Ausgabe 
1.12.1933 Erstes Blatt
 
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innerhalb der dienstlichen GtebSube unb Anlagen besteht im Erheben des rechten Armes. Es ist freigeflellt, au dieser Grußbezeugung die Worte ,^heil Hitler" oder ,^eil oder gar nichts zu sagen. Andere Worte sind aber gleichzeitig mit dem Deutschen Gruß nicht zu sagen. Wer den deutschen Gruß mit dem rechten Arm wegen körperlicher Behinderung nicht aus­führen kann, grüßt möglichst durch Erheben des linken Armes.

2. Beamte in Uniform wenden künftig abweichend von den bisherigen Bestimmungen auch mit Kopfbedeckung in und außer Dienst den Deut­schen Gruß an.

3. Der Gruß der Beamten der Länderpoli- 3 e i wird durch die zuständigen Länderministerien geregelt. Für die Reichswehr bleibt es bei den Anordnungen des Reichswehrministers.

Oie bevölkerungspolische Aufklärung wird vereinheitlicht.

D e r l i n, 30. Roo. (TU.) Um die Gewähr für eine einheitliche Propaganda- und Schu­lungsarbeit auf dem Gebiete der Bevölke­rungspolitik und Rassenpflege zu haben, hat der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, angeord­net, daß in Zukunft sämtliche Parteidienst- stellen in allen einschlägigen Fragen nur noch in eng ft er Verbindung mit Dem Leiter des Aufklärungsamtes für die Beoölkerungspolitik und Raffenpflege, Dr. W. Groß, Berlin W. 35, Pots- I damer Straße 118b und nur noch dessen Richtlinien Vorgehen dürfen. Unter die An- |

Ordnung fallen nicht nur Kurse, Versammlungen und dergleichen, sondern auch die Herausgabe und der Vertrieb von Zeitschriften, Broschüren und Büchern bevölkerungspolitischen unb rassenpolitischen Inhalts. Für das Gebiet der Schulung unb Pro- poganda in bevölkerungs- und raffenpolitischen Fragen ist Dr. Walter Groß dem Stellvertreter des Führers allein verantwortlich.

Festnahme katholischer Geistlicher in Bayern.

M ü n d) e n, 30. Roo. (TU.) Der bayrischen Politi­schen Polizei war von mehreren Seiten gemeldet wor- den, daß von einigen katholischen Geistlichen in München unglaubliche Greuelmeldun- q e n über angebliche Vorkommnisse im Konzentrationslager Dachau verbrei- t e t werden in der offenkundigen Absicht, Empörung und Unruhe zu erregen. Die bayerische Politische Polizei hat in Verfolg ihrer Bestrebungen, den durch den Abschluß des Konkordats angestrebten Religionsftieden au wahren, die notwendigen Er­hebungen durchgeführt, in deren Verkauf die Fest­nahme von mehreren Geistlichen un­erläßlich war. Die Festnahmen erfolgten nach Fühlungnahme mit der Staatsanwaltschaft. Die un­wahren Erzählungen gingen von dem ehemaligen, der Bayerischen Volkspartei ongehörenden Stadt­rat Stadtpfarrer Dr. Emil M u h l e r aus, der ebenfalls festgenommen wurde. Strafanzeige ist erstattet. Weitere Erhebungen sind noch tm Gange.

Flüssigmachung von Steuerrück- ständen für Arbeitsbeschaffung.

Berlin, 30. Rov. (TU.) Es gibt Steuerpflich­tige, deren wirtschaftliche Bewegungsmöglichkeit und Kreditfähigkeit dadurch beeinträchtigt ist, daß sie mit Steuerzahlungen stark in Rück- st a n b sind. Sie würden gern Ersatzbeschaffungen, Instandsetzungen, Ergänzungen oder dergleichen durchführen lassen; es ist ihnen jedoch nicht mög­lich, den erforderlichen Kredit zu erhalten, so­lange ihre alten Steuerrückstände bestehen. Der Kampf der Arbeitslosigkeit bedingt, daß diese Hem­mung soweit wie möglich beseitigt wird. Des­halb hat der Reichsminister der Finanzen durch Runderlaß die Finanzämter soeben ermächtigt, die Rückstände aus der Zeit vor dem 1. Januar 1 9 3 3 unter der Voraussetzung zu erlassen, daß der Steuerpflichtige in der Zeit vom 1. Dezember 1933 bis 31. März 1934 einen entsprechenden Betrog aufwendet für Ersatzbeschaffungen an Gegenständen des gewerblichen oder landwirtschaftlichen Anlagekapi­tals, für Instandsetzungen oder Ergänzungen an Gebäuden, für Wohnungsteilungen oder dergleichen.

