Ausgabe 
1.2.1933 Frühausgabe
 
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zu Ehren des Reichspräsidenten und des neuen Reichskanzlers findet in der Pariser Presse außer­ordentlich starke Beachtung. Die Blätter weisen darauf hin, daß man in Berlin seit den August­tagen von 1914 eine derartige Massenbegeisterung nicht mehr gesehen habe.Matin" schreibt u. a. das; der Borbeimarsch vor dem Präsidentenpalais und der Reichskanzlei einen erhebenden Eindruck von patriarchalischer Frei­heit gemacht habe. Die Hände von Tausenden von Männern, Frauen und Kindern hätten sich unter den Klängen des Deutschlandliedes wie ein Wald gen Himmel erhoben. Wenn man morgen in allen Blättern der Welt Bilder von der begei­sterten Kundgebung sinden werde, werde man darin sicherlich die Lehre Hitlers wiederfinden, nach der das Gefühl ein wichtiger Bestandteil sei, um ein Volk zu regieren.3ournal" bezeichnet die Begeisterung als geradezu übermenschlich. Auch er spricht von dem geschichtlichen Tag, der mit den Augu st tagen von ^^vergleich­bar sei. Man habe den Eindruck gehabt, als ob die nach Tausenden zählende Menschenmenge sich plötzlich auf die Knie werfen werde, um dem Herrgott zu danken. Selbst die Polizei fei von der Begeisterung mitgerissen worden. DerPetit Parisien" bezeichnet den 30. Januar als den Tag des nationalen Deutschlands, den Tag, an dem das nationale Deutschland die Führung des Lan­des aus den geschwächten Händen der linken und gemäßigten Parteien übernommen habe. Die Wei­marer Zeit sei abgeschlossen. Ein neuer Ab­schnitt der deutschen Politik beginne.

Amerikanisches Presseecho.

Reuhork, 31.3an. (SU.) Die Bildung des neuen deutschen Kabinetts stellt in Amerika das Hauptereignis des Tages dar. Die Blätter neh­men in eingehenden Leitartikeln sämtlich zur neuen Lage Stellung. So bezeichnet dieH e r a l d Tribüne" die iy>ue Regierung als ein Ratio­nalkabinett, während andere Blätter von einer reaktionären Minderheitskoalition, die lediglich aus Verfassungsfeinden bestehe, sprechen. Der Sieg der Rationalsozialisten sei theatralisch, der Sieg der Reaktion dagegen Überwältigend. Das Dritte Reich sei aber noch in weiter Ferne. Die Re wyorkTimes" hegt gegenüber dem neuen Reichskabinett ebenfalls einige Befürchtungen, weil nunmehr dieses von einem Manne geleitet werde, der der Republik den Kampf angesagt habe. Das Blatt sieht jedoch in der starken Per­sönlichkeit Hindenburgs eine gewisse Garantie. 3m übriaen ist es aeneigt, weitere Ergebnisse des gefährlichen Abenteuers", als das sich die Ka­binettsbildung nach Ansicht des Blattes darsteltt, abzuwarten. Das Blatt schließt mit der Hoffnung, daß der deutsche Ordnungssinn den Fortbestand der Republik sichern werde.

Hitlers Dank an dieNGOAp.

Berlin, 31. 3an. (ERB.) Unter öerUebcr- schriftDer Dank des Führers" veröffentlicht derDölk'.sche Beobachter" folgende Kundgebung des Reichskanzlers an die NSDAP.:

..Rationalsozialisten! Rationalsozialistinnen! Meine Parteigenossen und Genossinnen! Ein 14- jähriges, in der deutschen Geschichte wohl bei­spielloses politisches Ringen hat nunmehr zu einem großen politischen Erfolg geführt. Herr Reichspräsident v. Hindenburg er­nannte mich, den Führer der nationalsozialisti­schen Bewegung, zum Kanzler des Deutschen Rei­ches. Rationale Verbände und Parteien schlossen sich zum gemeinsamen Kampfe für Deutschlands Wiederauferstehung zusammen.

Die Ehre vor der deutschen Geschichte, nun­mehr an diesem Werke führend teilnehmen zu dürfen, verdanke ich neben dem großherzigen Entschluß des Generalfeldmarschalls eurer Treue und Anhänglichkeit, meine Parteigenossen. Daß ihr mir in trüben Tagen genau so unerschütterlich gefolgt seid, wie in den Tagen des Glückes und treu geblieben seid nach schwersten Niederlagen, dem allein verdanken wir diesen Erfolg.

