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Donnerstag, 31. August 1939
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)
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Volkspolitische Personalpolitik
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gezeigt, daß die italienische Kriegsmarine in wenigen Stunden operationsbereit ist.
Die kürzlich beendeten gemeinsamen Manöver der italienischen Marine und Luftwaffe unter Beteiligung von rund 400 Flugzeugen im Mittelmeer bewiesen, daß Italien auf Grund seiner strategischen Schlüsselstellung das mittlere Mittel- meer beherrschen kann. Die Manöver fanden im Raum zwischen Sizilien und Libyen statt, der in der italienischen Strategie eine Grundposition darstellt. Seit der Befestigung der kleinen Insel P a n t e l l e r i a in der Tunis-Straße kann Italien diesen Seeweg verschließen, während es von seinen ägäischen Inselbesitzungen, dem Dodekanes aus, das Aegäische Meer kontrollieren kann. Nach Abschluß der Manöver stellte „Popolo di Roma" fest, niemand könne heute mehr ohne Zustimmung Italiens den Mittelmeerraum durchqueren oder überfliegen. Im Mittelmeer, wo im Laufe der Geschichte beim Zusammenstoß der Völker immer wieder die Entscheidung gefallen sei, nehme Italien die Schlüssel st ellung ein.
Damit dürfte die zukünftige Bedeutung der italienischen Wehrmacht richtig eingeschätzt worden sein. Der Mittelmeerraum erhält heute mehr denn je seine Stabilität und Sicherheit von Italien und nicht von einer auswärtigen Macht.
erreichen könnte. Die zentrale geographische Lage Italiens im Mittelpunkt des 'Mittelmeerraumes macht sich hier vorteilhaft bemerkbar.
Die Marine war dis vor einigen Jahren noch am schwächsten unter den drei Wehrmachtsteilen. Bei Kriegsende besaß Italien nur eine mangelhafte und kleine Kriegsflotte. Erst der Duce hat zielbewußt den Ausbau der italienischen Seemacht betrieben. Seit der Gründung des Imperiums hat die italienische Flotte eine besondere Stellung für die Erhaltung und Sicherheit Italiens zugewiefen bekommen. Das Bewußtsein, vorwiegend eine Seemacht zu sein, ist in Italien erst das Ergebnis der letzten Jahre. Ja, man kann sagen, daß erst die englischen Drohungen gegen Italien während des abessinischen Feldzuges den Italienern die Augen geöffnet haben über ihre maritime Stellung. „Die Flotte steht im Imperium an erster Stelle. Imperiale und Seegeltung bedingen sich gegenseitig. Der Krieg hat ein kontinental-europäisches Zeit- QÜerItaliens abgeschlossen und ein maritimes Mittelmeer-Zeitalter eingeleitet. Bis zum heutigen Tage war die militärische Tradition Italiens piemontesifch bestimmt, d. h. dem Festland zugewandt. Diese Tradition muß eine neue Entwicklung nehmen. Der Monarch wird in Zukunft weit mehr als bisher und in einem viel umfassenderen Sinne als Oberhaupt der italienischen Seemacht hervortreten müssen. Es gilt, eine maritime Tradition der Monarchie zu entwickeln..." So äußerte sich die italienische Zeitschrift „Critica Fascista" über die maritime Aufgabe Italiens. Der Staatssekretär Admiral Cavagnari führte vor der Kammer aus, daß eine große und mächtige Kriegsmarine eine der Grundbedingungen für die Verteidigung Italiens und für die Konsolidierung des Imperiums sei. Alle wahrscheinlichen oder möglichen politischen Situationen, denen Italien in der unmittelbaren oder weiteren Zukunft wird entgegentreten müssen, zwängen es vor allem, auf seine Stärke zur See zählen zu können.
