Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront herhören!
Am kommenden Samstag, 4. TNärz, und Sonntag, 5. März 1939, finden in allen Orten des Groß- kreifes Wetterau öffentliche Versammlungen der NSDAP, statt.
„wir greifen an"
heißt die Parole. Alle fchaffenden Volksgenossen in Stadt und Land nehmen an ihrem Wohnort an den Versammlungen teil und stellen damit ihre Treue zu unserem Führer Adolf Hitler und zu Grohdeulsch- land unter Beweis.
Die Deutsche Arbeitsfront, als die vom Führer abgestellte Organisation aller schaffenden deutschen Menschen, erwartet restlose Teilnahme aller Mitglieder!
Ihr bekennt euch damit zur großen deutschen Volks- und Leistungs- gemeinschaft !
heil Hitler! Die Deutsche Arbeitsfront,
Kreiswallung Wellerau:
Kahenmeler. Kreisobmann.
Verein: 20 Uhr Vortragsabend von Ernst Kreuz- träger: „Kunterbunt", eine Stunde deutschen Humors. — Handels- und Gewerbebank: 20.15 Uhr im Restaurant „Hindenburg" 80. ordentliche Generalversammlung.
Sladlthealer Gießen.
Heute abend findet die erste Wiederholung des Ballettabends der Tanzgruppe des Stadttheaters statt. Das Programm sieht vor „Des Kaisers neue Kleider", Ballettpantomime von Jean Fran^aix, Tanzphantasie von Julius Weismann und Bunte Tänze. Choreographie Thea Maaß, musikal. Leitung: Heinz Markwardt. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 21. Vorstellung der Dienstag-Miete statt.
Spielplanänderung infolge anhaltender Erkrankungen.
Infolge anhaltender Erkrankung muß die für Mittwoch, 1. März, angesetzte Erstaufführung von „Einen Sommer lang" verschoben werden. Es gelangt dafür die Komödie „Hollywood" von Niewia- rowicz zur Aufführung. Anfang 19.30 Uhr, Ende 21.30 Uhr.
Verdis „Requiem" in der Sladtkirche.
Die Intendanz des Stadttheaters macht darauf aufmerksam, daß Verdis „Requiem", das ursprünglich im Stadttheater zur Aufführung gelangen sollte, nunmehr am Donnerstag, 2. März, in der Stadtkirche zu Gehör gebracht wird. Als Solisten wurden verpflichtet Tilla Briem, Berlin (Trägerin des Berliner Musikpreises 1938), Lore Fischer, Willy Lorscheider, Gustav Bley. Die Leitung hat Professor Stefan Temesvary. Es wirken mit: der Akademische Gesangverein, der Sängerkranz Gießen, der Offenbacher Sängerverein und das Städtische Orchester. Dieses Konzert findet gleichzeitig als 6. Platzmiete, Konzert des Gießener Konzertvereins, statt. Beginn 20 Uhr, Ende 22 Uhr.
Hitler-Jugend Dann 116.
Stamm 1/116 Gießen.
Am kommenden Donnerstag ist um 20.15 Uhr eine Besprechung der Gefolgschaftsführer und Sondereinheitsführer auf der Dienststelle des Stammes im Seltersweg.
Oie Weqebezeichnunq im Walde.
Der Reichsforstmeister als Oberste Naturschutzbehörde teilt in einem Erlaß mit, daß der Reichsverband der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine durch seine Wegebezeichnung zu seinem Teile dazu beitrage, im Sinne des Reichsnaturschutzgesetzes den wandernden Volksgenossen die Eigenart und'Schönheit der heimatlichen Natur zu erschließen. Die hierdurch bewirkte planvolle Lenkung des Wanderverkehrs liege auch im Interesse forstlicher, naturschützerischer und jagdlicher Belange und verdiene daher die Förderung der Forstbehörden. Der Erlaß gibt Gesichtspunkte für die Durchführung der Wege- bezeichnung. Gegen das maßvolle Anbringen von
Tas Wöchen WO.
