Ausgabe 
30.3.1939
 
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Abschluß in Klein-Linden

Sie Emgemeindungöverträge

Bäume gezählt. Die Ge­nf dem Gebiet des Obst-

Rückblick in Wieseck

Klein-Linden, unser Vorort im Süden, war seit­her schon auf einigen Gebieten eng mit der Stadt verbunden. Die Frankfurter Straße in Richtung Klein-Linden ist fast völlig ausgebaut, bis auf den Teil, für den die Baugenehmigung seither nicht er­teilt wurde, da damit zu rechnen ist, daß dieses Ge­lände einmal von unserer Stadt benötigt wird. Das Gelände, von den Kliniken und dem neuen Lazarett südlich gelegen, ist zum großen Teil bis auf den heu­tigen Tag Eigentum von Einwohnern aus Klein- Linden, wenn es auch in der Gemarkung der Stadt

Wieseck, das größte Dorf Oberhessens, wird am 1. April in die Stadt Gießen eingemeindet. Damit hört eine Gemeinde auf, als selbständiges Gemein­wesen zu bestehen, die eine weit über 1100jährige Vergangenheit hat. Durch seine wirtschaftliche Stärke war es Wieseck bisher immer möglich, seine Selb­ständigkeit gegenüber Gießen zu behaupten. Das Dorf verfügte schon im Mittelalter über wesentliche Einnahmequellen, die seine Bewohner an ihren Wohnsitz fesselten. Es waren Landwirtschaft, Wal­dungen, Wiesen und Weideland, die eine ausgiebige Viehzucht ermöglichten.

Dazu kam noch, daß das Wiesecker Urprodukt, der Sand, seit etwa 100 Jahren eine gute Ein­nahmequelle für die Bevölkerung brachte und sie heute noch bringt. Wurde doch der Wiesecker Sand noch um die Jahrhundertwende mit Fuhrwerken in fast alle Orte im Umkreis von 100 Kilometer ge­bracht', er fand als Bau-, Streu- und Putzsand Ver­wendung und ist besonders zu den letzteren Zwecken noch überall als derechte weiße Wissischer" bekannt. Dieses Produkt, das heute noch in großen Mengen an ollen Baustellen in unserer engeren Heimat und darüber hinaus, besonders in jüngster Zeit bei den großen Bauten in der weiteren Umgebung gebraucht wird, brachte den Wieseckern den SpitznamenSand­beutel" ein. Aber auch die Eisenindustrie im Lahn- und Dillkreis verwendet den Sand als Form­sand. An Sandgruben besitzt die Gemeinde heute noch zwei, während weitere drei Sandgruben in Privathand sind.

Aber nicht allein Sand barg unsere Gemeinde, sondern auch Lehm, Ton und Oker. War es doch Ludwig Keßler, genannt derDippelouis", der durch die Bearbeitung des Tons und die Farb­gestaltung bei seinen Erzeugnissen den Namen seiner Heimatgemeinde Wieseck in alle Welt hinaustrug. Der Oker, der zur Farbenoerwertung verwendet

men, und heute sind die beiden Gemeinden durch Freileitungen an das Elektrizitätswerk Gießen an­geschlossen.

Gas: Ein Gaslieferungsvertrag besteht nur mit der Gemeinde Wieseck, und zwar schon seit 1928. Im Gegensatz zur Elektrizitätslieferung obliegt die Ver­teilung des Gases der Gemeinde.

. Wasser: Von den beiden Gemeinden hat nur Wieseck eine eigene Wasserversorgungsanlage. Diese ist jedoch, wie oben bereits bemerkt wurde, un­genügend, so daß im Jahre 1921 ein Vertrag mit der Stadt Gießen zustandekam, in dem sich die Stadt zur zusätzlichen Wasserlieferung verpflichtete. Klein-Linden dagegen wird restlos von dem Wasser­werk der Stadt Gießen mit Trinkwasser versorgt. Die Abnahme des Wassers erfolgt an der Gemar­kungsgrenze. Die Zuleitung gehört der Stadt Gießen. Forstwirtschaftliche Notwendigkeiten.

getragen, daß die Entrichtung von Abgaben -und Ge­fällen, welche die Stadt Gießen einzieht, weiterhin in Wieseck und Klein-Linden erfolgen kann und daß Wohlfahrtsunterstützungen in Wieseck und Klein- Linden zur Auszahlung gelangen.

