ordentlichenTransferschwierigkeiten hin, die die Reichsbank seit 1924 ununterbrochen oorausgesagt habe.
3m verlaufe von nur sieben Jahren habe dos hochinduslrialisierle Deutschland eine Auslandverschuldung von mehr als 20 Milliarden Reichsmark aufgetürmt. Wenn man sich ferner überlege, daß der llmsahwert des Welthandels ebenso wie des deutschen Außenhandels vom Höchststand des 3ahres 1929 bis zum Jahre 1933 um rund 60 v. h. zurückgegangen sei, so könne man sich vorstellen, daß es unmöglich sein werde, diese Schulden voll zu tilgen und zu verzinsen, wenn nicht Deutschland ein genügender Export ermöglicht werde.
Abschließend betonte Dr. Schacht in konsequenter Haltung der von ihm stets und auch auf der Weltwirtschaftskonferenz vertretenenLinie, daß Deutschland genug von Theorien und schönen Empfehlungen habe, vielmehr den Tatsachen ins Äuge sehen und direkt handeln und verhandeln wolle.
Einschränkung her HerbftverbanhS- übungen her Keichsmarine.
Berlin, 31. Juli. (WTB.) 3m Anschluß an die Nachricht, daß aus Ersparnisgründen in diesem 3ahre die Manöver d es Ne r ch s - Heeres ausfallen und lediglich Truppenübungen in kleineren Verbänden stattfinden, teilt das Reichswehrministerium mit, daß auch die diesjährigen Herbstverbandsübungen der Reichsmarine aus den gleichen Gründen eingeschränkt sind. Es findet lediglich eine zweitägige Gefechtsübung
am T4 und 15. September unter Leitung des Chefs der Marineleitung statt, un Anschluß hieran viertägige Gefechtsübungen unter Leitung des Flottenchefs.
Oie Verschiebung der Tagung Ser Krauenfront.
Berlin, 31. Juli. (ZDIB.) Auf Anordnung des Reichsinnenministerrums ist die von seilen der Frauenfront geplante Tagung bis auf weiteres verschoben worden.
Verbot her (Srünhung neuer Sraueiv Ortsgruppen.
Berlin, 31. Juli. (WTB.) viele Frauen- verbände, die sich in der Frauenfront gleichgeschaltet haben, haben geglaubt, sich in einem nationalsozialistischen Deutschland nun mit neuem Eifer auf die Gründung neuer Orts- und Jugendgruppen werfen zu müssen. Das hat vielerorts zu Unstimmigkeiten mit der nationalsozialifti- schen Frauenschaft und der nationalsozialistischen Jugendbewegung geführt. Da mit dem 1. August die Eingliederung der in der Frauenfront gleich- geschalleten verbände in die dem Reichsministerium des Innern unterstellte Reichsarbeitsge- meinfchaft Deutscher Frauenverbände beginnt, ordnet das Reichsministerium des Innern für diese Frauenverbände bis zur endgültigen Regelung an, daß die Gründung neuer Ortsgruppen und Jugendgruppen bis auf weiteres verboten ist.
Sie AibeitsbeschaffW im Mein-Mm-Sebiei.
Einsetzung eines Ausschusses zur Zusammenarbeit von Wirtschaft unh Behörhen
Frankfurt a. M., 31. Juli. (WER.) 3n Anwesenheit des Rcichsstatthalters in Hessen Sprenger wurde ein Ausschuß zur Durchführung und Heberwachung der Arbeits- beschaffungsmah nahmen im Rhein- Mainischen Wirtschaftsgebiet gebil
det. Dem Ausschuß gehören u. a. an: Vertreter der Industrie- und Handelskammern des Dhein- Mainischen Wirtschaftsgebietes, des Hessischen Handelskammertages, der Handwerkskammern, der Landwirtschaftskammern, des Haus- und Grundbesitzes, der Kommunen, der Gauleitung der RSDAP., der hessischen Regierung, ferner ein Vertreter der Deutschen Dau- und Vodenbank, ein Vertreter der Berliner Behörden, sowie der Landesbauernführer Dr. Wagner.