Vornan von Walther Kloepffer.
dojjyrigfjf by Carl Duncker Verlag,VerllnV^Z5
7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Dos ist nämlich unser Fräulein Segellehrerin", griff Hinaerl vermittelnd ein und stellte den Kognak auf den Tisch. „Der Herr Baron entschullngen mich, ich muß in die Küche."
„Bitte, bitte, lassen Sie sich nicht aufhalten. So, Segellehrerin? — Sehr interessant! Kann man denn bei solchem Wetter segeln? Flaute, Nebel —? Verzeihen Sie meine Unkenntnis."
„Nicht sehr gut. Es ist den Leuten auch zu kalt", sagte die junge Frau.
„Ja, heuer ist schon ein Malefizwetter, ein elendiges. Ich bin heftig gespannt, wie das noch wird. Gestatten — Tinser!"
„Paula Gieseke."
„Gieseke, Gieseke? Da kenne ich einen Herrn —"
,,2Id), es gibt viele Giesekes. Der Name ist im Norden nicht selten", unterbrach sie ihn. „Der ganze Sommer ist heuer verpfuscht. Bleiben Sie länger hier?"
,Lommt ganz auf meinen Chef an. Ich bin nämlich in einer chemischen Fabrik beschäftigt. Ich weiß nicht, ob Ihnen die Firma Hegemann ein Begriff ist?"
„Ich habe davon gehört", sagte sie knapp.
„Mich wundert nur, daß das Haus trotzdem so voll ist?"
„Die Gäste sind hier vielfach Norddeutsche, kommen von weit her. werden gut verpflegt und — woanders regnet es schließlich auch", entgegnete sie sachlich.
„Richtig." Tinser trank sein Glas aus, verneigte sich und schlenderte hinaus. Bei der wird man seiner Lebtage nicht warm, das wäre nicht mein Fall, dachte er und ging in die Küche, um ein wenig in me Topfe zu gucken. Er freundete sich in Null Komma eins mit der Köchin an, brachte die Spül- madchen zum Lachen und setzte sich dann zu Herrn Hlngerl, der gerade sein Tellerfleisch zerteilte
„Also, das darin war eure Segellehrerin? Hübsch eisig ist sie. Sitzt wie ein verregnetes Huhn herum" begann er unzufrieden.
„Die hat auch keinen Grund zur Fröhlichkeit, lieber Herr Baron. Für zwei Boote die Raten bezahlen, die Miete für das Häuser! drüben und keine Schüler. Und leben wollen sie und der Bub doch
Oie Altersversorgung des Handwerks.
Handwerker-Versammlung in Gießen.
Im „Cafe Leib" zu Gießen fand am gestrigen Montagabend eine gut besuchte Handwerker-Versammlung statt, die der Aufklärung über die Altersversorgung des deutschen Handwerks auf Grund des Gesetzes vom 22.12.1938 diente.
Kreishandwerlsnieisier Stühlen
begründete die Notwendigkeit dieser Aufklärung damit, daß jedem Handwerker die Wege gewiesen werden und er weiß, wie er sich zu verhalten hat. Nachdem durch ein Gesetz die Altersversorgung angeordnet ist, gibt es keine Ausflüchte mehr. Wie bereits in den Jnnungsverfammlungen wiederholt betont wurde, kann auch hier nicht gesagt werden, was gut oder besser ist, sondern jeder einzelne hat sich Aufklärung zu verschaffen, und — was vor allem wichtig ist — jeder einzelne muß selbst entscheiden, was er nun tut. Es kann auch im allgemeinen nicht gesagt werden, was für den Einzelnen richtig wäre, sondern jeder Einzelfall muß nach den Voraussetzun- gen, den Altersverhältnissen usw. eingehend geprüft werden, und dann kann erst immer wieder jeder einzelne für sich entscheiden, welche Art der Versicherung für ihn zweckmäßig erscheint.
Der Kreishandwerksmeister hob den Wert dieses Gesetzes hervor, für das das Handwerk dem Führer dankbar sein muß, weil endlich eine Fürsorge für das Alter getroffen worden ist. Aus diesem Gesetz ergibt sich aber auch die Selbstverständlichkeit, daß der junge Handwerker sich in erster Linie für diese Versorgung einsetzt, damit er mithilft, daß den Altveteranen des Handwerks geholfen werden kann und damit er selbst später einmal der Nutznießer dieser Altersversorgung sein kann.
