Donnerstag, 27.)uli (939
Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
M. UZ Zweites Blatt
Landdienst-Mädel im Einsah
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Betr.: Großflugtag am 3 0. Juli 193 in Frankfurt.
Alle Ja., die an diesem Flugtag Interesse haben, neiden sich zum letztenmal am Freitag, 28. Juli, im 20 Uhr am 1900er Sportplatz mit 2,40 NM. üir Bahnfahrt und 0,80 NM. für Eintritt. Später- ii-mmende können nicht mehr berücksichtigt werden.
Auch im Hofbetrieb läßt sich guter Wille beweisen. (Aufnahmen [2]: Landesbauernschaft Hessen-Nassau.)
Prof. Dr. Jakob (riff in den Ruhestand.
Mit dem Schluß des Unioersitätssemesters ist der Direktor der Medizinischen und forensischen Veteri« när-Klinik in Gießen, Professor Dr. Jakob, in den Ruhestand getreten. Am 15. Juli konnte er auch seinen 65. Geburtstag begehen.
Professor Dr. Heinrich Jakob wurde am 15. Juli 1874 zu Wörnitzostheim, Bezirksamt Nördlingen, geboren. Er studierte an der Tierärztlichen Hochschule zu München, wo er im Jahre 1898 die Approbation als Tierarzt erwarb. Seine militärische Dienstpflicht erledigte er beim 1. Schweren Reiter- Regiment. Von 1900 bis 1903 war er Assistent an der Medizinischen Klinik für große und kleine Haustiere in München und hielt dort bereits Vorlesungen und Kurse ab. Von 1903 bis 1911 war er praktischer Tierarzt in München, arbeitete aber in dieser Zeit auch viel wissenschaftlich.
In dieser Münchener Zeit zeigten sich bald seine
chen zwei Wassereimer schleppen. Erst die Silberstreifen an ihren Aermelaufschlägen verrieten sie: es war die Landdienstgruppenführerin, die schon auf dem Sprung war, ins Lager zurückzukehren, denn nachmittags muß sie die Verwaltungsarbeit machen, sie bleibt nur halbe Tage bei dem Bauern. Wir begleiteten sie nach Hause und ließen uns auf dem Weg von ihr erzählen.
besonderen Fähigkeiten und seine Bedeutung auf dem Gebiete der klinischen Veterinärmedizin, aus dem heraus verschiedene Sondergebiete eine besondere Förderung erfuhren. Im Jahre 1911 wurde er als ordentlicher Professor nach Utrecht berufen und übernahm dort die Leitung der Klinik für kleine Haustiere und des Veterinärpharmakologischen Instituts, die unter ihm ausgebaut und zu Muster- Instituten der Utrechter Universität wurden. Als ein Pionier deutscher Wissenschaft im Auslande hat er neunzehn Jahre hindurch in Holland gewirkt und sich die Verehrung und Wertschätzung der holländischen Tierärzteschaft, die zu einem großen Teil durch seine Schule gegangen ist, erworben. Groß war darum das Bedauern der Holländer, als er 1930 einem Rufe an die Gießener Fakultät folgte. Wie hoch er auch noch Jahre nach seinem Fortgang im Andenken der holländischen Tierärzte stand, beweist seine 1938 erfolgte Ernennung zum korrespon-
steht man vor verschlossenen Türen. Tiefe Ruhe herrscht im Lager, kein Mensch bleibt über Tag zu Hause, selbst die Lagerführerin geht hinaus und hilft den Bauern. Hier schafft sie auf dem Feld, sie hilft im Haushalt, und auch das Federvieh gackert munter um sie her. Jede Führerin hat ja auch von der Pike auf gedient, man wird nun einmal nirgendwo Führer ohne praktische Erfahrung. Das erfuhren wir schon alles von einem Bauern, der am Lager vorbeikam, als wir vergebens an die Türe klopften. Er sagte uns auch, wo die Lagerführerin arbeitet. Also suchten wir sie gleich an ihrer Arbeitsstelle auf.
Als wir auf den Hof kamen, sahen wir ein Mäd-
Kuhstalt und Parkett.
Mehr als drei Dutzend Mädel sind in ihrem Lager, die jüngsten vierzehn und keine über neunzehn Jahre alt. Die meisten kommen aus dem BDM. Aus allen Gauen sind die Mädel hier zusammengewürfelt: aus dem Sudetenland, aus Wien, aus dem Saarland und aus Sachsen, aus Rheinland und Westfalen, Mädel, deren Wiege im Norden oder im Süden des Reiches stand; alles findet sich in diesem Lager zusammen. Es ist wundervoll, ihnen allen zuzuhören, jede spricht in ihrer Mundart. Aber jede ist auch genügend interessiert, vom Sprachenschatz der Kameradinnen so manches Wort zu erhaschen.
Hier haben sich nicht junge Menschen zusammengefunden, die man kommandierte; den Weg ins Landdienstlager wählt man selbst — oder man bleibt fern. Das Pflichtjahr läßt sich ja auch irgendwo in der Stadt in einem Haushalt abmachen. Die Freiwilligkeit, die die Mädel in den ' Landdienst führt, spricht für ein großes Maß । von Bereitschaft. Freudig gehen die Mädel an die Arbeit, sie lernen den Haushalt kennen, in der Feldbestellung sammeln sie Erfahrung, und auch durch die Ställe gehen sie bald sicherer als „feine Damen" auf Parkett. Nicht jeder auf dem Lande hat eine Kuh im Stall, doch melken lernen alle Landdienst-Mädel. Ziegen geben ja auch Milch, wenn man sie gut und richtig füttert.
Um fünf Uhr beginnt der Tag.
Am Anfang jedes Tages steht im Landdienstlager das Wecken. Das ist dort gar nicht anders wie bei unserer Wehrmacht. Kurz nach fünf Uhr wird es Zeit. Um sechs schon gibt es Frühstück an der 2Ir=' beitsstelle. Und vorher müssen die Betten gebaut sein. Ein paar Minuten Frühsport nach dem Waschen verjagt die letzte Müdigkeit aus den Gliedern. Dann wird angetreten, und beim Flaggenhissen sagt die Lagerführerin den Tagesspruch: Mit dem Gruß: „Gute Arbeit" verabschiedet die Lagerführerin die Mädel.
Vom Morgen bis zum Abend sind die Mädel dann bei dem Bauern. Für ihre Hilfe erhalten sie neben gutem Essen auch ein Taschengeld. Darüber dürfen sie natürlich frei verfügen, wenn ..., ja dieses „wenn" ist äußerst wichtig. Nach der Vorschrift soll jedes Landdienst-Mädel am Ende des Landdienstjahres 30 RM. gespart haben. Auf zwölf Monate verteilt, merkt man das kaum, es sind jeweils nur 2,50 RM. Aber am Ende des Jahres ist es doch ein Sümmchen, und jedes Mädel freut sich, nicht mit leeren Taschen die Heimreise oder eine Urlaubsreise anzutreten. Das Geld allein will natürlich nichts bedeuten, doch fürs ganze Leben bleibt schon der Geist der Sparsamkeit lebendig. So um 19 Uhr rührt sich's wieder im Land- dienstlager, die Mädel kehren dann zurück. In frohem Geplauder sitzen sie dann beisammen und erzählen, wie gut die Arbeit von der Hand ging. Es ist ja klar: Jede kann's am besten. Und so , spornt eine Kameradin unbewußt die andere an. i Zufriedenheit liegt auf allen Gesichtern. Auch auf i den Gesichtern der Bauern? Denn sie sind - zufrieden mit der Arbeit der Mädel? Das haben . uns die Bauersleute alle erzählt. Ja, solche Jugend , schafft nicht nur viel Arbeit, die bringt auch Lebens- ! lust und Freude mit ins Dorf. Nicht ohne Stolz er- - zählt uns die Lagerführerin, daß auch von ihrer i diesjährigen Gruppe mehrere Mädel auf dem Lande bleiben. Das werden Landfrauen, auf die - die Bauern warten.
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast Seltersweg: „Morgen werde N rh astet."
Hitler-Jugend Bann 116.
Stelle für Leibeserziehung.
Hochschulnachrichten.
Der Ordinarius für Baukunst an der Technischen Hochschule Hannover, Professor Paul K a n o l d, wurde wegen Erreichung der Altersgrenze ent- pflichtet. Er wurde 1911 als Ordinarius für Baukunst nach Hannover berufen, wo er die Gebäudekunde und die Baukunst der Renaissance und des Barocks vertrat. 1901 wurde er durch Verleihung des Schinkel-Preises ausgezeichnet.
Wer ein solches Lager besuchen will, der schon weit hinausfahren aufs Land. Wenn dort, wie wir, um die Mittagszeit ankommt, dann
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In der heutigen Zeit, da alle Kräfte mobil gemacht werden, um die bisherigen Erfolge der Erzeugungsschlacht zu halten und womöglich weiter zu steigern, ist es keineswegs damit getan, immer wieder die nun sattsam bekannte Tatsache des Land- arbeitermangeis zu erörtern, sondern es muß praktisch gehandelt werden. Das hat der Reichsbauernführer R. Walther Darre auf dem letzten Reichsbauerntag mit Nachdruck verkündet, und er wies auch auf die Landflucht hin, die zu überwinden als eine Bewährungsprobe der NSDAP, bezeichnet werden müsse. Die Partei hat denn auch schon manchen mühevollen Weg beschritten, die Landflucht zu überwinden
Dieses Ziel strebt auch der Mädel-Landdienst der Hitler-Jugend an, der erst wenige Jahre alt ist und schon heute beachtenswerte Erfolge verzeichnet. Der Reichsjugendführer, Baldur von Schirach, hat kürzlich in einer Rede darauf hingewiesen, daß nahezu 29 v. H., das ist
In der Küche kann das Landdienstmädel der Bäuerin eine tüchtige Hilfe sein.
fast ein Drittel aller Landdienst-Mädel, nach der ersten Verpflichtung freiwillig weiter auf dem Lande bleiben. Das ist ein beachtlicher Erfolg, und es ist der Mühe wert, einmal ein Land- dienst-Mädel-Lager aufzusuchen, um uns dort zu unterrichten, was es mit dem Landdienst auf sich hat.
Bon der Pike azrf gedient.
Das Bernsteinarmband.
Don Mare Stahl.
Die Treppe, die vom Strand hinauf zur Steilküste führte, hatte genau zweihundertsiebzehn Stu- 'iin. Von jeder Stufe, die man höher hinaufklomm, mtte man einen weiteren Blick. Von den untersten ich man nur den festen Strand mit den Findlings- ilöcken, von den obersten aber überschaute man die Mnze sanftgeschwungene Bnicht mit den grünen baubkulissen des Dünenwaldes, den Seeftegen der .»adeorte, und dem Gewimmel der Menschen, die älle bronzefarben waren und wie glückliche Bewoh- rsr südlicher Küste aussahen.
Der.junge Mann, der erst gestern abend ange- hmmen war, stieg langsam die vielen Stufen in jde Höhe und erblickte das bunte Bild, ohne sich b'sreißen zu können. Er sah noch mehr als die andren, die neben ihm die Treppe auf- und niedersiegen, er sah sich selbst vor nahezu fünfundzwan- ggg Jahren mit einem Netz bewaffnet im Wasser rmhersteigen und Jagd auf Algen machen.
Er sah noch mehr: ein altes Boot, sehr schadhaft rni) von Teer in der Sonne wie Lack glänzend, emen Mann daneben, der ebenso reparaturbedürf- tZ schien wie das Boot, mit braunem Bart und cufgekrempelten Hosen. Dieser Mann war sein !mkel Johann Hinrich gewesen, der Bernsteinfischer, damals gab es noch keinen Seesteg und kein Kur- knus, nur ein paar Hütten hinter dem Wald, in d nen die Leute aus der Stadt bei den Fischern vlohnten. Es gab auch noch keine Bahnstation, und Dder hierherwollte, kam mit Wagen, die von brauen glänzenden Bauernpferden gezogen wurden, d-ren Hufe lautlos im tiefen Sand einsanken ...
Der junge Mann setzte sich neben der obersten Zreppenstufe auf eine Bank.
„Sieh da", dachte er, „da bin ich nun wieder her? Einmal bin ich rund um die Welt gekommen, tuoer trotzdem nicht viel weiter. Die Gestalten des tiikels Johann Hinrich und des Kindes Jochen Hin- rch sind so deutlich, als wären keine zwanzig Jahre, smdern Monate verflossen. Du mein Gott, ja —
Es war nicht gerade viel, was Jochen Hinrich buchte, aber wenn man sehr bewegt ist, denkt man ncht viel, sondern fühlt nur, und Jochen war sehr b wegt. Sein Herz schlug laut und dachte, die Leute, bae vorübergingen, mühten es hören. Onkel Johann nar tot, und vom Boot war nichts mehr zu sehen. Irgendein Sturm hatte es wohl in die See hinaus- glragen und in kleine Stücke zerschlagen, weiß Lott, wo es cmgespült war, vielleicht in Schweden
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oder Dänemark oder irgendwo ganz hoch an der russischen Küste, denn das Ostmeer bespülte ja allerhand Staaten, jawohl.
Mitten in seinem Nachsinnen wurde Jochen unterbrochen. Eine Stimme sagte: „Verzeihen Sie, ich habe auf der Treppe ein Armband verloren, haben Sie es vielleicht gefunden? Es war aus Bernstein!"
„Leider nicht", antwortete Jochen etwas verdrießlich, dann sah er auf. Vor ihm stand ein Mädchen, das sehr bekümmert aussah. Jochen erhob sich und agte freundlich: „Darf ich Ihnen suchen helfen?"
„O nein!" riet das Mädchen, „bemühen Sie sich nicht, ich dachte nur, Sie hätten es zufällig gefunden, es hätte ja sein können."
Jochen schritt schon neben dem Mädchen die Stufen hinab. „Ich habe scharfe Augen", sagte er, „außerdem verstehe ich mich auf die Bernfteinsuche. Wir wollen aber lieber von unten anfangen, da sucht sich leiter. Haben Sie das Armband bestimmt auf der Treppe verloren?"
„Ganz sicher", sagte das Mädchen, „ich hatte es noch, als ich vom Baden kam und mir unten an der Treppe die Schuhe anzoa — und jetzt ist es fort." Sie machte eine kleine Pause. „Es ist kein großer Wert", sagte sie verlegen, „aber ich hänge so daran, ich habe nämlich alle diese Bernsteinstücke selbst als Kind gesammelt, und meine Mutter hat sie emfateln 'assen, und ich habe es seitdem immer getragen."
„Ach", rief Jochen, „selbst gesammelt — ich habe das auch getan, allerdings nicht nur zum Vergnu- 9C©ie sah ihn flüchtig an. Dann setzte sie sich auf eine Treppenstufe. „Ich ruhe mich jetzt aus", sagte sie, „ich bin redlich müde, dreimal bin ich jetzt die Treppe aus- und abgeftiegen."
Gr blieb unschlüssig stehen. „Wollen wir nicht doch lieber suchen", schlug er vor, „wenn noch viel Leute hier auf- und abgehen, wird es bestimmt in „den Sand getreten, dann findet man es nie mehr/
Nein" rief das Mädchen, „dann muß es eben gut sein. Schließlich ist es mir ein Trost zu wissen, daß es dann wenigstens hier, wo ich es sozusagen gefunden habe, auch verlorengegangen ist. Vielleicht holt das Meer es sich wieder."
Hier haben Sie den Bernstein gesammelt?" fragte Jochen und setzte sich neben sie. „Das ist spaßig, ich habe hier als kleiner Junge ebenfalls gesucht, wenn auch nicht zum Vergnuaen, wie ich schon sagte, sondern um meinem Onkel Johann Hm- : ^Johann^Hmrich sagte das Mädchen nach- , denklich, ja natürlich, Hinrich — er hatte einen i ganz braunen Bart, nicht wahr? Ich besinne mich
3eiffd)riften.
— „Hessenlan d", Heimatzeitschrift für Kur- Hessen, herausgegeben von Dr. C. Hitzeroth, Mar- bürg, leitet das letzte Heft (5/6) mit einem Aufsatz über die pflanzenkundliche Bedeutung des Hessenlandes von Dr. Grimme ein, der einen Einblick irt die Mannigfaltigkeit unserer heimischen Flora gewährt. Werner Frhr. von Reitzenstein, der kürz- lief) in der „Heimat im Bild" eine Würdigung des Gießener Malers Hans Hagenauer lieferte, zeichnet ein anmutig illustriertes Lebensbild der unlängst verstorbenen Schwälmer Stickerin und Malerfreundin Marthlies Dörr. Aus dem übrigen Inhalt feiern ein reich bebilderter Aufsatz von Dr. B. von fiepet über das ehemalige hessische Jagdschloß Wildeck, ein großer Beitrag „Aus Familienbriefen des kurhessischen Generalmajors Karl Wilhelm Jeremias von Loßberg" von Dr. R. Friderici und eine dokumentarische Beschreibung der Schreinerzunft zui Ziegenhain von Bruno Jacob heroorgehoben.
— „Aus der Natur" („Der Naturforscher"), Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde) — Das Juli-Heft regt mit seinen Aufsätzen und Bildern zu Beobachtungen an Klima und Landschaft, an Mensch, Tier und Pflanze an, gibt dafür viele wertvolle Hinweise und neue Aufschlüsse. Professor Rud. Winderlich stellt auf Grund unserer neuesten Kenntnisse die Beziehungen zwischen Klima und Leben heraus. „Wie entstand die Landschaft auf der Kurischen Nehrung?" Mit dieser Frage, die nach der Rückkehr des Memellandes zum Reich besondere Anteilnahme erweckt, beschäftigt sich ausführlich der Aufsatz von Professor Dr. Friedrich Mager. Geheimrat Professor Dr. Fritz Lange führt in dis Sprache des menschlichen Antlitzes ein. Dr. Fritz Steiniger behandelt Grundfragen der Schmetterlingsfärbung, die immer wieder die Aufmerksamkeit der Naturfreunde auf sich lenkt. Erna Mohr unterrichtet in Wort und Bild über den Bambusbären, der jetzt in deutschen Tiergärten gezeigt: wird. K. W. Neumann berichtet von der Gefahr, die uns von unserer Hausmilbe droht. Dr. R. Rein weist auf einen neuen Weg des Augenschutzes hin, der im Hochgebirge, an der See und beim Autofahren wichtig ist. Dr. Hartwig Roll öffnet die Augen für den Flachlandsbach und seine Pflanzenwelt. Auch die Kleinen Beiträge aus allen Gebieten, die Kurzberichte über Forschungsergebnisse und die Buchbesprechungen, die mit der Liste der Neuerscheinungen und der Preisfrage das Juli- Heft beschließen, bieten manche Anregung für deqj Reisemonat.
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gut auf ihn, wir wohnten nämlich in seinem Haus hinter der Düne als Sommergäste."
Jochen schlug sich mit der flachen Hynd vor die Stirn. „Mein Gott, ja", rief er, „ich besinne mich — trugen Sie nicht immer ein rotes Kleid und hießen Luise?"
Das Mädchen lachte, „ja", sagte es, „und Sie hießen Jochen und wollten Seemann werden."
„Ja", sagte Jochen, „das bin ich auch geworden."
Dann sahen sich beide staunend an. Schließlich meinte Luise:
„Wissen Sie nicht, daß Sie mir Angst machten, weil ich die kleinen Bernsteinstückchen nicht hergeben wollte. Sie erklärten, das sei Diebstahl und ich würde ins Gefängnis kommen. Ich weinte vor Angst, aber ich behielt den Bernstein."
„Ja", sagte Jochen, „und Sie hatten Teerflecken ins Kleid bekommen und wir versuchten, sie im Meer auszuwaschen, und es wurde nur noch schlimmer."
Beide lächelten.
Plötzlich bückte sich Jochen und zog etwas aus dem Sand, es sah aus wie eine kleine, goldene Schlange.
„Das Armband!" rief Luise, „wie wunderbar!
Sie hielt ihren Arm hin, und Jochen legte das Armband um das schmale Handgelenk.
„Wissen Sie auch, daß ich Ihnen schon einmal ein Armband umlegte?" fragte er, „aber es war aus Fliederblüten, es ging immerzu entzwei. Sie hatten mir ein Band aus Fliederblättern gemacht, denn wir feierten Hochzeit."
„O!" sagte Luise erschrocken.
Das Armband saß jetzt ganz fest. Nun war eigentlich alles in Ordnung und gar kein Grund mehr, zusammen zu bleiben, aber beide hatten auf einmal keine Lust mehr, sich zu trennen, sie hatten sich ja so viel zu erzählen, wie sie immer wieder betonten. „
Aber das Merkwürdige war, daß sie gar fern Wort sprachen, sondern stumm auf das Meer und die Bucht hinuntersahen.
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Aus der Stadt Gießen.
Beglückender Feierabend.
Von dem gemütvollen Ludwig Richter existiert 1 eine Federzeichnung „Der Abend ist das Beste". Bie alle Werke Richters atmet diese Zeichnung ' ne wundervolle Stimmung der Gemächlichkeit und ; )ir freundlichen Ruhe. Ein bejahrter Mann sitzt mrfonnen in seinem Stuhl, Brille und Buch hat ■ ci beiseitegelegt, und um ihn her spielen Kinder n t Hund und Hühnervolk. Von der Seite aber n ht die Enkelin, in den Händen die lange Pfeife und den gefüllten Labetrank darbietend. Der Feier- a end ist hier in des Wortes doppelter Bedeutung v n einem begnadeten Künstler köstlich geschildert, lind wenn ein Thema für den romantischen Zei- ä-mstift Richters immer wieder neue Anregungen gigeben hat, so ist es zweifellos der Feierabend giroefen, vor allem der Feierabend in der schönen ^mmerzeit. *
"Seit Richters Tagen hat sich vieles gewandelt. 1 e Postkutsche hat modernen Verkehrsmitteln wei- d:n müssen, aus den einfachen Werkstätten sind gioße Fabriken geworden. Doch die seelischen Be- d rfnisse der Menschen sind geblieben. