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Kündigung und Entlohnung in der Landwirlschast

des Wirtschaftsgebietes Hessen.

Eine Anordnung des Reichsireuhänders der Arbeit.

FWD. Die Durchführung des Vierjahresplanes forme die Erzeugung§schiacht erfordern die Anwen­dung jeglicher Maßnahmen, die geeignet sind, eine Beeinträchtigung dieser Aufgaben auch durch die Entwicklung der Löhne und der sonstigen Arbeitsbe- dingungen innerhalb der deutschen Landwirtschaft zu verhindern. Um dem immer stärker anftreten- den Arbeitsplatzwechsel und den damit verbundenen für die bäuerlichen Betriebe nicht tragbaren Lohn­steigerungen entgegenzutreien, hat der Reichstreu­händer Dr. Schmetter angeordnet, daß künftig das Arbeitsverhältnis von Gefolgschaftsmitgliedern, die auf unbestimmte Zeit eingestellt sind, nur einmal im Jahre, und zwar im Regierungsbezirk Wies­baden und im Lande Hessen zum 31. Januar und im Regierungsbezirk Kassel zum 31. Dezember mit zweimonatlicher Frist gekündigt werden kann. Außerdem hat der Reichstreuhänder angeordnet, daß

neueingestellte Gefolgschaftsmitglieder für die ersten drei Monate höchstens den Lohn erhalten, den sie an ihrer letzten Arbeitsstelle einschl. sämtlicher Zu­lagen erhielten. Außerdem dürfen die zur Zeit ge­zahlten Lohnsätze nur bei Dorliegen besonderer Lei­stungen und nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Reichstreuhänders der Arbeit überschritten wer­den. Das gleiche betrifft die Gewährung bzw. Er­höhung sonstiger Zulagen irgendwelcher Art, wie Wegegelder, Sonntagsgelüer, Trennungszulagen, Verpflegungszuschüsse, Deputate, Treueprämien usw.

Es ist zu wünschen, daß durch die neue Anord­nung des Reichstreuhänders der Arbeit eine Be­ruhigung in den landwirtschaftlichen Betrieben ein­tritt und dadurch mit dazu beigetragen wird, der vom Führer gestellten Aufgabe der Ernahrungs- sicherung des deutschen Volkes zu enffprechen.

RationalisierungLeistungssteigerung.

Abschluß der ersten DAF.-DortragSreihe.

Die erste VortragsreiheGegenwarts- und Zu­kunftsfragen der deutschen Wirtschaft" der Abteilung für Betriebsführung und Verufserziehung in der DAF. fand am Freitag ihren Abschluß mit dem Vortrag des Dipl.-Jng. B i l l h a r d t vom Amt für Betriebs führung und Berufserziehung der DAF., Berlin, über das ThemaDie deutsche Ra­tionalisierung als Mittel der Leistungssteigerung".

Der Redner befaßte sich zunächst mit dem Begriff Rationalisierung, wie er aus der liberalistisch- materialistischen Zeit in schlechter Erinnerung haf­ten geblieben ist, weil die damals betriebene Ratio­nalisierung nicht gehalten hatte, was sie versprach. Es habe ernster Überlegungen bedurft, um diesen Begriff überhaupt in die nationalsozialistische Auf­bauarbeit zu übernehmen. Im Grunde genommen bedeutet dieses von Ratio Vernunft abge­leitete Wort.vernünftig machen". In früherer Zeit war man daran gegangen, Fließbänder aus Ame­rika und Methoden aus anderen Ländern bei uns einzuführen. Es gab damals schon Warner vor diesem Ueb ertragen amerikanischer Methoden auf Europa und vor allem auf Deutschland. Die Zeit hat diesen Warnern recht gegeben! Diese Ratio­nalisierung mußte versagen, weil an ihrem Anfang die Rentabilitätsrechnung stand. Erst die weltan­schauliche Wandlung hat eine neue Voraussetzung für die Anwendung der Rationalisierung gegeben. Während früher die menschliche Arbeitskraft dem Geldwert gleichgesetzt wurde, ist jetzt der Mensch über alle materiellen Dinge gesetzt. Führer und Ge­folgschaft sind jetzt die Hauptfaktoren.

