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Aus der engeren Heimat
Jn den kommenden Dinter- seldzug gehen wir gerüsteter als Vas deutsche Heer besitzt die besten Waffen unb seine Heimat ist getragen oom Dpfergeist für dasAriegs-WHN).
laß wurde der Jubilar im Kreise der Arbeitskame- raden geehrt und erhielt gleichzeitig neben einer Treueprämie ein Glückwunschschreiben des Ober- bürgermeisters.
Jiunöfunfprogramm
Freitag, 1. Dezember:
6 Uhr: Landvolk, merk' aus! 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. Die Unterhaltungskapelle des Reichssenders Hamburg. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Gymnastik. 8.20: Sendepause. 9.10: Mutter turnt und spielt Mit dem Kind: „Das Puppendorf". 9.30: Schulfunk (Oberstuse) Sendereihe: „Wirtschast und Politik", ,Leichtmetall". Hörfolge. 10: Frohe Weisen. Es spielt das kleine Orchester des Reichsfenders Saarbrücken. Einlage: Buntes aus der Saarpfalz. 11: Blasmusik. Es spielt das Mufikkorprs einer Fliegerhorst-Kommandantur. 12: Stadt und Land — Hand in Hand. 12.10: Mittagskonzert., Das große Orchester und der Chor des Reichssenders Köln. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 14: Nachrichten. 14.15: Das Stündchen nach Tisch ... 15: Nach- mittagstonzert. Ausführung: Das große Orchester und der Chor des Reichssenders Frankfurt. 17: Nachrichten. 17.10: Sport. 17.20: Musikalische Kunz- weil. 18: Klingende Liebesgaben. Eine fröhliche Sendung des Reichssender Frankfurt für die Kameraden am Westwall. In Verbindung mit der NS.-Gemeinschaft „Kraft dmch Freude". 19.10: Konzert. Dazwischen: 19.10: Berichte. 20: Nachrichten. 20.15: Übertragung vom Deutschlandsender: Dazwischen: 22 bis 22.15: Nachrichten.
er sei nur ein „harmloser Durchreisender, der sich aus Not etwas holen wollte. Dabei hatte er sich bereits Mäntel und Kleider zum Mitnehmen de- reitaelegt, eine große Anzahl der besten Zigaretten in seinen Taschen verstaut, die Geldkassette und emg Geldbörse ausgeleert und den Inhalt zu sich gesteckt Auch war er auf dem für ihn „nicht mehr ungewöhnlichen Weg" in das Anwesen gelangt, indem er den Fensterladen gewaltsam öffnete und den Fensterrahmen eindrückte. Auch Ausweispapiere
Acht Kämpfe um den Reichsbund-Pokal.
Der Pokal-Wettbewerb der deutschen Fußball- Gaumannschaften wird am Sonntag mit den acht Begegnungen der Vorrunde fortgesetzt. In den beiden Ausscheidungsspielen blieben die Gaue Baden und Mittelrhein, die von Württemberg und Südwest geschlagen wurden, auf der Sttecke. Der Kampfplan für Sonntag lautet:
Kassel: Hessen — Südwest
München: Bayern — Württemberg Aussig: Sudetenland — Ostmark Hamburg: Nord mark — Sachsen Braunschweig: Niedersachsen — Niederrhein Magdeburg: Mitte — Westfalen Stettin: Pommern — Brandenburg Königsberg: Ostpreußen — Schlesien.
Im Besitz des Reichsbund-Pokals ist der Gau Schlesien, der in der vergangenen Spielzeit mit ganz großartigen Leistungen aufwartete und im Endspiel den Gau Bayern mit 2:1 Toren bezwang. Ob die tüchtigen Schlesier auch diesmal soweit kommen, bleibt abzuwarten. Offener denn je sind ja heute die Fußballkämpfe, denn viele bewährte Kräfte stehen nicht nur zur Verfügung und der Nachwuchs ist noch nicht überall so weit, um die Lücken vollwertig ausfullen zu können. So wird es auch im Verlaufe des Reichsbundpokal-Wettbewerbs manche Ueberrafchung absetzen.
Oie zweite WHW -Veranstaltung des Fachamtes Handball!
