Ausgabe 
31.8.1939
 
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furtcr $)of nach Pause mit 55,50 (62,50) wieder notiert. Renten waren geschäftslos, 6 v. H. IG- Farben 120,25 (120,40) Geld, 5 v.H. Mittelstahl 97 Geld. Steuergutscheine I gingen wie mittags mit 97,80 um.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 30. Aug. Es notierten (Ge­treide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in RM.: Weizen W 9 195, W 11 197, W 12 198, W 13 199, W16 202, W 18 204, W 19 206, W 20 208, Roggen RH 181, R 12 182, R 14 184, R15 185, R 16 187, R 17 188, R 18 189, R 19 191 Großhan­delspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste, Futterhafer. Weizenmehl Type 812 W 13 bis W 20 einschl. Kreis Alzey 30,05, W 20 Kreis Worms 30,40, do. Type 630 W 13 bis W 20 31,20, W 20 Kreis Worms 31,55, do. Type 1600 W13 bis W20 23,05, W 20 Kreis Worms 23,55,

Roggenmehl Type 997 R 12 22,45, R 15 22,80, R 16 22,95, R 18 23,40, R19 23,50 alles zuzüglich 50 Rpf. Frachtausgleich. Weizenfuttermehl W 19 13,60. Weizenvollkleie W 19 11,60, Weizenkleie W 13 10,75, W 16 10,90, W 18 11,00, W 19 11,10 Müh­len eftpreis ab Mühlenstation. Roggenfuttermehl R18 12,90. Roggenoollkleie R18 10,90, Roggen­kleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 16 10,25, R 18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfestpreis ab Mühlenstation. Ire» ber. Wiesenheu, handelsüblich 5,00 bis 5,20, do. gut, gesund, trocken 5,60 bis 6,00; Ackerheu, gut, gesund, trocken 6,00 bis 6,30; Kleeheu, handelsüb­lich 6,00 bis 6,40, do. gut, gesund, trocken 6,40 bis 6 80; Luzerneheu, handelsüblich 6,60 bis 7,00, do. nut, gesund, trocken 7,00 bis 7,50; Weizenstroh, bind- sadengepreßt oder gebündelt 2,50, Roggenstroh, do. 2,70, Hafer- und Gerstestroh, do. 2,30 bis 2,40 Er­zeugerpreis ab Erzeuger-Verladestation. Tendenz: ruhig.

9.JL~fpOTt

Kameradschaft und Ritterlichkeit.

Handball-Fachamtsleiter überwacht Spielbetrieb.

Der Reichsfachamtsleiter für Handball, U-Bri- gadeführer Herrmann, hat mit sofortiger Wir­kung eine Anordnung erlassen, in der es u.a. heißt: Die Gauklasse als Leistungsträger des deutschen Handballs muß in jeder Weise Vorbild sein. Ich kann deshalb nicht weiter zusehen, wie die erste Leistungsklasse zwar ein immer beachtlicheres Kön­nen entwickelt, zugleich aber die Härte des Spiels in unangenehmer Weise zunimmt und Disziplin­losigkeiten sich mehr und mehr häufen. Handball ist ein Kampfspiel, und ich will diesen Charakter in keiner Weise aufheben, aber ich will unnachsichtlich gegen alle Spieler vorgehen, die durch ihre Spiel- weise erstens die Gesundheit ihrer Spielgegner ge­fährden, zweitens die Schönheit unseres Spieles zerstören und drittens die Autorität des Schieds­richters untergraben."

Aus diesen Gründen ordnet der Reichsfachamts­leiter an, daß künftig alle Spieler dem Reichsfach­amt gemeldet werden müssen, die hinausgestellt wurden, wonach ihre endgültige Bestrafung erfolgt.

Abgesagt.

Das internationale Sportprogramm für die kom­menden Tage mußte weiter eingeschränkt werden. Am Freitag fällt die Wiedereröffnung des Ham­burger H a n s e a t e n r i n g s , für die auch einige bekannte ausländische Berufsboxer ver­pflichtet waren, aus. Ungarn und Italien verzich­teten auf die Durchführung des Boxländer­kampfes in Budapest. Der Lehrgang der besten deutschen Nachwuchs-Schützen, der für den 16. und 17. September nach Berlin ange­setzt war, fällt aus. Ebenso wurden die Fern­länderkämpfe der deutschen Schützen gegen Argentinien, USA., Finnland, Lettland, Li­tauen und England abgesagt. Die Kreismeisterschaf­ten der Schützen werden in diesem Jahr nicht mehr ausgetragen.

