Ausgabe 
29.10.1939
 
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Llnsere Schauspieler wieder aus derBübne

Nach langer Sommerpause bewegen sich unsere Gie­ßener Schauspieler jetzt wieder in ihrem Element auf der Bühne! Schon seit Tagen sind die Proben eifrig im Gange; seit längerer Zeit ist der Bühnen­bildner bei der Arbeit, in seinem großen Maler­saal die Dekorationen zu enlwerfen, Modelle zu schaffen, um sie schließlich mit seinen Getreuen in die Scheimvirklichkeit für die Bühne zu übersetzen. Besonders ging es zunächst um die Dekorationen fürAgnes Dernauer", das Trauerspiel von Heb­bel, das heute abend zur ersten Aufführung ge­langt.

Es ist von einzigartigem Reiz, bei einer solchen Probe mutterseelenallein im Zuschauerraum zu sitzen und Zeuge der Kleinarbeit zu sein, bis aus der Fülle der Proben die Aufführung Gestalt ge­winnt und die künstlerische Prägung erfährt. Wie ost wird da manche Szene wiederholt, wie ost wird das Licht da und dorthin verlegt, verstärkt oder ge­mildert, in anderer Tönung erbeten, schmäler oder breiter über die Bühne ausgegossen. Schier unend­lich sind hier die Möglichkeiten, die sich aus der guten technischen Ausrüstung unseres Theaters er­geben. '

Don feinem Reiz ist es, zu hören, wre der Re- Maur das letzte Wort zumAckermann von Böh­men" (für die erste Morgenveranstaltung am kom­menden Sonntag) sich fortsetzen läßt in Orgelakkor- den, die sich steigern, gewaltig werden und schließ­lich weich im Raum der Bühne und im Zuschauer­raum verklingen. Mit unendlicher Geduld und be- reittöilligst wiederholt der Hauptdarsteller die letzten

Berszeilen, die letzten Worte solange, bis das ge­sprochene Wort und der Orgelklang sich zu einer Harmonie stnden und fast zum Sakral werden. Sichtbar tritt hier das künstlerische Gewissen aller derer in Erscheinung, die beteiligt sind. In zäher Unablässigkeit werden die Schwierigkeiten, die sich aus Materie, Raum, Ton, Licht und Klang ergeben können, überwunden. Bis schließlich der Regisseur sagen kann:So ist es gut!"

Wenige Stunden später wird eine Solistenprobe zuAgnes Dernauer" abgehalten. Mancher Auf­tritt wird mehrmals wiederholt, hauptsächlich wenn er kompliziert ist in Auftritt und Abgang, er wird von den Schauspielern rascher, oder gemessener ver­langt. Immer wieder gibt der Regieführende An­regungen, aber auch die Darsteller sind mit größ­tem Eifer dabei und in manchem gemeinsamen Ge­spräch mit dem Regisseur um die Ganzheit der Auf­führung bemüht. So fragmentarisch eine solche Solist en probe erscheinen muß, weil die ganze Sta­tisterie fehlt, die Statisterie durch lauten Ruf, durch Wort und weitreichende Geste des Regisseurs ge­wissermaßenex faustibus" ersetzt wird, so ist doch zu erkennen, wie sich das volle Leben über die Bühne bewegt und geschaffen wird aus der Phan­tasie des Regisseurs und jedes einzelnen Darstellers.

Diese Gemeinschaftsarbeit, wie sie sich schon in den Proben zeigt, läßt erhoffen, daß unser Stadt­theater auch in der Spielzeit 1939/40 die künstleri­schen Traditionen fortzuführen vermag, die die Ar­beit in den vergangenen Jahren besttmmte.

SJlXfpOTt

sein, um auch gegen die Teutonen ehrenvoll ab­zuschneiden. Die beiden vorjährigen Verbandsspiele konnten die Teutonen knapp gewinnen. Ob dies nun auch am kommenden Sonntag der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls ist mit einem spannenden Kampf zu rechnen, zumal die Teutonen auf verschiedene etatsmäßige Ligaspieler zurück-

Erleichterung des sportlichen Verkehrs.

Grundsätzliche Maßnahmen des Reichssportführers.

