erscheint. Die Verpflichtung besteht nicht, wenn Tatsachen oorliegen, die die Besorgnis begründen, daß bei der Veranstaltung gegen staatliche oder kirchenregimentliche Anordnun- gen verstoßen wird. Schließlich kann nach der Verordnung der Evangelische Oberkirchenrat, wenn in einer Gemeinde ober einem größeren Bezirk evangelische Volksgenossen eine kirchliche Betreuung begehren, die sie wegen ihrer abweichenden Glaubenshaltung durch den geordneten Dienst des Gemeindepfarramts nicht erhalten, auf Antrag einem Geistlichen, der die Glaubenshaltung der Beteiligten vertritt, Haupt- oder nebenamtlich ihre kirchliche Betreuung übertragen.
Ein erfolgreiches Lahr der Sparkassen.
Der Geschäftsbericht der deutschen Sparkafsen- Orgamsation für 1938 liegt vor und bietet den Beweis für eine erfolgreiche Arbeit im Dienste der gesamten Volkswirtschaft. Jede neue Kapitalbildung ist ein Beitrag zur Durchführung der großen natio- nalwirtschastlichen Aufgaben des Reiches. Insofern steht der Sparer mitten im Kampf für die wirtschaftliche Selbstbehauptung des Vaterlandes. Auch die Schaffung der Reichs-Postsparkasse ist eine Verstärkung der Front des Spargedankens.
Durch den Anschluß der Ostmark und des Su- idetsnaaues hat sich das Netz der Sparkassen und i h r e r Z w e i g st e l l e n auf 14500 erweitert. 197 Kassen kamen aus der Ostmark, 156 aus dem endetenlande zum Deutschen Sparkassen- und Giro- Verband hinzu. Die Spareinlagen stiegen im Jahre 1938 um 1,96 Milliarden Mark, sonstige Ein- ! lagen stiegen um 349 Millionen Mark. Im Att- > reich stieg die Summe der Spareinlagen erstmalig «auf über 18 Milliarden Mark. Der Kreis der Spa- irer erweiterte sich wiederum, die Zahl der neu aus- igegebenen Sparbücher betrug allein im Altreich 1,8 Millionen Stück. Dazu trug die Pflege des lKleinfparwefens erl^blich bei, das durch Schulsparkassen, KdF.-Reisespartassen, HJ.-Reise- if affen, Wehrmachtsparen usw. erfolgreich gepflegt «wurde.
Die Liquidität der Sparkassen ist erheblich gewachsen. Dem mittel ständigen Kurzkre- Lit konnten 1157 Millionen Mark zugeführt wer- Len, das sind 983 Mark für den Einzel fall. Die aus- Mliehenen Hypotheken wuchsen um 700 Millionen Mark, dem Wohnungsneubau wurden 400 Millionen Mark zugeführt. An der öffentlichen Finanzierung waren die Sparkaffen ebenso wie die anderen Geldinstitute maßgeblich beteiligt. Der Spargiroverkehr hat sich wiederum er- weitert. Alles in allem bestätigt der Bericht die er- -ireulicke Tatsache, daß Sparen eine volkswirtschaftliche Losung im besten Sinne des Wortes gewor- »en ist.
Verstärkung der britischen Territorial-Armee.
L o n d o n , 29. März. (Europapreß.) Auf eine Anlage über die Territorial-Armee antwortete Ministerpräsident Chamberlain im Unterhaus, die Reaie- runa habe nicht d i e Absicht, in naher Zu- iünst die M i l i t ä r - D i e n st p s l i ch t einzu- rühren. Die Regierung halte es für notwendig, noch Weiter von dem Geist freiwilliger Dienstbereitfchaft Bebrauch zu machen. Die Regierung könne aber iicht dulden, daß Freiwillige deshalb nicht in die Herritorial-Armee eintreten könnten, weil die Ein- "eiten schon mehr als die Sollstärke erreicht hätten. Deshalb habe die Regierung beschlossen:
Die gegenwärtige territoriale Feldarmee (b. h. 3 er Teil der territorialen Armee, der nicht für die Flugabwehr in England bestimmt ist) solle von der gegenwärtigen Friedensstärke von 130 000 Mann sofort auf d i e Kriegs st ärke von 70 000 Mann gebracht werden. Sobald iiieg geschehen sei, solle sie verdoppelt, d. h. nuf eine Kriegsstärke von 340 000 Mann erhöht :oerben. Diese Maßnahmen würden im Laufe der ijeit eine VerSoppelung der Zahl der Vürttonafen ield-Divisionen zur Folge haben. "ürze werde
in Werbefeldzug zur Anwerbung ^reiwilliaen
beginnen. Unteroffiziere Und Solda^n, A» entlassen morden seien, könnten für die Ausbildung der ittorial-Armee erneut eingestellt werden.
