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2.3.1933 Erstes Blatt
 
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gterung zu vermeiden. Es sollen Sicherungen dagegen getroffen werden, daß dem Ministerprä­sidenten ein Mißtrauensvotum erteilt wird durch eine Landtagsmehrheit, die nicht i m st a n d e ist, gleichen Augenblick einen neuenMinister- präsidenten zu wählen. Es soll daher eine Bestimmung geschaffen werden, durch die dem Ministerpräsidenten das Mißtrauensvotum nur durch die gültige Wahl eines neuen Ministerpräsidenten ausgesprochen wer­den kann. Ein neugewählter Landtag soll inner­halb dreier Monate nach Zusammentritt eine Neuwahl des Ministerpräsidenten vornehmen. Kommt bis zum Ablauf dieser Frist eine gültige Wahl nicht zustande, so soll der bisherige Ministerpräsident als von der Mehrheit der gesetzlichen Mitgliederzahl neu gewählt gelten.

3n den Nichtlinien für ein Arbeitsprogramm wird hinsichtlich der Reichspolitik verlangt, daß jede an der Regierungsbildung beteiligte Frak­tion für ihre Gesamtpartei die Verpflichtung übernimmt, Freiheit und Selbständig- keit des bayerischen Staates zu ver­teidigen und seine Hoheitsrechte zu wahren. Für die Reichsreform wird folgendes gefordert: Einräumung ausreichender Verfassungs­autonomie, gesicherte Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen Reich und Län­dern auf dem Gebiete der Gesetzgebung, W i e - derherstellung der Einheit der Ver­waltung und der Staatsgewalt der Länder, Wiederherstellung der finanziel­len Selbständigkeit der Länder, Ausbau des Reichsrates als gleichberechtigter Faktor der Gesetzgebung. Schaffung fester Grundlagen unseres Verfassungslebens und Sicherung der Landes­rechte.

Handwerk und Aeichstagswahl.

Wie man uns mitteilt hat sich der Hessische Handwerks- und G e w e r b e v e rb a n d durch die berufenen Vertreter mit den Fragen der Stellung des hessischen Handwerks zu der am 5. März d. 3. stattfindenden Reichstags­wahl eingehend befaßt. 3n voller lleberzeugung der Rotwendigkeit der Stärkung der nationalen Einheit unterstützt der Handwerks- und Gewerbe­verband den Aufruf des Reichsver­bands des deutschen Handwerks: Seit 3ahren erhebt das Handwerk die Forderung nach einer grundsätzlichen Wandlung der Wirt­schaftspolitik und der Wirtschaftsorganisation. Die Wirtschaftspolitik muh der auf Selbstverantwor­tung gestellten schöpferischen Handwerksarbeit Schutz und Freiheit gewährleisten. Die Wirt­schaftsorganisation muß das gegenwärtige Wirt­schaftssystem ablösen durch eine berufs stän­disch aufgebaute und geordnete Wirtschaft. Schon immer hat es das Handwerk als eine Selbstverständlichkeit betrachtet, dah der Schick­salskamps des deutschen Volkes nur auf einer wahrhaft nationalen Grundlage geführt und nur in einer Gesinnungsgemeinschaft netoonnen wer­den kann, die alle Gruppen und Stände umfaßt. So rufen wir das Handwerk für die bevor­stehenden Wahlen abermals zur Sammlung aller aufbauwilligen Kräfte auf. Aus­gabe des Berufsstandes bleibt es, in diesem Sinne mitzuhelfen am Aufbau der deutschen Volks­gemeinschaft. Das Handwerk kann sich am 5. März nur für solche Parteien entscheiden, die den Willen zur nationalen Einigung über Tagesstreit und Parteigezänk stellen. Das Handwerk kann nur den Parteien seine Stimme geben, die auf dem Boden des Berufs- standsgedankens stehen und sich für seine Verwirklichung einsetzen.

Sine WahlredeSmmngs in Essen

Essen, 1. März. (TU.) In der Ausstellungshalle sprach vor über 1OOOO Zentrumswählern Reichs­kanzler a. D. Dr. B r ü n i n g.. Er erklärte u. a., von dem Vierjahresplan des Reichskanzlers Hitler werde , kein Hungernder satt. Nur durch planvolle Arbeit, die Rücksicht nehme auf alle Stände des Vaterlandes, fei es möglich, wirkliche Aufbauarbeit zu leisten. Die Agrarkrise sei nicht ohne die Siedlung im Osten, die Krise im industriellen Westen nicht ohne eine Ge­sundung der Landwirtschaft zu beheben. Zu der Er­klärung Hugenbergs, daß die K r e d i t g e st a l t u n g fürdenMittelstandauf einen anderen Boden gestellt, und daß das Geld - und Bankwesen dezentralisiert werden müsse, führte Dr. Brü- ning aus, das alles habe seine Regierung bereits vorbereitet und vieles davon durchgeführt. Aber in den letzten acht Monaten fei nichts mehr geschehen. Das Zusammengehen des Zentrums mit der Sozial­demokratie habe in erster Linie der Niederringung des Separatismus und Bolschewismus gegolten. Es fei immer die klare Linie des Zentrums gewesen, sich verantwortungsbewuß auch dem Staate zur Ver­fügung zu stellen, wenn es sich um unpopuläre Auf­gaben gehandelt habe. Außenpolitisch sei keine klare Linie mehr aufrechterhalten worden. Ein Deutsch­land, das in Zwist und Hader liege, in dem nur ein Teil des Volkes frei seine Meinung äußern dürfe, sei nicht geeignet, außenpolitisch erfolgreich aufzu­treten.

Während seiner Regierungszeit seien die kommu­nistischen Stimmen bei jeder Wahl zurückgegangen: seit seinem Rücktritt seien sie stark gestiegen. Wenn ' die heutige Regierung gegen die kommunistische Ge­fahr mit allen Mitteln vorgehe, werde sie in diesem Punkt restlose Unter st ützung der Zen­trumspartei finden. Aber mit Polizei und Ge­setz sei der Bolschewismus allein nicht zu überwin­den, sondern nur durch ein in d i e Tat um­gesetztes Christentum. Allen Maßnahmen der jetzigen Regierung, die geeignet seien, die furcht­bar: Krise zu mildern, werde die Zentrumspartei ihre Unterstützung geben, aber sie werde auch zu kämpfen wissen, wenn man planen sollte, die Ver­fassung im Wege des Umsturzes zu brechen. Die Zentrumspartei kämpfe in ungebrochenem Kampf für ihre alten Ideale: Wahrheit, Recht und Freiheit.

Oie Hilfspolizei in Preußen.

Berlin, 1. März. (CNB.) Die Einberufung von Angehörigen der nationalen Verbände zur Hilfs­polizei hat Zweifel ausgelöst, ob nun ole A n - gestellten von Firmen für d i e Dauer ihrer Tätigkeit als Hilfspolizisten beurlaubt werden müssen, und ob diese Beur­laubung mit oder ohne Gehalt zu erfolgen hat. Es dürften in kürzester Frist Ausführungs- bestimmungen darüber zu erwarten sein. Man wird vermutlich die Hilfspolizei in rechtlicher Beziehung der freiwilligen Feuerwehr gleich­stellen. Die Angehörigen der Hilfspolizei wären also ebenso wie bisher schon die Angehörigen der freiwilligen Feuerwehr von ihren Amtsstellen u n - ter Weiterzahlung des Lohnes oder Gehaltes zu beurlauben. Die Hilfspolizei wird nur in besonderen Fällen zunächst als Ver- stärkuna der Polizei für leichtere Maßnah­men (Absperrungen usw.) angefordert werden; fer­ner wird sie in den Fällen, in denen die unformier­ten Polizeibeamten sämtlich außerhalb der Polizei­unterkünfte Straßendienst tun müssen, z u m Schutze der Polizeiunterkünfte ver­wendet werden. In den Bestimmungen ist vor­gesehen, daß die Zahl der Hilfspolizeibeamten die Zahl der planmäßigen Polizeibeamten nicht über­schreiten darf. Mit einer Schußwaffe ausgestattet werden sie nur dort, wo für Leib und Leben der Hilfsbeamten zu fürchten wäre. Die Hilfspolizeikom­mandos dürften sich durchschnittlich aus 50 v. H. SA.-Leuten, 30 v. H. SS.-Leuten und 20 v. H. Stahlhelmleuten zusammensetzen. Die erste größere Bereitstellung von Hilfspolizei wird am kommen­den Samstag und Sonntag erfolgen, damit jede etwaige geplante Störung von Wahlhandlun­gen im Keime erstickt werden kann.

Umfangreiche Maßnahmen in Thüringen.