Nachdem aus dem schönen Programm des Vorsonntages nichts geworden ist, müssen beim zweiten Versuch erst recht alle Kräfte angespannt werden. Die Handballer haben den Ehrgeiz, ihren Einsatz so erfolgreich wie möglich zu gestalten und ganze Arbeit zu leisten. Das um so mehr, als sie ja darauf aus sind, das Vorjahres-Ergebnis noch zu verbessern. Wenn schon die Paarungen des geplanten ersten Einsatzes nichts zu wünschen übrig ließen, so trifft das nicht minder auch diesmal wieder zu, Nicht nur, daß es sich zum weitaus größten Teil um interessante Vergleichskämpfe handelt. Es werden sich gegenüberstehen:
Garbenheim — Münchholzhausen. Hörnsheim — Mtv. Gießen. Dornholzhausen — Ebersgöns. Katzenfurt — W.-Niedergirmes. Beuern — VfB.-R. Gießen.
Holzheim — SpV. 1900 Gießen. Dutenhofen — Hochelheim. Launsbach — Krofdorf.
Londorf — Großen-Buseck.
Heuchelheim — Mtv. Gießen. Klein-Linden — Lützellinden. Großen-Linden — Hörnsheim-Hochelheim. Lich —- Grüningen.
Nauborn — Garbenheim.
Wieder Titelkämpfe der HZ.
Auch im kommenden Jahre werden wieder die deutschen Iugendmeisterschaften im Boxen durchgeführt, deren Trägerin die HI. ist. Bereits in der Zeit vom 1. November 1939 bis 31. Januar 1940 werden nach den Ausschreibungen, die der Chef des Amtes für Leibesübungen in der Reichsjugendfüh-
des Wirtes hatte er bereits in feiner Tasche, wn damit seine weitere Flucht leichter bewertstelli«n zu können. Man fand übrigens bei dem etwa 30. jährigen Verbrecher Gegenstände, die er ebenso wie seine Zivilkleidung nach seiner Flucht aus bet Strafanstalt bereits bei anderen Einbrüchen ober Diebstählen erbeutet haben muß. Noch in der Nacht wurde der Verbrecher in das Untersuchungsgefäng. ms eingeliefert, wo sich herausstellte, welch Guten Fang die Polizei gemacht hatte.
mittlungen hatte Hartogs in dem Frankfurter Hotel eine Zenttale etabliert, von der aus er Reisen ins Ausland unternahm und mit zahlreichen inländischen Juden in Verhandlungen stand, die aus* wandern wollten und sich von ihm beraten liehen. Er bekam Gelder und Wertsachen zum Verschieben zugesteckt, wobei es sich um recht beträchtliche Werte handelte. Die Festnahme des Großschieberpaares hatte die Festnahme von 25 mitbeteiligten Juden in Frankfurt und Umgebung zu Folge. Sie wurden im Unterwerfungsverfahren bestraft. Zur Sicherung der Geldstrafen find damals 300 000 RM. beschlagnahmt worden.
Das Gericht verurteilte Hartogs wegen sieben vollendeter und 14 versuchter Devifenvergehen, zum Teil in Gemeinschaft mit der Mitbeschuldigten begangen, zu drei'Jahren Gefängnis und 7000 RM. Geldstrafe. Seine Geliebte erhielt wegen fünf vollendeter und einem Fall des versuchten De- vifenvergehens fechs Monate Gefängnis und 1650 RM. Geldstrafe. Im Nichtbeitreibungsfall ist für je 100 RM. ein Dag Gefängnis zu verbüßen. Die Untersuchungshaft wurde ungerechnet, die angeklagte Frau aus der Haft entlassen. Von beschlagnahmten Werten wurden 20 000 RM. Bargeld, ein Scheck über 174 schwedische Kronen, der Pelzmantel und sämtliche Schmuck- und Silbersachen, darunter auch die Geschenke, die die Angeklagten von Juden zur Erledigung ihrer Anliegen erhalten hatten, eingezogen.
Entsprungener Zuchthäusler bei einem Einbruch gesaht.
