** Zum Truppenübungsplatz abgerückt. Am gestrigen Dienstag ist unser Infanterie- Regiment 116 zu einer mehrwöchigen Hebung auf den Truppenübungsplatz abgerückt. Die Abfahrt erfolgte in mehreren Transportzügen. Auf dem Wege zum Bahnof wurde den Soldaten von der Bevölkerung ein herzlicher Abschiedsgruß dargebracht.
** Heble Burschen haben in den letzten lagen in mehreren Fällen ihr verwerfliches Treiben an Kraftwagen ausgeübt. An den Fahrzeugen wurden Winker gewaltsam abgerissen, Schnitte in die Verdecke ausgeführt und mancherlei anderer Sachschaden angerichtet. Die polizeilichen Ermitt
lungen sind im Gange. Die Hebeltäter können sich darauf gefaßt macken, daß ihnen ein gehöriger Denkzettel oerabreicyt wird.
* * Seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Kantinenwirt Heinrich ©ans, der — wie mir gestern berichteten — in der Nacht zum ersten Feiertag mit dem Fahrrad stürzte und mit einer schweren Kopfwunde in die Chirurgische Klinik eingeliefert werden mußte, ist dort am gestrigen Dienstagnachmittaa gestorben.
* * Grasver st eigerungen der Stadt finden am nächsten Freitag statt. Interessenten seien besonders daraus hingewiesen.
Wissenschaft ist Dienst am Volke.
Eine dritte Vortragsreihe hat begonnen.
Die dritte Vortragsreihe „Wissenschaft ist Dienst am Volke", die der NSD.-Dozentenbund gemeinsam mit dem Deutschen Dolksbildungswerk durchführt und die mit dem Vortrag von Professor Dr. Küster anläßlich der Linne-Feier begonnen wurde, wird sich infolge der sommerlichen Verhältnisse über einen längeren Zeitraum erstrecken, als die bisherigen. Für Juni ist ein Vortrag von Professor Dr. Hummel, dem Direktor des Geologischen Instituts, vorgesehen. Im Anschluß daran dürfte eine Führung durch den Botanischen Garten unter Leitung des Assistenten des Botanischen Instituts, Dr. Heidt, der auch Organisator und Leiter dieser Vortragsreihen ist, stattfinden. Im übrigen werden auch bei dieser dritten Vortragsreihe Wissenschaftler der verschiedensten Forschungsgebiete zu Wort kommen und eine Reihe von Besichtigungen von Kliniken und Instituten der Hnioersität durchgeführt werden. Für die Heimatfreunde und diejenigen, die Gießen noch nicht genügend kennen, dürfte es von Interesse sein, daß der Kunsthistoriker Professor Dr. Rauch, der Direktor des Kunstwissenschaftlichen Instituts, wieder eine Führung durch Alt-Gießen vorgesehen hat. Die.
Vorträge, die in nächster §eit geplant sind, werden voraussichtlich von dem Direktor des Geographischen Institutes, Professor Dr. Klute, und von dem Leiter des Archäologischen Instituts, Professor Dr. Zschietzschmann, gehalten werden. Für die Besichtigungen der Kliniken und Institute sind auf vielfachen Wunsch eine solche der Medizinischen Klinik mit einem Vortrag des Direktors Professor Dr. R e i n w e i n, ferner eine Besichtigung des Anatomischen Instituts mit einem einleitenden Vortrag von Direktor Professor Dr. Elze vorgesehen. In Aussicht genommen ist weiterhin der Experimentalvortrag über Atomzertrümmerung, der anläßlich der Hochschulwoche der Hnioersität große Beachtung gefunden hatte.
Zur Durchführung dieser Vortragsveranstaltungen, die weiten Volksschichten einen Einblick in die Forschungsgebiete unserer Hnioersität ermöglichen, ist ein noch größerer Besuch zu erhoffen. Jeder Volksgenosse sollte mit dem an sich sehr geringen Beitrag ein Werk unterstützen, das breiten Volksschichten ausgezeichnete Dienste leistet.
Haushalt leicht gemacht!
Eine Ausstellung für unsere Frauen.
