Ausgabe 
1.9.1933 Frühausgabe
 
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letzten Kameraden von der SA. und SS. und ihren Hinterbliebenen stehen die gleichen Ehrenrechte zu wie den im Weltkrieg versorgungsberechtigt gewordenen Frontsolda­ten oder ihren Hinterbliebenen.

Auf der Tagung der N S. - F r a u e n s ch a f t, die die Reichsleiterin des weiblichen Arbeits­dienstes, die Gauleiterin von Hildburghausen, Pgn. Frau Braun, leitete, hielt Partei­genosse Dr. Ley einen Vortrag, in dem er im Hinblick auf die verschiedenen nicht natio­nalsozialistischen Frauenverbände, die eben­falls charitativ arbeiteten, die NS.-Frauen- schaft grundsätzlich als das Parteiinstrument und die Dachorganisation jeglicher Frauenarbeit bezeichnete. Unser Ziel sei, die Frau für einen gesunden, rassisch wert­vollen Nachwuchs zu erziehen, um wieder Führerin zu sein in der Notzeit. Pgn. M i t s ch m a n n, die Gauleiterin von Ost­preußen, beleuchtete die Arbeit der Franen- schaften im deutschen Osten. In der Aussprache kamen die Schwierigkeiten zur Sprache, mit denen die Frauenschaften auch heute noch zu kämpfen haben. Die vielfachen sozialen Auf­gaben wurden einer eingehenden Würdigung unterzogen.

Die Abteilung für Deutsche im Aus lande hielt ihre Sondertagung im Prunksaal des Nürnberger Rathauses ab. Zu ihr hatten sich rund 300 Vertreter auslands­deutscher Ortsgruppen und der Seefahrt aus allen Weltteilen eingcfunden. Der Stabsleiter der PO., Dr. Ley, nahm hierbei die Weihe von sieben Fahnen dieser Abteilung vor. Der Landesgruppenleiter der NSDAP, in China, Hauptmann a. D. H a s e n o e h r l, sprach über das Verhältnis vom Auslandsdeutschtum zum Nationalsozialismus. Für die Unterabteilung Seefahrt der Ausländsabteilung sprach Pg. Cornelisen über dieStellung des deut­schen Seefahrers im nationalsozialistischen Staat." Mit besonderer Freude wurde von der Versammlung die Mitteilung ausgenom­men, daß die Auslandabteilung künftig un­mittelbar dem Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, unterstellt ist.

Sie Gelbsthüfeorganisation der NG-HAGO

B e r l i n , 31. Aug. (VDZ.) Nach einer Anordnung der Reichs-HAGO-Führung der obersten Leitung der PO. soll die praktische Durchführung des Selbsthilfe- gedankens in folgender Weise vor sich gehen: Ein genau festgesetzter Teil des Beitrages der NS-HAGO- sowie der DHG.-Mitglieder wird bei der Reichsführung für Selb st Hilfezwecke a b - gesondert. Diejenigen Mitglieder, die unverschul­det in eine Notlage geraten sind, die ihre Existenz zu gefährden droht, können umGewährungeines mit 3 d. S). verzinslichen, dinglich nicht gesicherten Personalkredits einkommen. Diese Kredite werden nur an solche Mitglieder der genannten Verbände gegeben, die winde st ens ein Jahr lang Mitglied der genannten Verbände sind und ihre freudige Mitarbeit an der Durchsetzung der nationalsozialistischen Idee und eine einwandfreie Erfüllung aller sozialen Pflichten gegenüber den in ihrem Betrieb beschäftigten Ar­beitnehmern bewiesen haben. Dabei wird die Mit­gliedschaft in dem früheren Kampfbund des gewerb­lichen Mittelstandes auf die einjährige Sperrfrist an­gerechnet.

Die aus dem Selbsthilfefonds gewährten Darlehen sind in der bei der Darlehnsgewährung auferlegten Weife zu tilgen, sobald das Einkommen des Dar­lehnsnehmers einen Betrag übersteigt, der im Einzel­falle unter Berücksichtigung seines Familienstandes und sonstiger besonderer Umstände festzusetzen ist Ueber die Höhe seines Einkommens hat der Dar­lehnsnehmer jederzeit auf Verlangen durch Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung Aufklärung zu geben. Hat die Tilgung eines Notdarlehns begonnen, und kann diese aus zwingenden wirtschaftlichen Grün­den nicht fortgesetzt werden, so kann ein Stundungs­gesuch eingereicht werden, das in der gleichen Weise wie ein neues Darlehnsgesuch behandelt wird.

