Ausgabe 
27.11.1939
 
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führt werden. Nach etwa vier bis fünf Minuten

DampfersNorderne y", der im Segelfchiffhafen erfolgte^ eine zweite Explosion, und wie« in Hamburg lag, eine sogenannte Brand- der war ein ausgesprochener Pulvergeruch festzu« Packung gefunden, die sich zwar entzündet hatte, l stellen. Diese zweite Explosion erfolgte backbord-

Oie Gaboiageorganisaiion des Intelligence Service

Brände mrd auf deutschen Schiffen das Werk des britischen Geheimdienstes.

jedoch mangels genügender Luftzufuhr ohne größere Wirkung geblieben war. Der Erste Steuermann des Schiffes erkannte den Brandherd als solchen, ver­ständigte umgehend die Geheime Staatspolizei in Hamburg, die sofort die notwendigen Untersuchungen aufnahm. Im Verein mit der Gestapo stellte das Chemische Staatsinstitut in Hamburg fest, daß die sichergestellten Gegenstände Metallhülsen ent­hielten, die in Wirklichkeit zeitlich einge st eilte Zündkapseln darstellten, mit Pikrinsäure als Inhalt. Weiter konnte festgestellt werden, daß es sich hierbei um eine Brandpackung handelte, die an Bord geschmuggelt und im Raum II hinter die Spanten und Schweißplatten versteckt wurde, um den Dampfer auf hoher See in Brand zu setzen. Durch den Umstand, daß das Schiff im unteren Teil durch Holzbohlen und im oberen Teil mit Papier­ballen dicht beladen, beinahe luftdicht abgeschlossen war, ist die entzündete Brandpackung mangels Lust­zufuhr selb st erloschen und hat ihren Zweck nicht erreicht. Ein weiteres Gutachten der Chemisch- Technischen Reichsanstalt Berlin bestätigte noch das Vorhergesagte.

Dieser Fall des DampfersNorderney" war der Staatspolizei deshalb von ganz besonderem Inter­esse, weil ber Sabotageanschlag in erheblichen Punkten eine absolute Uebereinstimmung mit dem Sprengstoffanschlag auf den italienischen DampferF e l c e" darstellte. So sind die im Falle des DampfersNorderney" gefundenen Messing­rohrstücke, Gewindekavpen und Spengkapseln mit Aluminiumhülsen ebenfalls bei der Sprengstoff­packung des DampfersFelce" verwendet worden. Die spätere Feststellung, daß auch auf den von ähn­lichen Anschlägen getroffenen SchiffenH e st i a" so­wieFeronia" das gleiche Sabotagematerial ge­braucht wurde, bildete dann auf der Spur der von England beauftragten Verbrecher ein ganz besonderes Beweismaterial.

Der ZollClaus Vöoe".

Am 17. März 1938 fuhr der deutsche Dampfer Claus B ög e", 2340 Tonnen groß, mit 21 Mann Besatzung von Oslo ohne Ladung mit dem Ziel Vlis singen in See. Als sich der Dampfer in der Nacht zum 19. März etwa um 0.50 Uhr zirka 26 Seemeilen nordwestlich von Hornsriff aus der Höhe von Esbjerg befand, wurde das Schiff durch eine Detonation im Vorschiff schwer er­schüttert. Gleichzeittg sahen Besatzungssngehörige aus Luk I eine Stichflamme und sodann dicken, gräulichen Qualm hervorbrechen, der auffallend stark nach Pulver roch. Die vom Kapitän an- geordneten Versuche, das Leck im Vorschiff mit einem Lecksegel abzudichten, konnten wegen des schnell eindringenden Wassers nicht mehr durchg^

hören, zu denen nur der letzte Auswurf der Mensch­heit sonst fähig ist. Captain Stevens hat uns bei seiner Vernehmung bestätigt, daß die sogenannte Propagandaabteilung" des Service in London diese Arbeit bestellte, bezahlte und durchführen ließ, wie gesagt, um damals nurauf Probe" das Funktionieren des eigentlichen Apparates festzustellen.

Der FallReliance".