Die Rationalisierung, die jetzt angestrebt wird .und die eine deutsche Angelegenheit ist, ist gekenn­zeichnet durch drei Hauptmerkmale:

1. durch eine hervorragend geordnete Gemein­schaft in dem Betrieb, der die Maschinen möglichst vollkommen zugeordnet sind, damit die Gemein­schaft die höchsten Leistungen erzielen kann; in diesem Falle wird als vernünftig angesehen, was die Leistung der im Betriebe beschäftigten Menschen hebt und steigert.

2. dadurch, daß jedes Gefolgschaftsmitglied Trä­ger des Willens zur Rationalisierung ist, wie er nach höherem Wunsche auch Willensträger der Ent­scheidungen des Führers sein soll, was namentlich der deutsche Arbeiter in letzter Zeit überall dort, wo er eingesetzt wurde, bewiesen hat.

3. muß die Grundlage einer Verbesserung im Be­trieb geschaffen werden, wie das durch die Norma­lisierung und Typisierung vielfach, aber noch nicht überall erreicht wurde.

Die entscheidende Rationalisierungsmaßncchme im Betrieb muß nicht nur hingenommen, sondern mit­gemacht werden. Dabei werden nicht nur manche Betriebe hinfällig werden, sondern auch mancher

Arbeiter in andere Berufe oder Wirffchaftszweige hineinwachsen müssen. Diese nüchternen Tatsachen werden aber allseitig richtig erkannt werden, wenn den Betroffenen das große Ziel vor Augen gestellt wird. Die Leistungssteigerung wird sich in allen Betrieben ermöglichen lassen, wenn der einzelne Mann mit dazu herangezogen, für die Mitarbeit gewonnen und interessiert wird. In jedem Betrieb läßt sich, wie der Redner an praktischen Beispielen anführte, eine Leistungssteigerung herbeiführen, wenn nicht betriebsblind vorgegangen, sondern mit Energie und Umsicht alte Gewohnheiten gewandelt, auf hochwertige Arbeitsweisen hingewiesen und für jeden Arbeiter der richtige Platz ausgesucht und ge­schaffen wird. Voraussetzung für dieses Gelingen wird immer die innere Haltung des Betriebsfüh­rers und feiner Gefolgschastsmitglieder fein. Der Reichst)erufswettkampf und der Leiftungswettkampf der Betriebe mit dem Ziele des Musterbetriebes sind wertvolle Hilfsmittel in dieser Richtung. Schon jetzt gibt es Beweise dafür, daß durch vernünftiges Vorgehen die Leistungssteigerungen Formen von ungeahntem Ausmaß annehmen.

Diese Leistungssteigerung ist notwendig, wie der Redner ausführte, um Öen, Lebensstandard des deutschen Menschen zu heben, der jetzt schon »seinen Volksempfänger hat, demnächst seinen Volkswagen erhält und der auch zu der Vierzimmerwohnung, wie sie jetzt schon geschaffen wird, kommen muß. Sie hat aber auch eine weitere Bedeutung auf wehrwirtschaftlichem Gebiet zur Sicherung unserer Freiheit und dient nicht zuletzt den kulturpolitischen Aufgaben, die der Führer dem Volke gestellt hat, damit, wie die Dome des Mittelalters, die repräsen- tablen Bauten von heute den späteren Generationen von der Größe einer Zeit künden, in der ein Führer das Großdeutsche Reich geschaffen hat. Wenn es den Betriebsführern gelingt, für diese Zwecke Ar­beitskräfte freizumachen, dann dient er diesen kulturpolitischen Zielen des Führers. Eins aber ist dabei zu beachten, daß nicht durch falsche Behand­lung ein für das Werk des Führers gewonnener Volksgenosse enttäuscht wird, sondern daß durch eine verständnisvolle Führung das ganze Volk begeistert wird, sich für diese politischen Notwendigkeiten rest­los einzusetzen.

Autounfall bei Harbach.

