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1.9.1933 Frühausgabe
 
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g. (III.) Amtlich wird mit- der am EetreideMschlag be> Tuppen wird von gewissenloser verbreitet, die Reichsregierung h organische Mahnah- ing des Tetreidemarkies js- ' im übrigen sich selbst gegenüber wird mit Nachdruck daß es die Reichsregiening in wstsjahr an der im 3n« -wirtschaft gebotenen nefatis fehlen lassen 1ellung tvirb nur eine Sr!> ben letzten Wochen und Za- aller Eindeutiges ogegeden wvrdeu \\t.

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der Mommen zur Verein- > Lcheckrechles hat die neues Lcheckgeseh beschlossen, Reichsgesetzblatt verössentlicht ird das Einsührungsgcjeg zum August 1933 bekannt gegeben.

ienMenat beä W« tetutkitte einen »amten tes militari*'®e> Awöli Jahren Zucht- ren Ehrverlust und Zulälsig- lfsich^EW^^^S ische^Tal der Könige'.

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Aus der Provinzialhauptsiadi. 1

Reichskanzler Adolf Hiller spricht im Rundfunk.

Am kommenden Sonntag, 3. September, 18 Uhr, wird die grobe Rede des Rerchskan,- lers Adolf Hitler aus dem R^chooarteltag der NSDAP, auf alle deutichen Sender über­tragen. Man sieht der Rede mit großem Interesse entgegen.

Die Abreise der Nürnberg Wahrer.

Unter starker Beteiligung der Bevölkerung unse­rer Stadt begab sich gestern ein Teil der Nürnberg- Fahrer nach dem Bahnhof. Nachdem schon am Bormittag verschiedentlich in unseren Straßen der feste Schritt und die frisch gesungenen Lieder der marschierenden Gruppen der Hitler-Jugend erklan­gen, die sich zu dem Sammelplatz aus den Wiesen hinter dem Landgerichtsgeföngnis begab, erfolgte am Nachmitag unter dem Dorantritt eines Spiel- mannszuges der hiesigen SA. der geschlossene Ab­marsch der Hitler-Jugend von der Gutfleischstraße aus durch die Stadt nach dem Bahnhof. Allenthalben wurde den kräftigen Gestalten der Hitler-Jugend, die übrigens recht gut ausgerüstet war, viel Auf­merksamkeit geschenkt. Um 17.41 Uhr verließ der Sonderzug der Hitler-Jugend den Bahnhof.

Am Abend versammelten sich dann die Amtswal­ter und die Vertreter der politischen Organisationen der Partei in ihren Bezirken, um sich gemeinsam zum Oswaldsgarten zu begeben. Vorn Oswalds- garten aus bewegte sich der Zug der Gießener leit nehmer des Reichsparteitages, unter denen sich auch viele Mitglieder der Partei in Zivil befanden, unter den Klängen einer Musikkapelle nach dem Bahnhof, um dort noch einige Zeit auf dem Borplatz zu ver­weilen. Namen wurden noch aufgerufen, und letzte Anweisungen gegeben. Viele Einwohner hatten sich eingefunden, um sich von den Nürnberg-Fahrern, als diese sich zum Bahnsteig begaben, mit zum Gruß erhobener Hand zu verabschieden. Um 21.56 Uhr verließ dieser zweite Sonderzug den Bahnhof. Heute im Laufe des Nachmittags folgen wir berichteten bereits darüber zwei weitere Sonderzüge, die vorwiegend von SS. und SA. benützt werden.

Rückkehr erst am Dienstag, 5. September.

Infolge des gewaltigen Zugverkehrs anläßlich des Reichsparteitages in Nürnberg ist von der Reichs­bahndirektion die Rückfahrt der Züge aus dem Be­reich der Gruppe Hessen (Provinz Hessen-Nassau und Oberhessen) erst auf Dienstag, 5. September, festgelegt worden. Der Führer der SA -Gruppe Hessen Pg. B e ck e r l e bitte* daher alle Arbeitgeber und Behörden, den teilnehmenden SA.-Männern, die also erst am Mittwoch, 6. Sep­tember, ihren Dienst wieder antreten können, im Interesse der nationalen Sache keinerlei Schwierigkeiten machen zu wollen.

