Ausgabe 
30.3.1939
 
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iger bezahlt sowie Arbeitskleidung ilos zur Verfügung gestellt. Sie

rufe offen.

Bezahlung der Zeierlagsarbeit am Ostermontag

Dos Ausleselager der Studentenführung, über das mir bereits gestern berichteten, nahm am Mittwoch seinen Fortgang. Die Teilnehmer hatten am Vor­mittag eine Klausurarbeit zu schreiben, welcher The­men zugrunde lagen, die in der mündlichen Eig­nungsprüfung entstanden waren. Diese Themen setzten voraus, daß sich der überdurchschnittlich be­gabte Abiturient bereits mit den Dingen beschäftigt haben muß, die in der Richtung des von ihm be­absichtigten Studienganges lagen.

Unter dem gleichen Gesichtspunkt standen die mündlichen Referate, die die Abiturienten am Nach­mittag zu halten hatten und die ihnen Gelegenheit gaben, zu zeigen, daß sie der Aufgabe der vortrags­mäßigen Gestaltung irgendeines fachwissenschaft­lichen Stoffes gewachsen sind.

Zwischen der Klausur-Arbeit und den mündlichen Vorträgen war der weltanschauliche Teil des Aus­leseganges eingeschaltet. Dabei hatten die Teilneh­mer zu weltanschaulichen Zeitfragen Stellung zu nehmen, die sich sowohl auf die politischen Ereig­nisse der letzten Tage, als auch die Aufgaben der in Kameradschaften des Studentenbundes zusammen­gefaßten Hochschulmannschaft zum Gegenstand hat­ten. Dieser Teilabschnitt des Ausleselagers wurde von Amtsträgern des NSDStB. (Eisenkrämer, Geißler, Roeschen, Wollte, Schmelz und Scheidt), wie von dem Vertreter des Bri-

haben. Die Prüfung von 245 Volksgenossen wurde von der Motorstandarte 147 abgenommen.

Im Bereiche der Motorstandarte 46, Hanau, wur­den bis zum 1. März 4782 Volksgenossen für die Erwerbung des Führerscheines Klasse 4 geschult, davon haben bisher 1920 die Prüfung abgelegt.

Im Bereiche der Motorstandarte 49, Frankfurt a. M., wurden bis zum 1. März 2050 Volksgenossen geschult, die die Prüfung abgelegt haben. Hiervon wurden im Verbände mit der Polizei 1400 geprüft, durch die Polizei allein 650. In dieser Zahl sind die geschulten NSKK.-Männer sowie die Motor-HF. nicht einbegriffen. /

wird, gilt bei den Mädeln nach den neuen Bestim­mungen auch als w e i b l i ch e s P f l i ch t j a h r.

Die zum Landdienst Einberufenen bekommen die A n re i s e zum La; ' '" f

Am 22. dieses Monats wurde der erste Lehrgang, der in Verbindung mit der DAF. stattfand, mit Ab­legung der Prüfung beendet. An diesem Lehrgang beteiligten sich 50 Angehörige der DAF. Weitere

Der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirt­schaftsgebiet Hessen, Dr. Schmetter, hat unter dem 27. März 1939 auf Grund der Verordnung des Beauftragten für den Dierfahresplan über die Lohngestaltung vom 25. Juni 1938 eine Anord­nung über die Lohnzahlung an Wochenfeiertagen erlassen, die in seinen Amtlichen Mitteilungen vom 5. April 1939 abgedruckt ist. Durch die Anordnung wird bestimmt, daß alle Gefolgschaftsmitglieder, die an den in der Verordnung vom 3.12.1937 benannten Wochenfeiertagen, das sind Ostermon­tag, Pfingstmontag, evtl.' 1. und 2. Weihnachts­feiertag, Neujahrstag und am 1. Mai arbeiten, statt der bisherigen unterschiedlichen Feiertags­zuschläge nunmehr einen einheitlichen Fe-iertags- zuschlag von 100 v. H. erhalten. Ausgenommen von dieser Regelun>g sind lediglich die Gefolg­schaftsmitglieder, deren Tätigkeit ihrer Natur n ad) von jeher eine Arbeit an den Feiertagen vorsieht und die dafür auf Grund von bestehenden Be­stimmungen und Vereinbarungen einen arbeits­freien Tag an einem anderen Wochentag erhalten. Hierzu gehören insbesondere die Gefolgschaftsmit­glieder, die in den lebenswichtigen Betrieben B e - reitschaftsdienst haben, die im G a st ° st ättenge werbe tätig sind, ferner Wächter und solche Gefolgschaftsmitglieder, die gerade für die Arbeit an solchen Tagen besonders vorgesehen sind. Sie erhalten bereits durch die geltenden Tarifordnungen durch Erhöhung ihrer Stunden­

