Aus der Stadt Gießen.
Oer Echutzstein.
Mancher Leser fragt sicher: Was ist das. ein Schutzstein? Also hört: Gestern abend kam ich in der Dunkelheit aus einem schmalen Gartenweg und bog in die Hauptstraße ein. Dabei übersah ich einen Stein, den der Gartenbesitzer genau an die Ecke seines Gartenzaunes gestellt hatte, und wäre beinahe gestürzt. Aber es ging noch glimpflich ab. Das also war ein Schutzstein? Ja. Man kann |ie überall an Gartenzäunen, aber auch vor vielen Häusern, die an der Ecke einer Straßenkreuzung stehen, bemerken. Sie sollen verhüten, daß ein Fuhrwerk am Zaun oder an der Mauer Schaden anrichtet. Sie haben also ihre volle Berechtigung.
Im ersten Aerger, als ich stolperte, dachte ich nicht daran. Dann aber fiel mir etwas ein: das ist doch eine praktische Sache mit diesen Schutzsteinen. Könne man das im menschlichen Leben nicht auch ein wenia nachahmen?
Wenn da so etwas Großes, Massiges angefahren kommt und droht zu schaden, könnte man nicht auch einen Schutzstein aufrichten und sagen: Hier hast du nichts verloren, hier steht mein Schutzstein? Ja, dachte ich weiter, dieser Schutzstein ist in Wirklichkeit schon vorhanden, natürlich bildlich gesprochen.
Da kommt für unfern Nachbarn eine unliebsame Ueberraschung. Läßt er sich aber etwas anmerken? Nein! Er ist freundlich wie jeden Tag, trotzdem ihm das Schicksal Knüppel zwischen die Beine wirft. Aber er besitzt einen guten Schutzstein, das ist seine Gleichgültigkeit; man kann auch sagen: er hat eine dicke Haut. Da geht so schnell nichts durch. Deshalb kommt er auch mit dem Leben zurecht.
Ein anderer wieder ist leichtsinnig und oberflächlich. Nach jeder bösen Erfahrung, nach jedem schlimmen Erlebnis schüttelt er sich wie eine Ente, die aus dem Bache kommt, und das Wasser fließt ab. Er vergißt alles sofort. Das ist sein Schutzstein. Freilich macht er es mit der Freude ebenso.
Es gibt aber auch noch andere Schutzsteine. Es ist ja nicht jedem gegeben, verschiedene Schutzsteine auszuprobieren, welcher am besten paßt. Wer aber von Haus aus mit einem sicheren und nie versagenden Schutz bei Ueberfällen, Anrempelungen usw. begabt ist, der soll dem Schicksal dankbar sein.
Ich glaube, daß der beste Schutzstein der gesunde Humor ist. Wenn ich meine Mitmenschen betrachte, dann finde ich immer wieder, daß die Humorbegabten am besten abschneiden, in allen Lebenslagen. Ja, sie können sich nicht nur selber schützen, sondern helfen mit ihrem frohen Wesen, mit ihrem gewinnenden Lachen auch noch ihren Mitmenschen. Ein Wort von ihnen versöhnt und verbindet oft die heftigsten Gegner, ein Scherz reizt die Lachmuskeln, und man sieht alles in milderem Licht. Kommen solche humorbegabten Menschen aber selber in unangenehme Lagen, so zeigt sich erst, welchen guten Schutzstein sie haben. Aeußerlich wird man ihnen in den seltensten Fällen etwas anmerken. Die schlimmsten Nachrichten nehmen sie mit ernstem Gesicht und mit Gelassenheit auf. Sie wissen, daß Zorn oder Aerger in keinem Falle helfen können. Gar oft auch lassen sie sich, wie man sagt, „zu viel gefallen". Das ist aber nicht wahr. Sie kennen nur die Grenze besser als die andern, die sie beleidigen wollen. Kommen Anrempelungen oder falsche Behauptungen aber knüppeldick, ober sieht der Humor- begabte, daß überhaupt keine Aussicht besteht, irgend etwas zu erreichen, dann — schweigt er lieber ganz. Er hört sich alles an und denkt sein Teil. H.
Vornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Polizeifunk meldet".
Ausnahmsweise 400 Gramm Fleisch.
In dieser Woche Sonderregelung für die Fleischversorgung in Gießen.
Aus Grund der zugelassenen Ausnahmeregelung mußten in Gießen aus zwingenden Gründen bei der Fleffchversorgung für diese Woche Son- derbesttmmungen getroffen werden. Danach kommen in dieser Woche in Gießen auf jeden Be- zugsberechtigten insgesamt 400 Gramm Fletsch oder Fleischwaren zur Ausgabe, sodaß auf den einzelnen Abs chnitt 135 Gramm pro Kops entfallen.
Der Täter mitten unter uns
Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag <vskar Meister, weröau L Sa.
20. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Ich darf nicht darüber reden, Herr Doktor, ich darf nur mein Teil denken. Na, und wie ich die Sache ansehe, können Sie sich vorstellen. Beim alten Herrn wäre so etwas nie denkbar gewesen! Solche Summen! Aber tun Sie was dagegen, wenn jemand eine rechtsgültige Vollmacht vorweist."
„Es ist zum Verrücktwerden! Ich soll also einfach meinen ganzen Laborbetrieb auf Abbruch verkaufen, weil irgendein Operettenfänger Geld braucht? Kommt gar nicht in Frage! Der soll mich kennenlernen "
Vergeblich sucht der behutsame Prokurist den Aufgeregten zu beruhigen.
„Von einem Operettensänger haben Sie gesprochen, Herr Doktor, ich nicht! Bitte, das nicht zu unterschlagen! Und außerdem meine ich..."
„3um Teufel, ja! Und meinen Sie, was Sie wollen! Sie werden vor Angst noch ins Mauseloch kriechen! Mahlzeit!"
Die Tür donnert hinter Hellmers ins Schloß, und wer ihm begegnet, macht einen weiten Bogen um ihn. Jeder kennt ihn und weiß, daß er im jähen Zorn unberechenbar ist.
Morell erfährt die Geschichte zuerst. Er will gerade einem alten Vorarbeiter, der ebenfalls über einen kleinen Garten verfügt, feinen prima felbft» hergestellten Raupenleim empfehlen, da kommt der Doktor, zieht ihn beiseite und erzählt ihm alles. Morell kratzt sich in den Bartstoppeln und murmelt etwas, das so ähnlich klingt wie: „Hab's geahnt!"
Dann gibt er seiner Meinung in einer Handvoll Kraftworten Ausdruck. Schließlich aber rät er dem Doktor, kurzentschlossen reinen Tisch zu machen.
„Das ist das einzige Mittel!"
„Reinen Tisch? Wie meinen Sie das, Morell?" „Nu, ganz einfach mit Mrs. Holgerson sprechen!
Vielleicht nimmt sie ihm die Vollmacht ab."
Die Bedarfsdeckung durch Bezugsscheinpsiichi.
Eine Aufklärung zahlreicher Einzelfragen.
Durch eine Bekanntmachung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft werden eine Reche weiterer Einzelfragen der Bezugsscheinpflicht erläutert. Im Mittelpunkt dieser Erläuterungen stehen die Mitteilungen über die Gültigkeit der einzelnen Abschnitte der Ausweiskarten.
wie gelten die Ausweisabschnitte?
Es gelten für die gegenwärtig laufende Woche vom 28. August bis 3. September die folgenden Abschnitte:
Fleisch und Fleischwaren: Abschnitt 1. 2 und 3.
Milch: Abschnitt 1.
Milcherzeugnisse, Oele und Fette: Abschnitt 1 und 2.
Käse oder Frischquark: (die dafür geltenden Abschnitte tragen die Aufschrift „Eier"): Abschnitt 1.