Der 20 000 Tonnen große deutsche Luxus- dampferR e l i a n c e" kehrte zurück von einer Weltreise. Am 1. August 1938 Uuf das Schiff in Kopenhagen ein, wo es mit Passagieren und einer Besatzungsstärke von 300 Menschen nur einen Dag anlegte und anschließend die Fahrt nach Cux­haven fortsetzte. Am 4. August wurden die Passa­giere in Cuxhaven an Land gesetzt und noch am gleichen Tage fuhr dieRekiance" nach ihrem Hei­mathafen Hamburg, wo sie am Kais er-Wilhelm- Kai anlegte. Am 7. August sollte das prächtige Schiff zu einer langen Reise auslaufen, da brach an Bord des Dampfers jedoch ein Großfeuer aus, das solchen Umfang annahm, daß es in ver­hältnismäßig kurzer Zeit die gesamten I n - nenräume des Schiffes vollständig z e r st ö r t e und auch die Deckaufbauten noch zum größten Teil vernichtete. Lange Zeit dauerte es, bis der Brand gelöscht werden konnte.

Die nach der Löschung von den eingesetzten Un- tersuchungskommifsionen angestellten Erhebungen führten zu dem ganz einwandfreien Ergebnis, daß der entsetzliche Brand auf einen Sabotageakt zurückzuführen war. Die näheren Feststellungen der Sicherheitspolizei ergaben, daß der Brand von den Besenlockern hinter dem Bücherladen ausging. Hier wurde dann auch ein großer Teil des Brandsatzes, darunter zwei Messinghülsen, die mit dem Zünd­satz im Zusammenhang standen, sichergestellt. Es wurde außerdem im Obersteward-Locker ein zweiter Brandherd festgestellt. Eingehende Sachverständigen­gutachten stellten fest, daß die Brandlegung ganz spezielle Sachkenntnis voraussetzte. Es konnte auch dabei die genaueste Zusammensetzung des Zündgemisches, das zur Sabotage diente, fest­gestellt werden. Der englische Auftrag war befehlsgemäß, wie wir heute wissen, durch ge­führt worden, zwei deutsche Volksgenossen haben dabei ihr Leben lassen müssen, die Hamburg- Amerika-Linie mußte einen Sachschaden von 25 Millionen Reichsmark feststellen eine Arbeits­probe derPropagaridaabteilung" des englischen Geheimdienstes.

Der FallNorderney".

Am 18. Mai 1938 wurde im Laderaum des

Berlin, 25. Nov. (DNB.) Amtlich wird ver­lautbar: Als Hauptergebnis des kürzlichen Besuches des französischen Finanzministers in London wurde von beiden Regierungen eine Erklärung verkündet über die Zusammenfassungen ihrer K r i egsanstrengungen auf wirtscha f t- lichem Gebiet. Sechs gemeinsame Ausschüsse sind eingesetzt worden für die einzelnen Aufgaben, wie Rüstungen, Rohstoff- und Lebensmittelver­sorgung, Transportwesen und Wirtschaftskrieg. In einem langatmigen Kommentar wurden die Maß­nahmen als das wichtigste Ereignis seit der Kriegs­erklärung bezeichnet und die Vorteile aufgeführt, die daraus sowohl für England und Frankreich als auch für die weltwirtschaftlichen Beziehungen zu er­hoffen seien, wie Beseitigung der Konkurrenz bei Einkäufen im Auslande, einheitliche Ausnützung der See-Tonnage beider Länder, größere Sicherheit der Geleitzüge, Vermeidung zukünftiger weltwirtschaft­licher Kriesen. Im ganzen britischen Weltreich mür­ben nach diesen amtlichen Stichworten durch Presse und Rundfunk Lobeshymnen auf diesesWirt­schaftsbündnis" angestimmt, in überschwenglichsten Tönen, die den Verdacht nahelegten, daß damit etwas vertuscht werden sollte. Wie begründet dieser Verdacht ist, wird ersichtlich, wenn man den wirk­lichen Absichten und Folgen dieser eng­lisch-französischen Abmachungen nachgeht.

Zunächst ihre finanzielle Bedeutung: die Ent­wertung des englischen Pfundes hat sich seit Kriegsbeginn bekanntlich in beschleunigtem Tempo fortgesetzt. Fast alle Länder, die ihre Wäh- rung mit dem Pfund verknüpft hatten, haben diese Verbindung schleunigst g e l ö st, und der sogenannte Sterling-Block ist damit auf geflogen. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben seit Kriegsausbruch aus ihrem Währungsausgleichfonds keinerlei Stützunaskäufe für das Pfund mehr ge­tätigt. England kann aus eigener Kraft das Ab­sinken des Pfundes nicht aufhalten, geschweige denn seine Stellung als Weltbankier behaupten. Eine neue akute Gefahr drohte jetzt daraus, daß auf Grund der cash and carr^-Klaufel die großen eng­lischen Rüstungsbestellungen in Amerika bar b e - zahlt werden müssen, und zwar in Dollar. Gold steht England hierzu nicht mehr zur Ver­fügung, b^nn seine Goldbestände sind er­schöpft. In den letzten 14 Monaten sind nicht weniger als drei Milliarden Dollar Gold aus Eng­land nach Amerika ab gewandert. Diese Goldverluste wurden so bedrohlich, daß man sie der Oeffentlichkeit verheimlichen mußte: Aus Wunsch der britischen Regierung wurden in Amerika die bis­her üblichen wöchentlichen Veröffentlichungen der Gvldverschiffungen von Europa nach den Vereinig­ten Staaten vor einiger Zeit eingestellt. Um seine Käufe in Amerika zu finanzieren, mußte England bereits dazu übergehen, seine Bestände an Aktien amerikanischer Gesellschaften zu verkaufen. Täglich werden schon jetzt an den amerikanischen Börsen bis zu 50000 solcher Wertpapiere versilbert, ein Verfahren, das natür­lich nicht unbegrenzt fortgesetzt werden kann.

Dazu kommt, daß auf der anderen Seite Eng­land große Aufwendungen für militärische Zwecke in französischen Franken machen muh. Wenn diese Franken und die für die Rüstungskäufe in Amerika erforderlichen Dollar gegen englische

der Wirtschaft hat es mit sich gebracht, daß nur einer zu befehlen hatte, und daß alles auf die staat­lichen Notwendigkeiten ausgerichtet wurde. Es be­durfte daher nur eines Kommandos, um diejenigen Vorbereitungen in Kraft zu setzen, die im Laufe von Jahren sichergestellt worden waren. Wie Staats- sekretär Landfried ankündigte, wird der Organisa­tion der gewerblichen Wirtschaft in allernächster Zeit eine neue wichtige Aufgabe übertragen werden, 1 nämlich die Durchführung derWerkerHal- i tungsbeihilfe". Das deutsche Volk in allen feinen Teilen steht in einer Schicksalsgemeinschaft und muß daher auf allen Gebieten strenge Soli- ' darität wahren. Es ist nicht das Verdienst des 1 Einzelnen, wenn sein Betrieb auch im Kriege voll ! und vielleicht übervoll beschäftigt wird, und es ist nicht das Verschulden des Einzelnen, wenn die Fort­führung seines Betriebes entbehrlich oder sogar 1 schädlich geworden ist. Es ist nur recht und billig, wenn die außer Funktion gesetzten Unternehmer vor dem Zusammenbruch bewahrt, und wenn ihre An­lagen für spätere Wiederverwendung im Frieden erhalten werden. Staatssekretär Landfried hat angetünbigt, daß so wenia Betriebe wie möglich stillgelegt werden sollen. Dies ist nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus sozialen Gründen notwendig. Wir hätten den Krieg nur halb gewonnen, wenn wir nach einem Siege über unsere Gegner eine Massenzerstörung selbständiger wirtschaftlicher Existenzen und vielleicht den Zusam­menbruch besonders zahlreicher kleinerer und mitt­lerer Unternehmer zu beklagen hätten.

