das Problem Danzig und der Korridor alsbald gelöst werden müsse, hingewiesen wurde und die nochmals in großzügigster Form ein Freundschaftsangebot an England enthielt. Drei Taae später, am 28. August, erschien am Abend der britische Botschafter wiederum beim Führer, um ihm als Antwort auf die deutschen Vorschläge vom 25. August ein Memorandum der britischen Regierung zu überbringen. In diesem Memorandum wurde die Reichsregierung gebeten, sie möge in direkte Verhandlungen mit der polnischen' Regierung eintreten. Das englische Memorandum sagte hier wörtlich: „Seiner Majestät Regierung hat bereits eine definitive Zusicherung von der polnischen Regierung erhalten, daß diese bereit ist, einem solchen Verfahren zuzustimmen." Irn briti- schen Memorandum wurde hinzugefügt, daß „wenn solche Besprechungen zu einer Vereinbarung führen würden, der Weg für eine breitere und umfassendere Verständigung zwischen Großbritannien um) Deutschland offen wäre."
Auf Grund dieser Aussagen und Wünsche mußte es der Reichsregierung erscheinen, als böte sich für die von ihr gewünschte friedliche Entwicklung in Europa noch eine Möglichkeit, wenn sie sich — trotz des provokatorischen Verhaltens der polnischen Regierung — zu direkten Verhandlungen mit Polen bereiterklärte. Es mußte ihr ferner nach dem Text des englischen Memorandums so erscheinen, als ob die Polen bereits ihre Zustimmung zu einem solchen Verfahren gegeben hätten. Infolgedessen erklärte die Reichsregierung am Nachmittag des 29. August, sie sei trotz ihrer skeptischen Beurteilung der Aussichten von direkten Besprechungen bereit, den englischen Vorschlag anzunehmen und in diese einzutreten. Die Voraussetzung sei, daß eine mit allen Vollmachten versehene polnische Persönlichkeit durch Vermittlung der britischen Regierung am Mittwoch, dem 30. August, nach Berlin komme. In der Zwischenzeit, d.h. in der dazwischenliegenden Nacht, werde die Reichsregierung eine akzeptable Lösung ausarbei- t e n und diese bei Ankunft des polnischen Unterhändlers auch der britischen Regierung zur Verfügung stellen.
Damit war von deutscher Seite dasAeußerste getan, um den Frieden zu retten. Adolf Eitler war um des Friedens willen in vollem Umfange auf die englischen Vorschläge eingegangen. Das Kernstück dieses deutsch-englischen Notenaustausches vom 28. und 29. August war die britische Behauptung, in London läge bereits eine „definitive Zusicherung" von der polnischen Regierung vor, daß diese zu Besprechungen bereit sei. Nur aus Grund dieser Behauptung konnte die Reichsregierung überhaupt trotz des unerträglich gewordenen Spannungszustandes an der deutsch-polnischen Grenze noch eine letzte Frist einräumen.
Aus dem Blaubuch ergibt sich nun, daß die britische Regierung indes an ihrem eigenen Vorschlag, es sollten sofort Verhandlungen zwischen Berlin und Warschau stattfinden, gar nicht interessiert war. Der Vorschlag war offensichtlich von britischer Seite nur gemacht worden, um Zeit zu gewinnen. Während nämlich England in seinem Memorandum vom 28. August behauptet hatte, die definitive Zusage Polens in der Hand zu haben, war in Wirklichkeit hierüber mit Polen noch gar nicht verhandelt worden. Halifax hatte lediglich am selben Tage den britischen Botschafter in Warschau instruiert, er möge dafür sorgen, daß die polnische Regierung eine Zustimmung zu direkten Unterhandlungen mit Deutschland durch englische Vermittlung gebe. Er habe aber gleichzeitig hinzu- gefügt, die Bereitschaft der polnischen Regierung, in direkte Unterhandlungen mit Deutschland einzutreten, solle natürlich in keiner Weise bedeuten, daß Polen damit auch schon die deutschen Forderungen anzunehmen habe. Das war alles, was von englischer Seite geschehen war, wie sich aus dem Blaubuch ergibt. Eine Zusage von feiten Polens lag indes weder am 28. August noch an den beiden folgenden Tagen vor.