Die Freiwilligen Feuerwehren bleiben in Wieseck und Klein-Linden bestehen und werden zum mindesten in derselben Weise, wie dies bisher von den Gemeinden Wieseck und Klein-Linden ge­schehen ist, von der Stadt unterstützt. Es'bleibt bei dieser Regelung, bis etwa aus allgemeinen orga­nisatorischen Gründen eine Aenderung notwendig wird.

Die seither für Wieseck und Klein-Linden bestellten Feldgeschworenen bleiben für die Stadt Gießen in Tätigkeit. Auch in Zukunft wird darauf gesehen wer­den, daß die Feldgeschworenen auch aus den neuen Stadtteilen entnommen werden.

Die Schulen in Wieseck und Klein-Linden wer­den wie die Schulen in den übrigen Stadtbezirken ausgestattet. Die Schüler und Berufsschül-"- au^ Wieseck und Klein-Linden genießen beim Besuch ber' in Gießen befindlichen Schulen die gleichen Rechte und Vorteile wie die Schüler des seitherigen Stadt­bezirks Gießen.

Die beiden bestehenden Gemeindebackhäufer in Wieseck und dasjenige in Klein-Linden bleiben bis auf weiteres erhalten.

Die im Interesse der Landwirtschaft in Wieseck und Klein-Linden bestehenden Einrichtungen, ins­besondere die Faselhaltung, werden erhalten.

Wer z. Zt. in der Gemeinde Wieseck und Klein- Linden eine Metzgerei betreibt und ein eigenes vor­schriftsmäßiges Schlachthaus besitzt, ist bis zum 31. März 1942 vom Schlachthauszwang befreit. Aus­genommen von dem Schlachthauszwang bleiben bis zur reichsrechtlichen Regelung die Hausschlachtungen im Sinne des § 2 des Fleischbeschaugesetzes vom 2. Juni 1900.

Die Friedhöfe von Wieseck und Klein-Linden werden auf ihrem jetzigen Platz verbleiben. Bewoh­ner der Stadtteile Gießen-Wieseck und Gießen- Klein-Linden, die im übrigen Stadtbezirk versterben, können auf Wunsch auf den Friedhöfen ihres Stadt­teils beerdigt werden.

Aus Anlaß der Aufhebung der selbständigen Ge­markung Schiffenberg und ihrer Eingliederung in die Stadt Gießen wurde zwischen dem Hess. Staat und der Stadt Gießen Vereinbarung dahin getrof­fen, daß die Stadt Gießen die Unterhaltung der öffentlichen Wege, insbesondere des Zufahrtswegs zum Hofgut Schiffenberg und ber' dem Ausflugs- oerkehr dienenden Fußwege übernimmt. Ausgenom­men bleiben jedoch die ausschließlich der Forstwirt­schaft dienenden Wege, deren Unterhaltung dem Staat als Waldeigentümer obliegt.

Der Staat ist grundsätzlich bereit, der Stadt Gie­ßen das für die Anlegung von öffentlichen Wegen, insbesondere für den Ausflugsverkehr notwendige Gelände vorbehaltlich näherer Vereinbarung im Einzelfall und der Entschädigung für das in An­spruch genommene Grundeigentum zur Verfügung zu stellen.

nicht eines Tages in ihrer Entwicklung gehemmt und als fremde Körper im erweiterten Stadtraum liegen sollen. Die vorausschauende Raumpla­nung muß mit ihrem Verkehrsnetz auch über die Grenzen der Gemarkung Gießen hinausgreifen. Eine einheitliche Durchführung ist aber nicht möglich, wenn die Stadt nicht selbst über den Raum verfugt, den sie für die Durchführung einerRaumordnung" benötigt. Der Lebensraum der Stadt Gießen hört nicht an der Gemarkungsgrenze auf, sondern er er­streckt sich schon jetzt auf die Gemarkungen der beiden Gemeinden und auf die Gemarkung Schiffenberg, ja, er geht in Wirklichkeit noch über diese Gebiete hinaus. Es ist daher ein Gebot der Ordnung i m Raume, daß die Gemeinden Wieseck und Klein- Liqden der Stadt Gießen eingegliedert werden.

