Ausgabe 
27.11.1939
 
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Nr. 278 Zweiter Blatt

Montag, 27. November 1939

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für OberWen)

Aus der Stadt Gießen.

Wildgans und Oorfgans.

Ich gehe durch das Krosdorfer Feld, der Herbstes- pracht des Gleibergs und den Hügeln feines Hin­terlandes entgegen. Nach Tagen grauer Luft und Wolkenfahnen ohne Himmel kommt vorübergehend die Sonne für Momente durch.

Kurz vor dem Dorf, wo die Grasgärten beginnen, vertreiben sich am Rinnsal längs der Straße ein Haufen fetter Gänse die Zeit mit Schnattern und mit Gefiederputzen, und schnäbeln träge in dem Ab- fallplansch herum. Nur oer Ganser, ocr ein wenig abseits steht, hebt mißtrauisch den Kopf und peilt gespannt nach einer bestimmten Richtung, das Auge bald auf Links und bald auf Rechts gedreht. Erst als ich dies gewahre, merke ich, daß dieses Sichern", wie es bei den Jägern heißt, auf keinen Fall mir und der Nähe anderer Menschen gelten rann; ein Hund ist auch nicht in der Nähe, der den Argwohn und das Mißbehagen dieses Tieres etwa ausgelöst hat.

Da klingt vom Himmel her ein Schrei, so durch, dringend wie ein Trompetenstoß, und unverzüglich brechen alle Gänse unten an dem laubgespickten Anger in aufgerechtes Zetern und in wilde Schreie aus. Schnell kommt die Karawane oben, vom Füh­rervogel geleitet, hergerudert. Und auch die Wild- oänse trompeten, zetern, schreien und wirbeln für Sekunden durcheinander, bis sie die Eile wieder weitertreibt und die Abregung sie ihr altes Dreieck wieder finden läßt. Die Dorfgänse jedoch werfen sich in ihre Brüste, heben Hals und Schnäbel in die Luft, recken sich und schlagen mit den Flügeln; ffe haben den Naturlaut ihrer wilden Geschwister vernommen, und fast, als wollte dieser sie mit jenen reißen, geht das Flügelscblagen schon in Lauf­schritt über, nach ein paar Meter heben sich die Tiere, und jene Gänse, die nur plump am Boden flattern konnten, wenn sonst ein Hund sie aus ihrer Beschaulichkeit jagt, erheben sich trotz ihrer Martins- fette haushoch in die Luft und kreisen minutenlang in der Landschaft.

Längst ist die dünne Fadenfahne am fernen Hori­zont verschwunden, die Dorfgänse ermattet an den Angerplatz zurückgekehrt und ordnen nun ver- pustend die vom ungewohnten Luftgebrauch ver­wirrten Schwingen. Noch ist der Barm des großen Erlebens nicht aus ihrem Inneren gewichen, noch schielen schräggedrehte Kövfe das Bleigrau des Himmels ab, um eine Lösung für das Unbegreif­liche zu finden, noch stehen alle höchst verwundert, horchend auf der kalten Gasse, und niemand weiß, ob das Hoffnungsarmut oder Hilflosigkeit bedeutet. Doch währt der Schauer nur noch einen Augenblick: es ist nichts mehr zu sehen und zu hören, der Bannstrahl ist von ihrer Seele abgenommen, und langsam abgeklungen schnatternd kehrt die Beruhi- gung, die man sich nun gegenseitig spendet, m die Einfalt dieses Gänse-Dorfmilieus zurück: der Schna­bel findet wieder seine altoertraute Gosse.v.

Dornotizen.

