Das erste Echo der Führer-Rede im Ausland.
„Hiller glaubt an einen langen Frieden "
Der erste Widerhall in Paris.
E. F. Paris, 31. Januar.
■ön der Umgebung des Quai d'Orsay äußerte man sich bereits in den Nachtstunden durchaus befriedigt von der Rede des Führers und der darin zum Ausdruck gebrachten Friedensliebe. In der französischen Oeffentlichkeit überwiegt die eine durchaus befriedigte Auffassung. Diese Auffassung ergibt sich vor allem wohl daraus, daß vor der Rede alle möglichen Prophezeiungen über ihren vermutlichen Inhalt, das Mittelmeer- und das Spanien-Problem usw. verkündet worden waren, denen.jetzt die Betonung der Friedensliebe Deutschlands gegenübersteht. Der Satz: „Ich glaube an einen langen Frieden" und weiterhin der Satz: „Niemand in Deutschland will dem engliscl-en Imperium Schwierigkeiten machen, und das gleiche gilt auch für Frankreich" haben den tiefsten Eindruck gemacht, ebenso wie auch die mehrfache Erwähnung des Beitrages, den neben Mussolini die englischen und französischen Staatsmänner, Chamberlain und Daladier, zum Werk des Friedens geleistet haben. Dabei ist man sich allerdings vollkommen der Tatsache bewußt, daß Adolf Hitler ganz, unmißverständlich wiederum den kMe u t - scheu Kolonialanspruch angemeldet hat und daß er die Forderung a u f ßebensra.um in der gleichen Weise auch für Italien geltend gemacht hat. Die Bekundung, daß Deutschland im Kriegsfälle re st los hinter Italien stehen würde, hat ebenfalls ihren Eindruck nicht verfehlt. Im ganzen überwiegt die Auffassung, daß die Atmosphäre in den zur internationalen Aussprache stehenden Fragen durch die Rede Adolf Hitlers beruhigt worden ist.
Die radikalsoziale „R e p u b l i q u e" hebt hervor: Deutschland versichere, daß es mit Frankreich und England in Frieden zu leben wünsche. Nichts sei nach dem Chamberlain-Hitler-Abkommen von München und dem Bonnet-Ribbentrop-Abkommen von Paris natürlicher. Zu der deutschen Kolonialforderung und der Notwendigkeit, Rohstofiquellen zu finden, erklärt das Blatt, daß eine Rückerstattung der u n - ter französischem oder englischem
Mandat stehenden Gebiete Deutschland nicht die notwendigen Rohstoffe geben wurde. Andererseits würde Deutschland in Mittel- un d Südosteuropa viel leichter Abnehmer finden.
abs. London, 31. Januar.
Der erste Eindruck der großen Rede Adolf Hitlers ist, wie man aus politischen Kreisen vernimmt, ein günstiger gewesen, da sich sämtliche Vermutungen und Kombinationen, die in England und im anderen Ausland über den Inhalt der Rede angestellt wurden, als unwahr erwiesen haben. Man gibt der Befriedigung Ausdruck, daß Deutschland keinerlei territoriale Ansprüche i m W e sie n Europas erhebt und auch nicht die Absicht hat, die Tür zu Verhandlungen mit den demokratischen Staaten zuzuschlagen. England glaubt nach der neuesten Rede Hitlers von sich aus die Jm- tiatioe ergreifen zu müssen, um eine Verschärfung des Handelskrieges zu vermeiden und womöglich sogar von sich aus Vorschläge zur Neuverteilung der Kolo- n i e n zu machen. Besonders ist hier der Teil der Rede ausgefallen, der sich mit dem wirtschaftlichen und handelspolitischen Programm für das bevorstehende Jahr beschäftigt und die Festigung der deutschen Wirtschaft an die erste Stelle ruckt. Dabei ist besonders günstig ausgenommen worden, daß Deutschland seine Bereitschaft, sich am Welthandel zu beteiligen, erneut zugesagt hat. Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht die Feststellung des Führers über die enge Zusammenarbeit mit Italien. Man erfährt, daß Ministerpräsident Chamberlain im Unterhaus mit einem ausführlichen Ueberblick über die internationale Lage und die englische Regierungspolitik auf die Führerrede antworten wird.