Der italienische Fechtverband als Ausrichter der vom 1. bis 14 September angesetzten Weltmeister­schaften im Fechten hat sich genötigt gesehen, im Einvernehmen mit dem Internationalen Fechtoer­band die Titelkämpfe abzusagen. Bereits in Meran eingetroffene Teilnehmer haben die Rückreise an­getreten.

Die englische Fußball-Association hat bis auf wei­teres alle Meisterschaftsspiele abgesagt.

Sünflänberirejfen im Modernen Ziinskamps.

£f. Garvs nicht mehr an der Spitze.

Die vierte Prüfung beim Fünfländertreffen der Modernen Fünfkämpfer, das Schwimmen, brachte in Aengelholm bei Stockholm eine wesent­liche Veränderung in der Spitzengruppe. Die Schwe­den erwiesen sich wiederum als hervorragende Kraulschwimmer. Ueberraschen mußten die guten Fortschritte, die die Finnen gemacht haben. Nur Oblt. L e m p, der weitaus beste Schwimmer der deutschen Mannschaft, konnte in dieser starken nor­dischen Front mithalten. Er wurde mit 4:19,3 Mi­nuten für 300 Meter Zweiter. Bester Schwimmer war Oblt. G r u t (Schweden) mit der hervorragen­den Zeit von 4:04,4 Minuten. Lt. Garvs, der Spitzenreiter in der Gesamtwertung, kam hier nicht recht mit. Durch seinen vierzehnten Rang wurde er von der Spitze auf den dritten Platz verdrängt. Bester in der Gesamtwertung ist jetzt der Finne Lt. K i v i p e r ä vor dem schwedischen Lt. Bratt. Oblt. L e m p liegt auf dem sechsten Platz. In der Länder­wertung liegen die Schweden weiterhin vor Deutsch­land, Finnland, Ungarn und der Schweiz in Füh­rung. Die Ergebnisse:

3 00 Meter Schwimmen: 1. Oblt. Grut (Schweden), 4:04,4; 2. Oblt. Lemp (Deutschland),

4:19,3; 3. Lt. Kiviperä (Finnland), 4:22,4; 4. Fähn­rich Dartia (Finnland), 4:29,5; 5. Lt. Bratt (Schwe­den); 6. Lt. v. Bezegh-Huszagh (Ungarn); ... 12. Hptm. Cramer (Deutschland), 4:46,8; 14. Lt. Garvs (Deutschland), 4:56,3; 16. Lt. Fleckner (Deutsch­land), 4:57,6; 20. Oblt. Freih. v. Schlotheim (Deutschland), 5:19,4 Minuten.

Gesamtwertung (nach vier Uebungen: Rei­ten, Fechten, Schießen, Schwimmen): 1. Lt. Kivi­perä (Finnland), 21 Punkte (8+9+1+3); 2. Lt. Bratt (Schweden), 25 Punkte (5+4+11+5); 3. Lt. Garvs (Deutschland), 25 Punkte (2+3+6+14): 4. Oblt. Gyllenstierna (Schweden), 29 Punkte; 5. Oblt. Grut (Schweden), 33 Punkte; 6. Oblt. Lemp (Deutschland), 33 Punkte; 7. Lt. Egnell (Schweden), 36 Punkte; 8. Oblt. Freih. v. Schlotheim (Deutsch­land), 40 Punkte: 9. Fähnrich Dartia (Finnland), 47 Punkte; 10. Lt. Bolgar (Ungarn), 48 Punkte.

Länderwertung: 1. Schweden 11 Punkte (Lt. Bratt, Oblt. Gyllenstierna, Oblt. Grut); 2. Deutschland 17 Punkte (Lt. Garvs, Oblt. Lemp, Oblt. Freih. o. Schlotheim); 3. Finnland 21 Punkte (Lt. Kiviperä, Fähnrich Vartia, Lt. Lindblad); 4. Ungarn 39 Punkte; 5. Schweiz 58 Punkte.

Neues für den Dücheriisch.

