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2.2.1933 Frühausgabe
 
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teilt, hatte Vizekanzler v. Papen heute in seiner Eigenschaft als Reichskommissar für das Land Preußen eine eingehende Aussprache mit dem Reichsminister Professor Dr. Popitz über die Fortführung seiner Tätigkeit als KommissardesReiches fürdaspreu- ßische Finanzministerium. Herr von Papcn bat Dr. Popih, seine außerordentlich wertvollen Erfahrungen weiterhin dem Lande zur Verfügung zu stellen, und betonte, das; bei der Lösung der zahlreichen finanz- und verwal­tungswirtschaftlichen Probleme eine enge Z u - sainmenarbeit zwischen Preußen und dem Peich auch weiterhin unerläßlich sei. Hm diese Zusammenarbeit sicherzustellen, bat er Herrn Reich^minister Dr. Popitz um die Weiterführung seiner Mitarbeit, die dieser z u s a g t e.

An die Wehrmacht!

Schleichers Abschied. Blombergs Amts­antritt.

Berlin. 1. Febr. (WTB.) Der bisherige Reichskanzler und Reichswehrminister v. Schlei­cher hat folgende Abschiedskundgebung an die Wehrmacht gerichtet:

An die Wehrmacht!

Wenn ich heute der Wehrmacht ein herzliches Lebewohl zurufe, so tue ich cs mit tiefem Dank für die Zeit, in der ich kämpfen, arbeiten und mithelfen durfte, um die Wehrmacht zumRück -- grat einer überparteilichen natio­nalen Staatsführung zu machen und sie von den Fesseln von Versailles zu befreien. So gern ich mein politisches Amt verlasse, so schwer wird mir der Abschied aus einer Gemeinschaft, in der die alten Soldaten­tugenden der Treue, selbstloser Pflichterfüllung tund echter Kameradschaft noch eine Selbstver­ständlichkeit sind. Mit den besten Zukunftswün­schen für jeden einzelnen verbinde ich die Mah­nung: Vergesset nie, daß ihr Helfer und Förderer aller Volksschichten sein sollt, und daß die Wurzeln eurer Kraft im deutschen Volkstum liegen. Das ganze Deutschland soll es sein! Vorwärts mit Gott!

Berlin, den 31. Januar 1933.

(gez.) v. Schleicher General der Infanterie a. D.

Reichswehrminister v. Blomberg hat an­läßlich der Hebernahmc seines Amtes folgende Kundgebung an die Wehrmacht ge­richtet:

An die Wehrmacht!

Das Vertrauen unseres Oberbefehlshabers, des Herrn Reichspräsidenten und General­feldmarschalls v. Hindenburg, hat mich an die Spitze der Wehrmacht berufen.

Ich übernehme das Amt mit dem festen Wil­len, die Reichswehr nach dem Vermächtnis meiner Amtsvorgänger als überparteiliches Machtmittel des Staates zu erhal­ten, sie durch Förderung aller auf die Wehr- ertüchtigung des Volkes hinzielenden Bestrebun­gen zu unterbauen und sie in absehbarer Zeit zu in vollwertigen Bürgen der na­tionalen Sicherheit des Vaterlandes zu machen.

Berlin, den 31. Januar 1933.

Der Reichswehrminister: (gez.) v. Blomberg.

OberstvonReichenauChesdes Minister- amies im Reichswehrministerium.

Berlin, 1. Febr. (CNB.) Oberst o. R e i ch e n a u ist an Stelle des Oberst o. Bredow zum Chef des Ministeramtes im Reichswehrministerium ernannt worden. Zum Kommandeur der 1. Division und Be­fehlshaber im Wehrkreis 1 wurde an Stelle des zum Reichswehrminister berufenen Generalleutnants von Blomberg der Generalmajor von Brauchitsch, bisher Inspekteur der Artillerie, ernannt.

Gietzener Etadttheater.

Das DrcimädcrlhauS."