Vom 2. bis 5. Juni wird in Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Frauenwerk und der Landesbauernschaft Hessen-Nassau in Gießen in den Räumen des Gesellschaftsvereins, Sonnenstraße, eine Ausstellung durchgeführt, die sich unter dem Leitgedanken „Haushalt leicht gemacht" an alle Hausfrauen wendet; ihr ist außerdem eine Sonderschau „Koche gut und richtig" angegliedert.
Die Ausstellung soll die hohe Bedeutung des volkswirtschaftlich richtigen Verbrauchs der in Deutschland erzeugten Nahrungsgüter zeigen. Außerdem soll die Schau mithelfen, neue Wege auf« Anzeigen, durch die der Kampf um Deutschlands Nahrungsfreiheit unterstützt werden kann. Sie wird sich vor allem mit dem Verbrauch der hochwertigen Nahrüngsmittel beschäftigen, die in Deutschland reichlich zur Verfügung stehen. Kostproben von Kartoffel- und Fischgerichten werden für diese Nahrungsmittel werben. Es ist aber nicht allein die Zubereitung all der schönen Speisen zu erlernen, sondern man wird sich auch über die Aufbewahrung von Kartoffeln, Gemüse und anderen Nahrungsmitteln, kurz über die Vorratswirtschaft im Haushalt unterrichten können. Das Deutsche Frauenwerk zeigt einen vorbildlichen Vorratskeller, aber auch die Vorratskiste, wie sie nicht sein soll.
Nicht nur rohe Kartoffeln hat die Hausfrau in Verwahrung, sie kennt jetzt auch die neuen Abkömmlinge der Kartoffel, wie Stärkemehl, Kartoffelsago und Deutsches Puddingmehl (DPM.), die mehr und mehr den Küchenzettel bereichern und die ausländischen Rohstoffe, wie Sago und Maisstärke, verdrängen.
Den deutschen Seefisch, der in den letzten Jahren einen Siegeszug seiner Verwertung von der
Küste bis ins letzte Dorf angetreten hat, wird man in allen Sorten kennen lernen, so frisch, wie er vom Seefischer an den Landeplatz gebracht wird. Auch die für jede Sorte passende Zubereitungsart können sich die Besucher vorsühren lassen, ebenso wie ihnen Kostproben der verschiedenartigen Verwendung von Frischnahrung gereicht werden.
Ferner sind alle die vielen großen und kleinen Geräte zu sehen, durch die der Hausfrau die Arbeit erleichtert werden kann. Verschiedene Küchenmodelle zeigen in anschaulicher Weise, daß durch eine einfache Hmstellung der Möbel oft eine verblüffende Erleichterung der Hausfrauenarbeit möglich ist. Die Wege werden verkürzt und praktisch verlegt, fo daß viele unnötige Schritte im Tag fortfaüen.
Dem Kampf gegen den Verderb ist eine andere Abteilung der Ausstellung gewidmet. Sie zeigt sowohl die an unseren Nahrungsmitteln durch tierische Schädlinge, wie Fliegen, Mäuse usw., angerichteten Schäden als auch die ungünstigen Einflüsse von Kälte, Hitze und anderen Witterungsäußerungen bei unzweckmäßiger Aufbewahrung der Nahrungsmittel.
Die Sonderschau „Kocht gut und richtig" zeigt die Kartoffel im Tageslauf unserer Ernährung, vorn Frühstück bis zum Abendessen, in den vielfältigsten Zubereitungsarten auf den täglichen Tisch, als Hauptbestandteil schmackhafter Salate, zum Abendessen, und schließlich noch den pikanten Kartoffel-, brei und neuartige Kartoffelgerichte. An allen Tagen wird Gebäck aus Kartoffeln und Pudding in verschiedenster Zubereitungsform aus DPM. geboten.
Die Ausstellung mit der Sonderschau „Koche gut und richtig" ist werktags von 10 bis 18 Hhr und sonntags von 11 bis 13 Hhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenfrei.
Aus her engeren Heimat.
HI.-Sef. 8/116 Watzenborn-Steinberg.
Watzenborn-Steinberg.