Herr Douveret, Frankfurt a. M.
sprach dann zum Thema des Abends und führte u. a. aus, daß der Führer durch dieses Gesetz jahrzehntelange Wünsche des Handwerks in Erfüllung bringt. Bisher bestanden nur Teillösungen in den Teilversorgungen für notleidende Handwerker, in den Jnnungssterbekassen, oder den Fürsorgekassen, die lediglich Vorläufer waren, von denen für die Zukunft viel gelernt wurde. Nach der Inflation haben die Handwerker nicht mehr die Kraft besefsen, von vorn anzufangen, oder sie hatten nicht mehr die Möglichkeit dazu.
Mit der Verabschiedung des Gesetzes über die Altersversorgung für das Deutsche Handwerk vom 21. Dez. 1938 ist die Grundlage für eine wirkungs. volle Abhilfe geschaffen. Während der Handwerksmeister für seine Gefolgschaftsmitglieder die Bei- träge zur sozialen Rentenversicherung entrichtet, mußte er bisher in seinem Alter feststellen, daß für ihn die notwendige Altersversorgung nicht geschaffen worden war. Dieser Zustand ist jetzt im nationalsozialistischen Deutschland beseitigt worden. An Hand einer Statistik wies der Redner nach, daß eine Uelieralterung des Handwerks eingesetzt hat, und er führte auch an, daß früher nur ein ganz geringer Teil der selbständigen Handwerker versichert war. Und nun wird zum ersten Male der selbständige Handwerker erfaßt.
In eingehender Weise erläuterte der Redner dann die Bestimmungen des Gesetzes, nach dem ab 1. Januar 1939 jeder in die Handwerksrolle ein
getragene Handwerker auch ohne Antrag der An- gestelltenoersicherung untersteht. Nach dem Gesetz ist jeder Handwerker, der für eine Lebensversicherung an Prämie jährlich mindestens ebensoviel aufwendet, wie er an sich voll zur Angestelltenversicherung zu bezahlen hätte, versicherungsfrei gegenüber der Angestelltenversicherung. Der Redner erläuterte, daß es jedem Handwerker frei steht, die aus diesen beiden Möglichkeiten sich ergebenden Versorgungspflichten miteinander zu verbinden. Er kann dies, indem er mit der Hälfte des Betrages der Angestelltenversiche- rung beitritt und für die andere Hälfte eine Lebensversicherung abschließt. Er empfahl den Handwerkern, eine Lebensversicherung abzuschließen, weil sie dann unter der Voraussetzung einer ärztlichen Untersuchung schon nach den ersten Beiträgen im Ernstfälle sofort die Versicherungssumme für die Versorgung ihrer Angehörigen erhalten und bei der Bezahlung der Zuschläge für den Unfall sogar die Auszahlung der doppelten Summe sichern. An vielen Beispielen machte er die verschiedenen Möglichkeiten der Lebensversicherung oder der Angestell, tenversicherung und auch der kombinierten (Lebensversicherung und Angestelltenversicherung) klar und unterstrich die Möglichkeiten zur Wiederauflebung früherer Versicherungen bei der Angestellten, oder Invalidenversicherung, wofür dem Handwerker auf Gund dieses Gesetzes ein Anrecht bis zum 31. Dez. 1940 eingeräumt ist. Ganz besonders machte er darauf aufmerksam, daß der die Lebensversicherung bevorzugende Handwerker bereits am 30. Juni 1939 im Besitz einer entsprechenden Police fein muß, well er sonst trotzdem die Beiträge zur Angestelltenversicherung zu zahlen hat. Der Jdealzustand wäre allerdings, so unterstrich der Redner, wenn jeder Handwerker neben einer ausreichenden Lebensver- sicherung auch noch in der Angestelltenversicherung bleiben würde.
