ltt.76 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)Donnerstag. 30. März 1959
Aus der Stadt Gießen.
„Das hat noch 3eif!"
Wir kennen sie alle, diese Methode des Hinaus- schiebens, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit angewandt wird: „Das hat noch Zeit!" Nur keine unnötige Eile, immer hübsch gemütlich und fort mit jeder schädlichen Aufregung. Morgen ist ja auch noch ein Tag, viel besser wird es sein, wenn man dje Sache erst mal beschläft. Also ab- wartsn, ruhig abwarten. Und so wird dann gewartet bis morgen und übermorgen und bis zur nächsten Woche. Aber auch dann hat die Sache natürlich immer noch Zeit, sie hat sogar Zeit, bis sie endgültig vergessen ist und sich auf diese Weise eines Tages als verpaßte Gelegenheit erweist. Was dann allerdings gewöhnlich sehr fatal ist.
So ist der Mensch! Während gewisse Dinge für ihn unbegreiflich viel Zeit haben, hat er wiederum für andere Dinge gar keine Zeit. Man braucht ihm nur einmal zu sagen, daß er an der Tyeater- garderobe einige Minuten warten muß, flugs zieht er die Uhr und behauptet, keine Zeit zu haben. Derselbe Mann aber läßt die Aufforderung, etwa eine briefliche Auskunft zu geben, tagelang in seinem Büro liegen und erklärt unerschütterlich, das habe noch Zeit, es könne immer noch erledigt werden. Würde man ihn allerdings auf diesen Widerspruch aufmerksam machen, so hätte er totsicher die Entschuldigung, das wäre es ja gerade, weil er keine Zeit besitze, könne er nicht alles erledigen. Was nicht brennend eilig sei, habe selbstverständlich noch Zeit.
Zweifellos: es gibt Dinge, die einer ruhigen Ueberlegung bedürfen und deshalb nicht aus dem Handgelenk geschüttelt werden können, aber es gibt ■and) andere Dinge, die keine Hinauszögermng vertragen. Gewöhnlich ist es jedoch so, daß ihre Bedeutung miteinander verwechselt wird. Dem Manne, der die Erledigung notwendiger Dinge von einem Tag zum anderen verschiebt, erscheint es ungeheuer wichtig, daß gerade jene Angelegenheit eine sofortige Regelung erfährt, die wahrhaftig besser noch aufgeschoben würde. Wodurd; es dann häufig zu Zwistigkeiten mit unliebsamen Folgen kommt, die den Unverständigen zu der falschen Erkenntnis verleiten, daß er von der undankbaren Welt immer wieder verkannt wird.
Es gehört zur Lebenskunst, die richtige Ordnung der Dinge zu sehen und sich auch mit ihnen ausein- 1 anderzusetzen, wenn sie unbequem erscheinen und ' fid) nicht ohne weiteres in das tägliche Gleichmaß einfügen lassen. Das Hinausschieben einer dringen- iben Verpflichtung ist ebenso falsch wie die impulsive Erledigung einer Sache, für die eine ruhige Beurteilung unumgänglich ist. Abwegig erscheint aber auf jeden Fall alles pflcgmatische Hinauszögern. Und deshalb enthält jenes alte Sprichwort eine -goldene Regel, die uns allen geläufig sein sollte: .„Was du fcute kannst besorgen, das verschiebe nicht -auf morgen." II. W. Sch.
HZ., Bann und Zungbann 116.
Sozialstelle.
Betr. Tagung der Sozi al stelle am *2. April in Bad-Nauheim. Die Tagung Sbeginnt pünktlich um 10 Uhr. Zur Teilnahme am Mittagessen habe ich alle Sozialwarte und Sozial- nreferenten angemeldet, die sich nicht entschuldigt Haben.
Betr. Dienstanzug der HI. und des D I.. Id) bitte alle Kameraden, die Uniformen in ihrem Besitz haben und nicht mehr tragen können, Diese zur Weiterverwertung an bedürftige Ig. bei Der Sozialstelle, Gießen, Seltersweg 52 II, Zimmer 4, abzugeben.