löhne oder Wochenlöhne einen angemessenen Ausgleich.

Da jedoch beobachtet wurde, daß Gefolgschafts­mitgliedern, die z. B. am 1. Mai arbeiten mußten, dafür einen unbezahlten freien Tag an einem anderen Wochentag erhielten, hat der Reichstreuhänder der Arbeit angeordnet, daß der Feiertagszuschlag für die Wochenfeiertage durch Freistellung an einem anderen Werktag nur dann ausgeglichen werden darf, wenn dieser andere Werktag bezahlt wird. Der Sinn der Anord­nung des Generalfeldmarschalls Göring über die Lohnzahlung an den Wochenfeiertagen vom 3. De­zember 1937 ist nämlich, daß den Gefolgschafts­mitgliedern der Wochenfeiertag nicht dadurch ge­stört werden darf, daß sie in dieser Woche durch Ausfall eines Arbeitstages weniger verdienen, als in den anderen Woche-n. Bei den Gefolgschafts­mitgliedern, die in Wochen- oder Monatslohn stehen, wäre der ersatzweise gewährte freie Tag Nicht besonders zu vergüten, da für sie keine Min­derung in ihrem Durchschnitttseinkommen eintritt.

Diese Anordnung, die nicht für die Betriebe des öffentlichen Dienstes gilt, wird erstmalig am Ostermontag dieses Jahres wirksa m. Man kann diese Anordnung nur begrüßen, da sie die vielen Unklarheiten und Unstimmigkeiten, die sich in den letzten Jahren herausgestellt haben, nunmehr beseitigt.

Fähnlein 21 musiziert.

Das Fähnlein 21Gorch Fock" (Spielschar) trat om Mittwoch mit einem kleinen Musikabend im Studentenhaus an die Oeffentlichkeit, der sehr freundliche Aufnahme fand. Die Pimpfe zeigten trotz der knappen Zeit, die ihnen für die Vorbereitung zur Verfügung stand, gute Leistungen. Sie gaben sich auch redliche Mühe, den Abend vielseitig und abwechslungsreich zu gestalten. Es war darum schade, daß der Besuch zu wünschen übrigließ.

Im Studentenhaus wiesen Zeichnungen der Musi­kanten, den Pimpf mit den einzelnen Instrumenten darstellend, einladend den Weg zum großen Saal. Auch dieser war mit Zeichnungen und Fahnen­schmuck ausgestaltet. Durch den pünktlichen Beginn zeigten die Pimpfe, daß sie ernst genommen werden wollen. Der Abend, der den Abschluß der Arbeit des Fähnleinführers Hans Eckhardt darstellt, der jetzt in den Arbeitsdienst einrückt, wurde mit

Auslese-Lager der Gießener Sludenlensührung

Fortsetzung und Abschluß.

gadeführers, SA.-Obersturmführer Muth durch- gcführt. Aus dem Lehrkörper der Universität hatten sich die für die Beurteilungen der übrigen Leistun­gen der Abiturienten die Professoren,Dr. Elze, Dr D o g e l, Dr. A u l e r , Dr. H a l l, Dr. Kroll­pfeiffer, sowie der Assistent des historischen Se­minars Dr. Klaß zur Verfügung gestellt.

Im Rahmen des Ausleselagers zeigte sich bei einem großen Teil der Einberufenen ein erhebliches Maß geistiger Beweglichkeit, weltanschaulicher Festig­keit und körperlicher Einsatzbereitschaft, so daß für einen großen Teil der Teilnehmer' an diesem Aus­leselager Mittel des Reiches für die Förderung des Studienganges eingesetzt werden können.