Tannenberg, deutsches Schick­sal deutsche Auf gäbe, herausgegeben vom Reichskuratorium für das Reichsehrenmal Tannenberg, mit 32 Kupfertiefdrucktafeln, 16 Kar­tenskizzen, 11 Bauskizzen und 80 Abbildungen, Preis in Ganzleinen geb. RM. 4,50. Verlag Ger­hard Stalling, Oldenburg i. O. Zur Wiederkehr des Tages der Schlacht von Tannenberg vor 25 Jahren erschien dies würdige Gedenkbuch, dem die Gründungsakte des Führers für das Reichsehren­mal und ein Vorwort des Staatssekretärs Pfundt- ner als Vorsitzenden des Kuratoriums vorausge­stellt ist. Oberst Dr. Grosse vom Stabe der Kom­mandantur der Befestigungen bei Königsberg gibt eine Schilderung der Schlacht vom Aufmarsch bei­der Heere bis $ur Einkreisung und endgültigen Ver­nichtung der Armee Samsonow. Die Darstellung ist, obwohl sie jede einzelne Phase der Schlacht ausführlich behandelt, an Hand vieler Kartenskizzen, ungemein klar und eindrucksvoll. Zeittafel und ein Aufriß der Krieg sgliederung der 8. Armee erleich­tern das Verständnis des Ablaufs der Schlacht- Handlungen. Wenn auch in diesen Tagen viele Schilderungen der Schlacht dem deutschen Leser vor Augen gekommen sind, wird er den Darlegun­gen Grosses doch mit unverminderter Spannung folgen. Professor Dr. Erich Maschke gibt dann eine knappe geschichtliche Uebersicht über die deutsche Wacht im Osten, wobei die andere Schlacht bei Tannenberg von 500 Jahren im Mittelpunkt steht. Der gleiche Verfasser erzählt dann auch von ber Entstehung des Reichsehrenmals, den tausenderlei Widrigkeiten, die sich seiner Errichtung vor dem Umbruch entgegenstellten und seinem Ausbau unter der Förderung Adolf Hitlers. Noch einmal werden uns die denkwürdigen Tage der Weihe durch Hin­denburg und der Beisetzung des Feldmarschalls in­mitten feiner toten Mitkämpfer auf den Schlacht­feldern Ostpreußens in Erinnerung genifen. Schließlich berichten noch die Erbauer des Reichs­ehrenmals über ihre Pläne und dessen Durchfüh­rung. Das Buch ist mit zahlreichen Bildern aus- geftaltet, die einen Eindruck vom Charakter des Schlachtfeldes geben, zahlreich zeitgenössische Auf­nahmen ergänzen die Darstellung der Schlacht, vor allem aber ist das Reichsehrenmal in einer Reihe ausgezeichneter Bilder als Gesamteindruck wie in Einzelheiten festgehalten worden. So ist ein ebenso wertvolles wie würdiges Gedenkbuch entstanden, das einer dankbaren Aufnahme im deutschen Volk gewiß sein darf. Fr. W. Lange.

Professor Dr. G. Behrens: Die Bad- Nauheimer Gegend in Urzeit und Frühgeschichte. 56 Seiten mit 83 Abbil­dungen. Broschiert 2,50 RM. Verlag Heimat- Verein Bad-Nauheim. In Kommission bei Buch­handlung H. Burk, Bad-Nauheim. Bad-Nauheim 1939. (226) Die in Großformat auf Kunst­druckpapier erschienene Schrift stellt eine erfreuliche Bereicherung des Schrifttums zur Geschichte un­serer engeren Heimat dar. Es handelt sich um das Flußgebiet des Unterlaufs der Wetter bis zu ihrer Einmündung in die Nidda. Professor Behrens, als Direktor des Römisch - Germanischen Zentral- museums in Mainz ein berufener Sachkenner, gibt eine Geschichte des engbegrenzten Gebietes von der Steinzeit über die Bronze- und Eisenzeit, die Epoche der römischen Okkupation und die Völker­wanderungszeit bis zur merowingischen Zeit: wie sich diese Geschichte aus Bodenfunden und Boden- denkmälern rekonstruieren läßt. Fundplätze und Fundstücke sind übersichtlich (u. a. an Hand einer Karte) zusammengestellt. Besonders wertvoll er­scheint das reiche, auf Tafeln angeorbnete Ab­bildungsmaterial; die Zusammenstellung verweist auf die Heimatmuseen, welche diese Schätze heute bewahren, und gibt ein vorzügliches Bild von der reichen und alten Kultur in einem kleinen Teil­gebiet unserer engeren Heimat. hth.