Abschließend erinnerte der Redner daran, daß dieses Gesetz nur für die unter 60 Jahre alten Handwerker Gültigkeit besitzt. Wer am 1. Jan. 1939 60 Jahre war, wird davon nicht mehr betroffen. Für die über 60 Jahre alten und in Not befindlichen Handwerker soll durch eine Sammlung unter den Handwerkern und durch Beiträge verschiedener Korporationen ein Fonds geschaffen werden, für dessen Unterstützung schon jetzt der Redner die Mithilfe aller jüngeren Handwerker erbat.
Kreishandwerksmeister Stühler
dankte dem Redner für die eingehenden Erläuterungen und erinnerte daran, daß die Verforgungs. pflicht automatisch ab 1.1.1939 eingeführt ist. Wer darum nicht der Angestelltenversicherung anzugehören wünscht, muß sich nun sofort entscheiden und den Nachweis für den Abschluß einer entsprechend hohen Lebensversicherung erbringen/
Zum Schluß machte Kreishandwerksmeister Stühler auf die Straßensammlung des Handwerks am kommenden Sonntag aufmerksam und forderte die Berufskameraden auf, einsatzbereit wie immer durch rege Sammeltätigkeit dem Führer den Dank dafür abzustatten, daß er außer der Hilfe für das deutsche Handwerk auch die Versorgungspflicht eingeführt hat, deren Vorzüge allen zugute kommen werden.
Farbzeichen an Bäumen bestehen im allgemeinen keine Bedenken. Die Benutzung lebender Bäume zur Beschilderung ist grundsätzlich zu vermeiden. Wegeschilder sollen daher grundsätzlich an Pfählen ange- bracht werden. Die Wegebezeichnung darf stets nur im Einvernehmen mit den zuständigen Forstbehörden erfolgen.
Wochenmarktausweise für Erzeuger von Gartenbauerreuanisten
FWD. Durch Anordnung Nr. 3/39 der HV. der deutschen Gartenbauwirtschaft vorn 23.2.39 wird bestimmt, daß zum Verkauf von Gartenbauerzeugnissen auf Wochenmärkten (Kleinmärkten) nur solche Erzeuger und Verteiler berechtigt sind, die Inhaber
auch: sie hat nämlich ihren kleinen Bruder bei sich Wer lernt denn bei dem Wetter segeln! Wenn es so weitergeht, muß ich die Dampfheizung an- stellen. Wie wäre es mit Ihnen, Herr Baron? Segeln ist doch ein schöner Sport, und Sie würden ein gutes Werk tun."
„Mal überlegen", brummte Tinser unverbindlich.
„Vielleicht können Sie auch ein paar andere dazu animieren. Das junge Fräulein Hegemann zum Beispiel."
„Wir wollen sehen."
In diesem Augenblick erklang ungeduldig eine Hupe. „Das könnte die Familie Hegemann sein", meinte der Wirt und eilte mit Tinser oors Haus.
„Endstation, alles ausfteigen", lachte Hegemann vergnügt. „Tag, Tinser. Schon lange da? Hat ein Herr Lorinser nach mir gefragt, Hingerl? Das ist nämlich auch ein Angler, und zwar ein großer vor dem Herrn, gegen den ich mich verstecken kann. Was tut denn die Hutschachtel da auf meinen Knien? Zeug schleppen diese Frauenzimmer mit! Meine Frau läßt sich entschuldigen. Sie hat sich im letzten Moment anders besonnen und fährt zu einer Freundin nach Kopenhagen. Na, wir werden auch so nicht verhungern, was, Maxie? Und jetzt will ich mich schleunigst umziehen, runter mit dem Geheimrat und rein in die kurze Wichs. Haben Sie das Angelzeug, Fräulein Koswalski? Dann los mit euch und Einzug ins gelobte Land."
Tinser brachte die Gesellschaft bis vor ihre Türen und fand, daß Maxie in ihrer tarierten Sportjacke einfach zum Anbeißen war.
„Kinn ich etwas für Sie tun?" flüsterte er mit dunkler Stimme: sein rasch entflammtes Herz brannte lichterloh.
