wahrhaft erlösende Abmachung vor fünf Jahren unterblieben wäre. Der große polnische Marschall und Patriot Hot seinem Volk damit einen genau so großen Dienst erwiesen, wie die nationalsoziali, stische Staatsführung dem deutschen. Luch jn den unruhigen Monaten des vergangenen Jahres war die deutsch-polnische Freundschaft eine der beruhigen- den Erscheinungen des europäischen politischen Lebens.
Unser Verhältnis zu Ungarn basiert auf einer lang erprobten Freundschaft, auf gemeinsamen Interessen und auf einer traditionellen gegenseitigen Hochschätzung. Deutschland hat es mit Freude unternommen, seinerseits mitzuwirken an der Wiedergut- machung des Ungarn einst zugefüaten Unglückes.
Ein Staat, der seit dem großen Kriege zunehmend in das Blickfeld unseres Volkes getreten war,, ist Jugoslawien. Die Hochachtung, die einst die deutschen Soldaten vor diesem tapferen Volke empfunden haben, hot sich seitdem vertieft und zu einer aufrichtigen Freundschaft entwickelt. Unsere weltwirtschaftlichen Beziehungen sind hier genau so wie zu dem befreundeten Bulgarien. Griechenland, Rumänien und der Türkei in einer steigenden Aufwärtsentwicklung begriffen. Der wesentlichste Grund hierfür ist in den naturgegebenen Ergänzungsmöglichkeit dieser Länder mit Deutschland zu suchen.
Deutschland ist-glücklich, heute im Westen, Süden und Norden befriedete Grenzen besitzen zu dürfen. Unsere Verhältnisse zu den Staaten des Westens "und des Nordens, also der Schweiz, Belgien. Holland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und den baltischen Staaten, sind um so erfreulichere, je mehr sich gerade in diesen Ländern die Tenoenzen einer Abkehr von gewissen kriegs- schmangeren Völkerbundsparagraphen zu verstärken scheinen. Niemand kann es mehr schätzen, an seiner Reichsgrenze wahrhaft befreundete neu- trale Staaten zu wissen als Deutschland. Möge es auch der Tschecho-Slowakei gelingen, einen Weg zur inneren Ruhe und Ordnung zu finden, der einen Rückfall in die Tendenzen des früheren Staatspräsidenten Dr. Benesch ausschließt. Der Beitritt von Ungarn und Mandschukuo zum Antikominternpakt ist ein erfreuliches Symptom der Konsolidierung eines Weltwiderstandes gegen die jüdifch-internotionol-bolschewistische Völkerbewegung. Die Beziehungen des Deutschen Reiches zu den südamerikanischen Staaten sind erfreuliche und erfahren eine sich steigernde wirtschaftliche Belebung.
Unser Derhältnis zur Nordamerikoni- s ch e n Union leidet unter einer Verleumdungskampagne, die unter dem Vorwand. Deutschland bedrohe die amerikanische Unabhängigkeit oder Freiheit, einen ganzen Kontinent im Dienste durchsichtiger politischer oder finanzieller Interessen gegen die oolksregierten Staaten in Europa zu verhetzen sucht. Wir alle aber glauben nicht, daß diese Versuche identisch sind mit dem Willen der Millionen amerikanischer Bürger, die trotz einer gegenteiligen gigantisch-jüdisch-kapitalistischen Presse-, Rundfunk. und Filmpropaaanda nicht daran zweifeln können, daß an all diesen Behauptungen kein wah- res Wort ist. Deutschland wünscht wie mit allen Ländern so auch mit Amerika Frieden u n d F r e u n d s ch a f t. Es lehnt eine Einmischung in amerikanische Verhältnisse ab und verbittet sich aber ebenso entschieden jede amerikanische Einmischung in die deutschen.