Auf Grund dieser Sachlage können wir nunmehr feststellen, daß die britische Behauptung vom 28. August, die britische Regierung habe eine definitive Zusicherung der Bereitschaft der t polnischen Regierung zu direkten Besprechungen in der Hand, eine glatte Lüge gewesen ist. Die britische Regierung hatte zu diesem Zeitpunkt nichts in der Hand! Sie hatte lediglich an Polen eebenfo wie an Deutschland einen Vorschlag gerichtet, dabei aber ihren Vorschlag an Polen ebenso wie an Deutschland einen fche Regierung nicht nur die Möglichkeit bestand, diesen Vorschlag abzulehnen, sondern — wie weiter unten noch belegt wird — sie geradezu eine Aufforderung zur Ablehnung darin erblicken muhte. Somit ist erwiesen, dah das im Endstadium der Krise wichtigste britische Memorandum auf einer Fälschung aufgebaut war.
Als Halifax in der Nacht vorn 29. zum 30. August die deutsche Bereitschaft, einen polnischen Bevollmächtigten zu empfangen, erfahren hatte, mußte er, da er ja von Polen in Wirklichkeit keinerlei Zusagen in der Hand hatte, infolgedessen an Henderson trie- graphieren (Telegramm vom 30. August, 2 Uhr morgens): „Es sei natürlich wider alle Vernunft zu erwarten, daß ein polnischer Unterhändler heute noch nach Berlin kommen könne." hierauf antwortete ihm Henderson, Hitler habe ihn am Abend vorher darauf aufmerksam gemacht, daß man von Warschau nach Berlin in anderthalb Stunden fliegen könne. Da das ganze diplomatische Manöver von Halifax indes auf einer Fälschung beruhte, blieb dieses einfache Gegenargument in London natürlich unbeachtet. Halifax war in Wirklichkeit gar nicht daran interessiert, daß ein polnischer Unterhändler in Berlin erschienen wäre.
(Schluß folgt.)
Lächerlicher Emigranienspuk an der Themse.
Mailand, 27. November. (DNB.) „Popolo d'Jtalia" macht interessante Angaben über die Tätigkeit des „deutschen" Emigrantentums in London. das sich fast in seiner Gesamtheit aus jüdischen Elementen zusammensetzt und unter dem Schutz der englischen Juden nicht anderes als eine dunkele Revanche des Judentums anstrebt, natürlich auf Kosten jener, die trotz der Lehren der Vergangenheit immer noch glauben, daß England für die Befreiung und für die Moral der Welt und am Ende gar, um Frankreich die zu nahe und zu geeinte Nachbarschaft Deutschlands erträglicher zu machen, zu den Waffen gegriffen habe und Mll- liarden ausgebe.
Wie unsere Fernaufklärer
weit ins feindliche Land fliegen.
P. K. Als vor wenigen Tagen im Heeresbericht des Oberkommandos gemeldet wurde, daß die deutsche Luftwaffe ihre Aufklärungstätigkeit über Frankreich und England mit Erfolg fortfetzen würde, bedeutete diese Veröffentlichung eine Sensation. Nicht nur die Presse der betreffenden Staaten drückte ihre Verärgerung und damit Anerkennung dieser Leistung aus, sondern auch in den neutralen Staaten schlug es wie eine Bombe ein, daß die deutsche Luftwaffe trotz feindlicher Flak und Jäger ungehindert den gesamten Luftraum über Frankreich und England befliegt. Alles horchte auf, wieder einmal standen unsere Luftwaffe, die Fernaufklärer, im Mittelpunkt des Interesses.
Fernaufklärer! Ein Wort, das alle Gefahren und Sonderheiten dieser Einheit in sich birgt. Vierhundert bis fünfhundert Kilometer hinter der eigenen Front sind wichtige militärische Anlagen, Verkehrs-Knotenpunkte oder Truppenaufmärsche zu erkunden. Die Beatzungen eines solchen Verbandes erhalten also den Auftrag, mit dem Bildgerät alles Wesentliche fe st zuhalten und durch eigene Beobachtungen den gesamten Flug zu einer einwandfreien Aufklärung des betreffenden Raumes abzurunden. Je nach der Wetterlage wird das feindliche Gebiet in entsprechender höhe überflogen und die auf der Karte eingezeichneten Objekte mit dem Bildgerät fotografiert.
