Ausgabe 
31.7.1939
 
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Nr. 176 Erstes Blatt

189. Jahrgang

Montag,Zi.Zuli 1939

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Weltpolitischer Hochsommer 1939.

Don Generalmajor Professor Or. K. Haushofer, Präsident des DOA.

Wir verdanken dem britischen See-Strategen George F. S. Bowles, der ein Wort des längst ver­moderten Atheners Demosthenes anführt, einen be­zeichnenden Borspruch für die Betrachtung der Welt­lage im Mittsommer: Derjenige, er mag sein wer $r will, der zu den Mitteln meiner Zerstörung bei- tträgt, führt gegen mich Krieg, auch wenn er mir selbst niemals einen Speer entgegenwarf oder einen Wogen gegen mich-spannte."

Darum haben die Achsenmächte das Vorgehen der britischen Politik eineEinkreisung" genannt, und nicht den Bau einesFriedenswalles"; darum sind sie des Scheiterns dieser Einkreisung in Skandina- Dten, in den baltischen Staaten und in Südslawien wie Bulgarien froh geworden, wie wenn sie dort »in Vorgefecht gewonnen hätten. Bowles lehrte mit anerkennenswerter Offenheit, warum ein seegeborener Krake oder eine Anakonda-Riesenschlange anders eämpft, als die normalen Tiere des festen Landes, und warum sie einen Gegner erwürgen und ihm die Knochen im Leibe zerbrechen oder erweichen können, ohne daß äußerlich Blut zu fließen braucht. Eine solche Anakonda-Taktik glaubt augenblicklich Mittel­europa ausschalten und dann in Ostasien reinen Tisch

stehende Teil der französischen Presse, wieJn- transigeant",Humanitö",Ce Soir", auffchäumte, wenn er imOeuvre" den Wortlaut des einstigen Luftfahrtministers Marcel Deal las:Ich erlaube mir zu glauben, und die englische Regierung scheint jetzt wie ich zu denken, daß es intelligenter und nütz­licher für alle wäre, Verhandlungen zu eröffnen, als das Feuer."Nach einer gefährlich über­triebenen Alarmkampagne hat man das Gefühl, daß dieser Derhandlungswille in der Luft liegt und daß er zu einem Erfolg führen wird."Die soge­nannte Freie Stadt Danzig steht heute ganz unter der Führung des Reiches. Dieser Zustand wird in allen Meldungen bestätigt und man duldet ihn, weil es anders nicht möglich wäre. Aber man will Eu­ropa in Flammen aufgehen lassen, wenn dieser in­offizielle Zustand eines Tages offiziell würde!" Wenn Polen in Danzig eingreift, muß es die Rolle eines Angreifers übernehmen."Bis jetzt ist es noch möglich, in Frankreich auszusprechen, was viele denken, ja was die Mehrheit des Landes denkt." So Marcel Döat der das vertritt, was Napo­leon III. Ms. Toutelmonde Herr Jedermann nannte, der klüger sei, als viele seiner Vormünder.

Mer es sind eben die Vormünder, in Frankreich zum Teil die von so vielen Franzosen verspottete Greisenherrschaft, die das Wort führen, bis sie plötz­lich in Taten hineinstolpern wenn auch Cham­berlain einen ersten Ansturm der Gruppe Winston Churchill abgeschlagen hat. Aber die stete Ueber- tönung der Stimme der Vernunft ermüdet in par­lamentarischen Demokratien leicht die schwer belaste­ten Verantwortlichen an der Spitze, während der Unverantwortliche hemmungslos zu schreien vermag. Das ist die Stärke der Dolksfrontleute in Frankreich und der Opposition in England; Roosevelt, durch Niederlagen erbittert, läßt publizistisch in beide Feuer blasen, und Polen zeigt, was es an Maß­losigkeit leisten kann. Moskau aber hat sich mit großem Geschick in die Hinterhand gespielt; der Kriegszustand, der offiziell nach zwei Kampfjahren noch keiner ist, hat ihm in Fernost die Möglichkeit gegeben, 800 Kilometer hinter der Grenze man­dschurische Eisenbahnbrücken zu gefährden, und doch seine in mongolischem Dienst obgeschossenen Flieger zu verleugnen.

Zunächst verprügeln sich immer noch Stellvertre­ter; aber es fällt eine Schranke zivilisatorischer Wohlanständigkeit nach der andern, und die Ver­handlungen in Tokio könnten leicht aus einem Satyrspiel zumLever de Rideau" werden! Das eigentliche Stück aber wäre ein Trauerspiel der Kultur.

kordflug erneut den Beweis seiner Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit erbracht. Damit hat die deutsche Flugmotorenindustrie wiederum aezeigt, daß sie den vor wenigen Jahren noch bestehenden Vorsprung des Auslandes inzwischen erreicht und überholt hat.

