Ausgabe 
31.1.1939
 
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Kr. 26 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberWen)

Dienstag.3l.Zanuar 1959

Man würde dasitzen und dle Blicke unruhig gleiten lassen: Da war der Flügel, der kleine braune Mahagoni-Flügel, Ms letzte Geschenk des Manne's, zu dem man zwanzig Jahre lang Vater sagte--

Noten, Noten liegen darauf, ein Bild in silbernem Rahmen: nochmal die Mutter, im Kostüm einer gro­ßen Rolle: Tosco, davor eine kleine kostbare Schale, Gold und Email, immer mit frischen großen Veil­chen gefüllt. Da waren die altmodischen grünen Seidensessel mit ihren großblumigen Bezügen, man würde darüber hinstreichen, wie über etwas Frem­des --Nebenan sähe man ins Eßzimmer mit

seinen schwarzeichenen schweren Schränken, mit seinen blauen Delfter Vasen und Krügen, seinen Zinnhumpen--man würde die Zimmer plötzlich

flüchtend verlassen, erdrückt von der Fülle von Er­innerungen, die sich mit diesem Haus verknüpften. Man würde nichts mehr ertragen: nicht die große Halle mit den hochlehnigen Renaissancestühlen, nicht die Glasfenster des alten Bürgerhauses, auf denen marr als Kind die romantischen Edeljungfrauen und bacchantischen Knaben mit ihren dicken Weintrauben einmal so sehr bewundert hatte man würde die Treppe heraufstürmen in den kleinen Wohn- und Schlafraum, würde mit fremden Augen alles Liebe, Vertraute betrachten: das zarte Mantelgrün des Schlafraums, die duftige Kretonneherrlichkeit des kleinen Wohnraumes, man stände wohl an dem klei­nen Bücherschrank und läse die Titel vertrauter Bücher, murmelte den Namen, schlüge eine Musik­geschichte auf, begriffe nichts und schlüge die Hände vor den Kopf wie jetzt, wie jetzt ...

Hallo, Fräulein!" Im jähen Schrecken ließ Evelyn die Hände vom Kopf gleiten. Hinter sich sah sie die lackglänzende Tschakokappe eines Schupo­beamten, mattes grünes Tuch schimmerte durch den Regen, eine feste Hand berührte chre Schulter.

Ist Ihnen nicht gut? Soll ich Ihnen helfen?" Evelyn sah den Mann aus jäh erschreckten Augen o^Nein, nein, danke!" flüsterte sie heiser.Ich geh schon, ich geh ja schon ..."

Na, na, na so roars jo gar nicht gemeint!" Der Beamte brummte unwillig vor sich hin und sah das Mädchen kopfschüttelnd an.

Evelyn raffte sich auf, ging weiter und trat schließlich in ein Cafe ein. Ein Tisch mit fleckmer Baumwolldecke war frei, Evelyn sank daran meber und fühlte plötzlich eine irrsinnige Schwäche in den Knien, ein wildes Schmerzgefühl in den müden Füßen, einen Augenblick lang drehte sich der kleine bunte Raum mit seinen Menschen im wirbelnden Kreisel vor ihren Augen, sie tastete in tue. Lust, jetzt war wieder Halt da, Gradheit, Ständigkeit.,.

Hinter ihr schwatzte ein Liebespärchen, das Mäd­chen hatte einen hellen Sopran, mit dem es immer wieder in zierlich affektiertes Lachen ausbrach, gel­bes stark gekräuseltes Haar umringelte das Puppen­gesichtchen, der kirschrot geschminkte Mund war feucht und lockend, der Jüngling an der Seite des Mäd­chens schmiegte seinen ondulierten Friseurkopf dicht an die Wange des Mädchens ... Plötzlich erschrak Evelyn ... wo war sie eigentlich? Es war wohl doch besser, zu gehen ... Da kam der Kellner, er sah grau, müde und alt aus und strich verdrossen um ihren Tisch. Evelyn bestellte mechanisch einen Tee, der Kellner schlurrte davon, das Lokal wurde immer undurchdringlicher vor Gelächter, Zigarren­rauch und Dunst ... Plötzlich begriff Evelyn, daß ihr etwas fehle, ihre Hände glitten über den Tisch Die Handtasche! Verloren? Wahrscheinlich. Im Regen--Oder wo? Eine müde Gleichgültigkeit

