Nr. 255 Erstes Matt
189. Jahrgang
Dienstag,Zl.OHober 1959
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Prüft und Verlag: vrühlsche UniverfitStrdnickerei «.Lange In Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7
Annahme von Anzeige» für die Mittagsnummer vis 8‘/,Uhr des Vormittags
Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrist nach vorh.Dereinbg.250/, mehr.
Lrmähigte Grundpreise:
Steilem, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen. Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags -etlagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - DieScholle Monats-Vezugspreir:
Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr . e -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanschlüffe
unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Gießen
Poftschecttonto:
Zranksurt am Main 11686
Deutsche U-Boote in Nordsee und Atlantik.
Don Fregattenkapitän z. D. Mohr.
Seitdem England die Lehre vom Seebeute- krieg ausgestellt hat, die es in seinen Seekriegen der letzten Jahrhunderte rücksichtslos angewendet hat, und seitdem es im Weltkriege unter Mißachtung bestehender Verträge und Verletzung des Völkerrechts gegen den Gegner den Wirtschaftskrieg ins in seine letzten Konsequenzen geführt hat, bleibt demjenigen, der gegen England kämpft, nichts anderes übrig, als mit gleichen Waffen zurückzuschlagen. Wie wirksam der deutsche Angriff auf die wichtigen englischen Seeverbindungen
Am Diesen st euer eines U-Bootes während des Tauchens. (Pressebild-Zentrale-M.)
tit, haben die deutschen Seestreitkräfte bereits in den ersten Wochen des Krieges erwiesen. Im Deren mit der Luftwaffe, die wertvolle Aufklärung lüstet und chren Angriff mit großem Erfolg vor- dägt, übt die deutsche Flotte im Nordseeraum einen starken strategischen Druck aus.
Aber ein verhältnismäßig geringer Teil des nach mü von England laufenden Seeverkehrs gehl über diese Routen. Heber 60 Millionen Tonnen der bti- ttchen Einfuhr werden auf den atlantischen «eewegen zum Mutterland befördert. Hier gilt es, den Hebel anzusetzen, und hier wird er angelegt, wie die Ereignisse fett Kriegsausbruch gezeigt heben. Welche Möglichkeiten besitzt nun aber das H-Boot für die Führung des Handelskrieges und welche Eigenschaften stehen ihm dabei helfend zur Seite?
Die Hauptwaffe der U-Boote ist seine Un- ji ch t b a r k e i t, die ihm das im Kriege so wich- iee Moment der Ueberraschung sichert, und feine Allgegenwart, die den Gegner zwingt, in allen Seegebieten und zu jeder Zeit mit seinem Auftreten zu rechnen. Um sich einer vorzeitigen Entdeckung zu entziehen, für die dem Gegner Un- lerwassergeräuschempfänger zur Verfügung stehen, hotte die Technik die Aufgabe zu lösen, sämtliche wräusche bei der Unterwasserfahrt auf ein Min- dkstmaß zurückzuführen, den besonders verräteri- I5en Ausstoß-Schwall bei den Mit Preßluft abge- Ilhossenen Torpedos zu beseitigen und die Laufbahn tes Torpedos blasenlos zu machen.
Die ist heute die "Lage? Wieder hat England tos den Wirtschaftskrieg erklärt und versucht, einen 8'ockadering um uns zu legen. Wie vor 25 Jahren scheint das Jnfelreich auf den militärischen Krieg verzichten und uns wirtschaftlich erdrosseln zu wollen. Die Versorgung Deutschlands mit den meisten Tütern ist aber durch den offenen Osten und Südasien gesichert, abgesehen davon, daß die Wirtschaft sich durch Herstellung von Ersatzstofsen zu einem Swßen Teil von der überseeischen Einfuhr unab- :! hängig gemacht hat.