Entsprechend dieser Feststellung wurde die italienische Marine in den letzten Jahren so schnell ausgebaut, daß sie der französischen gleichwertig geaenübersteht, mit der sie schon seit Jahren rivalisiert. Vertraglich gelang es Italien nie, von Frankreich die Parität zugesichert zu erhalten, tatsächlich besteht die Parität jedoch jetzt. Selbst einen Vergleich mit der britischen Mittelmeerflotte braucht die italienische Marine heute nicht mehr zu fürchten. Gestützt auf zahlreiche in der Nähe befindliche Häfen und Stützpunkte, operiert sie i n heimischen Gewässern, was die eigentliche Sicherheit und Versorgungsmöglichkeit erhöht. Die Bauprogramme der' letzten Jahre sind entweder bereits durchgeführt oder in rascher Vollendung be-' griffen. Während man nach dem Kriege vorerst nur die leichten Seestreitkräfte ausbaute, weil man an die Rolle der Schlachtschiffe nicht mehr glaubte, ging man vor einigen Jahren daran, auch wieder Schlachtschiffe zu konstruieren oder umzubauen. Solange andere Mächte dies taten, konnte Italien nicht darauf verzichten.
Wie stark ist nun die italienische Flotte? Vier ältere Großkampfschiffe von je 24 000 Tonnen wurden einer gründlichen Modernisierung unterworfen, die nunmehr beendet ist. Diese Schiffe bilden zu-' sammen mit den im Laufe dieses Sommers fertig werdenden beiden neuen Schlachtschiffen von 3-5 000 Tonnen, 30 Seemeilen Geschwindigkeit (Hauptbewaffnung 9 38-Zentimeter-Geschütze), „Vittorio Ve- neto" und „Littorio" ein kampfkräftiges Geschwader, das keinen Gegner im Mittelmeer zu scheuen braucht. Zwei ähnliche Schlachtschiffe, „Roma" und „Jmperio" sind im Bau begriffen. Weiter sind vorhanden sieben schwere Kreuzer (mit 20,3-Zenti-
'Herrlich erfrischend
gründlich reinigend und dabei den Zahnschmelz schonend.
SroDe Tube 40 TA, kleine Tube 25 TA
meter-Geschützen), fünfzehn leichte Kreuzer, 74 große Zerstörer, 59 Torpedoboote und über 100 Unterseeboote aller Größen. Italien besitzt zurzeit zahlenmäßig die größte Unterseebootflotte. Auch an kleinen schnellen Torpedomotorbooten dürfte es mit 44 Stück die meisten besitzen. Zahlreiche Schiffe sind noch im Bau, darunter zwölf Torpedokreuzer bzw. Aufklärer, die mit ihrer Größe von 3500 Tonnen, ihrer Geschwindigkeit von 39 Seemeilen und ihrer Bewaffnung von acht 13,6-Zentimeter- Geschützen eine sehr starke Antwort auf die großen französischen Torpedokreuzer der „Volta-Klasse" zu werden versprechen.
Alles in allem stellt die italienische Flotte eine außerordentliche Kampfkraft dar, sie wird in absehbarer Zeit unter den Seemächten der Welt den ehrenvollen vierten Platz einnehmen. Insbesondere das Bautempo der kleineren Einheiten kann kaum ein anderer Staat halten, vor allen Dingen nicht das durch Streiks gehemmte Frankreich. Die Z u - sammenarbeit zwischen See- und L u f t o 11 e wird in Italien besonders ausgebaut und zur unerläßlichen Voraussetzung für den Erfolg angesehen. Die Verhältnisse des Mittelmeeres begünstigen eine derartige Zusammenarbeit und ermöglichen den Verzicht auf kostspielige Flugzeugträger. Mehrfache Mobilmachungsproben haben
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Rom, August 1939.
; Oie großen Manöver der italienischen Wehrmacht I Men der Welt ein eindrucksvolles Bild von der l! 5:ärte und der Kampfkraft der von Mussolini er- > nuerten italienischen Armee, Marine und Luft-
1 ny-ffe. Denn was der Faschismus bei Regierungs- <iTtritt an bewaffneter Macht vorfand, ist nicht zu Pk-gleichen mit der heutigen italienischen Wehr- Mcht, die seit dem Weltkrieg in drei Feldzügen (tirobt und gehärtet wurde: in der Rückeroberung gbiens, die erst 1931 mit der Niederwerfung der Lnouissi beendet war, im abessinischen und endlich n spanischen Krieg.