06 Deutschland z. B. mit süd- ober zentralame. rikanlschen Staaten wirtschaftliche Beziehungen aufrechterhalt und Geschäfte tätigt. geht außer diesen Staaten und uns niemand etwas an. Deutschland ist jedenfalls ein souveränes und großes Reich und u n t e r ft e h t nicht der Beaufsichtigung amerikanischer Politiker. 3m übrigen glaube ich, daß alle Staaten heute so viele innere Probleme zu lösen haben, daß es ein Glück für die Völker sein würde, wenn sich die verantwortlichen Staatsmänner nur um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern wollten. Was Deutschland betrifft, weiß ich aus eigener Erfahrung, daß
Italienische Keramik.
Don Otto Müller
Italien kann als das Land bezeichnet werden, in dem sich die Kunst vom Altertum bis in unsere Tage durch eine vielleicht sonst nirgends anzutref- sende Volksverbundenheit ausgezeichnet hat. Man denke an die Antike, an die Renaissance, aber auch an die anderen Abschnitte des Mittelalters und der Neuzeit: die Leidenschaft des Volkes für Kunst und Kunsthandwerk, die bis in die ärmsten Schichten an- zutreffen ist, gibt der Lebensauffassung einen eigenen Stil. Aus jener Leidenschaft wurden zu allen Zeiten die großen Geister der Kunst und Wissenschaft geboren, bte für die Kultur dl»s Abendlandes von Bedeutung geworden sind.
Nicht von den großen Künsten soll hier gesprochen werden, sondern von einem Kunsthandwerk, das bis auf den heutigen Tag lebendig ist, von der Kunst des Tonbrennens. Der Ursprung der italienischen Keramik ist uralt. Gewiß ist es kein Zufall, daß die Kunsttöpferei gerade in Toskana und Umbrien eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat; diese Gebiete waren einst von den Etruskern be- liedelt, die schon vor den Römern des Alterstums Meister der Plastik waren. Im Mittelalter schien die Keramik in Italien in Vergessenheit geraten, aber im 15. Jahrhundert taucht sie plötzlich, von Florenz und Faenza ausgehend, wieder auf und verbreitet sich über das ganze Land. Es waren meist Gebrauchsgeschirr, Teller, Töpfe und Krüge, in einem der Stilart des 14. Jahrhunderts verwandten, meist durch Blaumalerei verzierten Stil. Das umbrische Land wird der Mittelpunkt für d'e Majoliken, die buntverzierten glasierten Tonwai V die in Urbino, Gubbia. Deruta hergestellt werden. Die kunstvolle Handarbeit jener Zeit, in der das Formgefühl alles beherrscht, verleiht diesen Geschirren ihren Wert.
Die spätere Keramik hat aus jenen Zeiten wesentliche Anregungen traditionsmäßig weitergeführt. Eine Wendung brachte das chinesische Porzellan mit sich: diese kostbare Modelliermasse wurde erst im 16. Jahrhundert durch die Portugiesen nach Europa gebracht. Lange hatte man sich vergebens bemüht, das Geheimnis des Porzellanbrennens zu ergrün1 den. Wie in anderen Ländern, forschte man auch in Italien danach. Da sich das zur Herstellung des Porzellans notwendige Kaolin im Lande zunächst nirgends fand, versuchten es die Gelehrten mit Ersatzstoffen. An Fürstenhöfen und im Auftrage der Signorien in den mächtigen Stadtrepubliken arbeiteten Alchimisten, denen es nicht gelungen war, das
„Der Führer ist uns allen Vorbild und Richtschnur geworden."
Reichsminister ör. Goebbels sprach zur deutschen Schuljugend.
Berlin, 30. Jan. tDNB. Funkspruch.) Dor der 299. Volksschule Berlin-Wedding hielt Reichsminister Dr. Goebbels eine Ansprache zum 30. Januar 1939 zur deutschen Schuljugend. Er führte dabei u. a. folgendes aus: Für uns, die mir den 30. Januar 1933 miterkämpfen durften, ist dieser Tag ein großer Erinnerunastag, der uns mit Stolz und tiefer Freude erfüllt. Man sagt heute manchmal, es sei mit Deutschland ein Wunder geschehen. Die damals schon an der Wiedererhebung unseres Volkes arbeiteten und seitdem unermüdlich daran gearbeitet haben, wissen, daß das nicht wahr ist, daß sich vielmehr die Wiederaufrichtung unseres Volkes nach ehernen und folgerichtigen Gesetzen der Vernunft, der Klarheit, der nationalen Kraft und des völkischen Idealismus vollzog. Die nationalsozialistische Bewegung, die heute das gesamte politische Leben in Deutschland führt, stand damals nach in der Opposition. Aber diese Bewegung war eine Bewegung der deutschen Jugend. Wir waren damals alle noch jung. Die deutsche Jugend hat sich im Nationalsozialismus gegen den Parlamentarismus und gegen den Partcienftaat empört und aufgelehnt. Es war die deutsche Jugend, die den großen Umbruch in unserem Reiche vollzog und von da an bricht auch erst die eigentliche Geschichte der deutschen Nachkriegszeit an.