Immer weiter geht's ins feindliche Hinterland. Flak und Jäger versuchen den einsamen Eindringling bei seiner Tätigkeit zu stören, abzuschießen. Die dreiköpfige Besatzung muß stundenlang auf der Hut vor Flak unb den überraschenden Angriffen feindlicher Jagdmaschinen fein.
Nirgendswo befinden sich noch deutsche Maschinen, die bei einem Luftkamps helfend eingreifen können.
Aber nickst nur der Feind ist es, der abgewehrt werden will. Kälte und mehrstündiges Fliegen in diesen gewaltigen höhen wollen ertragen werden, so daß jeder ging zu einem körperlichen, fliegerischen und taktischen Kampf für mehrere Stunden wird. Das sind die Fernaufklärer!
Ein solches Geschwader suchten wir in den letzten Tagen auf, das besonders stark bei dieser Aufklärertätigkeit über Frankreich beteiligt ist. Eine einsame Straße führt zu dem großen Flugplatz, der versteckt im Wald gelegen ist. Zum Staffelkapitän der ersten Staffel führt uns die Ordonanz. Vor seinem großen Schreibtisch steht der Major über eine Karte gebeugt. Im Laufe der knappen Unterhaltung gewährt er uns einen Einblick in die Tätigkeit seiner Staffel. Wir hörten, nach welchen taktischen und meteorologischen Gesichtspunkten die einzelnen Ma- schonen eingesetzt werden und mit welcher Schnelligkeit das Bildmaterial entwickelt und ausgewertet wird. Wir hörten aber auch davon, wie der Führer einer solchen Staffel sich um jede Maschine sorgt, um die fällige Zeit auf das Zurückkommen wartet, sich Gedanken macht, wenn der Zeiger der Uhr immer weiter schreitet und noch immer nickst die erlösende Nachricht kommt.
„Schauen Sie, von dieser Maschine, die in fünf bis zehn Minuten landen wird, habe ich zwei Stundenlang nichts mehr gehört, wußte nicht, ist sie wieder heil zurückgekommen, ist sie irgendwo notgelandet, ober ist sonst etwas passiert. Das sind die zusätzlichen Sorgen eines Staffelkapitäns!"
Die Maschine kommt. Gleich einem Pfeil liegt die Do 17 in der Lust. Aehnlich wie der Jäger nath einem Abschuß „wackelnder Weise" über den Platz fliegt, kündet der Pilot die Erfüllung des Flug
auftrages an. Mit voller Geschwindigkeit jagt die Maschine über den Platz und schießt vor den hallen wieder senkrecht nach oben. Nun ist sie gelandet. Nochmals heulen die zwei Motoren auf, langsam rollt der Pilot die Maschine zur Halle, wo sie mit großem hallo von den Monteuren erwartet wird. Die Drei klettern heraus. Flugzeugführer, Beobachter und Funker melden ihrem Staffelkapitän die Rückkehr, die besonderen Vorkommnisse. Ein soldatischer Händedruck, — Anerkennung und Freude!
Wenige Minuten später sprechen wir die Drei, während sie die erste Zigarette rauchen. Drei Männer, die bereits seit zwei Jahren zusammen fliegen. Eine zusammengeschweißte Besatzung. Zwei von ihnen waren bereits im Spanienkrieg, konnten dort wichtige Erfahrungen sammeln und lernten den Frontflug kennen. Alle drei waren aber auch in Polen, hatten dort für den triumphalen Einsatz unserer Luftwaffe die Voraussetzungen schaffen helfen.