Aach den mehrfachen Aeußerungen Mussolinis ;| ujb seiner Generale ist die italienische Kriegsdoktrin v, lständig auf dem Grundsatz des „Krieges In r raschen Entscheidung" zugeschnitten, g. der ganzen Ausbildung der 'Wehrmacht steht irfer Grundsatz, der sich ans der heutigen poli- Ifiijen und wirtschaftlichen Lage Italiens ergibt, ob nan. So waren auch die kürzlichen Manöver he neuen, auf Mussolinis Initiative geschaffenen P,-Armee ganz auf die Erprobung gro - r motorisierter und gepanzerter 5ß: r b ä n t) e eingestellt. Die Motorisierung erlaubt a heute besonders, Streitkräfte schnell an dem- stigen Punkt zu konzentrieren, wo die Entschei- h-ag erzwungen werden soll. Daher hatte der ftf-ieüe Marsch der Po-Armee durch Oberitalien ii!;r ein von zahlreichen Flüssen durchschnittenes (vfände den Zweck, einen von Westen über die 2L»en herab gestiegenen Gegner konzentrisch anzu- orifen und zu vernichten. Sowohl der schwierige Mrsch wie auch die Kampfentscheidung ist zur
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Die Militärmacht Italien
Von unserem W. G.-Korrespondenien.
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Der Staatssekretär im Reichsjustizministerium, Dr. Freister, schildert in der „Deutschen Justiz", öre die Personalpolitik des Reichsjustizministeriums unter dem Leitgedanken steht, im Rahmen der dienstlichen Gegebenheiten, Notwendigkeiten und Möglichkeiten der Justiz sich auf allgemeine volkspolitisch wichtige Gedanken und Ziele auszurichten. Die gesunde Vermehrung des Volkes, so sagt er u. a., muß alle seine Schichten, vor allem also auch die geistig-führenden umfassen. Gin großer Teil von dieser aber befindet sich in beamteten Stellungen. Den Nachwuchs dieser Schichten früher heiratsfähig zu machen und die Kinderreichen aus diesen Schichten zu f ö r» dem, ihnen vor allem auch Gelegenheit zur Schulung ihrer Kinder zu geben, ist deshalb auch eine hervorragend wichtige Aufgabe der Perfonalpolitit einer Verwaltung. Biele Gedanken galt und gilt es zu überwinden, um den Weg für eine volkspolitisch erfolgreiche Personal Politik überhaupt erst freizumachen, so die Uninteressiertheit am Familienstand, die Erwägungen um die Kon- fessionszugehörigkeit und den Bezirkspartikularis- mus.
Vielerlei Einsatzbewährung steht heute im Vordergrund notwendiger personalpolitischer Berücksichtigung: Die besondere Bewährung im großen Krieg darf nicht zurückgestellt werden, weil sie schon über zwanzig Jahre her ist. Daß die besondere Bewährung im Kampf der B e w e g un g personalpolitisch gebührend bewertet wird, ist in der Justiz gute und selbstverständliche Hebung. Die Berücksichtigung der Bewährung i m Wehrdienst ist ein Problem, das besonderer Beachtung bedarf; es darf nicht dazu kommen, daß derjenige, der — etwa wegen körperlicher Untaug- lichkeit'— nicht gedient hat, in der Zeit, in der der andere seiner Wehrpflicht genügt, diesen überholt! Bewährung im Familienstand: Dem Kinderreichen gegenüber muß die Personal- Politik dem Beispiel des Gesetzgebers in feiner Gehalts-, Steuer-, Tarif-, Gebühren-, Wohnungsbau-, WohlfahrtspoMk folgen. Und das muß ein Bekenntnis sein — als solches ist es unbestritten —, das auch Wirklichkeit wird. Natürlich kann der Kinderreichtum nicht Unfähigkeit ausgleichen. Aber bei gewisser Leistungs - und Eignungsgleichheit gebührt dem Kinderreichen der Vorzu g.