Die Ernennungen in der Reichswehr.

Görings Goldatenlaufbahn.

Bom Kadetten zum Pour le msrile-Flieger

Der vom Reichspräsidenten mit dem Charak­ter eines Generals der Infanterie ausgezeich­nete preußische Ministerpräsident Hermann Göring hat eine interessante militärrsche Vergangenheit. Sein Vater hatte die Kriege 1866 und 1870/71 als Jägeroffizier mitgemacht, später war er Ministerresident in ^eut)^

Südwestafrika. Sein Sohn Hermann, ge­boren am 12. Januar 1893 in Rosenheim in Bayern, ist nicht weniger der geborene Soldat. Mit 15 Jahren kommt Hermann Göring rns Kadettenkorps, zunächst in Karlsruhe, dann in Lichterfelde. Bei der Entlassung in Lichter­felde fällt sein Lehrer über ihn folgendes Ur­teil:Ein famoser Kerl, allerdings schwrerrg, aber der geborene Revolutionär". Das Kadettenkorps verläßt er mit der höch­sten Auszeichnung, mit des Kaisers Belobi­gung. Im Infanterie-Regiment 112 (Prinz Wilhelm) in Mühlhausen erhält er die Achsel­stücke.

Bei der Mobilmachung geht der 21jährige Leutnant sofort ins Feld. In zahlreichen Ge­fechten bewies er seinen Mut bis zur Toll­kühnheit. Einmal läßt Göring Infanteristen aufsitzen und sie mit Lanzen zur Patrouille be- waffnen. Im entscheidenden Augenblick vor dem Feinde weiß das berittene Fußvolk mit den Lanzen nicht umzugehen da gibt Göring den Befehl, die Lanzen nach alter Germanen­art als Speere zu schleudern und die feind­liche Patrouille wendet sich geschlagen in die Flucht. DerRevolutionär" stieß das Exerzier­reglement einfach um.

Sein alter Kriegskamerad ist Loerzer, der zu einem Fliegerkursus abkommandiert ist, während Göring im Freiburger Lazarett an heftigem Gelenkrheuma liegt. Loerzer schlägt ihm vor, als sein Beobachter an die Front zu kommen. Der Kommandeur versagt Göring die Genehmigung. Da wird Göring Fliegervon eigenen Gnaden" und fliegt mit einerbesorgten" Maschine an die Front. Das kostet ihm drei Tage Arrest. Aber Göring bleibt Flieger. Bald schon überreicht der Kronprinz Loerzer und seinem tapferen Be­obachter das E. K. I. Im Herbst 1915 sitzt Gö­ring in einem neuen Großflugzeug und macht sich außer durch Bomben- und Photographier- flüge bereits als Jagdflieger einen Na­men. 1916 wird er bei einem tollkühnen Ge­fecht schwer verwundet, die Maschine hat 60 Treffer, Göring einen Streifschuß und schwe­ren Hüftenschuß durch Querschläger. Nach der Genesung kommt er zur Jagdstaffel 26, deren Führer sein Freund Loerzer ist. Mai 1917 wird er selbst Führer der Jagdstaffel 27. Im Mai 1918, als er gerade zum Fernflug starten will, erhält der Oberleutnant von sei­nem Adjutanten die freudige Meldung, daß

ihm der Kaiser den Pour le mente ver­liehen habe,deshalb brauchen Sie doch nicht so zu schreien", antwortet Göring und don­nert mit seinem Motor ab. Am 21. April 1918 fällt der berühmte Führer des nach ihm be­nannten Geschwaders, Manfred v. Richt­hofen. Sein Nachfolger Hauptmann Rein­hard stirbt im Juni 1918 den Fliegertod. Der kommandierende General der Luftstreit­kräfte ernennt Hermann Göring zum Kom­mandeur des berühmten Geschwaders. Keiner war geeigneter hierfür als er. Niemand konnte mit mehr Berechtigung den berühmten Richthofen-Stock" tragen. In unzähligen schweren Kämpfen blieb Hermann Göring zwanzigmal Sieger zur Luft.

