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M. 28( Zweites Statt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, ZV. November 1959
Entlastet den direkten Weihnachtsverkehr.
Billige Sonderzüge der Reichsbahn.
In diesem Jahre wird der Reiseverkehr an den Tagen vor Weihnachten und über die Feiertage einen ungewöhnlich großen Umfang annehmen. Zahlreiche Wehrmachtsangehörige und berufstätige Volksgenossen werden die Wechnachts- oder Neu- jah-rsfeiertage bei ihren nächsten Angehörigen verbringen, so daß auf den Hauptverkehrsstrecken der Deutschen Reichsbahn in dieser Zeit mit außergewöhnlich starkem Verkehr gerechnet werden muß. Die Deutsche Reichsbahn ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht in der Lage, Dor- und Nachzüge in großer Zahl verkehren zu lassen. Für den allgemeinen Eisenbahnreiseverkehr ist daher mit beträchtlichen Unbequemlichkeiten, überfüllten Zügen und erheblichem Gedränge an Schaltern und auf Bahnsteigen zu rechnen.
Es wird daher empfohlen, alle nicht dringend notwendigen Reisen bis nach Neujahr zu verschieben, insbesondere Besuchs- und Vergnügungsreisen während der Weihnachtszeit nach Möglichkeit zu unterlassen.
Zur Entlastung des Verkehrs in den fahrplanmäßigen Zügen wird die Deutsche Reichsbahn folgende Maßnahmen treffen: Um solchen Reisenden,
die infolge ihrer Beschäftigung nicht an eine Reise in der Spitzenverkehrszeit gebunden sind, eine besonders günstige Fahrgelegenheit zu bieten, werden am 16., 17. und 21. Dezember 1939 in einiaen Fernverbindungen Sonderzüge 3. Klasse mit 50prozentiger Fahrpreisermäßigung eingelegt, die nur mit Sonderzugfahrkarten benutzt werden dürfen und in denen jedem Reisenden ein Sitzplatz gewährleistet ist. Die Sonderzug- fahrkarten müssen bei den Fahrkartenausgaben rechtzeitig vorher bestellt werden. Im Anschluß (Anfahrt im Ausgangsgebiet des Sonderzuges und Auslauf in seinem Zielgebiet) müssen normale Züge mit den üblichen Fahrausweisen benutzt werden.
Während die Hinfahrt nur in den Sonderzügen möglich ist, gelten die Sonderzugsfahrkarten für die Rückreise vom 27. Dezember bis 8. Januar einschließlich auch für Personenzüge. Die Benutzung von D= und Eilzügen ist auf der Rückfahrt gegen Zahlung der vollen Zuschläge gestattet.
Wegen der übrigen Tarifbestimmungen, der Geltungsdauer der Sonderzugsfahrkarten, der Fahrpläne usw. wird auf die Aushänge in den Bahnhöfen und auf die Auskünfte bei den Auskunftschaltern verwiesen.
Stadtböcherei im Dienst der Allgemeinheit.
Die Stadtbücherei (bis zum 1. April v. I. vor dem Uebergang auf die Stadt als „Oeffentliche Bücherhalle" bezeichnet), die schon seit vielen Jahren allen Volksgenossen in unserer Stadt dient und von jedem Benützer nur erwartet, daß er die Regeln der Ordnung einhält und eine nur nach wenigen Pfennigen zählende Leihgebühr bezahlt, setzt auch jetzt in der Kriegszeit ihre Arbeit ohne Einschränkung fort. Diese Arbeit darf mit Recht eine Kulturtat qenannt werden, denn die Bücher, die in der Stadtbücherei ausgeliehen werden, sind nicht etwa nur unterhaltende Literatur, sondern es steht dort manches Werk in den Regalen, das den Leser zu ernster Besinnlichkeit auffordert und jeglichem Wissensdrang entgegenkommt: viele Bücher machen aber auch mit den besten Werken der deutschen Kunst vertraut. Es ist ohne Schwierigkeiten möglich, viele Wünsche der Leser zu erfüllen, denn über 10 OOO Bände stehen der Bücherei zum Ausleihen zur Verfügung. Hinzu kommt, daß die Bibliothekarin und ihre Helferinnen in den Bücherbeständen sehr gut Bescheid wissen und dadurch in der Lage sind, den Lesern manchen guten Rat zu geben, wenn sie ohne bestimmten Wunsch an den Ausgabetisch treten.