Wir haben diese Operette eine der volkstüm­lichsten und seit ihrem ersten durchschlagenden Er­folg eines der unverwüstlichsten Repertoire-Stücke der deutschen Bühnen 1928 hier zuletzt gehört: es war ein glücklicher Gedanke, gerade im Schubert- Gedenkjahr sich dieses Werkes wieder zu erinnern. Das Libretto stammt von W i l l n e r und Rei­chert, die jene bittersüße Liebesgeschichte im Hause des seligen Hofglasermeisters Christian Tschöll zu Wien (nach demSchwammerl" von Rudolf Hans Bartsch) mit unleugbarem Geschick zu einer Sing­spielhandlung im altfränkischen Kostüm des öster­reichischen Biedermeier ausgesponnen haben, worin sich anmutige Heiterkeit und sanfte Sentimentalität allenthalben die Waage halten.

Was die Musik anaeht, so kann man ruhig sagen, daß sie (obgleich er selber nichts davon hat ahnen können und sich träumen lassen) nicht bloßnach" Schubert, sondern von Schubert ist. Er hat einige der schönsten Stücke aus der blühenden Melodiefülle seiner Liederkompositionen für die Partitur her­geben müssen, und ihm in erster Linie ist es zu danken, daß die Operette seit ihrem Erscheinen durch all die Jahre hindurch nichts von ihrem ursprüng­lichen musikalischen Reiz, von ihrer Friscye und ihrem Erfindungsreichtum eingebüßt hat.

Es ist also für eine Neuinszenierung der Operette (auch ohne den äußeren Anlaß eines Gedenktages) weder notwendig noch aus zwingenden stilistischen Gründen statthaft, das Werk etwa einer Moderni­sierung zu unterziehen, wie das in vielen anderen Fällen durcb eine dem Publikumsgeschmack entgegen­kommende Revue-Aufmachung gerechtfertigt erschei­nen mag. Das Einzige, was man tun darf und soll, ist dies: sich über die Bühnenbearbeitung von Hein­rich Berte hinaus recht nachdrücklich zu dem zu bekennen, dem das Werk, wenn nicht alles, so doch das Beste zu verdanken hat: das ist Schubert. Und wie die Dinge einmal liegen, geschieht das am besten dadurch, daß man, statt zu streichen, mög­lichst auf die originale Erfindung des Wiener Mei­sters zurückgreift, wie man es hier im ersten und letzten Akt getan hat.

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Die Aufführung, von Paul Wrede inszeniert, hinterließ einen recht erfreulichen Eindruck: sie war mit Liebe und Sorgfalt einstudiert, stimmungsvoll und beschwingt bei gerechter Verteilung der oben

Der Kampf gegen den Kommunismus.

Versammlungsverbote.

Berlin, 1. Febr. (ERB.) Der Polizeipräsi­dent hat wegen Aufforderung von kommunistischer Seite zum General­streik und der dadurch hcrvorgerufenen un­mittelbaren Gefahr für die öffentliche Sicherheit bis auf weiteres alle Versammlungen unter freiem Himmel und Hmzüge der KPD. und der ihr angeschlossenen Hilfs- und Rebenorganisa­tionen im Stadtbezirk Berlin verboten. Wei­tere Verbote ähnlichen Hmfangs sind im ober­schlesischen und rheinisch-westfälischen Jndustrie- rcvier erfolgt. Der Regierungspräsident in Düs­seldorf hat ferner die kommunistische Tageszeitung Ruhr-Echo" in Essen für die Dauer von vier Wochen verboten. Das Verbot umfaßt auch die im gleichen Verlag erscheinenden Kopf­blätterKämpfer" (Dortmund) undRieder­rheinische Arbeiterzeitung" (Duisburg). Das Ver­bot ist ergangen wegen der Veröffentlichung im Ruhrecho", die den p o l i t i s cy e n General­streik zwecks Vorbereitung eines gewaltsamen Hmsturzes fordern und in der.Errichtung einer sozialistischen Arbeiter- und Dauern-Republik ihr Endziel sehen.

