Ausgabe 
30.8.1939
 
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Ur. 202 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Mittwoch. .30 August <939

Aus dem Reiche der Krau.

Das Manko in der Mrtschafiskaffe.

Ordnung im Haushalt spart Zeit, Geld und Kraft.

Einsparungen im Haushalt? Was sollte es in meinem Haushalt wohl einzusparen geben? Nichts, geht mich also nichts an!" So sagt Frau Zlse und glaubt, der Fall wäre für sie erledigt. D nein, Frau Ilse, Sie irren, das gilt auch für Aie, obwohl Ihr Haushalt vermeintlich wie am Schnürchen klappt. Denken Sie einmal nach und eien Sie ganz ehrlich! Sind Sie noch nie, wenn Ihr Gatte abends nach Hause kam,erschlagen" gewesen und vor Müdigkeit nicht mehr zum abend­lichen Plauderstündchen bereit, eigentlich ohne - besondere Gründe (Wäsche, Einmachen oder Dergleichen) dafür vorlagen? Sehen Sie, da haben mir es! Das ist doch erst vorgestern geschehen, als Sie verzweifelt nach den Knöpfen für das rote Lleid suchten, die sich irgendwo verkrümelt hatten, bis Ihnen ganz schwach zumute war und Sie ein- joch wieder in die Stadt rasten, um dieselben Knöpfe noch einmal zu kaufen, weil Siedas Rote" unbedingt am nächsten Morgen tragen wollten ,RM. 2,20 Ausfall in der Kleiderkasse!). Oder neu­lich, wissen Sie noch, daß Sie da den ganzen Vor- inittag in den Läden nach Chicoree gefahndet hat- ten, nur weil Sie sich in den Kopf gesetzt hatten, es Ihren Gästen einmal zum Kosten vorzusetzen, obgleich es ein Wintergemüse ist und es jetzt zwar ncht mehr Chicoree, dafür aber die schönsten frischen Itschen Gemüse gibt? Sehen Sie, da kamen abgekämpft und ohne Chicoree zurück: der ze Haushalt lag noch unberührt da, als ob es

8 Uhr morgens wäre, und liefen in ihrer Rot Putzfrau, die gerade ein paar freie Stunden te und ihrem Hilferuf gar nicht mal gern folgte, l sie an anderen Tagen gerade genug zu arbei- und kaum eine freie Minute für sich hat N. 1,60 Ausfall in der Wirtschaftskasse!).

Aber bleiben mir einmal zunächst bei den Knöp­fen. Woran lag nun die aanze Hetzerei? Natür- ich nur an mangelnder Ordnung. Werden Sie richt gleich böse, wir wissen, daß Ihr Haushalt im allgemeinen (aber, bitte, nur im allgemeinen!) rdentlich ist, daß Sie sorgsam Staub wischen und laß weder Bücher noch gebrauchte Taschentücher rod) halbfertige Handarbeiten in den Zimmern terumliegen. Diese äußere Ordnung aus Schön- teitsgründen aber ist etwas ganz anderes als eine renge, planmäßige Ordnung im Köpfchen und i allen Schränken und Schubkästen! Bitte, wo ab en sich die Knöpfe nach einer Woche angefun- »n? Auf Ihrem Schreibtisch, wo sie unter die ich, so vielen) unbeantworteten Briefe geraten t-aren, weil Sie zerstreut sind. Wenn Sie aber bar an gedacht hätten, sie am richtigen Ort, nämlich In Nähtisch, unterzubringen, hätten Sie sie wahr- sheinlich auch da nicht entdeckt; denn dort liegt olles wie Kraut und Rüben durcheinander. Eine ^wischenfrage: Was hatten Sie Ihrem Gatten doch cestern geantwortet, als er Sie fragte, wo Streich- sölzer wären, weil sein Feuerzeug gerade streikte? Sie sagten:Entweder in der Küche auf dem deckelhalter oder auf dem Wandbrett in der Speise- vmmer ... Da sind keine? Dann versuch' es doch mal im Kasten bei den Löffeln oder ... ja, sie könn­en auch ..." Sehr entzückt war der Gatte nicht, ils er sie endlich ganz woanders fand, und zu- gegeben Sie genierten sich ein bißchen.