Die Bücherei (einschl. Lesehalle), die von der Stadt jährlich mit rund 4800 RM. unterhalten wird, stellt immer wieder neue Werke ein, und zwar werden jährlich für den Betrag von 1200 RM. Bücher angekauft, die durch die Vermittlung des Gießener Buchhandels beschafft werden. Es steht außer Frage, daß hier die Auswahl mit großer Sorgfalt getroffen wird. So findet man also immer neben den guten alten Werken auch zeitgemäßes Schrifttum, das aus den Ereignissen der Zeit entstand und den Leser in ein näheres Verhältnis zu diesen Ereignissen bringen
will. In jüngster Zeit wurde — das liegt in der Natur der Sache — viel Literatur über das Auslandsdeutschtum verlangt, Literatur über Polen, politische Zusammenfassungen usw. Gegenwärtig steht auch der Wunsch nach Kriegsliteratur im Vordergrund. Bücher, in denen die großen Taten unserer Kriegsmarine, die Kämpfe unserer Helden der Luft und auf dem Lande während des Weltkrieges verzeichnet find, werden viel gelesen. Auch jene Bücher, die die Taten unserer Helden im U-Boot schildern, werden mehr als bisher verlangt und auf Wochen voraus erbeten.
Die Stadtbücherei, die nach der Auflösung des Gießener Lesehallevereins jetzt ausschließlich durch die Stadt Gießen unterhalten wird, hat einen Kreis von etwa 900 ständigen Lesern. Dieser Kreis ist aber zweifellos größer, denn viele Bücher werden nicht nur von einer Verson gelesen, vielmehr wird auch mancher Angehörige danach greifen. Wenn die Mutter z. B. durch ihre hausfraulichen Pflichten abgehalten ist, das Buch vorzunehmen, dann hat es vielleicht der Vater, der Heranwachsende Sohn oder die Tochter in der Hand. Es mag oftmals geschickter Regie bedürfen, damit jedermann zu seinem Recht kommt.
In jüngster Zeit ist, veranlaßt durch die Kriegsereignisse, der Leserkreis natürlich manchem Wandel unterworfen. Viele Männer sind eingezogen, manche Frau, die bisher Bücher holte, ist, weil ihr Mann nicht da ist, vielleicht nach auswärts zu ihren Eltern gezogen und fällt nun als Leserin fort. Immerhin gibt es in den Ausgabestunden der Bücherei noch alle Hände voll zu tun, und die Bücherei erfüllt ihre schöne Aufgabe wie zu jeglicher anderen Zeit mustergültig im Dienst der Allgemeinheit. N.
Ms Der Stadt Gießen.
„Höflichkeit."
Dieser Tage fiel wieder einmal das Wort von der „Höflichkeit". Es war in der vollbesetzten Straßenbahn, in der sich ja sehr leicht der Anstoß ergibt m einem Gespräch über Fragen des taktvollen Be- nchmens. Ein Gespräch, das gewöhnlich von viel- > iagenden Seitenblicken begleitet ist, mit denen gewissermaßen derjenige aufgespieht wird, der das Gespräch verursacht. In diesem Falle war es nicht
Ijörtbers.
An einer Haltestelle waren zwei Frauen in die vollbesetzte Straßenbahn gestiegen. Sie blickten sich vlatzsuchend um, als auch schon ein jüngerer Mann aufstand und seinen Sitz anbot. Eine Frau konnte sich also setzen, während die andere Mit einem un- gemüllichen Gesicht stehen blieb. Ihr vernehmliches Räuspern machte die übrigen Fahrgäste aufmerksam, die unwillkürlich der Richtung ihres Blickes folgten, den sie mit zwingender Gewalt auf einen jungen Mann heftete, der keinerlei Anstalten machte, seinen Platz zu räumen. Der Konfliktsstoff lag zutage, und schon fielen auch Bemerkungen über „Höflichkeit".
Ein Herr in den besten Jahren hielt den Augenblick für gekommen, eine kleine Vorlesung zu halten. Mit markiger Stimme sprach er über die Höflichkeit, ohne indessen seinen Sitz preiszugeben, den er behaglich einnahm. An sich sei es selbstverständlich, so dozierte er, daß man immer höflich sei, aber die gegenwärtige Zeit verlange ein besonderes Maß, Öie zeitgemäße Höflichkeit. Zu diesen Worten nachdrücklich nickend, faßte er den jungen Mann strafend ms Auge. Der erhob sich ein wenig unbeholfen, wandte sich ohne ein Wort zur Tür, um an seiner I Haltestelle auszusteigen. Dabei wurde es für alle sofort ofsenbgr, daß er sein rechtes Bein nur mühsam gebrauchen konnte. Die Zurückbleibenden machten betretene Gesichter, während der Herr ver- »egen etwas vor sich hinmurmelte. Vielleicht bedauerte er jetzt seine Vorlesung.