überfiel sie ... ganz gleich, ganz gleich--was

lag daran ... Sie griff in die Tasche der Pelzjacke, die neben ihr auf dem Stuhl lag, da knisterte der Brief der Mutter in dem starken gelben Kuvert, sie fühlte das weiche Paket einen Augenblick in der Hand. Der war da, das war gut, alles andere war gleich. Etwas loses Geld war auch noch in der Tasche, ein paar Mark, das würde langen ... alles andere war gleich--

Der Tee kam, er stand braun und duftend vor Evelyn, sie hob das brennendheiße Glas an die Lippen und fühlte sich nicht imstande zu trinken, ein paar Tranen rannen langsam aus den Augen .. sie bemerkte es ganz erstaunt und wischte sie schnell weg hatte jemand das gesehen? Aber niemand achtete auf sie, denn der Vorhang war zurückge- gangen, ein junger Mensch mit altem Gesicht, dem er mit ziemlicher Anstrengung ein paar flotte Lebe- mansgrimassen einzukerben suchte, stand da, redete irgendein krauses Zeug und kündete eine Sängerin an, die bald darauf erschien und eine viel zu tiefe Verbeugung vor dem sie neugierig anstarrenden Publikum machte. Sie war klein und ziemlich aus der Form gegangen, hatte ein weiß und rot gefärb­tes Gesicht und eine Soubrettenstimme von durch­dringender Schärfe Evelyn hob schmerzend die Schultern bei den schrillen Tönen ... Warum sie nicht auf ft anb--sie versuchte sich einen Ruck

zu geben. Und blieb doch. Dann wirbelten Zwei Mädchen über die Bühne, sie trugen silberne Büsten­halter und Pailettenhöschen und hüpften eine ganze Reihe stereotyp eingedrillter Bewegungen mit fest eingefrorenem Lächeln ab. Nun kam der Ansager- jüngling mit faden Wiben wieder, das Publikum lachte wiehernd und schüttelte sich vor Vergnügen, Evelyn sah es mit einem fremden, starren Lächeln.

(Fortsetzung folgt!)

Der Zestvorlrag

erschen Glocke. Dann

scher Prägung, als Bollwerk deutschen Geistes und deutscher Leistung im Osten ihre Pforten wieder öffnen konnte.

Am Schlüsse seiner Rede gedachte er in Dank­barkeit der Toten, insbesondere jener Männer, die mit dem Treuebekenntnis auf den Lippen bis zum letzten Atemzuge dem Tode furchtlos entgegensahen. Ein einziger Glaube habe die Hemmnisse und Kräfte einer schicksalschweren Vergangenheit über­

wunden und das Reich Adolf Hitlers die Ernte eines ganzen Jahrtausends nach Haufe tragen lassen. Der beispiellose Aufstieg des deutschen Volkes aus trostloser Knechtschaft zur Freiheit und Größe ver­pflichte unsere Generation zu einer Kraftentfaltung, mit der ein stolzes Herrenvolk den Führer bedanke. Treue um Treue! sei deshalb unser Gelöbnis am sechsten Jahrestage der Machtergreifung des Führers.

Die Ludwigsuniversität beging den Tag der na­tionalen Erhebung und zugleich die Feier des Reichsgründungstages mit einem Festakt in der Neuen Aula, zu dem sich mit den Angehörigen der Universität zahlreiche Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht eingefunden hatten.

Nach dem feierlichen Einzug des Lehrkörpers und dem Einmarsch der Fahnen fang der Akade­mische Gesangverein unter der Leitung von Uni­versitätsmusikdirektor Professor Dr. T e m e s v a r y mit viel Ausdruck und Klangfülle einen Chor aus Bruchs Vertonung der Schille ' *' ' ~

nahm der Rektor das Wort.