Lpd. Frankfurt a. M., 29.Nov. Die Polizei konnte einen Verbrecher festnehmen, als er gerade dabei war, eine Wohnung auszuplündern. Der Dieb war vor einiger Zeit aus einer Strafanstalt bei Düsseldorf entsprungen', wo er eine langjährige Zuchthausstrafe verbüßen sollte. Nachts kehrte eine Gastwirtsfamilie aus Nied, von auswärts kommend, nach Haufe zurück. Da der Laden eines Fensters halb geöffnet war und in der Küche Licht brannte, vermutete man einen Einbrecher in der Wohnung und benachrichtigte die Polizei. Als der Wirt und zwei Beamte die Wohnung betraten, fchrie der Verbrecher: „Hände hoch!" und warf den Polizisten einen schweren Stuhl entgegen, der aber fein Ziel verfehlte. Der Eindringling, der wütend um sich schlug und trat, konnte
überwältigt und fe ft genommen werden. Dann jammerte er, man möge ihn doch laufen lassen, denn
mal. Sie unterrichtet über alle wesentlichen Ereignisse im Wehrkreis IX und bringt während des Krieges Berichte von der Front. Aus dem vorliegenden Novemberheft sind zu erwähnen Aufsätze wie „Abenteuer und Leistungen der Hessen in aller Welt", „Don heimischer Bauweise", „Die Nachrichtenmänner und ihre vierbeinigen Helfer", „Besuch bei einem Landesschützen-Bataillon" und andere soldatische Betrachtungen und Erlebnisse. „Vatis Soldatenerlebnisse" sind der regelmäßige Schlager des Nachrichtenblattes. Dieses ist durch den Wehr- macht-Presse-Verlag, Berlin SW 68, Zimmerstraße 35—41, zu beziehen.
Gießener lvochenmarktpreiie.
* G i e ß e n, 30. Nov. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, Wirsing, % kg 6 bis 10 Rpf., 50 kg 6 RM., Weißkraut, % kg 5 bis 6 Rpf., 50 kg 4 RM., Rotkraut, % kg 8 bis 10 Rpf., 50 kg 7 RM., gelbe Rüben, kg 7 bis 8 Rpf., rote Rüben 9 dis 10, Unterkohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 15 bis 18, Rosenkohl 32 bis 45, Feldsalat, Vio 10 bis 12, Zwiebeln, kg 10, Meerrettich 40 bis 60, Aepfel 15 bis 25, Birnen 15 bis 20, Salat, das Stück 5 bis 8, Endivien 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15 Rpf. *
** T)ienstjubiläum bei der Stadt ließen. Auf eine 25jährige ununterbrochene Dienstzeit bei den Stadtwerken kann heute der Ober» Monteur Otto Steih zurückblicken. Aus diesem An
kämpfe steigen im März oder April wiederum m Stuttgart. Bei den Bannwettkämpfen werden die Tellnehmer übrigens in drei Leistungsklassen ein« geteilt, in die Anfängergruppe, die ßeiftungsgruppt zwei und die Leistungsgruppe eins.
Oeutsche Europameister rm Motorsport
Der Führer des deutschen Kraftfahrsports, Korpsführer Hühnlein, hat jetzt die drei deutscher Rennfahrer NSKK.-Staffelführer Hermann Lang NSKK. - Obersturmführer Ewald Kluge uno NSKK.-Obersturmführer Heiner Fleischmann auf Grund der vorliegenden klaren Punktergebniss« in den für die Europameisterschaft international festgesetzt gewesenen Automobil- und Motorradrennen zu Europameistern erklärt. Korpsführei Hühnlein ergriff selbst die Initiative, da sowohl dir zuständigen Verbände infolge des Krieges nicht zu- fammentreten können. Hermann Lang ist auf Mercedes-Benz mit 23 Punkten Europameister im Rennwagen geworden, Ewald Kluge mit 27 Punkten auf DKW. Europameister für Motorräder bet Klasse bis 250 ccm und Heiner Fleischmann mit 23 Punkten gleichfalls auf DKW. Titelhalter bet Klasse bis 350 ccm. Mit der Zahl von 27 Punkten ist Kluge gleichzeitig Europapmeifter im Gesamt« klassement für Motorräder.