Reiskirchen, 30. Mai. Auf der Straße GießenGrünberg ereignete sich am 1. Pfingstfeier- tag um 10 Uhr in der Gemarkung Harbach ein Verkehrsunfall. Ein Gießener Kaufmann, der mit Frau und Kind im Auto war, fuhr gegen einen Baum. Die Insassen des Wagens erlitten glück­licherweise nur leichte VerleAingen, mußten aber

Firma ein Betriebsappell statt, bei dem der Be­triebsführer und der Betriebsobmann dem Jubi­lar die herzlichsten Glückwünsche übermittelten. Don der Direktion wurden ihm an feinem, ge- fchmückten Arbeitsplatz, wie auch von der Gefolg- fchaft schöne Geschenke überreicht. Im Auftrage der DAF. übergab der Betriebsführer ihm die Ehren­urkunde der Gauwaltung.

* Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 19. dis 25. Mai ein gegen Kraft­fahrzeugführer mit 17 Anzeigen und gebühren­pflichtigen Verwarnungen; gegen sonstige Fahrzeug­führer mit einer Anzeige; gegen Radfahrer mit sechs Anzeigen und 11 gebührenpflichtigen Ver­warnungen.

** Drei Verletzte bei einer Schläge­rei. In der Nacht zum 1. Pfingstfeiertag kam es zwischen mehreren jungen Leuten von hier und von auswärts, die offenbar ,pi viel Alkohol zu sich ge­nommen hatten, zu einer Auseinandersetzung, die in eine schwere Schlägerei ausartete. Drei der Kampfhähne mußten mit Gehirnerschütterung, Blut­ergüssen und Verletzungen im Gesicht der Chirur­gischen Klinik zugeführt werden.

** Ein rücksichtsloser Sonntag sr ei­te r. Aus unserm Leserkreis wird uns geschrieben: Am ersten Pfingstfeiertag, vormittags zwischen 11 bis 11.15 Uhr, ritt auf einem hellbraunen, mittel­schweren Pferd ein junger Mann in rücksichtslosester Weise in den Wiesen links hinter der Bergschenke herum. Nachdem er die dort gelegene Kiesgrube umritten hatte, sprengte er im Galopp mitten durch die Wiesen dem Walde zu. Dabei ist jede Hand voll Futter Volksgut! Ganz besonders aber verwerflich ist das Verhalten des betreffenden Sonntagsreiters, weil die Wiesen jetzt vor dem ersten Heuschnitt stehen.

Allerlei Unfälle.

In der Nacht zum ersten Feiertag stürzte der Kantinenwirt Heinrich Gans von hier so unglück­lich mit dem Fahrrad, daß er mit einer schweren Kopfwunde der Chirurgischen Klinik zugeführt wer­den mußte. Da die Wunde durch Verschmutzung bei dem Sturz erheblich infiziert worden war, hat sich das Befinden des bedauernswerten Mannes leider ernst gestaltet.

Der 19 Jahre alle Rangierarbeiter Heinrich Lotz aus Allendorf (Lahn), der auf dem Bahnhof Gie­ßen beschäftigt ist, stieß mit dem Kopf gegen einen Signcllmast, wobei er schwere Verletzungen erlitt, die seine Ueberführung nach der Chirurgischen Klinik erforderlich machten.

Der Pflastermeister Richard Wagner in Krof­dorf erlitt bei einem Unfall eine schwere Gehirn­erschütterung und Verletzungen im Gesicht. In Dornholzhausen (Kr. Wetzlar) wurde die 20 Jahre alte Anna Watz durch einen Schuß in den rechten Unterarm verletzt. Der Schuß war beim unvor­sichtigen Hantieren einiger junger Leute mit einer Schußwaffe losgegangen und traf das zufällig in diesem Moment vorübergehende Mädchen. Beide Verunglückte mußten nach Gießen in die Klinik gebracht werden.

Beim Aufspringen auf den Zug löblich überfahren.