Betr. Zugehörigkeit zur SA. Ich bitte inochmals alle SA.-Angehörigen, die auch noch in Der HI. als Sozialwart oder Sozialreferent Dienst Machen, ihre Ueberweisung oder Beurlaubung bei Der SA. zu beantragen. Auch id) bin bereit, dies non hier aus zu veranlassen. Alle übrigen Soziick- roartc, die der Partei angehören, haben auf dem Bestätigungsantrag zu vermerken, daß sie sich zur, HI. angemeldet haben.
Der Leiter der Sozialstelle: Emrid). 1
Neue Gtadtplan-Tasel am Bahnhof.
<
-
m ■
Im Laufe des gestrigen Tages wurd^ am Bahnhofsvorplatz eine neue Stadtplantafel unmittelbar an dem Treppenaufgang zur Friedrichstraße aufgestellt. Die Tafel dient der raschen Orientierung der Fremden in der Stadt und wird sicherlich ihren Zweck erfüllen. Der Stadtplan hat eine sehr sorgfältige und schöne Ausgestaltung erfahren. Die Zeichnung steht Har und in bunten Farben vor weißem Hintergrund, die Farben sind so gehalten, daß man mit einem Blick Häuser, Straße, Wiese, Wald, öffentliche Gebäude, Lahn und Bachläufe, Eisenbahn usw. erkennen kann. Das Bild zeigt zu kleinen Teilen auch die nunmehr vor der Eingemeindung stehenden Orte Klein-Linden und Wieseck, die allerdings nicht in vollem Umfang ausgenommen werden konnten, da sonst
der Maßstab der Abbildung zu klein geworden wäre. In einer Nebenkarte ist das Stadtinnere besonders wiedergegeben, so daß dadurch die Straßenzüge größer' und deutlicher gezeigt werden konnten, als es im Gesamtplan möglich war. Der Plan befindet sich hinter Glas und Rahmen. Zur linken und zur rechten Seite sind einige Bilder untergebracht, die dem Fremden sck)öne Bauwerke innerhalb der Stadt und schöne Punkte der land
schaftlichen Umgebung zeigen. Außerdem sind Veranstaltungspläne für Theater und Kino eingefügt. Der kleine Platz, auf dem die Stadtplan-Tafel untergebracht worden ist, wird in den nächsten Tagen durch die Anpflanzung von Blumen und Büschen noch eine Verschönerung erfahren. Schon gestern konnte man beobachten, daß sich viele Volksgenossen vor der Tafel aufhielten und sie eifrig studierten.
Die Tafel wurde durch den Verkehrsverein erstellt.
Die Einfachsischlilung im Gau Hessen-Nassau.
Bei der Arbeit mit Pappe und Kleister. (Aufnahme: DAF.-Presse. sLipperichj.)
NSG. Der Gau Hessen-Nassau hat nack) der Machtübernahme auf zahlreichen Gebieten neue Wege beschritten. Einer von ihnen ist die Gin = f a ch st s ch u l u n g, geschaffen von der Deutschen Arbeitsfront und durchgeführt in verständnisvoller
Zusammenarbeit mit den Behörden des Landes Hessen. Der Grundgedanke war, daß beim Eintritt der Jugendlichen in das Arbeits- und Berufsleben oft ein halbes Jahr oder mehr vergehen, bis diese sich eingelebt und eingewöhnt haben. Diese für eine Ausbildung verlorene Zeit sollte wesentlich verkürzt werden, indem bereits in der Schule eine z u m Berufsleben hinführende Schulung vorgenommen wurde.
In Darmstadt, Eberstadt, Pfungstadt und Gießen ging man an die Verwirklichung dieser Idee. Zunächst wurden die Schüler im 8. Schuljahr erfaßt. Jetzt hat die Deutsche Arbeitsfront den Zeitpunkt der Einfachstschulung auf die Zeit vorn 7. zum 8. Schuljahr von Herbst bis Herbst festgelegt. Es wird dadurch erreicht, daß die Ergebnisse rechtzeitig vorliegen, um sie bei der Berufsberatung durch das Arbeitsamt verwerten zu können.