Den Festvortrag überDeutsche Geltung im Osten während der Stauferzeit hielt Professor Dr. T e l l e n b a ch. Er führte etwa folgendes aus:

Heute, da wir unser Reich ehren und die Zurück­gewinnung alten deutschen Ostlandes feiern, haben wir besonderen Grund, unserer Vorfahren aus der ernen Zeit der Hohenstaufen zu gedenken. Denn sie waren es, die dem Deutschen Reich größere Macht und höheres Ansehen errangen, als es seit seinem Anfang über tausend Jahre hin besaß. Und sie haben mehr Zur Erwerbung deutschen Volks­bodens, mehr zur Ausbreitung deutscher Geltung über weite Zonen des Ostens beigetragen als irgendeine andere Zeit. Den großen, unwidersteh- lichen Schwung erhielt der deutscheZug nach dem Osten" nämlich erst in den Tagen Kaiser Friedrich Barbarossas. Dies muß erklärt werden aus der da­maligen Kraft und Fruchtbarkeit des deutschen Vol­kes in Altdeutschland und aus der genialen Politik, durch die Friedrich Barbarossa und sein Sohn Hein­rich VI. das Reich zum steilsten Gipfel der Macht emporführten, den es je im Mittelalter erreicht hat. Im Osten ließen sie zwar den Landesfürsten, den Welfen und Askaniern, den Wettiyern und Baben­bergern freien Raum und stärkten ihnen den Rük- ken, aber sie selbst und nach ihnen der dritte große Staufer, Friedrich II., griffen in noch umfassenderer Weise in den Raum des Ostens ein. Die böhmischen Fürsten, die Lehnsleute des Deutschen Reiches waren, lebten meist in guter Freundschaft mit den Kaisern, dienten ihnen, und Böhmen wurde dafür Königreich, Mähren zur reichsunmittelbaren Mark- grafschaft erhoben. Nicht zum wenigsten die kluge Politik der Staufer hat es bewirkt, daß Böhmen so sehr in das Deutsche Reich hineinwuchs, daß es im vierzehnten Jahrhundert zu den besten Trägern deutscher Kultur gehörte. Auch Polen wurde in Lehensabhängigkeit gehalten und der polnische Her­zog gezwungen, einigen Mitgliedern seines Hauses, die auch mit den Staufern verwandt waren, Schle­sien abzutreten. Damit wurde dieses kostbare Land in den engeren deutschen Bannkreis gezogen. Auch die Oberhoheit des Reiches über Pommern und Mecklenburg hat Friedrich I. gesichert, während fein Enkel Friedrich Lübeck, die Gründung Heinrichs des Löwen, später die stärkste Ostseemacht, zur Reichsstadt erhob und die Lande der Ritterorden Preußen und Livland staatsrechtlich dem Reiche an- schloß. Ungarn geemiber waren so große Erfolge nicht mehr möglich, weil es zwischen Deutschland und dem griechischen Reiche eine freiere Stellung gewonnen hatte.

Was die Hohenstaufen im Olten bewahrten und neu schufen, gehört in den großen Zusammenhang ihrer glanzvollen universalen Pvlit'k, die einen ge­waltigen Raum von Riga bis zur Scheide, von Arles über Palermo bis Ierusalenz» beherrschte. Eine ungünstige Folge ihrer Italien- und Mittelmeer­politik lag darin, daß sie selbst sich im einzelnen nicht an der Ostkolonisation beteiligt haben. Auf der anderen Seite haben sie die Deutschen zum Welt­volk mit weitem Blick gemacht bas, empfänglich und fähig zu materieller und geistiger Befruchtung, die

Abrader

wäfcht Hände

rillenfauber

daß wir sie ehren, indem wir heute von unserem eigenen Schaffen aus um uns blicken in die Ver­gangenheit und die Zukunft.

Ein Vortrag des Collegium Musicum leitete über zu der Ansprache des

Studenlenführers Frank.