Kundenliste für Fleisch, Milch und Fell.
Eine wichtige Verfügung ist insofern getroffen worden, als nie Derteilungsstellen (Lebensmitteleinzelhändler, Fleischer) eine Kundenliste an» zulegen haben und zwar:
1. für Fleisch und Fleischwaren,
2. für Milch,
3. für Milcherzeugnisse, Oele, Fette.
Die Verteilungsstellen, die schon jetzt eine Kuntz enliste für Butter führen, können diese Liste auf Margarine, Speiseöl und Käse ausdehnen. Falls sie auch Schmalz und Speck führen, können sie die Butter-Kundenliste auch auf diese Waren ausdehnen. Die Anlegung von Kundlisten für andere Lebensmittel ist nicht erforderlich. Die Verbraucher können sich für die bezeichneten Lebensrnittel bei verschiedenen Verteilungsstellen in die Kundenlisten eintragen lassen. So könnön sich z. B. von einer vierköpfigen Familie sämtliche Familienmitglieder zur Deckung des Butterbedarfes bei einem Butter- Händler, zwei Familienmitglieder für Margarine und Speiseöl bei einem Lebensmittelkaufmann und die beiden weiteren Familienmitglieder für Schmalz und Speck bei einem Fleischer eintragen lassen.
Was erhält man auf einen Abschnitt?
Fleisch: Für die mit „Fleisch oder Fleischwaren" bezeichneten Abschnitte mit den Zahlen 3, 6, 9 und 12 sind je 200 Gramm Fleisch oder Fleischwaren (auch in Konserven) abzugeben, auf die übrigen Abschnitte je 250 Gramm. Durch diese Bestimmung soll das Auswiegen bei den Fleischern erleichtert werden. An welchen Tagen der Woche die verschiedenen Abschnitte benutzt werden, bleibt den Verbrauchern überlassen.
Milch: Auf jeden Abschnitt der mit „Milch" bezeichneten, können bis zu 1=^ Liter Vollmilch abgegeben werden. Auch diese Regelung dient der praktischen Durchführung der für Vollmilch angeordneten Bezugsscheinpflicht mit der vorgeschriebenen Höchst menge von 0,2 Liter je Kopf und Tag. Die Milchabschnitte der Ausweiskarte sind von der Verteikungsstelle am Anfang jeder Woche abzutrennen. Auf Wunsch des Verbrauchers können anstelle von Vollmilch die gleichen Mengen an Joghurt, Kefir oder Vollmilch-Mischgetränken verab- folat werden. An Stelle von einem halben Liter Vollmilch können nach Wahl des Verbrauchers auch 170 Gramm Kondensmilch in den üblichen Dosen, anstelle von ’A Liter Vollmilch auch 250 Gramm Kondensmilch in Flaschen abgegeben werden. M a - germilch kann ohne Bezugsschein bezogen werden.
Milch erzeugnisse, Oele, Fette: Weiterhin wirb eine Aufgliederung der für „Milch- erzeugnisse, Oele und Fette" eingeführten Bezugsscheinpflicht von 60 Gramm je Kops und Tag vorgenommen. Es wirb bestimmt, daß auf die mit „Milcherzeugnisse, Oele und Fette" bezeichneten Abschnitte abzugeben sind:
a) auf die Abschnitte mit ungeraden Zahlen fl, 3, 5, 7) je Abschnitt 90 Gramm Butter ober Butter-Schmalz,
b) auf die Abschnitte mit geraden Zahlen (2, 4. 6, 8) je Abschnitt 250 Gramm Schmalz, Speck, Rindertalg jeder Art, Margarine, Mischfette, Kunft- speisefette, PUanzenfette, Speiseöle (einschließlich Olivenöl) nicht dagegen Butter, Butter-Schmalz und Käse.
„Aber das geht doch nicht! Wie stellen Sie sich das alles vor? Ich kann ihr doch keine Vorschriften machen!"