Hebels Rheinländischer Haus­freund 194 0. Preis geheftet 50 Rpfg. Verlag von M. Schauenburg in Lahr (Schwarzwald). (241) Das neue Gesicht, das der von Johann Peter Hebel begründeteHausfreund" durch das von Professor I. L. Gampp geschaffene volkstüm­liche Titelbild erhielt, kündet an, daß der beliebte, südwestdeutsche Heimatkalender den überlieferten guten Geist treulich weiter pflegt, dabei aber den Forderungen unserer Zeit freudig entgegenkommt. Der Jahrgang 1940 briifgt nach dem zweifarbig ge- druckten Kalendarium eine volkstümliche Jahres- chronik. Don den zahlreichen Erzählungen feien ge­nannt: Friedrich Grieses packendeDrei Furchen". Hans Chr. KaergelsDas Gespenst" undDie Brautwahl" des Hebelpreisträgers H. E. Busse. Auch eine wenig bekannte Erzählung Johann Peter Hebels ziert diesen Jahrgang.

Meyers Lexikon, 8. gänzlich neu bearbei­tete Auslage in 12 Bänden. Band VI (Japanholz bis Kudlich) in Prachtband 20 RM., in Kunsthalb­leder 15 RM. Verlag Bibliographisches Institut AG., Leipzig. (235) Der VI. Band enthält zahlreiche große und grundsätzliche Artikel. Zunächst verdient der BeitragJapanische Kultur" Hervor- Hebung. Diesem umfangreichen Bericht sind vier reizvolle japanische Bilder beigegeben. UnterI" wird eine Anzahl umfassender Länderartikel gebracht wieIndien",Iran",Irland",Island" und Italien". Eine sehr ausführliche Bearbeitung er- fuhr das StichwortJugend". Im Verein mit einer vierseitigen Bildbeilage wird hier ein umfassender Einblick in die Arbeit der HI. gegeben. Grund- legende wirtschaftliche Fragen werden in Artikeln wieKapitalismus",Konjunktur" undKredit" be» handelt. Auch mit einer Anzahl weltanschaulicher und religiöser Themata setzt sich der Band VI aus. einander, wie die StichwörterIslam",Judentum", Katholizismus",Kirche" undKommunismus" zeigen. Aus der Geschichte seien die ArtikelJndo» germanen",Karthago" undKreuzzüge" hervor- gehoben. Daß auch das Gebiet der Naturwissen, schäften und der Technik einen beachtlichen Raum einnimmt, erweisen z. B. die StichwörterInfek­tion",Kautschuk"Kohle" undKraftwerk". Im übrigen zeigt sich auch bei diesem Bande wieder die schon bei den früheren gelobte Zuverlässigkeit und vorbildliche Ausstattung des Werkes.

Gustav Schröer: Die Lawine von St. Thomas. Ein Roman aus den Bergen. Preis Leinen 4,40 RM. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh. Das Schicksal von St. Thomas ist feine Lawine am Törle. Seit Jahr und Tag droht sie das Dorf zu vernichten und keiner von St. Thomas weiß die Gefahr zu bannen. Aber nach einer bar­ten Jugend wird einst Alois Schirmer der Schick­salslawine das harte Wollen einer geeinten Ge- meinde entgegensetzen, die chre Heimat liebt. Un­erschöpflich ist die Fülle der prächtigen Gestalten, wie sie Gustav Schröer im Guten und Bösen zu wuchtiger Handlung zusammenführt. Es ist das große Erleben zweier Geschlechter bayerischer Al- penbauern.

Der Lahrer Hinkende Bote 1 9 40. Preis geheftet 50 Rpfg. Verlag von M. Schauen­burg, Lahr (Schwarzwald.) (242) Mit dem Jahrgang 1940 des Lahrer Hinkenden Boten kann dieser berühmte Volkskalender auf ein Alter von 140 Jahren zurückblicken. Eine volkstümlich erzählte Chronik berichtet über die Weltbegebenheiten bes abgelaufenen Jahres. An belehrenden ^Beiträgen fin» den sich u. a. eine Betrachtung über Spione, Ver­räter und Saboteure und eine Würdigung des Prin- zen Eugen. Vielseitig ausgestaltet ist der Erzäh­lungsteil. An besinnlichen und gemütvollen Beiträ­gen seien genannt: Agnes Miegels köstliche Jugend- erinnerungWie gruselt's mir", die freundliche Er- zählungDer Pfingsttag" von Margarete Schiestl- Bentlage und die feinsinnige TiergeschichteDer Schäferhund" von Frieda Schanz.

