Ausgabe 
1.2.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Aus der Provinzialhaupistadt.

spenden für die Winternothitfe.

üon der Geschäftsstelle der Gießener Winternot- kitte werden mit. folgende weitere Spenden gemeldet:

«enrkslpartaiie Gießen, Iohannesstraße. 300 RM. Soifer» Kasfeegeschäft ld. m. b. $)., Werfen Wb.) 4) Mund iReia (für Februar 1933), 50 Pakete Malz. Inffee (für Marz 1933).

Kranz Bette, Gießen, Mäusburg 10, ein Poften Textilwaren als 3. Rate.

"50Jahre Gartenbaubetrieb Moser, 'im 2. Februar kann die Firma Gartenbaubetrieb Wildelm Mofer (am Wiefecker Weg) auf ihr »Oiahriges Bestehen zurückblicken. Der Betrieb wurde von Valentin Mofer (zu ©cyenhofen in Baden ge­boren) dem nachdem er zehn Jahre lang die Firm, leitete,'der Tod das Werkzeug aus der Hand nahm. Rach feinem Tode im 'Jlouember 1893 ging das lKefchäft an die Witwe über, die es weitersüyrte, bis es im Jahre 1908 der Sohn Wilhelm Mofer übernahm. Wilhelm Mofer erweiterte den Belriev und brachte ihn auf ansehnliche Hohe; aber auch er konnte den Ehrentag des Jubiläums nicht erleben, denn er verstarb im Juni 1930. Die Gärtnerei wird nunmehr von der Witwe drs Verstorbenen, unter der Leitung ihres Sohnes Valentin Moser weiter- geführt und erfreut sich in unserer Stadt besten An­sehens. m v ,

" Senkung der Dab-Rauhetmer Bäberprcise. Wie dieBab-Rauheimer Zei- tung" mitteilt, hat der zuständige hessische Mini­ster eine Senlung der Bäberprcise In Bab-Rau- heim genehmigt. Die neue Regelung stellt insofern eine Aenderung dar, als nicht mehr ein Einheits­preis für sämtliche Bäder in Ansatz gebracht wird, sondern die einzelnen Bäderformen preislich abgestuft sind.

'»Diel.Reichskur^schriftgesellschaft Babelsberger" und Damenabteilung e. V-, Gießen, hielt dieser Tage wie man uns berichtet ihre ordentliche Jahreshauptversamm­lung ab. Aus dem Verwaltungsbericht über das Jahr 1932 ist zu ersehen, daß auch die Kurzschrift- bewegung unter den schlechten ^eitverhältnissen schwer leidet. Trotzdem kann die Reichskurzfchriftge- sellschast auf die erzielten Erfolge und Leistungen ihrer Mitglieder stolz sein. Es wurden drei An- sängerlehrgänge, drei Fortbildung^., drei Redeschrift- drei Praktiker- und sieben Diktatkurse mit einer Ge­samtzahl von 389 Teilnehmern durchgeführt. Was Vie Wettschreiben betrifft, so konnten sich die Mit­glieder nur an dem Bezirkswettschreiben in Büdin­gen und an dem Verbandswettschreiben in Bingen beteiligen. Es wurden folgende Preise errungen: Im Schnellfchreiben 60 bis 260 Silben: 12 erste und Ehrenpreise, 52 erste, 17 zweite und 12 dritte Preise. Im Schon- und Richtigschreiben: 3 erste, 3 zweite und 2 dritte Preise. Die Handelskammer- (Geschäfts- stenographen ) Prüfung bestanden im Jahre 1932 zwei Mitglieder in der Abteilung 180 Silben, drei Mitglieder in der Abteilung 150 Silben. Die Vor ptüfung (120 Silben) legten sieben Mitglieder mit Erfolg ab. Die Gesamtzahl der Handelskammerae prüften ist damit auf 61 gestiegen. Das Mitglied Fiedel Balken bestand im Januar 1932 in Darrn siadt die staatliche Stenographielehrerprüfung. Die Reichskurzschriftgefellschaft verfügt nunmehr über neun staatlich geprüfte Kurzschriftlehrer. Die Ehren nadel des Vereins, die an Mitglieder, die sich um die Einheitskurzschrift Verdienste erworben und an solche, die die Handelskammerprüfung in 200 Silben und hoher abgelegt haben, verliehen wird, wurde im abgelausenen Jahr den Mitgliedern Karl Heß und August Siebert überreicht. Die Dorstands­mahl hatte folgendes Ergebnis: 1 Vorsitzender Alex * Karnbach, 2. Vorsitzender Andreas Merle, Rechner Karl Heß. 1. Schriftführer Georg Wahl, 2. Schriftführer Fritz Dorf ner, Bibliothekar Heinz Graf, Zeitungswart Johanna Bohl, Bei sttzer: K. H. K u h l, Ludwig G r a o e l i u s , August Siebert, Kurt Moosdors und Ilse Leh­