Was jedoch nicht besagt, daß seine Darlegungen völlig falsch gewesen seien. Im Prinzip waren sie richtig, nur in der Nutzanwendung nicht. Und darauf kommt es schließlich an. Was nützt es, über sine Sache zu reden, wenn man nicht selber jederzeit bereit ist, etwas für sie zu tun? Als die besten Volksgenossen erweisen sich gewöhnlich diejenigen, die nicht viel Worte machen, die aber sofort bereit 'M, so zu handeln, wie es im allgemeinen Interesse dienlich ist. Im bunten Getriebe des Alltags gibt >s tausend Möglichkeiten zur Rücksichtnahme und gegenseitigen Hilfe. Heute mehr denn je. Sie zu ehen und zu ergreifen, erfordert weiter nichts als rin bißchen Einfühlungsvermögen und den guten Willen zur Tat. Dann bebarf es keiner Vorlesung 1 über Höflichkeit". H. W. Sch.
Vornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Stadttheater: 20 bis 22 Uhr: Zweites Orchesterkonzert. — Gloria-Palast, Seltersweg: „D III88".— Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Königswalzer".
Zweites Orchesterkonzert Im Stadttheater.
Am heutigen Donnerstagabend findet im Stadt- cheater das zweite Orchesterkonzert des Gießener Konz-rtvereins statt. In dem Konzert, dessen Leitung Professor Dr. Temesväry hat, werden aufge- ührt: Schumann, Ouvertüre zu Byrons „Manfred", Leethoven, Arie „Ah! perfido", Tschaikowsky, Fünfte Symphonie in e-moll. Solistin ist Anni A s s i o n. Das Konzert beginnt um 20 Uhr und endet um 22 Uhr.
Deutsches Frauenwerk.
Der Arbeitsnachmittag der Abteilung Grenzland- Lusland findet für alle vier Ortsgruppen am Freitag, l. Dezember, 15.30 Uhr, im „Schipkapaß" statt.
Russisches Nationaltheater „Bunter Bogel" in Gießen.
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" wird am Montag, 4. Dezember, und am Dienstag, 5. Dezember, mit Gastspielabenden des russischen Natio- naltheaters „Bunter Vogel" aufwarten, das unterhaltsame Abende zu bereiten verspricht. Allerdings soll dabei nicht erwartet werden, daß Theater im eigentlichen Sinne geboten wird, etwa ein Bühnenstück, ein Schauspiel oder ein Drama, vielmehr wird
der Abend abgestimmmt sein auf heitere Beschwingtheit mit Untertönen jenes Schwermuts, der mit dem russischen Wesen nun einmal verbunden ist. Die Gastspielabend der Künstlertruppe werden vor allem Nationaltänze, Volksliedgesang und Musik bringen.
Für die darauffolgenden Tage wird — die Zeitpunkte stehen im einzelnen noch nicht genau fest — auch ein Großvariete in Gießen gastieren, das durck die Gauwaltung der NSG. „Kraft durch Freude^ aus besten Könnern zusammengestellt wurde und voraussichtlich drei Abende mit guter Varietö-Kunst
ausfüllen wird. Die Veranstaltungen der NSG. .Kraft durch Freude" sind für jeden Volksgenossen
Das Programm für die erste Dezemberhälfte sieht noch zwei Theatervorstellungen für die Wehrmacht vor. Unser Stadttheater wird dabei mit der Komödie „Für die Katz" und in der zweiten Vorstellung entweder mit „Agnes Dernauer", oder dem „Intermezzo am Abend" aufwarten.
Fernunterricht
der Deutschen Arbeitsfront.
NSG. Das Fernunterrichtswerk der Deutschen Arbeitsfront für Ingenieure und Kaufleute erfreut sich in der letzten Zeit auch eines sehr starken Zuspruches aus unserem Gaugebiet. Es ist in der Hauptsache dafür gedacht, Volksgenossen, die auf dem flachen Lande wohnen, die Möglichkeit zu einer beruflichen Weiterbildung zu bieten. In einer Reihe von Lehrgängen wird den Teilnehmern die Möglichkeit geboten, in sämtlichen Fächern sowohl des Kaufmannsberufes, als auch des Jngenieurberufes sich auszubilden.
