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1.11.1933 Zweites Blatt
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 256 Zweiter Blatt

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Was gibt es Neues in der Medizin?

Das neue Nickel-Markstück

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Aus der Provinzialhauptstadt

P. Wölffel.

beim Menschen die Empfänglichkeit in der Erbmasse vorhanden, dann ergibt sich ganz von selber, daß sich durch die Eugenik bedeutsame Mittel erschlie­ßen lassen, den Gefahren der Krebssterblichkeit zu begegnen.

Das schädliche lufttrmfen der Säuglinge.

oder erst zugezogen sind, oder durch Verheiratung einen anderen Namen führen usw., mögen nicht ver­säumen, sich von der richtigen Eintragung in die Wählerliste durch Einsichtnahme zu überzeugen. (Siehe Bekanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil.)

Auch ein Stück Befreiungspolitik.

Das deutsche Volk steht mitten im großen Rin­gen gegen die Geißel der Arbeitslosigkeit im Innern und um seine Gleichberechtigung und Freiheit nach außen. Alle Kräfte der Nation müssen auf die Er­reichung dieser Ziele gerichtet werden. Daß das deutsche Volk in dem außenpolitischen Befreiungs­kampf geschlossen hinter seiner Regierung steht, wird die kommende große Kundgebung am 12. November eindeutig zeigen. Es kommt aber dar­über hinaus darauf an, daß jeder diesen Kampf durch sein persönliches Verhalten nach Kräften unterstützt. In dieser Hinsicht sind Ausführungen unseres Volkskanzlers A d o l f Hitler außer-

Das neue Nickel-Markstück, dessen Rückseite auf der Umrahmung den Spruch zeigt: Eigennutz!

Der Rektor der Landesuniversität.

Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:

Der Reichsstatthalter in Hessen Sprenger hat auf Vorschlag der hessischen Regierung gemäß § 2 der Verfassung der Hessischen Landesuniversttat vom 13. Oktober 1933 den ordentlichen Professor der Kir- chengeschichte D. Heinrich Bornkamm für die Zeit vom 15. Oktober 1933 bis zum 15. Oktober 1934 zum Rektor der Hessischen Landesurn- v e r s i t ä t Gießen ernannt.

Die Wählerliste liegt auf'

vom Donnerstag, 2. November, bis einschließlich ZHonfag, 6. November, liegt für die Reichstagswahl und Volksabstimmung im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 14, die Wählerliste zur Einsichtnahme offen. Personen, die bis zum 12. November 1933 das Wahlalter von 20 Jahren erreichen, Wahlberechtigte, die in letzter Zeit ihre Wohnung gewechselt haben,

Don Dr.

Ultraviolette Strahlen gegen Zahnausfall

Bis vor zehn Jahren wußte man über die eigent­lichen Ursachen, die zur Zahnlockerung füh­ren, nur wenig Bescheid. Erst in neuerer Zeit hat man erkannt, daß die Lockerung mehr oder weni­ger mit allgemeinen Funktionshemmungen des Kör­pers in Verbindung steht. Früher schon war es bemerkenswert, daß Patienten, die mit lockeren Zähnen behaftet waren, vielfach auch über Krank­heiten des Stoffwechsels, vor allem über Blut­erkrankungen, Gicht und dergleichen zu klagen hat­ten. Aus diesen Zusammenhängen ergibt sich, daß zunächst das Grundleiden behoben werden muß, wenn die Zahnlockerung gänzlich verschwinden soll. Es wird insbesondere auch auf eine Besserung des Allgemeinbefindens ankommen, da sich nur so eine auch für die extremsten Stellen des Körpers aus­reichende Regelung der Blutversorgung erreichen läßt. Auch durch Jodbäder läßt sich bisweilen das Behandlungsverfahren wesentlich fördern Einen ganz neuen Weg hat kürzlich nun Dr. A u s ch in der Wiener Zahnärztlichen Gesellschaft gewiesen. Der Wiener Arzt bedient sich zur Behebung der Zahnlockerung und zur Verhütung des Zahnaus­falls der ultravioletten Strahlen. Dr. Ausch ver­wendet eine stabförmig gebaute, kalte Quarzlampe, die so eingerichtet ist, daß auch bei längerer An­wendung keine Verbrennungserscheinungen auf­treten können Da man die Lampe unmittelbar an die kranke Zahnfleischpartie anlegen kann, ist die Tiefenwirkung, die man erreicht, außerordentlich groß. Wenn auch bei der durch Drüsenfunktions- störung verursachten Zahnfleischeiterung das Ver­fahren nicht hinreichte, den Zahnausfall zu ver­eiteln, so war doch bei anderen Formen der Zahn­erkrankung der Erfolg auffallend, namentlich, wenn wiederholt bestrahlt wurde. Nach genügend langen Bestrahlunaen erreichten die Zähne wieder die nö­tige Festigkeit, der Zahnausfall wurde verhütet. Außerdem hatte das Verfahren den Erfolg, daß in den Zahnhöhlen die Abzeßbildung nach und nach gänzlich verschwand.

