teilt, hatte Vizekanzler v. Papen heute in seiner Eigenschaft als Reichskommissar für das Land Preußen eine eingehende Aussprache mit dem Reichsminister Professor Dr. Popitz über die Fortführung seiner Tätigkeit als KommissardesReiches fürdaspreu- ßische Finanzministerium. Herr von Papcn bat Dr. Popih, seine außerordentlich wertvollen Erfahrungen weiterhin dem Lande zur Verfügung zu stellen, und betonte, das; bei der Lösung der zahlreichen finanz- und verwaltungswirtschaftlichen Probleme eine enge Z u - sainmenarbeit zwischen Preußen und dem Peich auch weiterhin unerläßlich sei. Hm diese Zusammenarbeit sicherzustellen, bat er Herrn Reich^minister Dr. Popitz um die Weiterführung seiner Mitarbeit, die dieser z u s a g t e.
An die Wehrmacht!
Schleichers Abschied. — Blombergs Amtsantritt.
Berlin. 1. Febr. (WTB.) Der bisherige Reichskanzler und Reichswehrminister v. Schleicher hat folgende Abschiedskundgebung an die Wehrmacht gerichtet:
An die Wehrmacht!
Wenn ich heute der Wehrmacht ein herzliches Lebewohl zurufe, so tue ich cs mit tiefem Dank für die Zeit, in der ich kämpfen, arbeiten und mithelfen durfte, um die Wehrmacht zumRück -- grat einer überparteilichen nationalen Staatsführung zu machen und sie von den Fesseln von Versailles zu befreien. So gern ich mein politisches Amt verlasse, so schwer wird mir der Abschied aus einer Gemeinschaft, in der die alten Soldatentugenden der Treue, selbstloser Pflichterfüllung tund echter Kameradschaft noch eine Selbstverständlichkeit sind. Mit den besten Zukunftswünschen für jeden einzelnen verbinde ich die Mahnung: Vergesset nie, daß ihr Helfer und Förderer aller Volksschichten sein sollt, und daß die Wurzeln eurer Kraft im deutschen Volkstum liegen. Das ganze Deutschland soll es sein! Vorwärts mit Gott!
Berlin, den 31. Januar 1933.
(gez.) v. Schleicher General der Infanterie a. D.
Reichswehrminister v. Blomberg hat anläßlich der Hebernahmc seines Amtes folgende Kundgebung an die Wehrmacht gerichtet:
An die Wehrmacht!
Das Vertrauen unseres Oberbefehlshabers, des Herrn Reichspräsidenten und Generalfeldmarschalls v. Hindenburg, hat mich an die Spitze der Wehrmacht berufen.
Ich übernehme das Amt mit dem festen Willen, die Reichswehr nach dem Vermächtnis meiner Amtsvorgänger als überparteiliches Machtmittel des Staates zu erhalten, sie durch Förderung aller auf die Wehr- ertüchtigung des Volkes hinzielenden Bestrebungen zu unterbauen und sie in absehbarer Zeit zu in vollwertigen Bürgen der nationalen Sicherheit des Vaterlandes zu machen.
Berlin, den 31. Januar 1933.
Der Reichswehrminister: (gez.) v. Blomberg.
OberstvonReichenauChesdes Minister- amies im Reichswehrministerium.
Berlin, 1. Febr. (CNB.) Oberst o. R e i ch e n a u ist an Stelle des Oberst o. Bredow zum Chef des Ministeramtes im Reichswehrministerium ernannt worden. Zum Kommandeur der 1. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 1 wurde an Stelle des zum Reichswehrminister berufenen Generalleutnants von Blomberg der Generalmajor von Brauchitsch, bisher Inspekteur der Artillerie, ernannt.
Gietzener Etadttheater.
„Das DrcimädcrlhauS."
Wir haben diese Operette — eine der volkstümlichsten und seit ihrem ersten durchschlagenden Erfolg eines der unverwüstlichsten Repertoire-Stücke der deutschen Bühnen — 1928 hier zuletzt gehört: es war ein glücklicher Gedanke, gerade im Schubert- Gedenkjahr sich dieses Werkes wieder zu erinnern. Das Libretto stammt von W i l l n e r und Reichert, die jene bittersüße Liebesgeschichte im Hause des seligen Hofglasermeisters Christian Tschöll zu Wien (nach dem „Schwammerl" von Rudolf Hans Bartsch) mit unleugbarem Geschick zu einer Singspielhandlung im altfränkischen Kostüm des österreichischen Biedermeier ausgesponnen haben, worin sich anmutige Heiterkeit und sanfte Sentimentalität allenthalben die Waage halten.