Der Reichssportführer hat mit seiner Verfügung vom 6. September 1939 alle Vereinsführer und Amtswalter des NSRL. zur Aufrechterhaltung des sportlichen Betriebes verpflichtet. Zur Erleichterung des sportlichen Verkehrs wurden nun vom Reichs­sportführer noch einige grundsätzliche Maßnahmen getroffen. Demnach finden Meisterschaften des NSRL. und Pflichtspiele vorerst nicht statt und demgemäß ruhen auch Auf- und Abstieg. Mann­schaften von Vereinen und örtlichen Arbeitsgemein­schaften, die sich zur Teilnahme am Sportverkehr melden, werden nach örtlichen Gesichtspunkten in Staffeln eingeteilt, wobei die Klassenzugehörigkeit berücksichtigt bleiben kann.

An diesen Rundenwettkämpfen ist grundsätz­lich jeder Deutsche teilnahmeberech­tigt und ein Nachweis der Zugehörigkeit zum NSRL. oder der Start- und Spielberechtigung ist nicht mehr erforderlich. Vereinsmitglieder, die zu militärischer oder anderer Dienstleistung ein- berufen sind, höben das Recht, als Gastmitglieder der Gemeinschasten am Ort ihrer Einberufung s o - fort am Spiel- und Sportverkehr teilzunehmen. Im übrigen ist es Ehrenpflicht, in dieser Zeit sei­ner Gemeinschaft die Treue zu halten und deswegen ist ein Vereins üb erttitt bis auf wei­teres verboten. Mt Mannschaften der Wehrmachts- tsile üsw. soll der Sportverkehr besonders gepflegt werden.

Für die NSRL.-Vereine ist es von besonderer Wichtigkeit, daß der Beitrag an den NSRL. um die Hälfte gesenkt worden ist. Weitere Ermäßi­gungen sind auf begründeten Anttag hin möglich!

Spielvereinigung 1900 I - Watzen­born-Steinberg I.

Nachdem am vergangenen Sonntag die Blau- Weißen ihr erstes Rundenspiel gegen den Lokal­gegner klar für sich entscheiden konnten, empfan- aen sie nun am kommenden Sonntag den FC. Teutonia Watzenborn-Steinberg. Die Blau-Weißen, die m der Aufstellung Dinges; Schneider, Goß; Günther, Jäger, Bischoff; Donarius, Theis, Kraft, Rinderknecht, Heuser antreten, dürften stark genug

greifen können.

Zugendhandballspieler im Lokalkampf.

Spvgg. 1900 1. Jgd. 7Mv. Gießen 1. Jgd.

Am kommenden Sonntag treffen zwei Gegner aufeinander, die sich bei den vergangenen Spielen um die Bannmeisterschaft bekannt gemacht haben. Beide Gegner lieferten sich schon damals spannende Kämpfe.

Die Männerturner kämpften sich bei den vor­jährigen Spielen bis zum Endspiel durch, während die Blau-Weißen das Pech hatten, früher auszu- fcheiden. Doch in diesem Jahre sind bei beiden Mannschaften Aenderungen in den Mannschafts­aufstellungen eiingetreten, die sich bei den 1900em etwas günstiger auswirken. Mtv. dagegen hat zahl­reiche sehr gute Spieler nicht mehr aufstellen können. Man kann mit einem recht spannenden und sportlichen Kampfe rechnen.

Wirtschaft.

Mein-Mainische Börse.

AUttagsbörse Tendenz fest.

Frankfurt a. M., 28. Sept. Die Börse war zuversichtlich gestimmt und verkehrte am Aktien­markt in recht fester Haltung, so daß auf fast allen Gebieten durchschnittliche Erhöhungen von 0,50 bis 1,50 v. H. eintraten. Nachdem der Ultimo für die Börse praktisch überwunden ist und somit die Abgaben aufgehört haben, setzten kleine Anlage­käufe ein. Das Geschäft blieb freilich im engen Rahmen. Von den Hauptwerten stiegen JG.-Farven auf 156,50 (155,50), Hoesch auf 105,50 (104,40), Mannesmann auf 98,13 (97,13), Rheinstahl auf 121,65 (120), Verein. Stahl auf 90,40 (89,65), AEG. auf 112 (111), Gesfürel auf 130 (129,50) und Sie-

Hichetten Brok, soweit dies zugelassen ist, 75 Ge­wichtseinheiten Mehl auf einzelne Kartenabschnitte abgegeben werden.

