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28.11.1939
 
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Dienstag, 28. November 1939

Nr. 2Z9 Lrftes Blatt

189. Jahrgang

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vru» und Verlag: vrSHIsche Univerfitätsdruckerei «.Lange in Sieben. Schristleiiung und Seschöftrftelle: Schulstrahe 7__

azu getan hat, um denen Krieg oder Friede

diese Verhandlungen, von

England ernstlich beunruhigt.

Iliederschlagender Eindruck der großen Echiffsverluste.

englische Unterstützung verlassen zu können glaubten.

4. Auch die französische Regierung, die offensichtlich an der Entsendung eines bevollmäch­tigten polnischen Vertreters nach Berlin in letzter Stunde interessiert war, ist von England dar­über getäuscht worden, daß in Wirklichkeit England überhaupt nichts dazu getan hat, um

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in Berlin zu keinerlei Verhandlungen bevollmäch­tigt war, ja, daß ihm sogar jede Art von Diskussion verboten war, wird durch das englische Blaubuch

in vollem Umfange belegt.

Dies sind die nackten Tatsachen, die sich aus den von den Engländern veröffentlichten Dokumenten ergeben. Sie erhärten nicht nur Englands Schuld am Kriege. Sie zeigen vielmehr auch, daß die bri­tische Regierung während der entscheidenden Tage Ende August ein niederträchtiges Dop­pelspiel getrieben hat, das erst durch die englischen Veröffentlichungen vollständig überblickt werden kann. Im folgenden fassen wir die Doku­mente zusammen, aus denen sich das Falschspiel der britischen Diplomatie zwischen dem 28. -und 31. Au­gust ergibt.

Die Lüae des Lord Halifax.

Der Führer übergab am 25. August dem britischen Botschafter in Berlin, Sir Neville Henderson, eine Erklärung, in der auf die Notwendigkeit, daß

Englands Blaubuch beweist seine Kriegsschuld

Das verbrecherische Doppelspiel der englischen Kriegshetzer eindeutig enthüllt. - Oie alleinige Verantwortung für Polens Starrsinn trägt England.

abhing, zustandezubringen.

5. Der im deutschen Weißbuch bereits angetretene Beweis dafür, daß Polen auf Grund dieses eng­lischen Doppelspiels niemals einen bevoll­mächtigten Vertreter nach Berlin ent-

dt hat und daß auch der polnische Botschafter Zerlin zu keinerlei Verhandlungen beoollmäch-

oermieben werden sollen, herbeizuführen, son­dern im Gegenteil eine solche Verhandlung böswillig verhindert hat. Entgegen der Behauptung der englischen Propaganda, Lord Halifax habe bis zuletzt versucht, Deutsch­land und Polen gemeinsam an den Verhand­lungstisch zu bringen, um eine friedliche Lösung zu erzielen, wird die deutsche These, daß das Ziel von Lord Halifax und seines Gehilfen, des britischen Botschafters in Warschau, Sir h. kennard, darin bestand, die Polen davon abzuhalten, mit Deutschland in ernsthafte Verhandlungen einzutretcn, durch das englische Blaubuch voll und ganz bestätigt. Es scheint kaum glaubbar, und trotzdem ist es fo!

Oie Dokumente des Blauduches zeigen:

1. Der britische Außenminister Lord Halifax hat die Reichsregierung in gröblicher Weise hin - t ergangen, als er behauptete, er habe aus Warschau eine Zusicherung erhalten, daß Polen zu Verhandlungen bereit sei.

2. Sir H. Kennard, der britische Botschafter in Warschau, hat die Ausführung des ihm aus Lon­don zuteil gewordenen Auftrages, die Polen aufzu­fordern, sie sollten in Verhandlungen mit der Reichs­regierung eintreten, bewußt so lange ver­zögert, bis der von der Reichsregierung ge­fetzte Termin, der durch die polnischen Mobilisie­rungsmaßnahmen notwendigerweise gesetzt werden mußte, verstrichen war.

3. Eine polnische Verhandlungsbereitschaft über die maßvollen deutschen Vorschläge war nur des­halb nicht vorhanden, weil die Polen sich auf die

Eine Seefahrernation sucht Tonnage

Von unserem U. T.-Korrespondenien.