Sonst lernen die Kinder Geschichte nur in der Schule. Heute haben sie das seltene Glück, selbst Geschichte tu erleben. Das dürft ihr, Kinder, niemals vergessen. Ihr seid Zeugen eines großen historischen Umwandlungsprozesses, der in unserem Volk und in unserem Reich sich vollzieht. Wenn wir heute die glänzenden Ergebnisse dieses grandiosen nationalsozialistischen Aufbauwerkes vor Augen sehen, so kommen sie uns manchmal leicht, ja allzu leicht vor. Trotzdem aber ist dieser Aufbau von ungeheuren Gefahren und schweren Belastungen be- aleitet gewesen. Diese Gefahren und Belastungen hätten niemals überwunden werden können, wenn das Volk selbst nicht daran mitgeholfen hätte. In diesem Jahr hat der Führer für das Deut che Reich und für das deutsche Volk die größten hi torischen Erfolge erringen können. Denn in die em Jahr ist das Groß deutsche Reich geworden.
Als wir noch Kinder waren und auf den Schulbänken saßen, auf denen nun ihr sitzt, haben wir uns erbaut und erhoben an den großen Gestalten unserer deutschen Vergangenheit. Wir glaubten damals an Ideale, die längst dahin gesunken sind. Wir glaubten an Kaiser und König, aber die Kraft, die i m V o l k e selbst ruht, war uns gänzlich un
bekannt. Aus dieser Kraft des Volkes ist dos eigent» liche deutsche Wunder entsprungen. Wir Deutschen wußten früher gar nicht, wie stark wir waren. Dessen sind wir uns erst in der größten Not unseres Volkes bewußt geworden. In dieser Not stand unter uns ein Mann auf, lehrte uns die Größe unseres Volkes und hat uns gezeigt, was ein Volk vermag, wenn es einig und geschlossen ist und einem politischen Willen gehorcht. Er wurde damit auch der große Lehrmeister der deutschen Nation. In seiner Idee und in seiner Weltanschauung hat er das deutsche Volk neu ausgerichtet. So steht er mitten unter uns. Er ist uns allen Vorbild und Richtschnur geworden.
Die ganze deutsche Jugend steht in unverbrüchlicher Treue hinter dem Führer. Wenn unter den Alten der eine aber der andere uns und unsere Bewegung nicht mehr verstehen kann ober auch nicht mehr verstehen will, so ist doch bie Jugend ganz und ungeteilt beim Führer unb bei seinem Werk. Sie skkht bedingungslos zu ihm. Am heutigen Morgen bin ich nun in eines der ärmsten Arbeiterviertel in dieser viereinhalb Millionenstadt gekommen, um zur deutschen Jugend zu sprechen. Und zwar bin ich hierher gekommen, weil hier unser ganzes Volk zu Hause ist. Und wo bas Volk zu Hause ist, ba hat bie Treue zum Nationalsozialismus unb zum Reich eine bleibende Heimstätte. Hier ist auch bas Wunder unserer Volk- werdung am sichtbarsten geworben, unb barum ist auch hier bie Freude am heutigen Tage am größten. Da, wo früher die schwersten Kämpfe tobten, ba ist heute das Reich am sichtbarsten in Erscheinung getreten, und wo könnte das mehr der Fall sein als gerade hier. Es ist mir ein besonders inniges Bedürfnis, die Jungen und Mädel aus Oesterreich und aus d e m S u b e t e n l a n b über bie Aetherwellen hinweg bei dieser ersten gemeinsamen Feier des 30. Januar herzlich zu begrüßen. Heute hat unsere deutsche Jugend wieder ein großes nationales Ideal, und an der Spitze unseres Volkes steht ein Mann, an den sich bie Jugend auf das lebendigste unb wärmste begeistern Fann. So sei benn dieser geschichtliche Tag mit einem Gedenken an i h n begonnen. Die deutsche Jugend, seine Jugend, die auch den Namen von ihm hat, legt ihm ihre Dankbarkeit unb ihre Huldigung zu Füßen. Der Führer hat bas Reich aufgerichtet. Der Führer ist das Unterpfand unserer Zukunft unb unseres Sieges. Ihn grüßen mir in dieser Stunde, denn er ist unser ein und unser alles.
bie gestellten Aufgaben so groß sind, bah sie fast über bas Verwögen der Einsicht unb der Tatkraft eines einzelnen Mannes hinausragen. 3d) kann daher für wich unb für alle meine Mitarbeiter nur versichern« daß wir unsere Lebensaufgabe ausschließlich in der Pflege und Erhaltung unseres Volk es und Reiches sehen, die beide auf eine tausendjährige, ruhmvolle Geschichte zurückblicken.
Meine Abgeordneten! Männer des ersten Reichstages Großdeutschlands! Wenn ich meine heutigen Erklärungen nunmehr von Ihnen schließe, bann gleitet mein Blick noch einmal zurück auf die hinter uns liegenden Jahre des Kampfes und der Erfüllung. Für die meisten bedeuten sie Sinn unb Inhalt des ganzen Daseins. Wir wissen, baß Größeres unserem Volke unb bamit unserem eigenen Leben nicht mehr be- schieden sein kann. Ohne Blutopfer ist es uns gelungen, bas große Reich des deutschen Volkes endlich aufzurichten. Dennoch wollen wir nicht vergessen, daß auch dieser Prozeß f ü r manche mit schmerzlichen Verzichten
verbunden war. Viele liebgeworbene Traditionen, manche teueren Erinnerungen und Symbole mußten von uns beseitigt werden. Länder wurden ausgelöscht, ihre Fahnen eingezogen, ihre Traditionen haben an Bedeutung verloren, allein es mag für alle bie Erkenntnis zur Beruhigung beitragen, daß Feiner Generation, bie an Deutschland in unserer Geschichte gearbeitet hat, ähnlich schmerzliche Empfindungen erspart geblieben sind. Seit die ersten deutschen Herzöge sich bemühten, aus wilden Stämmen höhere Einheiten zu bilden, mußte dieses ihr Streben über liebgeworbene Einrichtung, teure Erinnerungen, männliche Treue- verpslichtungen usw. hinwegschreiten.
Fast 2000 Jahre dauerte dieser Prozeß, bis aus verstreuten Stämmen ein Volk, aus unzähligen Ländern und Staaten ein Reich wurde. Run darf dieser Werdegang aber der deutschen Ration im wesentlichen als beendet gelten. Damit aber umschließt dos Grohdeutsche Reich den ganzen tausendjährigen Lebenskampf unseres Volkes. So wie in ihm alle vergangenen Traditionen, ihre Symbole
und Standarten, vor allem ober olle die großen Btännrr, auf die deutsche Menschen einst Grund hotten stolz zu sein.
Denn in welchem Lager sie auch zu ihren Zeiten standen, die kühnen Herzöge und groß'« Könige, die Feldherren und gewaltigen Soifer und um sie die erleuchteten Geisler und Heroen der Vergangenheit, sie alle waren nur Werkzeuge der Vorsehung im Ent- stehungsprozeß einer Ration. Indem wir sie In diesem großen Reich in dankbarer Ehrfurcht empfangen, erschließt sich uns der herrliche Reichtum deutscher Geschichte. Danken wir Gott, dem Allmächtigen. daß er unsere Generation und uns gesegnet hat, diese Zeit und diese Stunde zu erleben.