Ungeheuer i st d i e Aufgabe, die vor uns liegt! Wir müssen sie lösen und wir werden sie lösen! An euch, meine Parteigenossen, richte ich nur die eine große Bitte: Gebt mir euer Vertrauen und eure Anhänglichkeit

Irische Gtadie.

Bon Franz Fromme

Der deutsche Reisende, der Irland besucht, pflegt merst in G a l w a y zu landen, schon aus Gründen der Bequemlichkeit Seitdem der Norddeutsche Lloyd im Jahre 1926 seine Amerikadampfer diesen Hafen der irischen Westküste anlaufen läßt und die Hapag seinem Beispiel folgte, ist die Fahrt von Deutschland nach Irland zu einem angenehmen Aufenthalt auf großen Dampfern geworden, die einem die Durchrüttelung und den Ruß der Eisen­bahnfahrt ersparen und uns die irische Küste zu­nächst in ihrer landschaftlichen Schönheit zeigen.

In Galway tritt einem aber die Tragik des irischen Schicksals entgegen: Begünstigung durch die Natur, Zerrüttung durch die Geschichte. Galway ist einer der am günstigsten gelegenen Häfen Euro­pas. Keine nordeuropälsche Stadt liegt Amerika so nahe. Aber welchen Verfalls wird man ansichtig, wenn man die Innenstadt betritt! In den grauen, engen Straßen stehen zwischen den Wohnungen traurige Ruinen aus neuer Zeit, Häuser ohne Dächer, Mauern, aus denen das Gras wächst, Fenster, aus denen trostlose Leere gähnt Nur wenige Schiffe sieht man im Hafen und auf der Reede. Einst, in der Blütezeit Spaniens, eine lebhafte Hafenstadt, ist Galway seit Jahrhunderten von der alten Höhe ge­sunken, eine Folge britischer Politik. Wenn der Luft­verkehr zwischen Europa und Amerika regelmäßig wird, ist ein neuer Aufschwung für die Stadt zu hoffen. Freundlich im Grünen liegen feine Vororte, und wer sich noch eine Sommerfrische nach englischem Zuschnitt leisten kann, hat nicht weit nach den male­rischen Küstenlandschasten von Connemara. Wer aber Land und Leute kennen lernen will und mit seinen Mitteln haushalten muß, der tut am besten, ostwärts nach Dublin zu fahren, billiger und ge­nußreicher mit Autobussen als mit der Eisenbahn.

Mehr noch als früher hat sich das Leben Irlands auf diese Hauptstadt verdichtet, Politik und Wirt­schaft, Kunst und Wissenschaft, Sport und Vergnügen. Das Tempo ist gemäßigter als in deutschen Groß­städten. Wohl lassen die Verkehrsmittel nichts zu wünschen übrig; die Elektrischen fahren häufig und rasch, und Autobusse gibt es in fast unübersehbarer Zahl; dabei ist das Fahren billig, schon für einen Penny (6 Pf.) kann man eine ansehnliche Teilstrecke zurücklegen. Aber der Pulsschlag des Lebens ist nicht so hastig wie bei uns. Er hat etwas von neapoli­tanischem , Dolce far niente". Liegt es am milden Golfstromklima, am eigenartigen Menschenschlag,

in diesem neuen und großen Ringen genau so wie in der Vergangenheit, dann wird uns auch der Allmächtige seinen Segen zur Wiederaufrichtung eines Deutschen Reiches Der Ehre, der Freiheit und des sozialen Friedens nicht versagen .

Berlin, 30. 3anuar 1933.

(gez.) Adolf Hitler.

Eine Kundgebung des ^eichsbundes Deutscher AngestelltenberusSverbände.

Berlin, 31.3an. (SU.) Der Reich-, bund Deutscher Angestellten - Berufsverbände erläßt einen Aufruf, in dem es u. a. heißt: Die Spitzen­organisationen der sozialistischen, zentrümlichen und Hirsch-Dunkerschen Gewerkschaften haben eine gemeinsame Erklärung erlassen, welche die Reichs­regierung beschimpft und mittelbar mit einerGe­samtaktion" aller Gewerkscha.te r droht. Die na­tionalen Angestellten stehen nicht hinter den Gewerkschaftsführern um Leipart, Aufhäuser und Bechly, sondern hinter den Männern der neuen Reichsregierung hinter den Führern des nationalen Deutschlands. Wir er­klären deshalb, daß wir mit ganzer Kraft für die neue Regierung Hitler- Hugenberg-Seldte eintreten werden. Wir erklären, daß wir in jedem unseren Gegner sehen müssen, der den traurigen Versuch macht, die Arbeit der neuen Reichsregierung zu stören. Erfolglose Generalstreikhehe

im Ruhrgebiet.

Essen, 31. 3an. (SU.) Die kommunisti - s ch e Presse des Ruhrgebietes veröffentlicht einen Aufruf der Bezirksleitung der KPD., in dem es u. a. heißt. Legt die Betriebe still! Ant­wortete sofort auf den Anschlag der faschistischen Staatsstreichler mit dem Streik, mit dem Massen­streik, mit dem General st reik! Auch in Flugblättern fordern die Kommunisten zum Ge­neralstreik auf. Irgendwelche Auswirkungen der kommunistischen Generalstreikhetze und irgend­welche Unruhen besonderen Ausmaßes sind je­doch an keiner Stelle des Ruhrgebie­tes f e st z u st e l l e n. 3n Essen sind die für Mittwoch angekündigten kommunistischen Kund­gebungen vom Polizeipräsidenten verboten worden.

Die sozialdemokratische Presse des Ruhrgebiets erklärt zu der kommunistischen Gene­ralstreikhetze u. a., die deutsche Arbeiterklasse werde den Parolen der KPD. nicht fol­gen. Das sei sicher. Sozialdemokratie und freie Gewerkschaften stünden auf der Wacht. Sie be­trachten den Generalstreik nicht nach dem Muster der Kommunisten als eine billige politische Re­klameangelegenheit. Für sie bleibe der General­streik ultima ratio.

Kommunisten versuchten Dienstag morgen auf verschiedenen Zechenanlagen des Aachener Steinkohlenreviers die Belegschaftsmit­glieder von der Arbeit fernzuhalten und sie zu einem Streik zu bewegen. Die Belegschaften sind jedoch mit einigen ganz wenigen Ausnahmen re ft los eingefahren. 3n Herzogenrath sperrten etwa 30 Kommunisten den Eingang der HerzogenratherGlaswerke und rer uch- ten, die Arbeiter von der Arbeit fernzuhalten. Landjägerei und Polizei mußte eingesetzt werden. Da die Demonstranten sich den Anordnungen der Beamten nicht fugen wollten, wurdenS hreckschüsse gegen sie abgegeben. Schließlich gingen die Be­amten auch mit dem Gummiknüppel gegen die Demonstranten vor. Verletzt wurde niemand. Sechs Kommunisten wurden verhaftet. Die Belegschaft der Glaswerke ist vollzählig angetreten.

Ernste Zusammenstöße in Breslau.

Breslau, 31. 3cm. (WTB.) Zwischen Rationalsozialisten und Kommuni­sten kam es nach Demonstrationen zu Schläge­reien. Zwei SA.-Leute wurden verletzt; drei Per­sonen wurden festgenommen. Zu einem weiteren schweren Zusammenstoß kam es zwischen Kornmu nisten und Schutzpolizei. Meh­rere Anhänger der KPD. hatten sich zusammen­gerottet. Zwischen den Demonstranten und dem Publikum kam es bald zu Auseinandersetzungen, wobei die Kommunisten eine Schaufensterscheibe

Der Fackelzug der Berliner SA. und des Stahlhelms durch die Wilhelmstraße am Abend des 30. Januar.

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zertrümmerten. 3n dem Bericht der Polizeipresse­stelle heißt es:Da sich die Lage äußerst be­drohlich gestaltete, gaben die Polizeibeamten einige Schreckschüsse ab. Die Menge lief ausein­ander. Die Polizei ging über die Büttnerstraße nach der Rikolaistraße vor und säuberte diese Straßen. Als sich die Polizeibeamten auf der Rikolaistraße befanden, fielen hinter ihnen einige Schüsse. Rach Aussage von Zivilpersonen fielen diese Schüsse a us den Reihen der kommunistischen Demon­stranten. Durch einen dieser Schüsse wurde der Steinrammer Waßner getötet. Der Schuß war in das Herz eingedrungen und hatte den sofor­tigen Tod herbeigeführt. Waßner ist nach Aus­sage von Zeugen im ADGB. organisiert."