,Mie war es nun über Frankreich?", das ist unsere Frage! Der Beobachter, ein junger Leutnant, erzählt: „Am gestrigen Abend erhielten wir den Auftrag, einen Raum im Südoften Frankreichs zu erkunden, angegebene Ziele zu fotografieren und sonstige wichtige Beobachtungen mit nach Hause zu bringen. Noch am gleichen Abend mußten alle notwendigen Vorbereitungen getroffen werden, während am heutigen Morgen in der vorhergehenden Flugbesprechung die näheren Einzelheiten klargelegt wurden. Nachdem die üblichen Startvorberei- tungen: Kurs ausrechnen, Wetter einholen und überprüfen von Maschinen, Bildgerät und der MG.s beendet waren, hauten wir ab. Bei viertausend Meter höhe wurde das Sauerstoffgerät eingeschaltet. In großer höhe überfliegen wir die eigene Front durch die festgelegte Einflugschneise.
Nun sind wir allein! Ein wolkenloser Himmel über uns, der eine ausgezeichnete Fernsicht gestattet. Nur über der Schweiz hat sich eine große Nebelbank ausgebreitet. Trotz der großen Entfernung sind die einzelnen Bergmassive deutlich zu erkennen, deren höchste Spitzen aus diesem weißen Meer seltsam hervorschauen. Unter uns Frankreich. Der erste Punkt auf der Karte ist erreicht. Das Bildgerät arbeitet. Gerade habe ich den letzten Schnappschuß getan, als sich unter uns weiße Spreng- Wölkchen abzeichnen. Die französische Flak schießt, aber zu niedrig. Ruhig fliegen wir unseren Kurs weiter. Nach allen- Seiten wird der gesamte Luftraum abgesucht, denn mit Jägern ist dauernd zu rechnen. Besonders der Funker hat die wichtige Aufgabe, nach rückwärts Ausschau zu hal
ten, die totsicher von dort angreifenden Jäger mH seinem MG. abzuwehren.
Vor uns ein feindlicher Flughafen. Durchs Glas kann man Maschinen erkennen. Aha, Jäger starten. Ob sie uns verfolgen wollen? Ja- wohl, eine Flakbatterie schießt einige Richtungs» schlisse ab, in kurzer Zeit können wir mit dem liebenswürdigen Besuch rechnen."
„Ja, und bann war er auch bald da", fährt der Bordfunker, ein Unteroffizier, fort. „Da wir die Sonne im Rücken hatten, war für mich die Position etwas günstiger. Ich ließ den „Moräne" her» ankommen und „rotzte" ihm dann eine ordentliche Ladung vor die Nase. Im eleganten Schwuna kippten wir sofort über die Fläche nach unten, ]o daß er zunächst über uns hinweg schoß. Wieder kam er an. Zwei, drei, vier Feuerstöße, — jetzt kippte er. ließ uns eine Rauchfahne zurück und wurde nicht mehr gesehen. Mit Bestimmt» heit haben wir alle drei angenommen, daß er zerschossen abge stürzt ist. Allerdings hat er uns auch einige Treffer beigebracht, wie wir soeben feststellen konnten."
„Und wie ging es weiter?", richten wir die Frage wieder an den Beobachter. „Noch war der Auftrag nicht vollständig erfüllt. Zwei Stunden über feindlichem Gebiet mußten noch geflogen werden. Wenn nur di e Mords kälte nicht wäre! Fünfzig bis sechzig Grad in dieser höhe. Da Hilst selbst die dickste Pelzkombination nichts. Alles fühlt sich durch die dicken Handschuhe wie Eis an. Jede Bewegung wird in dieser höhe zu einer Anstrengung. Trotzdem wird weiter geflogen. Wir schlagen auch dann noch den französischen Jägern ein Schnippchen. Etwa wie gestern.
Wir hatten noch einen Auftrag des gesamten Flugprogramms zu erledigen, als uns zwei Jäger angriffen, die absolut kein Verständnis für unsere Arbeit aufbrachten. Im Abschwung ging es nach unten in Richtung Heimat. Etwa fünfzehn Minuten lang saßen uns die Beiden auf der „Pelle" Unser Funker hat Trommel nach Trommel verschossen. Zum Schluß waren wir die reinsten Heckenspringer geworden. Im Tiefflua sind wir über Wälder und Sümpfen gebraust und haben alle möglichen Kniffe angewandt, bis es endlich gelang, die lästigen Besucher abzuschütteln.