Gönng dankt dem Führer.
Als her Führer seine große, 2Viftünbige Rede mit den stolzen Worten vorn Reichtum der deutschen Ge- schichte beendete, setzte ein wahrer Sturm der Begeisterung unb des Jubels ein. Abge- orbnete unb Tribünenbesucher sprangen von ihren Plätzen auf, minutenlang erneuerten sich immer roicber bie Heilrufe unb bas Hänbeklatschen. Dem Dank der Hörer gab auch Generalfelbmarschall G ö- r i n g in herzlichen unb tiefempfundenen Worten Ausdruck:
Mein Führer!, so sagte er u. a.. Sie haben in einer Ihrer gewaltigsten Reden die letzten sechs Jahre an uns oorüberziehcn lassen unb uns dos große Wunder auf gezeigt, wie endlich Großdeutschlond geworden ist. Das wurde erreicht, mein Führer, durch Ihren überragenden Willen, durch Ihre Genialität, aber auch, so darf ich sagen, durch die Hingabe der Bewegung, durch bie Treue der Wehrmacht und vor allem durch den blinden Glauben des deutschen Volkes. Wir Vertreter des Volkes sind berufen wie keine. Ihnen Dank zu sagen für all bas, was Sie getan haben, aber vor allem auch Dank dem Allmächtigen, daß -er Sie uns Deutschen gesandt und geschenkt hat. Sie haben uns einst in dunkler Nacht bie Hoffnung gegeben, aus dieser Nacht emporaufteigen zum Licht und zum Siege. Dann, mein Führer, gaben Sie uns bie Kraft, den Sieg zu erringen und in Beharrlichkeit durchzuhalten, die ganze Zeit unb auch für die Zukunft. Sie haben unserem Volke den Glauben eingebrannt, daß unser Volk ewig fein soll. Sie haben uns zu unvorstellbaren Erfolgen geführt. Sie haben uns das Leben wieder groß und lebensmert unb herrlich gemacht. Wie schwach sind ba alle Worte bes Dankes! Wenn mir Ihnen jetzt, mein Führer, bas Heil zujubeln, dann liegt in diesem Heil alles, roas mir an Begeisterung, an Hingabe, an Liebe und an Treue in uns suhlen. Kameraden! Unser heißgeliebter Führer, der Schöpfer Großdeutsch- lands: Sieg Heil!, Sieg Heil!, Sieg-Heil! Die Sitzung ist geschlossen.
Wie aus einem Munde ertönt bas Sieg-Heil, mit dem die Teilnehmer dieser denkwürdigen Sitzung den Schöpfer Großdeutschlands grüßen. Dann ver abschiedete sich der Führer mit dem deutschen Gruß von seinen Mitarbeitern unb verlaßt, dankend für die Ovationen, die ihm aufs neue bereitet werben, durch den Mitteleingang den Sitzungssaal.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. XII. 38: 10 8 43. Druck unb Verlag: Brühlsche Universitätsbruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illu- ftrierten-15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1 September 1937 gültig
fieberhaft begehrte Gold herzustellen, an Verfahren zur Erzeugung von Porzellan.
Venedig, Urbino und Florenz taten sich besonders hervor. Francesco bei Medici unb Bernardo Buo- talenti gelang es in der toskanischen Hauptstadt in Nachbildung orientalischer Porzellanstücke, die sie in Spanien kennengelernt hatten, prachtvolle Vasen, die f»genannten „Königsvasen", herzustellen. Von dem Mediceerporzellan sind 38 Stücke auf unsere Zeit gekommen, aber nur vier von diesen Kostbarkelten sind in Italien geblieben. Sie haben noch nicht die Leichtigkeit, Feinheit und Lichtdurchlässig- keit bes chinesischen Hartporzellans, unb die Farben beschränkten sich auf blau, violett, gelb und grün, die man von den Majoliken übernommen hatte. Die Fabrikmarke der Mediceer-Wertstätte mar eine Abbildung der berühmten Domfuppel von Florenz. '
1709 hatte man in Meißen Kaolin entdeckt unb dort die erste Porzellanfabrik Europas gegründet. Wenige Jahre darauf folgte die Werkstätte in Wien und 1720 die erste italienische Porzellanbrennerei der Vezzi und der Cozzi in Venedig, die \tyc_ Kaolin aus der Gegend von Vicenza bezogen. So reich maren die Porzellanerde-Lager jenes Gebietes, daß man das Kaolin bald nur noch „Erde von Vicenza" nannte, das sich nun auch bei Lucca, in Latium, auf Elba und Sardinien fand.