Ein Kameradschaftsabend, den die jungen Abitu­rienten selbst auszugestalten hatten, schloß sich an. Die Abiturienten warteten, nach der Begrüßung durch den Leiter des Lagers Diplom-Volkswirt Grebe, mit einer Reihe von humorvollen Vor­trägen aus dem Stegreif auf, die von den Gästen (Dozenten und Kameradschaftsführern) mit lebhaf­tem Beifall ausgenommen wurden. Prof. Dr. Elze gab in einem kurzen Vortrag eine Darstellung des wahrhaften Begriffes und der Auffassung von der akademischen Freiheit", die er als eine aus dem Studenten heraus freiwillige Verpflichtung zu ernster wissenschaftlicher Arbeit verstanden wissen will.

und Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie erhalten bet freier Kost am Familientisch des Bauern nnö bei freier Wohnung in einem sauberen und wohnlichen Heim je nach ihrem Alter monatlich 10 bis 30 Mark Lohn. Ihre Arbeitszeit ist ge­nauestens festgelegt; ein halber Tag in der Woche ist freigegeben. Die Jungen und Mädel erhalten eine zusätzliche Berufsschulung, außer­dem wird ihnen Gelegenheit zur Teilnahme an land­wirtschaftlichen Sonderkursen gegeben. Dem Land- * dienstler stehen damit alle landwirtschaftlichen Be-

Lornotizen.

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Bel Ami". Licht- . fpielhaus (Bahnhofstraße):Ich verweigere die Aus- sage". Frühjayrsmarkt (Schaumesfe) aus Os­wald sgarten.

Vorfahrtsrecht beachten...!

Strenge Strafen für Verkehrssünder.

Innerhalb unserer Stadt, wie auch in ganz Ober- Hessen, wird gegenwärtig aus Anlaß der Derkehrs- erziehungstage vom 27. März bis 6. April der Stra­ßenverkehr durch die Beamten der Polizei dzw. der Gendarmerie, einer zeitweiligen Kontrolle unter­zogen. Die Kontrolle gilt diesmal besonders den Vorschriften über das Vorfahrtsrecht, d. h. die Be­amten richten ihr besonderes Augenmerk auf die Einhaltung der Bestimmungen über die Vorfahrt und haben Anweisung, gegen jeden Verkehrssünder ouf das strengste vorzugehen. Zu diesem Zweck nehmen die Beamten an den Einmündungen von Nebenstraßen auf Hauptverkehrsstraßen Ausstellung und beobachten die Verkehrsteilnehmer auf ihr Ver­halten.

Als Ergebnis der bisherigen Kontrollen rann er­freulicherweise mitgeteilt werden, daß sich die Kraft­fahrer, also Auto und Motorradfahrer, bereits sehr exakt an die Bestimmungen halten und damit dazu beitragen, Verkehrsunfälle zu verhüten. Am 27. Marz und 28. März brauchten bei den mehr­stündigen Kontrollen nur zwei Kraftfahrer ange­halten und zur Anzeige gebracht zu werden. Sie haben damit zu rechnen, daß ihnen der Führerschein auf zunächst unbestimmte Zeit entzogen werden wird.

Demgegenüber muß leider davon berichtet werden, daß sich die Radfahrer noch lange nicht so um die Verkehrsoorschriften kümmern, wie es bei dem ge­steigerten Verkehr in unserer Stadt unbedingt er­forderlich wäre. Wie wir nach Rücksprache mit Po­lizeileutnant Fischer hören, mußten in diesen beiden Tagen allein zehn Radfahrer zur Anzeige gebracht werden, weil sie das Vorfahrtsrecht nicht beachteten. Diese Radfahrer haben damit zu rechnen, daß ihnen ; auf einige Zeit das Fahrrad entzogen wird, so daß sie also in der nächsten Zeit ihre Wege zu Fuß gehen müssen. Darüber hinaus müssen die zur An­zeige gebrachten Verkehrssünder an einem Beleh­rungsabend teilnehmen, der durch das NSKK. durch­geführt wird.