KreWerdlWeit und Eugenik.

Das gehäufte Auftreten der Krebskrank­heit in bestimmten Familien ist eine seit langem bekannte typische Erscheinung. Insbesondere im vor­geschrittenen Alter sind die Fälle mit tödlichem Verlauf des Krebsleidens sehr auffallend. Neuer­dings sind nun gerade hierfür wertvolle Feststellun­gen von dem englischen Forscher Professor L i t 11 e gemacht worden. Professor Little kreuzte bis hinauf zu fünfzig Generationen Rattengeschwister und Mäusegeschwister. Die Erbmasse blieb also die gleiche. Seinen weiteren Versuchen legte der eng­lische Gelehrte die alte Beobachtung zu Grunde, daß bei manchen Menschen die Krebsgeschwulst sich ge­radezu spontan entwickelt. Da anzunehmen war, daß hierin auch die Tiere keine Ausnahme machen, übertrug Professor Little die Geschwulst auf ein Tier der gleichen Erbmasse. Die Wirkung war fast stets dieselbe. in 99 von 100 Fällen fand die Ge­schwulst sofort ein aufnahmefähiges Feld. Ein we­sentlich anderes Bild ergab sich, wenn zur Kreuzung Versuchstiere fremder Stämme herangezogen wur­den. Wenn krebsempfängliche Tiere mit Tieren fremder Stämme gekreuzt wurden, dann sank die Empfänglichkeit ganz beträchtlich. Nur in wenigen Füllen noch konnte eine Empfänglichkeit verzeichnet werden. Aus diesen Versuchen ergibt sich die prak­tische Folgerung, daß schon in der Erbmasse die Krebsempfänglichkeit bestehen muß, und es spricht vieles dafür, daß diese Erkenntnis auch auf den Menschen anzuwenden sein kann. Ist aber ' auch

stinktiv stark fetthaltige Nahrungsmittel bevorzugt werden. Für die kältere Jahreszeit bleibt also die fettreiche Kost das Gegebene. Hierher gehören vor allem Speck, Butter, Margarine, Rahm, Sahne, Bückinge, Del, Schmalz, Gänsefett und dergleichen. Freilich wird man sich davor hüten müßen, ins Extreme zu Versalien und dem Magen mehr zuzu- muten, als ihm zuträglich ist. Nichts wäre wider­sinniger, als den Erfahrungssatz vom Nutzen der fetthaltigen Kost dahin auszulegen, daß es nötig sei, so viel wie möglich Fettnahrung zu sich zu neh­men, um einem vorzeitigen Verbrauch der Körper­wärme entgegenzuwirken. Der Magen nimmt die fettreiche Nahrung, täglich genossen, nur bis zu einem bestimmten Grade an, eine Tatsache, die jeder bestätigt findet, der über das normale Maß hin­ausgeht. Ueberfteigerungen werden alsbald durch einen wachsenden Widerwillen gegen sehr fetthal­tige Lebensmittel beantwortet. Es ist deshalb not­wendig, einen entsprechenden Ausgleich zu schaf- sen und zwar am besten durch Kohlehydrate und eiweißhaltige Nahrung, wovon Reis, Kartoffeln, Zucker, mehlhaltige Gerichte, Brot, Fische usw. be­sondere Beachtung verdienen. Im Speisezettel für die kältere Jahreszeit sollte des Vitammgehaltes wegen auch Obst nicht fehlen, da es im Zusam­menhang mit der zuckerhaltigen Nahrung die kör­perliche und geistige Regsamkeit fördern hilft.

wendet.

