arbeitslosen und der Rot der Gemeinden weitgehend entoegengewirkt werden kann. Nachdem das Arbeitsbeschaffungs- Programm für den Landstrabenbau im Jahre 1932 in allen Teilen zu Ende gebracht worden ist, sind jetzt anschließend folgende Arbeiten für das Jahr 1933 in Aussicht genommen:

kleinpslasterung auf der Landstraße GießenAls­feld zwischen den Orten Schellnhausen und Romrod:

Kleinpflasterung auf der Landstraße Lauterbach Stockheim zwischen den Orten Lihberg und Or­lenberg:

Teerbelon-Herstellung auf der Landstraße zwischen Gedern und Hirzenhain:

Kleinpflasterung und Teer-Asphaltbeton-herstel- lung auf der Landstraße GießenGelnhausen zwischen den Orten Vleichenbach und Vüches;

Kleinpflasterung auf der Landstraße Gießen Wetzlar zwischen den Orten Gießen und Heu­chelheim.

Die Arbeiten erfordern einen Gesamtaufwand von 463 500 Mark. Davon hat die Provinz Oberhessen 92 700 Mark selbst aufzubringen: 301 200 Mark werden als Darlehen von der Gesellschaft für öf­

fentliche Arbeiten in Berlin gegeben, der Restbetrag wird als Zuschuß von der Reichsanstalt für Arbeits­losenversicherung zur Verfügung gestellt. Die Geld­mittel für diese Projekte sind bewilligt, so daß m i t den Arbeiten inKürze begonnen werden kann.

Außer diesem Arbeitsbeschaffungsprogramm hat die Provinz Oberhessen noch weitgehende Anmeldungen für Darlehen aus dem G e r e k e - Programm vorgenommen. Diese Anmeldun­gen erreichen einen Gesamtbetrag von etwa 250 000 Mark und verteilen sich auf 8 Strecken. Rach den bisher eingegangenen Mitteilungen ist jedoch nicht damit zu rechnen, daß größere Be­träge aus dem Gereke-Programm für den Land­straßenbau in Oberhessen zur Verfügung gestellt werden, weil die Verteilung der für Hessen be­stimmten Geldmittel entscheidend beeinflußt wird von der Zahl der Erwerbslosen in den Bezirken, in denen Arbeiten vorgesehen sind.

So sehr man es begrüßen muß, daß der Pro­vinzialverwaltung die Finanzierung des oben­erwähnten Arbeitsprogramms gelungen ist, so sehr muß man bedauern, daß unsere Provinz bei dem Gereke-Programm offenbar recht stiefmütterlich wcgkommt. Wir möchten an die hessische Regierung, der die Vertei­lung der Msttel aus dem Gereke-Programm ob­liegt. den dringenden Appell richten, bei dieser Verteilung unserer Provinz mehr als bisher vorgesehen gerecht zu werden.

Amtsgericht Gießen.

Statt eines Dankes für erwiesene Wohltaten erhielt eine ältere städtische ehrenamtlich tätige Armenpflegerin, Vorsitzende eines charitativen Vereins, von einem arbeitslosen Dachdecker, der sie in ihrer Wohnung aufgesucht hatte, mit dem Handrücken einen Schlag ins Gesicht, der dem rohen Menschen eine Gefängnisstrafe von vier Wochen eintrug. Er will von ihr als ein Fau­lenzer bezeichnet worden sein, der keine Unter­stützung verdiene. Hieran war kein wahres Wort. Richtig mag vielleicht sein, daß er sich bei der Verteilung der Gaben zurückgcseht glaubte. Ein Grund zu dieser Annahme :ag aber durchaus nicht vor. Sie konnte ihn aucy keineswegs ent­schuldigen. Eine Freiheitsstrafe war vollauf ge­rechtfertigt. Frauen, die im Interesse der All­gemeinheit in der gedachten Weise tätig sind, gebührt in erhöhtem Maße ein Schutz vor der­artigen Gewalttätigkeiten.