Generaloberst von Blomberg.

Der durch den Reichspräsidenten zum Generaloberst beförderte Reichswehrminister Freiherr v. Blomberg ist 1878 in Star­gard geboren. Er trat nach der Ausbildung im Kadettenkorps als Leutnant 1897 in das 73. Füsilierregiment ein. Nach rund sieben­jähriger Tätigkeit bei der Truppe wurde Herr

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v. Blomberg in die Kriegsakademie be­rufen und 1908 dann in den großen Ge­ne r a l st a b versetzt. Während des Krieges war er in der Hauptsache im Generalstab tätig und erhielt damals den Pour le Merite.

Nach dem Kriege wurde Herr v. Blomberg zunächst Chef des Stabes beim Wehr­kreiskommando V in Stuttgart, aber schon 1921 wurde er in das Reichs- wehrministerium berufen, wo er zu­nächst als Abteilungsleiter und dann als Chef des Truppe namtes tätig war. 1928 wurde Herr v. Blomberg zum General­major befördert, und im folgenden Jahr er­hielt er den wichtigen Posten des Befehls­habers für den Wehrkreis I (O st - preußen). Unter gleichzeitiger Ernennung zum General der Infanterie wurde Herr v. Blomberg am 30. Januar ds. Js. zum Reichswehrmini st er bestellt.

Weitere Ernennungen

Berlin, 31. Aug. (WTB.) Im Reichsheer sind ferner folgende Ernennungen aus­gesprochen worden: Mit dem 1. Oktober 1933: die Generalleutnants Adam, Chef des Trup­penamtes, zum Kommandeur der 7. Division und Befehlshaber im Wehrkreis VII; Rit - ter v. Leeb, Kommandeur der 7.Division und Befehlshaber im Wehrkreis VII, zum Oberbefehlshaber der Gruppe 2; Beck, Kom­mandeur der 1. Kavalleriedivision, zum Chef des Truppenamtes; List, Kommandeur der Jnfanterieschule, zum Kommandeur der 4. Di­vision und Befehlshaber im Wehrkreis IV; die Generalmajore Feige, Chef des Stabes des Gruppenkommandos 1, zum Kommandeur

der 1.Kavalleriedivision; v. Kluge, Artil­lerieführer III, zum Inspekteur der Nachrich­tentruppen; der Oberst v. Schw edler, Ab­teilungsleiter im Neichswchrministerium, zum Chef des Heerespersonalamtes.

Mit dem 30. September 1933 scheiden aus : General der Infanterie F r h r. S e u t - ter v. L ö tz e n , Oberbefehlshaber der Gruppe 2; die Generalleutnants Frhr. von dem Busche-Jppenburg, Chef des Heeres­personalamtes; Frhr v. G i e n an th , Kom­mandeur der 4. Division und Befehlshaber im Wehrkreis IV; v. Bonin, Inspekteur der Nachrichtentruppen, v. Roques, Jnfan- terieführer 6; der Generalmajor Schell­bach, Artillerieführer VI.

Eine bayerische Ehrengabe für Göring.

Essen, 31.Aug. (CNB.) Wie dieNational­zeitung" erfährt, hat der bayerische Mi­ni st e r r a t beschlossen, dem preußischen Mini­sterpräsidenten Göring als Ehrengabe 10 000 Quadratmeter S t a a t s g e l ä n d e zur Errichtung eines Hauses auf dem Obersalzberg zur Verfügung zu stellen, mit dem Wunsche, ihn recht bald in den baye­rischen Bergen begrüßen zu können. Minister­präsident Göring hat die Ehrengabe a n g e - . itommen.