Die „Times" stellt fest, daß Hitler nervöse Propheten Lügen gestraft habe. Es fei klar,- daß der Friede dos Werk von Taten und nicht von Worten fein müsse. Die Worte, die man gestern abend gehört habe, hätten im Gegensatz zu den Voraussagen vieler Propheten
Habe Adolf Hitler etwa an eine Rede Sie Samuel Hoares erinnern wollen, in der dieser eine Möglichkeit der Neuverteilungder wichtig st en R o h st o f f g e b ie t e ins Auge fassen wollte?
nichts Kriegerisches an sich gehabt. Wenn 1 die wirtschaftliche und soziale Wohlfahrt des deut- [ scheu Volkes in Zukunft die vordringlichste Aufgabe der Reichsregierung sei, so werde morgen vieles; möglich sein, was in Zeiten dunkler und wachsender Spannung nicht im Bereich der Möglichkeit liege.
„Dail y Telegraph" schreibt unter der Ueberschrift „Eine Verstärkung der Friedenshoffnungen", die Führerrede sei „verhältnismäßig milde" gewesen. Adolf Hitler habe erklärt, daß er an eine lange Friede ns periode glaube. Adolf Hitler habe nicht seinen dringenden Wunsch verborgen, die Kolonialfrage aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen gelöst zu sehen. Bedeutungsvoll sei in diesem Zusammenhong seine Bemerkung, daß man an die Lösung dieses Problems mit Vernunft und gesundem Menschen- v erstand Herangehen müsse. Es sei zu hoffen, daß die Stellen der Rede, die auf ein Nachlassen der Spannung hindeuten, durch praktische Erfahrungen noch stärker gerechtfertigt würden. Es sei der „dringende Wunsch Englands", und man könne wohl on- nehmen, aller führenden Staaten, „Deutschland zu freundschaftlicher und fruchtbarer Zusammenarbeit )zurückzubringen." Alles in allem sei man wohl nicht überoptimistisch, wenn man in die Rede des Führers eine Versicherung für eine bessere Zukunft hineinlege.
Selbst der „Daily H e r a l d" (marxistisch) muß feststellen, daß Adolf Hitler vor aller Welt seine friedlichen Absichten verkündet habe. Die Wiederholung der Kolonialforderung sei „kein Grund zu besonderer Beunruhigung". Allerdings spreche Adolf Hitler in diesem Zusammenhang auch von der Möglichkeit eines Handelskrieges. Jeder ernsthafte Vorschlag „werde von England und von anderen bereitwillig beantwortet werden".
Vor
einer Anwort Chamberlains im Unterhaus.
Günstige Aufnahme
der Führer-Hede in England.
OieLandfluchtgehiunsallean!