Kartenireie Milcherzeugniffe.

Nach einer Mitteilung der HaMtvereinigung der Deutschen Milch- und Fettwirtschaft können außer den schon bekanntgegebenen Erzeugnissen vorläufig karten- und bezugsscheinfrei abgegeben und bezogen werden: Eingedickte Magermilch, auch sterilisiert, Pulver aus entrahmter Milch, Buttermilchpulver, schlag- und backfähiges Milcheiweiß, Molken und Molkenerzeugnisse.

paketaufschristen haltbar befestiqen!

Fwd. Immer noch können zahlreiche Postvakete weder dem Empfänger zugestellt, noch dem Absender zurückgegeben werden, weil während der Versen­dung die Anschrift abgefallen ist und ein Doppel derselben im Paket fehlt. Die rechtzeitige Ankunft von Postpaketen ist nur möglich, wenn die Anschrift unbedingt haltbar befestigt wird. Bei Koffern mit glatter Oberfläche, auf denen aufgeklebte Anschriften schlecht halten, müssen Aufschriftfahnen verwendet, außerdem muß ein Doppel der Anschrift in das Paket gelegt werden. Dieser Hinweis sollte ins­besondere von den neueingestellten Dienstpflichtigen der Wehrmacht und des Reichsarbeitsdienstes be­achtet werden, die erfahrungsgemäß Reisekoffer mit Zivilkleidern in großer Zahl einliefern.

** Schuld eginn in den Berufsschulen. Der Unterricht in der Gewerblichen, Kaufmännischen und Mädchenberufsschule wird am Montag, 2. Okto­ber, nach dem seitherigen Stundenplan wieder aus­genommen.

** Ausgabe d er verbilligten Fett­scheine. In einer Bekanntmachung macht der Oberbürgermeister (Sozialamt) auf die Ausgabe der verbilligten Fettscheine aufmerksam und teilt gleich­zeitig die Zeiten mit, zu denen die Fettscheine aus­gegeben werden.

* B i s auf weiteres keine Postwurf­sendungen. Wie das Reichspostministerium mit­teilt, muß die Verteilung von Postwurstendungen von sofort an bis auf weiteres eingestellt werden. Es werden aber bis zum 31. Oktober 1939 solche Postwurfsendungen angenommen, die am Tage der Bekanntmachung dieses Derteilungsverbots d. h. dem 26. September 1939 bereits gedruckt, oder in Druck gegeben waren. Der Einlieferer hat nochzu- weisen, daß diese Voraussetzungen vorliegen.

15 000 KM. Ordnungsstrafe.

Lpd. Wiesbaden, 28. Sept. Bei der Aus­schreibung eines Heeresneuboues hatte eine Bau­firma des Bezirks einer anderen eine Abstands - summe von 5000 R M. dafür gezahlt, daß diese ein höheres Angebot abgäbe als die erste Firma. Der Regierungspräsident als Preisüberwachungs- stelle hat gegen beide Firmen Ordnungsstra­fen in Höhe d o n 1 50 00 R M. und außerdem empfindliche Ordnungsstrafen gegen leitende An­gestellte der beiden Firmen verhängt.

Landkreis Gießen.

s. Lang-Göns, 27. Sept. Die Kartoffel- e rnte ist hier in vollem Gange. Fast alle gepflanz­ten Sorten bringen einen sehr guten Ertrag, nur die .Industrie", die keine allzu große Feuchtigkeit ver­tragen kann, fällt ziemlich mittelmäßig aus. Zur Zeit werden fast von allen Dauern und Landwirten Kartosfelauswerfinaschinen benutzt. Beim Auflesen hilft alt und jung. Die Obsternte ist nahezu beendet. Es gab eine schwache Mittelernte. Die Zwet- schen brachten zum Teil wieder sehr gute (Erträge. Es sind schon zahlreiche Eisenbahnl-adungen Zwet- schen vom hiesigen Bahnhof ab gegangen. Der Preis für Zwetschen ist recht hoch, und es zeigt sich im­mer wieder, datz die Hanszwetsche eine Ob st art ist, die verdient, daß sie mehr angepflanzt wird. Die meisten Bäume sind alt und hinfällig. Man sollte deshalb gerade bei der Hanszwetsche für Nachpflan­zung sorgen. Die Versteigerung des Ge- meindeobstes sand am Dienstag statt. Es wur­den Zwetschen, Aepfel und Dirnen versteigert. Die Preise für das Obst waren angemessen, zum Teil auch recht hoch.