Heber die Aufgaben dieses Ausschusses, der e r st e in Deutschland, führte der Treuhänder der Arbeit und Präsident der Preu- ßisck..i Industriss- und Handelskammer für das Rhein-Mainische Wirtschaftsgebiet
Or. Karl £üer
u. a. folgendes aus: Die Bildung eines solchen Ausschusses hat sich als notwendig erwiesen, um eine rasche und erfolgreiche Durchführung der großzügigen, von der nationalen Regierung eingeleiteten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu gewährleisten.
Durch die verschiedenen Arbeitsbeschaffungspläne sollen möglichst viele Wirtschaftszweige wieder die Kraft gewinnen, aus eigener Initiative heraus die private Arbeitsbeschaffung zu fördern. Die öffentliche Arbeitsbeschaffung ist nur ein Teil des Gesamtplanes und wird sich nur dann voll auswirken, wenn sie gleichzeitig die Grundlage für eine Ausweitung der privaten Arbeitsbeschaffung bildet.
Stellt man diesen leitenden Gesichtspunkt für die Arbeiten der Reichsregierung fest, so wird man erkennen, daß die eng st e Zusammenarbeit zwischen Behörden und Wirt
schaft erforderlich ist. Ich habe daher als Treuhänder der Arbeit zur Bildung eines Ausschusses aufgerufen, um den Behörden des Rhein-Maingebietes, denen die Durchführung der Maßnahmen der Reichsregierung obliegt, ein Sachverständigengremium zur Verfügung zu stellen, das sie berät, und damit ein Organ zu schaffen, in dem sich alle an der Arbeitsbeschaffung beteiligten Stellen zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden. Das Reichs- arbeitsministerium hat sich bereit erklärt, durch einen besonderen Erlaß bindende Anweisungen über die Einsetzung eines Arbeitsbeschaffungsausschusses zunächst im rhein-maini- schen Wirtschaftsgebiet zu geben und diesem Ausschuß bestimmte Vollmachten zu erteilen.
Die Zuständigkeit des Ausschusses soll sich auf den Freistaat Hessen, den Regierungsbezirk Wiesbaden und diejenigen Teile des Regierungsbezirks Kassel erstrecken, die zum Bezirk der Preußischen Industrie- und Handelskammer für das Rhein-Mainische Wirtschaftsgebiet gehören.
Die Tätigkeit des Ausschusses wird sich nach den am ei großen Aufgabengebieten gliedern, die dem Ausschuß obliegen: Die Förderung der öffentlichen und der privaten Arbeitsbeschaffung.
Es gilt bei der öffentlichen Arbeitsbeschaffung insbesondere, die zur Verfügung gestellten Mittel an richtiger Stelle anzufetzen, F e h l- investitionen zu vermeiden und darüber zu wachen, daß tatsächlich eine Entlastung des Arbeitsmarktes durch Neueinstellung von Arbeitskräften eintritt, und daß die Durcbfüh- rung der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen nicht durch ungerechtfertigte Preissteigerungen beeinträchtigt wird. Wir haben uns oaher dafür eingesetzt, daß keine Massierung der Mittel in Notstandsgebieten, sondern eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf das Reichsgebiet erfolgt. Die erste Aufgabe des Ausschusses wird es sein, in einer sofort anzuberaumenden Sitzung alle bei den Behörden eingegangenen Anmeldungen durchzuprüfen und dabei die besonders förderungs
Rund um die Sommerfrische.
Lon Hans jRiebau.
Herr Steinarth aus Bochum kommt in die Pönsion Ludmilla. Herr Steinarth will sich erholen. Als die Koffer oben im Zimmer sind und Steinarth sich gewaschen hat, wird zum Mittagessen geläutet, und als Steinarth endlich im Speisesaal erscheint, ist man schon beim Braten.
„Dort", flüstert die Wirtin, „neben dem alten Herrn mit der Brille ist Ihr Platz."
Steinarth geht auf den alten Herrn mit der 3x1116 zu, schlägt die Hacken zusammen und verbeugt sich. „Steinarth", sagt er.
„Gewiß", nickt der alte Herr und stochert auf seinem Bratenteller herum, „aber gestern war er noch viel härter."
*
Guzarek ist in Borkum. Guzarek ist noch nie an der See gewesen. Viele Dinge sieht er da, von denen er keine Ahnung gehabt hat, die Leuchttürme, die Schiffbrüchigeu-Rettungsstation, die Bozen, die Buhnen, die Möwen, die er zuerst für Enten gehalten hat, das Meerleuchten, und manches andere noch. Schließlich aber entdeckt er eine Oache, die scheint ihm der Gipfel der Merkwürdigkeit zu sein. Mitten auf dem Strand nämlich sieht er einen Mann, der ein dickes Rohr abdichtet.
