Ausgabe 
30.8.1939
 
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Aus oer Stad« Gießen Die Verbrauchsregelung für Spinnstoffwaren und Schuhwaren.

Neues Gewand.

Mit her Zeit hatte sich die Straßenfront heraus­geputzt. Es war als hätten die Häuser, eins nach dem andern, ihre vertragenen und unansehnlich ge­wordenen Kleider abgelegt und sich in neue gesteckt. Seitdem sahen sie gar nicht mehr so von den Jah­ren mitgenommen und alt aus, sondern erschienen geradezu verjüngt. Jedes Auge streifte chre Front mit Wohlgefallen.

Aber jeder Blick empfand es auch als einen störenden Schönheitsfehler in der Straßenfaffade, daß ein einziges Haus sich von der allmählichen Erneuerung ausgeschlossen hatte und grau und, wie es den Eindruck machte, vergrämt in die Welt schaute. Es hatte, seinen bescheidenen Formen nach, nie auffallen wollen und war froh gewesen in der Gesellschaft gleichgearteter Nachbarn Aber dann hatte es versäumt, mit den andern Schritt zu hal­ten, und war so, wider Willen, in die peinliche Isolierung eines auffälligen Außenseitertums ge­raten. ... , .

Nun steht aus Masten und Bohlen gefugt ein Luftiges, aber tragendes Gerüst vor seiner Front, und Männer in weißen Kitteln sind emsig damit beschäftigt, ihm mit Farbe und Pinseln ein neues Gewand zu geben. Es hat vor kurzem fsmen Be­sitzer gewechselt, und eine neue Gesinnung scheint mit ihm eingezogen zu sein. Das Haus soll nicht mehr aus feiner nachbarlichen Gesellschaft heraus- fallen, sondern in ihr Mit strahlender Frrsche den Platz behaupten, auf dem es stcht. Mit sichtlicher Hingabe sind die Weißbinder am Werk. Sie setzen gleichmäßig Strich neben Strich, und die glanzende Fläche wächst wie aus einem Stück gewoben von oben nach unten. Die Fenster des Obergeschosses blicken schon mit ganz anderm Ausdruck m die Welt als seither. Sie leuchten im weißen Rahmen des neuen Anstrichs. Aller Trübsinn und alle ver­zichtende Zurückgezogenheit sind von ihnen ge­wichen. Helle Lebensfreude sprüht, und jugendliches Selbstgefühl, wieder dabeizusein uüd die seitherige Lücke schließen zu können. Wenn die Mittagssonne die Scheiben trifft, hängt an ihnen der Goldschim- mer des Glücks. p- B-

Tageskalender für Mittwoch.

Gloria-Palast, Seltersweg:Der Polizeifunk meldet".

BOM - u.ZM.-Untergau 116 Gießen

Um Unklarheiten zu vermeiden, mache ich aus- drücklich darauf aufmerksam, daß der Dienst der Jun'gmädel-, BDM.- und BDM.-Werk-Einheiten nach wie vor ordnungsgemäß durchgeführt wird.

Die UntergauMrerin.

3. Landestierschau in Gießen fällt aus.

Don der Stadtverwaltung wird uns mitgeteilt: Mit Rücksicht auf diie allgemeine Lage kann die für den 1 4. und 15. September vorgefehene Landestierfchau in Gießen nicht abgehalten werden.

Wichtig für Reisen nach Südosteuropa

Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, daß im Reiseverkehr mit Südosteuropa für Inhaber deutscher Reisepässe ein Sichtvermerk nur im Ver­kehr mit unseren Nachbarstaaten Jugoslawien, Un­garn und Slowakei nicht erforderlich ist. Dagegen bedürfen Inhaber deutscher Reisepässe zur Einreise nach Bulgarien, Rumänien und Griechenland des Sichtvermerks. Reisende, die ohne einen Sichtver­merk in diese Staaten einreisen wollen, setzen sich der Gefahr der Zurückweisung aus.