Am heutigen Mittwoch, 31. Mai, hat die Schar 1 Heimabend. Zu diesem Dienst treten sämtliche Igg. bei der Volkshalle an. Die Schar 2 hat heute abend 20 Hhr Sportdienst und tritt in Sportkleidung bei der Volkshalle an.
Garbenteich.
Heute abend haben die Kameradschaften 9 und 10 Heimabend. Sämtliche Igg. treten 20.30 Hhr beim Heim an.
hausen.
Am heutigen Mittwoch hat der Standort Hausen Heimabend. Die Igg. treten hierzu um 21 Hhr an. Autounglück auf der Veichsautobahn
bei Reiskirchen.
Am gestrigen Dienstagmittag ereignete sich auf der Reichsautobahn in der Nähe von Reiskirchen ein Autounglück, von dem die Familie des Rechtsanwalts Willy Hoffmann aus Leipzig betroffen wurde. Während der Fahrt des Kraftwagens platzte plötzlich ein Reifen, fo daß sich der Wagen überschlug. Dabei erlitt Rechtsanwalt Hoffmann schwere Kopfverletzungen, vermutlich einen Schädelbruch, während feine Frau und fein Kind unverletzt blieben, dagegen ein anderes Kind, feine Nichte, Schnittwunden und andere Kopfverletzungen davontrug. Die Verunglückten wurden nach erster ärztlicher Hilfeleistung in Reiskirchen van der Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes nach der Chirurgischen Klinik gebracht.
Süngerfest in Hausen.
T Hausen (Kreis Gießen), 30. Mai. Der Gesangverein „Eintracht" Hausen feierte über die Pfingsttage fein 55jähriges Jubiläum. Der Verein wurde seinerzeit von Lehrer Nikolaus (Hausen) gegründet. Zwei Mitgriinder leben noch; es sind dies Heinrich Mack und Christian Engelhardt. Das Fest nahm nach einer Heldenehrung auf dem Friedhof feinen Anfang mit einem Fest- kommers auf der Aue, die als Festplatz großzügig hergerichtet war. Der Vereinsführer, Bürgermeister Göbel, begrüßte die Besucher, der Verein sang verschiedene Lieder, Mädchen führten einige Reigen auf, und auch der Turnverein stellte sich mit einzelnen Vorführungen zur Verfügung und stellte eine Pyramide. Der Festtag selbst am ersten Feiertag brachte die Scharen der auswärtigen Gäste. 22 Vereine waren erschienen. Hngefckhr 6000 Personen waren anwesend, eine Besucherzahl, wie sie wohl Hausen bisher noch nicht erreicht hatte. Nach einem festlichen Hmzug durch das geschmückte Dorf brachte Bürgermeister Göbel den Willkommgruß an alle Vereine und fonftigen Gäste dar und wies auf die Bedeutung des Liedes und der Gesangvereine hin. Die Festjungfrau Emmi Der n sprach den Festprolog, während Ortsgruppenleiter Jung van Watzenborn den Gruß an den Führer zum Ausdruck brachte. Jeder einzelne Verein trug einen Chor vor, und immer wieder wurde der Beifall laut über die mo^lgelungenen Vorträge der einzelnen Vereine, die alle Zeugnis von gutem Können und hingebender Arbeit ablegten. Bald entwickelte sich dann fröhliches Treiben auf dem Festplatz. Die Musik spielte zum Tanz auf, und da und dort erschollen immer wieder in zwangloser Weise die Lieder einzelner Vereine. Arn zweiten Pfingsttag fand noch eine Nachfeier auf dem Festplatz statt. Das ganze Fest nahm fo einen glänzenden Verlauf, der in erster Linie der guten Vorbereitung und der vorbildlichen Drganifation zu verdanken war. Hnd schließlich wäre aller Erfolg in Frage gestellt gewesen, wenn das Wetter sich nicht im letzten Augenblick umgestellt und die Besserung der Witterung zum letzten Gelingen beigetragen hätte. Der Gesangverein „Eintracht" kann mit Stolz und Genugtuung auf den
Erfolg feines Festes zurückschauen, und dieser Erfolg wird ihm der beste Ansporn für die Zukunft sein.
Unfälle auf dem Lande.