Danke. Ich wüßte nicht, was", lächelte sie. „Beim Esien„sehen wir uns wieder. Bis dahin auf Wieder- sehen", sie gab ihm die Hand und ging in ihr Zimmer.
Hegemann stöberte unterdessen mißtrauisch in sei- nem Bett herum, warf die Polster durcheinander und probierte die Sprungfedern aus. Er fand, das ganze Zimmer röche noch zu stark nach Lack und Tapete. Dann machte er sich über seinen Koffer her. Plötzlich rief er verzweifelt: „Himmelelementnoch- mal roo ist denn mein Hut? Mein grünes Garns- barthütel? Habt ihr das etwa nicht eingepackt? Maxie, Fräulein — was soll denn dieser Blödsinnige neue Deckel bedeuten?"
Die beiden kamen eilends aus ihren Räumen herbei und warfen sich besorgte Blicke zu.
„Die gnädige Frau", stotterte das Fräulein er« bleichend, „hat cs mir so aufgetragen. Sie meinte,.
von Wochenmarktausweifen find. Der Ausweis wird auf Antrag durch den zuständigen Gartenbauwirtschaftsverband ausgestellt. Der Besuch von Wochenmärkten durch Erzeuger ist mindestens in einem Umfange zuzulassen, der eine ausreichende Beschickung der Wochenmärkte mit Erzeugnissen des Gartenbaues sichert, die Beschickung ist vornehmlich Klein- und Kleinsterzeugem vorzubehalten. Mit der Aushändigung des Wochenmarktausweises an Erzeuger entfällt für die zuständige Bezirksabgabestelle die Verpflichtung, von solchen Erzeugern andiente Erzeugnisse abzunehmen. Die Abgabe von Gartenbauerzeugnissen auf Wochenmärkten (Kleinmärkten) an Verteiler ist unzulässig. Die Anordnung ist mit sofortiger Wirkung in Kraft getreten.
der Herr Geheimrat könnte in dem alten schäbigen Hut unmöglich mehr herumlaufen."
„Das geht ja heiter an", wetterte Hegemann. „Mir einfach das Hüte! nicht einpacken! Das Hütel, das ich schon zehn Jahre trage und an das ich gewöhnt bin!"
„Geh, Paps, sei friedlich. Gib das neue mal her, ich mache es dir alt", begütigte Maxie, knete den steifen Filz und hieb mit der Faust ein paar verwegene Dellen hinein. „Siehst du, jetzt ist er gleich anders. Gelt, so paßt er?"
Hegemann brummte immer noch Unfreundlichkeiten. Maxie gab ihm einen Kuß. Dann zogen sie und das Fräulein ab. Fräulein Eberhardine Koswalski, kurz „das Fräulein" genannt, weil die anderen Namen so schlecht auszusprechen waren, befand sich bereits acht Jahre im Hegernannschen Haushalt, aber an den gelegentlichen Polterton des Herrn hatte sie sich noch immer nicht gewöhnt. Sie war eine ältliche Person, etwas prüde und außerdem Spezialistin im Einwecken von allerhand guten Sachen.
Maxie besah sich kurz im Spiegel, war zufrieden und verließ mit einem unternehmungslustigen Gesicht ihr Zimmer. Sie schlich vorsichtig die Treppe hinab und durch den Hausgang, um nicht von Tinser beschlagnahmt zu werden. Dann trieb sie sich ein wenig zwischen den Kastanien herum und tat, als ob sie nur Interesse für den See hätte. In Wirklichkeit hielt sie Ausschau nach Holl.
Der Hotelgarten sah wenig einladend aus. Stühle standen auf den Tischen, abgerissene Blätter lagen am Boden und zuweilen tropfte es von den Zweigen. Es hatte die Nacht durch geregnet, der Hirn- mel war blaßgrau und ließ keine Sonne erhoffen. Zwei abgetakelte Segelschiffe scheuerten an ihren Bojen und träge Wellen klatschten an die Kaimauer aus Beton. Kein Boot auf dem Wasser, kein Schwim- mer: nur auf dem Dampfersteg kümmelte ein unverdrossener Angler und starrte auf seinen Kork. Maxie nahm zwei tiefe Atemzüge voll Seeshamer Luft und redete sich ein, sie sei wunderbar und we- senllich anders als die in der Großstadt. Dann schritt sie auf die windschiefe Badeanstalt zu, auf deren Temperaturtafel eine 22 prangte, aber es war kein Betrieb.