Vier Todesopfer einer Schießerei.

Berlin, 1. Febr. (TH.) Amtlich wird aus dem preußischen Ministerium des Innern mitge­teilt:Vergangene Rächt sind in Homberg, Kreis Moers, Rationalsozialisten bei einer Kundgebung für die Reichsregierung von Kom­munisten aus dem Hinterhalt beschos­sen worden. In Verfolg dieser Vorgänge kam es heute (Mittwoch) vormittag zu erneuten Zu­sammenstößen, in deren Verlauf drei Ratio- nalfozialistenundein Landjäger ge­tötet wurden. Der Kommissar des Reiches für das preußische Ministerium des Innern, Reichs- minifter Göring, hat sofort strengste Hn- t e r s u ch u n g angeordnet und bis zur Klärung der Angelegenheit den Ortspolizeiverwalter sowie sämtliche Landjäger, die auf Rationalsozialiften geschossen haben, vomDienst suspendieren zu lassen.

Schwere Bluttaten in Wernigerode.

Wernigerode, 1. Febr. (TU.) Nach Zusam­menstößen am Dienstagabend, bei denen ein Natio­nalsozialist und ein Kommunist schwer verletzt wur­den, fanden auch am Mittwoch zahlreiche UeberfäUe auf Nationalsozialisten und Angehörige anderer Ver­bände statt, schließlich entwickelte sich eine regel­rechte Äraßenschlacht, in deren Verlauf der Krimi­nalassistent Martini, der einem Kommunisten eine Pistole abnehmen wollte, von mehreren Kommu­nisten überfallen und mit einem Spaten auf den Kopf geschlagen wurde. Mit gespaltenem Schädel und in hoffnungslosem Zu­stande wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. Der Nationalsozialist Wenzel wurde durch einen Stich in öic Lunge schwer verletzt und mußte ebenfalls in lebensgefährlichem Zustande ins Krankenhaus gebracht werden.

Auch in Lübeck politische Bluttat.

Lübeck, 1. Febr. (TH.) Am Dienstagabend kam es auf der Straße zu einem Zusammenstoß zwischen dem sozialdemokratischen Reichstagsab­geordneten und Bürgerschaftsmitglied Dr. Le­ber und dem Reifenden S ch w o h m, der der RED AP. nahesteht. Schwohm, der von Leber geschlagen worden war, verständigte einige SA- Leute in einem nationalsozialistischen Lokal und stellte Dr. Leber zur Rede. 2m Verlauf der Auseinandersetzung wurde der dem Marinesturm angehörige Seemann Rudolf Brüggmann von einem Begleiter Dr. Leders, dem Arbeiter Rath durch einen Messerstich in die Milz so schwer verletzt, daß er bald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus geftorben ist. Der Täter und Dr. Leber konnten der Polizei übergeben werden. Auf der Wache versuchte Dr. Leber wiederholt auf die Rationalsozialisten

einzudringen. Er muhte schließlich in eine Zelle gebracht werden, wo er einen Tobsuchtsanfall erlitt und die Zelleneinrichtung zerschlug. Dr. Leber ist Hauptschriftleiter desLübecker Dolks- boten".

Gescheiterte Streikversuche.

Reutlingen, 1. Febr. (WTB.) In einer Mötzinger Weberei beschloß die Belegschaft auf kommunistisches Betreiben, als Protest gegen die neue Reichsregierung den Streik. Die Strei­kenden ungefähr 1000 Personen zogen bann z u einer anderen Firma, aus der sie aber uon der Arbeiterschaft, die von dem Streik nichts wissen wollte, nach längerem Raufen wieder hinausgedrängt wurde. Die Tochter des Fabrikbesitzers wurde dabei leicht verletzt, der Be­sitzer schwer beschimpft, auch einige Werkführer er­litten leichtere Verletzungen. Von hier zogen die Demonstranten zu einer weiteren Fabrik/ die sie aber verschlossen fanden und in die sie ebenfalls mit Gewalt einzubringen versuchten. In­zwischen war aber bie Polizei aus Reutlingen ein­getroffen, bie ben Zug a u f l ö ft e unb zahlreiche Verhaftungen vornahm.

Gustav Lilienlhal f.

Gustav Lilienthal, der Bruder des vor 36 Jahren abgeftürzten berühmten Fliegers Otto Lilienthal, ist in Berlin-Adlershof während sei­ner Arbeit an seinem neuen Schwingenflugzeug einem Herzschlage erlegen. Mit Gu­stav Lilienthal verliert das deutsche und das in­ternationale Flugtvcsen einen seiner kühnsten Pio­niere. Zusammen 'mit seinem Bruder Otto hatte sich von frühester Kindheit an, zu einer Zeit also, wo das Flugwesen noch in den Kinderschuhen steckte, für dieses Gebiet interessiert und dann in unermüdlicher langer Arbeit flugtechnische For­schungen betrieben, denen die Flugzeugkonstruk­tion unendlich viel verdankt. Gustav Lilienthal ist 83 Jahre alt geworden.

Schweizerischer Militärpilol tödlich verunglückt.

Der schweizerische Leutnant Walter Meier geriet mit seinem Militärklugzeug beim Heber» fliegen der Weihfluh in eine Telegraphenleitung. Das Flugzeug wurde beschädigt. Der Pilot ver­suchte, mit dem Fallschirm abzuspringen. Wenig später wurde er beim Hauptergrat, etwa 500 Me­ter unterhalb der Weihfluh, in einer Lawine tot aufgefunden.

Schweres Robclunglütf.

Ein mit sechs jungen Burschen unb Mädchen be­setzter Rodelschlitten fuhr in der oerganßenen Nacht die vereiste steile Chaussee von Dreißigacker nach Meininaen hinab. Kurz vor dem Ende der Fahrt stieß der Schlitten gegen bie Mauer eines Bergkellers. Der Anprall war so heftig, daß einer der jungen Leute so­fort tot war. Vier weitere wurden verletzt.

Schwere Bluttat in der Bahnmeisterei fjarbutg- wilhelmsburg.

Im Bahnmeistereigebäude an der Parallel- strahe in Wilhelmsburg erschien ein früher dort beschäftigt gewesener Angestellter und gab auf die beiden diensttuenden Beamten Re­volverschüsse ab, durch die der eine Beamte sofort getötet, der andere schwer ver­letzt wurde. Rach der Tat brachte der Ein­dringling sich einen Kopfschuß bei. Er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Die Beweggründe zur Tat sind nicht bekannt. Es scheint sich um einen Racheakt des Täters, der ebenso wie seine Opfer Angestellter der Reichsbahn ist, zu handeln. Bahnbeamte, die zu­fällig in der Rähe des Tatortes waren, wollen gehört haben, wie der Täter beim Betreten

Oer christliche Bergarbeiterverband zur Tarifkündigung im Ruhrbergbau.

Essen, 1. Febr. (Fwd., Der Christliche Bergarbeiterverband nimmt in einer längeren Erklärung zu der erfolgten Kündigung des Rahmentarifs und der Lohnordnung Im Ruhrbergbau durch den Zechenverband Stellung. In der Erklärung heißt es u. a.: Aus wirtschaft­lichen Rotwendigkeiten ist die Kündigung der Lohnordnung im Ruhrbergbau nicht zu erklären, aus sozialen Gründen ist eine Kürzung der Löhne völlig undiskutabel, denn mit einerAuflocke­rung" der Lohnordnung will der Zechenverband im Endzweck ja doch nur eine weitere Sen­kung der Löhne heHbeisühren. Dieses Vor­gehen wird den allerschärf st en Wider­stand der Bergarbeiterorganisationen und der öffentlichen Meinung finden. Eine toei'ere Lohn­senkung bedeutet eine unerträgliche Stei­gerung des Elends und der Rot in den Deraarbeiterfamilien, die vor allem durch d i e zahlreichen Feierschichten bedingt ist. Damit ist jedoch dem Bergbau selbst nicht ge­dient, die gegenwärtige finanzielle Lage des Ruhrbergbaues ist vielmehr zu einer wesentlichen Kürzung der Arbeitszeit und Stei­gerung der Löhne und des Gesamteinkom­mens der Bergarbeiter geeignet.