mann, Rechnungsprüfer: Friedrich von Hem­mers, Wilhelm Keppler und Karl Pfeil. Ferner wurde einWerbeausschuh", bestehend aus den Mitgliedern: Johanna Bohl, Annemarie Steinberger, Rudolf Günther, Otto Wil­helm, August Schott, Otto W a h l und Alfred Bor m u t I) gewählt Da- nächste Vereinswett- schreiben findet im März in Gießen, das Bezirks- wettfchreiben in Hungen und der nächste Verbands­tag in Friedberg statt.

Amtsgericht Gießen.

Zwei auswärtigen Viehhändlern waren durch Einspruch angefochtene Strafbefehle unter der Be­schuldigung zugegangen, gegen 6 II. und 74 Z 3 des Viehseuchenaefetzes vom 26. Juni 1909 dadurch verstoßen zu haben, daß sie einer Anordnung des zuständigen Bezirksamts, wonach der Transport einer erkrankten Kuh nur nach einem bestimmten

Helft der Wintern othitse!

Ort, dem Wohnort des ursprünglichen Besitzers, erfolgen und diese nicht mit anderem Vieh in Berührung gebracht werden durfte, zuwiderhan­delten, indem sie den Transport nach einem an­deren Ort vornahmen. Diese Anordnung war in dem Aussuhrschein des Bezirksamts enthalten. Den Schein hat der eine Beschuldigte abholen las­sen, er will ihn aber nicht gelesen haben, nachdem ihm auf telephonische Anfrage die Genehmigung zum Transport telephonisch erteilt worden sei: im übrigen habe er sich auf seinen Mitbeschuldig­ten, der beim Abtransport zugegen gewesen sei, verlassen. Diese Schuhbehauptungen konnten ihm nicht widerlegt und Borsah ihm demnach nicht nachgewiesen werden, so daß Freispruch aus subjektiven Gründen erfolgte. Sein Mitbeschuldig­ter hat den von ihm eingelegten Einspruch vor der Verhandlung zurückgezogen, so daß es bei der darin festgesetzten Geld st rase von 50Mk. verblieb.

Gin nächtlicher Gast in einer hiesigen kleineren Wirtschaft vergriff sich an dem Wirt, der ihm Feierabend geboten hatte, indem er ihm mit sei­nem beschuhten Fuß mehrere Tritte versetzte und auf seine Frau mit einem Besenstiel einschlug. Der Wirt hatte sich die Roheiten des Beschuldigten, der anfing, das WirtShausinventar zu zerschlagen, nicht gefallen lassen wollen. Der rabiate Gast hatte bereits mehrere Gläser aus dem Fenster bin- ausgeworsen und eine ganze Anzahl Korb- und Branntweinflaschen zertrümmert. 3m Strafbe­fehlsverfahren erhielt er eine GefängniS- strafe von 2 Wochen. Gr legte Einspruch ein, zog es aber, wohl aus Furcht vor einer Er­höhung der Strafe, vor, in der anberaumten tauptverhandlung nicht zu erscheinen, so daß der inspruch des Beschuldigten, der schon ein duhendmal vorbestraft war, durch Urteil verwor­fen werden und es bei den 2 Wochen Gefängnis verbleiben mußte.