Der bayerische Ministerrat hat durch die Ehrengab das Göring im Jahre 1923 in Bayern zugefügte Unrecht wie­dergutgemacht. Göring wurde bekannt­lich am 9. November 1923 an der Spitze der nationalsozialistischen Freiheitskämpfer von den Maschinengewehrkugeln an der Feld- herrnhalle schwer verwundet. Ge­gen den Schwerverletzten wurde Haftbe­fehl erlassen, so daß ihn seine Freunde als todwunden Mann auf nächtlichen Wegen nach Tirol schaffen mußten. In Innsbruck schwebte Göring damals monatelang in To­desgefahr. Auch hier mußte er dem Steckbrief der österreichischen Regierung weichen, die dem deutschen Auslieferungsbegehren zugestimmt hatte. Der Haftbefehl hetzte ihn weiter nach Italien, nahm ihm die Möglichkeit, zur Heimat zurückzukehren, bis endlich im Herbst 1926 die Amnestie ihm den Weg nach Deutsch­land wieder frei machte, wo er sich sofort mit ungebrochenen Kräften in den Kampf für den Führer und die nationalsozialistische Bewe­gung stürzte.

Gegen grundlose Gerüchte im Getreideverkehr.

Berlin, 31. Aug. (TU.) Amtlich wird mit­geteilt: Aus Kreisen der am Getreideumschlag be­teiligten Wirtschaftsgruppen wird von gewissenloser Seite das Gerücht verbreitet, die Reichsregierung wolle, da sie durch organische Maßnah­men eine Gesundung des Getreidemarktes sn» strebe, den Markt im übrigen sich selb st überlassen. Demgegenüber wird mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß es die Reichsregierung in diesem Getreidewirtschaftsjahr an der im In­teresse der Landwirtschaft gebotenen Marktpflege keinefalls fehlen lassen wird. Mit dieser Feststellung wird nur eine Erklä­rung wiederholt, die in den letzten Wochen und la­gen mehrfach und in aller Eindeutigkeit von amtlicher Seite abgegeben worden ist.

Kleine politische Nachrichten.

Zur Durchführung der Abkommen zur Verein- heiilichung des Scheckrechtes hat die Reichsregierung ein neues Scheckgesetz beschlossen, dessen Wortlaut im Reichsgesetzblatt veröffentlicht wird. Gleichzeitig wird das Einführungsgesetz zum Scheckgesetz vom 14. August 1933 bekannt gegeben.

Der erste Ferienstrafsenat des Berliner Kammergerichtes verurteilte einen Beamten wegen Verrates militärischer Ge­heimnisse zu zwölf Jahren Zucht­haus, zehn Jahren Ehrverlust und Zulässig­keit der Polizeiaufsicht.

Unterwegs nach Nürnberg...

Don Or. Alfred Oetig, München.

Nürnberg, 30. August.

Am frühen Morgen, vor dem ersten Son­nenstrahl, steht der kleine Wagen blank ge­putzt und strahlend vor Freude, daß er mit zum Parteitag fahren darf, vor meiner Münch­ner Haustür. Der Tank ist übervoll, die Reifen sind mit frischer oberbayerischer Ge­birgsluft aufgefüllt, lustig flattert die Flagge des neuen Deutschland zu beiden Seiten des Kühlers. Nun kann es losgehen. Um fünf Uhr früh liegen wir auf der Landstraße.Wir woll'n zur guten Sommerszeit ins Land der Franken fahren". Die Stadt scheint noch zu schlafen, aber in Schwabing begegnen uns die ersten Gefährten, die dasselbe Ziel haben.

Vor den Toren der Stadt, auf der Ingol­städter Landstraße, geht herrlich die Sonne auf. Es ist Hitlerwetter, wie man es sich nicht besser wünschen kann. Nun soll es nur für die nächsten Tage bestehen bleiben. Denn die Zeltlager rings um Nürnberg wissen es dop­pelt zu schätzen.

Nach einer guten Stunde taucht die alte Festung Ingolstadt auf. Hier standen vor dem Kriege Hauptmann Röhm und mit ihm so manche Vorkämpfer des Dritten Reiches beim RegimentKönig". Die Stadt hat sich bis heute ihr strenges militärisches Aussehen be­wahrt. Wir durchfahren die Festungswälle und engen Tore, vorbei geht es an den roten Back­steinmauern der Käsematten. Dann beginnt die fränkische Lieblichkeit der Landschaft.

Wir stoßen auf marschierende Trupps von Jungvolk und Hitlerjugend. Fröhliche Marsch­lieder verkürzen die Zeit und die Länge des Weges. Alles trägt ein freundliches Gesicht. Auch die Straßenarbeiter hinter ihren rau­chenden Teerkesseln erheben die Arme zum Gruß und wünschen uns eine gute Fahrt. Die ersten Hopfenfelder, ernteschwer, begleiten uns, dann kommen wir durch die fränkische Tabakgegend. An langen Zäunen und an den Mauern der Häuser hängen die Blätter, fein säuberlich aufgereiht, zum Trocknen.

Kurz vor Eichstätt liegt links am Wege ein idyllisches Waldgasthaus, eine traditionelle Einkehrstätte der Münchener Nationalsozia­listen. Auch der Führer nimmt hier gerne Aufenthalt, wenn er im Wagen von München

nordwärts unterwegs ist. Nach kurzer Rast fahren wir im Altmühltal unter der wuch­tigen Willibaldsburg entlang. In herrlichen Serpentinen zieht sich die Straße durch den fränkischen Jura, zu beiden Seiten flankiert von mächtigen, abgerundeten Kalkfelsen. Das uralte, gemütliche Weißenburg mit seiner be­rühmten Naturbühne wird passiert, dann sausen wir durch Ellingen, vorbei an dem wundervollen Barockschloß des Fürsten Wrede.

Eine knappe Stunde vor Nürnberg stoßen wir auf eineAutofalle". Ein Häuflein be­geisterter SA.-Leute lagert am Wegesrand und sperrt bei unserm Herannahen die Straße. Rasch werden zwei Fahrgäste aufgeladen und zwischen dem Gepäck verstaut. Wir aber passen höllisch auf, daß sich nicht einer aus Versehen auf die kleine Reiseschreibmaschine setzt. Denn das wäre ihr und unser Verderben!

Punkt zehn Uhr vormittags fahren wir vor dem Generalpressequartier im Württemberger Hof am Nürnberger Hauptbahnhof vor. Dort herrscht bereits ein gewaltiger Betrieb. Man entdeckt eine Menge Bekannte. Jeder weiß eine andere Neuigkeit zu berichten. Reichs­tagsabgeordneter Tittmann, der Oberst­kommandierende der Pressestelle des Partei­tages, der seit vielen Tagen alles aufs beste vorbereitete, erscheint. Ueber ihn führt für die tausend Pressevertreter, die nach Nürnberg kommen, der Weg zu einem Quartierschein.

Schräg gegenüber im Grand Hotel am Bahn­hofsplatz residiert der Aufmarschsiab unter der Leitung des Obergruppenführers Schneid - Huber. Unter seiner Obhut wachsen augen­blicklich die großen Zeltlager rund um die Stadt aus dem Boden, die an den letzten Tagen der Woche die zu dem Herbstaufmarsch nach Nürnberg kommenden SA.- und SS.- Formationen aufnehmen. Am heutigen Tage werden auch die Führerzelte fertig werden. Jedes SA.-Zelt faßt 500 Mann, und wohl das größte Lager steht draußen im Norden der Stadt, unweit des neuen Nürnberger Flug­platzes.

Welch gewaltiges und eindrucksvolles Bild bietet sich heute schon auf den Plätzen und in den Straßen der Stadt. Von der Burg, dem Stammschloß der Grafen von Zollern, wehen riesengroße Hakenkreuzfahnen, und die ganze Stadt versinkt in einem Meer von Fahnen. Die Massenquartiere für die politische Organi­sation in Schulen und Fabriken sind aufs Beste vorbereitet und ausgeschmückt. In Reih

und Glied und mit festem Schritt marschiert mit wehenden Fahnen Jungvolk in seine Quartiere.

Alles spielt sich in größter Ordnung und Disziplin ab. Heute und auch morgen noch unterliegt der Verkehr keinen Einschränkun­gen. Denn die Sonderzüge und die Marsch­abteilungen der SA., die in langen Tage- märschen Nürnberg erreichen, treffen erst von Freitag an am Sitz des Reichsparteitages ein* Heute und morgen noch dürfen sich die Privat­wagen in der Stadt bewegen. Dann aber müssen sie hinaus aus der Stadt auf die gro­ßen Wiesenparkplätze, damit die Stadt ganz für die großen Kundgebungen und Veran­staltungen des Parteitages frei ist. Nürnberg jedenfalls, das besagt schon der erste Eindruck, ist aufs Beste gerüstet, das neue Deutschland würdig in seinen Mauern aufzunehmen.