Rote Ameisen.

Eine Kriminalgeschichie von Edmund Unke.

Arn 5. Juki gegen 4 Uhr nachmittags wurde der Polizei station Harrow Road von einem gewissen Mr. Jules Hamilton, der sich in Begleitung eines Mädchens namens Barbara Carr befand, gemel­det, daß sich soeben, das heißt vor etwa zehn Minu­ten, in einem der Häuser westlich vom Sportplatz ein Mord ereignet haben müsse.

Was heißt: muß?" unterbrach Wachtmeister Shore Herrn Hamilton.Ist das eine Vermutung von Ihnen, oder Gewißheit?"

Das mögen Sie entscheiden, Herr Wachtmeister, wenn Sie die Geschichte gehört haben. Wir, Bar­bara und ich, sahen durch ein Astloch im Planken- zaun in einen Garten hinein ..."Durch ein Astloch? Warum das?"Weil dort ein Beet herrlicher gelber Teerosen unsere Aufmerksamkeit fes­selte.Gladys Grace", wissen Sie? Gelb mit röt­lichem Rand der Blütenblätter ..."

Der Wachtmeister winkte ab.Nun, und bei den herrlichen Rosen stand ein Mann mit einem Messer und schnitt sie ab, wohl um einen Strauß zu bin­den. Er drehte uns den Rücken zu, wir konnten sein Gesicht nicht erkennen. Dann ging er ins Haus, ober kaum war er verschwunden, da hörten wir plötzlich einen wilden Wortwechsel. Wir sind nicht neugierig, Herr Wachtmeister, aber es dauerte keine Minute, da ging das Gezänke in wildes Gepolter über:Du Hund", schrie eine Stimme,dir werd' ich's eintränken!" Und dann ein dumpfer Schlag und ein furchtbarer Schrei ..." Das Mädchen zitterte bei diesen Worten am ganzen Leibe und verbarg ihr Gesicht in den Händen.Dann war es still", fuhr Mr. Hamilton fort,und nach einer Weile kam ein anderer älterer Mann aus dem Haus; er trug ein Holzscheit in der Hand, das Haar hing ihm wild ins Gesicht, er lehnte sich an den Türpfosten, als ob er vollkommen erledigt wäre. Da zog mich Barbara vom Zaune weg und be­gann zu laufen, ich wußte gar nicht, daß sie so laufen kann. Dann sind wir hierhergegangen. Das ist alles, Wachtmeister."

Shore nahm zwei Sergeanten und die beiden Leutchen wie sie selbst angaben: Ausflügler aus Finsbury mit sich; die Ortsangaben stimmten. Mr. Lauderdale, das war, wie Hamilton aussagte, der Mann, der den anderen erschlagen haben sollte, empfing die Blauen ruhig draußen vor seiner Haustür. Als ihm der Wachtmeister sagte, daß ihn die beiden er wies auf Mr. Hamilton und Miß Carr eines Mordes bezichtigten, lachte er laut, ja, er hielt sich geradezu den Bauch vor Lachen und tippte sich, mit bezeichnender Geste auf Jules Hamilton, kräftig an die Stirn.Die zwei verlieb­ten Narren «<- einen Mord wollen fie hiA iejtge*

stellt haben? Hören Sie, und dazu müssen Sie nach Willesden 'rauskommen, um Ihre Halluzinationen loszulassen oder, weiß der Teufel, Hypnose zu be­treiben? Schauen Sie mich an, ich bin Jack Lau­derdale, 50 Jahre alt und in Ehren grau gewor­den, 'n alter Soldat aus dem Weltkrieg, und dann bei der Southern Railway. Was wollen Sie von mir? Scheren Sie sich zum Teufel Mit Ihren blöden Äffereien! Und Sie, Wachtmeister mit Ihren Leu­ten, komm' Sierein, Sie fönn das Haus auf den Kopf stellen! Wenn's hier nach Mord stinkt, will ich mich begraben lassen. Los! Und Sie," er wies mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Hamilton,Sie werde ich mir langen, Verleumdung und so weiter! Da hört sich denn doch alles auf!"