„Schön stell ich mir das vor", entgegnet der Alte seelenruhig. „Auf alle Fälle würde ich's versuchen. Passen Sie auf... Sie erreichen so mehr, als wenn Sie ’ne offizielle Geschichte braus machen! Vielleicht rufen Sie einfach mal an?"
„Unsinn!"
Mit ärgerlichem Achselzucken geht Hellmers davon. Doch Morell ist nicht gesonnen, nur einen Rat zu geben, er läßt die Tat folgen. Schnurstracks läßt er von seinem Glasverschlag in Halle 4 eine Verbindung mit der Perkins-Villa Herstellen.
Vivian äußert sich gar nicht, dankt nur für die Mitteilung und verabredet ein Zusammentreffen mit Hellmers.
„Sie möchten gegen fünf Uhr draußen im ,Robin Hood< fein!" meldet er eine halbe Stunde später triumphierend.
„Was denn...? Was soll ich denn im ,Robin Hootz<? Ist Ihnen etwa nicht gut, Morell?"
„Mir ist's prima, Herr Doktor! Und das läßt Ihnen Frau Holgerson bestellen. Sie kommt mit ihrem Wagen allein. Damit es kein großes Aufsehen gibt! So. Und nun gehen Sie am besten nach Hause, rasieren sich frisch und ziehen sich ’ne anständige Kluft an. Im Laborkittel können Sie nicht dahin fahren."
Spricht's und läßt den maßlos Verblüfften stehen.
Hellmers ist pünktlich zur Stelle. Er entdeckt Divian Holgerson an einem Tisch in einer abseits gelegenen Heckennische. Das Ausflugslokal, das an den Sonntagen ein beliebtes Ziel der kleinen Leute ist, liegt heute still und verlassen.
Sie reicht ihm ernst aber doch herzlich die Hand. Wie einem guten Bekannten.
„Morell hat mir das Wichtigste bereits berichtet", erleichtert sie ihm den Beginn. „Ich habe tatsächlich nicht die geringste Ahnung von den Vorgängen. Selbstverständlich soll ihre Arbeit in keiner Weise leiden."
So nimmt Sie das Schwerste, das Unangenehmste, das den Grund zu dieser Zusammenkunft ergibt, mit wenigen Worten vorweg.
Er nickt ihr voll Erleichterung und Dankbarkeit zu, und dann liegt eine Weile verhaltenes Schweigen zwischen ihnen.
Nur langsam tastet sich ihr Gespräch zueinander.
Das Verhältnis, unter dem diese genannten Fette bezogen werden können, richtet sich nach der jeweils verfügbaren Menge. Ferner werden 80 Gramm Käse und 160 Gramm Frischquark nach Wahl des Verbrauchers je Woche abgegeben, und zwar auf die mit „Eier" bezeichneten Abschnitte. Die Abgabe der Abschnitte für Butter fjat bei der bisherigen Verteilungsstelle zu erfolgen.
Zucker: Die Zuckermengen, die auf drei Kar
toffelabschnitte der Bezugsscheine bezogen werben können, (je Vz Kilogramm Zucker) können in einer Menge bezogen werden.
Nährmittel: Erläutert wird der Begriff der Nährmittel. Danach kann aufgrund des Bezugsscheines jeder Verbraucher je Woche 150 Gramm Graupen, Grütze, Grieß, Sago, Reis, Haferflocken oder Teigwaren beziehen. Andere Nähr mit- tel sind nicht bezugscheinpflichtig.
Vestimmungen über die Sondersälle.