23on unfercr berliner (Scbriftteifunq
Die Grüne Woche in Berlin ist wieder eine Schau stolzer Erfolae unserer Landwirtschaft im Kampfe um die Nahrungsfreiheit der Nation. Reichsminister Darre hat in feiner Eröffnungsrede mit Recht hervorgehoben, daß diese Ergebnisse um so bemerkenswerter seien, als sie in der kurzen Zeit von fünf Jahren erreicht worden sind. In der Industrie ist es verhältnismäßig leicht möglich, durch Umstellung der Betriebe innerhalb weniger Jähre die Erzeugung zu vermehren, viel schwerer ist das in der Landwirtschaft, deren Betrieb im höchsten Maße von der Bodenqualität und vom Klima, von Wind und Wetter abhängig ist. Der Reichsbauernführer hat sich aber nicht darauf beschränkt, die Erfolge hervorzuheben, sondern er hat auch den inneren Wert 'unserer Leistungssteigerung kritisch beleuchtet. Früher war man stolz darauf, den Fleischbedarf zum allergrößten Teil im eigenen Lande zu decken. Darre wies darauf hin, daß das eine Täuschung war, solange die deutsche Viehwirtschaft auf ausländische Futtermittel angewiesen blieb. Sobald Deutschland vom Weltmarkt abgeschlossen wurde, mußte also auch unsere Viehwirtschaft auf tönernen Füßen stehen. Heute ist es uns gelungen, die deutsche Fleischerzeugung bis auf einen kleinen Rest auf der inländischen Fu11erbasis aufzurichten. Das ist ein fchöner Erfolg der Erzeu- qungsfcblacht. Es ist uns gelungen, den Grad der landwirtschaftlichen Selbsterzeugung im Durchschnitt von 75 auf 83 o. H. zu steigern, tatsächlich aber ist der Erfolg noch weit größer, eben deshalb, weil die Viehwirtschaft mit ihren Erzeugnissen von Fleisch, Milch und Butter nun nicht mehr vom Auslande abhängig ist. Wenn man das vor Augen hält, so soll der Verbraucher darauf verzichten, ungehalten zu werden, wenn zu irgendeiner Jahreszeit eine kleine Stockung ein tritt, die regelmäßig vorübergeht. Es ist in Deutschland noch niemand verhungert und die feste Hand der wirtfchaftspolitischen Lenkung sorgt dafür, daß auch in Zukunft alle wichtigen Lebensrnittel ausreichend vorhanden sind. In der Folgezeit wird es in steigendem Umfange gelingen.
auch die berühmte „Fettlücke" zu schließen, die bei allen Betrachtungen dieser Art eine Rolle spielt.
Mit gutem Grunde nahm in der Rede Darres das Phänomen der Landflucht einen hervorragenden Platz ein. Denn diese bedenkliche Erscheinung im Agrarsektor der deutschen Wirtschaft interessiert ja nicht nur den Bauern und Landwirt, sondern in höchstem Maße auch den Städter, d. h. das ganze deutsche Volk. Vor einer Zuhörerschaft und einer großstädtischen Bevölkerung, wie sie Berlins Einwohnerschaft darstellt, mußte also diese Frage besondere Beachtung finden. Fühlt doch schließlich jeder Stadtbewohner, wo es auch immer fei, am eigenen Leibe die mancherlei Einschränkungen im Verbrauch von Nahrungsmitteln, die er sich im Interesse unserer nationalen Unabhängigkeit auferlegen muß. Nun ist es gewiß nicht so, daß der Fehlbedarf an Landarbeitern schon heute in erster Linie für unsere Mangellage in der Fett- und Fleischversorgung verantwortlich zu machen sei. Andere Faktoren — beispielsweise die Preishöhe für landwirtschaftliche Produktionsmittel, wie Dünger und elektrischer Strom — sind einstweilen noch stärker an dieser Unterbilanz der Aqrarerzeugung beteiligt und haben in ihrer Auswirkung zu'jener bedauerlichen Unterbewertung der landwirtschaftlichen Arbeit geführt. Aber auf weite Sicht gesehen, wird eine gleichbleibende Landflucht eine immer stärkere Gefährdung unserer Nahrungs- mitteloersorgung zur Folge haben müssen. Reichsminister Darrö hat an dem Beisviel des Rindvieh- bestande«. b»r von 1937 auf 1938 infolge des Manuels/in Melkern und Mägden bereits eine absinkende Kurve zeigte, anschaulich bargetan, wie febr biese Erscheinung auf die Dauer unser aller Fettversor- girng beeinträchtigen muß.