Rundfunkübertragung vom Parteitag der NSDAP.

Freitag, 1. September:

16.00 bis 16.30 Uhr: Von Nürnberg über alleSenüer: Funkbericht vom Hauptbahn­hof in Nürnberg über die Ankunft der Züge der politischen Organisationen. Anschließend: Marschmusik.

17 Uhr: Von Nürnberg über alle Sen­der: Rede des Führers auf der Kultur­tagung. _

19 Uhr: Von Nürnberg über alle Sen­der:Stunde der Nation": Funkbericht von der Eröffnung des großen Parteikongresses mit Uebertragung der Proklamation des Füh­rers. Anschließend Funkbericht vom Besuch des Führers im Waldlager der Hitler-Jugend am Valzner Weiher.

Samstag, 2. September:

14.50 Uhr: Von Nürnberg über a l l e S e n - der: Funkbericht vom Einmarsch der Hitler- Jugend und der Kundgebung im Nürnberger Stadion mit Uebertragung der Rede des Füh­rers und des Reichsjugcndführers.

20.00 Uhr: Von Nürnberg über alle Sen­der: Funkbericht vom Amtswalter-Appell auf der Zeppelinwiese.

20.20 bis 21.30 Uhr: Von Nürnberg über alle Sender: Volksfest in Nürnberg. Szenen vom Leben und Treiben auf dem Festgelände. Sendung des Bayerischen Rund­funks.

Neichszuschüsse für InstandsehungS- und llmbauarbeiten.

Das Hessische Staatsministerium teilt mit: In Abänderung der Bestimmungen über die Gewährung eines Reichszuschusses für die Instand­setzung von Wohngebäuden vom 15. Juli 1933 hat der Reichsarbeitsminister oerfügt daß die Arbeiten späte st ens bis zum 15. November d. I. begonnen und am 1. M a i 19 3 4 vollendet fein müssen.

^ornotucn.

Tageskalender für Freitag. Licht­spielhaus (Bahnhofstraße):Paprika" mit Franziska Gaal.

** Dienstfubiläum in den Kli­niken. Am heutigen Tage sind 25 Jahre ver­flossen, feit der Obermaschincnmeister bei der Verwaltung der Universitäts-Kliniken Hein­rich Muth, im Dienste der Landcsuniversi- tät steht. Ter Rektor hat ihm aus diesem An­laß die Glückwünsche der Landesuniversität übermittelt.

** Goldene Hochzeit. Der Rangier­meister i. R. Karl Grün und seine Ehefrau Anna, Bruchstraße 11, 1. Stock, können am morgigen Samstag, 2. September, bei guter Gesundheit das Fest der goldenen Hochzeit feiern.

** Bekanntmachungen des hessi­schen Personalamtes. Dem Lehrer Adolf Edelmann zu Großen-Linden, Kreis Gießen, wurde mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 an die ehrenamtliche Leitung der Volks­schule dortselbst übertragen unter Verleihung der AmtsbezeichnungRektor" für die Dauer dieser Tätigkeit. Ernannt wurde am 21. August 1933: der Studienrat an dem Adam- Karrillon-Gymnasium zu Mainz, Dr. Karl Strobel, zum Oberstudicndirektor an dieser Schule mit Wirkung vorn 16. August 1933 an.

Unsere Raubvögel als Feld-, Wald- und Wiesenpolizei.