Die großartigen Leistungen des deutschen Flug­zeug- und Motorenbaues, die schon seit einiger Zeit zur Aufstellung einer ganzen Reihe von Weltrekor­den und internationalen Bestleistungen durch deutsche Jagd- und Kampfflugzeuge führten, haben nunmehr durch die neu errungenen Rekorde des Junkers-Bombers eine würdige Fortsetzung gefun­den. Die persönliche Leistung der Besatzung ver­dient höchste Anerkennung. Auch der Rekord vom 19. März wurde von Ingenieur Seibert und Diplomingenieur Heintz erflogen. Er stellte wegen der damaligen herrschenden Schlechtwetterlage große Ansprüche an das fliegerische Können. Bei dem jetzigen Rekordflug kam es ganz besonders darauf an, durch vollkommene Einsatzbereitschaft die Ma­schinen auf höchste Leistung auszufliegen. Es muß dabei heroorgehoben werden, daß die neuen Re­korde vom jungen Nachwuchs der deutschen Flie­gerei errungen wurden, zu denen sowohl Seibert, als auch Heintz zu zählen sind. Beide sind von Haus aus Ingenieure. Seibert gehört als Erprobungs- flieaer und Heintz als Versuchsingenieur der Flug­versuchsgruppe der Junkerswerke an.

machen zu können.

Vorläufig sehen die Bedrohten, wie bei allen An­griffen großer Schlangen nur die Bewegung der Ringe im Grase; aber es ist begreiflich, daß sie auf Ihrer Hut sind. Das gilt für Deutschland und Italien io gut wie für Japan. Denn man würde sich täuschen, wenn man glauben sollte, daß Japan nichts von den ^ö.-amerikanischen Vorbereitungen erführe, durch ein- >ache Ausfuhrverbote von Oel, Eisen und Kupfer, vie gleichzeitig in den USA., im Britenreich, in Belgien (Katanga-Kupfer) und Holland (Borneo-Oel) 'rgehen sollten, seineLebenslinie" für den China- Ürieg abzukürzen und es verhandlungsreif zu machen.

Nur müßte vorher noch ein USA.-Abkommen mit Mexiko Zustandekommen, damit nicht dessen unbe- !grenzte Oel- und Kupfervorräte zum schweren Scha­uen des amerikanischen Business einspringen.

Die Einkreisung gegenüber Japan sieht allerdings anders aus als ihre europäische Schwester. Denn England überlegt sich, ob es noch mehr weitgehende Zlanko-Vollmachten wie sie für Europa bereits Jolen besitzt derart ausstellen soll, daß sie den ganzen ersten Anprall japanischer und anderer Macht zunächst auf seine exponierten Außenkräfte ablenken könnten.

Inzwischen hatte Sun Fo, Sunyatsens weniger ^deutender Namenserbe, Tfchiangkaifchek ein ähn- iches Wehrbündnis zwischen Moskau und Tschung- iing im Auftrage Stalins vorgeschlagen, wie es die llchsenmächte in Berlin geschlossen hatten.

Cin solcher Löwenoertrag enthielt insofern ein usgezeichnetes Territorialgeschäft für die Sowjet- ninde, als et die Bildung eines nordwestlichen Sondergebiets unter nur kommunistischer Leitung :ms Sinkiang, Ninghsia (der westlichen inneren Mongolei), Kansu und Schensi vorsah, mit einer iigenen russischen Etappenstrecke über Lantschau, Hann und Tiwa, mit Flugverbindung nach Moskau inb ausschließlicher Sowjet-Ausbeutung.