Durch den Mangel an Viehpflegern und Melkern mären viele bäuerliche Wirtschaften gezwungen, den Viehbestand zu verringern, so daß die Zahl der Milchkühe durchschnittlich um 3 v. H zurückgegangen ilt. Selbstverständlich hat dabei auch die Maul- und Klauenseuche eine Ralle gespielt. Sie war aber nicht von entscheidender Bedeutuna. Dos Problem der ßanbflucht Hst gewiß keine Erscheinung, die hnan nur in D"utschlanb antrifft, es macht^lich in affen industrialisierten Staaten bemerkbar. Für uns aber ist es von entscheidender Bedeutung, weil mir Industrie und Landwirtschaft gleich
mäßig entfalten müssen, um unser Volk zu beschäftigen, es aber auch aus der eigenen Scholle zu ernähren. Wir brauchen in unseren gewerblichen Betrieben geschulte und leistungsfähige Arbeitskräfte, wir bedürfen ebenso für unsere Landwirtschaft eines tüchtigen Landarbeiterstandes, der mit der Scholle fest verbunden bleibt. Zu seiner Hebung sind Maßnahmen im Gange; die soziale Frage, die hier meist eine Wohnungsfrage ist, wurde ebenfalls mit entschlossener Hand angepackt. Die Landflucht hat die Frauen noch stärker ergriffen als die Männer, so daß auf dem Lande bereits von einem Mangel heiratsfähiger Frauen gesprochen werden muß. Die Ueberlastunq der Bäuerinnen wirkt sich nachteilig für den Familienstand aus. Anderseits darf niemals vergessen werden, daß die Landbevölkerung der Jungbrunnen der Nation ist, der nicht zum Versiegen kommen darf.
In seiner Rede auf der Grünen Woche hat Reichsminister Darre ausgeführt, daß die Erscheinung der Landflucht nicht mit Fatalismus hingenommen werden darf. Wollte man das tun, so würde man sich jener materialistischen Betrachtungsweise schuldig machen, an der die Völker verderben. Die Liebe des deutschen Volkes zu seiner Erde, die Freude am eigenen Besitz (und wäre er noch so klein) rhuß den'Willen entzünden, unser Bauerntum zu stärken und zu erhalten. Auf dem Wege der Siedlung kann noch viel geschehen. Zur Hebung des Gemeinschaftslebens auf dem Dorfe find gute Ansätze vorhanden. Hitler-Jugend und ff sammeln aus ihrem Heerbann geeignete und kräftige Jungman- nen, die entschlossen sind, dem deutschen Volke auf seiner Scholle zu dienen. Es ist nicht nur die Frage nach Fleisch und Butter, die mit diesen Problemen verbunden ist, sondern auch die ernste Mahnung, daß ein Volk sterben muß, das sein Bauerntum verliert.
Ein neuer Auftrag für Oauteiter Bürcket.
Berlin, 30. Jan. (DNB. Funkspruch). Der Führer hat folgende Verfügung erlassen: Ich habe der Bitte des Pg. Odilo Globocnik, ihn von seinem Amt als Gauleiter des Gaues Wien zu entheben, entsprochen. Zum (Bauleiter des (Baues Wien der NSDAP, ernenne ich unter
Beibehaltung feiner sonstigen Aemter den Pg. Joses B ü r ck e l.
Kleine politische Nachrichten.
Der.Führer hat auf Vorschlag der Reichs- und (Bauleiter der NSDAP, aus Anlaß der Wiederkehr des Tages der nationalsozialistischen Erhebung 2 3 3 Parteigenossen im Hinblick auf ihre Verdienste um Volk und Reich das Goldene Ehrenzeichen der NSDAP, verliehen.
Der Führer empfing in Gegenwart des Reichs» minifters für Dolksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, die Träger des deutschen Nationalpreises für Kunst und Wissenschaft 1938: der Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen Dr. T o d t-Berlin, Professor H e i n k e l - Warnemünde, Professor M e s s e r s ch m i t t-Augs- burg und Dr. P o r s ch e-Stuttgart, und überreichte ihnen persönlich die mit dem Nationalpreis verbundenen Ordenszeichen.
Der Führer hat folgende Verfügung erlassen: Ich verfüge, daß der Gau Kurmark der NSDAP, mit Wirkung vom heutigen Tage die Bezeichnung „(Bau Mark Brandenburg der NSDAP." führt.
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Der Führer und Reichskanzler übermittelte dem Generalober st Heye anläßlich seines 70. Geburtstages telegraphisch seine besten Glück- wünsche.
Reichswirtschastsminister Reichsbankpräsident Funk empfing im Beisein des Hauptabteilungsleiters Generalmajor von Hanneken eine Abordnung von führenden Persönlichkeiten der französischen Kaliindustrie unter Führung des Präsidenten Crussard. Die Vorstellung der französischen Herren erfolgte durch den Generaldirektor des deutschen Kalisyndikats, Dr. Diehn, Mit dem gleichzeitig auch die führenden deutschen Kali-Jn dustriellen erschienen waren.
Kunst und Wissenschaft.
Der nationale Rundfunkpreis.
Reichsminister Dr. Goebbels hat bei der Er» Öffnung der Großen Deutschen Rundfunkausstellung 1938 die Schaffung eines Rundfunkpreises verkündet. Dazu werden nunmehr die nachfolgenden Bestimmungen über die Verleihung des Preises bekanntgegeben: Der nationale Rundfunkpreis wird für hervorragende schöpferische Leistungen auf dem Gebiete der Rundfunksendung, der Rundfunktechnik, des Rundfunkrechts, der Rundfunkwirtschaft und der wissenschaftlichen Rundfunkpublizistik vom Reichs- Minister für Volksaufklärung und Propaganda verliehen. Der Preis gelangt jährlich bei der Eröffnung der Großen Deutschen Rundfunkausstellung in Berlin in Höhe von 10 OOOMar k zur Verteilung. Die für die Verleihung des nationalen Rundfunkpreises eingehenden Vorschläge werden von einem Preisrichterausschuß geprüft. Der Preisrichterausschuß wird vorn Reichsminister für Dolksaufklärung und Propaganda berufen, der auch die endgültige Entscheidung fällt.
Wetterbericht
Unter überwiegendem Hochdruckeinfluß hat sich über Westdeutschland allgemeine Aufheiterung eingestellt, wobei in der Nacht zum Dienstag die Temperaturen teilweise bis unter —5 Grad zurückgingen. Von Ost auf Nord wechselnde Winde werden voraussichtlich unter Bewölkungszunahme wieder leichte Unbeständigkeit bringen. Temperaturen liegen weiter unter Null.
Vorhersage für Mittwoch: Wechselnd bewölkt, im allgemeinen trocken, weiter Frost, Winde aus Nordost bis Nord.
Vorhersage für Donnerstag: Leichte Unbeständigkeit mit Temperaturen um 0 Grad.
Lufttemperaturen am 30. Januar: mittags 1,7 Grad, abends 0,6 Grad; am 31. Januar: morgens — 1,4 Grad. Maximum 1,7 Grad, Minimum heute nacht —1,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. Januar: abends 2,5 Grad; am 31. Januar: morgens 2,2 Grad.
Wintersport-Wetterbericht.
Vogelsberg. Hoherodskopf: Heiter, — 7 Grad, Gesamtschneehöhe 15 cm, Pulverschnee, Schi und Rodel gut.
Rhön. Wasserkuppe: Bewölkt, —6 Grad, Gesamtschneehöhe 45 cm, Pulverschnee, Schi und Rodel sehr gut.
Sauerland. Winterberg: Heiter, —6 Grad, Gesamtschneehöhe 18 cm, verharscht, Schi und Rodel gut.
Schwarzwald. Feldberg: Heiter, —6 Grad, Gesamtschneehöhe 100 cm, Pulverschnee, Schi und Rodel sehr gut.
Was steht in her Hausapotheke?