Der Handelskrieg bewegt sich im Rahmen der all- \. Mein gültigen Normen des Seekriegsrechtes und küßt sich auf das Seebeuterecht, das es zuläßt, Endliche Handelsschiffe und feindliches Gut auf sriadlichen Handelsschiffen zu nehmen. Neutrales i 6nt auf neutralen Schiffen dagegen ist frei, sofern •5 nicht Banngut ist. Banngut sind alle Gegen- könde, die unmittelbar und mittelbar zur Führung le- Krieges verwendet werden können. England tat in feiner Banngut-Liste den Rahmen so weit i pogen, daß sie fast alle Güter umfaßt, die m das Leben der Nation erforderlich sind. Damit Jjri es den Krieg nicht nur gegen die bewaffnete A^cht Deutschlands, sondern gegen das ganze deut- tz Volk.
Auf der anderen Seite wird England natürlich tw im Weltkriege feine Handelsschiffe zu Gele i t- jügen zusammenfassen und diese durch Knegs- Wgeleil zu schützen versuchen. Derartige Gelett- hatten damals eine Stärke bis zu 40 Schiffen, «e in drei Kolonnen möglichst eng aufgeschlossen
Mjren und durch Zerstörer und ältere Kreuzer als Vorhut und Seitendeckung gesichert wurden. Wenn diese Sicherung auch einen gewissen Schutz gewährt, jo bietet andererseits die Zusammenballung so vie- ler Schisse bei entsprechender Angriffstaktik ein ®U-n r J?-ß s ^n9rUfsobjeft, zumal sich im Knegschiffgeleit fahrende Handelsschiffe allen Gefahren des Krieges aussetzen.
Eine weitere Gegenmaßnahme besteht in der B e- waffnung der Handelsschiffe. Diese ist von der britischen Admiralität bereits lange vor Ausbruch dieses Krieges vorbereitet worden, indem die Schiffe die zum Einbau von Geschützen erforderlichen Unterbauten und dergleichen erhielten, die Geschütze bereitgestellt und die Geschützbedienungen systematisch ausgebilbet wurden. Entsprechend der Weltkriegspraxis soll die Bewaffnung dazu dienen, offensiv gegen U-Boote vorzugehen, die solche Schiffe zum Anhalten auffordern. Die
deutschen U-Boote haben seit Kriegsbeginn den Handelskrieg streng nach den gültigen Regeln des Seekriegsrechtes geführt. Wenn aber feindliche Handelsschiffe bewaffneten Widerstand leisten, so sind unsere U-Boote nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, den Widerstand mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu brechen. Alle Verluste, die dabei auftreten, gehen ausschließlich auf das Konto. der britischen Regierung, der eine solche Verschärfung der Handelskriegftihrung zur Last fällt.
Die deutsche U-Bootswaffe hat im bisherigen Verlaufe des Krieges bewiesen, daß sie — neben ihren großartigen militärischen Erfolgen — in der Lage ist, die Versorgung der britischen Insel mit lebenswichtigen Gütern erheblich zu stören. Schon jetzt beginnt England diese Schläge zu spüren. Und das schon nach wenigen Wochen Krieg!
Als Prise in Seenot von den Engländern in Stich gelassen. Was norwegische Schiffe in Kirkwall erleben mußten.
Oslo, 30. Okt. (Europapreß.) Auf der Heimreise nach Schweden trafen am Sonntag 17 Mann der Besatzung des schwedischen Schiffes „W a n j a" in Oslo ein. Während ihres kurzen Aufenthaltes gaben sie einen Bericht über die Behandlung, die ihnen durch die englische Marine zuteil wurde, der auch in Norwegen Aufsehen erregt.
„Wir waren von Florida nach Schweden unterwegs", heißt es in dem Bericht, „als wir in der Nähe der Shetland-Inseln von einem englischen Kriegsschiff gefloppt wurden, das uns eine Prisenmannschaft an Bord setzte und unser Schiff nach Kirkwall beorderte. Englische Marineoffiziere Übernahmen den Befehl, brachten es jedoch fertig, unser Schiff, noch dazu bei Hochwasser vor Kirkwall auf Land zu rennen. Ein englisches Marinefahrzeug versuchte uns vom Grund abzubringen. Als dies mißglückte, verließ auch die Prisenmannschaft unser Schiff und ließ uns einfach im Stich. Die Engländer hatten bei uns an Bord erfahren, daß mir kaum noch Proviant hatten. Aber wir hörten nichts mehr von ihnen. Sie sandten uns weder Schiffshilfe, noch Proviant. Drei Tage lang warfen mir Ladung über Bord, um selber wieder flottzukommen. Inzwischen kam ein neuer Sturm, und wir mußten auch diese Arbeit aufgeben. Mit Hilfe von Rettungstauen mußten wir uns selber an Land bringen. Als wir endlich in Kirkwall ankamen, nachdem wir unser Schiff verloren hatten, mußten wir dort drei Tage lang in einer ungeheizten früheren Kirche auf dem Fußboden schlafe n."