1. Schwer- und Schwerstarbeiter:
als Schwer- bzw. Schwerstarbeiter gelten Berg- und Hüttenarbeiter, die in knappschaftlich versicherten Betrieben, Ober in der Eisen schaffenden (Eisen erzeugenden) Industrie beschäftigt sind, Arbeiter in Eisen und sonstigen Metallgießereien, sowie in Metallwerken und in Schrnelzereien, einschließlich der in Stahlform und Temper-Gießereien Beschäftigen, Glasschmelzer urtb Glasbläser, Ofenarbeiter in Ziegeleien und in der keramischen Industrie, Bleigießer, Dleilöter in Betrieben zur Herstellung chemischer Apparaturen, Blet-Broncegießer unö Blei-Bronceschmelzer, Mischer und Schmierer in Akkumulatorenfabriken, Arbeiter bei Befestigungsarbeiten, Steinbruch-, Tongruben-, Kalk- und Zementarbeiter, soweit diese besonders schwere Arbeit verrichten.
Was erhält der Schwer- bzw. Schwerstarbeiter?
Diese Schwer- und Schwerstarbeiter erhalten außer den allgemeinen Lebensmittelmengen zusätzlich bei Fleisch oder Fleischwaren 70 g je Tag und Kopf, oder rund 500 g je Woche, und zwar 250 g auf jeden der Fleischabschnitte 1, 2, 4, 5, 7, 8, 10 und 11. Ferner erhalten sie bei Milcherzeugnissen, Deien und Fetten 50 g je Tag oder 350 g in der Woche, und zwar 350 g Margarine, Mischfette, Kunstfette, Pflanzenfette, SpeiseÄ, Schmalz, Speck oder Rindertalg auf jeden der Abschnitte 2, 4, 6 und 8. Um die Schwer- und Schwerstarbeiter in den Genuß dieser Verpflegungszulage zu bringen, sammeln die Führer der betriebe, in denen Schwer- und Schwerstarbetter beschäftigt werden, die ausgegebenen ßeben smfittelau sweif e dieser Arbeiter ein und übersenden sie mit einer Liste an das für den Betriebs ort zuständige Arbeitsamt. Die Liste muß den Namen des Betriebes, den Namen des Arbeiters und die Art seiner Beschäftigung enchalten. Das Arbeitsamt verficht den Stammabschnitt und die einzelnen Abschnitte für Fleisch und Milcherzeugnisse oder Oele und Fette mit dem Dienststempel und gibt die Ausweiskarten an den Betriebssichrer schnellstens zurück. Der ganze Vorgang soll in einem Tage erledigt sein. Selbstverständlich prüft das Arbeitsamt die materielle Richtigkeit der eingereichten Listen.
2. Inhaber von Fettverbilligungs-, Margarinebe- zugs- und Zusahscheinen:
Die Inhaber von Fettverbilligungs-, Margarinebezugs- und Zusatzscheinen können Konsummarga-
rine in dem vorgesehenen Umfang wie bisher und zu den alten verbilligten Preisen beziehen. Jedoch muß die bezogene Menge auf die Gesamtfettmenge, Wie sie sich aus der Lebensmittelausweiskarte ergibt, angerechnet werden. Beim Bezug von Kon« fummargarme ist also sowohl der bisherige Margarinebezugsschein, als auch ein entsprechender Abschnitt für Milcherzeugnisse, Oele und Fette der Lebensmittelausweiskarte abzutrennen.
3. Insassen von Krankenhäusern usw.
Die Insassen von Krankenhäusern, Heilanstatten, Erziehungsanstalten, Wohlfahrtsanstatten, Gefan. genenanftalten und ähnlichen Einrichtungen haben für die Dauer ihres Aufenthaltes die Abschnitte für Lebensmittel an die Anstalt oder Einrichtung abzugeben.
4. Das Gaststätten- und Veherbergungsgewerbe.
Durch einen Erlaß über die Versorgung der Be- völkerung durch das Gasfftätten- und Beherbergungsgewerbe hat der Reichsemährungsmimster sichergestellt, daß die Besucher von Gasfftätten und Beherbergungsbettieben nicht günftiger ntit Lebensrnitteln als die übrige Bevölkerung versorgt werben. Danach wird bestimmt, daß in den Gasfftätten an mindestens zwei Tagen jeder Woche nur fleisch, lose Gerichte verabfolgt werden dürfen, und zwar Montag und Freitag, sofern nicht die untere Der- wattungsbehörde in besonders gelagerten Fällen andere Tage bestimmt. An den übrigen Tagen btr Woche dürfen neben fleischfreien Gerichten ritt verschiedene Eintopfgerichte ober Teltergerichte verabfolgt werden. Zur Ersparung von Arbeit in* Personal soll in möglichst allen Gaststätten durch Einführung der Tellergerichte das Anrichten der Speisen vereinfacht werden.