Ein Fuhrmann hatte sich wegen eines schweren in wiederholtem Rückfall durch Ueberkletterung der Umsäumung der Heil- und Pflegeanstalt begangenen Diebstahls eines Pullovers zu veran- worten. Jrn Vorverfahren hatte er ein Ge­ständnis abgelegt. Seine Angaben in der Haupt- ve-rhandlung wichen aber von diesen zum Teil ab. So ^erklärte er namentlich, die Umzäumung habe er nicht in der Absicht, zu stehlen, überklettert, der Gedanke, das Kleidungsstück mitzunehmen, sei ihm erst später gefommen. In dem Falle, daß dies nachweisbar richtig ist, würde das Straf­erschwerungsmoment des Einsteigens in diebischer Absicht in ein eingefriedigtes Besitztum Weg­fällen und dieser Wegfall einen nicht unwesent­lichen Einfluß auf die Höhe der Strafe haben. Die Verhandlung wurde deshalb zwecks weiterer Erhebungen vertagt.

Auch Autogaragen sind der polizeilichen Auf­sicht unterworfen, und es bestehen hierüber eine Reihe von Bestimmungen, namentlich eine hessische Verordnung vom 7. September 1932. Ein hiesi­ger Händler hat gegen diese Vorschriften ver­stoßen. indem er sein Auto zu wiederholten Malen in eine frühere Schmiede einstelltc. die sich zu einer Garage keineswegs eignete und wegen der Aufbewahrung leichtentzündlicher Ge­genstände als feuergefährlich gelten konnte. Der Ang.klagte hätte auch, wie dies Vorschrift, die Benutzung Der alten Schmiede als Garage dem Tiefbauamt anzeigen müssen. Das hat er nicht getan. Das Urteil lautete auf 10 Mark Geld­strafe.

2lm 26. Oktober 1932 gegen Abend drückten wegen einer Steigung vier Radfahrer ihre Räder auf der rechten Seite der Frankfurter Straße nach Klein-Linden zu auf der Fahrbahn, etwa 1,30 Meter von dem Fußsteig entfernt. Der Angeklagte, ein Schlossermeister ans Hannoversch- Minden, fuhr mit feinem Auto in raschem Temf» hinter ihnen und überholte sie dann, ohne seine Geschwindigkeit zu vermindern. Er streifte dabei einen der Radfahrer, so daß dieser fiel, efwa 10 Meter weitergeschleift wurde und nicht unerhebliche Verletzungen erlitt. Die Ver­handlung ergab die Schuld des Autofahrers an dem Unfalls Er hätte in einem größeren Abstand von den Rädern an diesen vorbeifahren müssen. Platz dazu die Fahrbahn war 8 Meter breit toat hinreichend vorhanden, trotzdem ihm ein Lastauto entgegenfuhr. Der Angeklagte will durch dessen Licht geblendet gewesen und auch noch durch ein anderes ihm entgegenkommendes Fuhr­werk behindert worden fein. Wäre dies so. dann hätte er überhaupt nicht überholen dürfen. Die

Stelle hatte dann, als unübersichtlich $u gelten. Der Angeklagte erhielt wegen fahrlässiger Kör­perverletzung. gleichzeitig auch wegen Uebertre- tung von Derkehrsvorschriften. eine Geldstrafe von 26 Mark.

Kirche und Schule.

Oorskircheniag in Dauernheim.

Dauernheim, 1. März. Am Montag fand hier eine Dorfkirchentagung statt. Ungefähr 750 bis 800 Kirchenoorsteher, Kirchengemeindever­treter, Lehrer und Pfarrer aus 101 Ortschaften der Kreise Büdingen, Friedberg, Gießen und Schotten hatten sich eingefunden. Die Teilnehmer wurden von der Dauernheimer Einwohnerschaft freundlich empfangen und bewirtet. In reichem Flaggen­schmuck prangte der ganze Ort.