Versorgungswirischastliche Oesicytspunkie.

wurde, brachte um die Jahrhundertwende bis zum Ausbuch des Krieges den Einwohnern schöne Der- dienstmöglichkeit. In diesem Zusammenhang sei an die Farbmühle an der Badenburg erinnert, deren bauliche Reste bereits im vergangenen Jahre in städtischen Besitz übergingen und die in diesem Winter durch Sprengung beseitigt wurden.

War es noch vor 80 Jahren in der Hauptsache die Landwirtschaft, die unsere Bevölkerung ernährte, so setzte doch schon nach 1870 eine starke gewerbliche Betätigung ein, zu der die nahe Stadt Gießen und auch die Industrie die Möglichkeit boten. Besonders war es die Zigarrenindustrie, die sehr vielen. Ein­wohnern Wiesecks Erwerb und Verdienst gab. Haben doch noch heute zwei Großfirmen in Wieseck Filia­len, und hierzu kommen noch zwei einheimische Firmen. Neben dieser Hauptindustrie kam die starke handwerkliche und handelsmäßige Entwicklung. So . ist das Schreinerhandwerk in erster Linie zu er­wähnen, dazu ein Zimmergzschäft und Sägewerk, die ihre günstige Entwicklung den heimischen und nahen Waldungen mit zu danken haben. Dann kommt das gesamte Bauhandwerk, das durch die günstigen Vorbedingungen vor dem Krieg und be­sonders in den letzten vier Jahren gute Entwick­lungsmöglichkeiten hatte. Waren es vor dem Krieg Unternehmer, die den Wohnhausbau förderten erwähnt seien hier Möser und Ziegler sowie Karl Dorfeld, so waren es nach dem Kriege die Gemeinde und die Baugenossenschaft und seit 1935 die vom Reich geschaffenen Baumöglichkeiten.

Wie das Handwerk, so entwickelte sich auch der Handel. Neben dem privaten Handel waren es auch die Genossenschaften, die schon früh in Wieseck ihren Einzug hielten. Spar- und Dorschußverein vor 76 Jahren, Landwirtschaftlicher Konsumverein (jetzt Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft)

Dorfe- kamen .md) andere Notwendigkeiten-, 1904 kam der Bau Wasserleitung: 1905 wurde das Schult,aus am L.chtenauer Weg begonnen und 1906 eiligen^ i)t -fui) die Unterbringung der Gemeinde, verwalt na von der Kirchstraße, Rabenauerstraße zur Schulstraße sind Zeugen dieser Entwicklung. Als kurz vor dem Kriege die Elektrizität überall ihren Einzug hielt, war auch Wieseck sofort dabei, und 1912 wurde mit dem Bau des Ortsnetzes begonnen. Wenn auch nicht alle Einwohner sich sofort zum Anschluß an das Stromnetz entschlossen, so zwang sie der Krieg, dies sofort nachzuholen. Dieses Netz ist inzwischen schon wieder auf eine andere Volt­stärke umgebaut worden. Nach dem Kriege wurde Wieseck an die Ferngasversorgung angeschlossen. Fast alle bebauten Straßen rourbenjnit dem Kanal, netz versehen und damit auch die Straßen in Ord­nung gebracht. Der Bau der Straßenbahn Gießen- Wieseck in 1932 und die Autolinie WieseckAlten- Buseck schafften gute Verkehrsoerhältnisse zu den Nachbargemeinden. Durch den starken Zuwachs innerhalb der Gemeinde mußte auch die Wasser. Versorgung besser geregelt werden, und so kam der Anschluß an das Wasserwerk der Stadt Gießen.

Somit hat Wieseck bereits feit Jahren selbst ine besten Vorbedingungen für die Eingemeindung ge­schaffen und sich mit der Stadt Gießen verbunden. Wenn Wieseck nun als selbständiges Gemeinwesen aufhört zu bestehen und der Stadt einverleibt wird, so kann Gießen stolz sein, eine solche Gemeinde mit schönem Besitz an materiellen und ideellen Werten zu sich aufnehmen zu können.

vor 62 Jahren, Spar, und Darlehenskasse vor 541 Jahren usw.

Wenn Wieseck auch seinen landwirtschaftlichen Charakter mit dem Durchbruch des Gewerbes und der Industrie stark einbüßte, so wurde bic Land­wirtschaft nicht vernachlässigt. So wurde die Feld­bereinigung bereits vor dem Kriege in Angriff genommen, sie mußte aber durch den Krieg hinaus- geschoben werden. Ein Versuch, sie kurz nach dem Krieg fertigzustellen, scheiterte in der Inflationszeit, und so konnte sie erst nach 1924 feruggestellt wer­den. Die bereinigte Gesamtfläche betrug 7 032 315 Quadratmeter. Die gesamten Kosten, einschließlich Wegebau, Drainagen und Bewässerungsanlagen der Wiesen, betrugen' rund 2M 000 Mark. Hinzu kam noch die Ortsvermessung mit einem Ortsbauplan.

Durch die starke Umwandlung von der Landwirt­schaft zum Gewerbe- und Jndustrieort kam selbst­verständlich auch eine Ausweitung des Dorfes. So hat sich Wieseck in den letzten 40 Jahren fast ver­doppelt. Hatte es um 1900 noch zirka 400 Wohn­häuser mit rund 2500 Einwohner, 1914 = 3254 Einwohner, so find es heute 670 Wohngebäude und 4200 Einwohner. Die bebaute Fläche, die um 1900 mit der Gießener Straße, Alicestraße und Korn­blumenstraße abschloß, hat sich in den letzten vierzig Jahren fast verdoppelt. So ist noch in aller Er­innerung, daß der Johannisberg (Wirtschaft an der Marburger Straße), genannt die Marienhöhe, weit­ab vom Dorfe lag. Ebenso war es, als dieKarls­ruhe" gebaut wurde. Mit der Ausweitung des

Die infolge der Grenzänderung notwendig gewor­dene Auseinandersetzung ist durch die E i n g e - meindungsverträge der Stadt Gießen mit den Gemeinden Wieseck und Klein-Linden, beide vom 5. Dezember 1938 sowie durch die Vereinbarung zwi­schen dem hessischen Staat als Inhaber der selbstän­digen Gemarkung Schiffenberg, und der Stadt Gie­ßen am 13. Dezember 1938 näher geregelt. Der In­halt der Verträge, die von dem Herrn Reichsstatt­halter durch den eingangs erwähnten Erlaß vom 3.1.39 bestätigt wurden, soll im Folgenden kurz wiedergegeben werden:

Die Vereinigung bezieht sich auf die zur Stadt Gießen und zu den Gemeinden Wieseck und Klein- Linden gehörigen Gemarkungen sowie auf das Ver­mögen und die Schulden dieser Gemeinden. Alle Einwohner des erweiterten Stadtgebietes werden in bezug auf alle Rechte und Pflichten, welche mit der Gemeindeangehörigkeit verbunden find, sowie hin­sichtlich der Benutzung der Gemeindeanstalten ein­ander gleichgestellt. Der Bezirk der bisherigen Ge­meinde Wieseck erhält die Bezeichnung Gießen- Wieseck, derjenige von Klein-Linden die Bezeich­nung Gießen-Klein-Linden.

Das Ortsrecht ist in der Weise geregelt, daß die bisher für die Gemeinden Wieseck und Klein-Linden gültigen Ortssatzungen, Polizeiverordnungen und Vorschriften aller Art für den Stadtteil Gießen-Wie­seck und Gießen-Klein-Linden bis auf weiteres in Kraft bleiben. Bei notwendig werdenden Aenderun- gen ist jedoch auf die Bestimmungen des Einge­meindungs-Vertrages und auf den ländlichen Cha­rakter von Wieseck und Klein-Linden Rücksicht zu nehmen. Ortsbausatzungen und die Baupolizeiord­nung der Gemeinden Wieseck und Klein-Linden blei­ben ebenfalls aufrechterhalten, und zwar solange, bis die Bebauungspläne für die Stadtteile Gießen- Wieseck und Gießen-Klein-Linden festgelegt sind. Die Stadt Gießen wird zur Vermeidung von Häpten die Hebesätze der Steuer für Grundstücke für die Stadtteile Gießen-Wieseck und Gießen-Klein-Linden im Einvernehmen mit dem Herrn Reichsstatthalter in Hessen Landesregierung stufenweise bis zum 1. April 1943 den für die Stadt Gießen be­stehenden Hebesätzen angleichen. Die Hebesätze der Gemeinden Wieseck und Klein-Linden für die Bür­gersteuer werden vom 1.1.1940 an den Hebesatz der Stadt Gießen angeglichen.

Für die zur Zeit laufende Amtszeit der Rats­herrn der Stadt Gießen wird die Stadt zwei Bur­ger der bisherigen Gemeinde Wieseck und einen Bür­ger der bisherigen Gemeinde Klein-Linden in Vor­schlag bringen.

Die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Ge­meinden Wieseck und Klein-Linden werden von der Stadt Gießen übernommen. Aus sie finden die für die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Stadt Gießen geltenden Satzungen und Dienstvorschriften Anwendung.

Nach der erfolgten Eingliederung wird sowohl in Wieseck, als auch in Klein-Linden eine örtliche Verwaltungsstelle einschl. des Stan­desamts verbleiben. Außerdem wird dafür Sorge

5000 Obstbäumen befinden sich 1896 Apfelbäume, 836 Birnbäume, 81 Kirschbäume, 1840 Zwischen- bäume usw. Außerdem werden noch etwa 840 nicht ertragsfähige, also junge Bäume meindeverwaltung ging arf

baues mit gutem Beispiel voran, hielt die alten Bäume gut in Ordnung und sorgte in den letzten Jahren für genügende Neuanpflanzungen. Die jähr­lichen Obstversteigerungen brachten stattliche Beträge in die Gemeindekasse.

Die Viehzucht in unserem Dorfe nimmt von Jahr zu Jahr ab. Dazu trägt die Abwanderung vieler Landwirtssöhne in die Industrie bei, da ja die Dodenmenge zu klein ist, um alle ernähren zu kön­nen. So kommt es auch, daß heute in Klein-Linden viele Scheunen leerstehen und überhaupt nicht mehr benötigt werden. Die Viehzählung im Dezember 1938 hatte folgendes Ergebnis: 14 Pferde, 279 Stück Rindvieh, 322 Schweine, 191 Ziegen, 2747 Hühner, 175 Kaninchen, 10 Trut- und Perlhühner und 23

Bienenvölker.

Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Dorfes, die vor drei Jahrzehnten noch auf den Wochenmarkt in die Stadt getragen wurden, werden restlos im Dorf abgesetzt, viele Erzeugnisse aus den Nachbar­orten noch hinzugekauft. Die Erzeugnisse der Milch« wirtschaft, die nicht in Klein-Linden Verwertung finden, werden durch die genossenschaftliche Bewirt­schaftung nach Gießen weitergegeben.