Staatssekretär Landfried bezeichnete es als eine wichtige Aufgabe in der Zusammenarbeit der Wehr- Wirtschaftsinspektionen und der Bezirkswirtschafts- ümter, eine gesunde Wirtschafts st ruktur zu erhalten. Dabei wird man sorgfältig daraus achten müssen, daß die Aufträge her offen t - lichen Hand gerecht verteilt werden, und daß alle mit dem gegenwärtigen Organisations- und Behördenapparat gemachten Erfahrungen gewissen­haft ausgewertet werden. Doppelarbeit und Rei­bungen der einzelnen Stellen untereinander sind in der großen Bewährungszeit des Krieges noch we­niger am Platze als sonst. Staatssekretär Landfried hat auch über die Zusammenarbeit der staatlichen Behörden und der Wirtschaftsorganisationen auf dem Gebiete des Außenhandels gesprochen. Nicht nur zur Versorgung im Kriege, sondern auch für einen guten Start nach dem Friedensschluß ist es notwendig, daß derWirtschaftsverkehr mit, den heute neutralen Ländern so vollständig wie möglich aufrechterhalten wird. Cr.

Sie Luftkampfe in Frankreich.

Berlin, 25. Nov. (DNB.) Nachdem die Fest- fiellungen über die Kampfhandlungen am 23. No- vember ein genaues Bild ergeben haben, kann mit« geteilt werden, bafc bei Lustkämpfen in der Gegend Zweibrücken zwischen deutschen Messerschmitt-Flug­zeugen und französischen Jagdflugzeugen (Moräne) zwei weitere französische Flugzeuge abgeschossen wurden, so daß die Gesamtzahl der am 23. November ab geschossenen feindlichen Flugzeuge sich auf fünf erhöht. Von den deutschen Aufklärern, die bis nach Westfrankreich vorstießen, sind vier Flugzeuge vermutlich über französischem Gebiet ab geschossen worden, zwei sind in Frankreich notgelandet, eines davon bei Vouziers, ein weiteres Flugzeug wird vermißt. Ein Bericht dse Reuterbüros muß das tapfere Verhalten der Besatzung des bei Vouziers notgelandeten Flug­zeugs anerkennen. Demnach hat der Flugzeugführer fein Flugzeug nach einer glatten Notlandungn Seinem Hohlweg niedergesetzd Er selbst und der Beobachter sind herausgesprungen und haben ju- Mchst den Heckschützen, der am Kopf verwundet war, geborgen. Obwohl Bauern, die sich mit Knüppeln bewaffnet hatten, die Deutschen dingfest Machen und von der Maschine fernhalten wollten, gelang es dem Beobachter, mit der Pistole in der Mond die Franzosen im Schach zu halten, so daß /der Flugzeugführer die Do 17 durch Feuer zerstören konnte. Als dann ein Trupp Soldaten erschien, mußten sich die deutschen Flieger ergeben. !Der britische Berichterstatter muß feststellen, daß die Deutschen sich erst zur Notlandung entschlossen, tols ihnen d i e Waffen aus der Hand ge­schlagen waren: Der Heckschütze verwundet, ein Maschinengewehr im Kampf ausgefallen und das jFlugzeug nach der englischen Meldung wie ein Schachbrett zerschossen war.

Am Mittwoch starben drei deutsche Fliegersoldaten östlich von Calais unweit der belgischen 'Grenze den Heldentod. Sie wurden im Luftkampf jhiit einem zahlenmäßig überlegenen Gegner tödlich betroffen und stürzten mit ihrer Maschine a u f .Belgisches Gebiet ab. Der vierte Insasse, der

Pfunde gekauft werden müßten, dann wäre das Pfund auf feiner abschüssigen Dahn überhaupt nicht mehr zu halten. Ein Hauptzweck der neuen englisch-französischen Abmachungen besteht nun erklärterweise darin, die Währungen zu schützen und die beiden Regierungen instand zu setzen, ge­meinsam über die Bestände in beiden Währungen zu verfügen. In Erfüllung dieses Zweckes wird also Frankreich seine immer noch beträchtlichen Goldbestände von nahezu 100 Milliarden Franken zur Stützung des englischen Pfundes und für Bezahlung nicht nur der fran­zösischen, sondern auch der englischen Rüstungs- bestellungen in den Vereinigten Staaten auf­wenden müssen. Es wird ferner die für die britische Armee erforderlichen militärischen Ausgaben in französischen Franken zu einem Pfundkurs auf der bisherigen Höhe zur Verfügung zu stellen haben.

Damit hat Frankreich auf die Mög­lichkeit einer selb ständigen Wäh­rungspolitik verzichtet und feinen Franken endgültig mit dem englischen Pfund verknüpft. England hat also nicht nur das französische Gold feinen Zwecken dienstbar ge­macht, sondern auch das finkende Pfund, nachdem es von der ganzen Welt verlassen war, an den französischen Franken an­gehängt, den es damit auf feinem Sturz in den Abgrund mitreißen wird.

Aehnlich wird sich das Abkommen auf dem Waren- und Transportgebiet auswir­ken. Frankreich istinseinerErnährung weit­gehend vom Auslande unabhängig, England dagegen zu nahezu 80 v. H. auf überseeische Zufuhren angewiesen, die durch die deut­sche Seekriegssührung immer mehr abgefchnitten zu werden drohen. In Zukunft wird Frankreich mit seinen reichlichen Nahrungsmittelbeständen nicht nur die auf seinem Boden befindlichen englischen Truppen unterhalten dürfen, sondern auch die Lücke in der Ernährung der Bevölkerung a u f der britischen Insel ausfüllen müssen. Die mit dem Abkommen angeftrebte Aufrechterhaltung des Lebensstandards in beiden Ländern wird sich folglich auf einem beträchtlich herabgesetzten Niveau vollziehen müssen. Frankreich wird ferner seine Handelstonnage zum Ersatz versenk- ter britischer Handelsschiffe für die Zufuhren nach England zur Verfügung zu stellen haben, ebenso seine Kriegsschiffe zur Verstärkung englischer Geleit- züge. Schließlich wird Frankreich weitgehende Um­stellungen in seiner Produktion in Kauf nehmen müssen, da nach dem Abkommen Frank und Pfund nur noch für krie gswich- tige Einkäufe benutzt werden sollen. Die große Ausfuhr Frankreichs nach England an Luxuswaren, Weinen, Kleidung und Modeartikeln wird also auf« hören. Die dadurch entstehende Arbeitslosigkeit wird zu einer weiteren Herabsetzung des Lebensstandards in Frankreich bei­tragen.

Angesichts dieser Auswirkungen oes neuen Wirt- schäft Bündnisses kann man die Befriedigung ver­stehen, die darüber in England so unverhohlen zum Ausdruck kommt. Gleichzeitig wird aber auch verständlich, daß im Gegensatz dazu die franzö­sische Presse das Abkommen recht zurückhal«

B e r l i n, 25. Rov. (DNB.) DerVölkische Beob­achter" schreibt: Georg Elfer, der Mörder von München, Otto S t r a f s e r, der Hintermann in der Schweiz, die Londoner Zentrale im Broadway- Building, das gehört zusammen wie Glieder, Rumpf und Kopf. Dort in London ist das Gehirn der teuflischsten aller Verbrecher, dort im Geheim­dienst laufen die Fäden zusammen, die Fäden, an denen jener Strass er, jener tzsch , jener Elser, Agenten, Nummern nur, hängen, um im Be­darfsfall bewegt, bezahlt und benutzt zu werden. Das Spiel bleibt das gleiche im Frieden wie im Kriege, auch die Mittel wechseln kaum, der Apparat ist nun einmal so eingespielt und läuft auch so schon lange genug mit gewünschtem Erfolg. Gelegentlich gibt es kleine Hebungen, da wird exerziert, da wird pro­biert, da beweisen die einzelnen Abteilungen jede vorbedachte Funktion, Mittelsmänner, neue Metho­den müssen sich bewähren, Geld spielt dabei keine Rolle, und Werkzeuge sind überall zu kaufen.

