Mlielistiniml mit Deutschland vollkommen überein
Die römische presse zur Lage. — Besprechungen beim Duce.
Rom, 27. August (DNB.) Nach einer amtlichen Verlautbarung der Agenzia Stefam hat Mussolini Außenminister Graf Ciano, den Verkehrsminister Benni, die Generalstabschefs des Heeres, General Fariani, der Marine, Admiral Cavagnari, und der Luftwaffe Fliegergeneral Valle, sowie General Faoagrossa im Palazzo Venezia empfangen, mit' denen er sich über Fragen der militärischen Vorbereitungen unterhielt. Agenzia Stefani teilt ferner mit, daß der Duce in Gegenwart des Außenministers Graf Ciano Sonn- tagoormittag erneut den deutschen Botschafter von Mackensen empfangen hat.
Sämtliche Gestellungspflichtigen der Iahresklafsen 1 902 und 1910 sind jetzt zu ihren Regimentern eingerückt. Die Einberufungsorder wurde mit größter Disziplin ausgeführt, es herrscht eine ausgezeichnete 'Stimmung. Am 3. September haben sich die Gestellungspflichtigen der Jahresklassen 19 03 und 1913 bei den zuständigen militärischen Stellen zu melden. i
3n Rom herrscht der Eindruck vor, daß die Entscheidung, ob Krieg oder Frieden, immer näher rücke. Die Sonntagspresse spiegelt diesen Eindruck in Schlagzeilen wie „Die Lage wird immer ernster — Spannung an der deutsch-polnischen Grenze immer bedrohlicher" wider. „Giornale d'Jtalia" betont, daß Italien bis zuletzt in seinen Bemühungen
fortfahre, um eine Klärung der Lage auf realistischer und konstruktiver Grundlage herbeizuführen. Man werde allerdings a b - warten müssen, ob diese Aktion und die deutsche Initiative in einem zerrissenen, in manchen Teilen von egoistischen Interessen beherrschten Europa auf genügend Verständnis stoßen werden. Was besonders von französischer Seite an Mussolini gerichtete dringende Appelle zu einer neuen Intervention zu Gunsten des Friedens betreffe, so müsse man sich fragen, welchen Gefühlen diese Appelle in Wirklichkeit entspringen, und sich dabei die von Frankreich nach München gegenüber Italien eingenommene Haltung vor Augen führen. Italien stimme mit Deutschland vollkommen überein und habe das lebhafteste Verständnis für die deutschen Rechte und die deutsche Haltung. Es habe nicht erst auf Appelle von diesseits und jenseits des Ozeans gewartet, um eine intensive politische und diplomatische Aktion zuGun st en eines Friedens auf der Grundlage der Gerechtigkeit zu unternehmen. Heute gelte es abzuwarten, welche Haltung London nunmehr ein- zunehmen gedenke. Italien warte ruhig die weitere Entwicklung der Dinge ab' ohne deshalb auf jene militärischen Vorbereitungen zu verzichten, über die sich der Duce am Samstag habe Bericht erstatten lassen.
ble deutsche Versicherung sei a6sötuk einblütig. Man müsse der deutschen Regierung tank dafür wissen, daß sie zur entscheidenden Hunde öffentlich und ohne Umschweife mitgeterlt hebe, daß sie Belgien respektieren werde.
Auch die holländische Presse bringt die Mitteilung über die Erklärung, wonach Deutsch- land im Falle eines unvermeidlichen Krieges die Selbständigkeit und die Neutralität der Niederlande adten wird, falls die Niederlande auch ihrerseits einen streng neutralen Standpunkt einnehmen wer- -ei, mit zustimmenden Überschriften in großer Aus- Mchung. — 2m Handelsblad wird nochmals der niederländische Neutralitätsstandpunkt dargelegt und cur die historische Aufgabe als neutrales Land hin- xeroiesen. Holland habe die Pflicht, für die Einhal- tmg dieser Neutralität mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu sorgen iirb zu verhindern, daß es, gleichviel von welcher Site, als Durchgangs- und Ausfallstor oder als Mittelpunkt der Agitation mißbraucht wird.
Kabinettsbesprechungen in London.
Henderson wird heute abend wieder in Berlin sein.
