Nr. 150 Erstes Blatt
189. Jahrgang
Zreitag.ZO.Zuni 1939
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertag» Beflogen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • DieScholle Monatr-Vezngrprefr:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte , 1.80 Zustellgebühr .. , - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zeritsprechanschlüffe unterSammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Sietzen
Postscheckkonto:
Kranlfurt am Main 11688
Gietzemr Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck unb Verlag: vrühlsche UniverfitStrbruckerel 8. Lange in Sietzen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 1
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8*/,Uhr des Vormittags
Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Textanzeigen von 70mm Breite bORpf.,Platzoorschrift nach oorh.Dereinbg.25°/a mehr.
Ermäßigte Grundpreise:.
Stellen-, Vereins-, gemein* nützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Um einen Obelisken.
Von unserem as.-Korrespondenien.
Buenos Aires, Ende Ium 1939.
Zum zweitenmal ist in diesen Wochen der Obelisk das Tagesgespräch von Buenos Aires. Das erstemal war es, als er gebaut wurde, vor drei Fahren. Damals entstand er sozusagen über Nacht. Durch die großartigen Erweiterungspläne des damaligen Stadtoberhauptes — die in der ganzen Welt allein schon dadurch bekannt wurden, daß die Niederreißung einiger Häuserblocks und die Anlage von einigen hundert Meter Straße die hübsche Summe von 150 Millionen Pesos verschlang — wurde ein großer freier Platz geschaffen. Was aber ist ein Platz ohne Denkmal? Und da man ohnehin ein Denkmal brauchte, das an die damals, 1936, gefeierte 400jährige Wiederkehr des Gründungstages der Stadt Buenos Aires wür- dia erinnern sollte, so setzte man auf den Platz rasch einen — Obelisken. Einen regelrechten Obelisken, allerdings aus modernstem Material, aus Zementbeton. Aus ästhetischen Gründen belegte man die Betonwand des Denkmals noch mit Steinplaten, die aufgeklebt wurden. So stand nun der Obelisk im Zentrum der Stadt, wie ein riesiger Bleistift, dessen Spitze in den Himmel wies. Am Abend wurde das Denkmal von Scheinwerfern an- geftrahlt. Es war zweifellos nicht nur das größte und höchste, sondern das originellste Monument von Buenos Aires.
Manche Leute freilich sagten auch: das geschmackloseste. Es entstand rasch eine öffentliche Diskussion um den Obelisken, deren Schärfe und Erbitterung eigentlich nur dem verständlich wurden, der ihre Hintergründe kannte. Man erzählte sich nämlich, daß der „Obelisk" gar nicht um der vierhundertjährigen Wiederkehr des Gründungs- tages von Buenos Aires oder gor um seiner selbst und seiner Schönheit willen da stehe, sondern daß dieses Monument eine politische Bedeutung habe. Die große Oppositionspartei der Radikalen, die im Stadtporlament von Buenos Aires mit den gleichfalls oppositionellen Sozia- l i ft e n zusammen die Mehrheit darstellt, habe nämlich seit langem beschlossen, den freien Platz, den jetzt der Obelisk ziert, für ein Denkmal für den radikalen „Nationalhelden , den ehemaligen Präsidenten Jrigoyen, zu reservieren. (Jrigoyen war von 1916 bis 1922 argentinischer Präsident; im Jahre 1929 wurde er zum zweiten Male zum Präsidenten gewählt, jedoch infolge der Mißwirtschaft, die während seiner zweiten Regierungszeit sich ausbreitete, durch die von den konservativen Kräften des Heeres ausgehende Revolution von 1930 beseitigt). Ein Denkmal für Jrigoyen (er ist übrigens 1933 gestorben) wäre jedoch, zumal in der argentinischen Hauptstadt, für d i e Nationalregie- r u fl g , die direkte Rechtsnachfolgerin der Revolution von 1930, zweifellos eine politische Schlappe gewesen. Um diese zu verhindern, habe der damalige „Bürgermeister", der den in der Zen- trolregierung herrschenden Parteien nahestand, so rasch den Obelisken gebaut, und zwar gerade an der Stelle, die für das Frigopen-Denkmal angeblich allein in Frage komme. So schieden sich also schon 1936 am Monument des Obelisken in Buenos Aires und in Argentinien die politischen Geister, — für den Obelisken waren im wesentlichen die Regierungsanhänger, gegen ihn war die Opposition ...