SieftsiiMüerftMöe

Roman oonMDtr Wer

koMlghl öy Hari Dnntfrr Verlag< Berlin w 62

2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Diese verdammten Pneus! Morsch und durch­lässig, picken sie gewissenhaft jeden Nagel im Um­kreis auf, immer hat man Scherereien. Neue Rei­fen? Nicht daran zu denken! Woher nehmen und nicht stehlen? Nicht aeschlafen, Kopfweh und Kratzen im Hals, dann diese Siebentritt neun Stunden hat die Geburt gedauert, unrasiert, voller Hun­ger und jetzt diese Panne im Regen! Hinwerfen möchte man diesen ganzen Krempel manchmal. Die Leute, diese Laien, haben ja keinen Schimmer, was so ein armer Teufel von Landarzt für ein Gewerbe hat. Die Aufregung bei einem solchen Fall, die Ge­wissenszweifel, die Verantwortung gar nicht gerech­net. Dr Severin, immer noch voll Fieber, voll Un­behagens, voll Brausen, läßt entmutigt die Hand mit dem Radhebel sinken und starrt die Sttaße ent­lang, auf der sich endlich ein lebendes Wesen zeigt; besser gesagt zwei Hosenbeine, denn mehr kann er in seiner verkrümmten Lage nicht sehen.

«Hamse Plattfuß? Soll ick wat helfen?" erbietet sich der mit den Hosenbeinen.

Dr. Severin kriecht unter dem Wagen hervor, um festzustellen, wem diese hilfreiche Stimme ge­hört. Ein Landstreicher anscheinend ober einer auf der Walze, ein Mann in mittlerem Alter, schlecht gekleidet, dürr und mit stoppeligen Backen.

Können Sie ein Rad wechseln?"

Det wär gelacht, gebense det Ding nur her. In Autos kenne ick mir aus. Wo ist der Wagenheber?"

Während der Fremde mit ein paar Griffen alles erledigt, meint Dr. Severin:Fein, daß Sie ge­kommen sind. Ich habe es nämlich eilig, muß in meine Sprechstunde. Ich bin der Arzt von Eschel- brunn." Er will dem Mann ein Trinkgeld geben, aber der nimmt es nicht an.

Nich zu machen, is gern geschehen. Aber wenn ick dem Herr Doktor in der Sprechstunde konsul- tieren dürste? Ick hab da son Muskelbruch an der Wade. Tut verflixt weh. Mein Name rft Parsunke. Bin auf der Wanderschaft."

Gut, Sie können gleich mitfahren."

Der Mann Parsünke, schlecht riechend und für einen Wauderburschen reichlich alt, klemmt sich

neben den Doktor und versucht es mit einer Lie­benswürdigkeit:Der Herr Doktor haben da einen flotten Wagen!"

Das ist eine arge Uebertreibung. Denn Lucki, überaltert, ramponiert und vom Schlosser Pütz mehr gründlich als entsprechend überholt, ist ein Veteran der Landstraße. Dr. Severin wirft einen Blick voll Mißtrauens auf Parsunkes Vogelnase, aber dessen Spitzbubengesicht bleibt ernst. Die Straße, ein bes­serer Feldweg, läuft durch ödes Gelände, stellen­weise durch Sumpf. In der Ferne ist auf einem Hang Eschelbrunn zu sehen, ein Frankenstädtchen, mittelalterlich und verzaubert mit hochgegiebelten Fachwerkhäusern, mit Mauerresten, einer Burg und einem klosterähnlichen Gebäude, das Dr. Seve­rins Krankenhaus ist. Nach wenigen Minuten sind sie am Ziel.