Gin sehr oft, häufig auch wegen Bettelns vorbe­strafter, von auswärts hieryergekommener er­werbsloser Bäcker wurde wiederum betroffen, al« er in der Bahnhofstraße unter erschwerenden Um­ständen bettelte. Er erhielt die hochstzulässige Haststrafe von 6 Wochen. Außerdem wurde auf korrektionelle Rachhaft erkannt und damit der Verwaltungsbehörde die Befugnis zugefprochen, den Berurteilten nach Verbüßung seiner Strafe bis zu zwei Jahren in einem Arbeitshaus un­terzubringen. Es geschah dies u. o. in der Er­wägung, daß heutzutage in derartigen Fällen auch die hochstzulässigen Geldstrafen faum geeignet find, die in erschreckendem Maße überhandnehmende Bettelei einzuschränken und die Bettler abzu- schrecken.

Die Jagd im Februar.

Der Februar gehört zu den stillsten Monaten des Iagdjahres. Ein Blick auf den Iagdkalender zeigt viele dunkle Felder: Hegezeit!

Die 3agb aus Rot- und Damwild ging zu Ende. Rur in Hessen genießen Hirsch und Schauf­ler keinen Schuh. Doch der weidgerechte Jäger gewährt ihnen freiwillig das, was das Gesetz ihnen versagt. Statt der 3agd sorgt er durch Fütterung für sein Wild, wenn der Winter es notwendig machen sollte.

Schwarzwild, das keine Schonzeit hat. kann bei Schneefall mit Aussicht aus Erfolg besagt werden.

Das Rehwild hat bis jetzt noch keine Rot gelitten, wenn auch die Aussichten für das neue Jaadjahr angesichts des Fehlens jeglicher Mast noch unklar sind. Der Verlauf des Rachwinlers wird dann von ausschlaggebender Bedeutung fein. Der sorgende Heger erinnert sich der in jener Zeit besonders wichtigen Diätwirkung des Kochsalzes und frischt baldmöglichst seine Salzlecken auf, oder legt neue an.

Der milde Verlauf der ersten Januarhälfte ließ schon die Rammelzeit der Hasen beginnen. Gs ist daher unter Umständen mit einem frühen Sehen zu rechnen, das dann in eine Zeit fiele, wo kaum Deckung draußen vorhanden ist. Wer seinem Wild wohl will, sorgt für Kurzhalten der Krähen und Elstern und spart nicht die geringen Unkosten für ein paar Wieselfallen. Die dadurch entstehenden Unkosten machen sich in erhöhtem Jagdertrag längst bezahlt. Die Hafenstrecken ließen in manchen Revieren sehr zu wünschen übrig. Es ist dies, abgesehen von durchaus un­wirtschaftlicher Bejagung in manchen Revieren, bestimmt auf das Auftreten von Erkrankungen zurückzuführen, die durch den nassen Herbst ge- fordert wurden. Der Revierinhaber sollte sich daher über das Vorkommen von Fallwild unter­richten und dieses zur Untersuchung bringen, toenn es noch möglich ist. Sonst aber scharre man tief ein und verwittere die Stelle möglichst, damit Füchse, Krähen und Bussarde nicht die Erreger über größere Revierteile verschleppen.

Entenjagd ist zu Ende. Den Reb­hühnern schüttet der kluge Weidmann Abfall von Scheune und Heuboden an Stellen, wo das Wild vor Wetter und Feinden Schuh findet. Das für Hege dankbare Huhn wird es ihm im Sep­tember lohnen.

8asa n e n Hennen dürfen nicht mehr geschofsen werden. Die Erfahrungen in gepflegten Revieren nnb so erfreulich, daß man rtur jedem Revier­

inhaber raten kann, sich an der Schonung der Fasanen zu beteiligen. Dann werden alle etwas davon haben, und es findet ein steter Ausgleich zwischen den Revieren statt. Der Februar ist der beste Monat zum Aussehen der bunten Vögel. In verschiedenen Revieren werden auch in diesem Jahre wieder teils durch den VereinHubertus" selbst, teils durch seine Mitglieder Fasanen aus­gesetzt. Bei den stark gesenkten Bezugspreisen wäre es wünschenswert, wenn noch mehr Jäger und Revierinhaber sich zu gemeinsamer Arbeit zusammenfänden und Fasanen bezögen. Der Fasanenhahn hat noch Schußzeit und kann da, wo eine Ueberzahl vorhanden ist, unbedenklich bejagt werden. Man rechnet auf einen Hahn sechs Hennen.