Während des spanischen Bürgerkrieges waren wir selbst Schauplatz eines solchen Exer­zierens, eines solchen Probealarms des Ser­vices, als in der Zeit vom 18. November 1937 bis zum 27. November 1938 in 15 festgestellten Fällen , auf meist deutschen Schiffen g e m e i n ft e Sabotageakte durch Brandund Explo­sion durchgeführt wurden. Wir erfuhren bereits durch eingehende Verösfenllichungen in den letzten Tagen, wie es möglich war, die Urheberschaft des britischen Geheimdienstes für diese Anschläge festzustellen und zu beweisen. Tatsachen, Namen und wahrscheinliche Annahmen der deut­schen Behörden wurden vom Captain Stevens bei seiner Vernehmung ausdrücklich bestätigt, so daß zum Indizienbeweis noch das Geständnis des be­teiligten Mittäters kam. Wir wissen, daß ein aus Deutschland emigriertes Subjekt namens Pötz sch genau wie Otto Strasser der Mittelsmann für den Mörder und ausübenden Verbrecher war. Die Aus­sagen des Capitains Stevens über diesen Pötzsch bestätigten in dessen anerkennender Würdigung die­ses elenden Schuftes nur, was man in London stets auch an Sympathien für Otto Strasser empfand.

Uebereinstimmend mit neutraler Hilfe stellten deutsche Untersuchungen fest, daß nicht nur d i e Urheber der festgestellten Schiffskatastrophen in England zu suchen waren, sondern selbst sogar meist der gleiche Sprengstoff von London aus über ebenfalls meist immer die gleiche Aus­gabestelle in einem heute neutralen Lande für die jeweilig befohlenen Attentateauf Probe" aus- gegeben wurde. Es würde zu weit führen, nun die einzelnen Untersuchungsbefunde zu behandeln, wie sie erst nach mühsamer Arbeit immer wieder auf den gleichen englischen Ursprungsfaden zurückzu- führen waren, wir wollen heute nur einige Seiten jenes Kontobuches aufschlagen, in dem die Ver­brechen des Geheimdienstes verzeichnet stehen, die zu den übelsten, well gemeinsten Schandtaten ge-

(im Gefecht völlig unverletzt geblieben war, konnte i.jid) im Fallschirm retten. Die Gefallenen wurden Minter militärischen Ehrenerweisungen durch die bei« gische Wehrmacht aufgebahrt. Der deutsche Bot-

schafter in Brüssel war anwesend und dankte zum Schluß den belgischen Behörden und Offizieren.

Die Irländer melden sich.

A m st e r d a m, 27. Nov. (DNB. Funkspruch.) Wie Londoner Sonntagsblätter berichtet, hat die eng« lische Polizei in ganz London verstärkte Nachforschungen nach allen Angehörigen der irischen republikanischen Armee angestellt. Man macht sie für die jüngsten Bombenattentate in London und einigen englischen Provinzstädten ver­antwortlich. Sonderkommandos von Scotland Pard sind in die Stadtteile Londons geschickt worden, wo angeblich Anhänger der irischen Nationalisten woh­nen. Diese, ihre Angehörigen und Freunde wurden durch die Polizei eingehend vernommen. Am Sams­tagmorgen sind in verschiedenen Teilen Londons wie­derum Bombenanschläge aus Telephon- gellen verübt worden. Aber auch im Zentrum der Stadt Birmingham kam es zu mehreren Explo­sionen. In Coventry konnte eine Bombe, die vor ein Feuerwehrgebäude gelegt war, noch vor der Ex­plosion unschädlich gemacht werden.

Generolgouverneur Frans in Warschau.

Warschau/ 26. Nov. (DNB.) Der General- gouverneur für die besetzten polnischen Gebiete, Reichsminister Dr. Frank, traf am Sonntag nach einer zweitägigen Besichtigungsfahrt von Radom kommend in W a r s ch a u ein und legte an den Gräbern der bei Warschau im Weltkrieg und im Polenfeldzug gefallenen deutschen Soldaten einen Kranz nieder. Hier kündet ein verwitterter Gedenk­stein von deutschem Heldentum im Weltkrieg, und neben den langen Gräberreihen von damals wölben sich die frischen Hügel der jüngsten deutschen Sol­datengräber. Gegen Abend besichtigte der General­gouverneur noch eine bemerkenswerte Schau histo­rischer Dokumente, die in Warschau aufgefunden wurden und die erneut bestätigen, daß deutsches Recht und deutsche Kraft von jeher das Gesicht des Landes beftimmten. ,

England raubt Frankreichs Gold.