An gewerblichen Betrieben gab es in Klein-Linden im Jahre 1933 im ganzen 82 Betriebe mit einem Beschäftigten, 37 mit 2 bis 5 Beschäftigten und 8 Betriebe mit 6 und mehr Beschäftigten, im ganzen 127 Betriebe. Don den an die Arbeit gehenden Volksgenossen arbeiten 89 in Betrieben mit 2 bis 5 Beschäftigten, 157 in Betrieben mit 6 und mehr Be­schäftigten. Jngesamt waren also 328 außerhalb Beschäftigte vorhanden. Diese Zahlen haben sich in­folge des ungeheuren Aufstieges feit 1933 mc\cntlirf) zum besseren geändert. In Klein-Linden gab es an gewerblichen Betrieben 1936: 4 Metzgereien, 3 Bäcke­reien, 2 Schlossereien, 2 Autoschlossereien, 6 Schrei­nereien, 1 Schmiede, 1 Schneiderei, 6 Weihbmde« reien, 4 Bauunternehmer und 1 Uhrmacher.

An industriellen Betrieben sind heute noch 2 vor­handen, eine Zigarrenfabrik und eine Werkstätte für Feinmechanik. Die Firma Berens (Bilstein in Wc>t- salen) hat in Klein-Linden einen Filialbetrieb mit zur Zeit 140 bis 150 Gefolgschaftsmitgliedern. Sie verarbeitet Tabake aus Deutschland und dem Aus­land. Auch in der Heimindustrie sind viele Leute aus Klein-Linden und den umliegenden Orten bei der Firma Berens beschäftigt. DieHessische Fein­mechanik" der Firma Ruhl verfertigt feinmechanische Erzeugnisse und optische Geräte.

Die Postverhältnisse sind günstig. Bis zum Jahre 1890 wurde die Post von Gießen aus durch den Landbriefträger zugestellt. Dann wurde die Post- hilfstelle eingerichtet, die im Jahre 1910 in eint Agentur umgeroanbelt wurde. 1920 wurde die Post in die Wirtschaft von Friedrich Speier, Frankfurter Straße 82, verlegt, wo sie sich heute noch befindet.

Der erste Pendelverkehr mit Autobus zwischen der Stadt und Klein-Linden wurde im Jahr 1926 ein­gerichtet. Er rentierte sich aber nicht und wurde 1927 wieder eingestellt. Die Autobuslinie GießenHoche!' heim, die Klein-Linden als erste Station berührt, konnte bis zum heutigen Tage aufrechterhalten wer« den. Allerdings genügt sie nicht mehr den Anfor« der ungen.

Klein-Linden hat einen von Jahr zu Jahr steigen- den Durchgangsverkehr aufzuweisen. Es passierttn am 2. Oktober 1936 in der Zeit von 13 bis 20 M, also innerhalb von sieben Stunden, den Ort: 64 Mo­torräder, 330 Personenautos, 42 Fernlastwagen mit 43 Anhängern, 50 Nahlastwagen und 35 Liefer­wagen. Eine private Zählung 'am 1. März dicics Jahres ergab zwischen 16 und 17 Uhr: 19 Motor­räder, 122 Personenkraftwagen, 41 Lastwagen, dar­unter 26 Nahlastwagen, 11 Fernlastzüge, zum mit einem und mit zwei Anhängern, 4 Lieferwagen und 123 Radfahrer.

In Klein-Linden selbst ist die Dertrastuna der Verkehrsmittel in derselben schnellen Weise fonfl* schritten. Heute zählt das Dorf bei etwa 2260 Ein­wohnern 74 Kraftsahrzeugbesitzer mit 5 Lastwage"' 25 Personenwagen und 44 Motorrädern.

Die Durchführung der Feldbereinigung erfaßte den Jahren 1924/25. Im Zusammenhang oam stand die Ortsvermessung und die Aufstellung eine Ortsbauplans. 1931/32 wurde der Bau der Wallt - lei hing und Kanalisation durchgesührt. Im Jay 1933 konnte das neu erbaute Spritzenhaus sein Bestimmung übergeben werden. Erst am 15. Oktov 1934 trug Die Gemeinde die Ehrenschuld an iD Gefallenen aus dem Weltkrieg und die gefallen Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung n der Errichtung des Kriegerdenkmals ab. Am . August 1935 übergab Klein-Linden als eine ersten Gemeinden des Gaues der Hitler-Jugeno eigenes Heim. 1937/38 und 1939 wurde die meftung und Bebauung der ehemaligen ,.wultiung in der Lützellindener Straße durchgeführt und v Volksgenossen der Gemeinde Gelegenheit gevore-., sich für verhältnismäßig wenig Geld einen zu erwerben. Schließlich wurde noch im^.ahre '

das neuzeitliche Schwimmbad auf her fd)

fertigqestellt und damit ein langgehegter W» > von jung und alt erfüllt.

liegt.