London, 28. August. (DNB.) Der englische Bktschafter in Berlin, Sir Neville Henderson, harte Samstag im Hanse Downing Street 10 eine vierstündige Unterredung mit Mini- sitrpräsident Chamberlain. Außenmini- fttr Halifax nahm an diesen Besprechungen mhrend der ersten drei Stunden teil. Anschließend begab sich Henderson in den Buckingham-Palast, tut er sofort vom König empfangen wurde. Dcs Kabinett trat abends zusammen, um den Atncht Hendersons entgegenzunehmen. Das Kabi- M, das Sonntagnachmittag 15 Uhr erneut zu einer Sitzung zusammengetreten war, beendete seine Btratungen über die Mitteilungen des Botschafters Anderson gegen 17 Uhr.
Nach der Kabinettssitzung wurde folgendes CommuniquL ausgegeben: „Montaa mittag W 12 Uhr soll eine neue Kabinettssitzung Ntfinden. Es wird erwartet, daß Botschafter chcnderson am Montag nach Berlin g,rückkehren wird und die Antwort der bri- tijrjen Regierung auf eine Mitteilung des Führers ntnehmen wird. Die Berichte, die in der P- e f s e über die Mitteilung des Führers an die Mische Regierung erschienen sind, sind als v o l l - ktinmen unrichtig zu bezeichnen. An der Ka- bi ettssitzung nahmen sämtliche Minister außer Lcd Maugham teil, der sich noch in Kanada beeidet."
Hurz nach 17 Uhr verließ Chamberlain seine Löhnung und begab sich in den Buckingham-Palast y m König. Wie man hört, hatte sich der Pri- orsekretär des Königs, Sir Alexander Har- dinge, heute nachmittag in das Foreign Office begeben und von dort aus in die Amts- rormung des Ministerpräsidenten. Es wird er« mietet, daß Botschafter Neville Henderson im Mchluß an diese Sitzung seinen Rückflug nach Berlin an tritt, wo erimLaufedesAbends eii treffen dürfte. Voraussichtlich wird das eng- lche Unterhaus am Mittwoch zusammen- trecn, um eine Erklärung Chamb erlains eniZegenzunehmen.
Eine Rundfunkansprache Oaladiers.
tzaris, 26. August. (DNB.) Der französische Müsterprasident D a l a d i e r richtete Freitagabend *U»r alle französischen Sender eine 12-minütige «sprach e an das französische Volk.
seinem Appell versuchte er, das französische Volk boon zu überzeugen, daß er alle seine Anstrengun- gei darauf gerichtet habe, den Krieg zu verhind- bf*n. Er gab feiner lieberzeugung Ausdruck, daß si, alle Probleme in freien Verhandlungen lösen fogen. Er behauptete weiter, daß man „vor der frttge der Freiheit und des Lebiens Polens" (!) ltihe unb daß Frankreich gegenüber anderen Völ- trn Verpflichtungen eingegangen fei. Er Unterst ch dann sehr nachdrücklich, daß Frankreich ge- minfam mit England alles getan habe, um bie Teos* lerer Besprechungen zu einem Erfolg zu fuhren, betagte sich über den Kurswechsel der Moskauer Wtik und schloß pathetisch mit einem Appell an den NU und die Willenskraft der Franzosen.___________
Die Auffassung in der Schweiz
Bern, 27. August. (Europapreß.) lieber eine Sitzunades schweizerischen Bundesrates wurde folgende Meldung ausgegeben: Der Bundesrat ist am Sonntagvormittag zu einer Sitzung zusammengetreten, um die internationale Lage zu besprechen. Es wurde dabei festgestellt, daß sich diese Lage in den letzten zwei Tagen nicht verschlimmert hat und daher für die Schweiz kein Anlaß besteht, weitere Maßnahmen zu treffen. Die Mitglieder des Bundesrates bleiben jedoch über Sonntag in Bern, um gegebenenfalls zusammentreten und etwaige Maßnahmen treffen zu können.
Die ruhige Haltung des Bundesrates wirkte in der schweizerischen Oesfentlichkeit st a r k beruhigend. Von einer Mobilmachung, die in weiten Kreisen erwartet wurde, ist im Augenblick nicht mehr die Rede. Auch die Linkspresse hat diese Forderung fallen gelassen und erkennt die Richtigkeit der Regierungspolitik an. In chren Betrachtungen zur Lage sind die Blätter zurückhaltend. Die Parteinahme der großen jüdisch geleiteten Zeitungen für Polen ist aber nach wie vor unverkennbar.
Vor dem Zusammentritt des Obersten Sowjets.