Was die Musik anaeht, so kann man ruhig sagen, daß sie (obgleich er selber nichts davon hat ahnen können und sich träumen lassen) nicht bloß „nach" Schubert, sondern von Schubert ist. Er hat einige der schönsten Stücke aus der blühenden Melodiefülle seiner Liederkompositionen für die Partitur hergeben müssen, und ihm in erster Linie ist es zu danken, daß die Operette seit ihrem Erscheinen durch all die Jahre hindurch nichts von ihrem ursprünglichen musikalischen Reiz, von ihrer Friscye und ihrem Erfindungsreichtum eingebüßt hat.
Es ist also für eine Neuinszenierung der Operette (auch ohne den äußeren Anlaß eines Gedenktages) weder notwendig noch aus zwingenden stilistischen Gründen statthaft, das Werk etwa einer Modernisierung zu unterziehen, wie das in vielen anderen Fällen durcb eine dem Publikumsgeschmack entgegenkommende Revue-Aufmachung gerechtfertigt erscheinen mag. Das Einzige, was man tun darf und soll, ist dies: sich über die Bühnenbearbeitung von Heinrich Berte hinaus recht nachdrücklich zu dem zu bekennen, dem das Werk, wenn nicht alles, so doch das Beste zu verdanken hat: das ist Schubert. Und wie die Dinge einmal liegen, geschieht das am besten dadurch, daß man, statt zu streichen, möglichst auf die originale Erfindung des Wiener Meisters zurückgreift, wie man es hier im ersten und letzten Akt getan hat.
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Die Aufführung, von Paul Wrede inszeniert, hinterließ einen recht erfreulichen Eindruck: sie war mit Liebe und Sorgfalt einstudiert, stimmungsvoll und beschwingt bei gerechter Verteilung der oben
Der Kampf gegen den Kommunismus.
Versammlungsverbote.
Berlin, 1. Febr. (ERB.) Der Polizeipräsident hat wegen Aufforderung von kommunistischer Seite zum Generalstreik und der dadurch hcrvorgerufenen unmittelbaren Gefahr für die öffentliche Sicherheit bis auf weiteres alle Versammlungen unter freiem Himmel und Hmzüge der KPD. und der ihr angeschlossenen Hilfs- und Rebenorganisationen im Stadtbezirk Berlin verboten. Weitere Verbote ähnlichen Hmfangs sind im oberschlesischen und rheinisch-westfälischen Jndustrie- rcvier erfolgt. Der Regierungspräsident in Düsseldorf hat ferner die kommunistische Tageszeitung „Ruhr-Echo" in Essen für die Dauer von vier Wochen verboten. Das Verbot umfaßt auch die im gleichen Verlag erscheinenden Kopfblätter „Kämpfer" (Dortmund) und „Riederrheinische Arbeiterzeitung" (Duisburg). Das Verbot ist ergangen wegen der Veröffentlichung im „Ruhrecho", die den p o l i t i s cy e n Generalstreik zwecks Vorbereitung eines gewaltsamen Hmsturzes fordern und in der.Errichtung einer sozialistischen Arbeiter- und Dauern-Republik ihr Endziel sehen.
Vier Todesopfer einer Schießerei.
Berlin, 1. Febr. (TH.) Amtlich wird aus dem preußischen Ministerium des Innern mitgeteilt: „Vergangene Rächt sind in Homberg, Kreis Moers, Rationalsozialisten bei einer Kundgebung für die Reichsregierung von Kommunisten aus dem Hinterhalt beschossen worden. In Verfolg dieser Vorgänge kam es heute (Mittwoch) vormittag zu erneuten Zusammenstößen, in deren Verlauf drei Ratio- nalfozialistenundein Landjäger getötet wurden. Der Kommissar des Reiches für das preußische Ministerium des Innern, Reichs- minifter Göring, hat sofort strengste Hn- t e r s u ch u n g angeordnet und bis zur Klärung der Angelegenheit den Ortspolizeiverwalter sowie sämtliche Landjäger, die auf Rationalsozialiften geschossen haben, vomDienst suspendieren zu lassen.
Schwere Bluttaten in Wernigerode.