Der 11jährige Schüler Erich Dern aus Grünt n g e n zog sich durch einen unglücklichen Sturz eine schwere Gehirnerschütterung zu. — Durch einen Sturz von einer Leiter erlitt der 32 Jahre alte Lagerarbeiter Adolf Pfaff aus Launsbach Brustwirbelverletzungen und erhebliche Rippenprel- lungen. — Der 50jährige Landwirt Wilhelm Abel von Krofdorf erlitt beim Futterholen einen Hn- fall. Er geriet unter den Wagen und erlitt einen Bruch des linken Beines. — Der Maurer Otto R u p p e l aus Alsfeld zog sich bei einem Sturz in ein Loch eine erhebliche Hnterkieferverietzung zu. Eine Infektion, die sich dazu eingestellt hat, läßt chn schwer darniederiiegen. Sämtliche Verunglückte wurden in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht. /
Landkreis Gietzen.
< Londorf, 31. Mai. Anstelle des seit etwa 5V2 Jahre tätigen Gemeindedieners Hans Schäfer wurde der Kriegsbeschädigte Friedrich Kronen- b er g mit Wirkung ab 1. Juni zum Ortsdiener ernannt und verpflichtet.
x kreis Alsfeld.
§ Groß-Felda, 30. Mai. Die Molkerei-- genoffenfchaft Groß-Felda hielt ihre Generalversammlung ab, in der den Mitgliedern eine Hebersicht über die Hmsätze und Leistungen des vergangenen Jahres gegeben wurde. Um die Mittagszeit setzte aus den Dörfern ringsum der Zustrom ein, und als Friedrich Wilhelm Stein (Stumpertenrod) die Versammlung eröffnete, waren von 447 Mitgliedern nur 12 nicht erschienen. Als Vertreter des ländlichen Genossenschaftsoerbandes war Dr. D e i ch e r t (Msfeld) zugegen, für den Milch- und Fettwirtschaftsverband Hessen - Nassau Herr Weber (Frankfurt). Direktor Schüßler erstattete den Rechenschaftsbericht. Es wurden 3 280 257 Kilogramm Milch geliefert. Daraus erzeugte dis Genossenschaft ihre bekannten Fabrikate, Butter, Käse und Quark. Der Gesamt-Jahresumsatz betrug wertmäßig 5 361 211,40 RM. Im Durchschnitt wurden 14,08 Pfennig für den Liter Milch bezahlt, wobei der Fettgehalt 3,495 betrug. Es wurden für Milchgeld 401 691 RM. ausgezahlt. Der Reingewinn betrug 2376,08 RM. Daneben unterhält die Genossenschaft noch ein Derkaufslager sowie eine Getreidereinigungsanlage mit Beizung und eine Schrotmühle. Auch hier ergaben sich beachtliche Hm- fätze. Es wurden verkauft: 122 335 kg Getreide im Wert von 22 462 RM., 185 235 kg Düngemittel verschiedenster Art im Wert von 13 740 RM., 42 160 kg Futtermittel im Wert von 44 308 RM., 42160 kg Saatgut im Wert von 10 173 RM., außerdem noch sonstige Waren, deren Wert 18 150 RM. betrug. Die seitherigen Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates wurden einstimmig wiedergewählt.
Die schöne Stadt.
Eine Ausstellung in Frankfurt am Main.
Fy. Frankfurt a. M., 30. Mai. Der Deutsche Heimatbund und der Reichsinnungsverband des Malerhandwerks zeigen in dem neuen Frankfurter Ausstellungshause auf der Bockenheimer Landstraße eine interessante und lehrreiche Ausstellung zur Gestaltung des deutschen Städtebildes. Ministerialrat Ringshausen und Bürgermeister Bremmer sprachen bei der Eröffnung und wiesen am Beispiel der städtebaulichen geschichtlichen Entwicklung und an den in den letzten Jahren schon ergriffenen Maßnahmen zur Entschandelung der Städte darauf hin, daß sich Zweckmäßigkeit sehr wohl mit Schönheit verbinden läßt.