Heute abend Erklärung Molowws über den deutsch-russischen Vertrag.
Moskau, 28. August (DNB. Funkspruch) Der Oberste Sowjet wird am heutigen Montagnachmittag im Großen Palais des Moskauer Kreml zu feiner angekündigten vierten außerordentlichen Session zusammentreten. Die erste Kammer des Obersten Sowjets, der sogenannte Bundes- r a t, wird um 14 Uhr (Moskauer Zeit) eine Sitzung abhalten, während die zweite Kammer, der sogenannte Nationale Rat, um 16 Uhr (Moskauer Zeit) sich versammeln wird. Man nimmt an, daß beide Kammern zunächst eine Entschließung zur Tagesordnung fassen und voraussichtlich schon auf Montagabend die Vollsitzung festsetzen werden, auf der Molotow seine außenpolitische Erklärung zum deutsch-sowjetrussischen Vertragswert abgeben wird.
Amerikas Neutralitätsakte.
Washington, 28. Aug. (DNB. Funkspruck.) Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, wird Roosevelt im Falle eines europäischen Krieges unverzüglich das Wirksamwerden der Neutralitätsakte proklamieren, gleichgültig,
ob ein Krieg formell erklärt würde oder nicht. Die Anwendung der Akte würde automatisch die W a ff enausfuhr sperren. Das würde beispielsweise die bereits bestellten Flugzeuge für England und Frankreich betreffen.
Oie japanische Regierung zurückgetreten.
Tokio, 28. Aug. (DRV. Funkspruch.) Die japanische Regierung ist soeben zurück- gelrelen. Ministerpräsident hiranuma begab sich 3 um Kaiser, um ihm von diesem Entschluß Mitteilung zu machen. Der Kaiser genehmigte den Rücktritt. Das Kabinett führt die Geschäfte vorläufig weiter.
Kleine politische Nachrichten.
In London ist eine Regierungsverordnung veröffentlicht worden, nach der die gesamte britische Handelsflotte der Admiralität unterstellt wird. Damit müssen alle britischen Handelsschiffe von nun an den Anweisungen der militärischen Führung Folge leisten.
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Reuter meldet aus Hongkong, daß 200 Frauen und Kinder britischer Staatsbürger die Stadt auf Aufforderung der britischen Behörden verlassen und sich nach den Philippinen begeben haben. Die Maßnahme zeugt davon, daß England offenbar einen Angriff Japans auf Hongkong fürchtet.
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Aus Kairo wird gemeldet, daß ein Teil der englisch-indischen Truppen, die kürzlich nach Aegypten verlegt worden sind, zur „Aufrechterhaltung der Ordnung" in Kairo verbleiben sollen. In national gesinnten Kreisen Aegyptens wird es als Geste des Mißtrauens gegenüber den Aegyptern empfunden, daß England die ägyptische Truppen in die Grenzbefestigungen entsendet, während es das Landesinnere mit fremden Kolonialtruppen besetzt hält.
Der ägyptische Ministerrat in Alexandrien beschloß in einer Nachtsitzung die Auf- stellung einer Territorialarmee nach englischem Vorbild.
Aus London wird gemeldet, daß Irland beschlossen hat, im Falle eines Konfliktes neutral z u bleiben. Dem Foreign Office sei eine entsprechende Mitteilung bereits zugegangen.
Eiserne Disziplin.
Darmstadt, 27. Aug. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung, gibt folgende Bekanntmachung des Oberbefehlshabers des Heeres bekannt:
Deutsche Volksgenossen!
Auf Anordnung des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht habe ich die vollziehende Gewalt im Operationsgebiet des Heeres übernommen und mit ihrer Ausübung die Oberbefehlshaber der Armeen beauftragt. Die Oberbefehlshaber der Armeen find befugt, für ihr Armeegebiet Rechls- verordnungen und Vorschriften aller Art zu erlassen und Zuwiderhandlungen unter Strafe zu stellen. Alle Behörden und sonstige Dienst st ellen versehen ihre Aufgabe weiter.
Deutsche Volksgenossen! Deutsche Soldaten stehen bereit zur Sicherung der Reichs- grenzen und wenn es nötig sein sollte, zur Abwehr jedes Feindes auf der Erde und in der Luft, komme, was da kommen mag.