Wernigerode, 1. Febr. (TU.) Nach Zusammenstößen am Dienstagabend, bei denen ein Nationalsozialist und ein Kommunist schwer verletzt wurden, fanden auch am Mittwoch zahlreiche UeberfäUe auf Nationalsozialisten und Angehörige anderer Verbände statt, schließlich entwickelte sich eine regelrechte Äraßenschlacht, in deren Verlauf der Kriminalassistent Martini, der einem Kommunisten eine Pistole abnehmen wollte, von mehreren Kommunisten überfallen und mit einem Spaten auf den Kopf geschlagen wurde. Mit gespaltenem Schädel und in hoffnungslosem Zustande wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. Der Nationalsozialist Wenzel wurde durch einen Stich in öic Lunge schwer verletzt und mußte ebenfalls in lebensgefährlichem Zustande ins Krankenhaus gebracht werden.
Auch in Lübeck politische Bluttat.
Lübeck, 1. Febr. (TH.) Am Dienstagabend kam es auf der Straße zu einem Zusammenstoß zwischen dem sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten und Bürgerschaftsmitglied Dr. Leber und dem Reifenden S ch w o h m, der der RED AP. nahesteht. Schwohm, der von Leber geschlagen worden war, verständigte einige SA- Leute in einem nationalsozialistischen Lokal und stellte Dr. Leber zur Rede. 2m Verlauf der Auseinandersetzung wurde der dem Marinesturm angehörige Seemann Rudolf Brüggmann von einem Begleiter Dr. Leders, dem Arbeiter Rath durch einen Messerstich in die Milz so schwer verletzt, daß er bald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus geftorben ist. Der Täter und Dr. Leber konnten der Polizei übergeben werden. Auf der Wache versuchte Dr. Leber wiederholt auf die Rationalsozialisten
einzudringen. Er muhte schließlich in eine Zelle gebracht werden, wo er einen Tobsuchtsanfall erlitt und die Zelleneinrichtung zerschlug. Dr. Leber ist Hauptschriftleiter des „Lübecker Dolks- boten".
Gescheiterte Streikversuche.
Reutlingen, 1. Febr. (WTB.) In einer Mötzinger Weberei beschloß die Belegschaft auf kommunistisches Betreiben, als Protest gegen die neue Reichsregierung den Streik. Die Streikenden — ungefähr 1000 Personen — zogen bann z u einer anderen Firma, aus der sie aber uon der Arbeiterschaft, die von dem Streik nichts wissen wollte, nach längerem Raufen wieder hinausgedrängt wurde. Die Tochter des Fabrikbesitzers wurde dabei leicht verletzt, der Besitzer schwer beschimpft, auch einige Werkführer erlitten leichtere Verletzungen. Von hier zogen die Demonstranten zu einer weiteren Fabrik/ die sie aber verschlossen fanden und in die sie ebenfalls mit Gewalt einzubringen versuchten. Inzwischen war aber bie Polizei aus Reutlingen eingetroffen, bie ben Zug a u f l ö ft e unb zahlreiche Verhaftungen vornahm.
Gustav Lilienlhal f.
Gustav Lilienthal, der Bruder des vor 36 Jahren abgeftürzten berühmten Fliegers Otto Lilienthal, ist in Berlin-Adlershof während seiner Arbeit an seinem neuen Schwingenflugzeug einem Herzschlage erlegen. Mit Gustav Lilienthal verliert das deutsche und das internationale Flugtvcsen einen seiner kühnsten Pioniere. Zusammen 'mit seinem Bruder Otto hatte sich von frühester Kindheit an, zu einer Zeit also, wo das Flugwesen noch in den Kinderschuhen steckte, für dieses Gebiet interessiert und dann in unermüdlicher langer Arbeit flugtechnische Forschungen betrieben, denen die Flugzeugkonstruktion unendlich viel verdankt. Gustav Lilienthal ist 83 Jahre alt geworden.
Schweizerischer Militärpilol tödlich verunglückt.
Der schweizerische Leutnant Walter Meier geriet mit seinem Militärklugzeug beim Heber» fliegen der Weihfluh in eine Telegraphenleitung. Das Flugzeug wurde beschädigt. Der Pilot versuchte, mit dem Fallschirm abzuspringen. Wenig später wurde er beim Hauptergrat, etwa 500 Meter unterhalb der Weihfluh, in einer Lawine tot aufgefunden.
Schweres Robclunglütf.
Ein mit sechs jungen Burschen unb Mädchen besetzter Rodelschlitten fuhr in der oerganßenen Nacht die vereiste steile Chaussee von Dreißigacker nach Meininaen hinab. Kurz vor dem Ende der Fahrt stieß der Schlitten gegen bie Mauer eines Bergkellers. Der Anprall war so heftig, daß einer der jungen Leute sofort tot war. Vier weitere wurden verletzt.