Tageskalender für Montag,

Goethe-Bund, Kaufmännischer Verein, Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in Arbeitsgemeinschaft mit der Volksbildungsstätte Gießen der NS.-Gemeinfchaft Kraft durch Freude": 20 Uhr in der Neuen Aula der Universität Lichtbildervortrag von Kapitän RitscherDie Deutsche Antarktische Expedition 1938/39. Gloria-Palast, Seltersweg:Schneider Wibbel". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Fürst Woronzeff". *

** Ernennung beim Versorgungs­amt Gießen. Der Verwaltungs-Sekretär Her­mann Schmück vom Versorgungsamt Gießen wurde von dem Herrn Reichsarbeitsminister mit Wirkung vorn l. November 1939 zum Regierungs- Inspektor ernannt. _________________

Aufruf an die deutsche Volksgemeinschaft

Stolzes Ergebnis im Kreis Wetterau

unschädlich, naturgemäß.

je nach wirklicher Kunst, spannung, einem gelösten

Noch nie waren unsere besucht wie gerade jetzt.

verjagl. Ihr Eigentum wurde zerstört. Sie standen wegen ihres Bekenntnisses zum Deutschtum vor dem Nichts.

Nun hat der Führer unsere volksdeutschen Brü­der in die großdeutsche Heimat zurückgesührt. Unser selbstverständlicher Dank für ihr Durchstehen ist die hitse der ganzen Volksgemeinschaft. Sie brauchen nun nicht mehr zu hungern. Es fehlt aber für den kommenden Winter an dem Notwendigsten.

Spendet sofort warme Bekleidungsstücke für Männer, Mütter und Kinder. Wäsche, Wollzeug, Kopfbedeckungen, Kleider, Anzüge, Mäntel und Schuhzeug müssen schnell beschafft werden.

Jeder tritt an und bringt sein Opfer auch du. gez.: hilgenseldt.

Lachen.

Veranstaltungen so gut Obwohl zuerst die Ver­ein Hemmnis erschien,

Wie im Gau Hessen-Nassau, so kann auch in un­serem Kreis Wette rau die NS.-Gemeinschaft ,Kraft durch Freude" mit stolzer Befriedigung auf den Abschluß des 6. Jahres ihrer Tätigkeit zurück- blicken. Auch in unserer engeren Heimat hat KdF. in diesen sechs Jahren eine außerordentlich erfolg­reiche Tätigkeit zur Freude und Stärkung von Tausenden von Volksgenossen durchgeführt. Es gibt heute wohl kaum noch Volksgenossen und Volks- genossinnen, die nicht wenigstens irgendeine Veran­staltung, ein Konzert oder einen Vortrag von KdF. besucht haben. Tausende verlebten dank der Be-

hauptamtsleiter Erich hilgeufeldt, der Reichsbeaustragte für bas Kriegs­winterhilfswerk, wendet sich mit nachstehendem Aufruf an das deutsche Volk:

Volksgenossen!

Seit 20 Jahren haben Millionen Volksdeutsche im ehemaligen Polen den Kampf für ihr Deutsch­tum unter größten Entbehrungen geführt. Sie wurden in der langen Zeit wirtschaftlich auf das schwerste bekämpft. Man hat ihnen das Letzte ge­nommen. Von englischen Kriegshetzern aufgestachelt, hat polnischer haß sie bis zum Letzten ausgeplün- dcrt. Ihre Angehörigen wurden verschleppt und bestialisch ermordet. Sie wurden von Haus und Hof

Wir standen mitten in der Arbeit für den größ­ten Theater- und Konzertabschnitt, denKraft durch Freude" im (Bau Hessen-Nassau je erlebt hätte. Wir hatten die bedeutendsten Künstler und Ensembles verpflichtet. Die Planung unseres Volksbildungs- wertes war abgeschlossen. Ein großer Winterfahr­plan für unsere Urlaubszüge war fix und fertig aufgebaut. Da kam das Ereignis des 1. September. Ein Volk, das friedlich feiner Arbeit nachging und auf friedlichem Wege geraubte Provinzen zurück- geroann, dieses Volk eines friedlichen harmonischen Aufbaues wurde plötzlich zum Krieg gezwungen.