Ich erwarte, daß ihr alle gegebenen Anordnungen miteifernerDisziplin.Ruheundkalt- blütigkeit befolgt und bereitwillig Mithilfe leistet, wo sie von euch verlangt wird. Die getroffenen Maßnahmen dienen dem wohl des Vaterlandes wie jedes einzelnen von euch und sind notwendig, um der Wehrmacht die Erfüllung ihrer Aufgabe zu erleichtern. Ich bin gewiß, daß ihr auch jetzt in unverbrüchlicher Treue, Geschlossenheit und Opferbereitschaft dem Führer folgen werdet.
Ls lebe der Führer!
Der Oberbefehlshaber des Heeres gez.: von Brauchitsch.
Am Samstagabend explodierte vor einem Warenhaus in Liverpol eine Bombe. Menschenleben kamen dabei nicht zu Schaden. Ein Verdächtiger, der von Passanten eingeholt wurde, wurde in Haft genommen. Es soll sich um einen Anschlag der IRA. handeln.
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Der türkis ch e Botschafter in London, Ruschti Aras, ist zur Berichterstattung am Sonntagabend nach Ankara abgereift. Desgleichen verließen die Botschaften Frankreichs und Englands Ankara zur Berichterstattung bei ihren Regierungen.
Das französische Finanzministerium hat der polnischen Regierung einen Kredit von 430 Millionen Francs eingeräumt, der für französische Kriegsmateriallieferungen bestimmt ist.
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Der Generalgouverneur von Libyen und Oberbefehlshaber der Streitkräfte von Italienisch- Nordafrika, Marschall B a l b o , ist wieder in Tripolis eingetroffen. Sofort nach seiner Ankunft hat Marschall Balbo den General st ab zu sich gebeten und sich anschließend zur Besichtigung der mobilisierten Truppen begeben.
Weiterbericht
Durch verhältnismäßig hohen Luftdruck herrscht über dem europäischen Festland eine recht gleichförmige Luftdruckverteilung. Demgemäß ist der Wetterablauf im wesentlichen freundlich, doch kommt es in den Morgenstunden vielfach zu Dunst- und Nebelbildung und tagsüber zu vereinzelt auftretenden gewittrigen Störungen.
Vorhersage für Dienstag: Morgens vielfach dunstig oder neblig, aufheiternd, doch Neigung zu gewittrigen Störungen, warm und schwül.
Vorhersage für Mittwoch: Im wesentlichen freundlich, aber nicht störungsfrei.
Lufttemperaturen am 27. August: mittags 23,6 Grad Celsius, abends 19 Grad: am 28. August: morgens 15,7 Grad. Maximum 27,3 Grad, Minimum heute nacht 14,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. August: abends 23,6 Grad: am 28. August: morgens 19,5 Grad. — Sonnenscheindauer 4,2 Stunden.
Galoppritt nach Prosperia.
Don Werner P. Töfflinger.
3Mn kann sich in Raffles Bar auf den Fuß icen, denn Raffles Bar ist ein Mauseloch von lo'al, engwinklig und dunstig wie eine Waschküche, tbsr man kann sich auch draußen im weiten Corin! höllisch im Wege sein — vor allem, wenn man fthe empfindlichen Ellbogen hat wie Anchony
eigentlich) war diese Empfindlichkeit erst jüngeren Serums. Seitdem die Ranch beim Makler drüben i Prosperia zum Verkauf aushing, lag dem schönen ililthony ein Stein quer im Magen. Mehr als -imnal verschoß er einen gallig-grünen Blick auf k: blonden Charly, obwohl Charly das gleiche irwiffe Los zu tragen hatte.
S eihe verwalteten nämlich gemeinsam die Ranch liisn am Prosperia-River. Beide waren von einer te ossenschaft angestellt. Allein seit Tagen inter- ei'üirte sich ein Konservenfabrikant für die Ranch, iti dieser Fabrikant hatte erklärt, an einem 23er- Btier genug zu haben.
vermutlich wird dein Maulesel bald eine andere Bebe zu sehen kriegen", stichelte Anthony. Doch die blonde Charly drehte nur am Mundstück feiner Raskolbenpfeife und schwieg. Ja, er entwickelte an Mm Tage so viel hartgesottenen Gleichmut, daß tbipony schließlich seine Reden'aufsteckte und verlasen ins Haus stelzte.