O«e Neuordnung der europäischen Mitte.
Heichsprotekior Freiherr von Neurath und Staatspräsident Or. Hacha über die Grundlagen für die künftige Entwicklung in Böhmen und Mähren.
Berlin, 29. März. (DNB.) Der 31 e i d> s p r o = tcttor für die Länder Böhmen und Mähren, Freiherr von Neurath, äußerte sich in der „Europäischen Revue" über seine Aufgaben. Freiherr von Neurath erklärt: Das Vertrauen des Führers hat mir als Reichsprotektor der Länder Böhmen und Mähren eine schwere, aber schöne Aufgabe übertragen. Es gilt nach 20 Jahren verhängnisvoller Zerwürfnisse dem Lande und allen seinen Bewohnern das Gefühl der Gerechtigkeit und Sicherheit, des Vertrauens und der Hoffnung auf ei ne glücklichere Zukunft und auf einen für beide Teile ehrenvollen Ausgleich der Gegensätze zurückzugeben, Die in einer tausendjährigen Geschichte dieser Länder entwickelten Erfahrungen auf dem Gebiete des völkischen, politischen und wirtschaftlichen Lebens, die Erinnerung daran, daß die kulturellen Höhepunkte des Landes mit den Epochen friedlicher Zusammenarbeit zusammenfielen, werden für mich Wegweiser sein.
Ich verstehe angesichts der frischen Narben und Wunden, die die jüngste Vergangenheit auf allen Seiten zurückgelassen hat, auch die Gefühle des Volkes, für dessen Schutz und gedeihliche Entwicklung ich dem Führer verantwortlich bin, und i ch achte sie. Daher sehe ich den tiefsten Sinn meiner Aufgabe darin, der Welt zu zeigen, wie die deutsche Nation ein ihr anvertrautes Volkstum zu fördern, feine natürlichen Rechte zu achten und, ohne feine Würde und Ehre anzutasten, für bie Lebens- gemeinschaft zu gewinnen weiß, in bie es fein geschichtliches und geopolitisches Schicksal geführt hat. Der staatliche, kulturelle und politische Rahmen, den der Erlaß des Führers für die Länder Böhmen und Mähren darstellt, ist weit genug, um dem tschechischen Volkstum eine ungestörte, freie Entwicklung seiner reichen Gaben zu gewährleisten und bie böhmisch-mährischen Länder, denen Deutsche wie Tschechen in tiefer Hei- matliebe verbunden sind, einer neuen kulturellen und wirtschaftlichen Blüte entgegenzuführen.
Meine politische Erfahrung hat mich mit den Sorgen und Bedürfnissen vieler Nationalitäten bekannt gemacht, bie als Minberheiten ober geschlossene Volksgruppen in einem anberen staatlichen Verband leben. Nur wenige Staaten, denen bie Friedensverträge fremdes Volkstum überlassen haben, erwiesen sich als ehrliche Treuhänder. Wenn das tschechische Volk auf bie Lehren der letzten zwei Jahrzehnte zurückblickt, wird es feststellen, daß es von den Mächten, die heute angeblich sein Los bedauern, skrupellos als Mittel zum Zweck mißbraucht worden ist. Als Nutznießer eines gewollten, permanenten deutsch-tschechischen Gegensatzes hatten sie kein Interesse an herzlichen Beziehungen zwischen den beiden Völkern und an entspannten, natürlichen Verhältnissen in diesem Raum.
Der Führer hat bie Voraussetzungen für bie Wiederkehr von Ordnung, Sicherheit, Gerechtigkeit und Verständigung geschaffen. Meine Aufgabe ist es, sie im Eigenleben des tschechischen Volkes wie im Zusammenleben der beiden Nationalitäten zu verwirklichen. Wer guten Willens, aufrichtiger Gesinnung und entschlossen ist, den Ländern und Bewohnern des Reichsprotektorats selbstlos zu dienen, soll mir zur Mitarbeit willkommen fein und wird in mir einen gerechten Treuhänder der Interessen aller finden.
*
In der gleichen Zeitschrift schreibt der Staatspräsident der Länder Böhmen und Mähren Dr. H a ch a : Es ist meine Ueberzeugung, daß die neugeschaffene staatsrechtliche Lage von Böhmen und Mähren, die unter den gegebenen Umständen be st mögliche Lösung darstellt, da sie uns die Aussicht eröffnet, nach den vielen Enttäuschungen und Irrungen der Vergangenheit endlich Ruhe zu finden, damit wir unseren ureigen st en völkischen Zielen nachgehen können.
Anläßlich des Empfanges auf der Prager Burg erklärte der Führer und Reichskanzler den Ver
tretern der Hauptstadt Prag, baß unserem Volke bei seinem loyalen Verhalten eine glückliche Zukunft bevorstehe. Einen im wesentlichen gleichen Ausspruch vernahm ich aus dem Munbe des Führers bereits in Berlin. Ich glaube fest an biete Zusage, unb mein Gewissen ist ruhig, so oft ich an meine geschichtliche Verantwortung denke.
Das tschechiche Volk ist nicht ein Volk von Träumern unb Phantasten. In seiner großen Mehrheit ist es nüchtern und bemüht sich schon jetzt, sich feiner neuen Lage anzupassen. Wir sind reich an politischen Erfahrungen. Die Ruhe, mit ber wir die Ereignisse der verflossenen Monate hingenommen haben, ist nicht bie Ruhe von Schwächlingen ober Fatalisten. Es ist die Ruhe eines Volksstammes, der auf eine mehr als tausendjährige Vergangenheit zurückzublicken und aus dieser Vergangenheit die Erfahrung zu schätzen vermag, daß die nicht seltenen Umbrüche seiner Geschichte sein Volkstum niemals vernichtet, sondern zuletzt jedesmal gestählt haben.
Das tschechische Volk liebt Arbeit, Zucht unb Orbnung. Es sieht sich hierin mit ber Veranlagung bes beutschen Volkes nahe verwanbt. Gerade auf dieser Grundlage wird sich wohl eine enge Zusammenarbeit der Bevölkerung Böhmens und Mährens mit dem deutschen Volke vollziehen können. Gestützt auf bie Zusage bes Führers unb Reichskanzlers werben sich nun bie Negierungsorgane des Protektorates vornehmlich in dieser Richtung auf das eifrigste betätigen. Vielen von meinen Volksgenossen wird es immer klarer, daß unsere bisherige Politik in mancher Hinsicht mit Fehlern behaftet war, bie uns nur Schaben gebracht haben. Es wirb aber auch an unseren volksbeutschsn Lan- besgenossen liegen, bas gegenwärtige Verhältnis tunlichst zu förbern. Die Grundlagen für die künftige Entwickluna sind geschaffen. Mögen wir alle dazu beitragen, oaß auf diesen Grundlagen die Zufriedenheit, ber Friede unb bas Glück aller sich entfalte!
Frankreichs außenpolitische Grundsätze.
Eine Uundsunkansprache Naladiers. — Paris bereit, italienische Vorschläge zu prüfen.
Paris, 29. März. (DNB.) Ministerpräsident Dalaüier hielt am Mittwochabend eine Rund- funkansprache, die von allen Sendern übertragen wurde. Zu Eingang seiner Ansprache be» klaate Daladier die Schwierigkeiten der Gegenwart: Unsicherheit, Rüstungswettlauf und wie die durch Versailles bzw. die Versailles-Mächte verschuldeten Notstände alle heißen. Diese Lage mache es ihm, sagte Daladier, zur Pflicht, heute abend z u f a g e n , was Frankreich wolle, worin seine Kraft und seine Entschlossenheit bestehe. Frankreich wolle den Frieden freier Menschen. Die Kraft Frankreichs bestehe in seiner materiellen und mo- raliscken Einheit. Frankreich fei entschlossen, sein Ideal und seine Rechte zu verteidigen. Die Einheit Frankreichs sei noch nie so tiefgehend und vollständig gewesen wie heute. Frankreir-. fe jedoch, daß der Friede gerettet werden kann. jcnn es hasse den Krieg. Aber die Verteidigung der Freiheit Frankreichs sei gesichert. Mehrarbeit, eine gesunde und rigorose öffentliche Finanzgebarung, die Annahme von notwendigen Opfern hätten bereits nützliche Ergebnisse aezeingt. Die wirtschaftliche Lage Frankreichs bessere sich. Gestern nsch habe der Franken sich gegenüber allen übrigen Währungen der Welt befestigt.