Wenn man auf feinem täglichen Spazier­gang über den Trieb oder durch die Wiesen des Wicseckgrundes geht, oder dem Nizza ent­lang dem Stadtwald zustrebt, so kann man bestimmt eine ganze Anzahl von Flugbildern studieren, die den verschiedensten Raubvögeln unserer Heimat zugehörcn. Zum Teil ziehen diese Wächter des Waldes ihre Kreise im Sc- gclflug hoch oben in der Luft, scharf nach un­ten äugend und den ganzen Wiesengrund überspähend, zum Teilrütteln" sie in mä­ßiger Höhe über einer Maus stehend, wor­unter man jene Flugbewegung versteht, die man am besten mit der in den Turnübungen gebräuchlichen BezeichnungTaktgehen an Ort" versinnbildlichen könnte. Und wenn der Nachtwanderer zu später Abendstunde über den Brand gegangen kommt, dann kann er auf der Höhe des alten Heidenturmes die Stimmen, Lockrufe und Jagüschreie der nächt­lich lebenden Eulen vernehmen, die mit hei­serem, schrillen Schrei um das graue Mauer­werk der alten Dächer streichen. Schleier­eulen, stolze, schön gelblich-sandfarben und betupfte Vögel von über Taubengröße sind das, die hier schon seit Jahrhunderten ihren Sitz haben, alljährlich hier ihre Jungen zur Welt bringen und die Anlagen der Stadt, den Botanischen Garten, sowie die angrenzenden Wiesen frei won Mäusen halten. Schon oft ist es vorgekommen, daß eines oder gar mehrere von diesen Eulenjungen, die putzig aussehen, wie kleine weiße Federbällchen, herunterge­fallen sind, und, sofern sie nicht dabei ums Leben kamen, von einem Vogelpfleger groß­gepäppelt werden mußten. Wer Glück hat, wird in den Schrebergärten am Alten Fried­hof und am Nahrungsberg, dann aber auch im Lahngelände an den alten Mühlen, im Philosophenwald und wo es immer sonst noch sei, die Stimmen der Käuze hören, vom Stcinkäuzchen oder Totenvögelchen, das schon dicht am Lärmgetriebe der Stadt zu vernehmen ist, und von seinem größeren Vet­ter, dem Waldkauz, besten Hauptaufent­halt schon mehr die größeren zusammen­hängenden Waldgebiete des Stadtwaldes und des Bergwerkswaldes mit ihrem mausreichen baumfreien Vorgelände sind.

Besonders der Bergwerkswald bietet reiche Jagdgründe, nicht nur für unsere Raubvögel, sondern auch für allerhand sonstiges wildleben- des Getier, und es wäre vom Standpunkt des Naturschutzes aus höchst begrüßenswert, wenn es eines Tages gelingen würde, dieses für den Manganabbau und sonstige wirtschaftliche Nutz­nießung nicht mehr in Frage kommende Gebiet

zu eine Art Naturschutzpark einzurichten,

oder daraus etwas ähnliches für Gießen zu schaffen, wie es die Gemeinde E b e r st a d t in ihrem vielbegangenen und über Heffens Gren­zen hinaus bekannt gewordenen Natur-

pfad an der Berg st raße besitzt. Schon sind von maßgebender Seite derartige Schritte eingeleitet worden, und wir wollen hoffen, daß sie zum Erfolge führen.

Auch ein sonst nicht häufiger Nachtvogel aus dem Eulengeschlechte, die Waldohreule, die Liliputausgabe desKönigs der Nacht", des in letzter Zeit wieder bei uns zu Ehren gekommenen Uhus, treibt in diesem Gelände noch ihr Koboldunwesen. Alle Käuze und Ev- len haben sich trotz ihres hervorragenden An­teils an der Mäusevertilgung nie beliebt oder gar, wie der Storch, volkstümlich bei dem Bauernvolk zu machen gewußt, obwohl sie gerade ihm doch als

fliegende Katzen"

am nächsten stehen sollten. Ganz im Gegen­teil, wie oft ist es früher vorgekommen, daß man sie kurzerhand abschoß oder im Pfahl­eisen fing, um sie mit ausgebreiteten Flügeln über das Scheuerntor zu hängen. Mit altger­manischer Sitte hat dieser Brauch des aus­klingenden Mittelalters nichts gemein, im Gegenteil, dem altgermanischen Weidebauern war Friggas trauliches Käuzchen heilig, genau so wie Wodans heilige und weiße Raben, und erst der Kirche des dogmengläubigen Mittel­alters war es vorbehalten, aus Freias Wap­pentier den Totenvogel und, um endgültig mit dem seelischen Einsitz alter heidnischer Vorstellungen im Naturvolk aufzuräumen, aus Wodans Propheten die Galgenvögel zu machen.