* Höchst a. d. Nidder (Kr. Büdingen), 29. Mai. Am heutigen 2. Pfmgsffeiertag, etwas nach 14 Uhr, ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof ein Un­glücksfall, dem leider ein junger Mann 3 um Opfer fiel. Der 21 Jahre alte Maurer Richard Quanj aus Höchst a. d. Nidder wollte auf den von Stockheim kommenden und im Banhof Höchst (Nidder) bereits im Ab fahren begriffenen Z u g in Richtung HeldenbergenVilbel aufspringen. Dabei glitt'der bedauernswerte junge Mann von dem Wagen ab, stürzte unter den Zug und wurde überfahren. Schwerverletzt wurde er zunächst nach feiner Wohnung und dann auf ärzt­lichen Rat nach Friedberg zum Krankenhaus ge­bracht, jedoch verstarb er. bereits auf dem Wege dorthin an seinen schweren Verletzungen.

Win mann n»ie taufenö andere

Roman von Konraö Trani

Copyright by Carl Ouncker Verlag, Serlfn W35

2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Der Kriminalbeamte erklärte sich bereit, aeduldig zu warten, bis der Arzt die Dernehmungsfähigkeit Voigts festgestellt hatte. Auch der Journalist wäre damit durchaus einverstanden gewesen und be­dauerte nur, daß ihm grob mitgeteilt wurde, daß Herr Voigt niemand zu empfangen gedächte.'

Der Bankier lag still und totenblaß auf einer bequemen Couch. Die Hönde lagen rnüd gefallet auf der dunklen Seidendecke. In seinen Augen war ein tiefer Schreck und ein großes Verwundern. Der Kriminalbeamte lächelte beruhigend und ausrnun- ternd.

Na, da hätten wir wieder einmal Glück gehabt, Herr Voigt, nicht wahr? Und wenn es Sie wirklich nicht aufregt, möchte ich Sie bitten, mir genau zu erzählen, wie Sie eigentlich in diese scheußliche Situation gerieten."

Darüber habe ich die ganze Zeit nachgedacht, Herr Kommissar", stöhnte der Bankier.So lange ich noch Atem hatte, habe ich darüber nachgedacht; und es war mein erster Gedanke, als ich wieder Luft bekam ..."

Bitte?" erkundigte sich der Kriminalist und machte erstaunte Augen.Fangen wir der Einfach­heit halber ganz von Anfang an"

Der Anfang war, daß ich zur gewohnten Zeit in die Bank ging. Die Post sah ich durch, ich sprach mit ein paar Klienten. Die meisten kenne ich recht gut, aber es waren auch zwei Fremde darunter. Dann"

Wann?"

,Lch weiß es nicht, ich habe nicht auf die Uhr gesehen stand auf einmal ein Herr neben mir"

Wie sah er aus, Herr Voigt? Geben Sie mir eine möglichst genaue Personenbeschreibung!" sagte der Beamte.

Der andere zögerte.

Er war mittelgroß und hatte entweder dunkel­blonde oder lichtbraune Haare. Nicht hübsch, nicht häßlich. Recht gut angezogen, aber nicht übertrieben elegant ... Ein Herr, wie tausend andere in dieser Stadt. Wenn ich Mich erinnere, hat er einen braun- grauen Mantel angehabt. Aber ich kann mich irren. Der Herr hat mich so gar nicht interessiert."

Was wollte er?"

Er erkundigte sich nach dem Kurs und der Ver­zinsung von englischen Papieren. Ich habe mich ein bißchen gewundert, daß er sich an Mich wandte statt an meine Beamten, aber es gibt Menschen, die ders Ansicht sind, der Chef wisse alles besser. Das kenne ich ... Ich blätterte nach und gab ihm die Auskunft. Dann fragte er mich, ob ich ihm ein ober das andere Papier zeigen könnte. Auch recht, dachte ich Mir, stand auf uno machte die Tür der Stahlkammer auf, um ein paar Staats- ober Jnduftriepa piere herauszuholen und vorzulegen. Ich habe mich über feinen Wunsch nicht einmal gewundert, einem Bankier kommen die merkwürdig­sten Menschen unter die Augen. Und die Idee, sich das hübscher aussehende Papier zur Vermögens­veranlagung auszusuchen, ist zwar blitzdumm, aber nicht ungewöhnlich ..."

Und dann?"

Dann dann drehte ich mich um. Um hinaus- zugehen. Aber die Panzertür der Stahlkammer war zu. Einfach zu! Zuerst war ich so erstaunt, daß ich bloß die Tür anglotzte ... Dann kriegte ich es mit der Angst und schrie. Dis mir einfiel, daß mein sinnloses Gebrüll kostbaren Sauerstoff verbrauchte. Ich trommelte mit den Absätzen gegen die Stahl- platten, obwohl ich wußte, daß keine Menschenseele mich hören konnte. Dann legte ich mich nieder und bemühte mich, meine Atemzüge ganz oberflächlich und sparsam zu halten. Und ich habe furchtbare Angst gehabt, um so größere Angst, als ich das Ganze einfach nicht verstand ... Ich verstehe es noch immer nicht."

Voigt brach ab und lag ganz füll. Seine Frau, die neben ihm faß, ftteichelte facht feine Hände.

Wer würde aus ihrem Tod Nutzen ziehen?" fragte brutal der Kriminalist.

Niemand", kam prompt die Antwort.Weder meine Familie noch meine Konkurrenz. Meine Ar­beitskraft ist einiges wert, und ich brauchte nicht viel für mein Person. Und die Konkurrenz weiß, daß ich in meinem Sohn einen Nachfolger habe. Abgesehen davon, daß ich niemanden wüßte, der zu so drastischen Mitteln griffe

Haben Sie einen Feind?"

Jeder Mensch hat Feinde und ein Bank mann erst recht. Aber keinen Todfeind."

Voigt dachte mit gerunzelter Sterne nach. Er ließ die großen und kleinen Scharmützel seines Pri- vctt- und Berufslebens an sich vorbeiziehen. Nein! Diese Meinungsverschiedenheiten wurden nicht mit 1 Mord aus getragen höchstens mit Angriffen auf

die Kasse, für die die Börse und nicht ein Sauer- ftoffgebläfe das geeignete Werkzeug war.

Sie haben also den vermutlichen Täter nie ge­sehen?"

Sicher nicht. Ich habe ein gutes Personenge­dächtnis."

Kennen Sie ihren Retter, diesen Peter Jlke?"

Nein, aber ich möchte ihn kennenlernen", sagte Joses Voigt.

*

Zur gleichen Zeit vernahmen zwei Kriminal­beamte die Angestellten des Bankhauses Voigt, um nur wieder festzustellen, was für unglaublich schlechte Beobachter sogar recht kluge Leute sind.

Unter der vorsichtigen Führung von zwei Sach­verständigen plagten sich acht erwachsene Menschen, eine Liste all derjenigen zusammenzubringen, die im Verlaufe von anderthalb Stunden den Bankraum betreten hatten.

Der erste, der kam, war Dr. Hammer", sagte überzeugte der Kassierer.

Wer nein, der erste war der Rechtsanwalt ... Wie heißt er nur? Ja richtig! Rechtsanwalt Cur- tius!"

Der erste, der kam, war der Telegraphenbote", warf Fräulein Lauer ein und wurde mit Ver­achtung gestraft. Denn erstens interessierte sich kein Mensch für einen harmlosen Telegraphenboten, zweitens war der erst gegen zehn Uhr gekommen, nachdem schon eine Reihe von Menschen die Bank passiert hatten.

Nach endlosen Fragen schien den Krimmalbeam­ten ftstzustehen, wieviel alte Klienten des Bank­hauses dort ihre Aufwartung gemacht hatten. Jetzt kam das viel schwierigere Kapttel: die Beschreibung der Unbekannten!

Brille? Keine Brille? Haarfarbe. Dunkler Man­tel oder heller Mantel? Größe. Alter. Acht Men­schen nahmen zu jeder Frage mit Erbitterung Stel­lung, widersprachen sich in allem und jedem. Einer redete von A, wahrend der andere voll Eifer offen­bar B beschrieb.

Es war zwei Uhr vorbei, als die Angestellten endlich zu einem späten Mittagessen enttassen wur­den und die Beamten ihre Auszeichnungen ein­packten und ins Amt wanderten.