Ein jäher Ruck der Umstellung auf diese Tatsache war die Folge. Eine natürliche Notwendigkeit war auch fürKraft durch Freude" die Einstellung der Organisation auf die neuen Verhältnisse. Im ersten Augenblick hatten manche geglaubt,Kraft durch Freude" wäre jetzt überflüssig, der Ernst der Stunde würde alles überschatten. Aber ganz im Gegenteil hat sich erwiesen, daß zwar für seichte Genüsse heute kein Bedürfnis mehr besteht, aber mehr denn einer Stunde der Ent-

Kraft durch Freude" im 7. Arbeitsjahr

Von Gauwari H. v. JRetotoffi.

Schlußsitzung des Führerrates des Kreisfeuerwehrverbandes.

Am Samstag fand imBurghof- zu Qicfietf die letzte Sitzung des Führerrates des Kretsfeueb« wehrverbandes Kreis Gießen statt. Kreisfeuerwehr^ führer Bouffier begrüßte Vie Führerratsnsttz Meder und erftatte-te Bericht Über die in Frankfurß a. M. stattgefundene Sitzung der Kreisfeuerwehrfühj- rer. In längeren Ausführungen gab er Aufklärungen! über gesetzliche und technische Neuerungen aus dem Ge- biete des Feuerlöschwesens. Sodann erklärte er heft Kreisverband der freiwilligen Feuerwehren auf Grund des § 16 der 3. Durchfühnmgsverordnung zunj^ Feu erlöschgefetz, bett. Auflösung der Vereine unö Verbände von Feuerwehren, als aufgelöst. Er> dankte allen Mitgliedern des Führerrates für ihrs Mitarbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, daß siöi auch in Zukunft als Feuerwehrführer Und Karneä raden stets ihre freiwillig übernommene Pflicht e-w stillen würden.

Nachdem noch einige geschäftliche Angelegenhoite^ besprochen waren, blieb man noch kurze Zeit W kaineradschastlichem Geiste zusammen.

Der stellvertretende Kreisfeuerwehrführer, Hauvk brandmeister Schelm (Collar), benutzte die (9c* legenheit, dem Kreisfeuerwehrführer Bouffier

beförderte in 11 Soudcrzugfahrten Insgesamt 8717, Teilnehmer und Teilnehmerinnen. In 103 Omnibus» führten wurden 5478 Teilnehmer befördert. 1744 Arbeitskameraden und -kameradinnen verbrachten 8 bis 14 Tage Urlaub an der See und im Gebirge. 160 Volksgenossen konnten auf KdF.-Schiffen hj die weite Welt hinuusfahren. Insgesamt konntet also durch die Tätigkeit dieses Amtes 16099JBolföj genossen ihre Erholung im Urlaub mitKraft durch Freude" finden.

Das AmtFeierabend" führte 137 -Her« anftaltungeii mit 55 332 Besuchern durch. Es watz eine vielseitige Reilje von durchweg hochwertigen! Veranstaltungen, die den Besuchern Freude unb Er« Holling nach des Alltags Mühen bereiteten. Die bej rühmte Steinfurter Rosenschau wurde von runa 10 000 Besuchern in Augenschein genommen. In OTj Vortragsabenden des Deutschen Volksbildungswev« kcs in Arbeitsgemeinschaft mit dem NS.-Dozeirtei« bund und des Goethebundes wurden 4566 Besuchei! gezählt. _ , ~ M

Das Sporta mtKraft durch Freude" erfaßte in 591 Sportkursen 16179 Teilnehmer.

Der Kreis Wetterau wurde im verflossenen Jahr«! besonders durch die Aufnahme von Zügen aus an# deren Gauen berücksichtigt. 10 Sonderzüge mit 6054 Teilnehmern wurden auf ihrer Durchreise durch den Kreis in Friedberg verpflegt. In Gieheyt wurden 761 Personen aus anderen Gauen um köstigt. Diele Arbeitsjubilare aus allen Werken M Buderus-Konzems trafen sich in Bad-Nauheim an zwei Sonntagen im Kurhaus zu einer Betriebst Jubiläumsfeier.

Das AmtSchönheit der Arbeit" fonrrtdi im Kreisgebiet weitere große Erfolge erzielen. 1$ Gemeinden des Kreises werden in der DorfvcH schönerung durch die NSG.Kraft durch Freude unterstützt unb beraten.

Für diese umfangreiche unb vielseitige lätigiM zum Wohle der schaffenden deutschen Menscheck unb damit auch zur Stärkung der deutschen Kraft gebichrt der NSG.Kraft durch Freude" alte 2fiy erkennung unb aufrichtiger Dank unserer Vokksg^ meinfchaft.

mühungen von KdF. ihren Urlaub in den schönsten Landschaften Großdeutschlands, oder sie machten mit Omnibussen und Sonderzügen schöne Ausflugs- fahrten, lernten Kulturstätten ufw. kennen, fuhren mit den prächtigen KdF.-Schiffen nach Norwegen, Italien, Griechenland und Madeira, erlebten in Be- triebssportgemeinschaften den Nutzen des Sports, oder pilgerten auf Wanderungen durch unsere schöne Heimat. Aus der Arbeit der NSG.Kraft durch Freude" im Kreisgebiet Wetterau ist u. a. fol­gendes zu berichten:

Das AmtReisen, Wandern, Urlaub"

uns so recht von dem prachtvollen Geist der Truppe überzeugen.

Am 27. November sind sechs Jahre leit der Ma- nifeftation vonKraft durch Freude verflossen. Jahre harter Arbeit und herrlich schönen, befreien« den Erlebens im Schaffen für die Gemeinschaft. Hier hat sich das Exerzierreglement des Sozialis­mus eine Plattform geschaffen, wie sie revolutio­närer kaum gedacht werden konnte. Hier arbeitet mit ungeheurem Schwung jeder mit, Betriebswart, Ortswart und alle die vielen ungenannten und un- bekannten Pioniere, daß ein großer Bau der Ge­meinschaft erstehe. Dr. Robert Ley schuf die ,FdF.- Flotte", die Rügenbäder, wandernde Theater, den KdF.-Wagen" und vieles mehr. Dieser große Jdea« list schlug Brücken zwischen den Völkern. Der von England aufgezwungene Krieg hat manches ver­ändert, aber oer tatgcuwrbene Optimismus steht.

Kraft durch Freude", unlösbares Glied der Deutschen Arbeitsfront, der grrößten Gemeinschaft aller Schaffenden, ist das jüngste Kind der NSDAP. Auch hier wirkt die Dynamik der Beweaimg, ist ihr Handeln gesetzmäßig vorgeschrieben. Organisation nicht als Selbstzweck, sondern als schöpferisch kon- zentrierte Leistung der Gemeinschaft, die Verbin­dung von Arbeit und Erholung und Freude.

Gemeingut geht vor Eigennutz" undFür Frei- heit und Brot", sind unsere alten Kampfparolen von ehedem nicht die gleichen wie heute? Das Gesetz der Bewegung, nach dem sie antrat, war Kampf!

Für Freiheit und Brot!" ... So traten wir ein in das Gtoßdeutsche Reich. Die Tore des neuen Großdeutschlands schlug Adolf Hitler auf, er, der vom Allmächtiges gesegnete einzige Führer, schlug im Buche der Geschichte ein neues Kapitel auf, das Zeitalter des nationalen Sozialismus". Er, der Führer, schuf damit ein Gesetz, für das alle bereit sind zu leben und zu sterben.

dunkelung bei Nacht als

können wir heute sagen, daß sich die Menschen nach guter Unterhaltung drängen. Wer unsereKlingen­den Liebesgaben" und unsere Werkskonzerte am Rundfunk hört, findet bestätigt: die Männer der Wehrmacht und die Männer der Arbeit lachen wie­der. Es ist freilich kein albernes Gelächter, sondern ein trotziges Lachen, wenn man tiefer hinhört. Und mit diesem trotzigen Lachen werden wir den Krieg gewinnen! Besonders bei der Betreuung der Wehr­macht, die uns ein ltebes und besonders umfang­reiches Arbeitsgebiet geworden ist, konnten wir

unb die doch durch Johannas gewaltige Liebe

zu einer Welt wurden.

ken hatte, erkannt.