Maxie verließ das Bad, ging wieder zurück und kam an dem Häuschen von Paula Gieseke vorüber. Plötzlich trat Holl aus der Haustür. Er hatte auf Maxie gewartet, hatte sie kommen sehen und trug 3ur Feier des Tages seinen blauen Anzug und seine flotteste Krawatte, die ein bißchen auf der Seite saß, ein Lapsus, der Herrn von Tinser niemals unter-1 lausen wäre.
Erweiterung
der EHW.-Ekhweinemäfferei.
In Kürze wird die Stadt die Errichtung eines zweiten Schweinestalles für die Schweinemästerei des Ernährungshilfswerks (EHW.) der NSV. auf dem Grundstück an der Haardt in Angriff nehmen lassen. Die Vergebung der Erd-, Maurer-, Beton-, Zimmerer-, Dach- und Spenglerarbeiten wird heute vom Stadtbauamt ausgeschrieben. Der zweite Stall soll die Möglichkeit bieten, den bisherigen Bestand an Schweinen zur Ausmästung zu verdoppeln, so daß das EHW. nach Fertigstellung dieses Stallbaues ständig rund 400 Schweine zur Mast halten kann. Das fortgesetzt gute Ergebnis der Sammlung von Küchenabfällen aus den Haushaltungen unserer Stadt ermöglicht die Fütterung dieser großen Zahl von Schweinen, selbstverständlich unter Hinzufügung anderer Futtermittel. Mit der Fertigstellung des neuen Stallgebäudes ist etwa bis zur Mitte des Sommers zu rechnen, so daß der verdoppelle Bestand an Schweinen etwa vom September ab ein« gestallt werden kann.
Gietzener Vochenmarktpreife.
* G i e ß e n, 28. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf,, Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, Vi kg 15, Weißkraut 11 bis 13, Rotkraut 14 bis 16, gelbe Rüben 12 bis 14, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 30 bis 35, Unterkohlrabi 8 Bis 10, Rosenkohl 45 Pf., Feldsalat 1,10 Mark, '/i«. 12 bis 15 Pf., Tomaten, % kg 30 bis 40 Ps., Zwiebeln 13 bis 16, Meerrettich 40 bis 70, Schwarzwurzeln 20 bis 40, Rhabarber (Treibhaus) 70, Kartoffeln,
kg 5 Pf., 5 kg 43 Pf., 50 kg 3,35 bis 3,75 Mark, Aepfel, Vi kg 45 Pf., Blumenkohl, das Stück 20 bis 40, Salat 15 bis 20, Endivien 10 bis 20, Lauch 5 bis 12, Rettich 10 bis 35, Sellerie 10 bis 35, % kg 30 Pf.
*
** Gendarmeriepersonalie. Der Gendarmerie-Hauptwachtmeister Linzbach in Lol« lar wurde nach Abtsdorf bei Zwickau versetzt. Er hat seinen Dienst dort bereits angetreten.
** D i e städtischen Straßenkanäle sollen in der Zeit vom 5. bis 21. März gespült werden. Es empfiehlt sich, während dieser Zell die Rückstauverschlüsse an den Grundstücksentwässerungen zu verschließen.
** Kanalbauten in derv erlängerten Eder st raße. Die Arbeiten für einen Regen- und Schmutzwasserkanal in der verlängerten Ederstraße sollen vom Stadtbauamt vergeebn werden.
"Noch gut abgegangen. Am gestrigen Montag gegen 17 Uhr wurde in der Nähe der Wellersburg ein Motorradfahrer von einem überholenden Auto angefahren. Der Motorradler stürzte dabei, fiel aber zum Glück so günstig, daß ihm selbst nichts weiter passierte. Dagegen wurde das Motorrad beschädigt.
Amtsgericht Giehen.