machte sich um halb sechs Uhr in langem Psi ff, der die etwa noch schlafenden Helfer wecken sollte, und um sechs Uhr in einem noch längeren zum Arbeitsbeginn Luft. Die Tenne gab ihre Schätze her. Durch alle Hände gingen sie, jeder reichte dem anderen zu — ein Schwingen und Reigen der Arbeit begann. Aus tiefem braungrünem Dunkel wanderte zuerst der Klee ans Licht, um seinen Samen herzugeben. Dann kam die weißblonde Gerste. Die Roste der Dreschmaschine schüttelten und rüttelten, Nimmersatt schluckte ihr Mund die rauhen Halme mit den vollen Aehren ein, um sie in ihrem geheimnisvollen Innern zu reiben und zu pressen und, vom Unkraut befreit, in vier verschiedene Säcke, nach Güte und Größe geordnet, zu entlassen. Die Treibriemen schwangen von Maschine zu Maschine, der weiße Dampf mischte sich mit dem Staub und Geruch des Getreides, Spreu wirbelte heraus. , , m
Um halb neun Uhr rief die Pfeife zur Brotzeit. Alles drängte in die Stube, an deren schwarzbrauner Decke und Tragbalken Efeu rankte. An drei Tischen wurde fest eingehauen. Es gab Länger! und Bier, danach Datschi und Kaffee; ganze Berge wurden abgetragen. Dann ging's wieder an die frische, fröhliche Arbeit. Aber der Himmel hatte sich bezogen, dunkle Wolken drohten, und es fing an zu regnen. Schnell wurde Rat geschaffen: lange Stangen wurden ans Dach gelehnt und die große Plane der Dreschmaschine darüber gebreitet. Es war aber auch höchste Zeit, denn ein verspätetes Herbstge- mitter rauschte hernieder. Aber unaufschiebbar, im strengen Takt und Rhythmus ging die Arbeit ihren gleichmäßigen Gang - der Roggen war an der Reihe — bis der Himmel wieder lachte und die Sonne die großen Pfützen, die man schnell in kleine Gräben abzuleiten wußte, trocknete.
Und da pfiff auch schon der „Dampf zum Mittagessen. Schnell wurden die Hande gewaschen, der Staub abgeschüttelt, und die trauliche Stube nahm die Arbeitsgemeinschaft als fröhliche Eßgemernschaft auf. In der Küche schalteten die alte und die junge Bäuerin über Pfannen und Töpfen riesigen Ausmaßes. Etwa fünfzig extragroße Leberknodel schwammen in der fetten Suppe die auch ich in großen dampfenden Schüsseln auftragen half. Dann gab's Rindfleisch und gemischten Salat und wieder Bier; lachend und schmatzend trank man es sich aus den Flaschen in durstigen Zugen zu.
Wie gut tat die Mittagsrast: rauchend saßen die Männer umher; die Mädchen schickten die Kinder des Dorfes, die das Dreschen mit viel Geschrei und jauchzender Lebenslust begleitet hatten, tjeim zum Essen. Auch Seppel, im Ueberschwang und Rau,ch der Freude ganz außer sich, siel über fernen Teller her und zog gewaltig am Bierglas. Kaum, datz seine Stimme einmal geschwiegen hatte uner=
schneller zu rattern, alle Hände schienen flinker zu greifen, um der gelben Fülle noch vor Abend Herr zu werden. Auch mich packte der Rausch, ich drückte schnell Farben auf die Palette, holte Leinwand und malte schier im Takt der Maschine, daß ich jäh erschrak, als nach zwei Stunden die Dampfpfeife ertönte. Und wie beschworen blieb die goldene Flut aus. Schon kehrte man das Stroh aus den Maschinenteilen; die beiden fleißigen Maschinen schwangen langsam aus. Die Maschinisten fingen an aufzuräumen, das Gröbste wurde zusammengekehrt, zwei Braune wurden aus dem Stall gezogen, und ein junger Bauer kam mit seinen eigenen derben Gäulen — brausend donnerte der „Dampf" nun zu seinem Hofe, wo am nächsten Morgen die Ernte weiterging. Vor unserem Hause standen Kübel mit warmem Wasser, die Männer zogen die Hemden über den Kopf und wuschen sich gleich gründlich Kops und Oberkörper; dann trat alles erfrischt zum letzten Gang in die Stube. Die Gesichter, von der schweren Arbeit ermüdet, belebten sick bei der guten Nudelsuppe, das Bier kreiste, und schon leuchteten die Augen wieder, als die ungezählten braunglänzenden Schmalznudeln und die großen Schüsseln mit Zwetschenkompott von der freundlichen jungen Bäuerin mit geröteten Backen auf die Tische gestellt wurden. Ich zeigte Zeichnung und Farbskizze, und alle hatten den größten Spaß, sich da so fest- gehalten zu sehen. In der Küche stand blauer Dunst, Seppel fiel, mit der Nudel in der Hand, mitten auf dem Boden um und schlief wie ein Stein. Der Jäger kam vorbei und bat sich den Unkrautsamen als Fasanenfutter für den Winter aus.