Er sagte u. a.: Der 30. Januar 1933 stellt in der deutschen Geschichte eine Wendemarke dar. Es war das Ende einer für das deutsche Volk leidensvollsn Zeit und der Anfang eines glanzvollen Anstieges. Durch die Heimkehr der Ostmark zum Reich und die Befreiung unserer sudetendeutschen Brüder ging in Erfüllung, worum mehrere Studentengenerationen mit heißem Herzen gekämpft hatten, denn von jeher war das Studententum Träger des großdeutschen Gedankens. Durch die Machtübernahme des Natio­nalsozialismus ist auch für die deutsche Uni­versität eine neue Entwicklungszeit angebrochen. So mußten, wie auf anderen Gebie­ten, auch hier Erscheinungsformen und Symbole verschwinden, die einmal ihre Daseinsberechtigung hatten, und Formen mußten gefunden werden, die unserem nationalsozialistischen Gemeinschaftsgedan­ken entsprachen.

Die Freiheit des geistigen Schaffens ist zwar un­beschränkt, aber noch so große Arbeit eines Genies würde wurzellos im luftleeren Raum schweben, bliebe sie die losgelöste Privatarbeit eines einzelnen Individuums. Daher muß die Wissenschaft in ihrem Wirken vollkommen eins fein mit dem Fühlen und Denken ihres Volkes. Deshalb müssen alle, die durch die Wissenschaft am Aufbau teilhaben, auch zur völkisch-politischen Führungsschicht gehören. Also muß es uns ermöglicht werden, die Fähigsten und Tüchtigsten aus die deutschen Hochschulen zu bringen, und die Auslese davon wiederum muß ihre Kraft in den Dienst der Wissenschaft stellen. Um dies zu ver­wirklichen. müssen wir immer wieder die Forde­rung des gebührenfreien Studiums erheben. Langemarck-Studium, Kameradschaftsför­derung und Hochschulförderung sind nur Teillösun­gen. Wir sind uns dabei bewußt, daß eine grund­legende Umgestaltung des gesamten Hochschulbetrie­bes notwendig ist, um diese Pläne in die Tat um- zusetzen. Mit einer anderen Lösung kann sich das deutsche Studententum trotz aller noch vorhandenen Schwierigkeiten nicht zufrieden geben, da wir nur in einem vollkommen gebührenfreien Studium die Verwirklichung des Punktes 20 des Parteipro­grammes erblicken, indem verlangt wird, daß ohne Rücksicht auf Herkunft und wirtschaftliche Kraft je­dem das Erreichen höherer Bildung und damit das Einrücken in führende Stellungen zu ermöglichen ist. Hand in Hand damit geht die andere Forderung nach Verkürzung verschiedener Stu­diengebiete und der sich anreihenden Ausbil­dungszeiten, sowie nach besserer Besoldung der Assistenten st eilen. Erfreulicherweise können wir feststellen, daß in letzter Zeit verschie­dene Studiengebiete verkürzt wurden, denn nur da­durch ist es möglich, den jungen Akademiker früher in das Berufsleben hineinzustellen und so feine auf der Hochschule gesammelten Kenntnisse der Volks­gemeinschaft sobald wie möglich dienstbar zu machen. Wir sehen es als eine unumgängliche Notwendigkeit , an, daß die Besten den Weg eines wissenschaftlichen , Forschers einschlagen. Es ist selbstverständlich, daß ; nur der diesen Beruf erwählen soll, der sich wirklich . nur dazu berufen fühlt und den nötigen Idealismus t in sich trägt. Aber jeder Idealismus hat feine