Wenn wir dann nun wie heute nach langem Flug bi e Grenze wieder erreicht haben, uns wieder über deutschem Gebiet befinden, der Heimathafen näher fommt, haben wir trotz aller Anstrengungen und Strapazen bas unbändige Gefühl: Wir drei, wir haben's einmal wieder geschafft!" Mittler.
Fernaufklärer vom Typ He 111 (heinkel). — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Dieser Emigrantenflüngel in London, so heißt es weiter, hätte letzt sogar die Ermächtigung erhalten, eine D r u ck sehr i s t zu veröffentlichen, in der Dinge zu lesen seien, die zu erfahren den verantwortlichen Persönlichkeiten vermutlich nicht unangenehm feyt dürften. So z. B., „daß man Hitler b e f e it i g e n müsse", um Deutschland eine „b e - mokra tische Reaierung" zu geben, die natürlich von den nach London geflüchteten „Deutschen" gestellt werden würde. Diese Mitteilungen würden durch die Nachricht von der Gründung eines „Deutschen Nationalausschusses" vervollständigt, der natürlich ebenfalls mit dem Sitz in London aus Emigranten bestehe, an deren Spitze folgende würdige Namen erscheinen: der Expräsident der Danziger Senats R a u s ch n i n g , Otto Strasser, der ehemalige preußische Minister Breitscheidt, der ehemalige Reichskanzler
Wirth, der frühere Minister des Kabinetts Brüning, Treviranus, und Dr. Brüning selbst.
Die „Jewish Ehronicle", das Organ des britischen Judentums, habe bereits versichert, daß diese Organisation „die ganze Sympathie der Londoner Regierung genieße". Die alarmierte französische Presse aber stelle bereits die Frage, welche Garantien die Machtübernahme solcher Leute in Deutschland bieten könnte, und ob sich Frankreich nurbeshalb darauf vorbereiten müsse, Blutopfer zu bringen. Wer darüber aber heimlich schmunzele, so schreibt der „Popolo d'Jtalia" zum Schluß, sei der legendenhafte Ahasver, der ewige Jude, der durch den Fluch dazu verurteilt fei, ohne Rast zu wandern. Er wandere noch immer und spiele bas Pendel zwischen dem Wucherer der Eity und der Maginotlinie.
Russisch-finnischer Grenzzwischenfall.
Vier Sowjetsoldaten getötet. — Scharfe Protestnote Molotows.
Moskau, 27. Noo. (DNB.) Die Taß verbreitet eine amtliche Meldung vom Stab der Truppen des Leningrader Bezirks, wonach es am Sonntagnach- mittag an der finnisch-sowjetischen Grenze zu einem ernften Grenzzwischenfall gekommen ist. Nach dem Bericht der Taß sei von finnischer Seite am Sonntagnachmittag um 15.45 Uhr Moskauer Zeit plötzlich Artilleriefeuer auf bas sowjetrussische Territorium eröffnet worden, und zwar seien sieben Kanonenschüsse abgefeuert worden, wodurch auf sowjetischer Seite drei Rotarmisten und ein Ü n t e r o f f i = zi ergetötet, und sieben Rotarmisten, ein Unteroffizier und ein Leutnant verwundet wurden.
Zur Aufklärung des Tatbestandes wurde von der Ersten Abteilung des Generalstabs des Leningrader Militärbezirks sofort der Oberst Tischomirow an den Ort des Zwischenfalles entsandt. Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare und Außenkommissar Molotow hat gestern abend im Zusammenhang mit diesem Vorfall dem finnischen Gesandten eine Note überreicht, die folgenden Wortlaut hat:
„Herr Gesandter! Laut Mitteilungen vom Generalstab der Roten Armee wurde geaen unsere Truppen, welche in die Gegend des Dorfes Mainila a u f der karelischen Landenge verlegt sind, unerwartet heute am 26. November um 15.45 Uhr Artilleriefeuer vom finnischen Gebiet her eröffnet. Insgesamt wurden sieben Artillerieschüsse abgegeben, welche zur Folge hatten, daß drei Soldaten und ein Unteroffizier getötet und weiterhin sieben Soldaten und zwei Unteroffiziere verletzt wurden. Die russischen Truppen, welche strengen Befehl erhalten haben, sich nicht zu einer Provokation verleiten zu lassen, beantworteten nicht bas Feuer.