Die Kontrollen werden fortgesetzt! Angesichts dieser Tatsache empfiehlt es sich für jeden Verkehrs­teilnehmer, sich endgültig dazu zu bequemen, das Vorfahrtsrecht zu beachten. Vor allem werden die Radfahrer gut tun, sich vor Augen zu halten, daß es für die nächste Zeit keine freundliche Er­mahnung mehr geben wird, sondern mit stren - gen Strafen unweigerlich zu rechnen i ft. In größeren Abständen werden in der nächsten Zeit weitere derartige Verkehrskontrollen stattfin­den, die sich dann auf einen anderen Teil der Reichs­straßenverkehrsordnung erstrecken werden.

Saft 15000

für bett Führerschein 4 geschult.

NSG. Im Gau Hessen-Nassau finden zur Zeit die Schulungen und eine große Anzahl Prüfungen für den Führerschein der Klasse 4 durch das NSKK. statt, lieber die bisher vom NSKK. geleistete Arbeit können dabei heute folgende Zahlen genannt werden:

Im Bereiche der M o t o r st a n da r t e 147, -...... -

Gießen, wurden bis zum l.März 1940 Volks- Lehrgänge dieser Art sind in Alsfeld, Homberg, genossen geschult, die auch die Prüfung abgelegt Lauterbach und Grunberg in Vorbereitung.

Marschweisen des Spielmannszuges und des Fan» ssrenzuges eingeleitet. Mit einem Fahnenlied mit Instrumentalbegleitung, das das Wollen der Jugend zum Ausdruck brachte, und nach einem von einem Pimpf vorgebrachten Spruch sprach Jungbannführer Taesler davon, daß mit der Bildung der Spiel- .schar neben der körperlichen Ertüchtigung und der sozialen Förderung sowie der weltanschaulichen Schulung auch die kulturelle Arbeit in der HI. früh­zeitig eine Pflegestätte finde.

Der erste Teil des Abends war dann bestimmt von Ehorgesängen. Es kamen Landsknechtslieder, alte Volkslieder und Kanons zu Gehör, die durch die frischen Stimmen und die strgffe Führung ihre Wirkung nicht verfehlten und starken Beifall fan­den. Dazwischen zeigten die Pimpfe auch, daß sie auch das Spiel auf der Blockflöte verstehen.

Der zweite Teil des Abends brachte Instrumental­musik. Zunächst trat ein Streichquartett auf, das unter Klavierbegleitung einen erfreulichen Beweis feines Könnens gab. Dann kam die Ziehharmonika, und zwar im Orchester, im Zusammenspiel zweier und mehrerer Pimpfe, aber auch im Solospiel zur Geltung. Die Pimpfe hielten Takt und Rhythmus und zeigten gutes Können, so daß es nicht an Bei- fall fehlte.

Giehener Dochenmarktpreife.

* Gießen, 30. März. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, deutsche Eier, Klasse S 13, A 12%, B 12, C 11%, D 10%, Weißkraut, % kg 13 bis 14, Rotkraut 17 bis 18, Karotten 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 35, Unterkohlrabi 9 bis 10, Feldsalat, Vio 12 bis 15, Tomaten, % kg 35 bis 45, Zwiebeln 15 bis 16, Meerrettich 40 bis 70, Schwarzwurzeln 30 bis 40, Kartoffeln, % kg 5 bis 7 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,95 Mark, Nüsse, % kg 45 Pf., Blumenkohl, das Stück 40 bis 50, Salat. 60, Salatgurken 85, Lauch 5 bis 15, Sellerie, % kg 40 bis 50, Radieschen, das Bündel 20 öis 25 Pf.

*

** Mieterjubiläum. Die Familie Ludwig Hartmann (Lokomotivführer a. D.) wohnt am 1. April ununterbrochen feit 30 Jahren im Hause Frankfurter Straße 95. Das lange Mietoerhältnis zeugt von gutem Einvernehmen zwischen Mieter und und dem Hausbesitzer Karl O 11.

** Fe st genommen. Wie die Kriminalpolizei mitteilt, wurden dieser Tage ein 34jähriger Mann wegen Betrug und Urkundenfälschung und außer» dem ein etwa 30jähriger Mann wegen widernatür­licher Unzucht festgenommen. Letzterer wurde in das | Amtsgerichtsgefängnis gebracht.