Die Kmder begrüßen den Vater mit stürmischem Hallo. Dann schleppen sie zu zweit den Koster weg, der nach gruseligen Dingen riecht. Parsunke steht ab­wartend beiseite und schätzt ab. Nicht viel los mit dieser Praxis; er hat Fingerspitzengefühl für so etwas. Die Dachtraufe rinnt, etliche Zaunlatten feh­len, der Verputz bröckelt ab. Alles ziemlich verwil­dert, verludert, verwahrlost. Bulli beschnüffelt an» dächttg Parsunkes Hosen, die stemd und exotisch duften.

Geben Sie dem Ma^n was zu essen, Fräulein Ferber", ordnet Dr. Severin an, während er den Benzinhahn zudreht.Ist viel los?"

Sechs Fälle, nichts Besonderes. Nach der Sprech- stunde müssen Sie nach Eberwang zu einem Kind, Ist es in Mooracker gut gegangen?"

Ja. Aber die Frau ist noch nicht über den Berg. Ich muß rasch essen. Sind die Spatel ausgekocht? Haben Sie den Rachenabstrich fortgeschickt? Hoffent­lich ist es keine Diphtherie."

Alles in Ordnung."

Eigentlich eine große Wohltat, diese Ferber denkt er flüchtig. Zuverlässige Person. Skin nasser Ueberzieher gleitet im Hausgang in irgendwelche Hände, er hetzt zu Tisch, durchfliegt die Post, bleibt an einem Artikel über Chinintherapie hängen und muß von Nikoline gemahnt werden, daß seine Suppe kalt wird. Sie hat Herzklopfen wegen des Bratens. Zu unrecht. Denn Dr. Severin merkt nichts. Er gehört zu den Männern, die gar nicht wissen, was sie essen. Nikoline würde gerne noch ein Stückchen Fleisch nehmen, aber dann reicht es für diesen Parsunke nicht, der auf Abfütterung wartet. Es vergeht kein Tag, wo nicht so einer in der Küche sitzt, oder ein Kind aus der Nachbarschaft oder eine alte Frau.

Sie mustert Severins Gesicht. Es ist länglich, klug und abgespannt. Die zurückgestrichenen Haare sind blond, ein bißchen dünn und an den Schläfen schimmern 'sie silbern. Wie alt? Vierzig vielleicht oder darüber. Die Nase ist schmal, hübsch, und zwei Sorgenfalten laufen von ihr zu den Mundwinkeln. Die Augen sind das Schönste an diesem Gesicht: denn sie sind friesenblau mit einem Ton ins Graue und sehr ausdrucksvoll.

Ich habe Ihnen heißes Zitronenwasser gemacht, für den Hals", erwähnt Nikoline behustam.

So?" Danke. Ich glaube, es wird doch nur ein Schnupfen", erwidert Severin und schiebt den Teller zurück. Er hat keinen Appetit und ist in Gedanken bei Frau Siebentritt, um die er sich Sorgen macht.

Friedrich war da."

Ach!" Der Name Friedrich erinnert ihn an das Geld, das noch immer unbeglichen ist. Er und Fried­rich stehen feit langem auf dem Kriegsfuß. Der Mann ist ein Hypochonder, und Severin hat ihm feine verschiedenen Krankheiten ein wenig zu brüsk ausgeredet. Zur Strafe dafür konsultiert Friedrich jetzt Fachärzte in der nächsten Stadt.Was wollte er denn?"

Er läßt an die Zinsen erinnern."

Ich habe das Geld momentan nicht. Sie wissen doch selbst, wie schlecht die Leute zahlen. Zwei mise­rable Hopfenjahre, wo soll da Geld Herkommen? Friedrich kann schon noch ein bißchen warten, er ist ein wohlhabender Mensch", erklärt Severin unge­halten.

Ich möchte Ihnen in keiner Weise vorgreifen; aber vielleicht wäre es gut, Friedrich wenigstens eine kleinere Abzahlung zu geben. Dos kann nie schaden. Er war sehr nett und höflich."

Das ist ein ausgezeichneter Vorschlag, Fräulein Ferber. Sie haben ein gescheites Köpfchen. Abzah­lung läßt sich hören. Mache ich."