Berlin, 27.Noo. (DNB.) Amtlich wird ver­lautbart: England wollte den Krieg. Beweis auf Beweis konnte Deutschland hierfür der Welt schon vor Augen führen. Nichts hat England dem bisher entgegenzusetzen gewußt. Darum mußte es immer wieder zur Lüge und Verdrehung greifen. Das kürz­lich herausgekommene englische Bl au buch, mit dem sich die deutsche Presse bereits beschäftigte, erweist sich auch nach genauester Prüfung als nichts anderes als ein solcher mißlungener Ver­such d e r E n t l a st u n g, d. h. als ein neuer aber schwacher Versuch der Verdrehung der Wahrheit. Tatsächlich ist diese englische Dokumentensammlung für jeden, der sie zu lesen versteht, ein einziger schlüssiger Beweis für Englands unbe­dingten Willen zum Krieg.

Im englischen Blaubuch sind willkürliche Dokumente zusammengestellt, um einen einseitigen Eindruck entstehen zu lassen. Andere Dokumente wiederum sind fortgelassen, und auch der übrige Inhalt kann auf alles andere als Genauig­keit und erschöpfende Darstellung Anspruch erheben. Es würde zu weit führen, auf alle biefe Ungenamg- feiten und Widersprüche einzugehen. Wir mochten aber doch aus dieser Fülle der Unklarheiten einen Punkt herausgreifen, der klar beweist, daß England nicht, wie es vorgab, ehrlich als ein Vermittler zwischen Deutschland und Polen auf- getreten ist, sondern daß es gerabe als jene Kraft gewirkt hat, durch deren wohl überlegte Intrigen der Krieg unvermeidlich wurde.

Das Vlaubuch selbst tritt ben Beweis bafur an, daß bie britische Diplomatie nicht etwa versucht hat, eine unmittelbare beutsch-polnische Ver- hanblung, auf bie im Enbstabium ber letzten I Augufttage alles ankam, wenn ber Krieg Halle

Die Zurückhaltung der gleichen Reeder am inter­nationalen Frachtenmarkt wird aus diesen Gründen verständlich. Diese Zurückhaltung bedeutet jedoch nicht, daß sich die neutralen Reeder damit selber einen Schaden zufügen. Der Auftragsbestand wird als durchaus befriedigend bezeichnet, da die Hei­matländer heute mehr denn je darauf ange­wiesen sind, eigene Schiffe einzusetzen, um die Nahrungsmitteloestände auf der entsprechenden Höhe zu halten und die Zufuhren wichtiger Roh­stoffe sicherzustellen. Aus der anderen Seite aber ist auch reichlich zu tun auf den unanfechtbaren Linien, auf denen z. B. die Trampschiffahrt in nor­malen Zeiten wenig Beschäftigungsmöglichkeiten fand, was heute jedoch nach dem völligen Ausfall der, Schiffe der englischen und französischen Reede­reien nicht gesagt werden kann. Diese Beschäftigung ist stellenweise so verlockend und zufriedenstellend, daß in den letzten Tagen sogar Tonnage­mangel für die Frachten bestand, die am Lon­doner Frachtenmarkt für die Kohlenausfuhr in die skandinavischen Länder ausgeschrieben, allerdings überaus schlecht gezeichnet wurden. Hätte England wirklich die Schiffe, die Ehurchill auf dem Pa­pier registriert, so wäre es nicht nur in der Lage, ohne die neutralen Reeder (mit denunerschwing­lichen Preisen") auszukommen, es könnte auch den so dringend notwendigen Eigenexport auf der er­forderlichen Höhe halten. Der englische Krieg wird zu einem Krieg gegen die eigene eng- lischeWirtscha stund den eigenen Han­del. Seekontrolle,Blockade", Maximalpreise und rücksichtsloses Vorgehen gegen die Neutralen treffen in erster Linie England selber. In zweiter Linie erst die kleinen, nicht Krieg führenden Neutralen. Wer darum hat London sich noch nie gekümmert.

Gesunkene Dampfer.

Rom, 28. Nov. (Europapreß.) An den Küsten von England sind, wie die römische Poesie aus Lon­don meldet, auf Minen gelaufen und gesunken: die englischen DampferH o o k w o o d" (926 Tonnen), ©tangate" (1289 Tonnen) und ein Küsten- wach s ch i f f in der Nähe von Liverpool, dessen Name noch nicht bekanntgegeben worden ist. Von einem deutschen U-Boot ist der englische Hilfskreu­zerWilliam H u m p h r i e s" durch Geschütz­feuer und der englische DampferR o y st o n Grange" (5144 Tonnen) im Atlantik versenkt worden. An der englischen Küste ist ferner der schwedische DampferGustav E. Reuter" auf f eine Mine gelaufen und gesunken. Ferner ist der holländische DampferSpaarndam" in der Themsemündung auf eine Mine gelaufen. Die Mannschaft hat das Schiff aufgegeben. Die Spaarndam", die 8857 Tonnen hat, ist am 22. Sep­tember mit einer Stückgutladung aus New Orleans ausgelaufen und traf am 10. Oktober in den Downs ein. Darauf ist das Schiff nach Gravesend gefahren, von wo es Montag früh ausgelaufen war.