Die Ausstellung zeigt in einer Abteilung allgemein gültige Beispiele für die Entschandelung des Städte bildes, sei es durch Instandsetzung alter Häuser, durch Beseitigung schreiender meist zudem
Zukunstsmusik im Kernsehen.
Don Dr. Erich W. Keilpflug.
Für den heutigen Stand des Fernsehens sind zwei Faktoren von ausschlaggebender Bedeutung: einmal der Hmstand, daß die drahtlose Uebertragung der Bilder a u f ultrakurzer Welle, d. h. auf Wellenlängen unter zehn Meter erfolgen muß, und zweitens die Normalisierung des Fernsehbildes auf 4 41 Zeilen, die unsere Reichspost vor zwei Jahren vornahm. Das Vorgehen der Reichspost auf diesem Gebiet mag dem ungeduldigen Laien vielleicht ein wenig zu langsam und bedächtig erscheinen, wer aber weiß, wie viele Schwierigkeiten zu überwinden waren und schon überwunden sind, der weiß auch, daß die Deutsche Reichspost stolz auf das heute Erreichte sein kann.
Das Fernsehbild kommt auf die Weise zustande, daß in der sog. Braunschen Röhre ein sich hin und her bewegender Elektronenstrahl Zeile für Zeile des Bildes aufleuchten läßt, aber fo schnell, daß das menschliche Auge infolge seiner „Trägheit" den gesamten Weg des Strahls über die Bildfläche als ein in allen Teilen gleichmäßig entstehendes Bild auffaßt. In je mehr Zeilen der Strahl das Bild unterteilt, desto' reicher an Einzelheiten und schärfer wird es naturgemäß. Seit dem Hebergang vom früheren 180zeiligen zum 441zeiligen Bild konnte daher die B i 1 d q u a l i t ä t so verbessert werden, daß das Fernsehbild heute schon den Ansprüchen genügt, die wir an ein Bild im Kino zu stellen gewohnt sind. Da hier von Zukunftsmusik die Rede sein soll, sei erwähnt, daß man im Lobaratorium bereits Bilder von 800 bis 1000 Zeilen technisch durchaus beherrscht, daß man aber keinen Anlaß sieht, vorn 441-Zeilenbild abzugehen, da die Technik hier noch Entwicklungsarbeit für Jahre vor sich bat, zumal was Empfangsgeräte zu volkstümlichen Preisen anlangt.
Ist man auf dieser Seite mit Recht zufrieden mit der technischen Entwicklung, so bereiten auf der anderen Seite die ulttakurzen Wellen manche Schwierigkeit. Ihre Ausbreitungsgesetze sind sehr eigentümlich und für größere Entfernungen keineswegs sicher erforscht. Zunächst geht die Reichweite der uttrakurzen Wellen bis zum geographischen Horizont des Senders. Städte wie Neuyork mit der Sendeantenne auf dem Empire State Building ober London, dessen Sendeantenne die Stadt ebenfalls stark überragt, sind daher, im Augenblick wenigstens, Berlin gegenüber stark im Vorteil, wo sich die Antenne, da der Funkturm als für diese Zwecke nicht mehr geeignet gilt, auf einem Hause von normaler Höhe auf dem Adolf-Hitler-Plätz be
findet. Die Empfangsfeldstärken sind daher in den beiden vorher genannten Städten 10- bis 20mal so groß wie in Berlin. Auf alle Fälle aber erfährt die Bildsendung innerhalb der großen Städte schon dicht beim Sender große Zerstreuung und Aufsaugung durch die Stein- und Metallmassen der Häuser. Während man heute in den Randgebieten der Städte mit normaler drahtloser Uebertragung schon völlig ausfommen zu können glaubt, redet man innerhalb der Städte dem Prinzip der Gemeinschaftsantenne das Wort. Sender wie der eben fertiggestellte auf dem Brocken oder der auf dem FeIdberg im Taunus vermögen infolge ihrer hohen Lage einen Kreis von etwa 100 Kilometer Radius einwandfrei mit Fernsehsendungen zu versorgen. Zur sicheren Uebertragung der Sendungen über längere (Entfernungen steht außerdem heute ein sehr geeignetes Mittel, das sog. Breitbandkabel zur Verfügung, mit dessen Hilfe eine Sendung auf weit entfernte Sender einwandfrei übertragen werden kann. Allerdinas ist bei Fernsehsendungen das Frequenzband sehr schmal und erlaubt daher nicht viele Sender nebeneinander.