Wieviel angenehmer ist es, immer zu wissen, wo twas im Haushalt liegt, weil jedes Ding feinen bestimmten Platz hat! Wieviel einfacher ist es, twas mit einem Griff nehmen zu können, ohne es rft nach kräfte- und zeitverschwendendem Suchen sinden" zu müssen! Wieviel billiger vor allem wäre es gewesen, wenn Sie damals das grüne Zand ordentlich in den Nähtisch gelegt hätten! Es idtte sich dann erübrigt, daß Sie es noch einmal tauften, bevor Sie es nach Tagen zu Ihrem Aerger !»ch noch irgendwo (allerdings verstaubt) fanden RM. 2, Ausfall in der Kleiderkasse!) Wie oft :tf Ihnen so etwas schon passiert, wie oft haben Sie ichtlos hingeworfene Nähreste, Häkchen oder der­gleichen schnell zusammengefegt und weggeworfen!

gewiß, es handelte sich nur um Pfennige; aber toben Sie einmal die Summe gezogen, etwa im laufe eines Jahres? Sie würden sich nicht wenig lngern und sich sicher befsern, wenn Sie wüßten, Das Sie sich dafür alles hätten leisten können. Sie würden sich auch ein wenig schämen, wenn Sie sich tsewußt wären, wie wenig Verständnis Sie damit wenn auch im Kleinen für die augenblickliche angespannte Lage und Warenverknappung der deut- Den Wirtschaft bewiesen haben.

Und wie war die Sache mit dem Chicorse? Ge- Iriiß war es nett gedacht, lieben Gästen etwas Beson- fcres zu bieten. Das darf aber nicht in Unvernunft aisarten. Warum wollten Sie ausgerechnet das fcufen, was es gerade nicht gibt oder was im Augenblick teurer ist als das, was die Jahreszeit ir Hülle und Fülle bietet? Stellen Sie das, was t>: rhanden ist, nett zusammen, bereiten Sie es ® Mich gut und schmackhaft zu, richten Sie es ent- stcckend an, und Ihre Gäste werden begeistert fern.

gibt nichts Schöneres als eine leckere Platte mit al' dem, was der heimatliche Boden uns in so tt chem Maße spendet. Ja, und auch hier können 'S« manches einsparen! Sie verstehen schon. Da­um, daß man Brotschreiben nicht vertrocknen läßt oter sich an übrig gebliebene Speisereste erinnert, jonnge man sie noch verwenden kann braucht man ja nicht mehr zu sprechen; es hat ein jeder, und «ich Sie, begriffen, daß hier Derantwortlichkeltssinn jirib Ordnung vonnöten sind.

Ordnung! Ordnung im Köpfchen und in allen Schränken und Schubkästen! Das . ist es, was Sie Uch brauchen, Frau Ilse, um nicht jeden Monat | i Dber 10 Mark Ausfall in der Wirtschaftskasse zu , Hoven, um Ihrem Gatten abends nicht ein er- nibetes oder gar verärgertes Gesicht zu zeigen. !)Ebnung! Sie kostet keine Anstrengung oder lieber» vndung mehr, wenn man sich erst einmal klarge- n cht hat, daß sie nicht Zeit raubt, sondern im Btgenteil Zeit, Geld und Kräfte spart.

Ordnung! Das ist auch richtige Einteilung der libeit. Versuchen Sie es einmal, aber euer- lind), bitte! Dann werden Sie nie wieder wie nulich erstaunt und, gestehen Sie es ruhig, ein

Zellwolle, gut waschbar.