Wir haben einmal einen Nachmittag im Rahmen der Einfachstschulung verbracht und uns angesehen, wie es dort zugeht. Frische Jungen, meist in der Uniform des Deutschen Jungvolkes, standen am Werk. Vor ihnen lag ein rohes Stück Holz, von dem mit einem Taschenmesser ein Stück abzuschneiden und zu bearbeiten war, bis aus ihm ein glattes Holz wird, wie es z. B. als Staffelholz beim Staffellauf verwendet wird. Der aufsichtführende Lehrer, der eine gründliche Sonderausbildung erhalten hat und immer noch weiter erfährt, ließ uns auch die Arbeit an anderen Werkstoffen vorführen, wie sie in anderes Stunden verwendet werden: Eisen, Textil, Papier und Pappe. Jeder dieser Werkstoffe erfordert eine andere Arbeitsweise und zeigt damit das grundlegende Verhalten des einzelnen Jungen dem Material gegenüber und in der Arbeitserledigung.
Es war außerordentlich interessant, die Jungen
bei dieser Arbeit zu beobachten. Einer wandte rohe Gewalt an, der andere war gewissenhaft und genau. Während einige von Anfang bis Ende mit großer Geduld und Ausdauer am Werk waren, fehlte anderen diese Sorgfältigkeit und Ruhe. Dem einen lag mehr die Aufgabe weicher Glättung des Holzes, während der andere lieber den Hammer zu wuchtigem Schlag in die Hand nahm.
Trotz der Kürze und Einmaligkeit unserer Anwesenheit konnten wir uns bereits ein gutes Bild von den einzelnen Veranlagungen machen. Die ständige Beobachtung erlaubt eine fortgesetzte Verbesserung und Berichtigung dieser Bewertung. So werden die Anlagen in den einzelnen Jungen immer besser erkannt und wenn die Frage an sie heran- tritt, welchen Beruf sie wählen wollen, so bietet die Einfachstschulung eine sichere Unterlage für die Beratung und vermindert manchen Fehleinsatz mit der nachfolgenden Enttäuschung.
Seit 1936 wirh die Einfachstschulung in unserem Gau bereits durchgeführt. Während dieser Zeit hat sie sich durchaus bewährt. Hessen-Nassau steht damit auf diesem Gebiet an der Spitze und hat am praktischen Beispiel gezeigt, was "in verständnisvollem Zusammenwirken aller an einer Frage interessierten Kreise erreicht werden kann. Was hier geleistet wurde, geschah in weiser Voraussicht der Notwendigkeiten, vor die wir jetzt gestellt sind, um die Aufgaben zu lösen, die uns der Aufbau unseres Reiches stellt.
Ausgezeichnetes (Ergebnis der letzten Straßensammlung.
4000 Mark mehr als im Vorjahr.
Die Straßensammlung, bzw. die Sammlung in den Betrieben, die diesmal durch die Deutsche Arbeitsfront durchgeführt wurde, brachte ein überaus erfreuliches Ergebnis. Es wurden insgesamt 80 000 der schönen Bernsteinabzeichen verkauft. Der Betrag, der im Kreis Wetterauf aufgebracht wurde, belief sich auf insgesamt 22 910,44 Mark. In den Ortsgruppen der Stadt Gießen wurden 3402,04 Mark gesammelt. Durch die Sammlungen in den Betrieben unserer Stadt, wie auch in auswärtigen Betrieben wurden 8756,14 Mark aufgebracht. Das Ergebnis der letzten Sammlung Des Winterhilfswerks 1938/39 liegt gegenüber dem Vorjahr um rund 4000 Mark höher. Am 26. und 27. März 1938 waren nämlich 18 629,73 Mark gesammelt worden. Die jüngste Straßensammlung bewies die unverminderte Opferfreudigkeit der Bevölkerung in Stadt und Land.
Kommt zum Landdienst der HZ.
Meldeschluß endgültig am 15. April.