Wachtmeister Shore ließ Verstärkung heranholen, das Gelände umstellen, das Haus und den Garten samt den Nachbarhäusern durchsuchen, so daß nicht mal eine Stecknadel hätte unentdeckt bleiben kön­nen. Aber es fand sich weder ein Toter noch das ominöse Holzscheit; ein zweiter Mann in Jack Lau­derdales Haushalt war nie gesehen worden.

Miß Lauderdale, die Tochter des Alten, ein im Gegensatz zu dem lauten ein wenig simplen Mann, ausfallend zartes, schüchternes, aber sehr hübsches Mädchen, kam eine halbe Stunde später mit dem Autobus aus der Stadt zurück, wo sie Einkäufe besorgt hatte. Letty Lauderdale wurde ein bißchen blaß, als sie hörte, um was es sich handelte. Aber sie hielt sich verhältnismäßig gut.

Das Merkwürdige war, daß weder Jules Hamil­ton noch Barbara Carr eine brauchbare Beschrei­bung des Mannes geben konnten, dessen Ermor­dung hier vor sich gegangen sein sollte. Ihre Auf­merksamkeit war einzia und allein auf Herrn Lau­derdale gerichtet gewesen. Barbara sagte aus, der Ermordete sei schwach, klein und zierlich gewesen.. ,,sv mit eleganten Bewegungen", während Jules im Baßbariton festester Ueberzeugung den Mann als gewöhnlich, derb und mittelgroß darstellte.

Es fand sich nicht der geringste Beweis für die Behauptungen des von Minute zu Minute ver­legener werdenden und entgeistert dreinschauenden Liebespaares vor. Wachtmeister Shore wischte sich die hellen Schweißperlen von der Stirn. So etwas ... war das möglich? Steckten da andere Dinge dahinter ... ein Racheakt, Rauschgiftgenuß, ein blöder Witz, Irreführung der Behörde? Er konnte sich das alles nicht erklären und beschloß, Scotland Pard zu verständigen.

Gegen sechs Uhr abends trafen Inspektor Bor­den, H. L. Paine, Donavan und Dr. Crew am Schauplatz der bis jetzt tragikomisch verlaufenen Vorkommnisse ein. Ditz Hilssbeamten folgten in

einem zweiten Wagen. Shore, Hamilton und die Carr wiederholten ihre Aussagen. Eine Stunde verging. Man konnte die Sache drehen und wen­den wie man wollte, es fand sich weder ein Toter noch sonst eine Spur, die auf ein Verbrechen hinwies. Die Photo ab teiliung machte ihre Aufnah­men; der Garten wurde durchstöbert; wo sich wei­ches Erdreich zeigte, gruben die Beamten nach. Paine legte den Hauptwert auf die Feststellung der Zeitpause zwischen dem nach Hamiltons Aussage fest gestellten Moment der Tat und der Ankunst des Wachtmeisters im Lauderdaleschen Hause. Es waren darüber rund fünfzehn Minuten vergangen. In diesem Zeitraum hatte sich weder eine Grube ausheben noch ein schwerer Körper auf irgendeine andere Art beseitigen lassen. Gewiß, Lauderdale mar ein Athlet, aber es herrschte zur Zeit der Tat volles Tageslicht, und wenn auch die Gegend Nicht gerade übermäßig belebt war, so gingen doch immer wieder Leute über die Straße, saßen oder standen in den Gärten herum nein, es gab keinen Ausweg für Lauderdale, wenn er einen Leichnam außerhalb seines Hauses hätte verschwin­den lassen wollen.

Es wurde Nacht. Paine lehnte sowohl die Der- haftung Lauderdales als auch eine vorläufige Fest­nahme Hamiltons und der Carr ab. Aber er ließ alle drei aufs sorgfältigste überwachen.

Am nächsten Morgen fuhr Paine allein nach Willesden hinaus. Die Lichtbilder waren kopiert und vergrößert worden. Lauderdale, seine Tochter, das Haus, die Zimmer und Nebenräume, der Gar­ten von oben und unten. Die Männer, die die Aufnahmen machten, waren sogar auf die sechs Bäume hinaufgeklettert, die im Garten standen, um das Erdreich und die Beete von oben ayfzu- nehrnen. Photos zeigen mitunter sehr deutlich Dinge an, die dem menschlichen Auge entgehen. Aber trotz allem kam Paine hier Nicht weiter.