Vier Personen männlichen Geschlechts und eine rundliche Dame in mittlerem Aller, die dem Bank­haus Voigt unbekannt sind, haben heute dort zu tun gehabt", sagte nachdenklich der eine.Auf die Per­sonenbeschreibungen mit Ausnahme des Pelz­mantels der Dame, der von der Stenotypistin ge­schildert wurde, würde ich mich in keinem einzelnen Fall verlassen."

doch ärztliche Hllfe in Anspruch nehmen. Das Auto wurde schwer beschädigt und mußte abgeschleppt werden.

Jleftbau mit Erbsenreisern.

= Friedberg, 29. Mai. In dem Kreisort Masfenheimbei Vilbel hat sich in diesem Früh­jahr erstmals ein Storchenpaar eingefunden, von jung und alt natürlich freudig begrüßt. Auf einer hohen Ulme am Erlenbach wurde mit dem Nestbau begonnen. Dabei wußten sich die klugen Tiere zu helfen. Sie Hollen sich das nötige Bau­material aus den benachbarten Kleingärten, deren Besitzer nicht wenig erstaunt waren, als auf den Erbsenbeeten hier und da Erbenreisig verschwunden war. Selbst an die Reisighaufen eines Bauernhofes im Dorfinnern wagten sie sich heran undklauten" sich dort, was sie zum Bau der Wohnung benötigten.

Landkreis Gießen.

Z Steinbach, 30. Mai. Landwirt Heinrich Krämer II. kann heute, 30. Mai, feinen 71. G e - b u r t s t a g feiern. Er erfreut sich noch einer guten Gesundheit und kann fleißig in der Landwirtschaft arbeiten. Herzlichen Glückwunsch.

Oie Sommer- und Herbstferien im Kreis Wetzlar.

* Wetzlar, 28. Mai. Der Landrat hat im Ein­vernehmen mit dem Kreisschulrat und dem Bezirks- bauernführer für die Gemeinden des Kreises Wetzlar mit Ausnahme der Stadt Wetzlar unter Be­rücksichtigung der landwirtschaftlichen Bedürfnisse die Sommer- und Herbstserien für das Schuljahr 1939 folgendermaßen festgesetzt: Sommerferien von Donnerstag, 27. Juli, bis Frei­tag, 18. August, das find 23 Tage; Herbstferien von Montag, 18. September, bis Samstag, 7. Oktober, das sind 20 Tage. Auf Antrag des Ortsschuloor- stehers kann der Beginn der Sommer- und Herbst­ferien um 7 oder 14 Tage vor- oder nachoerlegt werden. Hierbei ist auf die Sommerfahrten des Jungvolks Rücksicht zu nehmen.

Kreis Wetzlar.

> Dutenhofen, 28. Mai. Unsere Gemeinde beabsichtigt, eine neue Dreschhalle zu bauen. Durch die schlechte Witterung des vorigen Jahres, die oft das Dreschen unmöglich machte und wodurch viel Schaden entstand, kam der Wunsch, eine Dresch- halle zu bauen, zumal die meisten Landwirte ihre Frucht im Freien dreschen. Die Gemeinde ist bereit, die Dreschhalle zu erstellen. Man hofft, daß sich die Fertigstellung bis zum Sommerdrusch noch ermög­lichen läßt, vorausgesetzt, daß die zuständigen Stellen die erforderlichen Holzmengen zur Verfügung stellen, womit in Anbettacht der Dringlichkeit des Baues gerechnet wird.

Rundfunkprogramm

Mittwoch, 31. Zltai.