Dann aber passierte ein Mißgeschick, das der Opposition zu Hilfe kam und die Stimmung gegen den Obelisken beträchtlich verschlechterte. Eines Tages lösten sich nämlich an der Seite des Monuments, die der Sonnenwirkung am stärksten ausgesetzt ist, mehrere der zweihundert Kilogramm wiegenden Steinplatten und fielen mit Donnergepolter auf den Platz. Zum Glück wurde niemand getroffen, — aber es ist verständlich, daß die Spaziergänger, die jenen Platz zu überqueren haben, seitdem einen beträchtlichen Bogen um das Monument herummachen. Zugleich erinnerte sich die öffentliche Meinung mit Schaudern und Entsetzen daran, daß nur einen Tag, bevor die Steinplatten von der Höhe des Obelisken herabsausten, am Fuße des Monuments ein Aufmarsch von mehreren hundert Schulkindern stattgefunden hatte, um einem offiziellen Festakt beizuwohnen Was wäre geschehen, wenn die Steinplatten während dieses Festaktes obgestürzt wären? ...
Die Stadtverwaltung ließ rasch ein Gerüst um den Obelisken aufführen, das bis. zu seiner Spitze reichte und das verhindern sollte, daß weitere Steinplatten abrutschten. Dieses Ziel wurde bisher auch erreicht, aber die Meinung der Oeffentlichkeit über Sinn und Zweck dieses seltsamen Monuments wurde durch den Anblick des Gerüstes und durch die Tatsache, daß sein Unterhalt ständig viel Geld kostete, nicht gerade freundlicher gestimmt. So kam, was kommen mußte.
Zunächst kam ein Regierungswechsel auch in der Stadtverwaltung. Zwar stehen auch die „neuen" Regierungen — sie haben ihre Aemter im vergangenen Jahr übernommen — den bisher herrschenden Parteien nahe, aber in der letzten Zett ist doch eine immer stärker auftretende H i n - Neigung zur radikalen Opposition und die Absicht, sie an der Regierung zu beteiligen, festzustellen. Und so ist es denn wohl auch kein Zufall, daß es jetzt endlich dem Stadtrat — m dem, wie gesagt, Radikale und Sozialisten die Mehrheit haben — gelungen ist, die Zerstörung des Monuments durchzusetzen. Mit 23 gegen 3 Stimmen wurde dieser Beschluß kürzlich gefaßt, und obwohl die Stadtverwaltung zunächst, während der Debate, versuchte, den Bau des Obelisken und die Amtstätigkeit ihrer Vorgängerin zu verteidigen, beeilte sie sich doch, unmittelbar, nachdem der Be
schluß gefaßt war, die Verfügung auf Abbruch des Denkmals zu erlassen.
So wird also nun, wenn nicht ein Wunder geschieht, der schöne Obelisk, das höchste und zugleich originellste Denkmal von Buenos Aires, der Spitzhacke zum Opfer fallen. Es ist überflüssig zu sagen, daß bei der Aussprache im Stadtrat, wie überhaupt bei der ganzen öffentlichen Diskussion über diese Angelegenheit nie von den politischen „Hintergründen" oder von dem, was man als solche ansieht, die Rede war, also weder vom angeblichen Plan der Radikalen, ein Jrigoyen- Denkmal zu bauen, noch von der Absicht des früheren Stadtoberhauptes, den Bau eines solchen Denkmals zu verhindern — und' es dürfte sicher sein, daß diese „Hintergründe" auch heute noch von allen amtlichen Stellen bewußt ignoriert oder gar abge- leugnet werden. Dennoch kann man die Geschichte an allen Straßenecken dieser Stadt hören.