Das norwegische Tankschiff „Petter" traf am Montag in feinem Heimathafen Arend al ein, nachdem es von den Engländern über einen Monat festgehalten worden war. Das Schiff war erst von einem englischen Kreuzer gefloppt worden, dessen Kapitän kurz und bündig erklärte, es in einen englischen Hafen bringen zu müssen, in diesem
Falle nach Kirkwall. In Kirkwall mußte das Schiff weil draußen vor dem Hafen vor Anker liegen, und niemand von der Besatzung, nicht einmal Der Kapitän, erhielt die Erlaubnis, an Land zu gehen. Englische Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett hielten Tag und Nacht Wache. Dieser förmliche Arrest dauerte einen ganzen Monat. Dann erhielt der Kapitän Befehl, das Schiff nach London zu bringen, wo er feine für Deutschland bestimmte Ladung, die aus Gummischuhen bestand, abliefern mußte. Da zwanzig Ausländer unter der Besatzung nach diesen Erlebnissen abmufterten und in England keine neuen Matrosen zu bekommen waren, mußte das Schiff, das nach Amerika bestimmt war, mit völlig ungenügender Mannschaft den Umweg über Norwegen machen, um die Besatzung hier zu vervollständigen.
Die „Norwegische Handels- und Seefahrtszeitung" nimmt energisch zu diesen Schikanen Stellung, denen die neutrale Schiffahrt durch die englische Konterbande-Kontrolle ausgesetzt ist. Es heißt in dem Blatt: „Die nordische Presse hat in der letzten Zeil bereitwillig alle die englischen Ratschläge und Aufforderungen abgedruckt, die neutrale Schiffe beim Anlaufen englischer Häfen beachten sollen. Es wird Zett, daß die Presse auch endlich mitteill, welche Erfahrungen die neutralen Reeder gemacht haben, die den englischen Vorschlägen gehorsam Folge geleistet haben. Beispiele liegen in genügender Zahl vor, die von Planlosigkeit und heillosem Durcheinander zeugen, sie könnten beliebig vermehrt werden und sollten endlich dazu führen, daß die wortreichen verwickelten englischen Ratschläge aus unseren Zeitungen verschwinden. Die Reeder wissen besser Bescheid. Weshalb sind schließlich die Ueberseefrachten so hoch? Weil unsere Reeder die riesigen Kosten decken müssen, die durch den langen Aufenthalt in englischen Kontroll- Häfen entstehen.
AmerikasWittschastundderKneg
Englands Hoffnungen auf Amerika haben sich seit der Abstimmung im Senat über die Behandlung der Neulralitätsfrage erheblich verstärkt. Wenn man es auch als sehr störend in London empfindet, daß Amerika Kriegsmaterial nur gegen Barzahlung und auf Schiffen der kriegführenden Parteien — also unter Ausschluß amerikanischer Schiffe — liefern will, so würde man doch eine grundsätzliche Lieferbereitschaft Amerikas als em- scheidend ansehen. Man braucht sich nur daran zu erinnern, daß England alle Vorbereitungen getroffen hat, um auch über sein Dominion Kanada amerikanische Rüstungsmaletialien beziehen zu können. Es hat dort Auffangorganisationen geschaffen; diese sollen mit denjenigen amerikanischen Rüstungsfirmen Zusammenarbeiten, die schon vor einiger Zeit Filialen auf kanadischem Gebiet ge* schaffen hatten, um selbst dann liefern zu können, falls etwa die grundsätzliche Durchlöcherung der Neulralilälsbill nicht gelungen wäre.