„Was ist denn das?" fragt Guzarek
»Das ist das Saugrohr für die Warmbadeanstalt , sagt der Mann. „Für die heißen Seebäder pumpen wir das Wasser direkt aus dem Meer in die Heizkessel."
„Aha", nickt Guzarek.
Am nächsten Tage aber ist er erschüttert Er steht vor demselben Rohr, das er gestern gesehen hat: aber es ist tiefste Ebbe und überall da, wo er gestern noch Wasser gesehen hat ist letzt seuchtglihernder Sand. „Aber das ist ja ungeheuerlich!" keucht Guzarek, „wird denn in Borkum so viel heiß gebadet?"
Draußen regnet es. Die Kurgäste versammeln sich im Saal. Herr Peterwardein singt. Herr Peterwardein spielt Klavier. Peterwardein macht Kartenkunststücke, und schließlich führt er sogar einen Stepptanz vor.
„Sie sind ja ein Universalgenie", applaudieren die Kurgäste, „ist ja geradezu fabelhaft!"
„Das ist noch gar nichts", lächelt Peterwardein, „ich habe sogar den Rurmi, als er noch der
schnellste Läufer der Welt war, geschlagen, und den Lasker, als er noch der beste Schachspieler der Welt war, auch."
„Aber das ist doch nicht möglich", schlagen die Gäste die Hände über dem Kopf zusammen, „da hätte man doch von Ihnen hören müssen!"
„Tja", zuckt Peterwardein die Achsel, „erstens ist die Welt eben ungerecht, und zweitens spielt der Rurmi noch viel schlechter Schach, als der Lasker läuft.“
Gregors Urlaub ist zu Ende. Gregor sitzt am Stammtisch und erzählt, wie er im Bayerischen Wald gewandert ist. „Es war furchtbar", seufzt er, „einen ganzen Tag, sechzehn Stunden lang, sind wir herumgelaufen, ohne ein Haus anzu- treffen. Nichts zu essen hatten wir und einen Durst — einen Durst, sage ich euch, daß uns die Zunge aus dem Halse hing."
„Wieso?" fragt der Stammtisch, „gab es denn kein Wasser?"
„Massenhaft", sagt Gregor und nimmt sein Glas, „aber wir waren wirklich nicht in der Stimmung, uns zu waschen."
Herr Ilo, kaum ist er in den bayerischen Alpen, kommt in eine Steinlawine. Vierzehn Tage liegt er, mit gebrochenen Armen, im Bett. Dann trägt er einen Gipsverband, dann nur noch eine Armschlinge, und schließlich ist alles wieder in Ordnung.
„Tadellos geheilt", sagt der Arzt. „Wenn Sie wieder in Berlin sind, können Sie Gewicht heben und Tennis spielen, so viel Sie wollen."
„Wie?" fragt Herr Ilo, „auch Tennis spielen?" „Natürlich", lächelt der Arzt.
„Fabelhaft", Jagt Herr Ilo, „ich habe mir schon immer gewünscht, Tennis spielen zu können."
Bassermann, der Schauspieler, fährt nach Helgoland. Der Dampfer ist voll, so voll, daß es keinen Spaß mehr macht.
Bassermann also verzieht sein Gesicht in staatsanwaltliche Falten und steigt die Treppe zur Kommandobrücke hinauf.
„Hallo", ruft der Kapitän, als er den Eindringling sieht, „das geht aber nicht. Hier dürfen Sie nicht rauf!“
Bassermanns Gesichtsfalten werden scharf wie Messer. „So verweigern Sie also", sagt er, „dem bekanntesten deutschen Schauspieler Len Zutritt zur Kommandobrücke?"
Furchtbare Explosion in Brünn.