Bald ging alles heim, um zu ruhen. Früher ging es noch toll zu, allerlei Schabernack und derbe Späße wurden getrieben, denn ein Sprichwort sagt, daß man einem Brecher und Drescher nichts verübeln darf, und dies wurde gründlich ausgenützt. Fand doch schon mancher Bauer seinen Wagen, als er den nächsten Morgen eingrasen wollte, auf dem Dache stehen, auf jeder Seite des Firstes zwei Näder, die übermütigen Burschen hatten ihn in einzelnen Teilen hinaufgehoben und zusammengesetzt. Oder ein anderer konnte seinen Pflug nicht aus dem Boden bringen, weil er mit Weidenruten fest verankert war. Oder die Mädchen wurden schwarz angemalt und mußten sich unvermutet in zugedeckte Wasserkübel setzen.
So ging dieser große Dreschtag wie ein Fest der Arbeit vorbei. Während unsere Helfer heimstrebten, um am folgenden Tag für den nächsten Nachbarn frisch zu fein, stieg ich noch in die Vorratskammer, bestaunte den in einer Ecke hoch aufgeschütteten Getreideberg und ließ in einem der vielen Säcke meine Hände liebkosend durch das Körnergold gleiten, unser künftiges Brot.
Und schließlich sind noch zwei volkspolitische Gesichtspunkte zu beachten: 1. der innere Ausgleich im Volksgebiet; 2. die Versorgung volklicher Not- aeblete. Unter der Förderung des inneren Ausgleichs im ganzen Dolksgebiet verstehe ich das, was man iu Erinnerung an etwas längst Ueberwundenes als M ai n li n i e n Überwindung bezeichnen könnte, wenn man unter Main nicht gerade einen bestimmten Muß, sondern die Stammesgrenzen an sich versteht: die restlose Beseitigung der Fremdheit von Reichsgauen. Auch das natürlich mit Vernunft: der Berliner würde in Butjadingen, der Steirer in Köln, der Ostpreuße in Baden wohl nicht immer als Amtsrichter angebracht fein! Das gleiche gilt für die Aufgabe, an der Versorgung volklicher Notgebiete mitzuwirken. Mancher Unverheiratete mag dort eine Lebensgefährtin finden und dann dort bleiben, un'fer Volk und Volkstum stärkend.
grauen in der NSV -Ingendhilfe.
Die Reichsfrauenführerin hat zum Einsatz in der NSV.-Jugendhilfe aufgerufen. In dem Rundschreiben heißt es, daß die NSV.-Jugendhilfe im Rahmen des Hilfswerks Mutter und Kind vorwiegend politische Aufgaben zu erfüllen hat. Sie kann jedoch wertvolle Arbeit nur leisten, wenn sie über Menschen verfügt, die auf Grund ihrer nationalsozialistischen Haltung in der Lage sind, durch Uebernahme von Vormund schäften, Schutzaufsichten oder Pflegschaften Helfer der NSV.- Jugendhilfe zu fein. Der Einsatz von geeigneten Frauen für die Erziehungsaufgaben als Vormünderinnen, Schutzaufsichtshelferinnen und Helferinnen bei der Durchführung des Pflegekinderschutzes ist in großem Umfange erforderlich. Die Frauenschaftsleiterinnen sollen geeignete und zuverlässige Frauen werben, die dann an den Schulungskursen der NSV.- Jugendhilfe teilnehmen.
müdlich war er, wie der „Dampf" in Person, auf dem Hof herumgerannt. Das wird einmal der richtige Bauer aus bestem Schrot und Korn.