Oieselkraststoffabgabe nach Gewicht.
Die schon seit einiger Zeit bereitliegenden Tank- ausweiskarten zum Bezug von Dieselkraftstoff sind ebenso wie die für den Bezug anderer Krasfftoffe auf die Mengenangabe in Litern abgestellt. Da die Abgabe von Dieselkraftstoffen zur Zeit noch nach Gewicht in Kilogramm erfolgt, verstehen sich die auf den Tankausweiskarten gemachten Mengenangaben ebenfalls, entgegen dem Ausdruck, in Kilogramm.
Entrümpelt die Dachböden!
Ze leerer der Boden, desto geringer die Brandgefahr.
Zur Verminderung der Brandgefahr auf den Dachböden hat der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe bereits im Jahre 1937 die bekannte Entrümpelungsverordnung erlassen, deren wichtigste Gebote erneut in Erinnerung gebracht werden.
1. In den Dachböden darf keinerlei Gerümpel aufbewahrt werden.
2. Uebermäßige Vorräte dürfen gleichfalls nicht in den Dachböden angesammelt werden.
3. Auch mit nicht brennbaren Gegenständen darf der Dachboden nicht angefüllt werden, da hierdurch die Brandbekämpfung in den Bodenräumen behindert wird.
4. Aus demselben Grunde haben alle schwer beweglichen Gegenstände, wie Truhen, Schränke usw. auf
Sie verlassen das Lokal und gehen auf stillen Wegen immer weiter in die Abgeschiedenheit der parkähnlichen Landschaft. In der Ferne rauchen die Schlote der Jndustrievorstädte Londons, aber hier ist noch Frieden, hier bietet sich dem Auge eine Landschaft, die vom Häusermeer der Eity nichts weiß.
Seltsam, in der Heimlichkeit der Natur ist es ihnen, als seien sie alte gute Freunde, und ohne daß sie es merken, breiten sie voreinander ihr Herz aus.
Zuerst ist es Vivian, die spricht. Von ihrem Leben, dem frühen Tode ihrer Mutter, ihrer Jugendzeit, die einsam blieb.
Von der Hoffnung ihrer Jungmädchenzeit. Don ihrer Ehe.
Mit stillem Entsetzen erkennt er, wie unglücklich sie ist, begreift, wie fern sie innerlich diesem haltlosen Menschen steht, den sie ihren Gatten nennt, obwohl sie kein schlechtes Wort von ihm spricht.
Aber er hört Mit scharfem Ohr auch das, was sie verschweigt, und sein Herz schlägt rascher, rascher in Liebe und heißem Mitfühlen.
Als spüre sie sein Mitleid, bricht sie plötzlich ab, als habe sie schon zuviel von ihrem Herzen offenbart.
,^d) rede immer von mir ... Dabei weiß ich von Ihnen nur, daß Sie ein berühmter Konstrukteur sind. Das ist herzlich wenig, der Mensch Doktor Hellmers ist mir ganz unbekannt. Erzählen Sie mir von sich, Herr Doktor! Don Ihrem Leben! Don Ihrer Jugend! Wie kamen Sie nach London? Sie sind doch Deutscher?"
„Ich bin in Wien ausgewachsen, nach meinem Paß bin ich Oesterreicher", entgegnet er. „Meine Ausbildung habe ich zum größten Teil in Deutschland genossen. Ihrem Herrn Vater danke ich es, daß ich hier einen Arbeitsplatz fand, wie man ihn nicht besser ausdenken kann. Das alte Oesterreich ist zu klein für seine Söhne geworden."
In kurzen Sätzen entwirft er ein Bild seiner einsamen Jugend, seines Strebens, seiner Erfolge und seiner Zusammenarbeit mit Sir John.
Still, gesenkten Hauptes geht Divian neben ihm her.
Es ist schön, ihm zuzuhören, ihn dabei ein wenig von der Seite zu beobachten und zu schauen, wie fein strenges Gesicht sich belebt. Wie können diese
dem Dachboden nichts zu suchen. Ist ihre Enifer* nung nicht möglich, so müssen sie in der Mitte des Bodenraumes aufgestellt werden. Ecken und Winkel müssen frei bleiben.
5. Vor allem dürfen leicht brennbare Gegenstände, wie Tücher, Vorhänge, Kleidungsstücke und dgl. nicht etwa lose aufgehängt werden. Sie sind vielmehr fest zu verpacken, da gerade diese Gegenstände erfahrungsgemäß leicht in Brand geraten.
6. Je leerer der Boden, desto geringer die Brandgefahr! Die Brandbekämpfung im Luftschutz ist in erster Linie Aufgabe der gesamten Bevölkerung. Jeder einzelne kann herangezogen werden — also auch du. Daher überzeuge sich jeder persönlich nochmals von dem ordnungsmäßigen Zustand seines Dachbodens.
grauen Augen aufleuchten, wenn er von seiner Arbeit spricht, wie können die schmalen Lippen die Worte weich und gütig formen, wenn er von ihrem Vater erzählt.
Und ohne daß es ihr recht bewußt wird, ist bei diesem Gespräch ein Dritter zugegen, ein Schatten, unsichtbar zwar, aber doch gewaltig und über menschliche Maße groß: Sir John, der Mann, dessen Eharakter und dessen Willenskraft die Geschicke der Menschen führte.
Eine bange Ahnung beschleicht Vivian, eine Ahnuna von der Größe des Mannes, zu dem sie „Vater" sagte und den sie nie begreifen konnte, weil er zu umfassend und zu hoch dachte.
Heute glaubt sie ihn ergründen zu können, seht, da sie neben diesem schlanken ernsten Mann einhergeht, dessen Gesicht von der Arbeit gezeichnet ist, jetzt beginnt sie die Maßstäbe zu erkennen, mit denen ihr Vater Menschen zu messen pflegte.
Wie erbärmlich muß da Asbjörn Holgerson ab* geschnitten haben bei dieser Prüfung, bei der W Schale nichts galt, der Kern aber alles!
Oh, jetzt beginnt sie den höheren Sinn seiner Entscheidung zu erkennen, als er sie damals vor die Wahl stellte: „Entweder dieser Sänger — oder ich! Nun wähle!" ,
Er hatte dem eleganten Asbjörn Holgerson durch das alänzende Kleid ins Herz gesehen und entdeckt, wie feer es da aussah.
Sie aber war wie ein dummes kleines Mädchen all dem törichten Zauber seines scharmanten Feuerwerks erlegen.
Ein bitterer Zug gräbt sich um ihre Lippen.
„Langweile ich Sie mit meinen Erzählungen, Mrs. Holgerson?"
Sie fährt überrascht zusammen.
„Aber ich bitte Sie! Wie kann ein Menschen- schicksal langweilen! Ich warte nur darauf, noch ein wenig Persönliches von Ihnen zu hören. haben bisher immer nur von Ihrer Arbeit gffpr chen. Haden Sie kein anderes Glück in Ihrem Leven, an dem sich auch ein anderer mitfreuen könnte?
„Nein!" entgegnete er kurz. „Arbeit und Glua, das ist in meinem Leben wohl dasselbe. Was i landläufig als Glück erscheint, ist meist sehr unve- ständig. Und so schafft sich jeder das Glück, das ch am dauerhaftesten dünkt. Meines heißt: Arbeit.
(Fortsetzung folgt)