Wer mit Steuern aus der Zeit vor dem 1. Jan. 1933 rückständig ist und von der Möglichkeit, den Betrag erlassen zu erhalten, Gebrauch machen möchte, muß die Ersatzbeschaffung, Instandsetzung, Ergänzung ober dergleichen unverzüglich in Angriff nehmen und bis späte st ens 31. Dezember 1933 beim Finanzamt einen entsprechenden Antrag stellen.

Die steuerlichen Vergünstigungen des Gesetzes über Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen vom 1. Juni 1933 und des Gesetzes über Steuererleich- terungen vorn 15. Juli 1933 und die Möglichkeit der Gewährung eines Reichszuschusses nach dem Gebäudeinstandsetzungsgesetz vom 21. September 1933 werden gewährt. Auch Zinsvergütungsscheine werden gegeben.

Ein Antrag auf Erlaß des Steuerrückstandes unter der bezeichneten Voraussetzung hat nur Aus­sicht auf Erfolg, wenn glaubhaft erscheint, daß der Rückstand in der Errichtung von Reichssteuern nicht auf Böswilligkeit ober Nach­lässigkeit zurückzuführen ist. Rück stände aus der Zeit vor dem 1. Januar 1933, wegen deren ein Antrag im Rahmen des soeben erschienenen Runderlasses nicht bis zum 31. Dezember 1933 eingebracht wird, werden ab Januar 1934 unbedingt beigetrieben werden. Auf Rück­stände, die auf die Zeit nach dem 1. Januar 1933 entfallen, findet das übliche Beitreibungs­verfahren Anwendung. Es ist Pflicht eines jeden Steuerpflichtigen, der solche Rückstände zu verzeichnen hat, diese sobald wie irgendmöglich zu beseitigen. Je schneller die Beseitigung der Rück­stände erfolgt und je pünktlicher die laufenden Steuerzahlungen entrichtet werden, um so ftüher ist die Voraussetzung für die praktische Durchfüh­rung der grundlegenden Vereinfachung unseres Steuerwesens und für eine Senkung der Steuer­last gegeben.

Das Leistmigsprmzip in der deutschen presse.

Berlin, 30. Noo. (TU.) Vor dem ,Leitungs- fachlichen Fortbildunaskursus" sprach der Reichs- prejsechcs der NSDAP, und Vizepräsident der Reichspressekammer, Dr. Otto Dietrich, über aktuelle Fragen des deutschen Journalismus und Pressewesens. Es gelte, diesen bürgerlichen Journa­lismus mit dem nationalsozialistischen Geist zu er­füllen. Journalistische Leistung im neuen Staate sei ohne wahre nationalsozialistische Ueberzeugung völlig undenkbar. Nur wer ganz von innen heraus schöpfe, habe auf dem Gebiete der deutschen Presse eine Zukunft.

Für die nationalsozialistische Presse, die aus der heute herrschenden Weltaussafsung und Staatsauf­fassung heraus geboren und in ihr groß geworden sei, wüchsen mit der schnellen Entwicklung der Ver­hältnisse auch die Aufgaben. Zunächst habe sie sich von der Oppositionspresse zur Staatspresse umstel­len müssen. Ein Prozeß, der heute, rein zeitungs- polltisch gesehen, noch nicht abgeschlossen sei. Wenn es einerseits gelänge, den bürgerlichen Journalisten zum Nationalsozialisten zu erziehen und anderseits den aus der politischen Sphäre kommenden natio- nalsoAialistischen Redakteur .zur höchsten journa­listisch-technischen Berufsausbildung zu bringen.