Um zwölf Uhr ging das Dreschen weiter. Ich stand wieder oben an meinem Fenster und zeichnete. Freudig beschwingt sah ich auf dieses Bild schönster Arbeitsgemeinschaft, das auch mich in feinen Bereich nahm. Es wurde mir so richtig ein Sinnbild der Zusammengehörigkeit aller, wo einer dem anderen hilft, wo alles sinnvoll ineinandergreift, geeint unter dem Gedanken an das Wohl des großen Ganzen.
Der Höhepunkt des Dreschens sollte aber noch kommen. Als nun Kleefarnen, Gerste, Roggen und noch der lose fliegende Hafer drangewesen waren, kam der Weizen: der „Woaz". Ganz besonders gut und reichlich hat dies Jahr ihn uns beschert. In goldener Fülle brach er aus der braunen Tenne. Von hinten her wurden die schweren Garben gereicht, eine Dirn mit rotem Kopftuch gab sie auf die Dreschmaschine weiter. Hier schnitt ein Bursche mit einem Schnitt den Bund durch, eine Magd griff sofort die auseinanderfallenden Halme und warf sie, sie nochmals in der Lust schüttelnd, aber mit allen Aehren nach einer Seite, dem Arbeiter zu, der sie in den Mund, den Zylinder der Maschine gleiten ließ. Unaufhörlich rauschte und raschelte die breite, goldene Flut, hoch schäumten und bäumten sich am Ausgang der Maschine, am Tisch, die ausgedroschenen Halme, stauten sich zu schimmernden Wogen, in die nervige braune Männerarme aus blauen oder grünen Hemden griffen. Andere drehten und knüpften aus dem langen, knisternden Riedgras die Bünde, hielten sie wie Girlanden um den Hals, um bei der nächsten Welle sofort mit einzugreifen und die sprühende Last zu binden, auf die der letzte mit jähem Ruck der Knie sprang, um sie vollends zu bändigen, ehe er sie in hohem Schwung mit der Gabel wieder zum anderen Ende der Tenne hinaufreichte. In kurzen Abständen trug einer der stärksten Burschen die weißen Säcke mit den blanken Körnern in die Vorratskammer. So wogte es unter mir in unaufhaltsamer Bewegung weiter, Goldstaub stieg auf, die Kinder jauchzten, die Luft zitterte.
Ein langer Pfiff — und wieder war Essenszeit. Auf den Tischen drin standen Essigknödel und Bier, danach wieder Kaffee und Datschi. Die Gesichter der Schmausenden waren schön schweißbedeckt und gerötet, aber luftig wurde die Pause genossen. Was sie so in einem Tag droschen, dazu brauchten sie früher mit dem Flegel mehrere Wochen. Aber das ehrwürdige Werkzeug stirbt darum auch nicht aus, , getreideärmere Gegenden als der Chiemgau werden es in Ehren halten.
Nun ging's zum letzten Sturm in unermüdlichem Ineinanderarbeiten. Kolben und Roste schienen noch
vasten Zufriedenheit gelöst worden. Die Manöver zezten, daß die großen vollständig motorisierten Seiten in der Lage sind, sehr rasch den Stander zu wechseln, um bereit zu sein, entweder eine Densive zu brechen oder eine Kampffront zu in- chstoßen. Zahlreiche Sonderformationen töirben vom technischen Standpunkt aus während ei'2r längeren Zeitspanne geprüft. Die Versuche tir den neuen Formationen können als gelungen pcen. Der rasche Bewegungskrieg wurde bei dieser Hlegenheit erfolgreich durchgespielt. So kann die iLienische Armee, die im Ernstfall über 8 bis II Millionen Mann verfügt, heute als eine der g-'fjten und stärksten des Kontinents gelten.