Kurze Sportnotizen
Wie die Karten stelle des Drganifatiow komitees für die V. Olympischen Winterspiele Gar misch-Partenkirchen bekannt gibt, werden die (Eintritts gelber für bereits bezahlte Karten zurück«« stattet.
Italien und Ungarn haben einen Turn« länderkampf für den 17. Dezember nach Mailcm) vereinbart. Die Italiener bereiten sich sehr ernsthaft darauf vor und werden wahrscheinlich mit der glr- chen Mannschaft antreten, die kürzlich ihr große. Können in Dresden zeigte.
Briefkasten ver Nedattion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
(£. ft, G. Auf Grund der Verordnung über Kündigungsschutz von Kleingärten vom 27.9.1939 rt bestimmt, daß Pachtverträge über tleingärtnerifd) genutztes Land von dem Verpächter nicht gekündigt werden dürfen. Bereits ausgesprochene Kündigungen find rechtsunwirksam, wenn die Räumung dcs verpachteten Geländes im Zeitpunkt des Jnkrafl- tretens dieser Verordnung (27. 9. 1939) noch nicht durchgeführt ist. Die zum 1. Dezember 1939 ausg" sprochene Kündigung Ihres Gartens ist deshalb nicht wirksam.
E. S. ln G. Das menschliche Herz pumpt inne-- halb einer Minute das ganze Blut, etwa 5 ßitei, einmal durch den Körper. Innerhalb einer Stunt? werden also rund 300 Liter Blut bewegt. — Dc- Brandenburger Tor ist von Langhans in beit Jahren von 1788 bis 1791 erbaut. Die Diktori::, die das Tor krönt, stammt von Sd) a bo m. - Ihre dritte Frage können wir nicht beantworten fragen Sie deswegen in einem Reisebüro an.
Landkreis Gießen.
p Lich, 29.Nov. Wer jetzt mit aufmerksamen Augen durch die Stadt geht, kann überall feststellen, wie sehr die Bevölkerung bemüht ist, sich den Kriegsverhältnissen anzupassen, lieber all wird Kleintierzucht getrieben, sei es als Hühneroder als Kaninchenzucht. In Obst- und ©rabgärten erstehen neue Stauanlagen, zu denen bekanntlich das Reich Zuschüsse gewährt. Besonders erfteuliche Feststellungen auf dem Gebiet der Kleintierzucht kann man an der Siedlung am Kreuzweg, die erst vor wenigen Jahren entstanden ist, machen. Hier befaßt sich jede Familie mit Kleintierzucht. In erfreulicher Weise hat die Rassezucht die weniger Nutzen bringende Kreuzungszucht verdrängt.
Oer verlorene Trauring.
LPD. Frankfurt a. M., 29. Nov. Die Frau eines Taubenzüchters in einem Frankfurter Vorort vermißte fei längerer Zeit ihren Trauring, den sie beim Waschen von Kartoffeln abgestreist und auf eine Bank gelegt hatte. Sie glaubte, der Ring fei gestohlen worden. Nun wurde er bei Reinigungsarbeiten im Taubenschlag gefunden. Offenbar hat eine Taube an dem glitzernden Ding Freude gehabt und es weggetragen.
Jüdischer Großschieber vor Gericht.
LPD. Frankfurt a. M., 29. Nov. Dor der Strafkammer hatten sich der 59jährige, in Holland geborene Jude Felix Hartogs und seine 26jährige arische Braut, eine Schweizer Staatsangehörige, wegen einer Reihe meist versuchter Devise n- schiebungen zu verantworten. Die Angeklagten wurden Ende März im Grenzgebiet am Bodensee bei einer Hotelkontrolle festgenommen, als sie im Begriff waren, Kofter mit Gold- und Silbersachen zu verpacken, die angeblich die Aussteuer der Braut vildeten. Zwei Koffer wurden im Hotel, zwei weitere Koffer in der Gepäckaufbewahrunasstelle des Ortes beschlagnahmt. Später wurden in Der Gepäckaufbewahrungsstelle Frankfurt drei Koffer des Hartogs 'uni) in einem Frankfurter Hotel, in dem die Angeklagten monatelang wohnten, ein Pelzmantel und 5450 RM. beschlagnahmt. Der Inhalt der gesamten Koffer hatte einen Wert von 60 000 RM. Außerdem befand sich in den Koffern Bargeld in Höhe von 30 000 RM. Nach den von der Zollfahndungszweigstelle Radolfzell gemeinsam mit der Zollfahndungsstelle Frankfurt betriebenen Ex-
rung Obergebietsführer Dr. Schlünder erlassen hat, die Bannmeisterschaften abgewickelt. Die Sieger. nehmen dann vom 1. Februar bis zum 5. März an den Gebietsmeisterschaften teil, und die End-1
Oie erste Zigarre.
Von Geno Ohlischlaeger.
Ich habe bisher in meinem Leben nicht viele Zigarren geraucht; Zigaretten oder einen müden Pfeifentabak ziehe ich vor. Nur ein paar Mal habe ich zu einer Zigarre gegriffen. Es hatte immer einen besonderen Grund. So sind mir diese Zigarren zu Marksteinen der Erinnerung an Erlebnisse geworden. Vor allem aber werde ich die Geschichte von Yvonne und meiner ersten Zigarre nie vergessen.
Sieb zehnein halb Jahre war ich alt, als ich ms Feld kam. Die Batterie, der ich zugeteilt wurde, lag irgendwo in der Champagne. Ich mußte mich beim Bataillonskommandeur melden.
Der Feldwebel gab mir für meinen Ritt die Stute Yvonne. Diese war dafür bekannt, daß sie manchmal ihre Mucken hatte, wie mir die Kameraden verrieten. Doch ich hatte Glück, da sie anscheinend einen guten Tag hatte; das Auffitzen und Ausreiten aus dem Lager, von den Kameraden gespannt verfolgt, gelang ohne Zwischenfälle.
Nach zweieirchalbftündigem Ritt zeigt mir ein Schild an einem Baum, daß ich den Stab richtig gefunden habe.
Der Pataillonskommandeur wohnt in einem höhlenähnlichen Unterstand am Hang eines Berges. Mit der nötigen Ehrfurcht betrat ich den Unterstand und meldete mich zur Stelle.
Große Ueberrafchung: der Herr Hauptmann spielt sich gar nicht auf den hohen Vorgesetzten heraus, er ist einfach, er ist herzlich, er ist, wie man zu sagen pflegt, leutselig. Man kann sich kaum vorstellen, wie angenehm das einen berührt. Er hieß mich setzen, fragte mich allerlei Privates und bat mir eine Zigarre an. Ich muß gestehen, ich hatte noch nie eine Zigarre geraucht, aber ich wagte nicht, sie abzuschlagen. Das wäre mir zu unmännlich, zu unmilitärisch erschienen. Nach ein paar Zügen kann ich sie ja wegwerfen, dachte ich; so lange werde ich mich ja hier nicht aufhalten. Aber ach, der Herr Hauptmann entließ mich nicht so bald. Ich mußte rauchen. Wäre er doch lieber nicht so leutselig, dachte ich; wäre er doch kurz angebunden und würfe mich gleich wieder hinaus!
Sei es, daß die Zigarre nun besonders aut (also sehr stark) war, oder besonders schlecht (also ein übles Kraut), mir bekam sie jedenfalls nicht gut. Ich hatte Angst vor jedem Zug. Der Hauptmann plauderte mit mir über die Lage an der Front, über die besondere Aufgabe meiner Batterie, über feine Anforderungen an OffiziersanWärter. Ich
konnte kaum zuhören; ich dachte immer nur, wenn du dich jetzt bloß nicht blamierst, nur nicht merken lassen, wie hundeelend du dich fühlst!
Es blieb mir nichts erspart: ich mußte sie bis zu Ende rauchen. Tapfer, die Zähne zusammengebissen, gehorsam, wie es sich für einen guten Soldaten geziemt, qualmte ich darauf los, obwohl sie mir desto mehr auf dem Magen lag, je kleiner sie wurde. Gott sei Dank, der Hauptmann merkte mir nichts an!
Endlich entließ er mich und gab mir noch einen Befehl für den Batterieführer mit, der am Abend in Urlaub fahren wollte.