Bismarck hatte Johanna auf der Hochzeit feines Schulfreundes Blankenberg kennengelernt und sie hatte einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht. Seit dieser Zeit sahen sie sich öfters, bis sie die täglichen ernsten Aussprachen auf einer gemeinsamen Hvrz- reise mit den Freunden innerlich zusammenfuhrte. So schrieb Bismarck am Weihnachtsabend feinen berühmten Werbebrief an Johannas Vater. Und, echt Bismarck, warf er alle Einwände als nicht ganz willkommener Freier über den Haufen, in­dem er selbst nach Rheinfeld ging und Johanna einfach unter den Augen der erstaunten Eltern

Johanna von Bismarck.

Zur Erinnerung an ihren Todestag am 27. November.

acht jetzt

Sim 28. Juli 1847 war Hochzeit, und die 23jährige Johanna folgte ihrem 9 Jahre älteren Gatten nach Schönhausen. Schon in diesen ersten Ehejahren greift die Politik entscheidend ein, denn der junge Deichhauptmann war inzwischen Canbtagsabgeord­nete r geworden, und die Reisen und damit Tren­nung von Johanna wurden immer häufiger. Und aus dem Landtagsabgeordneten wurde ein Bundes­tagsgesandter in Frankfurt, dann ein Gesandter in Petersburg und Paris und schließlich der Mini­ster des Auswärttgen in Berlin und Kanzler des neugegründeten Reiches. Es ist eine kaum da- gewesene Laufbahn, ein steiler Weg nach oben, der den ganzen Einsatz Bismarcks erforderte. Aber Jo­hanna war immer an feiner Seite. Wohl hat sie nicht gewußt, daß das Schicksal sie so unerbittlich beim Wort nehmen würde, als sie ihrem Verlobten versicherte, hinzugehenüberall wo Du mich hin- führst". Aber sie blieb sich treu und wenn es ihr noch so schwer wurde. Schon die Ernennung in Frankfurt, die für Johanna Abschied vom Land­leben, von den Eltern und Freunden hieß, empfand sie hart. Wieviel mehr noch die Aufgabe ihres Heims in Frankfurt, in dem sie acht Jahre lang | ein reiches Ehe- und Mutterglück genießen durfte. , Und Bismarck schrieb in jener Zeit an Johanna:

, ... denn ich habe Dich geheiratet, um in der fremden Welt eine Stelle für mein Herz zu haben, an der ich die Wärme des heimatlichen Kaminfeuers finde, an das ich mich dränge, wenn es draußen stürmt und friert... Und ich will Dein Kämmchen hegen und pflegen, und Holz zulegen und pusten und schützen und schirmen gegen alles Bose und Fremde, denn es gibt nichts, was mir nach't Gottes Barmherzigkeit teurer, lieber und notwendiger ist als Deine Liebe und der heimatliche Herd. Unend- lich glücklich hat Johanna die Frankfurter Jahre genannt, weil diese Zeit noch verhältnismäßig roe- niq durch die übergroße Arbeitslast Bismarcks ge­trübt war und weil sichOttochen', wie Johanna I ihren Mann bis in sein hohes Alter hinein nannte, I noch bester Gesundheit erfreute

Wie Bismarck dachte und fühlte das war oer Iichalt ihres Lebens. Sie selbst war Nebensache. Und so blieb es. Seine Freuden waren 'hre Freu- den, und seine Feinde waren auch ihre Feinde. Denn so leidenschaftlich Johanna lieben konnte, so leidenschaftlich, ja fast besinnungslos konnte sie auch l hassen. Sie selbst sagte von M) emmal:Ich kann - nicht vergeben und will es nicht. Was mit mir . 1 .< j. an:x hnn wrvtt inrrlPfImPn.