3m Februar seht der Rückzug unserer Zug­vögel ein. Vertäust der Monat mild, dann zieht wohl mancher 3äger einmal gegen Monatsende hinaus in den abendlichen Wald, um zu sehen, ob derVogel mit dem langen Gesicht" noch nicht da ist. Besser wäre es, der Abschuß in jener Zeit unterbliebe. Denn die früh streichenden S ch n e v- s c n sind meist Lagerschnepsen, die bei uns brü­ten und schon auf den Eiern sitzen, wenn her Durchzug der Waldschnepfe richtig im Gang ist.

Das R a u b w i l d steht, außer dem Dachs, in der Roll- und Ranzzeit. Schnee erleichtert die 3agd des roten Freibeuters, oder den Fang von Jltl« und Hermelin. Die Schonzeit des Dachse-, der nun wirst, beginnt in Hessen am 16. Februar.

Dem Jagdschutz ist unausgesetzt größte Aus- merksamkeit zu schenken. Vor allem wende man sich im kommenden Monat zum Schuhe des Jung­wildes mit aller Energie gegen das rücksichtslose Herumlaufenlassen von Hunden auf. dem Feld. Wenn schon der Artikel 33 desHessischen 3agb* strafgeseyes" dem Jäger gewisse Vorschriften über bie Benutzung seines Hundes während derall­gemeinen Hegezeit" (1. Februar bis 31. August) macht, bann muß erst recht gegen baS gesetz­widrige Verhalten vieler nichtjagdberechtigter Hundebesiher eingeschritten werden. Hunde müssen außerhalb erlaubter Verbindungswege, also Wege, bie Ortschaften ober Gehöfte im üb­lichen Verkehr miteinanber Derbinben, an her Leine geführt werben. Wer zuwiberhanbelr. macht sich strafbar. Das Gesetz gibt damit dem Jäger eine wirksame Handhabe, sich gegen Schä­digungen durch rücksichtslose Menschen zu schützen, während er dem jagenden, unbeaufsichtigten Hund gegenüber zur Selbsthilfe schreiten wird.

Hubertus.

König, Kriegsmann, Herkules...

Zum 200. Todestage Augusts des Starken am -1. Februar.

Don Maximilian pallanca.

IV.

Reue Kämpfe.. letzte Feste ..