Daladier' betonte, daß bie Regierung durch die kürzlichen Dekrete, nur noch die Arbeitskraft des Landes zu. erhöhen und die Sonderinteressen dem öffentlichen Wohl unterzuordnen beschlossen habe. Der Redner malte die Vorteile beredt aus und -• rbanb das mit einer Betrachtung ber natürlichen Schätze Frankreichs. Diese Stärke lasse Frankreich ber Aufgabe eines riesigen Weltreiches gewachsen erscheinen. Der afri
kanische Block bilde dessen Zentralgerüst. Die französische Stärke liege weiter in den Freundschaften Frankreichs, wie sie in den Verträgen festgelegt seien, unb in denjenigen, „die spontan Frankreich mit den freien Völkern unb ben- jenigen Völkern, die leiben, verbinden". Zur internationalen Politik bekräftigte Daladier gerade in diesem Zusammenhang Grundsätze, deren Verwirklichung Deutschland z. B. 20 Äahre vergeblich forderte: Regelung ber Beziehungen von Nation zu Nation durch bie Gerechtigkeit unb das Recht. „Erst wenn diese Begriffe verschwinden und Gewalt entfesselt wird, wird die Gewaltanwendung eine unerläßliche Pflicht."
Anschließend kam Daladier auf die französisch-italienischen Beziehungen zu sprechen. Die französisch-italienischen Abkommen vom 7. Januar 1935 habe Frankreich begonnen durchzuführen. Unter Außerachtlassung der gegen Italien seinerzeit verhängten Sanktionen meinte der Redner, weder während der Eroberung Aethiopiens noch später feien die Abkommen in Frage gestellt worden. Erst durch einen Brief vom 17. Dezember 1938 habe Italien durch Graf Ciano Frankreich wissen lassen, daß man diese Abkommen vom Jahre 1935 nicht mehr a l s gültig betrachte. Daladier gab zu, daß in der italienischen Note vom 17. Dezember die italienischen Probleme Frankreich gegenüber klar bargelegt worden seien. Diese Probleme hießen Tunis, Dschibuti unb Suezkanal. Der Ausspruch Mussolinis habe aber trotzdem jetzt in ber internationalen Oeffentlichkeit große Ueberraschung hervorgerufen. Der Brief ' vom 17. Dezember werde darum morgen veröffentlicht
werden. Er habe „keinerlei Präzisionen" enthalten. Er selbst habe gesagt und bleibe dabei, daß Frankreich keinen Zollbreit seines Gebietes unb kein einziges Recht abtreten werbe. Im Geist unb im Sinne der Abkommen von 1935 lehne Frankreich aber nicht ab, d i e Vorschläge z u prüfen, die ihm unterbreitet werden sollten.
Man behaupte, daß die Italiener in Tunis schlecht behandelt ober gar verfolgt würben. Das seien Fabeln. Die Italiener genössen im Ggeenteil in bcm ganzen Gebiet die „liberalste" Behandlung, sowohl was sie selbst als auch was ihre Kinder anbetreffen. Auch in Frankreich selbst hätten die Italiener sich über mangelnde Gastfreundschaft nicht zu beklagen. Dasselbe gelte auch für ein anderes großes Nachbarvolk, mit dem Frankreich so viele Konflikte gehabt habe. Indessen hätten ber beutsch-fran- zösischen Verstänbigung „bie Eroberung der Tschecho-Slowakei und die Besetzung Prags durch die deutschen Armeen" einen schweren Schlag zugefügt. Der Ministerpräsident betonte indessen erneut, daß derKrieg eine Katastrophe für alle Nationen fein würde. Im Namen seines Landes rufe er alle Mächte, die so dächten, zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit auf: „Alle die Mächte, die so wie wir bereit sind, auf dem Wege des Friedens zu bleiben, bie aber in einem einzigen Schwung sich gegen jeben Angriff solibarisch erheben würben." Nach freunblichen Worten für bie französisch-britische Zusammenarbeit brad)te Dalabier zum Schluß bie Hoffnung zum Ausbruck, daß alle vernünftigen Menschen die Sprache ber Vernunft verstehen würden. Frankreich stelle alle seine Kräfte in den Dienst des Friedens.
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