Weimar, 2. März. (WTB. Funkspruch.) Eine Durchführungsverordnung der Thürintzer Regie­rung zur Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes verbietet alle Ver­sammlungen der kommunistischen Partei mit ihren Nebenorganisationen, die Herstellung und Verbrei­tung der kommunistischen Druckschriften- jeder Art, sowie alle sonstigen öffentlichen Kundgebungen für den Kommunismus, weiter die Herstellung und Ver­breitung von Flugblättern, Flugschriften, Broschü­ren und Handzetteln politischen Inhalts d e r S P D., der Eisernen Front und des Reichs­banners. Periodische Druckschriften dieser einigungen sind mindestens drei Stunden vor

Erscheinen der Ortspolizeibehörde zur Prüfung o o r z u 1 e g e n. Die Verbreitung darf erst nach erteilter Genehmigung und nur nach Weglassung etwa beanstandeter Stellen erfolgen. Periodische Druckschriften sind verpflichtet, Auflagenachrichten des Innenministeriums auf der ersten Seite kostenfrei abzudrucken. Stellungnahme zu Auflagenachrichten ist unzulässig. Das Tragen von Abzeichen jeder Art, die die Zugehörigkeit zu einer der ge­nannten Organisationen kennzeichnen, wird ver­boten. Rote Fahnen dürfen auf Gebäuden und Grundstücken nicht öffentlich gezeigt wer­den. Die in Thüringen stationierten Flugzeuge, Privatkrastfahrzeuge, Lastwagen, Per­sonenwagen und Autoomnibusse sind auf Anforde­rung der staatlichen Polizei gegen angemessene Ent­schädigung fahrbereit zur Verfügung zu stellen.

Ein Kurzwellensender in Breslau beschlagnahmt.

Breslau, 2. März. (WTB.-Funkspruch.) Der Polizei gelang es, am Mittwoch eine Stunde vor Beginn der R e i ch s k an z l e r r e d e einen Kurzwellensender zu beschlagnahmen. Be­reits am Rachmittag war festgestellt worden, dah ein Kurzwellensender in dieser Gegend vorhanden sein müiie, mit dem offenbar Störungen der durch Rundfunk übertragenen Rede beabsichtigt waren.

Aus aller Welt.

Grohfeuer in Holzminden.

3n den Weser-Sperrholzwerken in Holzminden kam ein Brand auf, der in kurzer Zeit auf den gesamten Gebäudekomplex, eine frühere Zucker­fabrik, Übergriff und an den großen Holzvor­räten reiche Rahrung fand. Bald stand das Werk mit Ausnahme der Bureauräume und des neuen Maschinenhauses in Flammen. Rach fünf­stündiger Arbeit der Feuerwehr war das Groh- feuer auf seinen Herd beschränkt. Von dem Werk, das eine Grundfläche von 3500 Quadrat­meter hat, stehen nur noch die Kraftanlagen, das Bureauhaus und die Versandhalle. Die Haupt­fabrikationshallen mit großen Vorräten sind niedergebrannt. Der Gesamtschaden wird auf 750 000 Mk. geschätzt. 3ntoietoeit Gerüchte, daß Brandstiftung und Sabotage vorliege, be­gründet sind, müssen d'.e von Polizei und Staats­anwaltschaft eingeleiteten Ermittlungen ergeben.

Grohfeuer in der Rhön.

3n einer der letzten Rächte entstand in dem Ort Wendershausen (Rhön) ein großes Scha­denfeuer. dem fünf Scheunen und ein Wohn­haus zum Opfer fielen. Die Kreismotorenspritze und die Wehren aus den umliegenden Ortschaften konnten erst gegen mittag den Brand löschen. Die Anwesen find durchweg Eigentum von kleinen Hüttnern, deren Schaden durch Versicherung ge­deckt sein dürfte.

Mord auf offener Strohe.

In Cranz an der Ostsee überfiel aus bisher ungeklärter Ursache ein etwa 40jähriger Arbeiter die 80jährige Witwe Urban aus Cranz und ihre Begleiterin, ein Fräulein Stolzenberger aus Königsberg. Er tötete die alte Frau durch einen Messerstich ins Herz. Ihre Begleiterin brach von vier Messerstichen getroffen schwer verletzt zu­sammen. Der Täter, der verhaftet werden konnte, schien angetrunken zu sein.