Fettreiche Kost und kalte Jahreszeit.

Sowohl für den Menschen als auch für das Tier bleibt das Fett die natürlichste beste Wärmeerzeu­gung. Da Erkältungszustände sehr häufig durch einen mangelnden Ausgleich der vom Körper ab­gegebenen Wärmereserven heroorgerufen werden, bleibt eines der einfachsten und erfolgreichsten Ge­genmittel gegen diese Gefahren die fetthaltige Kost, ein Mittel, das für den Winter erhöhte Bedeu­tung gewinnt. Kein Wunder, daß von den Be­wohnern der kälteren Regionen von alters her in-

Wie eine medizinische Zeitschrift berichtet, hat man seit langem nach Mitteln und Wegen gesucht, um an die Stelle des alten, mängelreichen Flaschen­saugers etwas Besseres zu setzen Die Flaschen-, |auger der bisherigen Herstellungsart hatten oiel» |ach den Nachteil, viel länger zu fein, als es dem Kinde zuträglich war. Da der Sauger zu weit in den Rachen des Säuglings hineinragte, kam es sehr häufig zum Verschlucken. Da außerdem ein genü­gender Luftabschluß am Sauger fehlte, wurde das schädliche Lu |t trinken des Kleinkindes unan­genehm begünstigt. Als Folge dieses Lusttrinkens wurde der Magen aufgebläht, das Gefühl der Sät­tigung stellte sich vor der Zeit ein. Da beim Trin­ken an der Mutterbrust diese gesundheitlichen Schä­den nicht auftreten, lag nichts näher, als einen Sauger zu schaffen, der sich genau an das natürliche Vorbild hält. Da die Form des Saugers nunmehr völlig mit dem natürlichen Vorbild übereinstimmt, können sich die bisherigen Mängel nicht mehr ein­stellen. Insbesondere wird das schädliche Lufttrinken gänzlich unterbunden.

Oas künstliche Trommelfell.

Seit etwa 300 Jahren befaßt sich die technische Medizin mit der Aufgabe, ein künstliches Trommel­fell zu schaffen, eine Problemlösung, die mit den mannigfachsten Mitteln versucht worden ist. Doch jetzt erst hat sich die Verwirklichung dieses Idee in vollkommener Weise bewerkstelligen lassen Der Er­finder des künstlichen Trommelfells ist der Arzt Dr. N a s i e 11 - Stockholm, der unlängst mit seiner Neuerung großes Aussehen auf dem Osloer Spezia- listen-Kongreß für Ohr-, Hals- und Nasenleiden er­regte. Das künstliche Trommelfell, das statt des beschädigten oder geplatzten Trommelfells ms Ohr gesetzt wird, und zu dessen Herstellung man Zello­phan verwendet, hat den außerordentlichen Vorteil, daß es dem Ohrkranken überhaupt nicht lästig wird. Es ist, wie sich in zahlreichen Fällen bewiesen'hat, kaum fühlbar, daß man ein künstliches Trommel­fell trägt. Die Erfindung des Stockholmer Medi- ziners ist um so bedeutender, als Schwerhörigkeit nicht selten mit einer Trommelfellbeschädigung zu­sammenhängt, eine Tatsache, die schwerhörigen Menschen vielfach unbekannt ist. Daß das künstliche Trommelfell so gut wie keine Belästigung mit sich bringt, erklärt sich zur Genüge daraus, daß es nur 0 02 Millimeter dick ist, also nicht einmal so dick wie das natürliche. Auch das Gewicht von etwa 2 Milligramm ist außerordentlich gering.

Krankhaft glänzende Hanl.