Grenzen, und wir müssen verlangen, daß die Assi-

starke und edle, im tiefsten Grunde deutsche Kultur der Stauferzeit hervorgebracht hat. Ferner hat das deutsche Selbstbewußtsein eine große Steigerung er­lebt. Darin kommt u. a. zum Ausdruck, daß man dem Kaiser, der bis dahin unter den Königen durch einen Ehrenvorrang ausgezeichnet war, nun tatsäch­lich ein Oberhoheitsrecht über fremde Länder wie England und Frankreich zuschrieb. Der imperiale Gedanke, d. h. der Gedanke vom Imperium, des Reichs hat im Osten eine "bedeutende Rolle gespielt. Er forderte nämlich, daß der christliche Glaube und die abendländische Kultur über die heidnischen Bar­barenvölker jenseits der Grenzen des christlichen Im­periums ausgedehnt wurden. Gerade die Gewin­nung des Deutschordensstaates ist unter dem Ein­fluß solcher Ideen erfolgt. Die Ostvölker haben die Ansprüche der Deutschen teils abgelehnt, teils ge­billigt. Wie dem auch sei, ihre Könige, Fürsten, Bischöfe und Adligen waren es, von denen die deut­schen Siedler meistens herbeigerufen wurden, weil sie dem Lande, in dem sie wohnten, viele Vorteile brachten. Ihre Siedlungsformen waren die fort­geschrittenen des Mutterlandes, die Ackerbautechnik war der slawischen so überlegen, daß die Obrig­keiten einen beträchtlichen Gewinn an Zehnten und Steuern erzielten und im allgemeinen die Deutschen gegen Reaktionen der einheimischen Bevölkerung in Schutz nahmen. Ebenso wertvoll waren die deutschen Städte, die überall in den Slawenländern gegründet wurden. Außer dem finanziellen Interesse hatten die Fürsten an ihren Städten auch ein militärisches. Sie waren mit Mauern und Türmen bewehrt und dien­ten als Festungen, an denen sich oft genug der Ansturm der Feinde brach.

So traf das Bedürfnis des weiten Ostens auf die überströmende Kraft des deutschen Volkes. In­folgedessen wurde seit dem zwölften Jahrhundert im späteren Mittelalter fast die Hälfte des heutigen deutschen Volksbodens gewonnen Fast noch stärker als durch die deutsche Siedlung wird die gewaltige Geltung des Deutschtums dadurch beleuchtet, daß deutsche Einrichtungen und deutsche Kultur sogar da übernommen wurden, wo überhaupt keine deut­schen Henschen mehr hinkamen. Deutsches Recht herrschte in Stadt und Land in rein slawischen Gebieten. Gerade seine Verbreitung ist als einer der bedeutsamsten Prozesse der Kulturexpansion und -assimilation in der Geschichte der europäischen Völker" bezeichnet worden, den man mit dem Vor­gänge der Kulturausstrahlung im Römerreich ver­gleichen könne. Das dem deutschen Volk und der deutschen Kultur gewonnene Ostland überwiegt räumlich das mit den Waffen erkämpfte bei weitem. Die im Ausland oft verbreiteten, weit übertriebenen Ansichten von der Gewaltsamkeit der mittelalter­lichen Ostausbreitung find deshalb zurückzuweifen.

Der Zug nach dem Osten, der in der Stauferzeit in großem Stil einsetzte, hat in den folgenden Jahrhunderten Mitteleuropa und einen Teil von Osteuropa von Grund aus umgewandelt. Das war nur möglich, weil die Deutschen unbestechlich und tapfer, kenntnisreich und tüchtig ihr Werk ver­richteten, weil bei ihnen das größere Können und die höhere Leistung waren. Deshalb ist es billig,

Die Universität am Zahrestag der nationalen Erhebung

Eindrucksvolle Feier in der Reuen Aula.

Se. Magnifizenz der Rektor Pros. Dr. Seißer

lenkte die Gedanken der Hörer zunächst zurück auf die Zeit der Jahreswende 1932/33 und auf den schweren politischen Kampf in den letzten Wochen vor der Machtübernahme durch Adolf Hitler, sowie auf die erlösende Kunde von der Ernennung des Führers zum deutschen Reichskanzler durch den greifen Feldmarschall von Hindenburg. Bei dieser Rückschau hob der Rektor hervor, daß nach diesem Sieg des Glaubens an das ewige Deutschland auch der Treueste damals nicht zu hoffen gewagt hätte, die Feier der Machtübernahme nach sechs Aufbau­jahren könne von einem Großdeutschland begangen werden, das in schimmernder Wehr im Brennpunkt des weltpolitischen Geschehens stünde.

