Ausgabe 
27.11.1939
 
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hn Namen aller Führerratsmitgkieder für seine dem Kreisverband seit 1933 geleistete selbstlose Arbeit zu danken, und überreichte chm als äußeres Zeichen ein Ehrengeschenk.

Kreisfeuerwehrführer Bouffier dankte in be­wegten Worten für diese Ehrung. Mit dem Gruß an den Führer schloß er die denkwürdige Sitzung.

3m Trommel-euer der Westfront.

In sehr gut besuchten Sondervorführungen wurde am Samstagabend und am Sonntagvormittag im Gloria-Palast ein Film gezeigt, der in Bild und Ton den Weltkrieg in Erinnerung rief, wie ihn unsere Soldaten von 1914/18 in der vordersten Front er­lebten. An Hand authentischen Bildmaterials und mancher Aufnahme, die unmittelbar aus dem Kriegs­geschehen gewonnen war und daher dokumentarischen Charakter hatte, war ein Film zusammengestellt worden, der in seiner Gesamtheit zu einem Hohelied des Heldentums der deutschen Soldaten wurde, die in zerschossenen und verschlammten Schützengräben, in Unterständen und in vorgeschobenen Sappen oft mehrtägiges Trommelfeuer durchstanden und dann noch bereit waren, dem anstürmenden Feind härtesten Widerstand entgegenzusetzen. Zn eindringlichen Bil­dern sah man die Bereitstellung der Truppen in den Quartieren, den Vormarsch in die Stellungen, das Leben in den Unterständen, die Wacht in Schützen­gräben und die gefährlichen Patrouillengänge fest- gehalten. Man wurde Zeuge der Luftkämpfe und der Heldentaten deutscher Flieger, erlebte den Einsatz der Artillerie in allen Erscheinungsformen, sah Bilder vom Aufstieg der Beobachter in Fesselballonen und schließlich als eindrucksvollen Höhepunkt einen feind­lichen Tankangriff, dem damals die heldenhaften deutschen Truppen mit gebündelten Handgranaten als geballte Ladung begegneten. Der Film versuchte auch den Feinden an der Westfront gerecht zu wer­den, und manches Bild führte auch hinter die vor­dersten Linien, in die Gräben und Artilleriestellungen der Engländer und Franzosen. Aus Anlaß des Toten­sonntags lenkte der Film die Gedanken nachdrücklich auf das große Opfer, das deutsche Soldaten im Weltkrieg 1914/18 für ihr Vaterland brachten, so wie auch heute wieder das deutsche Volk bereit ist, für die Heimat mit allen Kräften einzustehen.

** Eine Achtzigjährige. Am morgigen Dienstag, 28. November, kann Frau Margarethe Heyer in Gießen, Frankfurter Straße 138 wohn­haft, ihren 80. Geburtstag begehen. Frau Heyer hat im Weltkrieg einen Sohn verloren, der bei dem Jnf.-Regt. 53 gedient hat. Der Neichskriegsopfer- führer wird der Jubilarin durch die hiesige Kamerad­schaft der NSKOV. am morgigen 80. Geburtstage eine Ehrengabe und ein Glückwunschschreiben über­reichen lassen. Auch mir bringen der Jubilarin unseren herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag dar.

Aus der engeren Heimat.

Landkreis Gießen

* Nieder-Bessingen, 27.Nov. Am mor­gigen Dienstag, 28.November, kann die älteste Einwohnerin unseres Dorfes, Frau' Marie Pein, Witwe, geb. Krämer, in körperlicher und geistiger Frische ihren 8 7. Geburtstag be- gchen. Die Jubilarin lieft nach täglich den Gießener Anzeiger und nimmt am Tagesgeschehen regen An­teil. Zu ihrem Geburtstag beglückwünschen auch wir die Jubilarin herzlich.