Bisher fünf Tote unh
Prag, 31. Juli. (111.) Montag gegen 8 Uhr früh ereignete sich in Brünn im Zentrum der Stadt eine katastrophale Explosion, deren Folgen zur Zeit noch nicht zu übersehen sind. Der gesamte Frontteil des vierstöckigen Hotels „Europa" wurde vom 1. Stockwerk bis zum Dachboden zertrümmert und stürzte mit ungeheurem Getöse auf die Straße. Im Augenblick der Explosion schlugen die Flammen 60 Meter hoch aus dem Gebäude heraus. Das 1. Stockwerk, in dem sich ein LafL befand, wurde vollkommen zerstört. Einige Hotelgäste wurden schwer verletzt. Liner von ihnen ist wäh- renb der Ueberführung ins Krankenhaus gestorben. Bisher wurden aus den Trümmern die verstümmelten Leichen einer Frau und eines Kindes geborgen. Man nimmt an, daß unter den Trümmern noch mehrere verschüttete liegen. Nach den letzten Meldungen hat das Unglück bisher fünf Todesopfer gefordert.
Oer Polizeiberichi.
Lieber die Explosion in dem Hotel „Europa" meldet der Polizeibericht folgende Einzelheiten: Die Explosion vernichtete vollständig den einen Trakt des Hauses, in dem sich das Hotel befindet. Das Haus ist sozusagen in zwei Teile gespalten worden. Durch das herabstürzende Mauerwerk wurden drei Passanten ve rschüttet. Ein Arbeiter, der im Augenblick der Explosion mit einem Handwagen durch die Straße, in der sich das Hotel befindet, zog, wurde schwer verletzt aus den Trümmern geborgen. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Außer ihm wurden sieben Personen schwer verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Eine von ihnen liegt im Sterben. In den Krankenhäusern befinden sich weitere
zahlreiche Verletzte.
32 Leichtverletzte, außerdem 11 verletzte Feuerwehrleute.
Die Llnglücksstätte bietet einen trostlosen Anblick. Die Wirkung der Explosion war so stark, daß in den Häusern auch der weiteren Umgebung nicht nur die Fensterscheiben zertrümmert und die Fensterrahmen herausgerissen, sondern auch der Mörtel von den Wänden bis auf die Ziegel heruntergerissen wurde. Die Aufräumungsarbeiten der am Unsallorte eingetroffenen Feuerwehr, Polizei und Militärbereitschaft werden durch die große Einsturzgefahr sehr behindert.
Ein Augenzeuge berich.et: Als erstes Opfer wurde die Frau des jetzigen Hotelbesitzers mit leichten Verletzungen aus den Trümmern geborgen. Von Minute zu Minute steigerte sich die Panik bei der Bergung einzelner Menschenteile. Nach und nach wurde unter ungeheurer Erregung der Menschenmenge zuerst ein Frauenkopf und ein Frauenarm, dann der Brustkorb eines Mannes und schließlich die Leiche eines Arbeiters geborgen.
Entstehungsursache noch ungeklärt.
Lieber die Llrsache der Explosion ließ sich nur feststellen, daß es sich um keine Gas- ofcer Kesselexplosion handelt. Die Explosion erfolgte in dem Hotelzimmer Nr. 7, in dem ein Angestellter Adolf Bauer aus Mährisch-Ostrau mit Frau und Kind wohnte. Es wurde festgestellt, daß es sich offenbar um einen fingierten Namen handelt. Dauer befindet sich weder unter den Verletzten, noch sah ihn jemand das Haus verlassen. Er dürfte sich mit Frau und Kind unter den noch nicht geborgenen Toten befinden. Gerüchtweise verlautet, daß die Frau, deren Leiche man mit ihrem Kind aus dem Schutt gezogen hat, in selbstmörderischer Absicht eine Ekrasitpatrone zur Explosion gebracht habe.
würdigen Projekte festzustellen. Der Ausschuß wird sich jedoch nicht nur auf eine Nachprüfung der angemeldeten Arbeiten beschränken dürfen, sondern selbst Anregungen geben müssen.
Es gilt insbesondere darauf hinzuwirken, daß möglichst viele Firmen bei der Zuteilung der Aufträge berücksichtigt werden.
Der Arbeitsbeschaffungsausschuß wird ferner auf Anfordern der Behörden unparteiische örtliche Sachoer ft änbigenorgane einsetzen, die eine Nachprüfung der Preise vornehmen können: sollte sich dabei Herausstellen, daß es sich um nicht gerechtfertigte Erhöhungen handelt, so wären die betreffenden Firmen von der Beteiligung an öffentlichen Aufträgen auszuschließen. Damit ist jedoch erst das Gebiet der öffentlichen Arbeitsbeschaffung 'umrissen.
Hinsichtlich der privaten Arbeitsbeschaffung soll der Ausschuß diejenige Stelle sein, welche Anregunaen der Unter ne hmer auf Förderung der Arbeitsbeschaffung entgegennimmt und sich über etwa vorhandene Schwierigkeiten unterrichten läßt. Die nationale Regierung hat bereits mit Erfolg den Weg beschritten, st e u e r l i ch e Lasten dort zu senken, wo die Gewähr ge- aeben ist, daß die Ausfälle durch vermehrte Beschäftigung und dementsprechend wieder höhere Steuereinnahmen und Ersparnisse an Arbeitslosenunterstützung ausgeglichen werden. Mit der Senkung der Steuern allein ist es jedoch noch nicht getan.
von ausschlaggebender Bedeutung für den Erfolg einer erweiterten Auftragsvergebung der privaten Wirtschaft ist auch die Frage der Kreditbeschaffung, und es ist zu untersuchen, ob die einzelnen Banken willens und imstande sind, den kleinen und mittleren Betrieben Kredite zur
Verfügung zu stellen.
Lim einen Lleberblick über die Kreditverhälr- niffe in unserem Wirtschaftsgebiet zu gewinnen, ist eine Umfrage bei den Banken beab-
Der Kapitän stutzt einen Augenblick. „Ach so", sagt er bann, „Herr Liedtke, bann bleiben Sie man ba.“
„Llnter falscher Zlagge.^
Dieser Film, der jetzt im Lichtspielhaus lauft und gleich am ersten Tage eine bemerkenswerte Anziehungskraft ausübte, behandelt eine Spionage-Affäre. Die Handlung fpiell in den ersten Jahren des großen Krieges in Deutschland, in Rußland und an der Front im Osten. Die Hersteller haben mit scharfsinniger Phantasie aus der Fabel die erregenden Spannungen und die von Geheimnis und Abenteuer umwitterten Triebkräfte, welche ja fast jeden derartigen Fall bewegen, geschickt auf den Film übertragen. Der Stoff ist aktuell, er interessiert weite Kreise des Publikums, und da es sich um einen Spielfilm handelt, nicht etwa um eine historische Reportage, so schadet es nichts, wenn die Regie (Johannes M e y e r) sich auch der romanhaften und schon fast romantischen Züge bemächtigt, die sich aus der Aufrollung des Spionagefalles an sich und aus feiner Verbindung mit einer Liebesgeschichte ergeben. Der Film setzt ganz dramatisch mit einem Luftkampf an der Front in Rußland ein, führt dann Zug um Zug an die Schauplätze des Krieges im Dunkel, um mit einer stürmischen Flucht aus dem Lager des Gegners seinen Abschluß zu finden. Ueberaus fesselnd ist die ebenso unheimliche wie raffinierte Technik geschildert, deren sich Spionage und Spionageabwehr im 'Kampfe gegeneinander bedienen. Stellenweise werden Tempo und Spannung der hochdramatischen Handlung durch heitere Episoden flüchtig gelockert. Eine aus- gewählte Besetzung steigert und vertieft den Eindruck dieses interessanten Films. Gustav Fröhlich, den man sonst in einer minder ernsten, meist musikalisch beschwingten Umgebung zu sehen gewöhnt war, findet sich mit männlich gesammelter Haltung sympathisch in das seriöse Rollenfach. Ein- dringlich und überzeugend wie immer die noble Erscheinung Friedrich Kaiß 1 ers. Charlotte Su- s a, die wir seit längerer Zeit nicht gesehen haben, präsentiert sich in einer ganz romanhaft wirkenden zweideutig schillernden Rolle, in der die Fäden von Spiel und Gegenspiel sich bald verwirrend überschneiden. Speelmanns, der selten bei einer so kriminell beschwerten Affäre fehlt und sich immer mehr auf typische, stets gern gesehene Gestal- tcn etnfptelt. Theodor Loos, hier nicht so in vorderster Lime stehend wie in manchen früheren Spionageftlmen, aber auch als Hintergrundsfigur noch voll gesammelter Energie. Von den übrigen
sichtigt, wie weit sie im letzten Jahre in der Lage waren, neue Kredite zu bewilligen, und ferner eine Nachprüfung der Klagen über eine zu weitgehende Zurückhaltung der Banken. Es wird nicht zu vermeiden sein, daß seitens des Reichs den Banken gewisse Liquiditätshilfen gegeben werden. Man wird weiterhin dafür sorgen müssen, daß die Deutsche Dank für Industrieobligationen einer größeren Anzahl mittelständischer Betriebe Kredite, und Atoar auch kurzfristige Kredite, zur Verfügung stellen kann, als es gegenwärtig der Fall ist. Ich glaube annehmen zu können, daß hier verhältnismäßig geringe Beträge ausreichen, damit die Deutsche Bank für Industrieobligationen bei den Banken, welche von sich aus eine Kreditsicherung nicht übernehmen können, eine Hilfestellung leistet.