Die russische Regierung bringt bas zu Ihrer Kenntnis und sicht es für notwendig an, zu unter
streichen, daß bei den kürzlich vor sich gegangenen Verhandlungen mit Herrn Tanner und Paafikivi die russische Regierung auf die Gefahr aufmerksam gemacht hat, welche die Konzentrierung starker aktiver Truppen in unmittelbarer Nähe der Grenze gegenüber Leningrad bedeutet. Aus Anlaß des vom finnischen Gebiet aus eingetretenen provozierenden, gegen die russischen Truppen gerichteten Artilleriefeuers ist die russische Regierung setzt gezwungen festzustellen, baß die Konzentrierung finnischer Truppen in der Nähe Leningrads nicht nur eine Bedrohung Leningrads darstellt, sondern tatsächlich eine feindliche Handlung gegen bie Sowjetunion bedeutet, welche schon zu Angriffen gegen russische Truppen geführt und Opfer gefordert hat.
Es ist nicht die Absicht der Sowjetregierung, diesen verabscheuungswürdigen Angriff zu übertreiben, welchen Abteilungen der finnischen Armee unternommen haben, die dazu vielleicht durch ihre Führung verführt wurden, aber die russische Regierung wurde wünschen, daß solche verabscheuungswürdige Handlungen zukünftig nicht eintreten. Aus diesem Anlaß bringt die russische Regierung einen scharfen Protest vor und schlägt vor, daß die finnische Regierung unverzüglich ihre Truppen von der karelischen Nase 20 bis 25 Kilometer weiter von der Grenze wegverlegt und damit die Möglichkeiten zu neuen Provokationen verhindert."
Das Echo in Moskau.
ScharfeEntschlietzungen ht vielenBetrieben
Moskau, 27. November. (DNB.) Don allen Zeitungen werden ganze Seiten von Betriebsversammlungen, Kundgebungen gebracht, die aus Anlaß des Zwischenfalles auf der karelischen Land«
enge fpontan abgehalten wurden. Sofort nachdem um Mitternacht der Rundfunk die Nachrichten von dem Zwffchenfall gebracht hatte, wurden die zur Nachtschicht erschienenen Belegschaften der größten Betriebe in Moskau, Leningrad, Rostow am Don und anderen Städten zu Versammlungen einberufen. Der gesamte Tenor der Entschließungen ist überaus scharf. Dabei wird hervorgehoben, baß, wenn Finnland jetzt nicht einlenke und den friedlichen Vorschlägen der Sowjetunion nacdgebe, die Rote Armee „den Provokationen des . finnischen Militärs ein Ende setzen werd e". Die Politik der finnischen Regierung entspreche in keiner Weise der wahren Einstellung des finnischen Volkes gegenüber der Sowjetunion.
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Der Ort des ernsten Grenzzwischenfalls an der finnisch-sowjetischen Grenze liegt in der Nähe des Dorfes Mainila auf der Karelischen Landenge gegenüber Leningrad. Die Protestnote des Außen- kommissars Molotow schließt mit dem Vorschläge, die finnischen Truppen von der Karelischen Nase 20 bis 25 Kilometer weiter von der Grenze weg zu verlegen. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Deutscher Fischdampfer gesunken.
Kopenhagen, 27. Nov. (Europapreß.) Ein deutscher Fischdampfer ist am Montagvormittag gegen 9 Uhr in der Nähe von Kjeldsnor-Feuer zwischen Langeland und Lolland auf eine Mine gelaufen und gesunken. Der 300 Tonnen große Dampfer passierte geradeste Südspitze von Langeland mit nördlichem Kurs, als die Explosion erfolgte. Das Schiff sank im Verlauf einer Minute. Deutsche Wachtschiffe des nahen Minenfeldes und ein dänisches Torpedoboot eilten augenblicklich zur Unglücksstelle, um die Ueberlebenden der elf Mann starken Besatzung aufzunehmen.