Zweimal im Ia^r Inventur im „Gesundheitswinkel"! — Das geheimnisvoll' Kästchen m Schlafzimmer. — Vor allen Dingen: Ordnung'
Lieschen hat sich mit einer schmutzigen Glasscherbe in den Finger geschnitten. Heulend kommt sie zur Mutti. — Nun mal rasch Jod darauf, zum Desinfizieren! Jod muß doch noch in der Hausapotheke stehen. Da steht es auch, nämlich ein kleines Fläschchen mit den Resten einer zwei Jahre alten Jodtinktur. Am Boden der Flasche hat sich schon ein Satz gebildet und der Tropfen, der herausrinnt, ist dick und trübe. „Nein, das können wir wohl nicht mehr nehmen!" Aber da ist doch die Heilsalbe, die der Arzt damals gegen Onkel Gustavs Schuppenflechte verordnet hat. Don der blieb ja eine ganze Menge übrig!--
Vrooieren ist nicht immer aut
Daß man Husten nicht mit Tropfen heilen kann, welche ehedem eine Gallenblasenentzündung lindern sollten, müßte eigentlich sonnenklar sein. Eines schickt sich nicht für alle. Wenn der Arzt für irgendein bestimmtes äußeres Leiden eine Salbe verschrieben hat, bann hat er unter den Hunderten von Salben, die es gibt, nur eine ganz bestimmte für diese bestimmte Krankheit ausgewählt. Genau so handelt er bei den Rezepten für die verschiedenen Tabletten und die unzähligen Tropfenarten. Wenn aber in der „Familienpraxis" der Grundsatz gift: Hat es dem Vater geholfen, wird es der Tochter auch helfen, — so wird die gute Absicht und die sorgfältige Ueberlegunq des Arztes zunichte gemacht. Man sollte da wirklich nicht herumprobieren! — Wenn es sich nicht gerade um alte abgestandene Medizin handelt, können zwar meist die einmal ein
genommenen paar Tropfen, auch wenn sie im Augenblick wirklich nicht am Platze waren, nicht allzu viel schaden. Aber sicher darf man dessen nicht sei"'
Die guten o(^n Tees
Aber fragen Sie sich einmal selbst: Wissen Sie überhaupt, was Sie in und an ihrer Hausapotheke haben? In vielen Familien, besonders in den kinderreichen und auf dem Lande, wo nicht an jeder Straßenecke ein Arzt wohnt ober eine Apotheke jebe notmenbige Arzenei liefern kann, gab unb gibt es auch heute meist im elterlichen Schlafzimmer ein Kästchen, das an ber Wanb hängt unb in viele kleine Fächer eingeteilt ist. Beim Deffnen strömt einem fast immer ein eigentümlicher würzig-herber Duft entgegen. Das kommt baher, daß in einer guten Hausapotheke — die nicht nur auf einem kleinen Porzellanschild diesen Namen trägt —, vor allen anderen Heilmitteln eine Reihe von Tees aufbewahrt werden: Da ist Kamillentee für äußerliche unb innerliche Anwendung; er wirkt aut als Umschlag unb er wirkt oft Wunber, wenn man ihn trinkt. Unentbehrlich ist ferner der gute alte 2 i n b e n b l ü t e n t e e unb ber Fliedertee, Der bei Erkältungen hilft. Pfefferminze unb Sennesblätter räumen in dem verdorbenen Magen auf und der Fenche11ee ist gerade bei kleinen Kindern immer wieder beliebt und bewährt. Dann gehört aber auch Baldrian in eine rechte Hausapotheke, weil er — innerlich genommen —
als Tee oder als Baldriantropfen so ausgezeichnet beruhigt.