einer wachsenden Beunruhigung in englischen Ma- \ rine- und Handelskreisen angesehen werden. Man i verlangt von den Neutralen, daß sie trotz des ge- j ftiegenen Transportrisikos, der Heuererhöhungen , und der Unkosten, die durch den Kontrollzwang in englischen Häfen entstehen, zu alten Preisen , fahren und sich damit nicht nur England zuliebe einerbilligen Gefahr" aus setzen, sondern auch die i Rentabilität ihrer eigenen Unternehmungen unter­

graben.

Bei den Neutralen scheint allerdings wenig Lust vorhanden zu sein, auf diese englischen Wünsche einzugehen, obwohl London schon heute die Drohung ausspricht, man werde nach dem Kriege an die widerspenstigen Reeder denken, wenn es sich um die Vergebung von Aufträgen handle. Mtt an­deren Worten: Auch hier hat England eine ..Schwarze Gifte" zur Hand, auf die jedes Unternehmen gesetzt werden soll, das sich nicht rück­haltlos den Londoner Forderungen beugt. Die Aus­übung eines solchen Druckes aber ist ein Beweis für die schwierige Lage, in der sich das Inselreich heute befindet; auch dann, wenn im Unterhaus laut­tönend festgestellt wird, man habe seit Ausbruch des englischen Krieges 3 070 Schiffe im Geleit in die Heimat- oder Bestimmungshäfen gebracht, und nur Heben feien verloren gegangen! England muh sich Diefe Tonnageknappheit aus zwei Gründen selber zuschreiben. Die völlige Vernachlässigung des Schiffsbaues nach dem Weltkrieg wird bm eigenen Land zugegeben und als unerttschuld- E>ar begeißelt. Die Abneigung der Neutralen aber, mehr als bisher ihre Tonnage in englische Dienste zu stellen, hat ihre tiefsten Hintergründe nicht etwa im einer grundsätzlichen Geschäftsabneigung der Reedereien, sondern vielmehr, in der englischen Kriegserklärung selber, die über die neutralen Staaten eine Unsumme von Schwierigkeiten ge­bracht hat, und von denen die Schiffahrt nicht zu­letzt empfindlich getroffen wird.

Seit dem Weltkrieg waren die neutralen Reeder auf den Empire-Routen ständig gesehene Kunden. Sie ersetzten die englische Schiffahrt zum großen Teil voll und ganz. Diese Entwicklung wurde von den zuständigen Londoner Stellen gefördert, weil man hoffte, im Falle eines Krieges neutrale Schiffe zur Verfügung zu haben, die unter allen Umständen englandhörig fein würden und auf Drund ihrer Neutralität unangefochten England mit Lebensmitteln und Rohstoffen versorgen könn­ten, die dieses Land nötiger als jedes andere braucht, um nicht selbst das Opfer eines mtt Kon- berbanbeTiften geführten Krieges zu werden. Die neutralen Reeder haben dieses englischeEntgegen kommen" zwar immer angenommen, solange es sich um Friedenstransporte handelte. Aber sie singen an, die Preise zu erhöhen, als London glaubte, mit Konterbandelisten und Kontrollhäfen gegen das Reich erfolgreich vorgehen zu können. Dieses gegen Deutschland gerichtete Geschoß wirkt sich in diesen Tagen als ein Bumerang aus, der den trifft, Der ihn ab geworfen hat: England.