Das Echo in Bayern

München, 31.3an. (ERB., DerBaye­rische Kurie r, das Blatt der Bayerischen Volkspartei, schreibt zur Ernennung des Hitler- Kabinetts: Die Stellungnahme des Herrn Reichs­präsidenten am 21. Rovember sei zu eindeutig und nachdrücklich gewesen, als daß heute die Meinung aufkommen könne, Hindenburg habe seine Auf­fassung geändert. Das Kabinett, das er am Mon­tag berufen hat, kann nur ein parlamenta­risches Mehrheitskabinett sein. Es bleibt zunächst abzuwarten, wie der neue Reichs­kanzler jene Erfordernisse erfülle, die ihm der Reichspräsident zur Voraussetzung der Betrauung machte. Es bleibe abzuwarten, ob er eine sichere parlamentarische Mehrheit gewinne und ob er im­stande sei, dem Parlament wieder jene arbeits­fähige Mehrheit zu sichern, die die Bedingung für seine Berufung darstelle.

DieM ünchener Reuesten Nach­richten schreiben: Wir haben in den letzten Mo­naten einen beispiellosen Verfall der staatlichen Ordnung gesehen. Darf da eine andere Hoffnung in uns leben, als jene, daß es den neuen Männern gelingen möge, diese 2le r a abzuschließen? Als ein riesiger Berg liegt vor der neuen Regierung das größte wirtschaftliche Problem unserer Tage, die Ar­beitslosigkeit, deren wirksame Bekämpfung keiner ihrer Vorgängerinnen möglich war. Das Kabinett Hitler wird sich dessen bewußt sein, daß nichts ihm so viel Vertrauen erwerben könnte wie Erfolge, die es hier zu erzielen vermöchte. Hier darf niemand ihm die tätige Mit- arbeit verweigern. 3m Kampf gegen Not und Hunger darf es keine Parteien geben. Hier

muß gezeigt werden, ob der Kritik so vieler 3ahre ein besseres Können entspricht. Dann wird kein Deutscher ihm den Dank verweigern, den zu ver­dienen fein erstes Bestreben sein soll.

Aus aller Welt.

Theaterskandal in Elbing.

3n Elbing ereignete sich ein Theaterskandab« Es sollte die ReichswehrkomödieKrach um Leutnant Blumenthal" von dem Elbinger Autor Alfred Herzog zur Aufführung kommen. Das Theaterpuvlikum behinderte die Aufführung. Als der Verfasser zu Beginn des Stückes vor dem Vorhang erschien, wurde er mit ohren­betäubendem Pfeifen und 3 o h l e n empfan­gen. Der nationalsozialistische Gauorganisations­leiter Dargel verschaffte sich Gehör und erklärte, es sei ein SchandstuA das d i e Reichswehr herabwürdige. Als die Polizei ihn nm Reden hindern wollte, erklärte er weiter, daß die Pockzei die Ehre der Reichswehr in den Schmutz ziehe, wenn sie diese Aufführung zulasse. Auch vor dem Theater erhob sich ein wilder Tumult. Die Menge zerstreute sich erst, als die Theater­leitung das Versprechen' gab, daß das Stück nicht aufgeführt würde.

verheerendes Großfeuer in der Oberpfalz.

Ein Großfeuer hat in Waidhaus (Ober­pfalz) vier Gehöfte vollkommen in Schutt und Ajche gelegt. Die Wohnhäuser, Scheunen und Neben­gebäude sind sämtlich vernichtet. Auch die Scheune des Bürgermeisters Karl wurde ein Raub der Flammen. Als Ursache der Katastrophe wird Brand­stiftung angenommen. Dem Brande ist auch ein Menschenleben zum Opfer gefallen. Der 23jährige unverheiratete Landwirtssohn Fuchs ist in einer Scheune verbrannt.

Englischer Flieger tödlich abgestürzt.

Der zur Kur in St. Moritz weilende englische Flieger R o d d, der über einem zugefrorenen See Kunstflüge ausführte, ist mit dem Schweizer Sportsmann S ch a e r als Passagier auf das Eis abge stürzt. Rodd ift tot, Schaer wurde schwer verletzt.