Ost wird die Frage aufgeworfen, ob fettig glän­zende Haut etwas mit einer krankhaften Erschei­nung zu tun hätte. Wenn es auch einen krankhaften Fettglanz gibt, so trifft das Wesen einer krank­haften Erscheinung doch nur unter ganz bestimm­ten Voraussetzungen zu Zeigt sich nach größeren körperlichen Anstrengungen ein fettiger Glanz der Hautsläche, so handelt es sich in diesem Falle um einen durchaus normalen Vorgang. So lästig auch ein fettiges Aussehen der Gesichtshaut empfunden werden mag, diese Erscheinung ist doch in jeder Weise harmlos und unbedenklich Mit einer Haut- I franthcit wird man zumeist dann zu rechnen haben, | wenn der fettige Glanz ohne besondere äußere Ein-

roirtungen auftritt, und wenn sich neben dem Fet­tigen der Hautoberfläche auch noch andere Erschei­nungen bemerkbar machen. Hierzu sind besonders das Abschälen von winzigen Hautstückchen sowie eine ausfallende Rötung Der betreffenden Haut­flächen zu rechnen. Liegt krankhafter Fettglanz vor, Dann weist die Fettschicht ein öliges Aussehen von meist gelber Färbung auf. Auch die Kopfhaut wird früher oder später gewöhnlich in ähnlicker Weise in Mitleidenschaft gezogen. Es ist deshalb anzuraten, dem so frühzeitig wie möglich vorzubeugen. Am sichersten geht man, wenn man sich an den Arzt

Gießener (Aiadttheater

August Hinrichs:Wenn der Hahn kräht."

Der Hahn, welcher diesem Volksstück den Namen gab, hat mit der ganzen Geschichte eigentlich nur insofern zu tun, als er am frühen Morgen, wie sich das gehört, feine Stimme ertönen läßt. Er tritt nicht auf, man sieht ihn nicht, er kräht bloß ein­mal und wird dann nicht mehr gehört. Der Hahnen­schrei ersetzt hier gewissermaßen den Gongschlag: das Spiel kann beginnen. Der Hahnenschrei weckt das schlafende Dorf, aber das ist es eben: sie schlafen gar nicht alle in der Gemeinde, einige von ihnen sind putzmunter, und der Hahnenschrei ist also zu­gleich ein Weheruf über die Sünden der Nacht. Die Rolle jedenfalls, die in einem andern ländlichen Kriminalstück der Biberpelz spielte, ist hier keines­falls dem Hahn zugedacht (der ist ganz unschuldig) sondern einem dreckigen Stiefel und einem ab- gerifjenen Knopf: diese beiden Gegenstände liegen als corpora delicti auf dem Gerichtstisch des Amts- hauptmanns und zeugen unmißverständlich wider den Indizienbeweis.

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Der Stiesel, was das betrifft, ist nächtlicherweile vor dem Haufe des Dorfschneiders Witt stecken ge­blieben, wo, wie man hort, ein Einbruch verübt wurde. Dabei hat der Schneider, wie es heißt, eins mit der Axt über den Kopf bekommen, der flüch­tende Einbrecher dagegen einen Stich mit der Mist­gabel in einen zum Glück minder edlen Körper­teil. Außerdem ist angeblich ein Haufen Geld ge­stohlen worden. Bei der Suche nach dem Täter richtet sich naturgemäß der Verdacht zcktzrst gegen jene Dorfbewohner, die nachweislich oder einge­standenermaßen in der Nacht nicht in ihren Betten, sondern unterwegs und jedenfalls schon munter waren, als der Hahn krähte.

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Da war zum Beispiel der Bauer Jan Kreyen­borg Gemeindeoorstand, in einer wichtigen Ver­sammlung. Sein Knecht Willem Tameling dagegen nächtlicherweile auf dem Aalfang leider ganz ohne Erfolg. Der Tierarzt Renken wiederum be­fand sich auf der Entenjagd. Da ist ja weiter nichts dabei. Aergerlich ist bloß, gleich auf nüchternen Magen daß vor Lena Kreyenborgs Kammerfenster Mutters schone Geranien ganz zertrampelt sind. Bedenklich ist ferner, daß dem Gemeindevorstand ein Knopf am Rock fehlt, und daß er grade diesen Morgen seine Stiefel mal eilig zum Schuster schicken muß. Dafür wird das corpus delicti m Kreyenborgs Häckselkiste eingeschlossen, und aus ein­mal kann keiner den Schlüssel finden. Außerdem muß Kreyenborg die Künste des Tierarztes nicht

bloß für seinen lahmgewordenen Hengst, sondern sogar für sid) selber in Anspruch nehmen, und noch dazu unter vier Augen in der Scheune. Lena hin­gegen verspricht Gustav Piepers, den sie doch gar nicht leiden mag, einenSüßen", wenn er hingeht und bei Trina Witt den bei Nacht gefundenen Hosenknopf gegen einen andern vertauscht. Und wie sie schließlich Irinas Mann Peter aus dem Bett herbeischleppen, stellt sich heraus, daß der gar nichts mit der Axt abbekommen hat, sondern bloß auf die Harke getreten »ft die ihm eine Beule schlug