Der verlorene Krieg ließ nicht nur das Land Sachsen, sondern auch den Kurfürsten selbst in schlimmer sinanzieller Bedrängnis zurück. Ihnen zu begegnen, schrieb August der Starke zunächst einmal wieder neue Steuern auS, die allent­halben ein wildeS Klagen erregten, deren ®in- tünftc er aber meistens in die eigene Tasche steckte ober zur Reusormation unb Verstärkung seines Heeres benutzte. Trotz aller Fehlschläge unb Enttäuschungen stumpfte sich bie ans Wun- berbare grenzenbe Lebenskraft bicseS Herrschers nicht ab er saß gleichsam ewig aus der Lauer nach neuen Betätigungen, jagte geradezu nach einem ununterbrochenen AuSleven seiner angeborenen Aktivität. Rach dem Frieden von Alt-Ranstäbt schickte er unter bem Oberbefehl deS Generals S ch u l c n b u r g ein au« 9000 Sachfen bestehende- Heer dem Kaiser nach den Rieder- lanben zu Hilfe, gleichzeitig lüftete eS ihn nach weiterer persönlicher kriegerischer Betätigung, welche Gelüste ihn veranlaßten, sozusagen al« Volontär, als passionierter Liebhaber von Kri§as- tänzen unter dem Prinzen Eugen an der Er­oberung von Lille teilzunebmen. Ueber dem allen vergaß er keineswegs sein Königreich Polen. Wäh­rend der abenteuerliche Schwedenkönig KarlXll. in Rußland kämpfte, ging er energisch an die Wiedergewinnung der polnischen Krone. Gr verband sich von neuem mit hem' Dänenkönig, bann ereilte ihn bie Rachricht von der vernichtenden Riederlage des Schweden bei Poltawa am 8. Juli 1709. Unmittelbar dar­auf jagte er nach Polen, um den Räuber feiner Krone wie er ihn nannte um Stanislaus Leszczynfki zu bestrafen unb zu verjagen. Diese Verjagung gelang ihm, her Papst sprach ihn sogar von seinem Eid, der seinen Verzicht auf Polens Krone festfehle, loS, aber wirklicher Herr von Polen ward er keineswegs, wie bie Folgezeit erweisen sollte. Immerhin zog er zu­nächst einmal mit all bem Pomp, her ihm Le- ben-bedürsnis war, in Thorn ein, erneuerte hier fein BünbniS mit Rußland, dann begann der Krieg von neuem. Mit 20 000 Sachfen, Polen und Russen brach August in Pommern ein unb bela­gerte im Verein mit ben Dänen Stralsund, wurde jedoch von dem schwedischen General Steen- b o cf nach Mecklenburg zurückgeworfen. Erst im Jahre 1713 gelang ihm ein Handstreich, nämlich die Eroberung vonStettin, aber danach erschien Karl XII. wie der Blitz aus heiterem Him­mel von neuem in den Landen südlich der Ostsee, und gleichzeitig hatte sich in Polen während der Abwesenheit Augusts die Partei de« Gegenkönig« LeSzczynski Derart verstärkt, daß c« zu einer offe­nen Verschwörung gegen den Sachsen kam, der sogar die polnische Kronarmee beitrat, so daß abermals alles für immer verloren schien. Zwei Jahre wütete in Polen der Bürgerkrieg, der Kampf zwischen der Sachsen- und der Leszczhn- ski-Partei, bi« August versprach, fortan in Polen nie mehr als 17 000 Mann Truppen zu halten, über die keineswegs er, sondern der Reichstag zu verfügen haben falle .... das heißt: er ver­zichtete klar und deutlich auf jeglicherlei absoluti­stische Ambitionen. Abermals zwei Jahre später kam cs zu Stockholm endlich zu einem Waffen- st i 11 st a n d mit den Schweden, deS Inhalts, daß beide Teile auf alle Ansprüche zu verzichten hät­ten: Schweden erkannte gleichzeitig August als den wahren König von Polen an, August selbst jedoch wurde auferlegt, dem Gegenkönig sozusagen als Abfindung eine Million Taler zu zahlen und zu dulden, daß jener wenigstens den Titel eines Königs weiterführe. Dieser Waffenstillstand wurde erst zehn Jahre nach seinem Abschluß in einen förmlichen Frieden umgewandelt.

Friede... Aber August der Starke gab für fich unb fein Haus keine Ruhe. Mit allen Mächten knüvste er Verhandlungen an, um ben polnischen Königsthron für bas Hau« "Wettin erblich zu

machen. Um die AuSfichten seines Sohnes auf die Krone zu festigen, bewog er diesen, gleich ihm zur katholischen Kirche überzutreten, iva« einen Sturm der Entrüstung uno der Furcht vor allgemeinem Zwang zu gleicher Konversion in Lachsen hervorrief. Daneben spukte immer noch der Traum von her deutschen Kaiserkrone für das Hau« Wettin. Der Erfüllung diese« Traumes näherzukommen, verheiratete er ben Kurprinzen Friedrich August mit der ältesten Tochter des Kaiser« Joses 1., der Erzherzogin Maria Josepha. Die in Dresden ftattfinbenbe Hoch­zeit verschlang ein Vermögen: ganz Europa staunte und raunte ob der Wunderdinge, die da­mals. im Jahre 1719, her sächsische Hof seinen Gästen an Festlichkeiten Darbet, obschon in man­chen LandeSteilen Rot unb Hunger den Tag, die Stunbe regierte ...

Immer beutlicher zu machen, hast seine gesamte Politik im Grunde eine Hauspolitik sei. bedacht auf Den Ruhm unb die Macht der Wettiner und derer, Die feinem Herzen persönlich nahe (tau­ben. versuchte er, seinem illegitimen Sohn, hem »M a r f a) a 11 von Sachse n" , Moritz, das Herzogtum Kurland zu verschaffen, erreichte es sogar, daß dieser zu Grodno einstimmig gewählt wurde. Kriegsdrohung der eifersüchtigen Rach- bardynastien zwangen ihn jedoch, später diese Wahl zu annullieren unb Moritz förmlich zu ächten...