FWD. Auf Grund des § 13 der Verordnung zur vorläufigen Sicherstellung des lebenswichtigen Be­darfs des deutfchen Volkes vom 27.8.1939 wird u. a. verordnet:

Dezugsfchempflicht:

Die bezugsscheinpflichtigen Spinn st offwaren und Schuhwaren dürfen an Verbraucher nur gegen Bezugsscheine abgegeben und von ihnen be­zogen werden. Trotz der Bezugsscheinpflicht ist eine Uebereignung von Spinnstoffwaren und Schuh­waren, die in Erfüllung eines Werklieferungsver­trags erfolgt, auch ohne Bezugsfchein wirksam, so­fern mit der Herstellung der Ware bereits bei In­krafttreten dieser Verordnung begonnen war (z. B. Maßkleidung).

Anlragslellung:

Spinnstosswaren und Schuhwaren dürfen nur gegen Bezugsschein abgegeben werden, welche die unteren Verwaltungsbehörden bei Bedarf des be­zugsberechtigten Verbrauchers auf besonderen An­trag erteilen. Der Antrag auf Erteilung eines Be­zugsscheines ist auf einem Vordruck zu stellen. Für die Ausstellung der Bezugsscheine ist die untere Verwaltungsbehörde zuständig, in deren Bezirk der bezugsberechtigte Verbraucher wohnt. In Fällen dringenden Bedarfs (Krankheit, Unfall, Verlust von Kleidungsstücken) ist auch d i e untere Verwaltungs­behörde zuständig, in deren Bezirk der bezugsberech­tigte Verbraucher sich aufhält. Verbraucher, die bei ihrer Berufsausübung von Ort zu Ort ziehen (Ar­tisten, Schiiffer, Flößer, Lastkraftwagenführer u. ä.) können bei der unteren Verwaltungsbehörde ihres Wohnortes die Ausstellung einer Wanderper­fon a l k a r t e beantragen. Inhaber einer Wander­personalkarte können den Antrag auf Erteilung von Bezugsscheinen bei jeder unteren Verwaltungsbe­hörde im Reichsgebiet stellen.

Bezugsberechtigung:

Zum Bezug von Spinnstoffwaren und Schuh­waren nach den Bestimmungen dieser Verordnung sind nur Verbraucher berechtigt, die die Waren durch eigenen Verbrauch abnutzen. Hinsicht­lich der Spinnstoffwaren, die durch den gemeinsamen Verbrauch der Haushaltsangehörigen abgenutzt wer­den, ist nur der Haushaltsvorstand bezugsberechtigt.

Bedarfsfeststellung:

Ein Bedarf kann nur anerkannt werden, soweit die eigenen Bestände des Verbrauchers an bezugs­scheinpflichtigen Waren einen besonders veröffent­lichten zugebilligten Umfang (Normalbestand) u n - ter schreiten. Die zugebilligten Bestände sind unterschritten, sobald der Verbraucher über ent­sprechende Stücke in gebrauchsfähigen ober aus- befferungsfähigen Zustand nicht mehr verfügt. In besonderen Bedarfsfällen (Geburt, Krankheit, Un­fall, Tod, Neugründung eines Haushalts) können die zugebilligten Bestände in einem durch die Um­stände des Einzelfalls unter Berücksichtigung der allgemeinen Dersorgungslage gebotenen Umfange überschritten werden.

Erteilung des Bezugsscheines.

Liegen die erwähnten Voraussetzungen vor, wird von den unteren Verwaltungsbehörden ein Be­zugsschein erteilt. Für jede Warenart, die genau zu bezeichnen ist, ist ein besonderer Bezugsschein auszustellen. Anstelle fertiger Kleidungsstücke und Schuhwaren können die Bezugsscheine auf die zu ihrer Herstellung benötigten Stoffe, Leder usw. ausgestellt werden. Ist der bezugsberechtigte Der- braucher Inhaber einer Wanderpersonälkarte, so ist die Erteilung eines Bezugsscheines in die Wan- derpersonalkarte einzutragen. Die untere Verwal­tungsbehörde kann die Erteilung eines Bezugs­

scheines von der Ablieferung derjenigen Kleidungs­stücke, Wäfchestücke ober Schuhe abhängig machen, die durch Neuanschaffung auf Grund des beantrag» ten Bezugsscheines ersetzt werden sollen.