Zum Glück war der erste Teil des Weges so steil, daß ich Yvonne führen mußte; sonst hätte der Hauptmann, der mir nachsah, bemerken müssen, daß ich Nicht imstande war zu reiten. Als wir den Han-g erklommen hatten und die «Straße ganz eben verlief, führte ich trotzdem d-as Pferd weiter am Zügel. Mein Zustand war so, daß schon der Gedanke, Yvonne könnte beim Auf steigen bocken, Mich schwindelig machte.
In der frischen Luft wurde mir langsam besser; es wurde auch Zeit, daß ich mich ans Reiten machte. Yvonne war gnädig und ließ mich auffitzen, ohne zu mucken. Doch jetzt beim Trab fing mein Kopf wieder an zu schmerzen; jeder Stoß dröhnte in meinem Gehirn.
Als ich etwa eine Stunde geritten war, stellte ich zu meinem Schrecken fest, daß ich an eine Straßenkreuzung gekommen war, die wir schon einmal passiert hatten. Ich habe sonst im allgemeinen ein gutes Orientierungsvermögen; doch in meiner jetzigen Verfassung hatte mein Gefühl für die richtige Richtung mich offenbar betragen und ich war im Kreis geritten.
Während ist unschlüssig hielt und überlegte, wie ich den richtigen Weg sinden könnte, setzte sich Yvonne auf einmal von selbst in Bewegung. Da fiel mir ein, daß man mir einmal von der seltsamen Orientierungsgabe einiger Pferde erzählt hatte. Sollte so etwas auch in Yvonne stecken? Mein Kopf war dumpf und meine Denkfähigkeit war durch das Reiten in der Irre Nicht eben besser geworden, daher enffchloß ich mich, das Pferd gar Nicht mehr zu lenken, sondern rNich seinem Gefühl anzuvertrauen.
Und sicher wie ein Lotse ein Schiff führt, brachte Yvonne uns in ruhigem Trab nach zwei Stunden auf die große Chaussee, von der aus man sich nicht mehr irren konnte.
Beim Einreiten in das Lager begegnete ich dem Wagen, in dem der Batterieführer zum Bahnhof fahren wollte. So konnte ich doch noch rechtzeitig den Befehl des Bataillonskommandeurs übergeben.
Seitdem habe ich nichts mehr auf Yvonne kommen lassen; denn wenn sie auch manchmal bockig war, konnte ich ihr doch ihre Hilfe bei diesem Ritt Nicht vergessen.
Büchertisch.
— Vier wesentliche Schriften zum Verständnis der großen politischen Zusammenhänge sind soeben im Deutschen Verlag, Berlin, erschienen. Der außenpolitische Schriftleiter der DAZ., Dr. M a x K l a u s, schildert in feiner Schrift „Frankreich, w i e es wirklich ist", ungemein fesselnd und tiefschürfend die politischen Kräfte der Dritten Republik, die Frankreichs Schiff in das englische Fahrwasser gesteuert haben. Heinz Medefing, der fünf Jahre als Journalist fn England gelebt hat, gibt in seiner Schrift „England ganz von innen gesehen" ein sehr anschauliches Bild, wie es tatsächlich heute in England aussieht. Die vielen Phrasen, die uns ein England des Wohlstandes, der Einigkeit Und Freiheit aufreden wollen, zerstieben in nichts vor dem nüchternen Blick eines fachlichen Betrachters. In der dritten Schrift „Kohle und Eisen" untersucht Dr. Volkmar Muthe- s i u s die Grundpfeiler der deutschen Wirffchaft, wobei er auch auf die geschichtliche Entwicklung 'und die gegenwärtige wirtschaftspolitische Lage eingeht. Der als Militärschriftsteller von Rang bekannte Dberftieutnant Dr. Kurt Hesse gibt in der Schrift „Achtzig Millionen kämpfen" eine lichtvolle Darstellung der Idee und des Rechts unseres Ringens, wobei auch die Ursachen unseres bewunderungswürdigen militärischen Erfolges in Polen dargelegt werden. ' L.