5 Uhr: Frühmusik. 5.50: Bauer, merk auf! 6: Nachrichten. 6.05: Morgenlied Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. Es spielt dos Or­chester Hermann Hagestedt. In der Pause, 7: Nach­richten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 8.40: Froher Klang zur Werk­pause. Es spielt der Gaumusikzuq Schlesien. 9.30: Gaunachvichten. 11.40: Ruf ins Land. 12: Werks­konzert in Verbindung mit der NS.-Gemeinschaft ,Lraft durch Freude". 13: Nachrichten. 13.15: Mit­tagskonzert. Es spielt das große Orchester des Reichssenders Stuttgart. 14: Nachrichten. 14.10: Neue tänzerische Musik. 16; Aus dem Kurpark Bad Wildungen: Nachmittagskonzert. ' Einlage:Das Mikrophon unterwegs". 18: Hier spricht der Jurist: Wie kommt eine Strafsache zustande? 18.15: Auf gut deutsch ... 18.30: Pflege deutscher Hausmusik. Es spielt die Spielschar Arheilgen-Darmstadt der Hiller-Jugend. 19: Fliegendes Deutschland. Unsere kleinsten Flugzeugkonstrukteure. 19.15: Tagesspie­gel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. (Jnousttie- Schallplatten und Eigenaufnahmen.) 20: Nachrich­ten. 20.15: OrchesterKonzert. (Jndustrie-Schallplat- ten und Eigenaufnahmen.) 21:Rothschild siegt bei Waterloo". Hörspiel nach dem gleichnamigen Büh­nenwerk. Don Eberhard Wolfgang Moller. 22: Nachrichten. 22.15: Kammermusik. Werke von Jo­seph Haydn. 23 bis 24: Musik aus Wien.

Natürlich nicht. Uebrigens halte ich es für nicht ausgeschlossen, daß es doch fünf Männer waren ... Am besten, wir rufen durch die Zeitung und den Rundfunk auf, sie sollen sich melden."

Der Richtige meldet sich nicht", warf der erste ein.

Nein, aber die Unrichtigen werden ausgeschattet. Melleicht fällt den Herrschaften doch etwas zu dem einen Fehlenden ein."

Peter Jlke war geräuschlos aus dem Bankhaus verschwunden, als feine Arbeit getan war, und ging friedlichen Herzens, mit dem Gefühl, wirklich ein gutes Werk getan zu haben, in das Hotel zurück. Er wunderte sich, wie besonders devot der Portter ihn begrüßte. Denn Peter wußte nicht, eine wie wichtige Persönlichkeit Josef Voigt mar. Und wußte nicht, wie wenig Aufregendes in der friedlichen Mittelstadt vorfiel jahraus, jahrein ...

In der Halle sprangen vier Herren bei feinem Anblick hoch, als wären sie elektrisiert worden. Mer Reporter wollten ihn fermenlemen, vier Re­porter wollten alles wissen!

Der junge Mann sah sich bestürzt um. Gab es keine Möglichkeit zu fliehen? Er hatte ein gutes Werk getan. Warum solltt er nun dafür so bestraft werden? Seine braunen Augen waren gar nicht mehr heiter und zufrieden. Nichts haßte er mehr als solch ein Aufheben! Peter stöhnte, aber er ergab sich in sein Schicksal.

Straßburger von Geburt. Dreiunddreißig Jahre alt. Verheiratet. Besitzer einer kleinen Fabrik für Präzisionsmafchinen. Ansässig in Lyon? Toulon? Toulouse? (Die Journalisten schrieben mit großer Geschwindigkeit, um dem raschen Diktat zu folgen. Wo war er daheim. Sie verstanden bas Wort nicht, und so kam es, daß in vier verschiedenen Zeitungen vier verschiedene Orte angegeben wurden.)

Wie kam es, daß Sie gerade im richtigen Augen­blick auftauchten?" fragte einer energisch. Aus so nackten Tatsachen ist kein Bericht zu machen!

Ich halte mich feit drei Wochen in Ihrem Lande auf. Teils aus Vergnügen Deutsch ist schließlich meine Muttersprache, teils um mich umzusehen, ob ich nicht hierzulande einen zweiten Betrieb taufen* und ausbauen kann. Ich ging über die Hauptstraße, als ich bemerkte, daß in der Frauengasse irgend etwas los sein mußte. Da ich genau so neugierig bin wie meine übrigen Mitmenschen", grinste Peter, habe ich mich dazu gedrängt. Na ja und so kam es eben."

Wieso gelang Ihnen eine Arbeit, bei der ein erfahrener Schlosser versagte?"

(Fortsetzung folgt.)