des Bahnmeisterhauses mit lauter Stimme rief: So, nun wollen wir mal abrechnen!" Der Ge­tötete ist der Bahnbeamte Hans Hasse. Der Rame des Täters ist Alex A st, der des Schwer­verletzten Hermann Frank.

Beim Fluchtversuch erschossen.

Ein etwa 25 Jahre altes Dienstmädchen aus dem Oberamt Tübingen, das wegen Diebstahls zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden war, wurde auf dem Wege zum Amtsgericht in Cannstatt, wohin es zur Verbüßung seiner Strafe gebracht werden sollte, bei einem Fluchtversuck von dem begleiten­den Polizeiwachtmeister erschossen. Der Wacht­meister hatte das Mädchen darauf aufmerksam ge­macht, daß er bei einem etwaigen Fluchtversuch von seiner Waffe Gebrauch machen werde. Trotzdem ver­suchte dos Dienstmädchen zu entkommen. Der Be­amte schoß und traf die Flüchtende in den Kopf. Sic war sofort tot. Gegen den Wachtmeister war vor einiger Zeit ein Verfahren wegen fahrläs­siger Gefanyenenbefreiung eingeleitet worden, woraus sich vielleicht seine übereilte Hand­lung erklären lassen dürfte.

Professor Cohn stellt seine Borlesungen zunächst ein.

Der Rektor der Hniversität Breslau hat an Professor Cohn folgenden Brief gerichtet:Sehr geeehrter Herr Kollege! Die Lage unserer Hni­versität ist zur Zeit leider so, daß der Schuh Ihrer Vorlesungen und die Sicherheit für Leib und Leben Ihrer Zuhörer nicht gewähr­leistet werden kann. Ich würde es für richtig halten, wenn Sie Ihre Vorlesungen für die nächstenTage aussehen wollten." Prof. Cohn hat mit Rücksicht auf diesen Brief seine Vorlesungen zunächst eingestellt und die An­gelegenheit dem Ministerium unterbreitet.

Eisenbahnunglück durch Sabotage in Irland.

Von einem schweren Sabotageakt im nordirischen Eisenbahner st reik wird aus Belfast berichtet. Der einzige Schnellzug der Strecke DublinBelfast, der am Mittwoch in Gang gesetzt werden konnte, ist bei Castle Bel­lingham an der Grenze von Rord- und Südirland durch Entfernen einer Schiene zum Entglei ° sen gebracht worden. Die Lokomotive und drei Wagen stürzten vom Damm in einen tiefen Graben. Der Zugführer wurde getötet. Der Lokomotivführer, der Heizer und drei Reisende wurden verletzt.

Aus aller Well.

angedeuteten wesentlichen Elemente der Singspiel- Handlung.

Um die Ausstattung hatte sich Herr Löffler mit Geschick und Geschmack bemüht. Besonders die Szenenbilder der beiden ersten Akte trafen den ge­mütvoll-bürgerlichen und etwas altväterischen Stil aus dem Wiener Biedermeier vortrefflich.

Die musikalische Leitung hatte Walter Macht, der die überaus dankbare Partitur mit eingehendem Verständnis und angeregter Musizierfreudigkeit in­terpretierte.