//Hessischekrastfahrtechnische Prüfstelle^

Lpd. Da r m st a d t, 29. März. Vom 1. April 1939 an gilt die Hessische D a m p f k e s s e l i n s p e k - t i o n äls aufgelöst. Die bisher bei dieser Dienst­stelle für die Prüfung der Kraftfahrzeuge, Kraft­fahrzeugführer und Fahrlehrer zuständigen beamte­ten und nichtbeamteten Sachverständigen sind mit dem dazugehörigen Büropersonal zu einer selb­ständigen Dienst stelle zusammengefaßt, die die BezeichnungHessische kraftfahrtech­nische P r ü f ft e 11 e" führt und ihren Sitz in Darmstadt, Heinrichstraße 56, hat.

Meterhohe Schneeverwehungen im Westerwald.

Lpd. Rennerod, 29. März. Im hohen Wester- wald sind sehr starke Schneeverwehungen zu ver­zeichnen. Der in einer der letzten Nächte über die Höhen des Westerwaldes hinweggegangene -ötwrm hat Schneeverwehungen verursacht, die meterhoch sind und streckenweise jeden Verkehr unmög- l i ch machen. Viele Kraftwagen liegen Tag für Tag dort auf den Straßen und müssen mit großer An­strengung wieder flott gemacht werden.

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33 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Ich denke, wir gehen jetzt für ein paar Stunden schlafen, Fräulein. Sie haben sich ja überzeugt, daß unser Patient in besten Händen ist. Am Nachmittag dürfen Sie wiederkommen", sagte der kleine rund­liche Dr. Kistenmacher zu Paula Gieseke und legte ihr die Hand auf die Schulter.

Das Mädchen erhob sich mit tauben Gliedern, denn es hatte, um den Kranken nicht zu stören, lange in unbequemer Stellung gesessen. Paula hatte ein ausgeleertes, hoffnungsloses Gesicht, und wenn sie notgedrungen sprach, klang ihre Stimme brüchig vor Tränen, die nicht geweint werden durften. Sie warf einen letzten Blick auf den Geliebten, der mit maskenhaft starren Zügen und geschlossenen Augen in seinen Kissen lag und kaum merklich atmete. Die Hand schon auf dem Türgriff, drehte sie sich noch einmal gegen Dr. Holl, der ihr vertrauter war, und flüsterte:

Ich folge, ich gehe. Aber was ist, wenn er stirbt, während ich nicht da bin?"

Wenn etwas Besonderes ist, rufen wir Sie, Fräulein Gieseke", erwiderte Dr. Kistenmacher an Holls Stelle.Sie müssen nicht so viel Angst haben. Herr von Tinser hat eine Bärennatur, obwohl er schlank und feingliederig ist. Sie müssen sich merken: immer die Dünnen machen das Rennen. Was Sie ins Bockshorn jagt, ist diese lange Bewußtlosigkeit. Sie wird vergehen, wenn der Bluterguß, der aufs Gehirn drückt, aufgesogen ist. Ich will nicht sagen, daß der vorliegende Fall harmlos ist, beileibe nicht, das wäre ja unverantwortlich aber ich meine, Sie sollen Mut haben, liebes Fräulein."

Paula neigte den Kopf mit dem sehr hellen, aus­gebleichten Haar und schlich aus dem Zimmer. Als sie gegangen war, sagte Dr. Kistenmachen leise:

Hattest du davon eine Ahnung, Holl?"

Nein, aber ich mag die Gieseke. Sie ist ein prachtvoller Mensch. Hoffentlich meint es Tinser ehrlich mit ihr."

Nicht gut zu sprechen auf den Mann?"

Holl zuckte die Schulter und wendete sich ab. Er murmelte:

Glaubst du, daß etwas zurückbleibt, wenn er es durchreiht? Eine posttraumatische Lähmung oder jo?"

Kann man nie wissen, Holl."

Kistenmacher, ich möchte dich um eine Gefällig­keit bitten."

Wenn ich es machen kann, gern."

Ich möchte dich bitten, mir nach der Visite eine Einspritzung zu machen", sagte Holl zögernd.

Wenn's weiter nichts ist!"

Du weißt doch, daß ich die ganze Zeit her an so einer Blutgeschichte arbeite?"