Zilm-Lustspiel.

Das neue Lustspiel der Deutschen Universal, das seit gestern im Lichtspielhaus unter der ungarischen UeberschriftP a p r i k a" er­scheint, heißt im UntertitelDas Glück kommt nur einmal im Leben": so beginnt der Re­frain zum Text eines englischen Walzers, der entschieden der hübscheste musikalische Einfall des ganzen Stückes ist. Den Inhalt zu erzäh­len, würde auf dem zu Gebote stehenden beschränkten Raum viel zu umständlich sein. Die Handlung lebt von einer Reihe ganz lust­spielmäßiger Verwirrungen, Verwechslungen und Verkleidungen, was bei einem Haar zu einem traurigen Ende geführt hätte. Aber so war es nicht gemeint, und der Regisseur Carl B o e s e steuert fein Schiffchen durch allerlei Klippen zuletzt doch in den richtigen Hafen und verabschiedet sich mit der Großauf­nahme zweier glücklichen Paare wie sich das gehört. Außerdem hat er eine neue Entdeckung der Universal herausgestellt: Franziska Gaal, eine junge, temperamentvolle Begabung mit Sinn für Humor und ganz ursprünglichen Ausdrucksmöglichkeiten. Ihr zur Seite Heide­mann, Bonvivant vom reinsten Wasser, und Hörbiger, der sich mit der Rolle eines ahnungslosen Sonderlings auf seine Weise ab­findet. Hugo Fischer-Köppe und Lieselotte Schaak sind noch zu nennen. Die Musik stammt von Franz Wachsmann. Dazu die Wochenschau, ein heiterer Kurzfilm und ein Vorspann zum neuen Programm am Montag.

Das jugoslawischeTal der Könige".

Eine Entdeckung, die jetzt in Jugoslawien gemacht worden ist, dürfte dazu beitragen, den Schleier von einem archäologischen Geheimnis zu heben, das seit einiger Zeit die Gelehrten beschäftigt. 3m Jahre 1918 wurde bei Trebenischte am Ufer des Ochreda- Sees eine Totenstadt freigelegt, die man in Anleh­nung an die berühmte Stätte in Aegypten das jugoslawische Tal der Könige" genannt hat. Grä­ber mit außerordentlich reichen Beigaben sanden sich hier; die Leichen trugen zum Teil Goldmasken des mykenischen Typus und sogar goldene Hand­schuhe; daneben fanden sich sehr viele griechische Bronzen und andere Kunstwerke. Durch die syste­matischen Grabungen des Belgrader Professors Wulitsch wurden noch viele andre Gräber aufge­deckt, die solche kostbaren Beigaben enthielten. Die Gräber zeigen einen so starken griechischen Einfluß, wie man ihn in so früher Zeit in diesem Gebiet nicht geahnt hatte, und gaben zahlreiche Rätsel auf im Bezug auf die Datierung und die historische Einordnung der Hunde. Aun ist es geglückt, das erste Haus der Stadt auszusinden, zu der dieses große Gräberfeld gehört. Das freigelegte Gebäude ist aus Ziegeln errichtet und enthält eine Bade- stube, die für Dampfbäder eingerichtet war. Man hofft nun durch weitere Grabungen, die bereits in Angriff genommen sind, dem Geheimnis dieser alten Kultur auf die Spur zu kommen.

Sochschulnachnchten.

Reichsstatthalter Robert Wagner hat den ordentlichen Professor für Mathematik Dr. Alfred Loewy, den planmäßigen außeror­dentlichen Professor für Pädagogik Dr. Jonas Cohn und den planmäßigen außerordent­lichen Professor für römisches und deutsches bürgerliches Recht Dr. Andreas Bertalan Schwarz, sämtlich an der Universität Frei­burg i. Br., sowie den ordentlichen Profes­sor der Jngenieurioissenschaft Dr.-Jng. Emil Prob st an der Technischen Hochschule Karlsruhe auf Grund des §3 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamten­tums in den Ruhestand versetzt.

Der Münchener Privatdozent Dr. Cle­mens Bauer hat einen Ruf auf den Lehr­stuhl für mittlere und neuere Geschichte am Herder-Institut in Riga erhalten und ange­nommen*