Wegen Mordes zum Tode oerurteilt.

Das Schwurgericht in Kiel verurteilte den Land­arbeiter Pohl mann zum Tode und dauernder Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Der Ver­urteilte hatte einen Arbeitskollegen ermordet, offenbar, um sich dessen Papiere anzueignen.

der Ire des Südens hat nicht den Bienenfleiß des Deutschen, nicht die Betriebsamkeit des Schweizers, nicht die Dollarsucht des Nordamerikaners. Gern gibt er sich einem beschaulichen Leben hin. Die große Zahl der Kirchen und Klöster legt Zeugnis Dafür ab. Zwei der ältesten und schönsten Gotteshäuser frei­lich, St. Patrick und Christ Church, noch aus dem Mittelalter, haben die Engländer den Katholiken vor wenigen Jahrhunderten weggenommen und für ihre protestantische Kirche, eingerichtet, die hier Church of Ireland heißt

Aber so beschaulich einen das Dubliner Leben auch anmuten mag, mit den Männern, die an den Kais des Liffey stehen und plaudern, als wäre hier Santa Lucia, mit den unzähligen Kindern, die auf der Straße spielen leicht kann sich die Szene ändern. Ein gewöhnlicher Bierwagen kommt gefahren, völlig leer, hält mitten auf einem Platz und wird plötzlich die Plattform für Volksredner und -rednerinnen, um die sich die Menge schart. Und da bricht aus diesem unbekümmerten Volk etwas hervor, das ihm der Fremde zunächst nicht ansieht: Haß, unbändiger Haß gegen England, den uralten Unter­drücker. Dieser Haß wird von alt und jung, hoch und niedrig geteilt. Da steht die junge Tochter des Arbeiterführers neben der greifen Schwester des Feldmarschalls Fr euch; beide predigen den Boy­kott britischer Waren: Kauft keine englischen Stoffe für eure Kleidung, kauft irische Erzeugnisse! Kauft lerne englischen Kohlen, kauft deutsche Kohlen! Geht in kein Kino, das noch englische Filme gibt, und euch das Bild des britischen Königs zeigt!

Frauen haben in der irischen Freiheitsbewegung von jeher eine große Rolle gespielt. Ist man bei echten Iren zu Gast, so hört man oft, baßtie Hälfte aller Anwesenden wegen ihrer Ueberzeugung in den Stertern Englands und seiner Helfershelfer ge­schmachtet bat besonders die Frauen. Sie haben nicht nur Reden gehalten und verbotene Schriften verteilt oder versteckt, sie haben in den ununterbro­chenen Kämpfen von 1916 bis 1923 Waffen ver­borgen, Munition getragen und selbst auf den Barri­kaden gekämpft. Eine der Führerinnen der Dubliner Ostererhebung (1916) war Constance Gore- Booth, eine angloirische Adlige, gewöhnlich nach ihrem Gatten die Gräfin Markiewicz genannt Sie wurde mit rauchendem Revolver von den Eng­ländern gefangen genommen und wohl nur des­wegen geschont, weil England um die Hinrichtung von Miß Cavell durch die Deutschen so viel Ge­schrei gemacht hatte und nun nicht gut dasselbe tun konnte, was es den Deutschen vorgeworfen hatte- eine Frau hinrichten!

Bekanntlich genügt der Freistaat, den das britische Imperium 1922 den Iren zugestand, der Mehrheit des irischen Volkes noch nicht Die jetzige irische Re­gierung unter de Valero verweigert dem britischen Könige den Eid und den englischen Großgrundbe­sitzern die Jahreszahlungen, weil England dös irische Land einstmals den irischen Clans mit Gewalt weg- genommen hat. Der Kampf um die Freiheit, an den es in Dublin so viele (Erinnerungen in Wort und 'Bilö, in Sang und Sage gibt, wird heute mit wirt- ichoftlichen Waffen ausgetragen, mit Boykott und Zoll, überall in den 26 Grafschaften, aus denen der irische Freistaat besteht.