Es ist nun einmal so im Leben: Dinge, die man vor kurzem noch nicht kannte, kann man, wenn man sie erst einmal schätzen gelernt hat, nicht mehr entbehren. So ist es heute schon mit den Stoffen und der Wäsche aus der deutschen Zellwolle die sich schnell das Herz der Verbraucher erobert hat. Wer würde sich beim Kauf eines Kleiderstoffes nicht auch die Vistra-Qualitäten anfehen; welcher Mann schätzt nicht die neuen, knitterfreien Kravat- ten aus Zellwolle?

Eine der wertvollsten Eigenschaften dieser, wie Kunstseide künstlich hergestellten Textilfaser ist es, daß sie allen natürlichen Fasern weitgehend ange­paßt werden kann. Bei Mischgeweben ist es daher für die Hausfrau nur selten möglich die Bei­mischung als solche zu erkennen. Zu diesem zweifel­los als Vorteil für die Zellwolle zu bezeichnendem Umstand kommen noch die qualitativeu Vorzüge sowie die mit ihr zu erzielenden Effekte m der Musterung, die der augenblicklichen Mode so sehr entgegenkommen.

Ein weiterer Vorteil der neuen Mischgewebe liegt darin, daß das Mischen des Garnes nicht erst beim Weben erfolgt, sondern bereits beim Spinnen des Fadens. Das verarbeitete Garn ist also bereits ein Mischgespinnst, während es z. B. bei dem eben­falls aus zwei verschiedenen Rohstoffen bestehenden Halbleinen so ist, daß die Kettfäden, also die mit der Egge gleichlaufenden aus dem einen die Quer­fäden dagegen aus dem anderen Material sind. Also auch hier bei den neuen Mischgeweben ein bedeu­tender Fortschritt, der der Qualität zugute kommt.

Beim Waschen müssen Stoffe aus Zellwolle genau so behandelt werden wie die gleichen Quali­täten aus Kunstseide. Man bereitet also eine kalte

klein wenig neidisch zu Ihrer Nachbarin sagen:Ich verstehe nicht, wie Sie das fertig bringen, den Haushalt, den Mann, die alte Mutter zu versorgen und dann noch zum Luftschutzkursus zu gehen ...I"

H. v. H.

Erprobte Akzepte mit Pflaumen.

Pflaumenknödel. 1 Kilogramm ge­kochte, geriebene Kartoffeln, 125 bis 250 Gramm Mehl, 2 bis 3 Eier, Zucker nach Geschmack, Salz, abgeriebene Zitronenschale, evtl. 1 Eßlöffel Butter, entsteinte Pflaumen. Die Kartoffeln mit Mehl, Giern und den Geschmackszutaten zu einem glatten Teig verarbeiten und Klöße daraus formen, in deren Mitte eine entsteinte mit Zucker gefüllte Pflaume gegeben wird. Die Klöße in siedendem Salzwasser gar werden lassen und mit Zucker und Zimt bestreut und evtl, einer Pflaumenmussoße zu Tisch gegeben.

Quargauflauf mit Pflaumen. 1 Kilo­gramm festen Quarg, 75 bis 100 Gramm Kartoffel­mehl, 1 Eßlöffel Butter, 250 Gramm Zucker, etwas Backpulver, 1 Prise Salz, % bis 1 Kilogramm Pflaumen. Den Quarg durch ein Sieb streichen, mit Butter und Eigelb sahnig rühren, die entsteinten und halbierten Pflaumen (evtl, vorher etwas einge­zuckert) und das mit dem Backpulver vermischte

Mehl dazu geben. Die Masse in eine vorbereitete Auflaufform füllen und ungefähr 1 Stunde backen. Die Pflaumen können auch zu unterft in die Form gegeben und darauf die Quargmaffe gefüllt werden.

Pflaumen-Gelee. Gewaschene Pflaumen (nicht entsteint) in reichlich Wasser, mit Zucker und einem Stück Stangenzimt vorsichtig gar werden las- .fen. Auf ein Sieb zum Abtropfen füllen und in eine Glasschüssel geben. In dem gut abgeschmeckten Säst Gelatine verrühren (auf 3/4 Liter Saft 6 Blatt weiße und 6 Blatt rote Gelatine) und diese Masse über die Pflaumen füllen. Beigabe Vanilleftinke ober rohe Milch.

Pflaumentorte. 250 Gramm Zucker, 200 Gramm Mehl, 3 Eier, 1 Backpulver, 1 Kilogramm Pflaumen. Den Zucker und die ganzen Eier schau­mig rühren, nach und nach das mit dem Backpulver vermischte Mehl dazugeben. Den Teig in eine vor­bereitete Springrandform füllen, gleichmäßig ver­teilen und oben auf die rohen, entsteinten Pflau­men (ohne Zucker) legen. Der Teig steigt beim Backen und die Früchte sinken ein. Bei Mittelhitze goldbraun backen.

Pflaumeneierkuchen. Einen Eierkuchen- teig Herstellen, die Pflaumen entsteinen, halbieren und einzuckern. In eine gefettete Pfanne den Teig füllen, darauf die Pflaumen geben und die Masse von beiden Seiten goldbraun backen. Wo.

Mas sollen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

HANT&L

Heute zeigen wir Praktisches für d e n Herbst 1 939, und zwar zu einem klassi­schen" Schneider kleid aus rehbraunem Tweed einen Faltenrock aus dunkelbraunem Flanell mit hellem Ueberkaro, eine kupferrote Duvetine- weste, eine Bluse aus sahnefarbenem Wall­flanell und einen ergänzenden dreiviertellangen, naturfarbenen Wollmantel.

Zu der wieder längeren Jacke des Schneider­kleides gehört ein schlichter, enger Rock mit seit­

licher Gehfalte aus dem gleichen Tweed, der von dem tarierten Faltenrock abgewechselt werden kann.

Die Weste hat vier eingeschnittene und pas- pelierte Taschen, kleine rote Kugelknöpfe und passen­des Taftfutter. Die Bluse mit dem neuartigen Umlegkragen und den langen, weiten Aermeln hat Perlmutterknöpfe. Der warme, geradefallende Mantel mit den Steppnähten hat einen breiten Rückengurt, Stulpen, Taschen und einen runden Kragen. Seine Knöpfe sind aus Düffelharn. H.

Persil- oder SeifeNlauge unid schwenkt die Sachen darin durch. Wringen und Reiben ist den feinen Fäden wenig zuträglich und darum zu unterlassen, zumäl ein leichtes Schwenken und Durchdrücken vollkommen ausreicht.

Nasse Wäsche nicht zusammen ged rückt oder im Waschwasser liegen lassen, sondern sofort im An­schluß an das Waschen spülen und zwar solange, bis das Wasser klar bleibt. Eine Zugabe von ein bis zwei Eßlöffel Essig zum ersten Spülwasser frischt die Farben wieder auf.

Bunte Sachen prüfe märt vor dem Waschen im­mer auf ihre Farbechtheit, indem man eine Probe dber, wenn kein Rest vorhanden ist, einen Zipfel in klares Wasser steckt und dann in ein weißes Tuch rollt. Wenn auf dem Tuch keine Farbränder zu sehen sind, können die Sachen auch als genügend waschecht angesehen und gewaschen werden.

Trikotagen und glatte Kleiderstoffe mit nicht zu heißem Eisen von links bügeln. Das Gewebe muß dabei am besten noch etwas feucht sein. Achten Sie daraus, daß Sie immer in der Richtung bügeln, in der kleine Größenveränderungen vorgenommen werden sollen. Alle Kreppstoffe, wie Fresko, Ham- merschlag, Borkenkrepp, Waffelmuster, Organdy und ähnliche Arten bügelt man von links in trof­fen em Zustand auf einer weichen Unterlage. Dabei zieht man das Teil leicht in die richtige Form.

Andere Bekleidungsstücke aus Zellwolle oder Mischgespinsten wie Badeanzüge, Gardinen, Kravat- ten, fragen und Garnituren von Kleidern, Schals, Strümpfe usw. reinigt man genau so, wie man es bisher mit den gleichartigen, aus natürlichen Roh­stoffen an gefertigten Sachen gemacht hat. Seien Sie genau so vorsichtig und sorgsam, dann werden Sie die gleiche Freude daran hoben. H. G. M.

Bienenhonig!

Von Frida Aisch

Vor mir steht eine Dame aus der Mark Bran­denburg. Ihr ist Honig verordnet, und der Arzt hat sie hergeschickt. Ich reiche ihr ein Glas graubraunen Waldhonig, der vor ein paar Tagen hier gewonnen ist.Aber das ist doch fein Bienenhonig! Ich möchte wirklich echten Bienenhonig, und der muß doch gelb sein!" Fragend sieht mich die Frau an.Nein, der muß aar nicht gelb sein", sage ich und hole meine Honigsammlung: Wasserheller Afazienhonig, Raps- Honig, zum Verwechseln mit ausgelassenem Gänse­fett, Lindenblütenhonig, klar wie grünliches Gold; dichter, gelbweißlid)er Kleehonig, Wiesenblumen- Sommerhonig in gelbbraunen Goldlacktönen, brau­ner Heidehonig, dunkelbrauner Waldhonig, Tannen­honig aus dem Schwarzwald, genau in der Farbä der Rückseite der Tannenzweige. Man atmet orbent« lich ben Duft feines Heimatwalbes mit ihm ein- Unb bann die vielen gemischten Honige!Als di^Frau diese Farbenfülle sah, war sie sprachlos.Das i st alles echter Honig!"

Da mir schon feit vielen Jahren der ungeheure Wert des Honigs bekannt war, so war ich ständig bemüht, Freunde und Nachbarn mit seinen Arten und seiner Verwendung vertraut zu machen. Darum brachte ich von weiteren Reisen Honigproben mit von daheim unbekannten Sorten. So auch einmal den goldgelben Frühlingshonig der Mark Branden­burg hier nach Hessen. Und was sagten die ßeute?, Das ist doch fein Honig! Honig muß doch dunkel­braun fein." So hat jede Gegend ihre Art, die ihr vertraut ist. Das ist natürlich die Sorte, die die Haupternte ausmacht. Selbstverständlich gibt es auch im nördlichen Mitteldeutschland dunklen Waldhonig und in Südwestdeutschland Hellen Frühjahrshonig, aber nur wenig, so daß das große Publikum nur immer die Haupternten kennenlernt und darum keinen anderen Honig verlangt. Nur die Imker, die wenig Völker halten und Bienenwohnungen mit kleinen Waben, und die in weniger guten Tracht­gegenden sitzen, ernten ihren Honig getrennt in mehreren Arten. Sie sind angewiesen, jeden Bienen­stock einzeln und öfter auszuernten, damit ihnen nicht ein Wetterumschlag den kärglichen Lohn ihrer Arbeit noch verkürzt. Große Betriebe von 30 und mehr Völkern in guten Trachtgegenden richten sich so ein, baß sie aus allen Völkern auf einmal unb in große Gefäße ernten. Sie haben darum in Mengen immer dieselbe Art Honig. So finden wir viele ver­schiedene Sorten meist beimkleinen Mann". Mir ist es voriges Jahr so gegangen, daß, als ich die Waben vom ersten Volk schleuderte, dunkler Wie­senhonig darin war. Als ich gleich darauf das Volk, das daneben stand, ausnahm, ganz heller Honig aus der Schleuder floß. Die Bienen des einen Vol­kes besuchen nur immer dieselbe Blütenart, aber von den Völkern eines Standes kann jeder Stock sich zufällig eine andere Blütenart ausgesucht haben. Dem entspricht natürlich auch der gewonnene Honig. Weil die Bienen immer bei denselben Blütenarten bleiben, verdanken wir ihnen den größten Teil un­serer deutschen Obsternte.

Um den Honigfreunden den Kauf zu erschweren, kommt zu den verschiedenen Farben und Geschmacks­richtungen noch der Z u st a n d des Honigs hinzu. Frisch geschleudert ist er klar und durchsichtig, je weiter das Jahr fortschreitet, desto dichter wird er. Neulich bin ich im Gemüseladen. Der Gemüsehänd­ler, der ständiger Honigabnehmer der Imker ist, hebt ein Glas getändelten Waldhonig gegen das Licht: Wäre das nicht möglich, daß ich wieder den dunk­len Honig bekomme, den dünnen? Dieser hier ist den Leuten zu grau."Lieber Herr W., dies ist ja derselbe Honig, er sieht nur grauer aus, weil seine Zuckerarten jetzt getändelt, kristallisiert sind. Das muß guter Honig, mit ganz wenigen Aus­nahmen, jetzt in dieser Jahreszeit tun. Wird er wie­der vorsichtig erwärmt, wird er wieder flüssig und sieht wieder dunkel aus."

Diele Leute haben ihre Lieblingssorte. Sie bestel­len oft zehn Pfundvon derselben Sorte, wie vori­ges Jahr". Das gibt es aber nicht. Honig ist kein Fabrikerzeugnis. Ist der eine Topf verbraucht, schmeckt der andere, acht Tage später gewonnene, bestimmt anders, auch wenn ihn dieselben Bienen geholt haben und noch dieselben Blüten da sind. Man kann höchstens eine Sorte beim Imker kosten und von der Sorte kaufen, die am besten schmeckt. Auf die Dauer bekommt man aber den schönsten Honig über, dennalle Tage Rebhühner ..."! Darum tut man gut, lieber verschiedene Sorten zu halten. Ein Honig wird dann immer besser schmecken als der andere.

Alle richtig behandelten Honiae sind in bet Güte gleichwertig. Vom Bienenstand aus gibt es nur erstklassigen Honig. Schlechter wird er nur durch verkehrte Behandlung. Man kann also jeden Honig kaufen, der einem gut mundet. Kleine Unterschiede bestehen nur in seiner Zusammensetzung der Salze und Zuckerarten. So geben wir blut­armen Kindern gern den dunklen Honig, weil er am meisten Eisen enthält. Beim Kochen nehmen wir milde Honige für zarte Speisen und zarte Ge­würze, während derber, stark duftender Honig mit derben Gewürzen und Gerichten gebraucht wird. Be­sonders für Honigkuchen geeignet ist Heidehonig, während Wald-, Akazien- und Lindenhonig fast vollständig darin verlorengeht. Man tut gut, Honig nur von dem Laden oder Imker zu kaufen, zu dem man volles Vertrauen hat. Die denkbar größte Sicherheit für allerbesten deutschen Honig bietet das Einheitsglas der Reichsfachgruppe Imker mit dem schwarzgrünen Band.

Gesundheitspatz für Neugeborene.

Im Gau Westfalen-Süd erhalten nunmehr alle neugeborenen Kinder den Gesundheitspaß des Amtes für Volksgesundheit. Um weiterhin einen möglichst großen Kreis von Volksgenossen baldmög­lichst mit dem Gesundheitspaß auszustatten, erhält jedes zu Ostern 1939 in die Schule aufgenommene Kind bei der Schulanmeldung aleichfalls den Ge­sundheitspaß. Die Schulkinder des 4. Schuljahres, die 10jährigen also, erhalten bei den HJ.-Unter« suchungen bereits feit dem Jahre 1937 den Gesund­heitspaß. Darüber hinaus werden weiterhin alle diejenigen Volksgenossen mit Gesundheitspässen ver­sehen, die aus irgendeinem Anlaß nach dem Gesund- heitsstammbuch untersucht werden. Das sind ge­sunde und vernünftige Maßnahmen, die höchst erzieherisch auf die Volksgenossen im Sinne einer vorbeugenden Gesundheitspflege sich auswirken.