Auch den nützlichen

Tagraubvögeln

wird von leichtfertigen Schützen zu Unrecht nachgestellt, in der Meinung, einen Huhncr- dieb oder Kleintierräuber vor sich zu haben, der vernichtet werden muß. Erst, wenn der Vogel mit herabhängenden Flügeln und mit feinen gewaltigen Greifkrallen vor ihm liegt, kommt ihm, sofern er nicht bar in jeder Ah­nung, die Erkenntnis, nicht den gefürchteten Habicht, sondern einen Vertreter aus der gefiederten Gruppe der Feld-, Wald- und Wiesenpolizei abgeschossen zu haben, nämlich den harmlosen Mäusebussard,^ dessen Kreise am Himmel zuvor so manchen Lpazier- gänger erfreut haben. Oft genug wird auch der nützliche Turmfalke mit dem Sper­ber verwechselt, wenn er rüttelnd über der Feldmark steht, oder pfeilgeschwind von der hohen Kiefer im Wald herabgeschossen kommt, dem Baume, da seine Wiege steht.

Damit haben wir die hauptlächlichiten, in der engeren Gießener Umgebung heimischen Raubvögel kennen gelernt, die unter Natur­schutz stehen. IhreGewölle", worunter man die wieder herausgewürgten Speisereste und klumpenförmig zusammengeballten unverdau­lichen Reststoffe wie Haare, Knöchelchen, Chi­tindecken von Käfern und andere Bestandteile

der ehemaligen Mahlzeit versteht, legen ein beredtes und

unwiderlegbares Zeugnis ihrer Nützlichkeit ab, und wenn man einmal das schädliche Wirken von Mäusen an den landwirtschaft­lichen Früchten und die gefährlichen Umtriebe der Wasterratten beobachtet hat, wird man die Notwendigkeit ihres Schutzes verstehen. Wo sie ehlen, da muß unter Aufwendung bedeuten­der Mittel staatlicherseits mit Gift und Gas gegen die Ueberhandnahme der Feld- und Waldmäuse öorgegangen werden. Schützen wir aber die Feld-, Wald- und Wiesenpolizei, dann bleibt das natürliche Gleichgewicht draußen erhalten.

Oie Geliebte eines geflüchteten Generalkonsuls verhaftet

Darmstadt, 30. Aug. (WSN.) Wie die Polizeipressestelle mitteilt, wurde die Geliebte >es ins Ausland geflüchteten ehemaligen Kai- erlich Persischen Generalkonsuls Karl Mayer, >ie 28jährige Elisabeth C o u st o t aus Tarm- tadt, wegen Verdachts der B e i h i l f e zum K o n k u r s v e r b r e ch e n und zur De­visenschiebung festgenommen. Die Coustot versuchte vor einigen Tagen, sich bei der Paßstelle unter falschen Angaben über den Zweck ihrer Auslandsreise einen Ausreisesicht­vermerk nach der Schweiz zu verschaffen, wo der Jude Mayer zur Zeit seinen Wohnsitz aufgeschlagen hat. Wie festgestellt wurde, unter­hielt die Coustot mit Mayer bis zu ihrer Fest­nahme einen regen schriftlichen und ernmü üblichen Verkehr nach Paris und später nach der Schweiz. Es besteht der dringende Verdacht, daß sie Mayer behilflich war, größere Geldbeträge ins Aus­

land zu verschieben, und daß sie Kennt­nis von Geheimkonten des Geflüchteten hat. Die Coustot wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt und ins Landgerichtsgesängnis Tarmstadt eingeliefert.

3-Mllionen-ArbeitSbeschaffungs'

Programm der Stadt Mainz.

Mainz, 30. August. (WSN.) Unter Vorsitz des kommissarischen Oberbürgermeisters Dr. Barth wurde in knapp halbstündiger Sitzung heute abend die Einführung der Wa­renhaus- und Filialsteuer, rückwir­kend ab 1. April 1933, in Höhe von 2 0 0 Pro­zent der Gewerbesteuer entsprechend den mi­nisteriellen Anweisungen beschlossen. Ter Stadt­rat beschloß weiter einstimmig die Durch­führung eines großzügigen Ar­beit s b e s ch a f f u n g s p r o g r a m m S. Dis Stadtverwaltung wurde ermächtigt, für eine Reihe von Maßnahmen zur Beschäftigung der Arbeitslosen bis zu 1 Million und weiter die von der Bank für öffentliche Arbeiten (Ocssa) der Stadt zur Verfügung gestellten Mittel bis 2 Millionen hereinzunehmen. Mit diesen Mit­teln werden hauptsächlich Jnstandsetzungs- und Ergänzungsarbeiten an Verwaltungs- und Nebengebäuden, Brückenerueuerungen, Ver­besserungen in den städtischen Versorgungs­betrieben (Gas-, Elektrizitäts-, Wasserwerke) Kanalisations- und Tiefbauarbeiten ausge- führt werden. Dr. Barth schloß die denk­würdige Sitzung mit dem Wunsch, daß das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Stadtver­waltung zu einer erheblichen H e r a b - setzung der A r b e i t s l o s e n z i f f e r für Groß-Mainz beitragen und damit ein Bau­stein zum Wiederaufbau der deutschen Wirt- | schäft gelegt werden möge.

Rheinland in Ketten.

Oiebe/Vaterlandsverräter/Zuchthäusler und Deserteure errichten eine Republik.

Urheberrecht: Dammert-Pressedienst, Berlin W35.

III.

KommtdieRheinlandrepublik?

Unterdes ist das Jahr 1923 gekommen. Am Qai dOrsay beurteilt man die Aussichten der Separa­tisten sehr richtia: Der bisherige Erfolg ist gleich Rull. Zwar reden die öffentlichen An­schläge noch immer von dem bald nicht mehr zu bändigenden Freiheitsdurst der Rheinländer. Aber merkwürdig: Von diesem Freiheitsdurst wird nur in der französischen Zone gesprochen. Wo die Eng­länder und Amerikaner das Land besetzt haben, wollen die Einwohner von den Treibereien nichts wissen, man lieft keine Veröffentlichungen, in denen davon geschrieben wird, daß ja nun bald der Tag anbrechen müßte, an dem die armen geknechteten Bürger das preußisch-deutsche Joch abschütteln und sichselbständig" machen werden.

Also wird man vorsichtiger zu Werke gehen!

Sind es nicht stets die gebildeten Schichten eines Volkes gewesen, die einen kühnen und neuen Ge­danken ins Volk trugen? Gut, man wird sich an diese intellektuellen Kreise wenden. Die Schrift- stellerMaurice Barrss und A. Wetterlö wer­den zu Missionaren der separatistischen Sendbot- schaft auserkoren und stellen sich, da sie gut hono­riert werden, gern zur Verfügung. Diese Beiden wissen andere zu Agenten zu machen, und bald er­scheinen schwungvolle Artikel in oft recht mangel­haftem Deutsch, die nur den Rhein als alleinigen Mittelpunkt Europas gelten lassen. Eine geschmack­voll und unschuldig aufgemachte Zeitschrift beginnt zu erscheinen. Die berüchtigteRevue Rh&iane. Und jetzt beginnt wirklich der Erfolg. Gewissenlose Schriftsteller und solche, in deren Brieftasche 1000- Franc-Noten knistern, helfen mit an dieser schänd­lichen Arbeit, und plötzlich machen Franzosen und deutsche Verräter einträchtig in rheinländischer Kul­tur. Sie unterstützen den französischen Professeur Bourget, der im Lande herumreißt und Thea- tervorführungLN, Sportfeste und Nachmittags-Tees veranstaltet. Versteckt arbeitet die französische Pro­paganda und betont immer wieder den himmel- hoyen Unterschied zwischen den barbarischen Preu­ßen, die nicht einmal richtig mit Messer und Gabel zu essen verständen, und den Rheinländern, die doch mit den Franzosen viel mehr Verwandtes verbände. Don dieser schmachtenden Musik mögen sich wohl ein paarIntellektuelle" einlullen lassen und in Paris wieder Hoffnung erwecken das Volk ist und bleibt deutsch, weil es deutsch fühlt weil es ein Bestandteil Deutschlands ist.