Schwere Bluttat in der Bahnmeisterei fjarbutg- wilhelmsburg.
Im Bahnmeistereigebäude an der Parallel- strahe in Wilhelmsburg erschien ein früher dort beschäftigt gewesener Angestellter und gab auf die beiden diensttuenden Beamten Revolverschüsse ab, durch die der eine Beamte sofort getötet, der andere schwer verletzt wurde. Rach der Tat brachte der Eindringling sich einen Kopfschuß bei. Er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Die Beweggründe zur Tat sind nicht bekannt. Es scheint sich um einen Racheakt des Täters, der ebenso wie seine Opfer Angestellter der Reichsbahn ist, zu handeln. Bahnbeamte, die zufällig in der Rähe des Tatortes waren, wollen gehört haben, wie der Täter beim Betreten
Oer christliche Bergarbeiterverband zur Tarifkündigung im Ruhrbergbau.
Essen, 1. Febr. (Fwd., Der Christliche Bergarbeiterverband nimmt in einer längeren Erklärung zu der erfolgten Kündigung des Rahmentarifs und der Lohnordnung Im Ruhrbergbau durch den Zechenverband Stellung. In der Erklärung heißt es u. a.: Aus wirtschaftlichen Rotwendigkeiten ist die Kündigung der Lohnordnung im Ruhrbergbau nicht zu erklären, aus sozialen Gründen ist eine Kürzung der Löhne völlig undiskutabel, denn mit einer „Auflockerung" der Lohnordnung will der Zechenverband im Endzweck ja doch nur eine weitere Senkung der Löhne heHbeisühren. Dieses Vorgehen wird den allerschärf st en Widerstand der Bergarbeiterorganisationen und der öffentlichen Meinung finden. Eine toei'ere Lohnsenkung bedeutet eine unerträgliche Steigerung des Elends und der Rot in den Deraarbeiterfamilien, die vor allem durch d i e zahlreichen Feierschichten bedingt ist. Damit ist jedoch dem Bergbau selbst nicht gedient, die gegenwärtige finanzielle Lage des Ruhrbergbaues ist vielmehr zu einer wesentlichen Kürzung der Arbeitszeit und Steigerung der Löhne und des Gesamteinkommens der Bergarbeiter geeignet.
des Bahnmeisterhauses mit lauter Stimme rief: „So, nun wollen wir mal abrechnen!" Der Getötete ist der Bahnbeamte Hans Hasse. Der Rame des Täters ist Alex A st, der des Schwerverletzten Hermann Frank.
Beim Fluchtversuch erschossen.
Ein etwa 25 Jahre altes Dienstmädchen aus dem Oberamt Tübingen, das wegen Diebstahls zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden war, wurde auf dem Wege zum Amtsgericht in Cannstatt, wohin es zur Verbüßung seiner Strafe gebracht werden sollte, bei einem Fluchtversuck von dem begleitenden Polizeiwachtmeister erschossen. Der Wachtmeister hatte das Mädchen darauf aufmerksam gemacht, daß er bei einem etwaigen Fluchtversuch von seiner Waffe Gebrauch machen werde. Trotzdem versuchte dos Dienstmädchen zu entkommen. Der Beamte schoß und traf die Flüchtende in den Kopf. Sic war sofort tot. Gegen den Wachtmeister war vor einiger Zeit ein Verfahren wegen fahrlässiger Gefanyenenbefreiung eingeleitet worden, woraus sich vielleicht seine übereilte Handlung erklären lassen dürfte.
Professor Cohn stellt seine Borlesungen zunächst ein.
Der Rektor der Hniversität Breslau hat an Professor Cohn folgenden Brief gerichtet: „Sehr geeehrter Herr Kollege! Die Lage unserer Hniversität ist zur Zeit leider so, daß der Schuh Ihrer Vorlesungen und die Sicherheit für Leib und Leben Ihrer Zuhörer nicht gewährleistet werden kann. Ich würde es für richtig halten, wenn Sie Ihre Vorlesungen für die nächstenTage aussehen wollten." — Prof. Cohn hat mit Rücksicht auf diesen Brief seine Vorlesungen zunächst eingestellt und die Angelegenheit dem Ministerium unterbreitet.
Eisenbahnunglück durch Sabotage in Irland.