Ver- benf

Aus der provinzialhauplstadt

2,50 Mk.), Aepsel 18 bis 30, Dörrobst 35 big 40, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Sup­penhühner 70 bis 80 Pf. das Pfund, Tauben 40 bis 60 Pf. das Stück, Rüsse 40 Pf. das Pfund. Eier, inländische 9 bis 10, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 25 bis 30, Endivien 15 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pf. das Stück.

Wahlversammlung des Christlichen Volksdienstes.

Der Dolksdienst hatte auf Sonntagabend eine Wahlversammlung in die Herberge zur Heimat einberufen. Herr Bach (Siegen), der Geschäfts­führer des CBD., sprach überCBoU in Rot". Er sprach von der Schuld des Marxismus, aber auch des Kapitalismus und des Bürgertums. 3m Mittelpunkt unseres Lebens, unsrer Politik, unsrer Wirtschaft habe als höchste Rorm zu stehen nicht der Mensch, sondern Gott mit feinen unverbrüch­lichen Geboten. Letzte Schuld an unserem Elend sei der Abfall von Gott, die Gottlosigkeit, daher ein­ziges Heilmittel Buße und älmkehr. Darum for­dere der CBD. Politik aus Glauben und Gehor­sam. Es gehe nicht an, Gott aus Politik und Wirtschaft auszuschalten und beide nur von ihrer angeblichen Eigengesehlichkeit bestimmen zu lassen. Der Dolksdienst habe im Reichstag immer posi­tive Politik getrieben. Brünings aussichtsvolle Außenpolitik habe er daher unterstützt, ohne sich an seinem Bekenntnis zu stoßen. Brüning war insofern schuld, als er gegen das Drängen des Bclksdienstes in seiner Rotverordnung die Härten gegen die Kleinen und Schwachen nicht vermied, sondern die starken Schultern schonte. Ehrend ge­dachte der Redner des Generals von Schleicher, der unser Heer zu höchster Leistung emporgehoben habe und der Arbeitsbeschaffung des sozialen Ge­nerals; auch bei der Ostsiedlung stellte Schleicher das Vaterland über Partei und Parteivorteile. Der Marxismus werde am sichersten geschwächt durch Bessermachen. Als höchstes Gesetz erhoffe und erstrebe der Christliche Volksdienst die Ge­rechtigkeit, das heilige unparteiische Recht. Er wolle sammeln und zusammenbringen, sammeln auch die Evangelischen angesichts ihrer Ohnmacht im politischen Leben.

Der zweite Redner, Professor Dr. Koch (Gie­ßen), erklärte u. a.: Der CVD. wolle Drücken und Dolksgemeinschaft schaffen. Er habe bei manchen Versammlungen im Rundfunk am Schluffe den ersten Vers ^Deutschland über alles" gehört, doch nie den dritten Vers von der Einigkeit, dem Recht und der Freiheit. Der Redner stellte dis Forderung auf, beim politischen Gegner nicht im­mer nur Fehler und Schlechtigkeiten zu sehen, son­dern auch das Gute bei ihm anzuerkennen und zu fördern. Er beschäftigte sich weiter mit der Hal­tung der Sozialdemokratie, die im Vergleich zur Vorkriegszeit durch Eberts Bund mit Hindenburg, durch ihre Haltung bei der Abwehr der Separa­tisten und im Ruhrkamvf, wie auch bei der jüng­sten Reichspräsidentenwahl eine gute Entwicklung zum Staate hin gezeigt habe. Ferner betonte der Redner, der deutsche Freiheitskampf könne nur gewonnen werden, wenn man das ganze Volk zu­sammenfasse. Darum betone der CVD. den dritten Vers des Deutschlandliedes. Deutschland brauche kein Christentum der Worte, sondern das Chri­stentum der Tat. Zu diesem Christentum sei unser Volk aufzurufen.

Den gleichen Mahnruf richtete Geschäftsführer Dach auch in seinem Schlußwort an die Ver­sammlung.

Knospen.