Die Anlagen des Bahnhofs Gießen und die Gleis­anlagen des Rangierbahnhofs reichen nach Süden weit in die Gemarkung Klein-Lipden hinein. So ist es zu verstehen, daß ein großer Teil des Per­sonals der Reichsbahn gerade in Klein-Linden be­heimatet ist. Fast in jedem Haus wohnt einer oder mehrereEisenbahner". Die Einstellung des ersten Einwohners von Klein-Linden in den Dienst der Reichsbahn geschah im Jahre 1870. Es war der Einwohner Philipp R e u s ch l i n g.

Die Eisenbahnckerwaltung benötigt sehr viel Ge­lände, um sich ausdehnen zu können, denn der Ver­kehr nahm schon in den Jahren vor dem Weltkrieg erheblich zu. Da aber der Bahnhof Gießen infolge einer LaceXkeme Ausdehnungsmöglichkeiten nach Westen, N >rhen und Osten hatte, mußte die notwen­dige Erwe-^rnng der Bahnhofsanlagen nach Süden Dorgerwrrait-n werden. Es blieb also nichts anderes übrig, als die Gleisanlagen in die Gemarkung Klein-Linden zu vchtzeaen. Damit aber wurde der Lebeysrauw von KliW-Linden kleiner.

Schon fetffe) Jähren stellt Klein-Linden nicht weniger als 16,5525 . Hektar, das sind mehr als 66 Morgen, zum T«iil recht gutes Wiesen- und Ackerland, zu,Den Bahn mlagen zur Verfügung. Die Länge der llftai.i-^eftr-Bahnanlagen innerhalb der an sich nur tteiueb' .Gemarkung beträgt 1,130 Kilo­meter, die stöln-P'tHKner- (Köln- dzw. Koblenz Gießen) Eiftnbatx durchzieht die Gemarkung in einer Länge Düii 1,375 Kilometer, und gar die Um­gehungsbahngleise laufen über 1,726 Kilometer durch Klein-Lindeper Gelände.

Auch in anderer Beziehung ist Klein-Linden eng mit der Stadt Evunden. Schon seit den Jahren 1911/12 wird der Vorort mit dem Strom des Städtischen Elektrizitätswerkes versorgt. Seit dem Jahre 1931 geschieht die Wasserversorgung von Klein- Linden durch das Wasserwerk der Stadt. Auch in der Fleischzuteilung ist Klein-Linden seit zwei Jahren ganz an die Derteilungsstelle Gießen angegliedert. Handwerker und Gewerbetreibende übernahmen Aufträge in Gießen, wie auch umgekehrt solche Be­triebe von Gießen sich an den Arbeiten in Klein- Linden beteiligten.

In bezug auf Schulverhältnisse war Klein-Linden seit zwei Jahrzehnten dem Stadtschulrat in Gießen unterstellt, während sämtliche Fortbildungs- und Be­rufsschüler die zuständigen Schulen in der Stadt be­suchten. Daß Klein-Linden auch an dem Schulbesuch in den Höheren Schulen in starkem Maße beteiligt ist, ist fast selbstverständlich. '

Klein-Linden gehört wie die Stadt und deren nähere Umgebung zum Gießener Becken. Es liegt an dem Schnittpunkt der Straßen von Nord nach Süd, der Straße mit der Nummer 3, und der Straße Ost-West mit der Nummer 49. Die Höhenlage ist fast dieselbe wie die der Stadt Gießen (160 bis 186,50 Meter über dem Nullpunkt). Der Lahnspiegel liegt bei 154 Meter.