Die O. Sp. aus Hohenfelde war des Betrugs und der Unterschlagung (Vergehen gegen §§ 263, 246 StGB, beschuldigt. Durch die Betrügereien wurden die Stadt Gießen um 18,55 Mark und ein Gast- wirt um 1,50 Mark geschädigt. Die Angeklagte war geständig.
Der Vertreter der Anklage beantragte, auf eine ©efamtgefängnisftrafe von zwei Wochen zu erkennen.
Die Angeklagte wurde, unter Freisprechung im übrigen wegen Betrugs zu einer (9 e f a m t g e« fängnisftrafe von zehn Tagen unter Anrechnung von vier Tagen der Untersuchungshaft verurteilt. Die Rechtskraft des Urteils wurde sofort anerkannt.
♦
Der Fr. Kl. in Klein-Linden hatte sich wegen Zechbetrugs in 19 Fällen (Vergehen gegen § 263 StGB.) zu verantworten. Der Angeklagte, der geständig war, wandte bei den Betrügereien zwei Methoden an, entweder verschwand er, nachdem er die bestellten Speisen und Getränke verzehrt hatte, oder er gab an, er habe kein Geld bei sich und versprach dal- dige Zahlung. Trotzdem er von der Polizei verwarnt worden war, setzte er die Betrügereien immer
„Grüß dich Gott, Maxie! Klappt wunderschön, nicht?" Er preßte ihre Hand und machte fröhliche Augen.
„Tag, Georg. Hör mal, das klappt nur halb. Paps hat diesen Herrn von Tinser eingeladen. Es war gar keine Gelegenheit, ihm das auszureden."
„Das ist der mit dem gelben Wagen? Der Volontär?"
„Ja. Er ist übrigens ein ganz netter Mensch. Nur hier stört er; Paps hat mich vollkommen überrumpelt."
„Hast du Zeit?"
„Bis zum Essen. Wo gehen mir denn hin?"
„Ich denke am Ufer entlang. Großartiger Weg, ganz wenig Leute. Komm! Freust du dich, Maxie?"
„Sehr. Hoffentlich wird's morgen Jd)ön. Der Wetterbericht spricht von Aufheiterung. Morgen möchte ich dich auch mit meinem Vater zusammenbringen. Warum wohnst du eigentlich nicht drüben bei uns?"
Holl schämte sich zu sagen, daß dies aus Sparsamkeitsgründen geschehen war. „Ich finde es so besser", erwiderte er ausweichend.
„Vielleicht hast du recht. Ader jetzt gib mir endlich einen Kuß, Schorschi."
Maxies Optimismus trog, das Wetter blieb schlecht. Regen an einem See ist zehnmal schlimmer als Regen woanders. Die Gäste der „Neuen Post" liefen eingemummt wie Nordpolfahrer herum, mit gekränkten Mienen, übellaunig. Sie suchten mehrmals täglich den Himmel nach günstigen Vorzeichen ab, fanden solche, täuschten sich, schmökerten in uralten Zeitungen und wärmten noch ältere Witze auf. Der Bademeister Weinzierl löschte mit dem Aermel die 22 aus Kreide weg und würzte diele Handlung mit einem in Bayern viel verwendeten Kraftspruch.
Hegemann kam verhältnismäßig gut durch diese Schlechtwetterperiode. Er stand mit seinem Bekannten Lorinser stundenlang am Dampfersteg, in einen Lodenmantel gehüllt, kettenrauchend, und fischte. Mal auf Karpfen, wozu er winzige, ganz schwach ange« kochte Kartöffelchen brauchte, mal auf Hechte, wobei ein blitzernder Köderfisch und eine sogenannte Heber« kopfwurs-Rute eine Rolle spielte, mal auf bas andere Kroppzeug, Birschlinge, Schleien, Weißfische, für die der mit Recht so beliebte Regenwurm genügte. Die übrige Zeit drosch Hegemann im Bier- stüberl Tarock und Skat, zahlte den Einheimischen Bier und begleitete dies Tun mit kerniaen, unfrommen Sprüchen, die feiner verwitterten Trachtenhose entsprachen.
(Fortsetzung folgt!)