Oie wahre Bedeutung des englisch-französischen Wirtschastsbündniffes

tenb ausgenommen hat. Sie wird erkannt haben» daß der britische Löwe getreu feiner geschichtlichen Tradition sich auch in dieser neuen Partnerschaft den Löwenanteil gesichert hat.

Frankreich, das militärisch schon bisher in die­sem Krieg nur Englands Kamps kämpft, ist nun auch finanziell und wirtschaftlich sozusagen dem britischen Weltreich einverleibt worden. Es wird künftig mit Gut und Blut für England Opfer in einem Ausmaß zu bringen haben, wie sie die anderen Witgliedstaaten des britischen Welt­reiches zu bringen sich geweigert haben.

In der gewohnten Melodie der britischen Pro» pagandaleier würde ein wesentlicher Ton fehlen, wenn nicht auch diesmal die Beglückung der getarn­ten übrigen Welt als eine gewollte Folge des Abkommens hingestellt würde. Die jetzt eingeleitete Zusammenarbeit der britischen und französischen Wirtschaftssysteme werde der Anfang für eine Weltwirtschaftsorganisation des Friedens fein, bei der es keine Rückkehr von Wirtschaftskrisen geben könne. Es ist erstaunlich, daß man mit solchen Phrasen noch Eindruck zu machen können glaubt. Sie können nicht verschleiern, daß das Abkommen in seinen Wirkungen nicht nur gegen Deutschland, sondern mehr noch gegen die Neutralen gerichtet ist. So wird z. in dem amtlichen Kommentar ausdrücklich betont daß der Ausschluß der englisch-französischen Kon­kurrenz bei Einkäufen in dritten Ländern den Zweck hat, die Preise zu drücken. Daß niedrige Preise für England und Frankreich angesichts ihrer oben bargelegten Finanzlage ein dringendes Be­dürfnis sind, besonders für ihre Rüstungskäufe in Amerika, wird niemand bezweifeln. Ebensowenig aber wird jemand annehmen, daß die übrige Well einen solchen einseitig den englisch-französischen In­teressen dienenden Zusammenschluß ohne Gegenwir­kung hinnehmen wird. Die Stimmen aus neutralen Ländern lassen bereits erkennen, daß man sich dort durch die britischen Dernebelungsversuche über die wahren Zusammenhänge nicht täu- 1 chen läßt. Es ist vielmchr zu erwarten, daß die neutralen Staaten, die schon bisher durch den Wirt­schaftskrieg, wie er durch England geführt wird, am meisten zu leiden haben, sich gegen diesen neuen Vergewaltigungsversuch zur Wehr setzen werden.

Deutschland kann auch hiefeswichtigste Ereig­nis feit der Kriegserklärung" mit gelassener Ruhe betrachten. England hat bekanntlich auch den Wirt­schaftskrieg gegen Deutschland feit Jahren in allen Einzech eiten auf das sorgfältigste vorbereitet. Wenn es sich nun schon nach so kurzer Kriegsdauer zu einer solchen Aktion gezwungen sieht, so tft dies ein Beweis dafür, daß die Vorbereitungen nicht ausreichend waren und daß sich bereits Män­gel und Gefahrenmomente gezeigt haben, zu deren Abstellung dringend etwas geschehen mußte. Was aber geschah, besteht lediglich darin, daß die be­stehende Ueberarganifation und Unordnung in der englischen Kriegswirtschaft noch um sechs Ausschüsse vermehrt worden ist, deren Tätigkeit das Durchein­ander bei den Verbündeten vergrößern, England letzten Endes nichts nützen, jedoch in erster Linie Frankreich, in zweiter Linie die Neutralen, ni*t aber Deutschland schädigen wird.