Die Anerkennung dieses Fernunterrichtswerkes der DAF. durch den Reichsarbeits-, den Reichs- erziehungs- und den Reichswirtschaftsminister zeigt die Notwendigkeit und Größe dieser Einrichtung der Deutschen Arbeitsfront. Zur weiteren Fortbildung werden die in der Nähe von Berufserziehungsstätten der DAF. wohnenden Teilnehmer in Arbeitsgemeinschaften zusammengeführt.
Gerade in der heutigen Zeit, in der jede Kraft gebraucht wird, richtet sich das Augenmerk darauf, auch demjenigen die Möglichkeit zur Weiterbildung in seinem Berufe zu bieten, der nicht direkt die Möglichkeit hat, Schulen in der Nähe seines Wohnortes zu besuchen. Hier soll das Fernunterrichtswerk der DAF. eine Lücke schließen.
Feldpost durch die NG -Hrauenschast.
NSG. Seit einiger Zeit wenden sich Soldaten, die alleinstehend sind, an die Gaufrauenschaftsleitung mit der Bitte um Mitteilung einer Anschrift, damit auch sie einen Menschen in der Heimat finden könnten, der bereit wäre, mit ihnen Briese zu wechseln und ihnen gelegentlich ein Päckchen zu schicken. Für diese schöne Aufgabe haben sich Hunderte von Frauen und Mädel zur Verfügung gestellt, die alle auf diese Weise beitragen wollen zur Stärkung der Bindung zwischen Heimat und Front. Nun ist aber die Zahl von beiden Seiten auf der Zentrale der Gaufrauenschaftsleitung so groß geworden, daß man nicht mehr alle rechtzeitig berücksichtigen kann. Künftig werden daher alle Ortsfrauenschaftsleitungen feststellen, wer aus? ihrem Ort eingezogen wurde und wem ein gutes Wort, ein kleines Weihnachtspäckchen oder Bücher und Zeitschriften eine Freude machen würden. Da die Blockfrauenschaftsleiterin ihren Block genau kennt und weiß, wer dort eingezogen ist, weiß sie auch, wem man eine Freude machen könnte. Auch ohne daß der Soldat bittet, wird die NS.-Frauenschaft — Deutsches Frauenwerk es überall als ihrs schönste Aufgabe ansehen, an ihn zu denken.
„Soldat im Wehrkreis IX."
Die seit Bestehen des Wehrkreises erscheinende Zeitschrift „Soldat im Wehrkreis IX" ist ein Bindeglied zwischen Ersatztruppe, Fronttruppe und Hei- Das gute Kinder-Nährmittel
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15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Moravitzky unterdrückte einen Fluch. Natürlich richt, dachte er. Natürlich würden diese beiden saureren Brüder alles ableugnen.
Ioso Zaduk fuhr fort: „Ich war heute früh im Polizeipräsidium. Ich fragte beiläufig, ob man in Lachen des Schlafwagendiebstahles etwas heraus- i kommen hatte."
Er schlug vor Moravitzky das Filmtaschenbuch auf, (“05 er sich hier beschafft hatte, und sprach weiter: Hch könnte diese Bilder hier zu den Akten geben. Inb außerdem besitze ich noch dieses Beweisstück .."
Zog noch einmal das Zigarrenetui hervor. „Man ?ab mir dieses hier heute auf meinen Wunsch zurück, da sich der Verlierer bisher nicht meldete. Sie haben also Ihr Schicksal in der Hand, Herr '-vn Moravitzky!"
Moravitzky griff nach feinem Hut. Er stand quf tnb sagte: „Sie hören von mir ..."
Auch Ioso Zaduk stand auf. Er hatte noch etwas W sagen. „Aus etwas möchte ich noch aufmerksam machen ... sollten Sie vielleicht plötzlich verreisen müssen ... vielleicht unauffindbar werden ... nun, S könnte möglich sein ... so möchte ich doch ausdrücklich sagen, daß wir uns in einem solchen Fall 2 Frau Domkat halten würden. Unerbittlich!" ,Moravitzky ballte die Hände. Er wiederholte: „Sie -ören von mir!" und warf die Tür mit einem '^chen hinter sich zu.
*
Luise hatte mit Doktor Heitfeld die Bestellungen jus Amerika durchgesehen. Sie lauteten in der Mehrzahl auf Parfümerien der Serie „Inkognito".
„Ausgezeichnet!" freute sich Doktor Heitfeld. »Kommen Sie, Frau Domkat, wir wollen darüber l^ch mit meinem Vater sprechen."
ging mit stürmendem Schritt in das Neben- Smmer. Er legte Matthias Heitfeld die Liste des Amerikanischen Bevollmächtigten vor. „Na, was 1 gst du, Vater ... ich denke, wir können mit dem Geschäft zufrieden sein. Alles reißt sich um ,Jn- hgnito'."
Waldemar Heitfeld schwang sich wie ein großer
und vergnügter Junge auf die Schreib tisch ecke. „Gepriesen sei die alte serbische Großmutter!"
„Deine Spürnase hat ja wohl auch Anteil daran!" lachte Matthias Heitfeld.
Er lehnte sich zurück und sah seinen Sohn an. Dann ging sein Blick zu seiner Sekretärin, die an einem Seitentisch stand und dort etwas ordnete.
Matthias Heitfeld sagte: „Ja, dann werden mir jetzt mit HocAuuck arbeiten müssen. Du wirst auch noch Leute einstellen müssen, Waldemar. Und ich weiß nicht, ob ich jetzt an meine Kur denken soll. Ich werde die Reise vielleicht besser noch aufschieben."
„Kommt nicht in Frage!" bestimmte der Sohn. „Du fährst ab! Anfang der kommenden Woche, wie wir das'besprochen haben. Wieso sollst du denn nicht fahren können? Denkst du, wir werden nicht fertig? Ich brauch jetzt nicht so viel drüben im Laboratorium zu sitzen. Da arbeitet Doktor Mainz weiter. Und Frau Domkat ist doch über alle laufenden Geschäfte unterrichtet. Nicht wahr, Frau Domkat?"
„Selbstverständlich, Herr Doktor."
Luise wandte sich an Matthias Heitfeld. „Sie dürfen überzeugt sein, Herr Heitfeld, daß alle Geschäfte auch in Ihrer Abwesenheit bestens erledigt werden!"
„Weiß ich doch, Frau Domkat ... weiß ich doch , nickte der alte Herr freundlich. „Also gut — ich fahre ab. Ich überlasse euch eurem Schicksal. Und eigentlich freue ich mich, mal wieder herauszukpm- men. Außerdem verlangt mein Herz die Kur/
Der Blick des Doktors ging sorgend zum Vater. „Nun gestehst du also doch ein, daß du ausspan- nen mußt! Weshalb aber willst du wieder nach Orb. Fahre doch mal woanders hin!"
Heitfeld schüttelte den Kopf: „Weshalb? Da fühle ich mich wohl. Die Kur hat meinem Herzen immer gut getan. Frau Domkat, besorgen Sie mir bitte alles ... die Fahrkarten und die Zimmerbestellung im Kurhaus."
*
Moravitzky ging über den Kurfürstendamm. Um ihn strömten die Menschen. Er ging sonst gern durch diese laute und helle Straße. Man traf fast immer Bekannte, man setzte sich in einen der Vorgärten und tränt mit diesem oder jenem Bekannten eine Tasse Kaffee.
Heute aber war ihm dieses Leben und Treiben völlig gleichgültig. Es regnete, das paßte zu seiner Stimmung. Er war in einer scheußlichen Verfasiung.
Wie wurde er nur mit den Zaduks fertig? Er wußte es nicht: er wußte nur, daß er mit Luise sprechen mußte. Er konnte mit keinem einzigen Meuchen über diese Sache reden als einzig und allem
mit Luise. Sie mußte unterrichtet werden, damit sie nicht unvorbereitet war, wenn sich die Brüder Zaduck etwa doch an sie wandten.
Einen bösen, mißmutigen Zug im Gesicht, ging er über die Straßen.
Vor einem Kinopalast drängten sich die Menschen. Da wurde heute ein Film uraufgeführt. Ein paar große Köpfe leuchteten in bunten Farben vor dem großen über die ganze Fläche des Gebäudes gespannten Transparent.
Ein bitteres Gefühl stieg in Moravitzky auf. Einmal standen Luises und sein Name auch groß auf dem Filmprogramm.
An der Ecke der Budapester Straße, ehe er über den Fahrdamm ging, ließ er den Blick über die Häuserreihe drüben gehen. Er wußte genau, wo sich oben in der Höhe die Fenster von Luisens Wohnung befanden. Er wußte längst mehr von ihr, als sie ihm damals in dem stillen Gartenlokal in Sakrow erzählt hatte. Er wohnte in seiner Pension Tür an Tür mit Gerhard Dekken, dem Bruder der jungen Komparsin, dem Schriftsteller Dekken, mit dem er gemeinsam einen Film schrieb. Und vielleicht stimmte auch die Vermutung der Komparsin: daß nämlich neben der Sekretärinnentätigkeit Luises eine engere Bindung zu dem jüngeren Chef, diesem Doktor Heitfeld, bestand.