©eliebtefter Freund! Es sind nur noch Wochen, eine kurze Zeit... aber ich weiß . nichts zu sagen. Dein Brief hat mich so schwach gemacht, ich will alles tun, was Du willst. Ins Jägerhäuschen ziehn, in grüne Wälder oder alte Schlösser überall wo Du mich hinsuhrst! So schreibt Johanna von Puttkammer an Otto von Bismarck drei Monate nach ihrer Verlobung jenes selbe Fräulein von Puttkammer, das dem tollen Junker, von dem man sich erzählte, daß er einhundertachtzig Austern an einem Abend gegessen habe, ganz abgesehen von feinen traurigen An­sichten über Religion, noch vor wenigen Monaten gefragt hatte:Befriedigt Sie dieser Zustand, Herr von Bismarck? Ich könnte mir denken, daß em Mann von Ihren großen Fähigkeiten sich auf ganz andere Dinge werfen könnte!"

Viele, die Johanna als Braut und später als Frau von Bismarck kennenlernten, haben nie ganz verstanden, warum Otto von Bismarck gerade das zarte, einfache, in streng pietistischem Geist erzogene Landfräulein zur Frau erwählte, das außer Den herrlichen Märchen au gen, wie Bismarck tze nannte, noch nicht einmal schön zu nennen war. Aber Bis­marck hatte Johannas reiches Herz, das eine so leidenschaftliche, unerschütterliche Liebe zu verschen-

in die Arme nahm.

Während des sechsmonatigen Brautstandes gin­gen mehrmals wöchentlich Briefe zwischen ihnen hin und her, denn der junge Deichhauptmann war man »ergehn uuu ^Zerfleischen,

fast unabkömmlich. Und schon, diese Briefe, die zu'wird rst rmr gleich. «J Mhm!"

dem Schönsten gehören, was je zwischen zwei jun-.Aber ihm ch . Liebe heraus werden

gen liebenden Menschen geschrieben ist sind erfüllt. Und aus f ^r£itterten Worte Johannas

non dem Zauber und der Wq°n->rt dieser beiden ! auch die le,Bj^nr-k mem«- ±Ä2ie mJÄ- Sn nach dem Attentat in Berlin 1866 dem

ler nur wie durch ein Wunder entgangen war, um­

armte:Ottochen, wenn ich einmal tot bin und die Himmelsleiter hinauffteige und komme an der Höl­lentür vorbei und sehe den Kerl da stehen, dann gebe ich ihm einen Stoß, daß er ganz tief in die Hölle hineinfUegt."

Nein, Johanna von Bismarck war feine milde, verzeihende Frau, die gütig vermittelnd ein greift. Sie liebte und haßte, leidenschaftlich und besin­nungslos, tobte und wütete und doch alles nur aus demütiger, gläubiger Liebe zu Otto von Bis­marck.

Als die aufreibende Arbeit in Berlin ihr den Gatten ganz raubte, hat sich eine Johanna von Bismarck nicht klaglos darein gegeben. Sie haßte ganz einfach die Politik, die die Schuld daran trug, und liebte ihn umso mehr. Alles, was an Liebes- reichtum und sorgender Mütterlichkeit in ihr auf- gespeichert lag, wurde Bismarck nun zuteil. Und der Kanzler war sich dieser Liebe bewußt und hat Johanna immer und immer wieder gedankt, ein­fach, innig und tief, wie jener kleine Trinkspruch, den er einmal auf Johanna ausbrachte:Die Frau ist des Mannes Mutter, auch des Mannes Schick­sal. Lassen Sie mich heute diesem meinem guten Schicksal danken!"

So sind diese beiden seltenen Menschen fast 50 Jahre lang gemeinsam durch ein reiches Leben gewandert, an dessen Ende Bismarck äußerte:Alles was ich bin, bin ich durch meine Frau gewoiben!"

Als die Siebzigjährige nach schwerem Leiden erlöst wurde, blieb Otto non Bismarck im Tiefsten getroffen einsam und allein zurück. Bismarcks Enkel, Heinrich von Rantzau, hat die unvergeßliche Sttmde geschildert, als die machtvolle Gestalt des greifen Kanzlers, gehüllt in einen langen Schlaf­rock, an das Bett der toten Lebensgefährtin trat als Otto von Bismarck niederkniete und meinte.

Lisa Peck.

Büchertisch.