Wenn jemand aus diesem, übrigens nicht lücken­losen Bericht nicht ganz klug geworden sein sollte, so ist das erstens ausnahmsweise nicht unsre Schuld, und zweitens schadet es auch nichts. Denn wenn man bei einem Volksstück dieser Art vorher schon haarklein Bescheid weiß, wie alles zusammen­hängt, und wie es ausgeht, dann verliert es an Reiz und das wäre wirklich zu bedauern, weil es ein aut gebautes Stück ist mit handfesten Figuren, mit überraschenden Verwicklungen und mit einer federnden Spannung, die durch gewisse Anklange an bereits bekannte Fälle (Biberpelz "Feurio! ) nicht beeinträchtigt wird. Denn Hmnchs, der über das Komödienschreiben im Allgemeinen und über sich selber im Besondern ein paar recht lesenswerte Beiträge zum Programmheft lieferte, h°t d,e Ge­stalten seines Volksstücks in einer norddeutschen Landschaft recht bodenständig angefiebelt unt) fte> mt gutmütigem Spott und derbem Humor so> unbeküm­mert auf die Beine gestellt, daß das Publikum vor Lachen nicht dazu kommt, den Fall etwa von der moralischen Seite zu nehmen. . h

Komik und Spannung der drei Akte beruhen nicht so sehr auf der halb undurchsichtigen, halb unmißverständlichen Situation als vielmehr auf - Tatsache, daß die meisten der 'N d'e nachtllche Af­färe verwickelten Personen em schlechtes Gewissen haben, und zwar jede von ihnen aus einem andern Grunde-, daß sie es alle zur gleichen Zett haben - zwischen Hahnenschrei und Zweitem Frühstück näm­lich ist ein immerhin glaubhafter Zufall und em dankbares Komödienmotiv.

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Die Aufführung unter der Spielleitung von An-ton Neuhaus war eine ungemein ergötz­liche Angelegenheit, die offenbar den Mitwirkenden ebensoviel Spaß machte wie den Zuschauern. Hier saßen die Pointen im breiten niederdeutschen Bauernplatt, wo sie hlngehorten; hier hausten sich aufs Stichwort die Verwicklungen, Spannungen und Ueberrafdjungen, und obwohl zum Schluß eigent­lich alles ganz lustspielmäßig im Sande verlief, halle jedermann den Eindruck, daß dieser Fall vor

seinen sehenden Augen gründlich geklärt sei bis auf den bewußten Hosenknopf. Und das war ja wohl der Sinn dieses Abends. Herr Löffler hatte einen massiven Bauernhof aufgebaut mit Wohn­haus, Brunnen und Scheuer in einer sommerlich heiteren Land|chast.

Eine Fülle sehenswerter Figuren bevölkerte den Schauplatz: Herr Neuhaus als Gemeindevor­stand Kreyenborg, der zwar schlecht geschlafen und Dreck am Stecken" hat, aber sich nicht ins Bocks­horn jagen läßt und den Kampf aufnimmt; eine herrliche Type war der dummpfiffige, pomadig daherredende Tameling des Herrn Geiger; Frau Koch als Trina Witt hatte sich erstaunlich her­gerichtet und gab eine atemraubende Schilderung des nächtlichen Abenteuers in ihrem Hause; Herr L ü p k e machte den überaus eifrigen und schneidi­gen Amtshauptmann Kröger (einen nahen Ver­wandten des seligen Wehrhahn) und förderte die Untersuchung zu verblüffenden Ergebnissen.

Fräulein Wiel ander, die muntere Tochter vom Hofe, und Herr Dieten, der tüchtige Tier­arzt, behaupteten sich in ihrer ziemlich heiklen Lage mit geistesgegenwärtiger Frechheit. Luise Schu­bert-Jüngling auf hannöversch, die Herren Förderer, Nieren und Tank rundeten das Ensemble mit hübschen Leistungen angenehm ab.

Das Publikum unterhielt sich sehr angeregt und spendete dankbar Beifall. hth.

Wenn am Sonntagabend die Oors- mnsi spielt/'

Obwohl es gleich zu Anfang anregend und hoch- dramatisch nach einer gediegenen Keilerei im Dorf­krug riecht, erzielt dieser Film der Terra, wie der behäbig-stimmungsvolle Titel bereits anzudeuten scheint, feine beste Wirkung mehr mit idyllischen Szenen und malerischen Bildern als durch die all­mählich in Gang kommende, ein wenig roman­hafte Handlung. Eine Kuh wird gemolken. Ein hochbeladener Erntewagen vor dicken Sommerwol­ken auf weitem Feld. Ein junges Liebespaar im wehenden Korn. Der Bauernschuster hinter der Schusterkugel. Eine Schafherde. Ein prachtvolles Quartett dörflicher Musikanten, die am Sonntag­abend zum Tanz aufspielen. Dennoch bleibt der Film nicht in einem unverbundenen und unver­bindlichen ländlichen Bilderbogenausschnitt stecken, sondern erhält durch das aktuelle und lebenswich­tige Motiv der Arbeitsbeschaffung einen kräftigen Antrieb und unmittelbare Beziehung zum zeitge­nössischen Beschauer. Eine harmonisch heitere Losung der zu Anfang angesponnenen persönlichen

Konflikte gibt den Ausklang. Die Regie von Charles Klein bringt schone, klare Photographien und beweist einen gesunden Sinn für volkstümliche Szenerie und humorvolle Episoden. Unter den Dar­stellern sieht man seit langer Zeit wieder einmal Harry Liedtke, der einen schrulligen und ein­siedlerischen Gutsbesitzer spielt und sich erst sehr all­mählich in die unwiderstehlich-strahlende Erscheinung zurückverwandelt, in der er seine stürmischsten Triumphe feierte. Maria Paudler ist seine hüb­sche, lustige und äußerst energische Partnerin. Un­ter der ländlichen Bevölkerung sind an erster Stelle Else E l st e r , Jacob Tiedtke, Olaf Bach, Carl de Vogt, Gerhard Dammann und Paul Beckers zu nennen. Musik von Schmid t- B o e l ck e ; das Leitmotiv ist ein im letzten Win­ter sehr volkstümlich gewordener Walzer, der auch in der primitiven Instrumentierung der Dorfkapelle mit erfreulichem Schwung zur Geltung kommt. Der Film läuft seit gestern im L i ch t s p i e l h a u s; aus dem Beiprogramm verdient neben der aktuellen Ufa-Tonwoche vor allem ein Werbefilm für das Winterhilfswerk allgemeine Aufmerksamkeit.

Oie kopflose Statue.

Die bekannte Geschichte von demNeureichen", der eine bestellte Nachahmung der Venus von Milo zurückweist, weil die Arme fehlen, klingt gar nicht so unwahrschinlich, wenn man das Erlebnis eines Parisers hort, das er in einem Blatt berichtet. Er fand auf demFlohmarkt", der Trödelmesse der Pariser, eine sehr schöne alte Kopie der berühmten antiken Statue der Siegesgöttin von Samothraks, die 1863 auf der Insel ohne Kopf gefunden wurde und jetzt einer der größten Schätze des Louvre ist. Der Kenner, der sich auf ein heftiges Handeln ge­faßt machte, fragte den Verkäufer, was er für das Stück haben wolle. Der Trödler warf einen gering­schätzigen Blick daraus und sagte:Schade, daß der Kopf fehlt, da können Sie sie für 10 Franks be­kommen". Worauf der Käufer rasch das Geld zahlte und mit dem so billig erstandenen Schatz in eine Autodroschke flüchtete.

Oochscbulnacb richten.

Professor Dr. L. Wolf, Ordinarius für physi­kalische Chemie und derzeitiger Rektor der Univer­sität Kiel, erhielt einen Ruf auf den phnsikalisch- chemischen Lehrstuhl an der Technischen Hochschule in Karlsruhe.

Der R o st o ck e r Ordinarius Professor Dr. E. Keeser hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für Pharmakologie an der Universität Hamburg er­halten.