Um den 14jährigen Jungen und Mädeln, die in den nächsten Tagen aus der Schule entlassen werden, die Möglichkeit zu geben, sich noch für den Landdienst der Hitler-Jugend zu melden, wurde die für den 1. April angesetzte Meldefrist bis zum 15. April verlängert. Für den diesjährigen Landdiensteinsatz sind bisher über 20 000 Meldungen eingegangen, so daß die Einsatzzahl vom vergangenen Jahr schon jetzt weit übertroffen ist.
Der Landdienst, der seit seinem Bestehen Tausende von Jugendlichen dem Lande zurückgewonnen hat, nimmt alle 14- bis 18jährigen Jungen und 14- bis 21jährigen Mädel auf, die sich bei der zuständigen HI.-Dienststelle oder unmittelbar beim Gebiet melden, ärztlich untersucht und für tauglich befunden worden sind. Die einjährige Dienstzeit im Landdienst, die als Landarbeitslehre angered)net
Knegsabenteuerund Schicksal
Don Korvettm-Kapitan a D.
G G Zrhr. v. Forstner.
Unser prächtiger Kamerad Jebsen aus Apenrade tiar schon als Fähnrich z. S. aus der Marine aus- seschieden. Es reizte ihn mehr, in das Reederei- seschäft seines Vaters einzutreten, als fid) den rrengen Fesseln des. Marine-Dienstes weiter zu interroerfen. Wir bcöauernten seinen frühen Ausritt, weil mit ihm sicher ein ausgezeichneter See- Mzier unserer Marine verloren ging.
Viele von uns konnten ihn in den kommenden wahren auf Dampfern seines Vaters in Ostasien
1 i«grüßen — er war früher Kapitän geworden als mir. Bei Kriegsausbruch war er an der Westküste her Vereinigten Staaten von Amerika in San stranzisko und Umgegend im Interesse des Vater-
\ llmdes tätig. Im Frühjahr 1915 hatte er feine dor- j iigen Aufgaben in der Etappenversorgung unserer Äuslandskreuzer und andere Aufträge in ausge- ziichneter Weife gelöst. Die Entente und die Arneri-
I Inner verfolgten ihn dieserhalb. Er mußte türmen mb suchte, sich zur Heimat zwecks Meldung zum foriegsbienft durchzuschlagen.
: In San Franzisko hatte er einen Hauptmann d-s Marienburger Ordens-Regimentes kennengelernt,
' brr in ber Schlacht von Tannenberg verwunbet in rj.ssische Gefangenschaft gefallen war. Auf abenteuer- l.cher Flucht hatte sich dieser durch Sibirien über Lchina, Japan, bis nach San Franzisko durchgeschlagen.
'.Gemeinsam fuhren beide in den ersten Mai-Tagen bi5 Jahres 1915 im Pullmann-Zug von San Franzisko zur Ostküste. In Omaha, der einzigen Halte- slülle, hielt der Zug am 8. Mai. Aufgeregtes Stirn- irmgewirr auf dem Bahnsteig ließ eine alarmierende II 5riad)rid)t vermuten. Bald flogen Extrablätter in den i 3mg:
„Deutsches U-Boot versenkte Riesendampfer .Lusitania' an irischer Südküste!"
Darunter stehende erdichtete Greuelschilderungen | steigerten die Erregung der Zuginsassen auf das Um -Neuerlichste.
Mur Jebsen und fein Begleiter blieben hiervon -berührt. Sie bestellten sich im Speisewagen, was Kir wohl alle in dem Fall getan hätten, froh eine »lasche Sekt, die sie auf das Wohl der unbekannten irwlgreichen U-Boots-Kameraden leerten.
Fast wäre ihnen dies aber schlecht bekommen. Es srftte nicht viel, daß die erregten Fahrgäste sie ge-
lii
lyncht hätten, nachdem sie als Deutsche erkannt waren.
Der sachkundige Jebsen hatte in Neuyork bald falsche Pässe und Heuer auf zwei verschiedenen neutralen Dampfern besorgt. Nock) einmal wollten beide sich vor der bevorstehenden Trennung und den tags- öarauf beginnenden Anstrengungen und Entbehrungen bei einem festlichen Mahl verabschieben.