Das Wunder kann übrigens immer noch geschehen, — diesmal in der Form eines kleinen juristischen Kniffs. Die Stadtverwaltung hat sich, indem sie die Zerstörung des Obelisken befahl, genau an den Beschluß des Stadtrates gehalten. Die Stadtverwal-
London, 29. Juni. Im Königlichen Institut für internationale Angelegenheiten sprach Außenminister Lord Halifax zur Loge. Nach einem Ueberblick über die neuen Verpflichtungen, die England im Laufe des letzten Jahres einging, erklärte er, möglicherweise würden die Verhandlungen mit der Sowjetunion in kürzester Zeit abgeschlossen fein. In der Vergangenheit habe sich Großbritannien angeblich stets gegen jede einzelne Macht gewandt, die versucht habe, Europa auf Kosten der Freiheit der anderen Länder zu beherrschen. Es sei darüber hinaus unmöglich, mit einer Regierung zu verhandeln, deren verantwortliche Sprecher ein „freundliches Land" als Dieb und Erpresser bezeichneten und sich täglich darin ergingen, Beleidigungen der brittschen Politik in aller Welt auszusprechen. Deutschland isoliere sich selbst, wirtschaftlich durch seine Politik der Autarkie, politisch durch eine Politik, die ständige Besorgnis bei anderen Völkern Hervorrufe. „Das letzte, was die Briten zu sehen wünschten, fei, daß der einzelne deutsche Mann, Frau und Kinder Entbehrungen erlitten." Es fei eine dringende Notwendigkeit, die Mittel zu finden, durch die man einen Wechsel herbeiführen könne. Wenn wir erst einmal, so fuhr Halifax fort, davon überzeugt sein könnten, daß die Absichten anderer die gleichen wie unsere eigenen find und wir alle wirklich friedliche Lösungen wünschen, bann — ich sage das hier definitiv — könnten wir die Frage diskutieren, die heute der Welt Besorgnis verursacht. In einer derartigen neuen Atmosphäre könnten mir das koloniale Problem lösen, die Frage der Rohmaterialien, die Handelsschranken, die Frage des Lebensraumes, die Begrenzung der Rüstungen und jede andere Frage, die das Leben aller europäischen Staatsbürger berührt. Es ist gesagt worden, daß Taten, nicht Worte notwendig sind. Das ist angeblich auch die Ansicht von Lord Halifax.,
Dazu schreibt der Deutsche Dienst u. a.: In London sollte man nunmehr endgültig den Versuch aufgeben, die britische Außenpolitik in den Augen des deutschen Volkes als friedfertig erscheinen zu lassen, besonders aber bann, wenn man im gleichen Atemzuge auf den Derhandlungsabschluß mit einem
Prag, 29. Juni. (DNB.) Zum ersten Male seit ber Rückgliederung ber alten Reichslande Böhmen unb Mähren stattete Gauleiter unb Reichsstatthalter Henlein Prag, ber Hauptstabt bes Protektorates, einen offiziellen Besuch ab. Henlein begab sich zuerst auf bie Prager Burg, wo er bem Reichsprotektor Freiherrn von Neurath einen Besuch abstattete. Dann hießen ihn im Rathaus der Oberbürgermeister von Prag, Dr. K l a p k a , unb sein Stellvertreter, Professor Pfitzner, willkommen. Hierauf begab sich Henlein in bie Kreisleitung, von dort in das Deutsche Haus, wo ein Appell ber Politischen Leiter unb beren Verpflichtung ftattfanb. Um 20 Uhr fanb in ber riesigen Maschinenhalle auf bem Prager Meß- qelänbe eine Kundgebung bes Prager Deutschtums statt. Die Halle, bie 20 000 Personen faßt, war bis auf ben letzten Platz gefüllt. Mehr als zehntaufenb Menschen konnten feinen Einlaß finben.
Konrad Henlein
gab seiner Freube barüber Ausbruck, baß Böhmen unb Mähren, ehemals Länber bes Reiches, ihre natürlichen Beziehungen zum deutschen Raum miebergefunben haben. Wir Deutschen betrachten den Zustand von heute, sofern
tung untersteht jedoch als höchster Instanz der Zentralregierung, die ihrerseits wieder das Recht hat, sich um historische Denkmäler zu dekültt- mern und mit Genehmigung des argentinischen Parlamentes über die Errichtung solcher Denkmäler zu verfügen. Gewiegte Juristen weisen deshalb heute schon darauf hin, daß die Zentralregierung ja auch vor drei Jahren beim argentinischen Kongreß (d. h. beim Parlament der Nation) die Erlaubnis für den Bau des „Obelisken" eingeholt habe. Sie habe diese Erlaubnis zwar nicht ausdrücklich erhalten, weil der Kongreß, wie er das bei so manchen Dingen zu machen pflegt,, sich mit der Frage bisher überhaupt noch nicht beschäftigt habe. Da aber ber Kongreß auf der anderen Seite auch keinen Einspruch gegen ben Bau erhob, müsse die Erlaubnis als stillschweigend erteilt gelten. Habe aber ber Kongreß, wenn auch stillschweigend, diese Erlauubnis erteilt, so müsse er sie auch wieder zurück ziehen — also müsse auch über die Zerstörung die Meinung des Kongresses eingeholt werden.
Man sieht: Das Wunder, das den Obelisken retten kann, ist durchaus möglich. Die Nationalregierung kann, wenn sie will, den Obelisken retten. Sie wird ihn ober nur retten wollen, wenn sie bereit ist, auf die Freundschaft der Radikalen, um die sie sich gegenwärtig zu bemühen scheint, zu verzichten. Und so dürfte das endgültige Schicksal des Obelisken gewisse Rückschlüsse auf die nächste Entwicklung der argentinischen Innenpolitik zulassen.
neuen Einkreisungspartner hofft. Wenn von den „Freiheiten anderer Länder" gesprochen wird, so sollte das nicht gerade von Großbritannien geschehen, dessen Kolonialgeschichte bis in unsere Tage hinein unverwischbare blutige Spuren aufweift, dessen verantwortliche Staatsmänner sich heute mit brutaler Bedenkenlosigkeit über die Unabhängigkeit neutraler Staaten hinwegsetzen und sie zum Gegenstand schmutziger politischer Geschäfte machen. Was London seit Monaten in überstürzter Eilfertigkeit gegen das Reich unternimmt, w e i st alle Anzeichen eines Präventivkriegzieles auf.
Die Worte des britischen Außenministers, Großbritannien wünsche nicht, daß deutsche Frauen und Kinder Entbehrungen erlitten, zeugen von einem Ausmaß von Heuchelei, dessen — angesichts der noch sehr lebendigen Erinnerungen an die britische Weltkriegsblockade — nur ein britischer Staatsmann fähig sein kann. Was Halifax weiter zur Definition des Lebens raumes zu sagen wußte, ist lediglich ein bezeichnender Beweis dafür, daß es Großbritannien bis zur Stunde noch nicht gelungen ist, den Kern jener vitalen europäischen Fragen zu erfassen. Der britische Außenminister weigert sich, mit einer Regierung zu verhandeln, deren verantwartlche Sprecher „ein freundliches Land als Dieb" bezeichnen. Das wäre verständlich, wenn diese Bemerkung nicht gerade mit der Frage ber Rücker st attung der van England geraubten Kolonien gefallen wäre. Alles, was Halifax über die Möglichkeiten einer Lösung des Kolonialproblems verheißungsvoll Deutschland unterbreiten zu können glaubt, kann daher nur als Ausrede gewertet werden. Jedenfalls ist die Frage der Begrenzung der Rüstungen von deutscher Seite aufgeworfen unb von Großbritannien zu wiederholten Malen abgelehnt worben. Alles in allem ist auch diese Rede nur ein bezeichnender Beweis dafür, baß es ben englischen Staatsmännern darauf ankommt, mit wohltönenden Allgemeinplätzen die englische Oeftent- lichkeit mit einer politischen Linie vertraut zu machen, die weder das Interesse des Friedens, noch das Interesse des Rechtes zwischen den Völkern zum Ziele hat.
er die üußere Ordnung in den Beziehungen Böhmens und Mährens zum Reich betrifft, als endgültig und unabänderlich. Bei aller Achtung vor dem Volkstum der Tschechen und bei aller Bereitschaft, mitzuhelfen, das Eigenleben bes tschechischen Volkes zu sichern, werben mir niemals roieber zulassen, baß Böhmen unb Mähren ober auch nur ber Lebensraum bes tschechischen Volkes mißbraucht werben für eine planmäßige Gesährbung ber beutschen Lebensrechte ober für bie Durchsetzung macht- politischer Absichten gewisser imperialistischer Großmächte. Es geht nun barum, bie bester unb fruchtbarsten Formen eines freundschaftlichen unb achtungsvollen Nebeneinanbers ber beiben Nationen zu finben. Jeber Gebanke an totale Gewalt unb zynische Willkür bem tschechischen Volke gegenüber liegt uns fern.
Die Stunbe, ba Benesch vor ben Großen Vier der Siegerstaaten nachwies, daß Böhmen unb Mähren mit ihren gewaltigen Ranbgebirgen eine ibealc Aus- marschdasis gegen bas Reich feien, war bie tragischste Stunbe ber tschechischen Geschichte. Denn bamit verkaufte Benesch ben neuen Staat an ein Konsortium von Mächten, für bie ein Daseinsrecht ber Tschecho- Slowakei nur solange gegeben war, als sie bereit war, ihren machtpolitischen Absichten zu dienen. Er
England weicht ans.
Heuchlerische Ausreden aus dem Munde des britischen Außenministers.
Konrad Henlein spricht zum Prager Deutschtum. Die neue Ordnung im böhmisch-mährischen Baum ist endgültig und unabänderlich
Holzwirischast vor neuen Aufgaben.
Die Reichstagung ber Forstwirtschaft unb bie richtungweisenbe Rebe bes Reichsforstmeisters Genc- ralselbmarschall Göring hat bie Aufmerksamkeit auf ein besonders wichtiges Gebiet der Landbewirt- chaftung unb zugleich Rohstoffversorgung gelenkt.' Holz a l s Roh- unb Werkstoff hat in ben vergangenen Jahren nicht nur in Deutfchlanb, ondexn überall in ber Welt an Bebeutung gewon- len. Der Bebarf an Holz, befonbers an Zell- f o f f unb Bauholz, ist gestiegen, und die Möglichkeiten ber Deckung biefes Bedarfes sind nicht nur in Deutschland begrenzt. Ein Raubbau, der am Walde getrieben wird, gefährdet nicht nur bie Ertragsfähigkeit ber Forsten, unter ihm leibet auch bie Landwirtschaft. Generalfelbmarschall Göring hat auf bas Beispiel Italiens verwiesen. Jahrhunderte und Jahrtausende haben dort die verschiedenen Völker ben Walbreichtum verwüstet, bis ber Faschismus zu ber Erkenntnis gekommen ist, baß er ft ber Walb ihm mieber bas notroenbige Klima unb die Fruchtbarkeit in erhöhtem Maße liefert. „Vernachlässigte ober verödete Flächen können unter Umständen allen Nachbarn schaden, weil auch Boden- ftruftur und Witterungsverhältnisse in Mitleidenschaft gezogen werden."
Jeder Waldbesitzer muß sich als Lehnsmann feinem Volk gegenüber fühlen. In demselben Maße wie Italien diesen Gedanken im Aufbau einer schlagkräftigen Forstorganisation unb in einer planmäßigen forstlichen Aufbauarbeit verwirklicht hat, hat bie deutsche Forstwirtschaft bie Grunblagen ge- ichaffen, bie eine bessere Nutzung ber beutschen Wäl- ber ermöglichen, ohne den Gefahren einer Heber« Nutzung zu verfallen. Trotz des ständig steigenden Holzbedarfs ist in den Forstwirtschaftsjahren 1933 bis 1938 der Bedarf voll befriedigt worden. Diese Tatsache war nur möglich durch eine Steigerung ber Holzeinschläge unb durch eine holzwirtschaftliche Marktordnung. Die Mehr- nutzung gegenüber der Normalerzeugung in ben vergangenen Jahren, stieg von 139 v. H. im Jahre 1936 auf 160 v. H. im Jahre 1938. Wäre nicht in ber gleichen Zeit ber Anteil des Nutzholzes am Gefamteinschlag von 66 v. H. auf 75 v. H. gestiegen, so hätten noch höhere Mehreinschläge vor- genommen werben müssen. Durch Senkung bes Brennholzanteils, ber früher etwa 50 v. H. betrug, auf etwa 24 v. H. im Jahre 1938 unb burch anbere Maßnahmen zur besseren Ausnutzung des Holzeinschlages gelang es aber, bie Nutzholzerzeugung schneller zu steigern als bie Gesamterzeugung.