Was nun die Ausbreitung der Fernsehwellen über den Horizont des Senders hinaus anlangt, so ist man heute der Ansicht, daß die seinerzeit durchgeführten Sendeversuche zwischen Europa und Amerika reine Zufallsergebnisse waren und nichts als den herrschenden besonders günstigen Ausnahmezustand der Atmosphäre bestätigen. Jenseits des Horizontes und vor allem auf größere Entfernungen zeigt sich im allgemeinen eine starke Abnahme der Wellenenergie entsprechend der Beugung, der die Wellen ausgesetzt sind. Ferner treten Fadings, Schwunderscheinungen, auf, die daraus beruhen, daß die Welle mehrwegia zu ihrem Ziele läuft. Die dadurch erzeugten Interferenzen veranlassen die Fading- Erscheinungen; ferner aber bewirkt die Aufsplitterung der Signale und die Zeitdifferenzen, mit denen sie demzufolge ankommen, eine Verbreiterung der Konturen und Hnschärfe des Bildes. Doch kann man mit Hilfe bestimmter Tricks diese Zeitunterschiede vielleicht ausschalten. Auf alle Fälle bessern sich die Empfangsverhältnisse mit dem Abstand vom Erdboden bedeutend, und zwar ist das Produkt der Höhe der Sende- und Empfangs-Antenne maßgebend. Man erklärt sich den Empfang van Fernsehsendezeichen über den Ozean hinüber durch konstante Brechung der Strahlen, ähnlich wie bei der Fata Morgana. Seitdem man beginnt, diese Verhältnisse zu durchschauen, hält man es auch durchaus nicht mehr für unmöglich, regelmäßig Fernsehbilder über den Ozean zu senden, wenn man nur die geeigneten technischen Vorkehrungen, wie engste Zusammenbündelung der Strahlen, Zusammen- schaltung mehrerer Empfangspunkte und stärkste Sendeleistung richtig kombiniert.
Um noch ein wenig Zukunftsmusik zu spielen: schon auf der vorjährigen Rundfunkausstellung waren erste Versuche mit farbigem Fernsehen gezeigt worden. Die Technik ist heute so weit, daß man Fernsehbilder in drei Farben übertragen kann, aber diese sehr interessanten Ergebnisse sind vermutlich noch für längere Zeit verurteilt, Liebhabereien einiger weniger Techniker zu bleiben. Auch hier hindert der wirtschaftliche Imperativ, wenigstens auf absehbare Zeit, die technische Errungenschaft, das zu werden, was sie sein sollte, nämlich Allgemeingut. Denn es ist ohne weiteres einzusehen, daß die betreffenden Apparate außerordentlich kompliziert und teuer sind.
Don der Kunst, einen guten Galat zu machen.
„Um einen guten Salat zu machen, sind drei Personen nötig: ein Verschwender für das Del, ein Geizhals für den Essig, ein Verrückter zum Rühren." Diese alte Weisheit stellt gewissermaßen das Grundprinzip in der vielgeübten Kunst des Salatmachens dar, in der es für den Kenner noch eine Unzahl geheimer Regeln und feiner Kniffe zu beobachten gilt. Denn mit kaum einem Gericht haben sich die Feinschmecker aller Zetten so aus- giebia beschäftigt wie mit dieser unscheinbaren Speise, für die die Natur uns eine reiche Fülle von Pflanzen darbietet, von der eigentlichen Salat- pflanze, dem alten Lattich, angefangen, über Endivien und Rapünzchen, Gurken und Sellerie bis zur einfachen Brunnenkresfe.
Schon eines der ältesten deutschen Kochbücher, das des Max Rumpolt vom Jahre 1581, zählt 50 verschiedene Salatarten auf vom einfachen Kopfsalat „in Wasser gequellt und wiederum ausgekühlet, mit Essig, Del und Salz angemacht", bis zu folgendem kompliziertem Rezept: „Nimm weißen Salat, der gequellt ist, reib ein weißen Weck und Parrnesan- ks, schneid Muscatnüß darunter. Nimm Eierdotter und frische Butter, die unzerlassen ist, schneid Ochsenmark darunter, und thu den Salat darunter und ein wenig gestoßenen Ingwer, so ist es ein herrlich und gut Füll; mach ein Teig mit lauter Eiern, arbeit ihn wohl, treib ihn sein dünn aus, wie ein Schleier, daß er fein durchsichtig ist, schlag die Füll darein."
Für dit hohe Wertschätzung des Salats bereits in der Antike führt der geistreiche Baron Eugen Daerft in feiner „Gaftrofophie" eine Stelle aus Lukian an, aus der deutlich hervorgeht, daß die Gotter Griechenlands außer Nektar und Ambrosia noch Salat genossen, ja, daß sich Hebe gehörig daran überaß, und ein Feinschmecker bei Plautus
rechnet sogar das „Kraut mit Essig und Salz" zu den „königlichen Speisen", während der Philosoph Aristoxenos von Cyrene seinen Lattich „den grünen Kuchen" nannte, den ihm die Erde gespendet. In einem langen Lobgedicht auf den Salat preist der Dichter Molza im 16. Jahrhundert Adam im Paradiese als den Erfinder dieses Gerichtes und erklärt, Lorbeeren und Myrten müßten ihren Ruhm gegen den des Salates aufgeben.
Das klassische Land des Salates aber ist Frankreich, wo es heißt, daß ein guter Franzose nur Zwei Speisen nötig habe, nämlich Suppe und Salat. Heber die beste Zubereitung dieses Nationalgerichtes haben sich große Gelehrte den Kopf zerbrochen, und zwischen den beiden berühmten Chemikern Fourcroy und Chaptal entbrannte sogar ein edler Wettstreit um dies hohe Ziel. Der „Salat ä la Chaptal", bei dem man Essig und Del zwischen zwei schief gehaltenen Tellern tüchtig durcheinandermengt und schüttelt, hat dem seines Kollegen den Rang ab gelaufen. Der gefeiertste Salatkünstler aber war der „große Gaudet", den den Kultus dieses Gerichtes während der französischen Revolution nach England brachte. Gaudet kam als blutarmer Emigrant nach London und brachte nur einen einzigen Schatz mit sich, nämlich die in Frankreich damals vielverbreitete Kunst, den Salat auf das schmackhafteste und zierlichste zu bereiten. Die unnachahmliche Grazie, die Mischung von'Würde und Scherz, womit er vor dem Aufträgen des Bratens feinen köstlichen Salat „komponierte", begeisterte die Engländer fo, daß sie den geistreichen Franzosen wie ein Wunder anstaunten. Im eigenen Wagen fuhr er von Diner zu Diner, erhielt zehn Guinen für eine einzige Probe feiner Kunst und war so beschäftigt, daß er sich alle Aufträge wenigstens eine Woche vorher erbat und den Herzog von Devonshire eine Stunde warten ließ.
Auch Deutschland hat zu dieser Zeit seine berühmte „Salatkünstlerin" gehabt. Der Soldaten- fönig Friedrich Wilhelm I., der sich als leidenschaftlicher Salat ess er seine Portion stets selbst bereitete, war freilich kein solcher Virtuose. Aber die schone Madame Drake, die Wirtin des Hotels „Zur Stadt Rom", des besten Gasthofes in Berlin um 1790, war eine Sehenswürdigkeit, und jedes Tischgespräch an der Table d'hote verstummte und machte der Bewunderung Platz, wenn sie die langen weißen Handschuhe, mit denen sie gegessen hatte, ablegte und mit deutschem Ernst bat, man möge sie nicht stören, denn solle der Salat glücken, dann müsse sie sich ganz ungeteilt seiner Bereitung widmen. Eine ähnliche Feierlichkeit entfaltete Friedrich Schlegel, „einer der geistreichsten Esser seiner Zeit", wenn er bei Tisch den Salat bereitete, und er „sprach über diesen Gegenstand höchst tieffinnig und zierlich". C. K.