Die Knospenzeit, die Zeit des ersten Frühlings, oder der Vorfrühling, gehört mit zur schönsten Zeit des Jahres, denn erwartungsvoll fieht der Mensch dem Frühling entgegen, den mit lautem Schall Schwarzamfel und Buchfinke von den Bäumen herab so munter verkünden. Die Knospen, die jetzt zu schwellen beginnen, sind aber nicht erst jetzt plötz­lich entstanden, sondern vorsorglich hat sie die Na­tur schon im Sommer gebildet und sie im Innern mit der Anlage für den zukünftigen Blatt- und Blütenschmuck ausgestattet, sie zugleich auch geschützt vor dem Frost des Winters durch zarte Häutchen und harzige Schuppen. Schon gefaltet und zusam­mengerollt ruhen die zarten Gewebe in der sicheren Hülle, damit im Frühjahr bei der Entfaltung nichts geknickt, eingerissen oder sonst beschädigt ist. Es ge­währt dem Naturfreunde eine große Freude, am Durchschnitt der Winterknospe mit der Lupe das Heiligtum der Knospengeheimnisse in ihrer Gesetz­mäßigkeit zu beobachten, zu erkennen und zu be­wundern.

Die im Sommer gebildeten Knospen der aus­dauernden Gewächse treten deutlich hervor, wenn im Herbste das Laub fällt. Ueberall auch im Winter ist Leben, wenn auch schlafendes, an den Zweigen und unter dem Schnee. Besondere Beachtung aber finden die Knospen erst, wenn sie anschwellen und dem Aufspringen nahe sind. Dann verkünden sie, daß der Frühling vor der Tür steht. Wenn nach einer alten Bauernregelan Fabian und Sebastian (20. Januar) der Saft fängt zu steigen an", so geht es doch immer noch recht langsam, bis die Knospen zu schwellen beginnen.

Das Anschwellen und Aufspringen der Knospen erfolgt nicht gleichzeitig bei den verschiedenen Ge­hölzen. Einige erwachen schon sehr früh vom Win­terschlaf, andere verharren noch ganz ruhig in den Frühling hinein, und manche rühren sich erst dann, wenn es ganz unmöglich scheint, daß es noch frieren könnte. Die ersten, die ein leichtes Frühlingskleid überwerfen, find einige Gesträucher, wie der Ho­lunder, das Geißblatt, das sonst Jelängerjelieber heißt, und der Stachelbeerstrauch. Dann folgen die Birke und die Hagebuche, später kommen an die Reihe Waldbuche, Linde und andere Bäume, zu­letzt aber von allen einheimischen legen Eiche und Esche junges Laub an. Von diesen beiden letzten heißt es im Volksmunde inbezug auf das Wetter im Sommer:

Grünt die Esche vor der Eiche, Hält der Sommer große Bleiche, Grünt die Eiche vor der Esche, Hält er große Wäsche."

Von den aus südlichen Ländern eingeführten und bei uns angesiedelten Bäumen entwickelt die Roß­kastanie ziemlich früh schon ihre auffallend großen Knospen, aus denen sich dann neben den ansehn­lichen Blättern die prächtigen Blütenkerzen heraus­arbeiten. Akazie und Nußbaum belauben sich erst spät.

Es gibt Blattknospen und Blütenknospen, und in der Regel entfalten sich die Blattknospen zuerst, es kommt aber auch das umgekehrt vor. So blühen Aprikosen und Kornelkirschen vor der Laubentwick- lung, ebenso der Schlehdorn und die aus China stammende hübsche Forsythia, die schon im ersten Frühjahr unsere Vorgärten mit ihren unzähligen goldgelben Blüten schmückt. Der Seidelbast, der aus unseren Wäldern.in die Gärten gekommen ist, hat es mit dem Blühen so eilig, daß er gewöhnlich schon im Spätherbste damit beginnt und um die Schnee­glöckchenzeit blattlos noch, aber ganz mit rosigen Blüten dasteht. Ihm noch voraus ist die Herbstzeit­lose, die im Oktober ihre Blütezeit hat und im Frühling erst Blätter treibt.

Blatt- und Blütenknospen offnen sich zugleich bei unseren Fruchtbäumen, aber der Blüten sind es bann, wenn es kein ganz schlechtes Jahr ist, so viele, daß von den Blättern fast nicht? zu sehen ist; die ganzen Baumkronen sind in der Blütezeit in Schnee­weiß und Rosenrot gehüllt.

Es gibt auch Blütenknospen, die meist nicht dafür gehalten werden das sind die Weidenkätzchen, die, wenn sie die leichte, braune Hülle abgeworfen haben, noch in fiibergraues Pelzwerk gekleidet erscheinen und in diesem noch unentwickelten Zustande um die Osterzell allgemein gern gesucht und abgeschnitten werden.