I elleicht wird der dicke Fabrikant Charly laufen Itfitn, überlegte Anthony, durch den Anblick einer 8hskyflasche angeregt, die drüben im Regal stand. Be: n man Charly noch heute unter Alkohol setzte. dr Stammgäste in Raffles Bar konnten bezeugen, W Charly kein Meister im Zechen war. — Wenn N morgen hier mit einem Brummschädel herum- liii unb so dem neuen Boß in die Quere kam?
Anthony ließ ein wohlgefälliges Grunzen hören, fier Nnfall war gut. Der Einfall war sogar aus- Mchnet, und Anthony grübelte, wie man Charly itt$ heute zum fröhlichen Mithalten bewegen liirtfe, als ihn Geräusche ablenkten.
^-außen lachte Charly sein Helles Kinderlac^n. & achte und sprach mit jemandem, und als An- tyn) seinen Kopf neugierig durch das Lattengitter
Rollade zwängte, geschah es, daß sein Mund öc Verblüffung offen stehenblieb.
Draußen stand eine Dame, ein Traumbild von Frau, maisblond und schlank wie eine Zypresse, und Anthony hielt den Atem an. Er Härte Charly mit dem Gast plaudern. Er sah ihn dienstbeflissen einen der drahtgeflickten Rohrsessel herbeischleppen, und Anthonys Herz zog sich wie ein Schwamm voll Eifersucht.
Hastig harkte er sich das Haar zurück. Er hatte feinen Plan vergessen. Sporenklirrend stelzte er vor die Tür, um seinerseits den Gast zu begrüßen. Allein die Dame , fühlte sich schon in jeder Hmsicht hier zuhause. Freundlich reichte sie Anthony ihre kleine, ringgeschmückte Hand.
Der unerwartete Regen habe sie gezwungen, Rast zu machen, 'meinte sie mit einem muhen L Anthony verneigte sich. „Es ist uns eine Ehre , bekräftigte er mit einem Feuerblick. „Die Ranch steht zu Ihrer Verfügung!" Und er schlangelte sich an Charly vorbei, um noch rechtzeitig im zweiten Sessel neben der Dame Platz zu fassen. Jedoch Charly schob ein Bein vor, nickte freundlich und ließ sich eine Sekunde vor Anthony im knirschenden Rohrgeflecht nieder.
Wenn Sie hierbleiben wollen", sagte er nach einer Weile lauernd, „kann mein Freund vielleicht schon immer Ihr Pferd absatteln." Und er schielte triumphierend zu Charly hinüber. Doch die Dame ersparte Charly eine Antwort. Sie wolle den Herren keinerlei Mühe bereiten, meinte sie beschwichtigend. „Womöglich läßt her Regen nach, dann kann ich vielleicht doch noch nach Prosperia hinüber
„Nach Prosperia?" fragten Charly und Anthony in einem Atem. w r
Die Dame suchte in den Taschen ihrer Rettb use und nickte. „Ich habe nämlich meine Zigaretten vergessen", gestand sie leise. ,^3ch bin eine leidenschaftliche Raucherin." Und sie nannte die von ihr bevorzugte Murke.
Charly war mit einem Satz aufgesprungen. „Aber das macht doch nichts", rief er eifrig. „Ich besorge Ihnen schnell ein paar Zigaretten, ^n einer halben Stunde bin ich von Raffles Bar ä^uck. Und m Riesenschritten stampfte er zu den Stallungen hin Ub5o(h als er den unruhig tänzelnden Schimmel fältelte, stand Anthony neben 'hm ein verschlagenes Leuchten in den Augen. „Ich hab s mir überlegt". murmeüe er. Mir werden beide reiten.
Die Dame kann sich so lange ausruhen. Wer zuerst zurück ist, hat das Vorrecht."
Charly schwieg, und fein Gesicht schimmerte fahl, wie von Mondlicht überflutet. „Wenn du die Dame anrührst, geschieht ein Unglück", flüsterte er eisig. Und er rückte mit zitternden Händen den schweren Bocksattel zurecht.
„Wir können ja auch wegen einer anderen Sache um die Wette reiten", lenkte Anthony unerwartet sanft ein, und er meinte, wer zuerst mit den Zigaretten zurück sei, bleibt hier auf her Ranch, her andere schnüre morgen sein Bündel.
Charly wickette zwei Srlberstücke in einen Putzlappen und schob den Lappen in die Sattettasche. Danach ging er in die Fvhlenbox hinüber und angelte seine Sporen vom Geschirrbrett. „Also, einverstanden", sagte er, als sich Anthony federnd auf seinen Rappen schwang. „Es fei denn, der Fabrikant entscheidet morgen anders. Und als Anthony zustimmend nickte, preschten sie gleich darauf davon, daß die Schollen von den Hufen der Pferde flogen.