Weiß ich, mein Lieber. Das ist aber auch alles. Der alle Moltke konnte nicht schweigsamer sein als du. Willst du nun endlich damit herausrücken?"

Sei nicht böse, Kistenmacher. Ich habe gefürchtet, mich zu blamieren. Aber jetzt habe ich es doch ge­schafft. Ich habe alles hinter mir bis auf den letzten Versuch, den ich an mir selbst vornehmen möchte. Ich habe drüben im Labor ein Röhrchen Blut, Gruppe A wie das meinige, vier Tage alt, Konser­vierung ärztlichem Ermessen nach einwandfrei ge­lungen. Ich möchte dich ersuchen, mir das einzu­spritzen", sagte Dr. Holl seelenruhig.

Kistenmacher sah Holl entgeistert an.Vier Tage alt? Mensch, du bist ja übergeschnappt!" Er legte dem Kollegen die Hand auf die Schulter und sagte in dem sanften Ton, den er sich für leicht erregbare Patienten reservierte:Sieh mal, Holl, das habe ich gleich gewußt. Zuviel Arbeit ist von Hebel. Du bist ein bißchen überarbeitet, mein Guter. Da hat man zuweilen so vertrackte Ideen. Du mußt ausspannen. Du mußt dich hinlegen und einmal vierundzwanzig Stunden durchschlafen. Vielleicht anderthalb Schlaf­tabletten zuvor. Das wird dir guttun. Ich erbiete mich von Herzen gern, den heutigen Dienst allein zu machen. Kommt mir nicht darauf an. Du kannst dich ja gelegentlich mal erkenntlich zeigen. Ein Mensch, der ausgeschlafen hat, ist gleich ein ganz anderer Kerl, ja?"

Holl schüttelte die Hand des andern ab und seufzte.

Kistenmacher, red doch nicht so blöd daher. Mir fehlt ja gar nichts. Du verstehst mich nicht. Ich habe wirklich ein Verfahren entdeckt, mit dem man Blut begrenzte Zeit haltbar machen kann. Schau doch nicht drein wie ein gestochenes Kalb. Das mit der Vertretung ist nett von dir, und ich nehme es dan­kend an. Aber jetzt zur Hauptsache. Machst du mir die Einspritzung oder machst du sie nicht?"

Ich mache sie nicht!" legte der andere los, so laut, als es in einem Schwerkrcyikenzimmer g'erade noch angängig war.Ich bin doch nicht vom wilden Hahn gebissen! Du bist ja verrückt, Mensch!"

Der Tierversuch hat großartig geklappt..."

Laß mich mit deinen Tierversuchen aus. Ein Mensch ist ein Mensch. Wenn etwas passiert, Blut­pfropfbildung, Haemolyse, Vergiftung oder so ein Dreck dann sitze ich drin, und dann hilft mir kein Deubel und kein noch so schöner Tierversuch. Mit so einer wilden Sache will ich nichts zu tun haben, mein Lieber. Sprich doch mit Brettschneider erst. Dann werden wir ja sehen", erhitzte sich der andere und war voller Abwehr.

Die Sache war die, daß er an Holls Entdeckung nicht recht glaubte'oder höchstens mit vielen Vorbe­halten. Er hatte oft genug erlebt, daß Entdeckungen, die mit großem Trara von ihren Urhebern hinaus­posaunt wurden, ernsthafter Nachprüfung nicht standhielten. Und da kam so ein siegesgewisser junger Mann und mutete ihm zu... Man war doch schließ­lich schon ein bißchen länger beim Bau als dieser Holl. Hatte der wirklich einen Fund gemacht, gut, dann war die nächste Instanz der Geheimrat.

Ich werde deinen Rat befolgen und mich auf mein Zimmer zurückziehen, Kistenmacher", sagte Holl kurz.

Du wirst keine Dummheiten machen?" fragte der andere mißtrauisch.

Ich denke, daß ich über dieses Alter hinaus bin. Wiederschauen!"