Der Bezugsschein verliert einen Monat nach der Ausstellung seine Gültigkeit. Hat der bezugs­berechtigte Verbraucher den Bezugsschein nicht in­nerhalb dieser Frist ausgenutzt, so kann die aus­stellende Behörde auf Antrag die Gültigkeitsdauer des Bezugsscheines jeweils um einen Monat ver­längern. Der Bedarf für Spinnstoffwaren und Schühwaren braucht nicht in dem Bezirk gedeckt zu werden, in dem der Käufer wohnt. Die Bezugs­scheine für Spinnstoffe und Schuhwaren find frei­zügig. Der Verbraucher ist also bei diesen Waren nicht an den Bezug in einem bestimmten Geschäft seines Bezirks gebunden.

In den Verkaufsstellen des Handels und des Handwerks dürfen bezugsscheinpflichtige Waren nur gegen Aushändigung der Bezugsscheine ausgehan- digt werden. Vor Aushändigung der Bezugsscheine darf der Kaufpreis weder gefordert, noch ange­nommen werden. Die Bezugsscheine sind vor der Aushändigung an die Verkaufsstelle vom Bezugs­berechtigten mit einer Empfangsbescheinigung zu versehen. Bei Warenbezug durch einen Beauftrag­ten hat außer dem Bezugsberechtigten auch der Be­auftragte feinen Namen der Empfangsbescheinigung hinzuzusetzen. Der Bezugsberechtigte oder sein Be­auftragter sind verpflichtet, in der Empfangsbe­scheinigung den gezahlten Kaufpreis anzugeben. Ein handelsüblicher Umtausch auf Bezugsschein be­zogener Waren gegen entsprechende Waren ist ohne Bezugsschein zulässig. , . _ e ..

Alle Verkaufsstellen haben den bei Jnkraftreten der DO. vorhandenen Bestand an bezugs­

scheinpflichtigen Spinnstoffwaren und Schuhwaren unter genauer Angabe von Art und Menge auf. zunehmen. Die Bestandsaufnahme ist unter Angabe des Aufnahmetages von dem Inhaber oder Leiter der Verkaufsstelle zu unterzeichnen. Die Un« gültigkeit der ausgenutzten Bezugsscheine ist unver. züglich von der Verkaufsstelle durch Durchlochen oder Durchkreuzen kenntlich zu machen. Die so ent. werteten Bezugsscheine sind geordnet aufzubewch. ren und am Tage der Warenausgabe in eine Liste (Register) einzutragen. Dieses Bezugsschein- r e g i st e r muß die ausstellende 'Behörde, Aus­stellungstag, Name und Wohnung des Bezugsbe. rechtigten, die abgegebenen Waren nach Art und Menge, ferner den empfangenen Kaufpreis so genau ausweisen, daß jederzeit eine Prüfung der Ge- schäftsvorgänge möglich ist. Das BezugsfcheinreMer ist monatlich abzuschließen. Die unteren DerwÄ- tungsbehörden sind berechtigt, die Ernhaltung der Vorschriften in den Verkaufsstellen jederzeit nach­zuprüfen. Sie können insoweit die Vorlage sämt. licher vorhandenen Unterlagen, ferner Einsicht w bas Warenlager verlangen.

Ergänzungsrichtlinien der Reichsstellen.

Die Reichsstelle für Kleidung und verwandte Ge. biete und die Reichsstelle für Lederwirtschaft können zur Ergänzung der VO. Richtlinien für die Der- terhing von Spinnstoffwaren und Schuhwaren so« wie über die Verwendung der empfangenen Be­zugsscheine erlassen.

Für Angehörige der Wehrmacht, der Schutzalie- derungen außerhalb der Wehrmacht, der NSDAP, und uniformierte Zivi'lbeamte gelten Sonderbe­stimmungen.

Die Derbrauchsregelung für Seife.

Die Verbrauchsregclung für Seife be­stimmt, baß in ber Zeit b i s 2 5. September 1 9 3 9 auf Grund der Ausweiskarten folgende Höchstmengen bezogen werden können:

auf Teilabschnitt 1 Seife 125 g Kernseife, ober 200 g Schmierfeise, oder 125 g Haushaltsseife in zerkleinerter Form;

auf Teilabschnitt 2 125 g Kernseife, oder 200 g Schmierseife, ober 125 g Haushaltsfeife in zerklei­nerter Form oder 100 g Waschmittel (Fewa, Fex, Nitor, Lana oder dergl.).