Aufschwung nahm bie italienische Porzellankunst erst, als 1735 bei Florenz von dem Marchese Ginori mit Hilfe von zwei Wiener Porzellanmalern eine Werkstätte gegründet wurde, die noch heute besteht. Karl HI. von Neapel fand an der neuen Kunst einen solchen Gefallen, daß er fünf Jahre später eine Fabrik in (Sapobimonte errichtete, deren Namen für eine bestimmte Stilrichtung tonangebend qemorben ist. So sehr hing dieser König an der Kunst des Brennofens, daß er, nachdem er 1759 die Königskrone von Spanien erhalten hatte, in der Nähe von Madrid mit Leuten, Maschinen unb Verfahren aus Italien eine neue Fabrik eröffnete.
Schon 1740 begann man in Doccia mit Porzellan zu modellieren und Statuetten sowie Reliefs herzuftellen. Aus Porzellan bildete man verkleinerte Kopien von antiken Statuen und Werken der bedeutenden italieni'chen Bildhauer und Erzgießer.
Die alten Stätten der Majolika-Erzeugung sind zum großen Teil heute noch im Betrieb, die Tafelgeschirr, Nippsachen, Statuetten, Gefäße, Schmuck- platten unb Wandziegel Herstellen. Die Keramik verleiht einzelnen Ortschaften ein bestimmtes Gepräge. So fällt in Capri auf, daß die Straßennamen und Hausnummern nicht wie sonst auf Blech- oder Marmorplatten eingebrannt sind. Wer mit dem Wagen durch das Land reist, trifft oft in kleinsten Ortschaf
ten reich ausgestattete Keramikläden, vor deren Türen ganze Museen von hübschen und nicht selten recht eigenartigen Gegenständen ausgebreitet sind.
Jeder Ort hat seine Spezialität, jede Majolika- Werkstätte ihre Eigenart. Zu den berühmtesten gehört Faenza, das den „Fayencen" den Namen gegeben hat, durch seine Fachschule und ein Keramik- museum bekannt. Eine ähnliche Schule besitzt Salerno, unweit davon liegt Vie tri sul Mare, das Faenza Kampaniens, dessen farbenfrohe Erzeugnisse die heitere Landschaft und den fröhlichen Charakter des Menschenschlages widerspiegeln. Die Turiner Erzeugnisse fallen ebenso durch ihr Farbenspiel auf, Mailand erzeugt Gebrauchsporzellan in allen Stilarten, von Biedermeierformen bis zu den modernsten Linienführungen, die der Italiener mit Vorliebe „stilo novecento“ (Stil bes 20. Jahrhunderts) nennt; kommt man nach Treviso, so findet man hauptsächlich weiße und farbige Zierstatuetten, an der Riviera besitzt die Töpferkunst in Albisola einen bedeutenden Mittelpunkt. In Umbrien rühmt sich Perugia seiner gelben unb braunen Majolikatöne, Orvietos Keramikkünstler sind stolz auf ihre Wiedergaben bedeutender Gemälde, Pesaro dagegen hat eine besondere Fertigkeit in der Nachbildung klassischer Modelle entwickelt und birgt in seinem Museum eine Anzahl sehr wertvoller Stücke. In Apulien ist Grottaglie, ein uraltes, malerisch gelegenes Städtchen, der Sitz von Tonbrennern, der berühmten .Jiguli“, die ihre >Gefäße nach altbewährter Ueberlieferung Herstellen, Mesagne ist vor allem durch die Erzeugung von Krippensiguren bekannt. In Caltagirone auf Sizilien hat man eine beson dere Vorliebe für Nachbildungen antiker Formen entwickelt.