Dann rückte der Redner die großen Erfolge des ersten Vierjahresplanes mit feiner Beseitigung der Arbeitslosigkeit, der Gesundung der Wirtschaft, der Wiederaufrichtung der deutschen Wehrhoheit und dem Aufstieg Deutschlands zur Großmacht in den Blickpunkt der Festversammlung, um anschließend mit knappen Worten an die großen Aufgaben der Sicherung der deutschen Ehre und des deutschen Lebens durch die Arbeit im Dienste des zweiten Dier- jahresplanes zu erinnern. Er betonte dabei, daß Deutschland zum Sturmbock im Kampfe gegen die bolschewistische Zersetzung, das Weltjudentum und alle jene Kräfte, die der abendländischen Kultur den Todesstoß zu versetzen hofften, geworden sei. Die Beseitigung der Parteien und der Klassen wurde die Voraussetzung für das große Erziehungswerk der Volksgemeinschaft, das getragen wird von der Partei, ihren Gliederungen und Verbänden. In diesem Zu­sammenhangs wies er auch auf die vom Führer vor kurzem der SA. übertragene große Aufgabe der vor- unb nachmilitärischen Wehrerziehung hin.

Hierauf erinnerte er an die großen volksdeutschen Entscheidungen im verflossenen sechsten Kampfjahre nationalsozialistischer Staatsführung, durch die zehn Millionen Deutschen die Freiheit beschert wurde. Der aeniale Bismarck, der Gründer und Kanzler des Zweiten Reiches, habe der Realpolitik der kleindeut­schen Lösung den Vorzug geaeben. Mit der Reichs- gründuna habe in weiten Volkskreisen der groß­deutsche Gedanke zu verblassen begonnen. Erst durch den Führer, der im März vorigen Jahres von der nationalsozialistischen Wiener Regierung um die Hilfe deutscher Trupnen in Oesterreich gebeten wor­den sei, wurde des Reiches Einigung vollzogen, die älteste deutsche Ostmark zum jüngsten Bollwerk der deutschen Nation und damit Ms Deutschen Reiches erhoben. Auch die Rückkehr der Si'detendeutschen zum Reich konnte nur durch eigene Kraft und be- dinaunaslose Opferbereitschaft erzwungen werden. Der Redner erinnerte hier an die noch Allenthalben in frischer Erinnerung stehenden Ereignisse im Sam­mer und im .f) erb ft vorigen Jahres und an den geschlossenen Einsatz des aanzen deutschen Volkes unt^r der Führung Adolf Hftl-"-s. insbesondere be­grüßte er daß nm ll.Januar 19*9 die äfteft» deutsche Universität zu Prag als Hochschule nationalsozialisti-

(Ngchdruck verboten!)

10. Fortsetzung.

Schuß im Funkhaus

Ein Roman von Maria Oberlin.

Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München.

Sie ist überhaupt noch nicht heimgekommen!" sagte Torsten mißmutig. Die Nässe und der Regen schienen auf seine Stimmung zu drücken, das Was­ser rann ihm aus dem Lodenhut hinten in den Hals er schlug den Hut ein wenig aus und schüttelte sich ' Die Tante war da!" sagte er auf ödjaubs wartenden Blick schnell.Sie führt den Geschwistern wohl den Haushalt, sie war ganz aufgeregt daß Evelyn Kay noch nicht daheim sei. Sie sei sonst im­mer um diese Zeit zu Haus. Aber bestimmt riefe sie sonst an, hoffentlich sei ihr nichts zugestoßen ..

Stein stand in wartender Erregung.Und und ?" drängte er.

Assistent Torsten sah an ihm vorbei zu Schaub hin. Er war zur Wohnung des Fräulein Kay rmt- gegangen, weil Schaub ihm bedeutet hatte, es handle sich nicht um eine Bechastung. wemgstms noch nicht, sondern nur um vorsichtiges Sondieren, onft hätte er diesen abendlichen Gang nicht mehr gemacht, er haßte Regen und Rässe mit einem fast kindlich-wütenden Haß. Außerdem war er jung, unö es interessierte ihn, die Frau, der man einen Moro­anschlag zutraute, zu sehen ... Run war sie schon ausgerückt ...