Feinseife (sog. Toiletteseife) darf gegen die Teilabschnitte 1 und 2 der Ausweiskarten nicht an Verbraucher abgegeben werden.

In Fällen besonderen Bedarfs können bei den unteren Verwaltungsbehörden Bezugsscheine bean­tragt werden, die zum zusätzlichen Bezug von Seife berechtigen: Die Zusatzmengen betragen bei Ki n - dem unter 2 Jahren bis zu 100g Feinseife (sog. Toiletteseife) fowie 500 g Seifenpulver oder 200 g Waschmittel (Fewa, Fex, Nitor, Lana oder dergleichen);

bei Kranken, die laut ärztlicher Bescheinigung mit ansteckenden Krankheiten behaftet sind, bis zu 200 g Feinseife (sog. Toiletteseife), sowie 500 g Sei­fenpulver ober 200 g Waschmittel;

bei Personen, die .berufsmäßig in der Krankenpflege beschäftigt sind (Aerzte, Zahnärzte, Hebammen, Krankenpfleger usw.) bis zu 200 g Feinseife, sowie 500 g Seifen­puloer oder 200 g Waschmittel.

Für Gefolgschaftsmitglieder, die in­folge ihres Berufs besonders starker Verschmutzung

an Körper und Kleidung ausgesetzt sind, können Be. triebe die als wehrwirtschaftlich wichtig anerkannt finb, bis zu 125 g Kernseife, sowie bis zu 250 g Seifenpulver, ober 100 g Waschmittel als Zusatz, mengen beziehen. Von ber Bezugsschein, ps l ich t ausgenommen sind Kopfwaschseifen in flüssiger Form und medizinisch-pharmazeutische Seifenerzeugnisse, die gemäß den Vorschriften der Deutschen Arzneibuches 6 hergestellt werden.

Versorgung von Gaststätten, Herbergen, Wäschereibetrlebe und Anstalten:

Betriebe des Gaststätten- und Beherbergungsge- werbes können bei den unteren Verwaltungsbehör« ben Bezugsscheine beantragen, bie zum Bezug von 20 g Seifenpulver je Uebernachtung berechtigen. Wäschereibetriebe dürfen die zur Ausführung von Waschaufträgen erforderliche Seife nur vom Auf­traggeber beziehen. Anstalten (Krankenhäuser, Heil-, Erziehungs-, Straf- und Wohlfahrtsanstatten, Lager, Heime und ähnliche Einrichtungen, in denen Per­sonen gemeinschaftlich wohnen) können für unter­gebrachte Personen, die nicht im Besitz von Aus- weiskarten sind, Sammelbezugsscheine beanttagen.

Bezug von Rasierseise.

Männliche Personen können bei Bedarf bei ben unteren Verwaltungsbehörden Bezugsscheine bean­tragen, die sie berechtigen, ein Stück ober eine Tube Rasierseife ober Rasiercreme (handelsübliche Größe) zu beziehen. Jeder Verbraucher kann einen Anttag f ü r die nächsten fünf Monate nur ein­mal stellen. Betriebe des Friseurgewerbes können bei den unteren Verwaltungsbehörden Bezugsscheine

Echt peruanischer Regenpfeifer.

Von Kurt Günther von Fischer.

Neulich begegnete ich meinem Freund Gerhard, der an der gleichen Fakultät studiert.

Servus Kurt!" sagt er und klopft mir freund­schaftlich auf die Schulter.Wie nett, daß ich dich treffe!"

Bemühe dich nicht!" sagte ich.Es ist zwecklos! Ich habe auch kein Gelb!"

Will ich garnicht?"

Willst du nicht?" sagte ich.Bist du krank?"

Ich brauche nur deine Zeit!"

Zeit habe ich!" sagte ich.Ganze Brieftasche gespickt voll Zeit!"

Fein!" sagte Gerhard und zog mich zur Sette. Paß' auf, die Sache ist folgenbe: Ich habe hier in der Stadt einen alten Onkel. Ganz vereinsamt und so. Hat heute Geburtstag, und da will ich ihm was schenken. Stecke aber mitten im Examen. Keine Zeit, schreckliche Nervosität. Willst bu bie Angelegenheit für mich regeln?"