Was die italienische Keramik reizvoll macht, ist der absichtlich in das Urwüchsige gehende Stil, den die Darstellungen auf den Gefäßen unb Zierplatten erkennen lassen. Es finb Figuren aus dem Landleben, Trachtenbilder, Szenen aus der Geschichte und Mythologie, oft an uralte Formen anklingend, namentlich bei der Darstellung antiker Gestalten. Wenn die italienische Keramik in ihren Darstellungen so lebendig ist, bann verdankt sie es dem Erfindungsgeist der Künstler. Als beliebte Vorlagen für mythologische Darstellungen dienen die altgriechischen Szenen auf den Brieimarken Griechenlands oder Münzenbilder, die entweder in einfarbiger Zeichnung, meist grün auf weißem Grunde oder bunt in die Tonmasse eingebrannt werden.
Daß die Keramik dem Geschmack des Volkes entspricht, zeigt sich in der Verwendung. In jeder Familie werden Vasen ober Schmuckgegenstände von mehr oder weniger hohem Werte bewahrt, die Museen besitzen zahlreiche Sammlungen von Pracht
stücken aus der früheren Zeit, oft findet man an Häuserfronten ganze Gemälde aus den bunten glasierten Keramikplatten als eigenartigen Schmuck ein- gemauert, unb in Salerno sind in einem Gasthof sogar die Zimmerfußböden mit buntgemusterten Majolikaziegeln belegt.
Tritt bas Kunsthandwerk im Vergleich zu früheren Zeiten gegenüber mechanischen Massenerzeug- nissen stark zurück, so ist die italienische Keraimk eines jener Gebiete, auf dem sich bas Handwerk bewunderungswürdig lebendig erhalten und alte Tradition siegreich in die neue Zeit führen konnte.
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— Ein Mann machte sich einen Spaß unb rief ! aus dem Fenster einem Passanten zu: „Auf dem ! Marktplatz steht ein betrunkenes Kamel!" Nach einer halben Stunde, die diese Behauptung brauchte, um als Gerücht durchs Städtchen zu fliegen, sah der Mann, wie das Volk zu Hunderten auf den Marktplatz strömte. Kurze Zeit danach rannte der Mann selbst zum Marktplatz unb rief seiner Frau zu: „Es scheint, baß tatsächlich ein betrunkenes Kamel auf bem Marktplatz steht!" Diese lustige Anekdote führt bas neue Heft der „Sirene" als Beispiel bafür an, wie Massensuggestion wirkt. So merkwürdig es klingen mag. gewisse Waffen im modernen Krieg wirken durch dasselbe Mittel; wie, bas erzählt „Die Sirene" in einem interessanten Aufsatz. „So sieht eine Luft- schutzschule aus?" heißt ein weiterer Bildbericht, der in klarer Form die notwendigen Einrichtungen der im Reich schon bestehenden 3500 Luftschutz schulen und Luftschutz-Hauptschulen darstellt.
— Die Monatsschrift „Volk und Rasse" (I. F. Lehmanns Verlag, München 15) zeigt sich mit bem Januarheft in neuem Gewanbe: Ihr Format wurde vergrößert, so daß die Bildbeigaben noch mehr als bisher zur Geltung kommen. Theodor Arzt zeigt die Zusammenhänge von „Rosse, Kultur und Ernehung". Dozent Dr. G. Heberer berichtet über „Wichtige Neufunde zur Stammesgeschichte des Menschen". Die drei für bie früheste Geschichte des Menschenstammes wichtigsten Gebiete China, Java und Südafrika haben im letzten Jahre so unerwartet reiche Funde geliefert, daß heute die Vorstellungen von der Herausentwicklung des Menschen aus einem primitiven Menschenaffenzustand gestützt und wesentlich ergänzt werden. Ein erschütterndes Beispiel für „Die Gefahr der Asozialen" bringt Wilh. Langenlmch. Es folgen bie interessanten Spalten „Aus Rassenhygiene und Beoölkerungspolitik" unb Buchbesprechungen.