Man sieht: nicht- von dem, was August der Starke sich erträumte ober al« reale Ausgabe an­griff, glückte ihm: seine Politik so gut wie die au« ihr resultierenden Kriege brachten Fehlschlag aus Fehlschlag. Dennoch ist seine Regierung für Sachsen und für Deutschland nicht ohne posi­tive Folgen geblieben: e« wird noch davon zu sprechen (ein. Die glanzvolle Stellung, di, Sachsen und Der Dresdener Hos zur Zeit Augusts dcS Starken in Europa einnahm trotz aller Demü­tigungen, hat das Land allerhing« schwere O p s e r gekostet. Die Prachtliebe de« Kursürsten- Königs, die Kriege, Die zahllosen (Beliebten, mit denen er in-gesamt 3 5 2 Kinder gezeugt haben soll, unb bie erpresserische Rassgier der vielen Günstlinge, von benen zum Beispiel Flemming allein bei seinem Tode ein 'Vermögen von 16 Millionen Talern hinterließ, dessen Hälfte aller- hing« August sosort der Witwe wieder entriß Da« alle« verschlang viel Wohlstand he« Lan­des. Der König konnte dagegen nur eine« zur Verteidigung anführen

Auch Ich habe mich nicht geschont ..

Und baS hat er wahrlich nicht getan . .. Mehr unb Heber noch al« her Frau Venu« hat dieser Fürst mit dem bärenstarken Körper, dieser deutsche Herkules dem Gotte Bacchus geopfert, hat sich oft Rächt für Rächt Im Kreise wilder Gesellen berauscht, am frühen Morgen aber diese Be­rauschung schon wieder überwunden. Derartige Debauchen", wie man solche Lebensführung da­mals nannte, vermochten es allerdings, selbst einen Herkules zu fällen selbst wenn man, ein besondere« Paradestück, einen Trompeter an­geblich auf Der Nachen Hand mühelos zum Fen­ster herauszuhalten vermag, kommt einmal die Stunde, da Der vergewaltigte Körper nicht mehr mitmacht. Im Jahre 1727 erkrankte August während einer Reise an einer Entzündung he« linken Schenkels: die große 3ebe ging in Brand über unb mußte amputiert werden. Man bat ihn, sich fortan zu schonen - er schlug alle Warnun­gen in den Wind, jagte von Fest zu Fest, von (Belage zu Gelage, bi-, als er 6 Jahre später zu Warschau weilte, der alte Schaden am linken Schenkel erneut ausbrach und sich jeder Heilung versagte, weil der allzu wild vergewaltigte Kör­per plötzlich keine Krastreserven mehr bergab. Der Brand kam hinzu, unb am frühen Morgen De« 1. Februar 1733, vor nunmehr zwei Jahr- bunberten, verschieb ruhig unb klaglos August her Starke ... Kurfürst, König, Kriegsmann, Herkule« ...

(Schluß folgt.)

Buntes Allerlei.

Oer Lärm von London.

Der Straßenlärm von London ist jetzt von Jn- aenleuren mit Hilfe eines fahrbaren 'Apparaten chftematifch ausgenommen worden Der Apparat ist so fein, daß er sogar das Geräusch registriert, das unser Atem hervorbriiigt. Der Zweck dieser Inter essanten Beobachtungen ist in erster Linie dcr, die ruhigsten Stellen in der Großstadt sestzustellen, da­mit sie zur Errichtung von Wohnhäusern bevorzugt lucrben können. Außerdem ist es aber überhaupt für den Baumeister wichtig, den Grad des Lärmes zu missen, der an einer Baustelle im Durchschnitt vorhanden ist, um Schutzvorrichtungen für das Ge bciude in entsprechendem '-Blaße vorzusehen. Man will auch damit die Unterlagen gewinnen, um den Lärm besser zu betämpfen, der nach einer ungefähren Schatzung Britannien im Jahr eine Milliarde Mark kosten soll. Das Ergebnis war, daß London ini all­gemeinen ruhiger ist als Reuyork Die geränsch vollsten Stellen, die man aufnahm, hatten nach der allgemein anerkannten Lärmeinheit, dem Dezibel, durchschnittlich h3 Dezibel auszuweisen. Die Wohn viertel des Westen mären natürlich viel ruhiger als die belebten Berkehrsstraßen der Eity. Im Re- gents Park wurde eine v-rhältnismäßig friedliche Stille mit 48 Dezibel festgestellt Zum Vergleich fei angeführt, daß der Härm eines Straßenbahnwagens 87 Dezibel betrug und das Gebell eines Hundes mit 63 Dezibel aufgezeichnet wurde. Der Lärm ist für das menschliche Ohr um so unerträglicher und schäd­licher, je höher die Töne sind.