Gemma ist der lateinische Ausdruck für Knospe, bedeutet aber auch einen Edelstein. Etwas Helles und Schimmerndes, etwas Köstliches und unter Um­ständen auch Kostbares sind ja auch die Knospen. Was kann aus einer Knospe alles hervorblühen und reifen! Offenbar ist Knospe die ursprüngliche Bedeutung des Wortes gemma, aus dem heraus sich die des Edelsteines entwickelt hat, wie aus der Knospe die Blüte.

Es wird auch von schlafenden Augen gesprochen. Das sind solche Knospen, die an Bäumen und Sträuchern gleichsam eine Reserve bilden und jahre­lang da sein können, ohne sich weiter zu entwickeln; erst wenn ihre richtige Zeit kommt, treiben sie aus.

Wir kommen jetzt wieder in die Zeit der Knos­pen, die frisch wie Kinderaugen in die Welt schauen und sich überall bemerkbar machen. Das ist die Zeit, da es auch in den Vorgärten der Stadt, wie in Feld mtb Wald und Flur, im Garten und auf der Wiese zu treiben und zu sprießen beginnt, da die Schwarzamsel, die ja ein Stadtvogel geworden ist, selbst mitten in der Stadt, wo ein Garten ihr Ge­legenheit zum Nisten bietet, vom Giebel des Daches herab den Frühling ausruft. Gr.

Gießener Wochenmarktpreise.

Gießen, 2.März. Es kosteten auf, dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 110, Landbutter 100 bis 110, Kochbutter 80, Matte 20 bis 25 Pf. das Pfund, Käse 5 bis 10 PI. das Stück, Wirsing, gelb 10 bis 20, grün 20, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 30, älnter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 30 bis 35, Feldsalat 120 bis 150, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarz­wurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3 (pro Zentner

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag. Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand­platz: 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. NSDAP.: 20 Uhr, Cafä Leib, nationalsozialistische Wahlkund­gebung. Deutsche Volkspartei: 20.15 Uhr, Hotel Hindenburg. Mitgliederversammlung. Zentrums­partei: 20.15 Uhr, Katholisches Vereinshaus, öffent­liche Wahlkundgebung. Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, Chemische Gesellschaft schäft Gießen: 20.15 Uhr, Großer Hörsaal des Che­mischen Instituts, gemeinsame Sitzung. Lichtspiel­haus .(Bahnhofstraße):Wolkenstürmer". Astoria- Lichtspiele (Seltersweg):Der Schrei der Masse".

*

** D i e Stimmabgabe im Reisever­kehr. Für Reisende, die wegen einer Reise am Wahltag, Sonntag, 5. März, innerhalb der ge­wöhnlichen Abstimmungszeit nicht an ihrem Wohnsitz oder Aufenthaltsorte ihr Wahlrecht ausüben können, besteht an diesem Tage die Möglichkeit, ihre Stimme in besonderen Ab­stimmungsräumen auf verschiedenen Dahnhöfen abzugeben. Voraussetzung für die Stimmabgabe ist, daß die Reisenden im Besitze eines Stimm­scheins sind. Soweit die Bahnhöfe auf preußischem Gebiete liegen, kann von preußischen Staats­angehörigen auch für die preußischen Landtags­wahlen abgestimmt werden. 3m Hauptpersonen­bahnhof Frankfurt a. M. kann von 6 bis 18 Uhr abgestimmt werden.

** Haussuchungen in Gießen. Heute früh wurden in der Durchführung der Regierungsmaß­nahmen gegen die Kommunisten in Hessen auch in unserer Stadt Durchsuchungen bet Kommunisten vor­genommen. Dabei wurden große Mengen Propa­gandamaterial der verschiedensten Art (Broschüren, Flugblätter usw.) beschlagnahmt. Ferner konnte s gestern in Alsfeld durch raschen Zugriff von Be­amten der Landeskriminalpolizeistelle eine große Menge kommunistischen Propagandamaterials be­schlagnahmt und sichergestellt werden. Das beschlag­nahmte Material wurde dem Polizeiamt Gießen zugeführt.

** Einlösung der Reichsbezugs­scheinabschnitte. In einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil wird darauf aufmerksam ge­macht. daß die Frist zur Einreichung der Reichs­bezugsscheinabschnitte für den Monat Februar der Reichsbezugsscheine für die Verbilligung von Lebens­mitteln und Brennstoff am 9. März abläuft.

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