Die tänzerischen Einlagen betreute Ewald ulke, ocr als Auftakt eine reizende Koftüm- parade seines Kinder-Balletts nach dem berühmten Militärmarsch einstudiert hatte: Anny und Ewald B ä u l k e holten sich mit einer graziös vor- geführten Einlage im Schlußakt (aus denDeutschen Tänzen") einen Sondererfolg.

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Den Schubert fang Herr Fierment mit ange­nehm warmer und voller Stimme, darstellerisch un­aufdringlich charakterisierend, so daß die Gestalt vor dem Abgleiten in eine besonders gegen Ende drohende süßliche Rührseligkeit bewahrt blieb. Liesel Beling führte in Schutenhut und Blümchenkleid das niedliche Mädel-Terzett aus dem Haufe Tschöll mit heiterem Temperament und brachte auch gesang­lich die liebenswürdige Partie in bester Form zur Geltung.

Wrede gab den Baron Schober als einen locke­ren Zeisig unb weltgewandten Kavalier, dem unver­hofft das große Glück in den Schoß fällt: besonders das letzte Duett mit Frl. Beling wurde schwung­voll gesungen und getanzt. Mit dem Tschöll hatte sich Herr Bvlck, der bie Partie in aller Eile über­nehmen mußte, vortrefflich zurecht gesunden: bie bürgerlidpbiebcre, dennoch mit österreichischer Be­weglichkeit und Lebhaftigkeit gegebene Figur ge­lang ihm recht überzeugend: bie abenblidje Szene im Mittelakt mit ber von Frau Schubert-Jüng­ling sehr hübsch gesungenen Marie darf besonders erwähnt werden.

Die eifersüchtige Sängerin Griß wurde von Frl. Berger mit einem furiosen Kauderwelsch drollig ausgestattet. Zwei ausgearbeitete Chargen boten Bruck als der geheimniskrämerischeVertraute" Nowotny und Frau Walther-Lederer mit der rabiaten Hausbesorgerin Brametzberger. Die Dartien O t t m e r und Wielander vervollständigten bas Mädel-Terzett. Die lustige Kumpanei der Herren M i ch e l, H a m e l unb Bech stein, die schüch­ternen Bräutigame Bieten und Eggemann, Kühne als Scharntorff unb Geiger als Bäcker­

meister Stingl schlossen sich mit sauberen Leistun­gen an.

Der Erfolg war bei gutbesetztem Haus frisch wie vor vielen Jahren. hth.

Tonfilm:Annemarie^.

Im Lichtspielhaus ist die OperetteMamsell Nitouche" von einem Militär-Lustspiel abgelöst worden, das unter dem vielversprechenden Titel Annemarie, die Braut der Kompanie", von der Albö-Film K. m. b. H. herausgebracht wirb und bei ber hiesigen Erstaufführung ein bantbares unb ver- stänbsnisinnig rnitgehenbes Publikum fand. Dieser Kommiß-Schwank bezieht seine brastischen Situatio­nen unb treffsicheren Pointen aus bem sinnigen Motiv, baß ein Institut für höhere Töchter unmittel­bar neben einer Jnsanteriekaserne gelegen ist, in ber ziemlich ibyllische Zustänbe herrschen. Auch sonst haben bie Bearbeiter ihrer Phantasie die Zügel schießen lassen: die Lösung der heftig verwickelten Beziehungen zwischen dem Pensionat unb ber Kom­panie ergibt sich aus einem ebenso unvermuteten wie unmilitärischen Zwischenfall bei der Parabe, bie übrigens ganz friebensmäßig unb in großem Stil aufgemacht ^oorben ist. Regie: Carl B oese, ber auf biesem Spezialgebiet bereits gute Erfolge erzielt hat. In ben Hauptrollen: Lucie Englisch unb Paul Hörbiger, deren komische Talente sich schon in größeren Aufgaben glänzend bewährt haben. Vom Ensemble: Paul Heidemann, Fritz-Albert Lieben, Gertrud Wolle, Hugo Fischer- Koppe.