Gern!"

Nett von dir! Hier hast du zwanzig Eier und feine Adresse!" Gerhard brückte mir einen Geld- schein in die Hanb.Habe lange darauf gespart. Ist mir der alte Herr wert! Du gehst in eine Tier- Handlung, kaufst irgend so ein Vieh und trägst es ihm hin! Du verstehst, damit er sich nicht so allein fühlt! Bestellst Glückwünsche von mir, ich liege mit einem Hühneraugenkatarrh zu Bett. Bist so gut, ja?!"

Ich war so gut.

Ich ging in eine Tierhandlung.

Ditte, ich möchte ein Haustier!"

Was soll es sein?" bienerte der Händler.Ein Hund, eine Katze?"

So ungefähr!" sagte ich.Wissen Sie, eine Kuh hat im Kabinett keinen Platz, obwohl sie wegen der Milch praktischer wäre!"

Bitte sehr, natürlich! Hier, ein Rassehund 100 Mark!"

Herr!" sagte ich.Meine Erbtante lebt noch!"

Dann vieleicht diese hübsche Siam-Katze um 50 Mark!"

Die letzte 50-Mark-Note habe ich bei meiner Taufe gesehen?" sagte ich.Die hat damals der Pfarrer als Kirchenspende gekriegt. Mehr als zwanzig Emmchen kann ich nicht ausgeben!"

Ja!" sagte der Händler merklich kühler,bann bleibt eigentlich nur ein geflügeltes Tier!"

Vielleicht ein Suppenhuhn!" schlug ich vor.

Gerupft und mit Petersilie garniert?"

Der Herr scherzt wohl! Hier wäre ein Harzer Roller 20 Mark!"

20 minus 20 ist null Provision! Das dachte ich im Stillen. Laut sagte ich:Harzer bitte nicht! Harzer riechen zu stark!"

Wie Sie wünschen?" sagte der Händler leicht ungeduldig.Dann hier, der Zeisig, 10 Mark!"

Zehn Mart fft gut! dachte ich. Zehn Mark für ben Zeisig und zehn Mark für dieOase". Ich habe der entzückenden Lilly schon seit einer Woche versprochen, mit ihr tanzen zu gehen!

Schon wollte ich zustimmen, plötzlich piepte was von der Höh'.Was ist das?" sagte ich und deutete auf ein armseliges graues Vögelchen, das in einem Käfig auf der Stellage stand.

Der Händler machte eine wegwerfende Hand- beroegung.Ach! Das ist ein 'halbverhungerter Spatz, den meine Frau auf der Straße aufgelesen hat und aus Mitleid auf füttert!"

Und was ist der wer?" fragte ich lauernd.

Wert?" sagte der Händler erstaunt.Was soll der wert sein? Nichts! Gar nichts! Ueberhaupt nichts!"

Nichts?" sagte ich.Endlich ein annehmbarer Preis. Sozusagen billiger Okkasionsverkauf. Ganz das, was ich suche! Wickeln Sie ihn mir ein!"

Ein Tier ist schließlich ein Tier. Auch ein Spatz kann die Einsamkeit vertreiben. Und dann ist die Oase" ein verdammt teueres Lokal.

Der Onkel meines Freundes Gerhard war ein netter, alter Herr mit Bart und Brille. Ich stellte mich vor und er führte mich sofort ins Zimmer, lieber Gerhards Glückwünsche zeigte er sich sehr erfreut, mir bas Geschenk betrachtete er kritisch, sehr kritisch!

Ein bißchen klein ist er schon, der Vogel!" sagte er nörgelnd.

Na, vorläusig sehen Sie ihn ja noch!" sagte ich. Wenn Sie kurzsichtig werden, können Sie ihn gegen einen Seeadler umtauschen!" Anspruchsvoll sind diese alten Leute, soowas!

Was ist das überhaupt?"

Das?" sagte ich.Das ist ein echter peruanischer Regenpfeifer!"

So?" sagte der Onkel zweifelnd.Er sieht aber aus wie ein Spatz!"