Von einem schweren Sabotageakt im nordirischen Eisenbahner st reik wird aus Belfast berichtet. Der einzige Schnellzug der Strecke Dublin—Belfast, der am Mittwoch in Gang gesetzt werden konnte, ist bei Castle Bellingham an der Grenze von Rord- und Südirland durch Entfernen einer Schiene zum Entglei ° sen gebracht worden. Die Lokomotive und drei Wagen stürzten vom Damm in einen tiefen Graben. Der Zugführer wurde getötet. Der Lokomotivführer, der Heizer und drei Reisende wurden verletzt.
Aus aller Well.
angedeuteten wesentlichen Elemente der Singspiel- Handlung.
Um die Ausstattung hatte sich Herr Löffler mit Geschick und Geschmack bemüht. Besonders die Szenenbilder der beiden ersten Akte trafen den gemütvoll-bürgerlichen und etwas altväterischen Stil aus dem Wiener Biedermeier vortrefflich.
Die musikalische Leitung hatte Walter Macht, der die überaus dankbare Partitur mit eingehendem Verständnis und angeregter Musizierfreudigkeit interpretierte.
Die tänzerischen Einlagen betreute Ewald Bä ulke, ocr als Auftakt eine reizende Koftüm- parade seines Kinder-Balletts nach dem berühmten Militärmarsch einstudiert hatte: Anny und Ewald B ä u l k e holten sich mit einer graziös vor- geführten Einlage im Schlußakt (aus den „Deutschen Tänzen") einen Sondererfolg.
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Den Schubert fang Herr Fierment mit angenehm warmer und voller Stimme, darstellerisch unaufdringlich charakterisierend, so daß die Gestalt vor dem Abgleiten in eine besonders gegen Ende drohende süßliche Rührseligkeit bewahrt blieb. Liesel Beling führte in Schutenhut und Blümchenkleid das niedliche Mädel-Terzett aus dem Haufe Tschöll mit heiterem Temperament und brachte auch gesanglich die liebenswürdige Partie in bester Form zur Geltung.
Wrede gab den Baron Schober als einen lockeren Zeisig unb weltgewandten Kavalier, dem unverhofft das große Glück in den Schoß fällt: besonders das letzte Duett mit Frl. Beling wurde schwungvoll gesungen und getanzt. Mit dem Tschöll hatte sich Herr Bvlck, der bie Partie in aller Eile übernehmen mußte, vortrefflich zurecht gesunden: bie bürgerlidpbiebcre, dennoch mit österreichischer Beweglichkeit und Lebhaftigkeit gegebene Figur gelang ihm recht überzeugend: bie abenblidje Szene im Mittelakt mit ber von Frau Schubert-Jüngling sehr hübsch gesungenen Marie darf besonders erwähnt werden.
Die eifersüchtige Sängerin Griß wurde von Frl. Berger mit einem furiosen Kauderwelsch drollig ausgestattet. Zwei ausgearbeitete Chargen boten Bruck als der geheimniskrämerische „Vertraute" Nowotny und Frau Walther-Lederer mit der rabiaten Hausbesorgerin Brametzberger. Die Dartien O t t m e r und Wielander vervollständigten bas Mädel-Terzett. Die lustige Kumpanei der Herren M i ch e l, H a m e l unb Bech stein, die schüchternen Bräutigame Bieten und Eggemann, Kühne als Scharntorff unb Geiger als Bäcker
meister Stingl schlossen sich mit sauberen Leistungen an.
Der Erfolg war bei gutbesetztem Haus frisch wie vor vielen Jahren. hth.
Tonfilm: „Annemarie^.
Im Lichtspielhaus ist die Operette „Mamsell Nitouche" von einem Militär-Lustspiel abgelöst worden, das unter dem vielversprechenden Titel „Annemarie, die Braut der Kompanie", von der Albö-Film K. m. b. H. herausgebracht wirb und bei ber hiesigen Erstaufführung ein bantbares unb ver- stänbsnisinnig rnitgehenbes Publikum fand. Dieser Kommiß-Schwank bezieht seine brastischen Situationen unb treffsicheren Pointen aus bem sinnigen Motiv, baß ein Institut für höhere Töchter unmittelbar neben einer Jnsanteriekaserne gelegen ist, in ber ziemlich ibyllische Zustänbe herrschen. Auch sonst haben bie Bearbeiter ihrer Phantasie die Zügel schießen lassen: die Lösung der heftig verwickelten Beziehungen zwischen dem Pensionat unb ber Kompanie ergibt sich aus einem ebenso unvermuteten wie unmilitärischen Zwischenfall bei der Parabe, bie übrigens ganz friebensmäßig unb in großem Stil aufgemacht ^oorben ist. Regie: Carl B oese, ber auf biesem Spezialgebiet bereits gute Erfolge erzielt hat. In ben Hauptrollen: Lucie Englisch unb Paul Hörbiger, deren komische Talente sich schon in größeren Aufgaben glänzend bewährt haben. Vom Ensemble: Paul Heidemann, Fritz-Albert Lieben, Gertrud Wolle, Hugo Fischer- Koppe.