Die letzte Volkszählung vom 10. Oktober 1938 stellt für Klein-Linden die Einwohnerzahl auf 2251 fest, im Jahre 1933 betrug die Einwohnerzahl 2090, von denen 1999 evangelisch, 25 katholisch und der Rest andersgläubig war.

In der Gemarkung Klein-Linden wird an Boden­schätzen nur Kies gewonnen, und zwar nahe der Lahn. An Wald besitzt der Vorort nur 1,3402 Hek­tar, also etwas nnhr als fünf Morgen. Die Zahl der Wohnhäuser ist in den Jahren seit der Macht­übernahme der NSDAP, ständig und lebhaft im Wachsen begriffen. War in den Jahren vor 1933 die Bautätigkeit fast völlig zum Stillstand gekommen, so begann bald nach der Machtübernahme der Auf­schwung. Im Jahre 1933 wurden 364 Wohnhäuser gezählt. Die Zahl stieg 1935 auf 377, 1938 auf 404, also innerhalb fünf Jahren um 40. Die Zahl der 1 Haushaltungen belief sich 1933 auf 537, 1935 auf : 535, 1938 avf 540, wird sich aber in 1939 wegen Zuzugs einer Reihe von Familien auf über 550 er* 1 bähen. Die meisten Häufer sind von zwei bis drei Familien bewohnt.

: Ein interessantes Bild bietet dem Beobachter ein : Blick auf die Flurkarte der Gemarkung^ Das Dorf benötigt für seine Hofreiten 10,41 Hektar = 42 Mor- 1 gen, der Flächeninhalt der Grabgärten beträgt 12.0159 Hektar - 48 Morgen. Grasgärten sind , 8.2178 Hektar = 33 Morgen vorhanden. 155,2797 Hektar = 621 Morgen werden als Ackerland ausge- ' stellt. Die Fläche der Wiesen beläuft sich auf 63,5278 Hektar - 254 Morgen. Der Friedhof erfuhr in den letzten Jahren eine beträchtliche Erweiterung. Stra- I ßen, Wege und Bäche erforderten 25,4207 Hektar l = 102 Morgen Land.

5 Der Obstbau steht auf hoher Stufe, was die im- i merhin hohe Zahl von 5000 Dbftbäumen in der ver- | hältnismähig kleinen Gemarkung beweist. Unter den

Auch vom forstwirtschaftlichen Stand­punkt ist die Eingemeindung von Wieseck zu be­grüßen. Der städtische Walddistrikt Hangelstein mit 108 Hektar ist rundum von Wiesecker Wald mit 279 Hektar umgeben, was eine Erschwerung der Bewirtschaftung mit sich bringt. Durch die nun­mehr erfolgende Eingliederung wird dieser Uebel- stand behoben und eine einheitliche Bewirtschaftung gewährleistet. Die Gemarkung Schiftenberg besteht fast vollkommen aus Wald und schiebt sich wie ein breiter Keil im Süd ost en in die städtische Gemar­kung hinein. Die Wichtigkeit der Gemarkung Schif­fenberg als Erholungsgebiet für die Bevölkerung

Betrachtet man die Frage der Eingemeindung der beiden Gemeinden Wieseck und Klein-Linden vom versorgungswirtschaftlichen Standpunkt aus, so muß man sagen, daß insoweit die Ein­gemeindung schon praktisch vollzogen ist.

Elektrizität: Bereits im Jahre 1912 trat die Stadt Gießen in die Verträge, die die ehemalige Provinz Oberhessen mit 46 in der näheren Um­gebung von Gießen liegenden Gemeinden ab­geschlossen hatte, ein und verpflichtete sich, diese Ge­meinden, darunter auch Wieseck und Klein-Linden, mit elektrischer Energie zu den jeweiligen Preisen und ßieferunasbebtnaunqen des Ueberlandwerks jenoeig.ui» üiyuiunaswvi« i»« *---------

Oberhessen in Friedberg zu versorgen. Die Arbeiten der Stadt zum Ersatz l^ die verloren gegangenen wurden seinerzeit unverzüglich in Angriff genom- Gebiete wurde bereits schon beleuchtet.