Breit und schwer hockte Charly im Sattel, em Hüne von Mann. Doch aufmerksam lenkte er um jede Sumpfstelle, und so gewann er trotz seiner Körperschwere Vorsprung und konnte schließlich als erster vor Raffles Bar schweißgebadet aus dem Sattel steigen.
Der Wirt, ein kurzbeiniger Mexikaner mit einer schmutzigroten Leibschärpe, polterte verdutzt die Stiege herab. Doch Charly kramte ohne hochzublicken in der Satteltasche. Er warf Striegelbürste, Ersatzriemen und Lappenreste zu Boden. Allein das Putztuch war nicht aufzufinden, und als Anthony neben ihm den dampfenden Criollohengft zum Stehen brachte, wußte Charly, daß er das Geld verloren hatte!
Im ersten Augenblick starr vor Schreck, riß er gleich darauf hastig die Sporen ab, um sie in Zahlung zu geben. Doch der Wirt verhandelte währenddessen schon drinnen- mit Anthony. Mit drei langen Sätzen stand Anchony wenige Sekunden später wieder im Freien, stürzte zu seinem Rappen, und als er aufsaß, stieß er ein Lachen durch die Zähne, das Charly alle Farbe aus dem Gesicht trieb.
Bleich reichte Charly dem Wirt die Sporen. „Drei Päckchen Zigaretten", zischelte er. „Ich löse die Sporen morgen ein. „Und danach schwang er sich wieder auf den Schimmel, wendete und folgte
dem Davonjagenden. Er wußte, Anthony hatte ihm das Geld gestohlen, während er die Sporen aus der Fohlenbox geholt hatte. Um so weniger durste Anthony jetzt bas Rennen gewinnen, und in einem wilden Galopp setzte ihm Charly nach.
Er ritt wie um fein Leben, und kurz hinter der Bohlenbrücke hatte er den Nebenbuhler fast einge- holt, als er ein Auto passierte, ein graues, über und über beschmutztes Fahrzeug. Ein halbwüchsiger Junge in einem weiten Oelhautmantel winkte, Hilfe erbittend. Der Wagen hatte sich im zähen Morast festgefahren, und mitten im Galopp warf Charly das Pferd herum.
Hinter der Motorhaube hatte er ein Gesicht er- fannt — das Gesicht des reichen Konservenfabrikanten! Fluchend kam der Fabrikant zum Vorschein, während Anthony wie toll zur Ranch galoppierte, und Charly glitt wie ein Schatten aus dem Sattel. „Vielleicht haben Sie einen Strick bei der Hand", sagte er mit feinem sanftesten Lächeln. „Wenn wir den Gaul Vorspannen, kriegen wir Ihre Himmelsgondel bestimmt wieder frei!" Und er nahm dem Jungen einen kleinen Spaten aus feinen zarten Mädchenhänden, um die Vorderräder sreizufchaufeln.
Der Fabrikant starrte mit urnwölkter Stirn hinter Anthony her. Aber bann reichte er seinem Helfer eine dünne Stahldrosse, und wenige Minuten später faßten die Räder wieder festen Boden.
Der dicke Fabrikant strahlte. Immer wieder schüttelte er Charly bewegt die Hand, und der Junge lehnte sich bewundernd an Charly, lächelte mit roten Mädchenlippen und sagte: „Ich heiße Dolly und bin die Sekretärin von Mr. Brown. Wenn wir nachher drüben auf der Ranch ein wenig plaudern könnten ..."
Charly lachte in das lachende Gesicht, in dem zwei luftige blaue Augen leuchteten. „Meine Frau ist nämlich vorausgeritten", erklärte der Fabrikant, wieder am Steuer Platz nehmend. „Ich habe eben in Prosperia den Kaufvertrag unterzeichnet. Ich glaube, wir werden auch weiterhin gute Freunde bleiben!" Und er streckte Charly nochmals gerührt feine Hand hin.
Charly stand mitten im Regen, wie betäubt, während ihm die Sekretärin verstohlen zublinzelte. Er sah das Auto zur Ranch fahren, und indem er langsam folgte, mußte er immer wieder an Anthony denken, der sich in dieser Stunde um die schönste Chance seines Lebens gebracht hatte.