dann werde auf dieser höheren Ebene, zu der beide aufsteigen müßten, die Ueberwindung der Gegensätze sich auf natürlichem Wege voll­ziehen. Es sei die Auffassung der NSDAP, und ihr Wunsch, daß die gesamte deutsche Presse immer mehr vom nationalsozialistischen Geiste erfaßt und getragen werde. Damit sei aber keineswegs gesagt, daß nur parteiamtliche Or­gane in der deutschen Presse Existenz- berechtigung hätten. Selbstverständlich müßten sie die allgemeinen Vorteile genießen, die sich aus ihrer gradlinigen Entwicklung ergeben unb durch ihre bewiesene Zuverlässigkeit rechtfertigen. Das dürfe aber nicht soweit gehen, daß ein pol i» tischer oder gar ein parteiamtlicher Zwang durch untere Organe auf die Leserschaft ausgeübt werde. Nicht durch Zwang, sondern nur durch ßeiftung könne man auf die Dauer Leser gewinnen. Das Leben der Nation im neuen Reich biete genügend Stoss und Mate­rial, um die deutsche Presse vielgestaltig, in­teressant und lebendig zu machen. Der echte Journalist müsse es verstehen, durch neue schöpferische Ideen aus der nationalen Gemeinschaft heraus seine Leser zu fesseln.

Oie erste Phase der Banken-Enqueie abgeschlossen. Oie Ausbildung des Bankangestellten. Oer Privatbankier

Berlin, 29. Nov. In heutiger Sitzung des Unter- suchungsausschusses für das Bankwesen betonte Reichs- bankprasident Dr. S ch a ch t, daß die Bestrebungen in Richtung des beruf s st ändischen Ausbaues zur Reinhaltung des Bankierstandes besonders be­grübt würden. Unter anderem sei an die Einsüh- rung eines Ebrenrales zu denken. Besonders wichtig sei die Heranbildung eines geeigneten Nachwuchses. Die Ueberleitung zum Großbetriebe habe eine Masse Don Bankangestellten geschaffen, die vom Bankwesen keine Ahnung hätten. Verantwortung und Voll­machten der leitenden Personen müßten unlöslich miteinander verbunden sein. Evtl, könne das der Reichsbank geltende Prinzip, die Provinzialleiter für die von ihnen getätigten Geschäfte in einem ge­wissen Grade haftbar zu machen, aus das Bank- wesen im allgemeinen stärker ausgedehnt werden.

Wie Dr. Fischer (RelcbskreditgeseUschaft) aus» führte eigne sich das Bankwesen besonders dazu, so rasch wie möglich zu einer korporativen Form zu kommen. Je mehr sich die Banken im Wege der Selstverwaltung selbständig machen könn­ten, desto bester sei es. Der Bankierstand dürfe nicht Aiim Anhängsel eines anderen Standes werden. Das T a r i f f ft e m sei im Bankgewerbe sehr wenig geeignet, da es vielfach zu einer Nivellierung der Leistungen geführt habe Auch bedauerte er den Wegfall der vorübergehenden Auslands- tätiakelt von deutschen Bankbeamten.

Em Vertreter der deurfchen Arbeitsfront befür­wortete eine Abschlußprüfung für den

Banklehrling nach beendeter Ausbildungszeit unb trat für eine möglichst weitgehende Unter­bindung der Frauenarbeit in den Bank- betrieben ein. Das fehlende Interesse bei den Bankbeamten, 'm Auslande ihren Wissenskreis zu erweitern, fei im wesentlichen auf das nleönge, von Berlin aus bestimmte Gehaltsnioeau für die ausländischen Plätze zurückAusühren, das ein aus- kömmliches Leben kaum gestatte.

Der Privatbankier Dr. Kaufmann (Düren) be­klagte die Einengung des Lebensraums der Privatbanken, die unter dem Druck der öffentlichen Banken und der Großbanken bestrebt fein muhten, zu Immer neuen Betätigungsformen Zu greifen, um zu versuchen, sich gegenüber der all­mächtigen Kapitalkraft der Großbanken einiger­maßen zu behaupten. Das Privatbankgewerbe sei überzeugt, im neuen Staate Spezialousgaben zu haben und wolle seine Geschäftsmethoden weiter ausbilden. Dos gegenseitige Vertrauensverhältnis, die Einheitlichkeit der Auffassungen zwischen Kund- schäft, Bankleitung und Angestelltenschaft könne nicht in Paragraphen gefaßt, sondern nur gelebt werden.

Dr. Fischer wandte sich gegen die schlechte steuerliche Behandlung der Prioatbankiers, die nicht nur erhalten, sondern auch gestärkt werden müßten. Dr. Fischer forderte vor allem Solidarität zwischen den Kreditinstituten- Sodann wurde das Problem des Wettbewerbes eingehend behandelt. Besonders

fdttftert wurde die Steuerfreien der öffentlichen Hand.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht schloß die Be­ratungen mit der Erklärung, daß der Untersuchungs­ausschuß sich später mit den Genossenschaften, den Banken des öffentlichen Rechts und den Verhält- nisten des Geld- und Kapitalmarktes beschäftigen werde. Das Bankwesen sei eines der wichtignen Hilfsmittel der Wirtschaft. Die Verhandlungen hät­ten dem lebhaften Wunsch nach einer ehrbaren ©e- schäftsführung, nach berufsständischem Aufbau und nach einer Solidarität aller Gruppen erkennen las-

fen, der als vorbildlich bezeichnet werden müfT* Auch zwischen den Banken unb den Kreditnehmern bestehe ein absolutes Vertrauensverhältnis. DU Forderungen nach erhöhter Liquidität, Verbilligung des Kredits, verbesterter Organisation und erwei­terter Publizität seien von allen Seiten anerkannt worden. Es bestehe der allgemeine Wille, an der Durchführung dieser Aufgaben gemeinschaftlich zu arbeiten. Mit besonderer Freude sei auch festzustcl- len, daß ein unbedingtes Vertrauensverhältnis der Strebitgeber und Kreditnehmer zu der Reichsregie­rung und der Reichsbank bestehe.

Mchl hoch hie Siir, hie Tor' machi iveii..." Volksmissionarische Ausgestaltung des 1. Advent.

Berlin, 30. Nov. (TU.) Arn 1. Advent, dem Beginn des neuen Kirchenjahres, wird das Dolksmissionarlsche Amt der Deutschen Evangelischen Kirche mit der Durchführung der volksmissionarischen Arbeit beginnen. Ein ein­heitliches, für alle Kirchen verbind­liches Programm liegt dieser Aktion zu­grunde.

Am ersten Adventssonntag wird die Predigt in allen evangelischen Gottesdiensten über den gleichen Text gehalten werden. Es wird ein Lied fein, das Millionen evangelischer Deutscher zu der gleichen Stunde singen. Das große Wort Jesu vor seinem kaiserlichen Richter Pilatus: Ich bin dazu geboren, und in die Well gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. (Johannes 18, 37) und das kraftvolle AdventsliedMacht hoch die Tür, die Tor' macht weit" werden dem deutschen Einheitssonntag sein inneres Gepräge geben, lieber das große nationale und soziale Wollen des neuen Staates hinaus stößt hier die evangelische Kirche zur seelischen Einheit des Volkes vor.

In den Gottesdiensten dieses Sonntags werden in erster Linie bie christlichen Hausväter auf­gerufen, sich zum Monatsbeginn gemeinsam unter Gottes Wort zu stellen. Der Aufruf des DolksmIMo- narischen Amtes erinnert an daspriesterliche Amt des Hausvaters unb seine Verantwortung für Weid und Kind, Volk unlT Kirche, sowie an die Gestattung christlichen Familienlebens in Geist und Sitte".

Darüber hinaus soll der ganze Dezember- m o n a t, dieser erste Dezember im Zeichen des Drit­ten Reiches, zu einem vorweihnachtlichen deutschen Advent gestaltet werben. Deutsche Adventssitte, deutsche Adventsbräuche und deutsche Adventslieder sollen im Raum ber Kirche lebendig werden. Am Nachmittag des zweiten Ad­ventssonntags wird darum in allen Gemein- den ber evangelischen Kirche eine liturgisch ausgestaltete Feier des deutschen Advents Deranftaltet. Auch hierfür Ist eine einheitliche Form vorgeschrieben, die das Volksmissionarische Amt er­arbeitet unb allen Pfarrämtern zugeleitet hat.

Es soll von biefen Feiern eine Kraft der Er­

weckung unb Einigung ausgehen, die bas Werk ber evangelischen Volksmission rechtfertigt. Mag bisher Dolksmission kein volkstümliches Wort geip^en (ein, so zeigen die neuen Richtlinien des Dolksmsssionari- schen Amtes, daß es hier um eine Wirklichkeit geht, die sich mitten in das deutsche Volksleben des Drit­ten Reiches hineinstelll. Es geht um eine Verkün­dung, die sich wahrlich nicht an .Heiden" richtet, sondern an deutscheMänner undFrauen, denen eine starke Glaubensgewißheit zur Lebens­erneuerung ihres deutschen Wesens werden soll.

Amtseinführung

des Reichsbischofs verschoben.