Ein wundervoller Hummer stand vor ihnen, als ein Bote der Heuerstelle zwei ölige und verschmutzte Seemannsbücher überbrachte. Beide sahen neugierig in die Bücher hinein, um ihre neue Dienststelle und den Abfahrtstermin ihrer Schiffe zu erfahren.
Jebsen hatte einen Paß als dänischer Matrose auf einem dänischen Dampfer erhalten. Als Apenrader Kind sprach er fließend dänisch. Seine Rolle konnte ihm daher nicht allzu schwer fallen.
Weit schwieriger lag der Fall dagegen bei dem Herrn Hauptmann. Schisssbienst lag ihm völlig fern, auch sprach er keine frembe Seemannssprache. Jebsen hatte ihm beshalb eine Stelle als Trimmer auf einem norwegischen Dampfer - verschafft. Dort konnte er neugierigen Blicken am leichtesten verborgen bleiben. Leider hatte er aber auch noch nie etwas von einem Trimmer gehört. Er besaß also nicht die leiseste Ahnung von dem schweren Dienst, der schon am nächsten Morgen seiner harrte.
Nun zog sich ber Hauptmann ben Smoking zurecht unb legte bie Hummergabel beiseite. Dann bewaffnete er sich mit einem Einglas, worauf er etwas angeroibert in bem breefigen Seemannsbuch blätterte, bis Jebsen ihm erklärte:
„Ja, lieber Herr Hauptmann, von morgen ab finb Sie eben Trimmer. Anbers ging es für Sie beim besten Willen nicht zu machen. Etwas umstellen werben wir beide uns nun schon müssen. Hummer wird es jetzt wohl nicht alle Tage geben."
Forschenb schaute biefer barauf Jebsen burch sein Einalas an:
„Nun gut, was fein muß, muß fein’ Aber nun sagen Sie mir bock) bitte einmal, Herr Kamerab, was finb benn diun eigentlich bie Pflichten eines Trimmers?"
Jebsen mußte über bas Urkomische dieser Situation herzlich lachen. Dann erklärte er, baß ein Trimmer nichts weiter zu tun habe, als aus ben Winkeln ber Kohlenbunker im Schweiße bes Angesichtes, meistens auf bem Bauche liegend, Kohlen bis zu ben Herren Heizern vor ben Kesselfeuern heranzu- schaffen.
Natürlid) paßte für biese Arbeit nicht Smoking unb weißes Dberbemb.
Nach beenbeter Abendmahlzeit vertauschten beide daher schleunigst ihre schönen .Gesellschaftsanzüge
bei einem Schiffshändler in ber „Abteilung gebrauchte Seemannskleibung" mit Matrosen- unb Heizerpäckchen. — Dann ging es an Borb.
Leiber hatte ber Herr Hauptmann nach seiner verwegenen Flucht, bie ihn fast um ben ganzen Erb- dall geführt hatte, jetzt zum Schluß noch ausgerechnetes Peck). Am Tage nach ber Ausfahrt wurde fein Schiff im Nebel gerammt unb mußte zurück- gefchleppt werben. Bei ber Vernehmung ber Besatzung über ben Zusammenstoß würbe ber falsche Trimmer entlarvt unb wegen Paßoergehens zu mehreren Jahren Kerker verurteilt.
Jebsen kam glücklich zur Heimat. Bei ber Untersuchung burch ein englisches Wachfahrzeug vor Dover stanb er im Einvernehmen mit bem Kapitän am Ruber. Beim Namensaufruf brauchte er sich dem auf dem Vordeck stehenden englischen Seeoffizier nur kurz durch Zuruf zu melden. Unbehelligt wurde dem Schiff bie Weiterfahrt gestattet.
Wegen feiner an ber Westküste von Amerika bem Vaterland geleisteten wertvollen Kriegsdienste, stellte der Admiralstab ihm die Wahl jeder in Frage kommenden Kommandierung frei. Er meldete sich zur U-Bootswaffe.