Die Kleine Bücherei des Verlages Albert Langen und Georg Müller in München, eine Sammlung besten deutschen Schrifttums der Gegen­wart, ist besonders geeignet, als Feldpostsendung unseren Soldaten an der Front und in den La za- retten Freude zu machen. Don den zuletzt erschie­nenen Bändchen, non denen jedes, gediegen ge­bunden, 80 Rpf. kostet, seien zwei Erzählungen von Karl XII. genannt, dem großen Schwedenkönig, des- sen Geschichte Wagnis und Abenteuer, Glanz und Ruhm unsterblichen Heldentums kündet. (Verner von H e i b e n ft a m m :Aus einem Helden- leben".) Erinnerungen an eine an ausgelassenen frohen Streichen und beschaulichen Stunden reiche Kindheit erzähtt Barbra Ring in dem Büch-

lein:Die junge Barbra". Meisterlich schtt* dert Wilhelm Schäfer in der NovelleD i a Badener Kur" die wechselvollen Abenteuer der Junkers von Borken. Aus dem Erlebnis Süd« amerifa erzählt Emil Strauß inPrinz W i e« d u ro i 11" die leidenschaftliche Beichte eines dem« fchen Auswanderers. Der hohe Sinn der Muttey« schäft findet in Will Vespers TagebuchM u t* ter 11 ii b K i n d" seinen dichteriscl>en Ausdruck. Der Siebenbürger Heinrich Zillich schildert in! der NovelleDer Zigeuner" das Lebensbild eines triebhaft dahinlebenden Menschen, der feine« Umgebung zum Fluch und zum Verhängnis wird.

Neue F e ld a u s g a b e n bringt der Verlag C. Bertelsmann in Gütersloh zum Preise von 1,50 RM. je Band in Feldpoftoerpackung je 1,60 RM- soeben heraus. Unter ihnen finden wir ein heiteres Geschichtenbuch, das Johannes Banz Hof unte^ dem TitelLustiges Volk" aus den Werken klassi­scher Meister des deutschen Humors zusammen­gestellt hat. Ein Roman von Otto BrüesDas G a u k l e r z e 11" führt in die lockende Welt der Manege. P. C. E11 i g h o f f e r schildert in dentz BüchleinNacht über Sibirien" Abenteusr unb Irrfahrten eines deutschen Wehrpflichtigen während des Weltkrieges. Bauernromane von hohem Wert, dabei äußerst spannend erzählt, sind Gustav S ch r ö e r sU m Mannesehre" und das Buch von Rudolf UtschHerrin und K n e ch t".

ImHandbuch der Kulturgeschichte^ (Akademische Berlagsgesettschaft Athenaion, Pots^ bam) (342) steht in den neuerschienenen Liefe­rungen bas 16. Jahrhundert im Mittelpunkt. Proß H. Kumbel läßt in seiner Arbeit über dieDeutsch- Kultur vom Zeitalter der Mystik bis zur Wegen« reformation" in der Veranschaulichung des Gegen« ftanbes, seiner weltanschaulichen Vertiefung und bet überlegenen Darstellung die Vorzüge des Hand­buches deutlich werben. Professor be Boor berichtet über bieKulturen Skandinaviens". Auch dieser von unmittelbarer Aktualität getragene Abschnitt, bet? mit schönem Bildmaterial versehen ist, ist lebendig« Wissenschaft.

Dr. Max von Gruber: Hygiene b e4 Geschlechtslebens. Neubearbeitet von Dr. Wilhelm Heyn. Union Deutsche Derlagsgesellschaft, Berlin, Roch & Co. (192) Der berühmte Hygieniker der Universität München hat seinerzeit vor Studenten über alle bie Probleme gesprochen, die heute wieder im Mittelpunkt der Volkshygiens und Rassenpflege stehen. Die Vorträge sind bann zu einem Büchlein vereinigt worben, bas nunmehr in ber Bearbeitung von D. Heyn im 343. Tausend erscheint, wohl ber beste Beweis, wie sehr ÖM Büchlein dem Bedürfnis entspricht.