Der Gefamteinschlag Großbeutschlanbs für bas Jahr 1939 (ohne Memelland unb Böhmen unb Mähren) wirb voraussichtlich 72 bis 73 Millionen Festmeter betragen. Dabei wirb ber Nutzholzanteil voraussichtlich wieberum um 3 v. H., d. h. auf 78 v. H. gesteigert werben. Trotz biefer Erfolge bfcr beutschen Forstwirtschaft ist eine weitere Leistungssteigerung crforberlid), besonders nachdem es nicht mehr möglich ist, den steigenden Holzbedarf aus einer Erhöhung des Gesamtholzeinschlages zu decken. Es ist auch nicht damit zu rechnen, daß der auf über 80 Millionen Festmeter Derbholz bezifferte Gefamtbedarf in absehbarer Zeit zurückgeht. In dieser Situation müssen alle Möglichkeiten ber Leistungssteigerung ausgenutzt werden. Generalfeldmarschall Göring hat daher fünf Gruppen von Maßnahmen angekündigt, die eine weitere Leistungssteigerung ermöglichen, ahne daß die Leistungsfähigkeit des deutschen Waldes in ber Zukunft gefährdet wirb.
Eine Standort - unb Vegetationskar. tierung soll bie Unterlagen für eine allgemeine wald bauliche Planung bieten, bie im Staatswalb bereits eingeleitet ist. Dann kann j c -- ber Boden in richtiger Mischung die Holzarten tragen, die auf ihm am besten gedeihen und den höchsten Ertrag bringen. Die Mittel der Bodenverbesserung, die die Landwirtschaft seit langem mit bestem Erfolg anwendet, wie Düngung, Entwässerung unb Bewässerung sowie Bodenbear-
bürdete seinem Volke unb seinem Staate eine Aufgabe auf, bie vielleicht solange tragbar schien, als Deutschland ohnmächtig zu Boben lag, bie aber in bem Augenblick zur systematischen Selbstvernichtung werben mußte, ba Deutschland seine Kräfte mieber- fanb.
Henlein betonte bann, die Tschechen sollten aus ber Geschichte lernen unb ben Mut haben, Konsequenzen zu ziehen. Es sei notroenbig, nun auch geistig abzurüsten. Das Deutschtum sei bereit, alle Feindseligkeiten zu vergessen, aber bie Aera B e - n e s ch müsse re st los liquidiert werden.
Am Schluß manbte sich Henlein mit befonberer Herzlichkeit an bie Kameraden unb Kamerabinnen. Sie seien auf biefem Boden nicht eine schwache Minderheit, sondern Träger des deutschen Hoheitszeichens von Partei unb Staat! Sie feien Kämpfer ber nationalsozialistischen Bewegung unb Soldaten bes Führers. Wer sie verunehre ober angreife, greife bas Reich an.
Staatsbesuch des bulgarischen
Ministerpräsidenten in Berlin.
Berlin, 29. Juni. (DNB) Am 5. Juli 1939 trifft ber königlich Bulgarische Ministerpräsident, Minister des Aeußeren und Kultusminister k j ässe i w a n o f f zu einem mehrtägigen Staatsbesuch in der Reichshauptstadt ein. Ministerpräsident Sjosseiwanoff wird von seiner Frau und seiner Tochter sowie von mehreren hohen bulgarischen Regierungsbeamten begleitet.