Gleichwohl erkennt man in deutschen Kreisen bald, die wachsende Gefahr selbst einer solchenfreund­lichen" Propaganda. Aber wie will man sich der Eindringlinge erwehren? Wie soll auch ein Land, dessen Geldumlauf von Franzosen kontrolliert wird, dessen Eisenbahn beschlagnahmt ist, dessen Hochöfen ausgeblasen und dessen Arbeiter hungrig und ohne Arbeit sind, erfolgreichen Widerstand bieten können? Die Regierung hat eine einzige größere Spende für das Rheinland veranlaßt. Mehr zu tun, fühlt sie sich leider außerstande. So ist es dann auch kein Wunder, daß die Separatisten wieder frecher wer­den. Die einzelnen, harmlos plakatierten Parteien der Separatisten wissen sich langsam und ziemlich unbehelligt in den Vordergrund zu schieben, und eines Tages geschieht der seit langem gefürchtete Schritt: DieRheinisch-Republikanische Volkspar­tei", dieChristliche Volkspartei" und dieRhei­nische Volksvereinigung" schließen sich zusammen zumRheinsch-Weftfälifchen Volks- bun d".

Run darf Poincars befriedigt lächeln: der Ge­danke einer kommenden Rheinischen Republik ist keine Phantasie mehr nur wenige Monate ge­schickter Propaganda noch und er darf seinem Volk eine neue Kolonie zu Füßen (egen. Die wertvollste Kolonie, die dieGrande Nation besitzen wird.

Das wissen auch die Separatisten und führen sich dementsprechend auf. Ob sie nun Geschäfte mißlie­biger Kaufleute plündern oder andere Unschuldige überfallen, ob sie Frauen schänden ober Kinder be­drohen was kann ihnen denn schon geschehen? Wahrhaftig! Sie brauchen keine Sorge um ihre Freiheit zu tragen. Fassen die deutschen Behörden wirklich einmal einen dieser Strolche auf frischer Tat, so hat der Staatsanwalt nach spätestens fünf Tagen einen Befehl des französischen Oberkom­mandos in der Hand. Dieser Befehl ist sehr kurz und sehr eindeutig:

Der auf Ihre Veranlassung am . . in Haft genommene Herr ... ist sofort der nächsten französischen Militärkommandantur ober bem Kreisdelegierten zuzuführen, die die ihm zur Last

gelegte Tat genauestens untersuchen wird. Sie werden benachrichtigt werden.

Datum.

Unterschrift.

Muß noch gesagt werden, daß die deutschen Be- Hörden meist vergeblich auf eine Benachrichtigung warten werden?

Inzwischen hat die Inflation in Deutschland verheerende Fortschritte gemacht. Der Wert einer deutschen Reichsmark fällt ins Bodenlose. Die Reichs­bank macht Ueberstunden, um Geld zu zählen, die Reichsdruckerei muß Hunderte neuer Arbeiter ein- stellen, um Noten Herstellen zu können. Alte Müt­terchen kommen mit ihrer vollgepfropften Markt­tasche voll Geld in ein Geschäft Geld, das sie sich von ihrer kärglichen Rente zusammenfparten. Sie verlassen leise schluchzend, gebeugt ben Laben, als sie hören, daß all ihr Geld nicht auslangt, ein Pfund Salz zu kaufen.

Das ist Deutschland!