— In einer bequemen Feldpostpackung gibt der Deutsche Verlag drei Werke zu einem billigen Preise heraus. Die Sammlung wird eröffnet mit dem Kriegsroman „Dieter u n b Yvonne" von Oskar Gluth, einer der zartesten und feinsinnigsten Liebesgeschichten mit dem Weltkrieg als Hintergrund. Der zweite Band ist das reizende „Buch des Lachens" von Wilhelm von Scholz. Als drittes ist E h m Welk' s Lausbubengeschichte „Die Heiden von Kummerow" erschienen, der Roman einer Dorfjugend mit seiner Fülle von Streichen und Nichtsnutzigkeiten. — (366)
— Georg Buderose: „England so — und s o". Mit 166 Abbildungen. Kartoniert 0,80 RM. Verlag Scherl, Berlin SW 68. — (330) — England und die Engländer bedeuten dem deutschen Volk schon lange kein Beispiel mehr, das der Nachahmung wert wäre. Dies zu erhellen, ist der Sinn der nachfolgenden Bilder. Ihre Zusammenstellung soll jene Gegensätzlichkeiten und Widersprüche auf*
zeigen, an denen das heutige England krankt uib an denen es zu zerbrechen drohte, lange bevor » seine Kriegsansage den Weg zur Katastrophe beschreiten ließ.
— Eberhard Lutze: Einst im alte» Nürnberg. Sechs Jahrhunderte Kultur und Leben in zeitgenössischen Bildern und Dokumenten Mit 110 Bildern. Walter Hädecke Verlag, ©tutl gart-N. Preis kartoniert 3,60 RM. — (368) — Da alte Nürnberg von 1219 bis 1835 — als der,6tau fenfaifer Friedrich II. den großen Freiheitsbrief er ließ bis zur Eröffnung der Eisenbahn zwische Nürnberg und Fürth — lebt in diesem Buche m Hier spricht das Leben selbst durch Bild, Dofumer zeitgenössische Urteile, Briefstellen, Zitate und n schaulich-interessanten Text. Alt-Nürnberg w«:i wieder lebendig und wir können einen Blick k in Freud und Leid ihrer Bewohner.
— Du liebe Heimat. Tausendundein Gedic in Nassauer Mundart von Rudolf Dietz. (VeA Phil. L. Fink, Groß-Gerau. Gebunden 12,— RN — (570) — Eine köstliche Gabe für den Weihnacht! tisch des Heimatfreundes. Der weithin bekam« und geschätzte volkstümliche nassauische Heimatd^ ter hat mit seinen humorvollen, mundartlichen dichten schon Tausenden viel Freude bereitet. W diese Perlen sind in diesem Buche als Sammeto« zusammengefaßt, von guten Zeichnern oortrefr«; illustriert (mit 364 Bildern) und vom Verlag ' Druck und Einband prächtig heraus-gebracht. Difl« köstliche Buch hat nach jeder Richtung alle Voraa setzungen in sich, den Lesern Stunden der reinp Freude zu bereiten. Darum sei ihm die beste Ern fehlung für den bevorstehenden Weihnachs-Bücke kauf mit auf den Weg gegeben.
Ernst Blumscheir.
— Gerhard Pallmann : „Flieger s i" Siege r." Neue Fliegerlieder mit einem Geiri wort von General der Flieger Fr. Christian.^ Verlag N. Simrock, Leipzig C1, Preis 1,40 — (350) — 134 Lieder und Kanons im meist 3®- stimmigen Notensatz mit ausführlichem Text, <«,' Geschichte des Fliegerliedes von seinen Anfängen « Weltkriege bis zur Gegenwart, sowie eine Dari, lung unserer fliegerischen Spezialformationen Liedgut. ,
— Verkehrsvorschriften für Kros fahrer unter besonderer Berücksichtigung k Vorfahrtte-gelung mit Bilddarstellungen. Reinhold Wagner. I. L. Schrag-Verlaa. berg. Preis 0,75 RM. — (296) — Der Vers-rl geschäftsführender Oberinspektor der Verkehspo^ in Nürnberg, behandelt in diesem Büchlein D Stoff in Form von 121 Fragen und Anttoorv Allen Kraftfahrern zu empfehlen.