Berlin, 30. Nov. (WTB.) Der Evangelische Pressedienst meldet: Mit Rücksicht auf die durch den Rücktritt des geistlichen Ministe­riums geschossene Lage hat der Reichsbischos an- geordnet, daß die auf den ersten Adventssonntag festgesetzte Feier seiner Amtseinführung auf einen späteren Termin verschoben wird.

Das Echo der Entschließung der Stau» benSbewegungDeutsche Ehristen^ in Großneffen.

Unter den vielen Zustimmungen, die der Landes­leitung unb den Gauobleuten als Echo auf die ge­stern In unserem Blatt mitgetdüe Entschließung zu­gehen, teilt uns ber (Bauobmann für Hessen-Darm- stadt, Pfarrer Sattler (Wieseck) die aus Mainz (Gemeindegruppenobmann Pfarrer Job) mit:Die Gcmeindegruppe Mainz ber Deutschen Christen stellt sich geschlossen hinter die Landes­leitung Hessen, die die Loslösung der Lan­desgruppe von der Reichsleitung vollzogen hat. In ihrem Ringen um die neue Kirche im neuen Staat wirb die Mainzer Gruppe auch weiterhin bestrebt fein, in Verbindung mit allen, die auf dem Boden ber Kirche, des Evangeliums unb des Bekenntnisses stehen, mit aller Kraft daran mitzuardeiten, bah die Lebenskräfte des Ehristentums Immer mehr unserem Volk und Vaterland dienstbar gemocht werden."

Frankreichs Grenzen ein nnaniaikbares Bollwerk.

Kriegsminister Oaladier als klastischer Zeuge für die Ungereimtheit der französischen Gicherheitsthese.

Baris, 30. Noo. (TU.) Rriegsminifter D a laoier hielt auf einem von ber Bereinigung ber Militärpresse gegebenen Frühstück eine Rede. Er sagte, man müsse endlich mit der Legende aufräu- mcn, bie Frankreich beschulbige, imperialistische Ziele zu vertreten. Ebenso notwenblg sei es aber auch, zu den anderen Gerüchten Stellung zu nehmen, wonach Frankreich im Falle einer Gefahr auf die Knie fallen würbe. Das französische Volk sei gewiß kein kriegerisches Volk, es sei aber j e b e r 3 e i t bereit, seine Grenzen zu verteidigen, aus de- nen es ein unantastbares Bollwerk ge­macht habe, das vom Norden bis nach Nizza mit Mannschaften, Munition und anderen Schutzmaß­nahmen ausgerüstet werde. Sehr lobend sprach sich Dalabier über den Großen General st ab aus, der der beste fei, den Frankreich je gehabt habe. Das Heer arbeite im Stillen und entziehe sich allen Streitfragen, die in der Oeffentlichkeit verhandelt würden. Seine eigene Aufgabe bestehe darin, das unumgängliche Werkzeug für die Erhaltung unb ben Schutz Frankreichs in vorzüglichem Zustand zu erhalten. Frankreich wisse, was es koste, überfallen au werden und mache deshalb alle Anstrengungen, damit sich eine derartige Möglichkeit nicht wieder­hole und damit Frankreich in den augenblicklichen Wirren stark bleibe, um der Gerechtigkeit Achtung zu verschaffen. Es gebe aber keine Gerechtigkeit, wenn man sich nicht im Vollbesitz seiner Kraft be­findet.

Dalabier erklärte ferner, Frankreich ist in der Lage, allen Politikern gegenubergutreten. Es bat ein so mächtiges Werkzeug in feiner Hand, daß feine Würde und seine Achtung immer respektiert bleiben. Das französische Heer setzt

seine Bemühungen fort, sich ben Erfindungen bce Weltkrieges anzupassen. Zur erfolgreichen Durch­führung der Grenzverteidigung muß die Kom­mandogewalt in Fnedenszeiten die gleiche fein wie in Kriegszeiten. Die Orientierung ber französischen Armee geht auf bieses Ziel hinaus. Die Berteibigunq bes französischen Bodens muß wirksam genug fein, denn mit Worten kann man einem ploklichen Angriff nicht stondhalten. Frank­reich wünscht nicht den Krieg auf bas Gebiet sei­ner Nachbarn zu tragen. Es bildet seine Jugend nicht militärisch aus und gibt sich keinerlei kriege­rischer Betätigung hin.

England erhöht die Gefechtsstärke seiner Infanterie.