Als Vertreter der freien Wirtschaft be^eichneta Dr. Braun vom Verein Mitteldeutscher Industrieller die Bildung dieses Ausschusses als einen Wendepunkt in der Entwicklung der rhein-mainischen Wirtschaft, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen möge, binnen kurzem entscheidende Ergebnisse auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung zu erzielen.
Reichsstatthalter Sprenger
verzeichnete mit Genugtuung, daß gerade in seinem Gau zuerst diese Idee verwirklicht werden konnte.
Kleine politische Nachrichten.
Der Magdeburger Magistrat hat den preußischen Ministerpräsidenten Göring zum Ehrenbürger von Magdeburg ernannt.
Der bisherige kommissarische Oberbürgermeister von Köln, Dr. Riesen, wurde einstimmig zum Oberbürgermeister von Köln gewählt. Verantwortlich für Politik: i. V.: Ernst Blumschein.
Mitwirkenden seien Ernst D u m ck e, Harry Hardt und Joses Almas hervorgehoben. — Der Film dürste, mit einem abwechslungsreichen Beiprogramm, auch in den nächsten Tagen eines guten Besuches sicher sein.
Burgtheater-Museum.
Das Wiener Burgtheater, eine der berühmtesten Bühnen des deutschen Kulturkreifes, hat sich aus ihrer 150jährigen Vergangenheit kostbare Schätze in die trübe Gegenwart gerettet, und diese bestehen in ihrem berühmten „Fundus". Nur wenige wissen, daß man nicht nur vom Zuschauerraum aus hier Kunstwerke bewundert, sondern daß es auch noch einen andern Ort gibt, an dem bedeutende Sehenswürdigkeiten des Besuchers harren. Das ist das kleine Burgtheater-Museum, in dem die historischen Kostüme und Reliquien aus der Geschichte des Theaters gezeigt werden. Schließt man an die Besichtigung dieses Museums eine Wanderung durch die Werkstätten, die Waffenkammer, Magazine und Garderoben, so werden in Kleidern und Trachten ganze Epochen der Menschheitsgeschichte lebendig. Ein Aufsatz von Max Hayek in der Leipziger „Jllustrirten Zeitung" führt in diese Wunderwelt „Hinter den Kulissen des Burg- Theaters." Die Echtheit der historischen Kostüme geht bei manchen Aufführungen so weit, daß tatsächlich Requisiten zur Verwendung kommen, die in der Geschichte eine Rolle gespielt haben. So benutzt man beider Aufführung des „Prinzen von Homburg" noch Schwerter, die aus der Schlacht von Fehrbellin herrühren. Die Königin Elisabeth in der „Maria Stuart" trug früher eine weihseidene Toilette mit reichem Goldbesatz, die ursprünglich das Brautkleid der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich gewesen war. Der Darsteller des Kaiser Maximilian von Mexiko in „Iuarez und Maximilian" ist mit dem Originalrock des unglücklichen Herrschers angetan und ebenso mit der goldfarbenen Schärpe, die er bei feierlichen Anlässen anlegte. Natürlich müssen die zahllosen Kostüme und Trachtenstücke, die Waffen, Spangen, Tressen und Orden, Schmuck und Bänder, die sich in den Magazinen dieses Theaters besinden, für alle möglichen Aufführungen benutzt und umgestaltet werden. Die Künstler und Künstlerinnen müssen immer wieder anprobieren, bis alles sitzt und genau so aussieht, wie es die Kostümkunde vorschreibt.
Hochschulnackrichten.
Der Göttinger Privatdozent Dr. Adolf B u« tenandt hat einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl für anorganische Chemie an der Technischen Hochschule in Danzig erhalten.