Trotz der kalten Aprilnächte sind die Parks in den Städten von Obdachlosen übervölkert. Die Po­lizei kann diese Jammergestalten nicht mehr ver­treiben die Herbergen sind längst überfüllt. Die Vcrbrechenstatistiken erzählen in der Mehrzahl von Mundraubvergehen und Lebensmitteldiebstählen. Gesundheitsstatistiken des Jahres 1923 ergeben, daß 70 Prozent aller untersuchten Jugendlichen starke Dispositionen zu Lungentuberkulose besitzen. Bei 45 Prozent werden Untergewichte festgestellt.

Ein todwundes Deutschland . . .

Und in München schreit ein Mann auf:Herrgott im Himmel! Wer wird diesem Elend ein Ende be­reiten!" Dieser Mann heißt Hitler. Er hat sieben Menschen um sich, die ihm ergeben sind und ein Haufen anderer, die sich erst erproben müssen. Die­sem Mann geht das Unglück seiner Volksgenossen zu Herzen wie keinem anderen, und ihm reift der Gedanke eines neuen, einigen, g e - festigten Deutschland, das nicht mehr der Willkür der Siegerstaaten preisgegeben fein wird. Er weiß noch nicht, daß erst nach zehn langen Jah­ren feine wirkliche Stunde gekommen sein wird, sein Land wieder zu dem zu machen, als das es einst galt: dem Deutschland über alles in der Welt!

Es finden sich Kämpfer...

Es gibt viele, die den Willen haben, dem aufkei- menben separatistischen Spuk ein Ende zu bereiten. Wie aber sollte man kämpfen? Einer konnte kaum bem anderen vertrauen, und nur feiten geschah es, daß sich eine größere Anzahl Gleichgesinnter zusarn- mentun und gemeinsam arbeiten konnte. Geldmittel waren keine vorhanden, ober sie waren entwertet. In Berlin durste man erst recht kein Verständnis für Gewaltmaßnahmen erwarten. Ja, sollte man denn diplomatische Verhandlungen über die Zuläs­sigkeit des Separatismus mit den Franzosen begin­nen? Es war schwer für die meist jungen Menschen, allein, vollkommen auf sich selbst gestellt, den Kampf gegen den französischen Moloch durchzuführen. Aber es fanden sich Kämpfer . . .

Eines Tages läßt sich ein junger Mann in der behaglichen Villa des Herrn S m e e t s, dem Haupt der mittelrheinischen Separatisten anmelden. Herr Smeets empfängt seinen Besucher. Der sagt, daß seine Mitteilung streng vertraulich wäre. Also ver­läßt die Sekretärin das Büro. Im gleichen Augen­blick knallen einige Schüsse. Panik entsteht, und im allgemeinen Wirrwarr eilt ein junger Mann aus dem Haus, in ein paar langen Sätzen über die Straße und verschwindet in der nächsten Gasse.

Herr Smeets hat zwei gute Schüsse im Kopf, und selbst die sofortige Operation kann es nicht ver­hindern, daß dieser Schuft für die Bewegung un­brauchbar bleibt und zwei Jahre später seinen ver­dienten Tod stirbt. Aber was bedeutet diese Tat schon im Gesamtergebnis? Die Frsnzosen lächeln höchstens boshaft: iynen kam der Tod dieses Man­nes nicht ungelegen. Er brauchte viel Geld und ar­beitete wenig. Für ihn wird man Ersatz finben^llnb die Deutschen? Alle Tage können sie keinen Sepa­ratisten ermorden und schließlich gleicht sich das aus. Man nimmt den ersten besten, mißliebigen (Be­amten oder Studenten oder sonstwen und verur­teilt ihn wegen irgendwelcher Vergehen zum Tode oder weist ihn aus. Dann kann der Betreffende noch von Glück sagen.

Nein sehr wirksam ist die deutsche Gegenab­wehr nicht. Der Feind ist zu mächtig und besitzt alle Hilfsmittel, verfügt über riesige Geldreserven. Die deutschen Männer haben nur ihren Mut. Der Kamps ist zu ungleich obwohl die separatistischen Strolche allmählich wieder in ihre natürliche Feig­heit verfallen und weniger offenkundige Frevel be­gehen. (Fortsetzung folgt)