Er lehnte an einem der alten Bäume, einer mächtigen Trauerweide mit tief herabhängenden Aesten. Er stützte den Ellbogen an den dicken, star­ken Stamm und betrachtete nachdenklich das Haus. Es gab vom Kamin bis zum Keller keinen Raum, der nicht aufs sorgfältigste untersucht worden wäre. Plötzlich verspürte Paine ein heftiges Kribbeln und Jucken an der Hand. Ein Strom roter Ameisen zog den Baum hinauf. Er verfolgte aufmerksam ihren Weg. Ja, auch auf diesem Baume hatte einer der Photographen des Criminal Investigation De­partement gesessen. Paine erinnerte sich deutlich daran.

Daraus schied selbstverständlich der Baum aus der Reihe der logischen Suchpunkte aus. Aber Paine sah aufmerksam den roten Ameisen zu Ameisen? Er erinnerte sich des toten Kaninchens, das sie als Jungen in einem Ameisenhaufen ver­graben hatten und von dem, binnen 48 Stunden nur das Knochengerüst übrigblieb.

Paine verließ langsam das Haus Lauderdales. Eün MextelstundL jpätej: vruM dec Mann von

Wachtmeister Shore auf die Polizeistation gebracht. Paine sah ihn, über den alten Schreibtisch hinweg, mit einer sonderbaren melancholischen Abneigung an.

Wir werden die Trauerweide in Ihrem Gar­ten fällen lassen", Mr. Lauderdale. Der Mann wurde aschgrau im Gesicht. Er schwankte ein wenig und griff nach einer Sessellehne, um sich zu stützen. Dieses unheimliche Schwanken machte den Ein­druck, als sei Lauderdale selbst ein morscher Stamm, der bebend die blanke Axt fühlte, die ihn umhieb.

Paine sah ihn an, daß er mit dem Entschluß kämpfte, sich seiner Last zu entledigen und zu ge­stehen, was als Tat Sühne heischte und vor dem Gesetz verantwortet werden mußte.

Vielleicht haben Sie Gründe, Mr. Lauderdale, die den Sachverhalt in einem anderen Lichte er­scheinen lassen, als füglich angenommen werden könnte. Ist es nicht besser, wenn Sie mir sagen, warum Sie so handeln mußten und nicht anders?"

Lauderdale hob den Kopf und sah Paine mit starren Augen ins Gesicht.Die Nachbarn, meine früheren Vorgesetzten, unter denen ich diente ... die Leute, die mich früher mal kennengelernt haben, sie alle werden Ihnen bestätigen, daß ich immer ein grober, offener, wahrheitsliebender Mensch ge­wesen bin." Er atmete tief.Sie brauchen den Baum nicht umhauen zu lassen. Er ist morsch und hohl. Oben steckt Astwerk, Moos und Moder drin. An den Wurzeln siedeln seit Jahren rote Ameisen. Tun Sie das Astwerk weg und holen Sie den Kerl mitnem festen Strick heraus. Mr. Raoul Dar« Pinton, 32 Delaney Street, Camdentown NW 2. Ein Elender Sie werden selbst darauf kommen, wer und was er war. Er hatte sich an Letty, an dieses unerfahrene Kind, herangemacht und sie glaubte ihm. Ich verbot ihm das Hous. Er kam immer wieder. Er trieb sich im Garten umher. Er schnitt meine Rosen ab und stellte sie meiner Toch' ter ins Zimmer. Ich erwischte ihn dabei. Da wurde er frech: er wolle sie doch darauf vorbereiten, daß er heute Nacht zu ihr käme. Da faßte ich ihn an, und er hob das Messer gegen mich. Ich weiß nicht, wie ich darauf kam: plötzlich hatte ich das Host' scheit in der Hand. Ich mußte doch Letty schützen, Herr Wachtmeister. Er hat schon so viele verdorben ..."

Lauderdale wurde wegen Totschlags unter ZU' biUigung Mildernder Umstände zu drei Jahren Ge­fängnis verurteilt.

Zeitschriften.

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