London, 30. Nov. (WTB) Times meldet, daß In ber Organisation ber englischen Jnfanteriebatail- lone eine wichtige Aenderung eingeführt werbe, in­dem einer der federn Bataillon beigegebenen Ma­schinengewehrzüge künftig durch einen M 0 r - serzugersetzt werden solle, bestehend aus einem Offizier und 30 Mann mit zwei Mörsern. Der Zweck ber Neuerung sei, bem Jnfanterieangrift mehr Nachdruck zu geben. Die Mörser seien imstande, i n ber Minute 40 Bomben bis zu einer Entfernung von 1350 Meter abzu- schleudern. Sie könnten auch zum Abfeuern von Rauchbomben zur Erzeugung eines schützen­den Rauchvorhanges verwandt werden. Sie würden vorläufig von Pferden gezogen werden, bis sich zeige, ob Motorantrieb zweckmäßiger sei. Die Neue­rung werde erst in der Heimatarmee und später bei den lleberfeebataillonen durchgeführt werben.

Sühne für kommunistische Mordtaten.

Sechs kommunistische Mörder in Köln hingerichtet.

Berlin, 30. Nao. (WIB.) Wie der Amtliche preußische Pressedienst mitteilt, sind heute morgen in Köln die durch Urteil des Schwurgerichts vom 22. Juli 1933 wegen Mordes bjro. wegen Anstiftung zum Morde zum lode ver­urteilten Kommunisten, nämlich die Ar­beiter Hermann Hamacher, Otto Wae,er, Bernhard Willms, Heinrich horfch. Josef Moritz und der Fensterputzer Joses Engel, h i n g e r i ch t e t worden.

Bei der abgeurteilten Tat handelte es sich um folgenden Sachverhalt: Am Abend des 24. Februars 1933 fanden in Köln zahlreiche Versammlun­gen der NSDAP. statt. Die (Bauleitung des kommunistischen Frontkämpferbundes in Köln hatte aus diesem Anlaß ben Befehl ausgegeben, von biefen Versammlungen heimkehrende SA - ober SS - Leute wie auch fonftige uni­formierte Nationalsozialisten auf ber Straße anzu­hatten, nach Waffen zu durchsuchen und im Falle einer Widerskandsleistungu m 3 u I e g e n*. Der Verurteilte Engel gab biefen Befehl den übrigen TOitoerurteilten bekannt, bie sich daraufhin In Aroel Trupps auf bie Straße begaben. Die Verurteilten Hamacher unb Otto Daeser trafen auf ben In Uni­form auf bem Heimweg begriffenen SA -Mann Spangenberg. Als dieser gerade an ihnen vorüberging, zog Hamacher mit dem Ruf «Hände hoch" seine Pistole unb gab bann auf brei

bis vier Meter (Entfernung einen Schuß auf ihn ab, so baß Spangenberg, in ben Unterleib getroffen, nach einigen Schritten zusammen- brach. Unmittelbar barauf schoß auch ber Ver­urteilte Otto Waeser aus ben bereits am Boben liegenden SA -Mann, ohne ihn jedoch zu treffen. An dem Bauchschuß ft a r b Spangenberg am nächsten Tage.

Der zweite Trupp, bestehend aus ben Verurteil­ten Willms, Moritz unb Horsch unb zwei anderen in dem Verfahren zu Zuchthaus BerurteUten stieß auf die beiden SA -Leute Winterberg unb Kes - fing, bie in ihrer Uniform als Mftglieber einer SA.-Kapelle waren Sie stellten sich in einer Seiten- Kauf unb eröffneten, als die beiden S A.- ahnungslos an ihnen oorbeigingen, auf fit das Feuer. Der SA.-Mann Winterberg brach, von zwei Schüssen getroffen zusammen unb ist am nächsten Nachmittag an ben Folgen bie,er Ver­letzung g e ft 0 r b e n. Als er schon am Boden lag, wurde noch weiter auf ihn geschossen, und ber SA -Mann Kessing mußte seinen Versuch» seinen SA.-Karneraden zu retten, aufaeben, als er selbst einen Schuß In bas Kni e erhielt. Bel seiner Flucht traf Keffing auf bie Verurteilte» Hamacher unb Waeser, die daraufhin aus näch« st er Nähe mehrere Schüsse auf ihn ab- gaben, von ben ber eine In feinem Koppesschloß stecken blieb. Kes fing gelang es, zu flüchten.