Kohle, flüssige Treibstoffe wie Oel und Benzin, Heuersätze, Versicherungsprämien und allgemeine i Transportunkosten sind in die Höhe geschnellt und j haben den getroffen, den England aus Gründen des eigenen Interesses am letzten treffen wollte, i Heute kostet ein Transport aus Asien nach Eng­land mehr als das Doppelte der Friedens- i 'ätze. Das heißt, daß Engalnd seine Seekontrolle selber bezahlen muß; denn es kann keinem

London, 28. Nov. (Europapreß.) Die ab­gelaufene Woche und das letzte Wochenende werden als die bisher schwärzeste Periode des Krieges vom englischen Standpunkt aus emp­funden. Die Verluste der englischen Handels- und Kriegsflotte haben ein Ausmaß erreicht, das an die Zeit der größten Erfolge des uneingeschränkten deutschen U-Boot-Krieges im Jahre 1917 heranreicht. Auch die Verluste der Neutralen durch Minen in den Gewässern rund um England sind so groß geworden, daß es immer schwerer wird, neutrale Schiffe für nach englischen Häfen bestimmte Ladun­gen zu chartern. Der Eindruck der Schiffsverluste habe denn auch in allen Kreisen der englischen Be­völkerung einen tiefen und niederschla­genden Eindruck gemacht.

Es ist begreiflich, daß auch die bei dieser Gelegen­heit wiederholten beruhigenden Erklärungen der englischen Admiralität, wonach England heute viel besser gerüstet sei zur Abwehr von U-Booten und Minen als 1914, angesichts der immer größer wer­denden Verluste keinen sehr starken Ein­druck mehr machen. Daß Chamberlain es für nötig befunden hat, in einer Rundfunkrede vom Sonntag eine an Churchills Aeußerungen erin­nernde scharfe Note anzuschlagen, ist vielleicht ein Beweis mehr dafür, daß starke Töne für notwendig erachtet werden, um die Stimmung in England auf der Höhe zu hallen.

Als unmittelbare Auswirkung der Verluste an

Schiffsraum ist es wohl anzusehen, daß das Er­nährungsministerium sich veranlaßt gesehen hat, eine Entscheidung über das Datum für den B e - ginnder Rationierung derwichtigsten Lebensmittel zu fällen, die am Dienstag im Unterhaus angekündigt werden soll. Auch die fort­dauernden Lohnerhöhung en , die am Mon­tag wieder in erhöhten Lohnsätzen der vom Lon­doner Grafschaftsrat beschäftigten Arbeiter und An­gestellten zum Ausdruck gekommen sind, sind eine Auswirkung der Verknappung der meisten Lebens­mittel und Gebrauchsartikel und der daraus folgen­den Preiserhöhungen. Die arbeiterparteiliche Presse beschwert sich darüber, daß die Lohnerhöhungen weit hinter den Preissteigerungen zurückbleiben, so daß sich die Kaufkraft und damit der Lebensstan­dard der Arbeiterschaft ständig verschlech­tere.

Mittlerweile hat der König die n e ue B l o ck a de­ll e r o r du u n g unterzeichnet. Sie wird in wenigen Tagen in Kraft treten, trotz der sich häufen­den Proteste der Neutralen. Ganz ohne Sorge hat man diese Entscheidung in London aber nicht gefällt. Das Gespenst einer Einheits­front der Neutralen beunruhigt die Ge­müter. Insbesondere haben Gerüchte aus Rom, die von einer wachsenden Verbitterung der italienischen Handels- und Schiffahrtskreise gegen die englische Blockade sprechen, tiefe Beunruhigung m London erweckt.

Chamberlainsneues Europa" unter italienischer Lupe.

Rom, 28. Nov. (Europapreß.) Die sonntägige Rundfunkrede des englischen Ministerpräsidenten Chamberlain, in der er seine Gedankengänge über das künftigeneue Europa" ent­wickelte, begegnet in römischen Kreisen allgemeiner Ablehnung. Zunächst stellt man in Rom fest, daß ich Chamberlain wieder einmal in unbestimmter Weise über die englischen Kriegsziele geäußert und mit dem Brustton des rechtschaffenen Mannes er­klärt habe, England fei zur Verteidigung der Freiheit in den Krieg gezogen. Dabei ver­mißt man in Rom genauere Ausführungen über den Grundriß und die Einzelheiten eines Bauplans des von England angeftrebten neuen Europa.

Auch die aus Washington eintreff ent) en Berichte der italienischen Korrespondenten lassen er­kennen, daß man dort die allzu unbestimmten An­regungen Chamberlains für wenig zweckentsprechend hält. Man vertrete in Washington die Auffassung, daß ein allgemein gehaltener Grundriß des neuen Europa ausgearbeitet und vorgeschlagen werden müßte, um die nebelhaften Zielsetzungen in f e ft umschriebene Verpflichtungen umzu­formen.