Kreis Wehlar.

t Krumb ach, 26.Nov. Nach Beendigung der landwirtschaftlichen Arbeiten ist für die Landwirte wieder die Zeit gekommen, da sie sich als Holz­hauer betätigen können. Die Holzhauer der Ge­meinden Krumbach und Frankenbach (Försterei Frankenbach) haben die Arbeiten in Angriff ge­nommen. Die Holzhauer der Oberförsterei Bieber- Dünsberg sind ebenfalls schon tätig. Nachdem die Berufs- und Handarbeitsschullehrerin Frl. Rein am 1. Oktober aus dem Schuldienst ausge­schieden ist, übernahm Frl. Ehrentreich aus Schlüchtern die Stelle. Sie hat ihren Wohnsitz in Hohensolms und versieht die Gemeinden Krumbach, tzrankenbach, Erda, Altenstädten, Königsberg, Hohensolms und Blasbach.

Spielausfälle in Hessen.

Im Gau Hessen kamen nur einige kleinere Winter­hilfsspiele zum Austrag. Die Kämpfe in Hanau, Kassel, Friedberg, Gießen usw. fielen aus.

Rudi Kranz siegt am Zugspihplatt.

Einen ausgezeichneten Verlauf nahm die Eröff­nung des diesjährigen Sportwinters mit dem Tor­lauf des Schiklubs Zugspitzferner auf dem Zugspitz­platt. Von 100 gemeldeten hatten sich insgesamt 92 der besten deutschen Slalomläufer und -läuferinnen eingesunden, die sich in allen Klassen prächtige Kämpfe lieferten. Es konnte jedoch nur ein Lauf aus­getragen werden. Sieger wurde der Deutsche Slalom­

meister Rudi Cranz vor Helmut Lantschner und Walter Clausing. Dann erst folgte Weltmeister Jennewein, während der Favorit Willy Walch durch einen Sturz kostbare Zeit verloren hatte und mit dem 8. Platz vorlieb nehmen mußte. Rudi Cranz be­nötigte für den Lauf durch 32 Flaggentore 51,3 Se­kunden, eine ganz hervorragende Zeit, die bisher noch nicht erreicht wurde. Bei den Frauen, die schneller waren als die Altersklasse der Männer, stand die Olympiasiegerin Christi Cranz mit ihrem Können allein auf weiter Flur: die Innsbruckerin Helga Gödl und Rosemarie Proxauf enttäuschten etwas. Christi Cranz benötigte genau eine Minute. In her Altersklasse belegte der Partenkirchener L e i nr den 1. Platz.

Weiterarbeit im Turnverein 1846.

Jetzt haben auch die Turner begonnen, das Ka- meradschaftsleben enger zu gestalten. Samstagabend kamen sie bei Bepler in der Bahnhofstraße zu­sammen. Ein Mahnwort von Jahn eröffnete den sehr gut besuchten Abend. Der Vereinsführer Fritz Wiegand begrüßte Turner, Soldaten und Alters­turner. Der Dereinsführer gab einen Ueberblick über die Lage des Vereins, der jetzt wieder sehr günstig dastehe und machte bekannt, daß nun auch regelmäßig Kameradschaftsabende abgehalten wer­den sollen. Dies geschehe auch im Sinne der 30 unter den Fahnen stehenden Kameraden, die es selbstverständlich finden, daß das, was sie mit auf­gebaut haben auch erhalten wird. Die Feldpostoer- b'inbung mit ihnen sei bereits aufgenommen und Kamerad Franz Sauer ist beauftragt, alle Kar­ten und Briefe zu sammeln, damit sie zu einem Ehrenbuch vereinigt werden. Wie die Turner an der Front, so haben auch diejenigen in der Heimat eine große Verpflichtung: sie müssen sich Mit allen Kräften für ihre Aufgaben einsetzen. Der Turner hat vor allein die körperliche Ertüchtigung der Jugend fortHuführen. In einem Rundschreiben an alle Mitglieder gab der Turnrat eine Uebersicht über die Verhältnisse im Verein. Es wurde darin zum Ausdruck gebracht, daß sich die wirtschaftlichen Verhältnisse wesentlich gebessert haben. Die Stadt­verwaltung hat dem Verein die Turnhalle der Schil­lerschule mietweise überlassen, in der jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr Uebungsstunden gehalten wer­den, die dank der unermüdlichen Arbeit der ein­zelnen Abteilungsleiter eine gute Beteiligung auf­