Ich habe schon alle nötigen Anweisungen ge­geben!" sagte er auf Schaubs enttäuschtes Gesicht hin.Was überwacht werden muß, wird uber- mgcht__sie wird uns schon nicht entkommen.

Gehen Sie noch einmal ins Zimmer von Vor­feld!" sagte Schaub hastig.Ich komme gleich nach.

^Da^sehe^Sie^Stein!" sagte Schaub schwer. Wohin Sie Ihre betonte Gaianterie und Iyr ewi­ger guter Glaube gebracht hat! Fort ver­schwunden - - das Mädchen - - Wir werden Mühe haben, sie wieder zu finden ...

Stein legte die langen schmalen Musikantenhande an den Kopf, drinnen hämmerte und dröhnte es wild. Er stöhnte auf, irgend etwas Fernes Saube­res, Reines, Klares verwischte sich, wurde unklar, verzerrt, häßlich, glitt in den Schmutz und erlosch

Er preßte die Hände fest an den Kop,. Mein Gott, mein Gott, wie ist das möglich. Kriminalrat Schaub hatte leise das Zimmer ver­lassen ---

Dom Turm einer großen Kirche schlug es 21 Uhr, die Töne kamen schwer und brummend durch den dunklen Regenabend, dröhnten dumpf eine Weile dahin und verwischten sich zitternd.

Mit einem Ruck blieb Evelyn stehen, eine unklare Angst überfiel sie plötzlich. Man müßte längst da­heim fein, dachte sie flüchtig. Tante Anna ist nächt­liches Bummeln nicht gewohnt, man hätte wenig­stens anrufen sollen. Ueberhaypt, welch sinnlose Verrücktheit, im strömenden Regen und stiebenden Schnee, der sich häßlich miteinander mischte, durch fremde Straßen, unbekannte Straßen zu wandern. Wo war man überhaupt? Das unbekannte Viertel hier schien die Altstadt zu sein, schräge alte Hauser duckten sich tief ins Dunkle hinein, altmodische La­ternen gaben matt brechenden Schein, hin und wieder grellte ein Wirtshausplakat, eine Tür flog auf, Geruch von Tabaksrauch und abgestandenem Bier drang rasch verwehend in die Rsgenluft ...

Es war Wahnsinn, hier zu gehen. Der Regen rann immer noch.

Evelyn zog die Ozelotjacke fröstelnd aüf den Kör­per, aus dem kleinen braunen Filzhut rann schon Wasser, drang kältend zwischen Hals und Schultern.

Zu Hause war es jetzt wohl friedlich. Tante Anna hatte die altmodischen weißen Kamine hochstellen lassen, man konnte sich an sie lehnen, ihre sanfte Wärme spüren und ganz geborgen sein. Die bei­den .großen Wohnräume lagen sehr still, die Tante saß in einer Ecke und häkelte an einer ihrer ewigen Missionsdeckchen, der alte braune Mahagonisalon lag im matt zitternden Schein einer großen bunt- blumigen Stehlampe, das blasse Licht beschien die zierlichen alten Möbel und die nachgedunkelten kleinen Oelbilder der Verwandten an den Wänden rechts Großtante Ada rotes energisches Bür­gerinnengesicht in weißer Biedermeier-Haube links das Großelternpaar: Johann Merenus Kay, Kaufherr und Senator stolzer, streng blickender Herr mit Vatermörder und steifer Haltung, weich lächelnde mütterlicher Frau in schwarzem Tartfleiö mit unzähligen Rüschen ... Man würde die Bilder betrachten, zum erstenmal wirklich betrachten, wie man Fremdes, Unbekanntes betrachtet, was man sich ungerechtfertigterweise angeeignet hat Man würde den scheuen Blick wandern lassen: Da waren noch die Bilder der Eltern, der Mann den man für den Vater hielt, diesen gütigen, melancholi- chen Mann mit den guten Augen, das große Oe - bild der Mutter: schöne braunhaarige Frau mit stol­zer Haarkrone, in weißer großer Toilette Atlas und Brüsseler Spitzen und überall hell blitzende Diaman­ten --das schöne schmale Gesicht--bas fuße

Lächeln.--