Abenteuer wie imFilm.

Daß sich eine Französin nicht so ungestraft nach der berühmten englischenEheschmiede' von Gretna Green entfuhren lassen kann wie bie englischen jungen Damen, bas zeigt eine Ge­schichte. bie mit Der Rückkehr her Tochter ins Elternhaus unb her Verhaftung beS Entführers enbete. Gin früherer österreichischer Offizier, ele­gante Erscheinung unb vortrefflicher Tänzer, hatte in ben besten Pariser Gesellschaftskreisen Zutritt gefunben, unb er eroberte (ich baS Herz einer 17jährigen Pariserin, bereu Eltern (ehr reich

unb ange(ehen (inb. Eines schönen Morgens kam Die junge Dame von einem AuSgang nicht wie­der, unb vergeben« forschten die Eltern nach ihrem Verbleiben. Die romantische Kleine war unterbeffen von Dem österreichischen Don Juan im Flugzeug entführt worbe» Der mit ihr nach Gretna Green eilte, wo Der SchmieD die beiden als Paar zusammengab. Die romantische Liebes­geschichte endete nämlich, wie viele Derartige Abenteuer, Damit, baß bem Entführer bas Geld, auSging. Rachbem er Die Juwelen seiner jungen Frau in Manchester versetzt holte unb auch Diese« GelD verbraucht in ar, ließ et st an, Die Eltern telegraphieren. Der Vater erfuhr erst dadurch von Dem Aufenthalt seines KinDes unD bewirkte Durch den französischen Konsul und Die Polizei bie Rücksendung seiner Tochter Rach französischem Gesetz war sie gar nicht verheiratet Als her Oesterreicher nach Paris zurückkam, wurde er wegen Entführung einer Mini haftet.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schristleitung.)

B. in )k. Ein eiserner Ofen, der transportabel >,! also mit Leichtigkeit von einem Zimmer in ein anderes versetzt werden kann, ist nicht als Bestand teil eines Grundstücks anzusehen, denn nach § 9 > dec» 'Bürgerlichen Gesetzbuchs gehören zu den Bestand­teilen eines Grundstücks solche Sachen nicht, die nur zu einem vorübergehenden Zwecke mit dem Grund und Boden verbunden und ebensowenig Sachen, bu1 nur zu einem vorübergehenden Zwecke in ein Ge bciude eingefügt sind. In manchen Gegenden, 1. B im Rheinland, ist es sogar üblich, daß der Mieter seine Defcn selbst mitbringt und bei einem Auszug wieder entfernt, wobei die Festigkeit der bisherigen 'Verbindung feine Rolle spielt.

Sprechstunden dcr Redaktion.

11.30 bi, 12.30 Uhr, 16 bie 17 Uhr. Samelag nachmittag geschlossen.

rat nb

M- ei ta­tst, um ich aS er stie

dl

ort m* uS in* ein ar. rhe (an zen ber De« rig em len cu* wt

>ic-

ter Die nb- nn, nie. 200 irb. )(en IUI ge.

ier ,'EN-

Un­ten, Ar. )en, rge ilcn nge

teil er­

litte nch mit

oelt tuS rke,

«- um er­be- ter* um leit tol­

le«* DaS für

)ler her wel an* nS- »r - e n af- Ifen

oel» äet- iad) ii ch "gS iber

chen ab*

gern sich ter* )er-

unb fen.

*ad> unb tilb,

trab lens

cm

mm.