Die Pariser Korrespondenten der italienischen Blätter unterstreichen, daß der heiße Wunsch der französischen Öffentlichkeit, endlich zu erfahren, worum der Kampf eigentlich gehe, von Chamberlain wieder nicht erfüllt worden, ist. Der Korrespondent derTribuna" ist der Ansicht, in Frankreich habe man aus der CHamberlain-Rede falsche Schlüsse gezogen, die Chamberlain völlig fern lagen. Frankreich, so schreibt der Korre­spondent, sei immer einen Schritt zurück in der Erfassung der Zeitläufe. Infolge dieser neuen Un­bestimmtheit des englischen Ministerpräsidenten sieht man in den maßgebenden römischen Kreisen kei­nerlei Aenderung der Lage.

Reeder zugemutet werden, etwa die zusätzlichen Un­kosten zu tragen, die durch einen vierzehntägigen Aufenthalt in einem englischen Kontrollhafen ent­stehen. 'Hierzu kommt aber noch, daß England durch die Bezahlung der höheren Raten auch den Tran- stthandel bezahlen muß, von dem es gefordert hat, daß auch er englische Häfen berührt.

Für die durch dieses Verfahren heraufbeschwore­nen Unkosten wttl sich der neutrale Reeder jedoch an anderer Stelle schadlos hallen. Denn die selbst beim Transithandel entstandenen Mehr­kosten belaufen sich auf Summen, die kaum trag­bar sind. Der Zwang, daß sich jeder Reeder m einem englischen Konsulat im Ausland eme Transportlizenz verschafft, kostet bei einer durchschnittlichen Gemischtladung 2500 Schillinge, da sich die Konsulate für jede deklarierte Position den Betrag von sieben Schillingen zahlen lassen. Das englische Kontrollsystem müßte daher vom neuttalen Ausland bestritten werden, wollte man nicht die allgemeinen Transportunkosten erhöhen. Dieses Ausland müßte ebenfalls für die Netto Ver­luste aufkommen, die durch die langsamen Prüf­methoden in englischen Kontrollhäfen erwachsen. Erst kürzlich verdarb in einem englischen Kontroll- Hafen der Südküste eine dänische Bananenfracht, weil man drei Wochen auf die Transtterlaubnis zu warten hatte. Das Blockade-Ministerium hat den darauf angemeldeten Schadenersatzanspruch ab- gewiesen.

Kopenhagen, November 1939.

Weiß der Erste Lord der englischen Admiralität, Winston Churchill, nicht, wieviele Handels­dampfer seinem Lande zur Verfügung stehen? In den ersten Tagen des November hiell er in London -eine Rede, in der er feststellte:Wir haben einen Tonnagegehalt von 18 Millionen Tonnen!" Der konservative Parlamentarier Amery erklärte im Juli vorigen Jahres, England könne knapp 14 Millionen Tonnen aufbringen. Am 14. November d. I. griff der Oppositionelle Shinwell Churchill an und er­klärte, man könne nicht behaupten, 18 Millionen Tonnen für die Nahrungsmittel- und Rohstoffeinfuhr zu haben.

Die Notierungen des Londoner Frachtenmarktes beweisen, daß der Erste Lord der Admiralität seinen Hörern nicht die Wahchett gesagt hat. Sie lassen erkennen, daß England heute nicht so viele Schiffe einsetzen kann, wie zu Beginn des Welt­krieges. Damals ging man mit 17 500 000 Tonnen in den Kampf gegen Deutschland. Als man dann nach vier Jahren eine Bilanz zog, merkte man die großen Verluste. Heute hat Churchill ein rosiges Bild gezeichnet, um das englische Volk nicht auf den Gedanken kommen zu lassen, daß die Folgen einer Seekriegführung für England bei einem Tonnagegehalt von 14 Millionen Tonnen zu Be­ginn der Auseinandersetzungen weitaus tief­greifender sein müssen, als vor fünfundzwanzig Jahren. Churchill übersah absichtlich, daß von der seit dem Kriege ständig ab gefallenen Schiffstonnage selbst heute noch ein großer Teil dem Handel entzogen wird, weil man auf der einen Seite entgegen jedem Heerecht Handelsdampfer und Pas­sagierschiffe zu Hilfskreuzern umgebaut hat, wie das Beispiel derQueen Mary" und drei­ßig weiterer Einheiten beweist, und wetter, weil zahlreiche Schiffe der Kriegsmarine als Derfor- gungseinhetten und dem Heer als Truppen­transportschiffe zur Verfügung gestellt wer­den mußten, wie die Klagen der Cunard White- Star-Linie zeigen. Darüber hinaus aber kann der zunehmende Druck der Londoner Regierung auf die Reedereien der neuttalen Staaten als Anzeichen