Wunden gibt es nun mal in jedem Haushalt gelegentlich, und die Kinder kommen auch öfters mit einem Kratzer ober einer tüchtigen Beule heim. Da muß man fühlen, reinigen, h->sinfriercn. Essigsäure Tonerbe, Borsäure und Alkohol sollten für diese Zwecke immer vorrätig sein. Die gute Arnika brennt zwar sehr, wenn sie auf eine offene Wunde kommt, — aber sie sorgt für rasche Heilung. Endlich sollte in einem besonderen Fach sauberer Verbandmull und das Päckchen mit der Verbau d w a 11 e verwahrt werden. — Ebenfalls in die Hausapotheke und nicht in den Nachttischschub zu Kragenknöpfen, Taschentüchern und dem Buch für die letzte halbe Stunde vor dem Einschlafen gehört das Fieberthermometer. Wenn sich Fieber einstellt, ist eine an sich vielleicht harmlos erscheinende Störung immer etwas ernster zu betrachten. und es ist gut, wenn man dem Arzt bei seinem Besuch schon sagen kann: „Nein, Fieber hat ber Hans nicht". Aber bas Thermometer muß in Crbnunq sein und das ist es meist nur dann, wenn es sorgsam eben in der Hausapotheke aufbewahrt wirb. Schließlich mag auch ein kleiner Inhalier- apparat, aus dem man Eukalyptusöl oder irgendein anderes ätherisches Oel versprühen kann, hier seinen Platz finden; oft wird es einer ernsten chronisch verlaufenden Erkältung erfolgreich vorbeugen können.
fren Salben ist Kett.
Wer hebt Butter ober selbst eine gut geräucherte Dauerwurst ein Jahr lang auf? Wenn solche Lebensmittel schlecht werben, wie kann man dann verlangen, daß Arzneien, die aus grundsätzlich nichts anders gebauten organischen Bestandteilen zusammengesetzt sind, noch nach vier oder fünf Jahren ihre alte Wirkungskraft besitzen? Hitze und Kälte verändern so viele Chemikalien, also auch unsere Trop
fen in der Hausapotheke. Jedes Fett wird ranzig und es hat gar keine Veranlassung, nur deshalb nicht ranzig zu werden, weil ein Apotheker es zu einer Salbe verarbeitet hat. Eine Salbe mit ranzigem Fett aber jchadet nur, weil sie die Haut reizt statt sie zu glätten und Schmerzen zu lindern. Auch die festen Tabletten, denen man so gern unbegrenzte Haltbarkeit zutrauen mochte, verändern sich mit ber Zeit. — Nach längerer Zeit kann man vor allem aber auch nicht mehr wissen, wofür die einzelne Arznei bamals verordnet worden ist. Viele Tabletten enthalten die Medikamente in stark konzentrierter Form. Das Rezept, wie sie angewendet werden sollen, die Anweisung, wie stark bestimmte Traufen verdünnt werden müssen, ist nach einem Zeitabstand meiü verloren. Dann kann man sich schon ziemlich den Magen verderben, wenn man sich mal vergreift. Deshalb sollte auch an jedem Fläschchen und jedem Röhrchen ein Schild befestigt werden, bevor man es an die Hausapotheke einreiht.
Vergreisen kann schöhlick se«n.
Nach spätestens einem halben Jahr aber heißt es: Naus mit den für längst geheilte Leiden verordneten Mitteln! Das auch schon deshalb, weil die Hausapotheke nicht der Aufbewahrungsort für den Durcheinander von verstaubten Flaschen und Schachteln werden darf. Was wirklich sozusagen täglich vorrätig sein muß, das muß auch griffbereit und wohl geordnet drin stehen, damit man sich nicht vergreift und in manchmal eiligen Fällen nicht erst lange suchen mutz. Nur dann kann diese so gute Einrichtung der Hausapotheke den Zweck erfüllen, bis zum Erscheinen des Arztes die erst» und in dringenden Fällen oft so wichtige vorläufige Hilfe zu bringen. Die Kosten für ihre Instandhaltung sind sehr gering im Vergleich zu dem, was durch rasches richtiges Eingreifen gespart werden kann. Dr. W. K.