Auf diese Weise hat sich Moskau den erhofften iDeltkriegsertrag bereits vorausgenommen und kann begreiflicherweise nur wünschen, daß ihm England ind Frankreich die Schärfe der japanischen Gegen­wirkung abnehmen. Zunächst werden sie einen Vor­geschmack bei den Verhandlungen über die Fremden- üolonien in China bekommen, die nun restlos von >en Japanern besetzt sind, während Rangun gegen :en Willen der Birmanen eine gefährliche Bedeu­tung als Hauptzufuhchafen der sonst abgesperrten Hinesischen Zentralregierung erhält, dessen Lahm- Lgung eine der ersten Vorbedingungen für ein wirkliches Gelingen der Verhandlungen in Tokio «ilden dürfte.Warum einander töten?" über- threibt die britische Labour-Party einen Aufruf, !ser mit manchen biblischen Erinnerungen arbeitet, über vollkommen den einen schweren Spruch ver­gißt, von dem, der den Splitter in des Nächsten . Auge sah, aber den Balken im eigenen nicht; und ins gleiche Leitwort steht füglich über den Reden, kie Lord Astor und Halifax beim Diner des Royal Institute of International Affairs tauschten, von den ^rokodilstränen ganz abgesehen, die Winston Chur- t'ill der Wohlfahrt des einzelnen Deutschen weiht. Glaubt einer der Herren, irgendein Zauberer habe ins den Trank des Vergessens gereicht? Oder die wsenfarbene Wunderbrille, die uns verhindert, in englischer Sprache gedrucktes so zu lesen, mie es cemeint ist, wie etwaTotalitarian War im Z ustral-Asiatic Bulletin vom April-Mai dieses °uhres? Aber schon auf den nächsten Seiten der Zeichen Zeitschrift steht die Schrift an der Wand, diß ein in Klein-Europa gesäter Wind eine Sturm- e-nte weltüber senden werde! Ungleich ehrlicher scheint uns, was ein ehemaliger französischer Lust- slhrtminister, gewiß nicht in der Absicht, sich in Frankreich unmöglich zu machen, über das Der- b:echen schreibt, Frankreich gegen seinen Willen und ohne französisches Ziel um polnischen Größenwahns Ellen zu unabsehbaren Opfern wider den West- lrull zu treiben. Auch seine Aeußerungen verzeichnen trzr gern als Anzeichen, daß es doch noch weite Kreise in Westeuropa gibt, die nachdenklich vor .einer jener schwülen Pausen stehen, wie sie der sE"kenntnis vorausgehen; aber die Gefahr solcher Wnusen liegt darin, daß auch alles Böse_ sie merkt, ras seine Rechnung beim Fischen im Trüben findet r:.b friedliche, schiedliche Klärung scheut.

Daher das Kriegstreiben Roosevelts und der ) Millionen Juden in USA. denn dort geht es lim Wiederwahl, Rüstungsgeschäft und Rache. Kein jLiunder, daß auch der int Dienste der Kriegshetze

Reue Rekorde der deutschen Lustfahrt.

Mit einem Junkers-Bomber 501 Stundenkilometer über 2000 Km.-Strecke.

Berlin, 30. Juli. (DNB.) Während sich zur Zeit eine gewisse Auslandspresse bemüht, für die allzu durchsichtigen Zwecken dienenden englisch-fran­zösischen Einkreisungsflüge die Reklametrommel zu rühren, setzt die deutsche Luftfahrt in aller Stille die Reihe ihrer imponierenden Re­korde fort. Sie beweist hierdurch immer wieder, welche Ueberlegenheit das deutsche Fluggerät und welchen hervorragenden Leistungsstand die deutsche Luftwaffe tatsächlich besitzt.

Am Sonntag haben die Flugzeugführer Ernst Seid e r t und Kurt Heintz mit dem neuen zwei­motorigen Junkersbomberflugzeug der deutschen Luftwaffe drei internationale Geschwin- d i g k.e i t s ü e st l e i st u n g e n aufgestellt. Der Ge­schwindigkeitsrekord über der 2000-Kilometer-Strecke mit einer Zuladung von 2000 Kilogramm Nutzlast wurde auf 5 01 st/km verbessert, und mit demselben Flug überbot das Junkersflugzeug zwei weitere in­ternationale Rekorde über der 2000-Kilometer- Strecke, und zwar mit 1000 Kilogramm Nutzlast und ohne Nutzlast.

Der Rekordflug stand unter Aufsicht von Sport- zeugen des Aeroklubs von Deutschland, der die Flugergebnisse der FAJ. zur Anerkennung zuleitet. Bisher befanden sich die drei Rekorde mit 468 Kilo­meter in italienischem Besitz. Deutschland und Ita­lien haben also gerade bei diesen für die Landes­verteidigung besonders bedeutungsvollen Rekorden die unbestrittene Führung errungen.

Der deutsche Junkers-Bomber hat schon einmal eine in der ganzen Welt beachtete Bestleistung voll­bracht, als er am 19. März d. I. mit 2000 Kilo­gramm Nutzlast über der 1000-Kilometer-Strecke eine Geschwindigkeit von 517 Kilometer erreichte und damit einen bisher nicht überbotenen inter­nationalen Rekord aufstellte.

Wie bei dem damaligen Rekordflug wurde wie­der als Meßentfernung der Weg Dessau- Zugspitze gewählt. Allerdings mußte diese 500 Kilometer lange Strecke diesmal insgesamt vier­mal durchflogen werden. Der 'Start erfolgte am Sonntagmorgen gegen 5 Uhr, die Landung gegen 9 Uhr.

Die erreichte Fluggeschwindigkeit ist für ein mehrsitziges Kampfflugzeug über­aus hoch. Sie liegt noch über der Geschwindigkeit der meisten ausländischen Jagdflugzeuge. Ein der­artiges Ergebnis bei Serienmaschinen um eine solche handelt es sich bei dem Rekordflugzeug kann nur erreicht werden, wenn man die Gesetze der Aerodynamik restlos ausnutzt und anwendet und wenn man außerdem in der Flugzeugfertigkeit über Arbeitsmethoden verfügt, die auch im Groß­reihenbau das Einhalten unbedingter Baugenauig­keit gewährleisten. Ferner ist für solche Rekordflüge der Stand der Motorentwicklung von ausschlag­gebender Bedeutung.

Der Jumi 211, der in den Kampfflugzeugen un­serer Luftwaffe verwendet wird, hat durch den Re-

Oer Führer wieder im Westwall.

S a a r b r ü ck e n, 29. Juli. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht traf am Samstag in Saarbrücken ein, um die Werke der Befestigungszonen im Saargebiet und in der Saarpfalz zu besichtigen. Der Führer überzeugte sich vom Verteidigungszustand der An­lagen und nahm die Meldungen über den Einsatz der Sicherheitsbesatzungen sowie der in der Zone übenden Truppen entgegen. Den Führer begleitete u. a. der Reichsminister des Auswärtigen v o n R i b - bentrop. Gegen Abend kehrte der Führer im Flugzeug nach Bayreuth zurück.

Oer Führer an den Ouce.

Berlin, 29. Juli. (DNB.) Der Führer hat dem italienischen Regierungschef und Marschall des Imperiums Mussolini zu seinem heutigen Ge­burtstag folgendes Glückwunschtelegramm über­sandt:

An Ihrem heutigen Geburtstage grüße ich Sie in treuer Verbundenheit mit meinen herzlichsten Wünschen für Ihr persönliches Wohlergehen, wie den weiteren Erfolg Ihrer geschichtlichen Arbeit.

Ich gedenke heute dankbar des im Mai d.J. ab­geschlossenen deutsch-italienischen Freundschafts- und Bündnispaktes, durch den unsere beiden Völ­ker zu einer untrennbaren Schicksals- gemeinschaft zusammengeschlossen worden sind, die ihre Htärke in der Wahrung der Lebensrechte unserer Völker, wie in der Erhaltung des Friedens Europas erweisen wird."

Nene Zuspitzung in Tokio.

England macht Schwierigkeiten. Tokio zum Abbruch bereit.

Tokio, 31. Juli (DNB. Funkspruch, Ostasien- dienst). Die für heute angesetzte neue Sonderkonfe­renz über die Tientsin-Frage konnte nicht st a t t f i n d e n. Der Sprecher des Außenamtes er­klärte, daß sich die Konferenz mit den Fragen der Währung und der Herausgabe des Silber­geldes habe beschäftigen sollen. Die Anregung vom Aufschub der Verhandlungen fei von britischer Seite gegeben worden. Die Hauptkonferenz, die heute um 16 Uhr zusammentrete, werde lediglich politische Fragen behandeln. An diesen Besprechungen werde erstmalig auch der britische Polizeichef von Itentf in teilnehmen.

Bezeichnend für die heutige Lage ist die ent­schiedene Sprache der Presse. Hinzu kommen die Verlautbarungen der Armee, die bekanntlich die englische Niederlassung in Tientsin äblehnt. Außer­dem sind seit den frühen Morgenstunden zahlreiche Demonstrationszüge nach dem Regierungs­viertel in Tokio unterwegs, die gegen Eng­land gerichtet sind. Die Demonstranten ziehen an der britischen Botschaft und am japanischen Außen­amt vorüber. Auf mehrere Anfragen von ameri­kanischer und von englischer Seite erwiderte der Sprecher, daß die Regierung derartige Kund­gebungen nicht verhindern könne, solange sie spon­tan erfolgten. Die Regierung habe nicht die Absicht, mit den vom Volk auf diese Weise zum Aus­druck gebrachten Unwillen über Englands Haltung sich in Widerspruch zu setzen.