Die Tagung begann mit einem G o t t e s d i e n st. Das Gotteshaus konnte die Tagungsteilnehmer kaum fassen. Der Superintendent der Provinz, Ober­kirchenrat D. Wagner (Gießen), ermunterte in seiner Festpredigt zu unbeweglicher Festigkeit und zu ständigem Wachstum im Glauben in den gegen­wärtigen Zeiten innerer und äußerer Not und ge­genüber dem Ansturm der Gottlosigkeit. Wie einst in den bösen Zeiten des 30jäyrigen Kriegs brauche unser Volk auch heute Männer und Frauen, die auf festem Glaubensgrund stehend anderen Halt und Führer sein können. Der Gottesdienst wurde durch schöne Chöre des GesangvereinsEichenkranz^ Dauernheim und durch ausgezeichnete Choräle des Posaunenchors Ober-Mockstadt verschönt.

Am frühen Nachmittag versammelten sich zirka 1000 Personen in der Volkshalle. Viele mußten stehen, mancher fand überhaupt keinen Platz mehr. Dekan Scriba (Nidda), der eifrige Vorkämpfer der Dorfkirchenbewegung, eröffnete mit Worten des Dankes und der Freude die Versammlung. Dann hielt Professor Stroh vom Predigerseminar in Friedberg einen packenden Vortrag über das Thema Der Kirchenvorsteher als Seelsorger". Eine Fülle von praktischen Anregungen wurde gegeben. Beson­ders wertvoll war, daß der Redner mit großer Wahrhaftigkeit auch auf die heikelsten Fragen des kirchlichen Lebens einging, wie die Stellung der Kirche zur Politik, zur wirtschaftlichen und seelischen Not unseres Volkes, zur Gottlosigkeit usw. Er zeigte, wie in allen diesen Schwierigkeiten gerade der Kir­chenvorsteher dem Pfarrer helfend zur Seite stehen könne und müsse. Die besonderen seelsorgerlichen Er­fordernisse solcher Mitarbeit faßte er in klaren Leit­sätzen zusammen.

Im Anschluß an den Vortrag überbrachte der Prälat der Hess. Landeskirche, Univ.-Prof. D. Dr. Dr. Diehl, die Grüße der Kirchenregierung. Er zeigte aus der Kirchengeschichte, wie die Kirchengemeinden schon manches Mal sich nur durch Selbsthilfe retten konnten. So müsse auch heute jeder einzelne Christ die Augen auftun für die Nöte des Volkes und mit Liebe, Vertrauen und in christlichem Geist nach Kräften helfen. Alle Arbeit aus Gott bringe ihre Frucht.

Nach einer regen Aussprache wurde die Tagung durch Dekan Scriba geschlossen. Dem Kirchenvor­stand Dauernheim und dem Ortspfarrer Zimmer gebühre Dank für die anstrengende Dorbereitungs- arbeit und für die mustergültige Organisation der Tagung.

Daten für Donnerstag, 2. März.

1824: der Komponist Franz Smetana in Leito- mischl geboren; - 1829: der amerikanische Staats­mann Karl Schurz in Liblar bei Köln geboren; 1916: Elisabeth (Carmen Shlva), Königin von Rumänien, in Bukarest gestorben.

Die Deutschen kommen!

Wie sah es 1914 In Paris auS, alS die deutschen Armeen vor den Toren standen, als sich Frankreich schon verloren gab und seine Regierung die Hauptstadt verlief? Nichts hat in der Erinnerung derer, die den Weltkrieg miterlebt haben, und in der Phantasie der jüngeren Gene­ration so tief nachgewirkt wie der Beginn an der Westfront, der stürmische Vor­marsch auf Paris, die Marne-Schlacht. Seitdem haben die Autoritäten des deut, scheu Generalstabs, haben die Geschichts­forscher die Zusammenhänge untersucht, und die Zeit ist gekommen, daraus die Summe zu ziehen! Lesen Sie heute den Tatsachen-Bericht derBerliner Jllustrirten Zeitung"! Er hat Paris, die bedrohte Stadt, zum Ausgangspunkt. Dann aber führt er hinüber zur deutschen Front, schildert ihre Ruhmestaten und ehrt die unbekannten Soldaten, die im beglückenden Traum, chr Opfer sichere den deutschen Sieg, an der Marne ihr Leben ließen. Lesen Sie:Die Deutschen kommen!" Laufen Sie sich heute die

Balmer

Jlluftrirte Zeitung