weisen. In dem Rundschreiben wurde noch gesagt, daß sich der Verein in festen Händen befindet und daß die Vereinsführung bestrebt sei, die fast 100- jährige Tradition des Vereins zu wahren. Ehren­vorsitzender Erle richtete einige aufmunternde Worte an die Turner und betonte, daß die Körper­ertüchtigung nicht nur für die Jugend, sondern auch für die Alten notwendiger denn je sei. Schon ein­mal, während des Weltkrieges standen 360 Turner in der Front und 41 haben ein ehrendes Anden­ken in den Reihen des Vereins gefunden. Die Tur­ner feien stolz darauf, daß ihre Kameraden, die schon vor 25 Jahren mit dabei waren, durch das Turnen so frisch geblieben sind, daß sie auch heute an be­vorzugten Stellen unter den Fahnen stehen.

Ehrenoberturnwart Karl Erb berichtete über die bisherige turnerische Betätigung, die trotz der Ein­schränkungen einen erfreulichen Stand aufweist. Kamerad Franz Sauer machte auf neue Verord­nungen des Reichssportführers aufmerksam und las einen Aufruf vor. Die Leiterin des Frauenturnens Durnkameradin Hauck gab einen Bericht über die Turnstunden der aktiven und jugendlichen Turne­rinnen. Jetzt soll auch das Kinderturnen wieder aus- gebaut und auch das Frauenturnen wieder auf- genommen werden. Kamerad Sauer sprach noch über die Sportkameradschaften, die Ortssportgemein- schaften und über das Gemeinschaftsleben und er­zählte aus feinem derzeitigen Wirkungsbereich. Der­einsführer Fritz Wiegand fchloß den anregend verlaufenen Abend mit einem Treugruß an den Führer.

Weltmeister Italien im Olympia-Stadion

5:2 geschlagen.

Der achte Fußballänderkampf zwischen Deutsch- lcnck und dem Weltmeister Italien, der am Sonn­tag vor 90 000 Besuchern hn Berliner Olympia- Stadion vor sich ging, gestaltete sich zu einem ein­drucksvollen deutschen Triumph. Mit 5:2 Toren wurde der Weltmeister geschlagen, nachdem man bei der Pcrüse noch einen Stand von 2:2 notiert hatte. Die deutsche Elf lieferte trotz der ungünstigen Bo­denverhältnisse ein ausgezeichnetes Spiel, und er­freulicherweise wurden alle Erwartungen, die man in die neue deutsche Stürmerreihe gesetzt hatte, restlos erfüllt Der Wiener Binder war mit drei Treffern wieder der erfolgreichste Torschütze.

Großer Kampf bis zur Pause.

Unter den 90 000 Zuschauern hn weiten Oval stimmten die Männer im grauen Rock begeistert in die schmissigen Marschweifen ein, die von einem Musikzug eines Flakregiments gespielt wurden. Ein orkanartiger Jubel begrüßte die beiden einlaufen- den Mannschaften, die wie folgt Aufstellung nah­men:

Deutschland: Tor: Raftl; Verteidigung: Janes, Billmann; Läuferreihe: Kupfer, Rohde, Kit­

Vmger; Sturm: Lehner, Hahnemann, Conen, Mn- oer, Presser.

Italien: Tor: Ottvieri; Verteidigung: Marchi, Sardelli; Läuferreihe: Genta, Bottistoni, Perazzolo; Sturm: Neri, Demaria, Bofft, Scarabello, Colausst

Italiens Anstoß wird abgefangen, aber beim An­griff der Deutschen rutscht Conen auf dem glatten Feld aus. Der Ball ist verloren. Svfort sind die Italiener im deutschen Strafraum und beschwören einen gefährlichen Augenblick vor unserem Tor herauf. Die Spieler haben auf dem schlüpfrigen Boden keinen leichten Stand und können sich kaum auf den Beinen halten. Die Italiener versuchen ein halbhohes Spiel, dagegen kombiniert der deutsche Angriff flacher und kürzer. Lehner, Janes und Rohde zeichnen sich durch prächtigen Einsatz aus. DieAzzurri" sind ungemein schnell und hart. In weiten Kombinationen kommt der rechte Flügel plötzlich durch, und mit wuchtigem Schuß bezwingt Italiens Rechtsaußen Neri den Wiener Raftl in der 15. Minute zum erstenmal. Wenig später glückt der Ausgleich. Conen bricht unerwartet mit einem steil vorgelegten Ball durch, wird vom Leder ge­

drängt, kann den Ball aber noch mit einem Pur- zen Trick an Lehner geben. Der Rechtsaußen er­saßt die Lage und flankt zur Mitte, wo Binder bereits in Stellung gegangen ist. Der Wiener schießt seelenruhig aus 5 Meter Entfernung ins Netz. So. fort nach dem Wiederanstoß drängen die Italiener und im deutschen Strafraum gibt es schwere Arbeit zu verrichten. Billmann wird angeschossen, aber Esguartin entscheidet Hand-Elfmeter. Demaria sendet zum zweiten Tor für Italien ein. Weiter geht der Kampf mit unerhörtem Einsatz. In der 34. Minute werden drei Ecken hintereinander er. zielt. Zwei Minuten später holt Binder den Gleichstand heraus. Bei einem der zahlreichen deut- schen Vorstöße bleibt der Ball vor dem italienischen Tor in einer Wasserpfütze stecken. Binder startet blitzschnell, ist schon am Ball und knallt einen wun- dervollen Flachschuß ins Netz. Im Zeichen starker deutscher Ueberlegenheit stehen die letzten Minuten vor der Pause.

Bevor das Spiel weitergeht, marschieren beide Mannschaften zum Marathontor. Das olympische Feuer flammt auf, und während das Lied vom guten Kameraden erklingt, erheben sich die 90 000 von ihren Plätzen und ehren in schweigendem Ge- denken die gefallenen Kameraden des Krieges und der Bewegung.

Der Sieg für Deutschland.

Mit ungebrochenem Kampfgeist stürmt die deutsche Els nach der Pause weiter. In der 47. Mi« nute unternimmt Conen im gewaltigen Spurt einen Alleingang. Sein Schuß aus 20 Meter Entfernung wird aber von Oliavieri gehalten. Wenig später rettet Marchi nur dadurch, daß er vor dem mit Riesenschritten heranbrausenden Binder zur fünf, ten Ecke austritt. Dann gehen die Deutschen in Führung! Nach einem Einwurf flankt Binder in den italienischen Strafraum. Lehner springt mit mächtigem Satz, köpft, aber Ottvieri schlägt den Ball zurück. Doch Lehner ist wieder zur Stelle und schiebt aus nur 3 Meter Entfernung ein. Die Zuschauer rasen vor Begeisterung. Unaufhörlich spornen sie unsere Spieler an. Der deutsche Innen- sturm ist wieder durchgekommen, Conen erhält den Ball und mit restlosem Einsatz, fünf Meter vor Olivieri stehend, erzwingt er das vierte Tor. Dann muß Raftl wieder einmal eingreifen und hechtet mit großer Entschlossenheit einen Bombenschuß Demarias zur zweiten italienischen Ecke aus. ©ar. 'belli kann in der 86. Minute einen Treffen nur dadurch verhüten, daß er sich im Strafraum auf den Ball wirft und ihn mit den Händen berührt. Esguartin deutet auf den Elfmeterpunkt. Binder baut sich vor dem Leder auf und verwandelt Mit Wucht und Genauigkeit zum 5:2. In den wenigen Minuten bis zum Schlußpfiff ändert sich Vichts mehr.

Italiens Elf zu jung.