Ein Spatz?" ich lachte laut auf.Welche ab­surde Idee! Gerhard wird seinem lieben, alten Onkel doch keinen Spatz zum Geburtstag schenken! Natürlich läßt sich eine gewisse entfernte Aehnlich- feit nicht ableugnen, aber schließlich ist ja auch ber peruanische Regenpfeifer der Stammvater unseres europäischen Spatzen."

Wirklich?" sagte der Onkel erstaunt.Das inter­essiert mich aber!"

Das wissen Sie nicht? Vasco da Gama brachte den ersten Regenpfeifer von seiner Entdeckerreise im Jahre 1497 aus Peru mit. Er wurde am Hofe König Manuels heimisch, verbreitete sich von Por- tugal über ganz Europa und degenerierte schließ­lich zu dem uns bekannten Straßensperling!"

Der alte Onkel war wirklich fasziniert.So!" sagte er beinahe schon fast Überzeugt.Das ist also ein peruanischer Regenpfeifer! Er pfeift aber gar nicht!"

Es regnet ja auch nicht!" sagte ich.Es scheint ja bie belle Sonne! Aber warten Sie nur. bis die ersten Tropfen fallen, bann pfeift er, daß eine Luftschutzsirene die reinste Kinderflöte dagegen ist!"

Uebrigens", sagte ber alte Onkel, als er mir

bei der Tür die Hand schüttelte,Vasco da Gama war doch gar nicht in Peru!"

Niiicht?" sagte ich.Schabe! Da hat er was versäumt! Schönes Land, Peru! Wirklich schönes Lanb, Peru!" Damit schloß ich bie Tür und ging mit Lilly in dieOase". Gerhards 20 Mark schmol­zen dahin wie Margarine auf ber Herbplatte.

Drei Tage später traf ich Gerhard roieber.

Habe alles zu deiner vollsten Zufriedenheit er­ledigt, altes Haus!" strahlte ich.Netter Mensch, dein Onkel! Bißchen wurli-wurli, aber sonst prima! Sag', warum machst du so ein böses Gesicht?"

Weißt du, welchen Beruf mein Onkel hat, du mißlungener Zwergpintscher?!" sagte Gerhard.

Keine blasse Ahnung!"

Professor!"

Nein!" staunte ich und fühlte einen leichten Druck in der Magengegenb.Welches Fach denn?"

Zoologe!"

Ueber bas Folgende wollen wir den Mantel christlicher Nächstenliebe breiten. Meine Freund­schaft mit Gerhard ist jedenfalls etwas getrübt.

Zeitschristen.

Die Kun st", Monatsschrift für Malerei, Plastik und Wohnkultur (Verlag F. Bruckmann, München) beendet mit dem soeben erscheinenden September-Heft ihren 40. Jahrgang. Das Heft bringt ein Referat Christoffels über die große deutsche Kunstausstellung 1939 im Hause der deutschen Kunst in München. Christoffel stellt von ben Ar­beiten ber Plastiker vor allem bie hervorragendsten Künstler, wie Klimsch, Wackerle, Scheibe und Kolbe heraus, von deren Schöpfungen je eine in ganz­seitiger Abbildung gezeigt wird. Der Malerei geben neben dem Porträt, bas stark historisch beeinflußt ist, hauptsächlich repräsentative Bilder aus dem Bauernleben das Gepräge. Die Kunsthalle in Karls­ruhe hat zur Feier des 100. Geburtstages Hans Thomas eine Ausstellung zum Gedächtnis des Mei­sters veranstaltet, die Jan Lauts in einem Aufsatz würdigt. Es folgt ein Aufsatz über bie Florentiner- Ausstellung im Palazzo Medici. Der Werkdruck- bogen enthält neben einigen Künstleranekdoten einen Beitrag von Heinz HilpertDer Regisseur und bas Theater", eine kurze Betrachtunglieber bie Nach­ahmung" und einen AufsatzMonumentalität" vor 100 Jahren. Dem zweiten Teil des Heftes ist ein Arzthaus in fränkischer Landschaft von ben Archi­tekten Gründel & Remshard in Nürnberg vorange- stellt. Das äußere Gesicht des Haufes zeugt von erfindungsreicher Architektenkunst und sauberer handwerklicher Arbeit. Architekt Max Wiederanders zeigt den Umbau eines Einfamilienhauses in Frank­furt a. M. Die glücklichen Besitzer eines Gartens ober eines Gartengeländes werden bie Entwürfe ber Stuttgarter Gartengestalter Hermann Albinger unb Otto Valentien begrüßen, die M. H. Schilling auf Grund einiger sehr lebendiger Bilbbeifpiele er­läutert. Wie die Umgebung der Gestaltung eines Hauses nicht nur Beschränkung auferlegt, sondern auch oft bie Möglichkeit zu besonders reizvollen Lösungen gibt, zeigt bas HausBlumeshof" von Architekt Professor Breuhaus.