Die Genugtuung, mit der man in England schon die Abstimmung im amerikanischen Senat begrüßte, sollte der amerikanischen Regierung eigentlich die Augen darüber öffnen, in wie hohem Maße sich England eine Wiederholung der amerikanischen Kriegslieferungen von 1915—1917 auch bann verspricht, wenn es „ausgeschlossen" bleibt, daß ame* titanische Truppen in Europa in diesem Kriege kämpfen werden, wie Roosevelt und Staatssekretär Hüll Ende der vergangenen Woche verkündeten. In London jedenfalls nimmt man die Umgehung des Neutralitätsgesetzes im Wege der cash-and- carrx-Klausel als eine offene Parteinahme zu Gunsten Englands. Im übrigen verläßt man sich auf die amerikanische Hochfinanz und auf die Rüstungsindustrie und nicht zuletzt auf die maßgeblichen jüdischen Einflüsse in diesen Kreisen, die es ja schon während des spanischen Krieges verstanden haben, die amerikanische Neutralitätsgesetzgebung fast mühelos zu umgehen, beispielsweise durch die Umschreibung amerikanischer Transportschiffe auf ausländische Strohmänner und dergleichen. Möglich auch, daß man in London in der Praxis ein ähnliches „Entgegenkommen" erwartet, wie es die amerikanischen Behörden seinerzeit beispielsweise bet dem großen Dampfer „Mar Cantabrico" übten, den man mit einer großen Ladung von Kriegsmaterial recht,zeitig aus den amerikanischen Gewässern entkommen ließ. Aber wie damals die „Mar Cantabrico" den nationalspanischen Seeslreil- fräften direkt in die Hände lief, so werden sich die kriegführenden Westmächte auch über das Risiko klar werden müssen, das sie laufen, wenn sie ihre Schiffe nach Amerika schicken.
Vier seindlicheFlugzeuge abgeschossen
Der heutige Heeresbericht.
Berlin, 31. Oktober. (DNB.-Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3tn Westen zwischen Mosel und Pfälzer Wald schwache Artillerie- und Spähtrupp- Tätig k e it. An den übrigen Teilen der Front keine besonderen Ereignisse.
Vier feindliche Flugzeuge wurden abgefchosfen.
Englands jüdischer Krieg.
Tschechische Emigranten und Luden die willfährigen Helfer Englands. — Aufschlußreiches Briefdokument über die verbrecherische Tätigkeit der Londoner Kriegshetzer.
Berlin, 30.Ott. (DNB.) Die englische Presse hat in den letzten Wochen mit großem Stimmaufwand immer wieder die Behauptung aufgestellt, daß im Protektorat Böhmen und Mähren eine revolutionäre Bewegung gegen Deutschland im Gange sei. Es sollten dort angeblich Terrorakte aller Art, Attentate und Brückensprengungen vorgekommen sein, ja es hieß, daß sich chon regelrechte tschechische Armeen gebildet hätten, deren Bekämpfung die Anwesenheit von einer Million deutscher Soldaten und mehr notwendig mache, die auf diese Weise von der Front abgezogen werden müßten.
Durch neutrale Augenzeugen, vor allem Auslandsjournalisten, denen man Reisen kreuz und auer durch Böhmen und Mähren ermöglichte, wurde der Beweis geführt, daß alle diese Behauptungen auf freier Erfindung beruhen und daß die Lage im Protektorat ruhig und konsolidier l ist. Das tschechische Volk geht seiner Arbeit nach in dem Bewußtsein, daß seine Regierung durch den Abschluß eines (Staatsoertrages mit Deutschland richtiger handelte als die einstige polnische Regierung, die sich von englischen Kriegshetzern m einen hoffnungslosen Kampf gegen Deutschland vorschicken ließ.
Der politische Sachkenner konnte aus den englischen Falschmeldungen über die Lage im Protektorat unschwer entnehmen, daß der englische Wunsch der Vater der lügnerischen Nachrichten war. Und es gehört gar mcht so oiel Kombinationsgabe zu der Folgerung daß England tatsächlich alle Mittel einzusetzen versuchte, um wirklich zu dem Ergebnis zu kommen, das die Lu- "enmeldungen über einen Aufstand IM Protektorat erkennen ließen.