Holl ging aus dem Krankenzimmer und holte sich im Labor die beiden Gläschen mit dem Blut der Anna Schwiebus aus dem Brutschrank. Das Er­gebnis war genau wie erwartet. Röhrchen A zer­setzt, Röhrchen B unverändert und mikroskopisch ohne Tadel. Vom Labor ging Holl, nach einem klei­nen Abstecher in den Opetationssaal, auf sein Zim­mer. Er schrieb einen ZettelBin ausgegangen" und heftete ihn außen an die Tür. Dann nahm.er den Kragen ab, zog die Hausschuhe an und ent­ledigte sich des Rockes. Sodann wusch er sich mit Sorgfalt die Hände und füllte die mitgebrachte Re­kordspritze mit dem Inhalt des Röhrchen-s B. Er tat all dies ohne Hast, aber mit vielen* Gedanken. Daß der gute KistSnrnacher ihn im Stiche ließ, erschwerte das Vorhaben, aber verhinderte es nicht. Er, Holl, hatte einen langen Weg zurückgelegt, hatte über viele Hindernisse gemußt, und nun kam die letzte Hürde. Er wand sich ein zusammengedrehtes Hand­tuch um den Oberarm, um das Blut in den Adern zu stauen; dann reinigte er die Ellenbeuge mit Aether und stach die dicke Nadel der Rekordspritze in die größte der vorspringenden Denen. Es gelang nur schwer und tat ziemlich weh, weil er nur eine Hand zur Verfügung hatte.

Bevor er den Spritzenstempel niederdrückte, er» wog er alles noch einmal. Ferkel 6 hatte vorhin, genau vierundzwanzig Stunden nach der Einsprit» zung, noch gelebt und würde quickmunter auch für» derhin leben. Würde der Versuch an Menschen nun genau so ausfallen? Theoretisch war das anzuneh» inen, aber in der Praxis stellten sich bei derlei 23er» suchen oft unvorhergesehene Zufälle ein, uner­wünschte Begleiterscheinungen, wie das bei jeder Erfindung, die noch in den Kinderschuhen steckt, zu sein pflegt. Das durfte einen aber nicht abschrecken. Um den'Wert der neuen Entdeckungen zu beweisen, mußte einer den Anfang machen.

So sehr Holl von der Lösung seiner Aufgabe über» zeugt war, so wenig gab er sich darüber einer Täm schung hin, daß das Experiment nicht ungefährlich war. Jeder der unerwünschten Zufälle, die Kisten« macher vorhin an die Wand gemalt hatte, konnte tatsächlich eintreten, ein Herzschlag, Vergiftung ober ähnliches. Es brauchte nur eine Winzigkeit in dem Blut der Anna Schwiebus anders sein als in ge­wöhnlichem, eine Möglichkeit, die sich Wissenschaft' licher Nachprüfung vorerst noch entzog.

Drüben auf dem Schreibtisch lagen, säuberlich ordnet und aufgestapelt, die Aufzeichnungen übtt seine Versuche, angefangen vom ersten AufdämmeNi der Idee bis zum letzten Eintrag über F 6, der um 10.45 Uhr erfolgt war. Wenn Holl jetzt ein)*15 Menschliches zustieß, konnten andere das Werk fort' setzen und sich über die Fehlerquellen den Kopf 3er' brechen. Fertig!

Holl drückte langsam den Stempel nieder, uno 00 Blut des Mädchens Anna strömte in fein eigens über. Dann zog er die Nadel mit einem Ruck <*u der Ader und überklebte die Einstichwunde w' Heftpflaster. Ferner nahm er den Handtuchkneoei ab und ging zur Ottomane, auf der er nun viel Stunden würde ruhen müssen. Nachdem er sich ' sichtig zurechtgebettet hatte, begann sein Hirn na und sauber zu arbeiten, wie es gewöhnt war.

Der erste Gedanke hatte etwas mit Befriedigung zu tun, Holl empfand eine tiefe und heimliche Freu darüber, daß er die Einspritzung bis jetzt ohne spu bare Wirkung vertrug. Nichts von Atemnot, nicy von Unbehagen oder noch Schlimmerem. Alles ga wie sonst; man mußte dankbar sein. Schade, ö Kistenmacher nicht da war. Man hätte ihm so I) alle Selbstbeobachtungen diktieren können. war ein famoser Mensch, nur zu ängstlich u d wenig verantwortungsfreudig. Holl stellte Dr. K 1 macher beiseite und beschäftigte sich mit feinem nen Werdegang.

(Fortsetzung folgt Q