Dann hält er feine Sprechstunde. Parsunke wird bis zuletzt aufgehoben und kommt ächzend hereinge­humpelt. Sein Leiden hat sich inzwischen verschlim­mert. Er krempelt wehmütig die Hose hoch und schnauft verhalten durch die Nase. Diese Szene spielt er im Schlaf. Gelernt ist gelernt.

Aha, eine Muskelhernie", sagt Dr. Severin. Lassen Sie das doch operieren, Mensch."

So doof werde ick sein", denkt Parsunke gering­schätzig. Er hat diese Wadengeschichte seit vielen Jahren und ist fest entschlossen, sich nie von ihr zu trennen. Dieser Bruch ist sein Kapital, seine Rente. Wenn das Wetter schlecht wird und nicht mehr zum Wandern taugt, genügt eine bestimmte Bewegung, ein kleiner Trick, der Bruch tritt aus, und jedes

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Versenden Sie den GießenerAnzeiger zum Bezugspreis von KD?. 1.80 für den Monat unter folgender Anschrift:

Det SelöDOfioerfanö des SletzemAliMts hält die ersehnte Derblnduna unserer Soldaten und unserer Arbeitsmänner mit ihrer oderhessischen Heimat täglich aufrecht! - Senden Sie an uns die Anschrift Ihres Familienangehörigen ober Ihres Freundes ein - alles übrige wird von hier aus pünktlich erledigt.

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mens auf 199,40 (196,50). Ferner gewannen Rhein­metall 2,50 v. H. auf 111,50, Zellstoff Waldhof 1 v. H. auf 96, Aschaffenburger nach Pause 2,50 v. H. auf 83,75 und Rütgerswerke 2 v. H. auf 143.

Auch am Rentenmarkt stellte sich vielfcub kleines Kaufinteresse ein, das Geschäft blieb jedoch still. Reichsaltbesitz 132 (131,90), Dekosama I 135,50 (135,25), 5 v.H. Mittelstahl 98,25 (97,75), 4,50 v.ch. Mainkraft 92 (91,50), auch andere Industrie-An- leihen meist etwas fester. Liqui-Pfanübriefe zogen vielfach 0,13 bis 0,25 v. H. an. Don Länder-An- leihen 4,50 v. H. Hessen von 1929 nach Pause 100,13 (99,75). Stadtanleihen uneinheitlich, 4,50 v. H. Pir­masens 94,50 (95,25), 4,50 v. H. Darmstadt v. 28 94,50 (95), 4,50 v. H. Heidelberg 93,75 (94), aber 4,50 v. H. Mainz sehr fest mit 94,50 (93). Freiver­kehrsrenten lagen still und unverändert.

Im Verlaufe blieb die Haltung fest, ohne daß , aber die Geschäftstätigkeit zunahm. Rheinstahl , 122,25 nach 121,65, Verein. Stahl 90,75 nach 90,40, >

Krankenhaus stecht Parsünke offen. Schmerzen wer­den glaubhaft markiert. Zum Zurückschieben genügt : ein schlichter Handgriff. Und kein Arzt und fein Deubel konnte ihm das Gegenteil beweisen. Siel Fürsorgeverbände können ein Lied davon finger, I was sie dieser Kerl schon gekostet hat.

Ick will et mir überlegen", brummt Parsünke un« verbindlich.

Schön. Zunächst überweise ich Sie einmal ins j hiesige Spital ein. Wenn Sie in keiner Kasse fiitöJ muß ich Sie dem Ortsfürsorgeverband melden."

Gelassen schaukelt Parsunkes Hosenboden aus den Zimmer.

Dr. Severin zieht den weißen Mantel aus. Er rft] todmüde, auch das Fieber meldet sich wieder, aber, er darf sich ja nicht hinlegen. Er muß seine suchstour absolvieren. Er nimmt einen Löffel Die- d tron gegen das Sodbrennen, das er an solchen \ Großkampftagen regelmäßig bekommt. Dann riecht; er ziemlich gedankenlos an den späten Veilchen, die ihm Fräulein Ferber auf den Schreibtisch gestellt I hat. Und dann gibt er seinen widerstrebenden Bei'j nen ein Kommando: Vorwärts! Das Vergnügen ! kann weitergehen.

2. Kapitel.

Irgendwo hinter Weißenburg verspürt die Fabri wieder jenen undeutbaren Schmerz im 8N- der kein Stechen ist, kein Schneiden und kein Boh' ; ren, sondern alles zusammen in einer raffiniert ausgeklügelten Mischung. Sie macht die Lippen dünn und umpreßt mit kalten Fingern das Len!' rad. In einem jähen Anfall und Schwäche tritt sie zu stark auf den Gashebel, und der große offene Wagen, cremefarben und saffianrot ausgeschlagen, verdoppelt feine Geschwindigkeit. Der Buchenwald schließt sich. Wiesen leuchten, Aecker keimen, Sonne i scheint. Es ist später Vormittag.

Kurz vor Pleinfeld tritt sie mit aller Kraft die Bremse. Sie kann nicht mehr, Schluß. Leinfelder und Lankes, die beiden Herren im Fond, beugen sich gleichzeitig und erschrocken vor.

Nanu, was ist denn?"

Mir ist nicht gut. Lankes soll fahren", sagt N Fabri in leidlicher Haltung und setzt sich hinten zu Valentin Leinfelder, der ihr Freund ist.

Hat das Kleine Schmerzen?" fragt der besorg und töricht. Er will ihr eine Deck« über die Kirie breiten, aber die Fabri schüttelt unwirsch den und lehnt sich in ihre Ecke. Sie muß jetzt allein st" und kann niemand hören, auch Dno nicht.

(Fortsetzung folgt.)

IW irlkt i fidt

Klöckner 117 nach 116,50, Demag 126,50 nach 125, Deutsche Erdöl 130,25 nach 129,50, Hoesch 106 nach , 105,50 usw. Bei den später notterten Werten tra­ten fast durchweg Steigerungen von 1 bis 2 v.h, ! ein, Bemberg mit 115,50 bis 118,50 insgesaml , 6 v. H. höher, aber Scheideanstalt 203 (205).

Im Freiverkehr nannte Klumpp 91 bis 93, 1 Elsass. Bad. Wolle 76 bis 78, Rastatter Waggon 36 Geld, Growag 79 bis 81. Tagesgeld unv. 2,25 v. H .

Frankfurter Schlachtvtehmark»

Frankfurt a. M., 28. Sept. Auftrieb: 1042 Rinder (gegen 746 am 21. 9.), darunter 133 (98) J Ochsen, 175 (140) Bullen, 456 (305) Kühe, 278 (2031 1 Färsen; 509 (805) Kälber, 79 (208) Hämmel unD Schafe, 562 (655) Schweine. Notiert wurden 50 kj I. Lebendgewicht in Mark: Ochsen a) 43,5 bis 46,5 I (44,5 bis 46,5), b) 41,5 bis 42,5 (40 bis 42,5), c) j 36 bis 37,5 (), d) 29 (). Bullen a) 42,5 bis 44,5 (43 bis 44,5), b) 40,5 (39 bis 40,5), c) 33 bi; 35,5 (), Kühe a) 41,5 bis 44,5 (43 bis 44,5), b) 38 bis 40,5 (38 bis 40,5), c) 29 bis 34,5 (31 bl; | 34,5), d) 20 bis 25 (20 bis 25), Färsen a) 42,5 bi; 45,5 (43 bis 45,5), b) 40 bis 41,5 (40 bis 41,5), c) i 30 bis 36,5 (30 bis 36,5), d) 28 (28), Kälber a) 36 bl; | 65 (62 bis 65), b) 55 bis 59 (55 bis 59), c) 46 bis 50 i (46 bis 50), d) 30 bis 40 (30 bis 40), Hammel a2) | 49 bis 50 (49 bis 50), b2) 44 bis 46 (43 bis 47), c) 35 (38 bis 42), d) 25 (), Schafe a) 42 (42), b) & | (34 bis 39), c) 28 bis 32 (25 bis 32), Schweine a) 61, bl) 60, b2) 59, c) 55, d) 52, Sauen gl) 66 (alles unverändert). Marktverkauf: Rinder, Kälber I und Schweine zugeteilt, Hammel und Schafe flott

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11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach mittags geschlossen.