Hessische Köpfe.
Im Heimatschollcn-Verlag, A. Bernecker, Melsungen. ist kürzlich das zweite Bändchen der „Hessischen Köpfe" von Will Scheller*) erschienen -- zehn Jahre nach dem Erscheinen der ersten Folge dieser Bildnisgalerie. Sinn und Aufgabe der Schrift sind die gleichen geblieben wie beim ersten Bändchen: Scheller will hier „die geistig« Bedeutung Hessens — des ganzen, nicht des widernatürlich zerrissenen — für Deutschland in der Vieisäckiakeit der Charaktere und in ihrer jeweiligen Art sichtbar machen". Hnter den zehn
*) Will Scheller: Hessische Köpfe. Lebensbilder vom geistigen Wirken des hessischen Dolksstammes im XX. Jahrhundert. II. Band. Mit 11 Abbildungen. 96 Seiten. Heimatschollen- Dücherei. Heft 14. Kart. 1.50 Mk. Heimatschollen» Verlag, X Bernecker. Melsungen. — (552.) —
Ramen, denen die verdienstvolle Schrift gewidmet jst, sind Ludwig von Hofmann, Karl Wolfskehl, Hans Grimm und Adam Karrillon die bedeutendsten und auch über die hessischen Grenzen hinaus bekannt und nach Gebühr gewürdigt worden. Aber auch die'übrigen — Karl Adolf Schimmel - pfeng, Karl Hallwachs, Valentin Traudt, Adolf Müller-Kassel, Karl Graf von Berlepsch und Heinrich Pforr — sind von Scheller mit liebevollem und eindringendem Verständnis für ihre künstlerische und menschliche Wesensart geschildert und vorgestcllt worden. Charakteristische Porträts geben jeweils dem beschreibenden Text die sinnfällig-anschauliche Ergänzung. — Hebrigens befindet sich ein dritter Band der Sammlung in Vorbereitung: hier sollen u. a. Wilhelm Schäfer, Albert H. Rausch, Karl Reurath und Wilhelm Michel behandelt werden.
Beduinen als Kohlenbrenner.
Die Sinai-Halbinsel. Transjordanien und der nördliche Teil des Hedschas leiden schon int dritten Jahr unter einer fast ununterbrochenen Trockenheit, und diese, zusammen mit der Weltwirtschaftskrise, die selbst vor den arabischen Romaden nicht Halt macht, hat die Lage der Deduinenstämme in diesen Gegenden höchst schwierig gemacht. Infolge des Mangels an Regem ist das Buschwerk der Wüste, von dessen Grün Kamele, Ziegen und Schafe sich nähren, vollständig ausgetrocknet. Die Tiere sterben in großer Anzahl, und die Geierscharen, die hoch in den Lüften kreisen, bezeichnen die zahlreichen Orte, an denen Kamele oder Ziegen infolge Erschöpfung zu ammengebrochen sind und verenden. Die ‘.d.u.iinen selbst, obwohl sie zu den bedürfnislosesten Menschen der Welt gehören und sehr wenig essen, werden in ihrer Rot zu Kohlenbrennern, machen aus dem trockenen Wüsten? gestrüpp Holzkohle und bringen diese nach Suez zum Verkauf. Bisher galt diese Arbeit dem Araber der Wüste für minderwertig, und man überließ sie den ärmsten Mitgliedern der Stämme. Jetzt aber haben sich die Beduinen in großer Anzahl zu diesem von ihnen so verachteten Gewerbe bequemen müssen. Die Regierungen von Aegypten und Transjordanien haben Getreide zur Verfügung gestellt, um der größten Rot zu steuern. Man erwartet auch, daß die ägyptische Regierung, um den Bewohnern der Sinai-Halbinsel Arbeit und Verdienst zu verschaffen, den Bau einer Straße quer durch die Halbinsel in Angriff nehmen wird.