So stand der prächtige baumlange Jebsen eines morgens in seinem reichlich ausgewachsenen Fähnrichspäckchen aus bem Jahre 1902 in Wilhelmshaven vor mir:
„Mensch, nimm mich mit!"
Natürlich schlug ich freudig ein, wußte ich- bock), daß id) keine bessere seemännische Unterstützung als durch ihn bekommen konnte.
Leider war unser „U 28" aber erst in 14 Tagen nach beendeten Werftreparaturen fahrbereit. — Das dauerte ihm zu lange.
Er stieg auf das nächste seeklare Boot „U 36". Dieses Boot fiel als eines der ersten deutschen U-Boote am 24. Juli 1915 nördlich von Irland einer enalischen U-Bootsfalle zum Opfer („Prince Charles“).
Mit ihm blieb ber Fähnrich ber Seewehr I. Aufgebotes Jebsen. — Ein lieber Kamerad war uns entrissen, auf ben wir noch große Hoffnungen in unserer U-Bootswaffe hätten setzen können.
Hochschulnachrichten.
Dem nb. ao. Professor Dr. Arno Nagel an ber Universität Freiburg würbe unter Ernennung zum Drbinarius eine freie Planstelle in ber Mebizinischen Fakultät ber Universität Halle verliehen: er würbe zum Direktor bes bärtigen Anatomischen Instituts unb Zootomischen Instituts ernannt.
1400 Mark
für 91 Takte von Mozarts Hand.
Bei einer Versteigerung bei Puttick & Simpsons in London wurden für eine Partitur Mozarts, 91 Takte eines unvollendeten Trios für Violine, Viola und Violoncello, 120 Pfund bezahlt. „Man denkt nicht immer daran", bemerkt bäzu ein Musikkritiker, „daß Mozart 1791 in einer „allgemeinen Grube" bestattet wurde, deren Lage schon nad) wenigen Tagen nicht mehr sicher festzustellen war, wie ja aud) ber große holländische Maler Hobbernn 1709 in einem Armengrabe seinen Platz fand. Die Summe, die heute für ein paar Takte von Mozarts Hand unb für eine Lanbschaft von Hobbema gezahlt wirb, würbe bei weitem dazu ausreidjen, ein anständiges Begräbnis für ben großen Musiker unb ben großen Maler zu sichern." Mozarts Noten würben für bas Fitzwilliam-Mufeum in Cambridge gekauft, fo daß die Musikstudenten der Universität eine gute Gelegenheit haben werden, zu sehen, wie Mozart arbeitete. In derselben Versteigerung erzielten verschiedene alte Geigen gute Preise, eine, die Guadagnini 1767 in Parma gebaut hatte, 270 Pfund, eine andere von ©uarnerius 180 Pfund.
Leerstehende Siorchnester in Ostpreußen
40 v. H. Storchennester standen in Ostpreußen im vorigen Jahre leer, ein Zeichen dafür, wie groß die Abnahme des Storchenbestandes in ben letzten Jahren gewesen ist. Während nach bem Kriege bie Zahl der Störche in Ostpreußen so stark zugenom- men hatte, daß man den Schutz in den Sommermonaten etwas lockern mußte, ist jetzt das Gegenteil eingetreten. Nach ben Ermittlungen ber Vogelwarte Rossitten, bie über ein Ermittlungsgebiet von 1800 QuabratEilometer um bie Kreisstabt Insterburg herum verfügt, konnte man, wie bie Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" einem Bericht Dr. Hornbergers entnimmt, bis zum Jahre 1936 auf je 100 QuabratEilometer etwa 65 Storchennester zählen unb im Sommer 1936 runb 1800 Jungftörche feftfteüen unb beringen. Heute kommen bagegen nur noch 50 Storchennester auf ben selben Bezirk. Die Störche haben in ben beiden vergangen neu Sommern so schlecht gebrütet, daß durchschnittlich kaum ein Jungvogel auf ben Horst tarn, lieber bie Hälfte ber Paare blieben 1937 ganz ohne Nach-, wuchs. Die Störche scheinen krank und schwach aus ben Winterquartieren zurückgekommen zu sein.