Im Zusammenhang mit der K ü n d i g u n g d e s Handelsvertrages durch Washington erklärte der Sprecher, daß aus USA., wenn man von der amerikanischen Presse absehe, feine roeU teren Informationen über die wahren Ab­sichten Amerikas vorlägen. Die Kündigung sei ohne vorherigeVerständiaung Tokios erfolgt. In japanischen politischen Kreisen vermutet man auch, daß die Schwierigkeiten in den Ver­handlungen über die Tientsiner Wirtschafts frage im Zusammenhang mit der Handelsver­tragskündigung Amerikas stehen, da die Engländer jetzt vorsichtiger geworden feien.

Die gesamte japanische Presse warnt heute England, sich in der Durchführung des absolut

klaren japanisch-englischen Uebereinkommens von anderen Problemen beeinflußen zu lassen. Tokio Asahi Schimbun" versichert, daß die plötz­lich versteifte Haltung Englands auch auf die Moskauer Verhandlungen zurückzuführen sei, da Sowjetrußland anscheinend in einer Ver­ständigung mit Japan eine Störung der Pläne erblicke, über die gegenwärtig in Moskau ver­handelt werde. Alle Zeitungen erklären, daß die Entscheidung der Konferenz in Tokio allein in Englands Händ en liege. Wenn England jetzt Schwierigkeiten machen wolle, dann sei Japan durchaus vorbereitet, die Verhand­lungen abzubrechen.

Tokio und Moskau.

Englische Hoffnungen und Beklemmungen.

London, 31. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die Time s schreibt, die Verhandlungen in Tokio und Moskau befänden sich jetzt in einem wichtigen Stadium. In Tokio seien neue Schwierigkeiten aufgetaucht, in Moskau entstehe eine neue An­spannung, um sich aus der ausweglosen Lage her­auszufinden, in der sich die Verhandlungen feit eini« chen Wochen befunden hätten. Es sei wahrscheinlich, daß die britische und die ftanzösische Regierung General st absoffiziere nach Moskau senden würden, um Verhandlungen mit dem Ziel einer militärischen Verständigung der dreiMächtezu beginnen, die die politischen Klau­seln des vorgeschlagenen Devensivpaktes verstärken sollten. In Tokio würden die Verhandlungen durch die weiteren japanischen Forderungen aufgehalten. Großbritannien werde aber nicht von einer Politik ab­gehen, die es sich gesteckt habe. Den weiteren japani­schen Forderungen zuzustimmen würde heißen, alle Hilfe für die chinesische Währung und für die chinesische Ausfuhr, die viele Länder angehe England, Amerika, Frankreich usw., a u fgu = geben.

Daily Mail" schreibt, der Entschluß, m i l i - Itärische Beratungen zu beginnen, sei in Wirklichkeit ein Zugeständnis an die Sow­jets, nicht aber ein Zeichen eines Fortschrittes.

Gegen denjungen Mnn" Londons.

Paris, 30. Juli. (Europapreß.) Meldungen aus N e u y o r k zufolge unterzog der republikanische Senator N y e, der den Bundesstaat Nord-Dakota vertritt, am Samstag die Außenpolitik Roosevelts einer scharfen Kritik. Nye stellte die Forderung auf, daß eine aus Senatoren und Mit- aliedern des Repräsentantenhauses sich zusammen­setzende Kommission geschaffen werde, mit der der amerikanische Präsident sich jedesmal verstän­digen müsse, wenn er irgendwelche bedeutungsvollen außenpolitischen Maßnahmen zu er­greifen gedenke.

Senator Lundeen tadelte in nicht weniger hef­tiger Weise die Kündigung des nordamerika­nisch-japanischen Handels - und Schiff- f ah rt s v ertr a g e s , die in den Vereinigten Staaten nur das Arbeitslosenheer vergrößere. Die nordamerikanischen Bürger verlangten in ihrer überwiegenden Mehrheit, so erklärte der Senator weiter, daß die USA.-Regierung nicht für Eng­land die Kastanien aus dem Feuer zu holen suche. Nordamerika solle feine Schiffe aus den asiatischen Gewässern und von den anderen Weltmeeren zurückziehen, um sie ausschließlich in der Nähe der nordamerikanischen Küste zu deren Schutz zu stationieren.

Der englisch-japanische Vertrag von 1911.

London, 30. Juli. (Europapreß.)Sunday Times" deutet am Sonntag an, England werde feinen Vertrag mit Japan aus dem Jahre 1911 ebenfalls kündigen, wenn Japan in der Frage der nordchinesischen Währung und des in Tientsiner Banken liegenden chinesischen Silberbestandes nicht eine andere Haltung einnehme. Diese beiden Fragen sind in den letzten 48 Stunden in Tokio immer wieder in den Vorder­grund getreten.