DieAzzurri"stnd zweifellos mit einer zu junaen Mannschaft angetreten. Dazu tarnen die ungewohn­ten Bodenverhältnisse. Enscheidend war vielleicht, daß Verteidigung und Läuferreihe nach der Pause mehr und mehr auseinanderftelen. Der Sturm mühte sich redlich, aber da die Verbindung nach hinten oft fehlte, Noppte es nicht richtig.

Die Deutschen besser als je!

Die hohen Erwartungen, die ganz Fußball- Deutschland an dieses Länderspiel knüpfte, wurden in einem Matze übertroffen, wie es wohl niemand für möglich gehalten hätte. Eine nicht zu über- bietende Kondition aller Spiel'er war die Grund, läge für den Elan und den Siegeswillen unserer Mannschaft. All diese Tugenden einer Klasseelf, ver. bunden mit großem technischen Können, mußten schließlich zum Siege sührem

j-t/lr-x Deutsche! Für den Sieg ist lllllh t\W\ ausschlaggebend, welches Volk sich in der Heimat am festesten O mit der Front verbunden fühlt. Auch hier werden wir Deutsche im rcriegs-rvhlv. (939/40 starker sein als unsere Feinde es sich vorzustellen vermögen.

Meta Brix

CARL DUNCKER VERLAG BERLIN

12. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Zaduk verhandelte jetzt rnit'der rothaarigen Henni. Das Mädchen lachte. Der herzförmige Mund leuch­tete aus dem zarten Gesicht. Das Gespräch sah nicht gerade nach ernsten Geschäften aus. Die hatte Zaduk bereits erledigt. Man traf jetzt eine Ver­abredung für den Abend.

Bringen Sie auch Ihre Freundinnen mit!" sagte Zaduk.Mein Bruder wird sich freuen."

Er sah auf und erkannte Doktor Heitfeld. Sein Ton wechselte blitzschnell. Ebenso der Ausdruck seines Gesichtes.

Dobar dan, Doktor Heitfeld! Kako je?"

Waldemar beherrschte die serbokroatische Sprache durchaus. Er entgegnete:Hvala" wiederholte deutsch:Danke, es geht mir gut."

Er stellte Zaduk seinem Vater vor. Die Herren wechselten ein paar Worte. Der dunkle Mann zeigte lebhaft auf Brehms Zeichnungen. Er schien begeistert.

Da sah er Luise. Sie stand an der anderen Seite des Pavillons und sprach mit Dilly Delfen.

Waldemar Heitfeld beobachtete das ziemlich auf­fällige Stutzen Zaduks und fragte:Sie kennen Frau Domkat, Herr Zaduk?"

Dieser hörte gar nickt auf Heitfelds Frage. Er sah wie gebannt auf diese schlanke Frau, die er doch kannte dieses kastanienbraune Gelock über dem schneeweißen Nacken

In München, in der Bar damals, schimmerte dieses Haar unter dem zarten Silbergespinst einer Kappe. Und im Zuge lag es wirr und ungeordnet vom flüchtigen Schlaf um ein zuerst erschrockenes und dann sehr empörtes Gesicht.

Doktor Heitfeld berührte Zaduk leicht am Arm und wiederholte seine Frage:Molim bitte, Herr Zaduk"

Das scharf geprägte Gesicht wandte sich dem blonden Manne zu.Verzeihung" Er verneigte sich leicht gegen den älteren Heitfeld. Er roanbte sich an den Doktor und kam dessen Frage zuvor: Eine scharmante Frau dort drüben an Ihrem Standl Sie kennen sie vielleicht?"

Das ist Frau Domkat, meine Sekretärin Herr Zaduk", antwortete Matthias Heitfeld.

Der Serbe sah erstaunt zu dem älteren Mann auf. Er meinte es klang gedehnt:Ah so Ihre Sekretärin"

Waldemar sagte:Eben, als wir kamen, erkannte Frau Domkat Sie. Sie erwähnte eine frühere Be­gegnung. Sie erinnern sich?"

,Zn der Tat?"

Es war ein leicht erstauntes Wort, aber keine Antwort.

Der dunkelhäutige Mann blieb ganz unbefangen. Wenn jene Begegnung eine peinliche Erinnerung hinterlassen hatte seine Schuld war es nicht. Im Augenblick war die Angelegenheit für Zaduk erledigt. Dieser bildschönen Sekretärin des Parfü­meurs Heitfeld würde man zu begegnen wissen< aber nicht unmittelbar unter den Augen der Herrn' Chefs

Waldemar Heitfeld fühlte eine zornige Gereizt» heit. Er sah, wie auch auf der Stirn seines Vpters, zwischen den buschigen Brauen, die steile Falte auf- ftieg, die immer ein Zeichen seines Unwillens war.

Matthias Heitfeld grüßte kurz:Ich muß gleich weiter, Herr Zaduk. Sie besprechen wohl die Ge­schäfte sofern etwas vorliegt nut meinem Sohn oder morgen oder wann es Ihnen beliebt in unterem Kontor."

Er ging zu der Seite seiner Ausstellung, wo Luise stand. Er nickte den drei hübschen Mädchen zu, die hier seine Parfümerie vertraten. Jetzt war auch der Propagandaleiter Warnte da, er zeigte mit einer leichten Kopfbewegung auf Zaduk, der sich drüben langsam mit dem Doktor Heitfeld entfernte.

Unser Rohstofflieferant, dieser Herr Zaduk, ist aber ein unangenehm neugieriger Mensch!"

Wieso?" fragte Mattias Heitfeld.

Nun, er hat Fräulein Bergmann mit Fragen nach unserem »Inkognito* gelöchert!"

So Fräulein Bergmann, hat Herr Zaduk auch Ware bestellt?"

Das rothaarige Fräulein hatte die Order schon zur Hand. Sie las eifrig vor. Sie sagte:Der Herr be­stellte vor allem »Inkognitos Er schien begeistert davon. Er bestellte alle Artikel dieser Serie." Sie zählte auf:Parfüm, Puder, Lotion, Eau de Co­logne"

Sie lachte:Er meinte, er müßte seinen Freundin­nen daheim auch einmal eine Freude machen!"

Heitfeld nickte und dankte dem Fräulein. Er wandte sich an seine Sekretärin:Denken wir jetzt an unseren Artikel, Frau Domtat gehen wir."

*

Die Brüder Joso und Kara Zaduk trafen sich zum Essen in ihrem Hotel wieder. Sie sprachen während der Mahlzeit eifrig von ihren Geschäften und wußten kaum, was sie aßen.

Kara, der ältere Zaduk, ähnelte seinem Bruder wenig. Er war klein und schmächtig. Die kurz­sichtigen Augen verbarg eine Brille. Er pflegte seine Reden mit vielen und lebhaften Handbewe­gungen zu unterstreichen.

Sie tranken nach dem Essen ihren Kaffee und rauchten.

Kara sah den Bruder aufmerksam an. Joso war merkwürdig zerstreut.

Der Altere sagte:Und was hast du bei den Heitfelds erreicht?"

Joso Zaduk hatte nur halb zugehört. Seine Blicke gingen über den Bruder weg er dachte an diese Sekretärin der Heitfelds. Er entsann sich jetzt damals hn Orient-Expreß hatte sie Aus­weise bei sich, wonach sie Tänzerin war.

Die Stimme Karas kam wie aus der Ferne, er wiederholte ärgerlich seine Frage.

Joso zündete sich eine neue Zigarette an und entgegnete:Die Heitfelds haben die Werbung für ihr Parfüm »Inkognito* ganz großartig aufgezogen! Ein mysteriöser Name, der natürlich außerordent­lich zum Kauf reizt. So etwas lieben die Frauen. Und die Heitfelds machen anscheinend glänzende Geschäfte mit dieser Komposition. Sie werden da­zu, denke ich, die von Doktor Heitfeld neuentdeckten Wurzeln nehmen. Wir können ihnen ja gar nicht genug davon liefern!"