Hessische Köpfe.

Im Heimatschollcn-Verlag, A. Bernecker, Mel­sungen. ist kürzlich das zweite Bändchen der Hessischen Köpfe" von Will Scheller*) erschienen -- zehn Jahre nach dem Erscheinen der ersten Folge dieser Bildnisgalerie. Sinn und Auf­gabe der Schrift sind die gleichen geblieben wie beim ersten Bändchen: Scheller will hierdie geistig« Bedeutung Hessens des ganzen, nicht des widernatürlich zerrissenen für Deutschland in der Vieisäckiakeit der Charaktere und in ihrer jeweiligen Art sichtbar machen". Hnter den zehn

*) Will Scheller: Hessische Köpfe. Lebensbilder vom geistigen Wirken des hessischen Dolksstammes im XX. Jahrhundert. II. Band. Mit 11 Abbildungen. 96 Seiten. Heimatschollen- Dücherei. Heft 14. Kart. 1.50 Mk. Heimatschollen» Verlag, X Bernecker. Melsungen. (552.)

Ramen, denen die verdienstvolle Schrift gewidmet jst, sind Ludwig von Hofmann, Karl Wolfskehl, Hans Grimm und Adam Karrillon die bedeutend­sten und auch über die hessischen Grenzen hinaus bekannt und nach Gebühr gewürdigt worden. Aber auch die'übrigen Karl Adolf Schimmel - pfeng, Karl Hallwachs, Valentin Traudt, Adolf Müller-Kassel, Karl Graf von Berlepsch und Heinrich Pforr sind von Scheller mit liebe­vollem und eindringendem Verständnis für ihre künstlerische und menschliche Wesensart geschildert und vorgestcllt worden. Charakteristische Porträts geben jeweils dem beschreibenden Text die sinn­fällig-anschauliche Ergänzung. Hebrigens be­findet sich ein dritter Band der Sammlung in Vorbereitung: hier sollen u. a. Wilhelm Schäfer, Albert H. Rausch, Karl Reurath und Wilhelm Michel behandelt werden.

Beduinen als Kohlenbrenner.

Die Sinai-Halbinsel. Transjordanien und der nördliche Teil des Hedschas leiden schon int dritten Jahr unter einer fast ununterbrochenen Trockenheit, und diese, zusammen mit der Welt­wirtschaftskrise, die selbst vor den arabischen Romaden nicht Halt macht, hat die Lage der Deduinenstämme in diesen Gegenden höchst schwie­rig gemacht. Infolge des Mangels an Regem ist das Buschwerk der Wüste, von dessen Grün Kamele, Ziegen und Schafe sich nähren, voll­ständig ausgetrocknet. Die Tiere sterben in großer Anzahl, und die Geierscharen, die hoch in den Lüften kreisen, bezeichnen die zahlreichen Orte, an denen Kamele oder Ziegen infolge Er­schöpfung zu ammengebrochen sind und verenden. Die.d.u.iinen selbst, obwohl sie zu den bedürfnis­losesten Menschen der Welt gehören und sehr wenig essen, werden in ihrer Rot zu Kohlen­brennern, machen aus dem trockenen Wüsten? gestrüpp Holzkohle und bringen diese nach Suez zum Verkauf. Bisher galt diese Arbeit dem Araber der Wüste für minderwertig, und man überließ sie den ärmsten Mitgliedern der Stämme. Jetzt aber haben sich die Beduinen in großer Anzahl zu diesem von ihnen so verachteten Ge­werbe bequemen müssen. Die Regierungen von Aegypten und Transjordanien haben Getreide zur Verfügung gestellt, um der größten Rot zu steuern. Man erwartet auch, daß die ägyptische Regierung, um den Bewohnern der Sinai-Halb­insel Arbeit und Verdienst zu verschaffen, den Bau einer Straße quer durch die Halbinsel in Angriff nehmen wird.