Sechs irische Grafschaften im Nordosten aber ge­hören ja nicht dazu. Sie bilden einen Sonderstaat, der in engerer Verbindung mit England geblieben ift: wenn man die Grenze zwischen den beiden iri­schen Staatsgebilden überschreitet, findet eine Zoll- unö Paßrevision statt. Aber von diesen sechs Graf­schaften Ulsters wünschen zwei den Anschluß an den Nischen Hauptstaat, weil sie wie dieser überwiegend katholisch sind. In den übrigen vier ist die Mehrheit protestantisch.

B e l f a st, die Hauptstadt dieses britischen Son« derstaates, hat auch ein ganz anderes, moderneres, nüchterneres Gesicht als das beschauliche, poetische Dublin; es ist rasch gewachsen, von einem Dorfe zu einer Großstadt mit vielstöckigen Geschäftshäusern. Textilindustrie und Schiffbau häuften hier im Laufe eines Jahrhunderts fast eine halbe Million Men­schen an, und während im südlichen Irland ein starker Kleinbürgerstand vermittelnd zwischen Wohl­habenden und Proletariern steht, sind hier in Belfast die Gegensätze zwischen arm und reich schroffer. Die Weltkrisis hat diese Stadt besonders hart getroffen. Die großen Werften, die einst Ozeanriesen wie d^e Titanic" bauten, liegen still und suchen einen Rest von Arbeitern mit Reparaturen zu beschäftigen. Die Unzufriedenheit wächst und macht sich, wie im Oktober v. I., in Aus- und Aufständen stürmisch

Ohne Zweifel würde sich die wirtschaftliche Lage Nordirlands bessern, wenn der natürliche Zusam­menhang mit dem übrigen Irland nicht durch di- Zoll- und Staatsgrenze zwischen Nord und Süd zerschnitten würde. Aber die Protestanten, die in Nordirland die Mehrheit bilden, wollen nicht in die Minderheit kommen (was bei einem Aufgehen dieser sechs Grafschaften in den übrigen 26 geschehen würde).

Auch würde Belfast, jetzt eine stolze Hauptstadt, die kürzlich von England mit dem Prachtbau des

Regierungspalastes Stormont beschenkt wurde, sich dem älteren und berühmteren, aber minder be­völkerten Dublin wohl schwerlich unterordnen; es will Hauptstadt bleiben. Vor allem wird England nicht darein willigen, die beiden Teile Irlands zu einem unabhängigen Gesamistaat zusammenzu­schließen. Es wird alles tun, was den nordischen Sondergeist in seiner Eigenart fördert, vor allem seinen Protestantismus, der vielleicht auch mit der mehr nordischen Rasse der eingewanderten Bevölke­rung zusammenhängt.

Zeitschriften.

3m Februarheft von Westermanns Monatsheften würdigt ein Aufsatz von Wolfgang F o e r st e r die Verdienste des Ge­neralfeldmarschalls und ehemaligen Chefs des Generalstabes Graf Schlieffen. Ueber Kartelle. Monopole und freie Konkurrenzwirtschaft schreibt Dr. Erich Carell. Prof. Dr. Max 3. Wolff be­handelt das ungemein wichtige und zeitgemäße ThemaSiedlung und Aussiedlung". Unter ver­schiedenen anderen Abhandlungen heben wir be­sonders hervorRokoko auf der Straße" von Prof. Dr. Max Eisler,Richard Wagners Sturm­jahre" von Dr. Anton Mayer,Träumereien vom Münchner Fasching" von Franz Langheinrich, dann die HumoreskeDer Barschkopf" von Tor- nius und die NovelleGroßvaters Bild" Don Gustav Halm. Auch auf den Artikel von Ismar LachmannFrauen auf wissenschaftlichen Lehr­stühlen" möchten wir besonders aufmerksam ma­chen.

Oochscbulnacknchten.

Professor Dr. Volhard, Direktor der Me­dizinischen Universitätsklinik in granff urt am Main, ist von der Pariser Universität (Sor­bonne) zum Dr. mcd. h. c. ernannt worden.

Der dermatologische Lehrstuhl an der Universität Nostock wurde Professor Dr. Emil Zur Hel le von der holländischen Universität Groningen angeboten.

Der Rostocker geographische Lehrstuhl wurde dem a. o. Professor Dr. Otto Jessen von der Uni­versität Köln angeboten.

Das Ordinariat für römisches und deutsches bür­gerliches Recht an der Universität Königsberg wurde dem Wiener Ordinarius' Professor Dr. Friedrich von Woeß angeboten.