Bei diesem Versuch, Unruhe zu stiften bediente sich England der Faktoren, die ihm zur Verfügung
stehen. Das ist nicht das tschechische Volk, aber es sind
1. die tschechischen Emigranten vom Schlage Beneschs und Osuskys und
2. die emigrierten tschechischen Juden, die bei einer Anzahl von in Böhmen und Mähren zurückgebliebenen Juden willfährige Helfer finden.
Auf diese Elemente haben deshalb die deutschen Sicherheitsbehörden einmal ihr besonderes Augenmerk gerichtet.
Nun wurde bei einem Angestellten der jüdischen kultusgemelnde in präg neben anderem schwer belastenden Material auch ein Brief gefunden, der die Zusammenhänge tschechischer Juden mit der Kriegs- heherzentrale in London eindeutig aufdeckt. Der Brief gibt dazu noch ein schlüssiges Bild darüber, wie Engländer von den Juden und Juden von den Engländern denken und eingefchäht werden. Es tut sich hier das Bild dieser sauberen Kumpanei in einer Deutlichkeit auf, die nichts zu wünschen übrig läßt.
Der Brief ist ein Dokument von größter politischer Bedeutung, weil er aus der Perspektive des emigrierten tschechischen Juden gesehen die Dinge in England mit einer geradezu verblüffenden Klarheit barlegt. Maßgebende englische Staatsmänner finden dabei eine Charakterisierung, die ihnen wahrscheinlich wenig Freude machen wird: Der jüdische Briefschreiber, der nur für seinen Rasse- genossen in Prag zu schreiben glaubte, ist von einer frappierenden brutalen Offenheit, weil er glaubte, fein Blatt vor den Mund nehmen zu brauchen. Wir übermiteln das Dokument hiermit der Oeffentlich- keil. Es ist ein Brief, geschrieben am 18. Oktober 1939, offensichtlich in London, gerichtet an den Angestellten der jüdischen Kultusgemeinde in Prag,
Rechtsanwalt Dr. Zdenek Thon, wohnhaft Prag 12, geschrieben in tschechischer Sprache,unterzeichnet mit einem dem Empfänger offenbar sehr vertrauten Vornamen, der wahrscheinlich Iaro, eine im Tschechischen gebräuchliche Abkürzung von Jaroslav, lautet. Der Brief hat.folgenden Wortlaut:
„Mein lieber Zdenek!
Du hast Dich gewundert, daß Du beinahe drei Wochen ohne Nachrichten bist; allerdings konnte ich nicht früher schreiben, da die bisherigen Verbindungen allzu riskant waren, wie für Dich so auch für unsere Freunde. L. versuchte es dreimal, die Grenze zu überschreiten, doch war die Kontrolle zu streng. Jetzt sandte I., welcher di€ Schweizer Staatsbürgerschaft erlangte, den Vertreter seiner Schweizer Firma, welcher die Verbindung auffechterhält.. Er wird Dir persönlich weitere Informationen geben. Ihn wird die Gestapo bestimmt nicht a u s 3 i e b e n# damit keine diplomatischen Verwicklungen entstehen
Ich hoffe, daß er Dich gesund antrifft.
Obzwar es mir gut gehl — ich bekam nämlich Aufträge für die Terriloralarmee —, so gssdenke ich doch gern der schönen Abende in Eurem Hause und der Abende mit Slawek und Eva. Die Engländerinnen sind allzu unzugänglich. Unser Geld ist ihnen zwar nicht unsympathisch, unsere Bundesgenossenschaft verlangen sie, hinter uns aber rümpfen f i e d i e Nase. Darüber aber im nächsten Briefs mehr, denn ich will Euch jetzt das Bild entwerfen, wie es hier nach der Chamberlain-Rede aussieht.
Du wirst das dem D. in Brünn und den anderen melden. Sei vorsichtig. Abschriften im eigenen In* leresse sofort verbrennen. Also:
Dor drei Wochen berief W. eine große Beratung ein. H. B., welcher als Kriegsminister eins bedeutende Rolle spielt und unser großen