Luise war zu Hause. Hinter dem breiten Atelierfenster im fünften Stockwerk schimmerte ein ruhiges Licht.
*
Später, im Zimmer bei Luise, war es sehr schwer, zur Sache zu kommen. Moravitzky wußte ja von der Potsdamer Begegnung her, daß die Frau jetzt anders war, als er sie bisher aekannt hatte. Er war hier oben in dieser schlichten Atelier- wohnung auch in einer ganz anderen Umgebung als im Wiener Heim Luises.
Die junge Frau saß ihm gegenüber, sehr gerade und sehr ernst. Sie fragte: „Also ...? Möchtest du nicht bald zur Sache kommen? Mögtest du mir nicht sagen, weshalb du gekommen bist? Ich möchte das gern wissen."
Moravitzky stand auf. Er ging durch das Zimmer. Da stand am Fenster ein kleiner altmodischer Schreibtisch, und darauf ein Bild, im schlichten silbernen Rahmen. Als Moravitzky dieses Bild sah, wurde er blaß. Er nahm es in die Hand. Es war ein Landschaftsbild. Hinter den Bäumen eines Parkes schimmerte der langgestreckte Bau eines Hauses — eines Gutshauses.
Der Mann stellte das Bild sehr schnell wieder zurück.
Luise hatte ihn beobachtet. Sie nickte. ,Ias sind
nicht gerade angenehme Erinnerungen für dich, Moravitzky ..."
„Wo hast du das Bild her?"
„Ich besaß es schon immer."
Der Mann stand am Fenster. Er sah hinaus. Er bewegte sich nicht. Er konnte jetzt nicht sprechen. Was sollte er auch sagen. Oder ... oder war vielleicht jetzt gerade der richtige Augenblick, in dem eo Luise wieder gewinnen konnte ...?
Dazu aber mußte man die rechten Worte finden.
Er drehte sich schnell um. Es mußte gesagt werden.
„Luise, es handelt sich da um eine furchtbar ernste Sache für uns. Erinnerst du dich der Fahrt ntit dem Orient-Expreß ... es war vor fünf Iah. ren ... wir fuhren getrennt ... in Budapest trafen wir uns wieder ...
Luise brauchte sich nicht zu besinnen. Die Gefahr, die sie seit jener ersten Begegnung mit Zaduk geahnt hatte, war also nicht vorbei gegangen. Sie hatte sich vielleicht sogar vervielfacht.
„Du bist mit Zaduk zusammen getro ff en ?"
Moravitzky sah erstaunt auf: „Wie denn ... du bist schon unterrichtet? Hat dieser verfluchte Halunke sich also mit dir in Verbindung gesetzt?"
„Das hat er", nickte Luise. „Aber anders, als du wohl annimrnft. Es war zuerst der reine Zufall. Ich hatte geschäftlich auf der Ausstellung am Kaiserdamm zu tun ..."
„Ich weiß. Ich sprach die Mädchen, die du flÄ den Heitfeldschen Stand engagiert hattest."
„Sich mal an ... das weißt du also .. .*
Moravitzky machte eine ungeduldige Handbewegung. Diese Nebensächlichkeiten waren ja jetzt so unwichtig. „Da also trofft du den Menschen! Und er erkannte dich ...?"
„Natürlich erkannte er mich. Aber erst ein paar Tage später sprach er mich an. Auf der Straße. Da wollte er mich einladen. Ich schlug es ihm ab.*
„Vielleicht war das unklug ... aber weshalb hast du mir das nicht sofort mitgeteift? Man hätte sich dann vorbereiten können."
„Vorberetten ...? Auf was denn vorbereiten . .?*
Die Frau stand auf, Unruhe trieb sie hoch. Mo- ravitzky trat dicht zu ihr. Er sagte: „Dieser Ioso Zaduk und sein Bruder ... diese beiden Burschen haben mich in der Hand."
Luise wich zurück. Sie war totenblaß geworden. Sie dachte in diesem Augenblick nicht an Moravitzky und seine furchtbare Zwangslage. Die dachte daran, daß nun wahrscheinlich ihr ganzes Vorhaben, bet ganze Umschwung ihres Lebens, die Arbett hier umsonst sein würden.
(Fortsetzung folgt)