Oer Polizeifunk meldet.

Die moberne Arbeitsweise ber Kriminalpolizei, bie sich zur Aufdeckung von Kapitalverbrechen aller nur denkbaren technifchen Hilfsmittel bedient unb psycho­logisch hervorragenb geschulte Beamte einzusetzen ver- mag, ist schon mehrfach ©egenftanb ausgezeichneter Filme gewesen, die nicht mehr so sehr wie in ben seligen Zeiten bes alten Kientops auf bloßen Ner­venkitzel abgestellt sind, sondern im Dienst der Auf­klärung und damit auch schon der Verbrechens­bekämpfung selber stehen. Das Spannungsmoment braucht dabei keineswegs zu kurz zu kommen. Das zeigt auch ber von Rudölf van ber Naß nach einem Roman von Axel Rudolph gedrehte Film:Der Polizeifunk meldet", der ohne durch weitschweifige technische Einzelheiten zu ermüden zeigt, wie dank schnellster Nachrichtenübermittlung durch eine peinlich genau arbeitende und ineinander« greifende Organisation bie Aufdeckung eines Ver­brechens und die Festnahme der Täter erfolgen kann, wenn und hier liegt immer wieder der Schwerpunkt aller Kriminalarbeit trotz aller Ver­feinerung bes Systems und Raffiniertheit der tech­nischen Hilfsmittel wenn eben die Intuition und Kombinationsgabe eines geschulten Kriminalisten sich ben modernen Apparat richtig zu nutze zu machen versteht. Somit bleibt ber Mensch der Held. Auch des modernen Kriminalfilms, freilich ist es heute ber Kriminalist und nicht mehr ber Verbre­cher wie einst im Detektivfilm alten Stils. Unb das ist gewiß eine durchaus erfreuliche Wandlung. Hier ist es Hans Ze sch-Bal lot als Kriminalkom­missar, der in streng folgerichtiger Gedankenarbeit Stein um Stein zusa'mmenträqt, um die Fäden bloß­zulegen, die aus einer Mordaffäre, bei der sich Eifersucht als Motiv herausstellt, zu einer raffiniert angelegten Werkspionage hinüberführen. Der unter dem zermürbenden Einfluß einer skrupellosen tfraii von Verbrechen zu Verbrechen getriebenen Täter kann entlarvt werden. Erich Fiedler gibt die Rolle dieses Werkspions Gelegenheit zu einer schall durchdachten und bis ins Einzelne sauber durch­gearbeiteten schauspielerischen Leistung. Eine junge Chemikerin hat zuerst Verdacht geschöpft unb sucht auf ihre Art Beweise, gerät dabei aber selbst in er­hebliche Schwierigkeiten, ein offenes Wort zur Kriminalpolizei wäre der Sache dienlicher gewesen. Lola Müthel zeigt in dieser schiefen Situation viel Charakter und Geistesgegenwart, Albert Lippert als Mörder aus Eifersucht, Han/ Stiebner, Otto Ma11hies, F. W. <5d)ro* der-Schrvm feien aus der großen Zahl der weiteren Mitwirkenden noch genannt. (Terra.) Im Beiprogramm sieht man einen interessanten Film über die Apotheke im Dienst der Volksgesund­heit. Die Wochenschau zeigt erschütternde Bilder von dem schweren Leid der vor dem polnischen Terror über die Grenze geflohenen Volksdeutschen, ent überzeugender dokumentarischer Beweis für die ent­setzlichen Greuel, die sich Polen gegenüber umeren deutschen Brüdern und Schwestern in Ostoberstyie- fien und Pommerellen Tag für Tag zufchulden kom­men lassen. Fr. W. Lange.