Besondere Aufmerksamkeit hat in Italien seit iren Jahren d i e Luftwaffe beansprucht, die cl eine spezifisch italienische Waffe betrachtet wird, dc sie dem Grundsatz der raschen Entscheidung am strksten entspricht und ja auch auf jüngste Italic ische Erfolge in Abessinien und Spanien ver- w:sen kann. Es ist kein Zufall, daß die erste ge- schiissene Luftkriegstheorie, der „Douhetis- m s", in Italien (von General Douhet) erdacht mirbe. General Valle, der Chef der italienischen Lu waffe, beschrieb ihre Kampfart folgendermaßen: „tie Verwendung der Luftwaffe ist begründet auf Iber Schwung und bgr Kühnheit, die charakteristisch |iir den italienischen Piloten sind, in einem Häm- meim massierter Luftstreitkräfte, die zeitlich und röinnlid) dort konzentriert sind, wo der größte Staben erzielt werden kann". Bemerkenswert ist, baj die Luftwaffe nach Mitteilungen Valles bereits tierollftänbige Autarkie erreicht hat, sowohl bezüg- Td der Rohstoffe wie der technischen Erfindungen. Nen der deutschen gehört heute die italienische Ü.; troaffe zu den besten und schlagkräftigsten der !-lt. Sie ist im Besitz zahlreicher Flugrekorde irtb verfügt sogar über eine gewisse ozeanische Inbition, seitdem Marschall Balbo feine trans- nxlntischen Geschwaderflüge durchführte. Es gibt Hute im Mittelmeerraum keinen Punkt mehr, den b italienische Luftwaffe mit ihren Bombern nicht
Heute wird gedroschen!
Von Dora Brandenburg-Polster.
Spät abends — der Mond schien gerade durch d Obstbäume— rumpelte ein großes, umhülltes Ungeheuer in unseren Hof, dahinter ein zweites, icjDarj funkelndes, beide von je zweien unserer Irrigen Braunen gezogen. Die Dreschmaschine, si.mp und ungelenk, stieß an die Zweige und 'c m sich gleich ein paar Birnen auf ihrer Plane
Die Dampfmaschine hatte ihren Schornstein mzelegt und ließ sich etwas widerwillig und ein» schüchtert ziehen, sie, die stolz über sechsund- stllwzig Pferdekräfte verfügt, wenn nur erst das ’os Feuer in ihr glüht und der weiße Dampf durch hs Adern braust.
'Der ,Dampf* timmt, der .Dampf'!", hatten die ilder schon tagelang ungeduldig erzählt, ein gro- |Ci Ereignis stand bevor. Nun war er da, der £ rupf'. Aber er mußte noch einige Tage warten -Ibie Grummeternte war in vollem Gange — und li: -hm die Dorfjugend. Täglich kam sie und be- ll'rte die seltsamen Ungetüme, die sie schon vom P" gen Jahre kannte. Die Buben kletterten an jn n hoch, drehten an jedem Ventil und pro= Jetten alle Hebel und Schrauben, ganz im Banne
Technik achteten sie ihrer schwarzöligen Hände »di, und die Mädchen standen, den Finger am Siinb, unb staunten. Seppel, der vierjährige Sohn
Erbe des Hofes, hatte große Tage und wies nt stolzer Geste auf „feinen Dampf"; drum war t-: icht recht, daß sie ihn einen Röhrbeutel nann- ln, als er schrie, weil ihn ein größerer Bub weg- R. Die zukünftigen Erbhofbauern kannten nicht v!l Respekt und wußten, daß auch ihr Vater sich fr leinen Tag solch einen Dampf kaufen konnte O'r vielleicht sogar selber schon den modernen elek- pijcien Motor besaß.
Siblid) ging es gestern los. Die Bäuerin war las zuvor schon in fieberhafter Tätigkeit, um alles v'l übereilen Kamen doch sechzehn Nachbarn, Bur- |c? und Mädel, Alte und Junge, um am großen W zu helfen. Sie alle und die eigenen Leute frjften gespeist und getränkt werden, und nicht kl(H)L Da wurden ganze Stapel von Zwetschen- ' trb Apfeldatschi gebacken, darunter der in zwei B:gin übereinander, der zweistöckige, breite Zöpfe tiroen geflochten und schön braun gebacken, Knö- । bibrot, Fleisch, Bier und manches noch herbeige- lärft, und die Schmalzhäfen waren gefüllt wor- bi um an diesem Tage geleert zu werden.
s Früh vier Uhr kam der Maschinist und geisterte nt seiner Laterne im Garten herum, um den Kessel J. reizen. Bald rumorte es im Leibe der Sechs- uduvanzigpferdigen, schnaubte und stieß und
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