Diese Vermutung hatten wir ja bereits", sagte Kara ärgerlich.Damit stellst du, weiß Gott, nichts Neues fest! Hast du Proben?"

Bestellt", nickte Joso.

Kara beugte sich vor, zu seinem Bruder hin. Er sprach hastig, seine Hände waren in lebhafter Be­wegung.Ich will nicht immer nur bei meiner Ölraffinerie bleiben! Wir werden auch Parfüms Herstellen! Wir könnten Zusammenarbeiten, Joso. Es würde ein blendendes Geschäft werden, wenn wir gute Duftkompositionen auf den Markt bringen können. Ich bekomme immer einen heillosen Zorn, wenn ich sehe, wie sich bei uns in den großen Plätzen die Agenten der internattonalen Parfü­meure Herumdrängen. Einer gibt dem andern die Klinke in die Hand!"

Ich bezweifle", gab Joso zu bedenken,daß wir hinter bas Geheimnis des »Inkognito* kommen wer­den. Mit solchen Rezepten sind uns nicht nur die Franzosen, sondern auch die deutschen Chemiker über."

Eine wütende Handbewegung antwortete ihm.

Karas Worte sprudelten:Mit so pessimisttschen Redensarten wirst du allerdings nicht weiter kom­men! Wir werden eben auch tüchtige Chemiker ge­winnen und uns die Analyse machen lassen!"

Er war gereizt. Jetzt ärgerte ihn alles. Er fuhr den Bruder an:Ueberhaupt, woran denkst du heute eigentlich immerzu? Wir sind doch nicht zu unserem Vergnügen nach Berlin gekommen!"

Doch, Kara", nickte der jüngere Zaduk.Wik gehen heute abend mit bildschönen Mädchen aus. Du und ich."

Laß mich in Ruhe! Ich denke nicht daran!"

Joso lachte:Mt deiner Bequemlichkeit, lieber Kara, wirst du erst recht zu keiner Weisheit kom­men ... und nicyt zu Geheimrezepten, die uns brennend interessieren!"

Kara wurde hellhörig. Er fragte:Was hast du vor?"

Joso zuckte die Schultern:Weiß ich noch nicht. Zuerst wollen wir uns heute abend mit diesen scharmanten Kindern amüsieren, die tagsüber im Heitfeldschen Pavillon ihre Kundschaft bedienen."

Aus Luise lag diese Begegnung mit Joso Zaduk wie ein Alp. Sie hatte für die Varfümerie Heitfeld nun schon seit langem mit diesem Lieferanten in Belgrad in Verbindung gestanden und keine Ahnung gehabt, daß eine Begegnung mit diesem Mann für sie unter Umständen verhängnisvoll werden konnte. Wenn es ihm beliebte, alte Vorgänge aufzurollen. -

Sie überlegte. Mußte sie Moravitzky von dieser Beaeanung benachrichtigen? Ihn warnen? Aber wahrscheinlich beschwerte sie sich mit Gedanken und Sorgen, die gar nicht nötig waren. Wahrscheinlich war dieser Herr Zaduk wirklich davon überzeugt, daß sie mit dem Diebstahl damals im Schlafwagen des Orient-Expreß nicht das geringste zu tun hatte. Und im übrigen würde er ja wohl Berlin schon in den nächsten Tagen wieder verlassen. Es war un­sinnig, eine Verbindung mit Moravitzky aufzuneh- men, die ihr dann nur lästig werden würde ...

Sie saßen in einer kleinen, sehr eleganten Bar die Brüder Zaduk und die drei Mädchen aus dem Pavillon der Parfümerie Heitfeld.

Henni Bergmann lachte übermütig. Sie hatte wohl schon einen kleinen Schwips. Aber der Abend war herrlich! Und dieser Herr Zaduk aus Belgrad war ein fabelhafter Mensch ... ein blendender Mann, wie man ihn nicht alle Tage traf!

(Fortsetzung folgt)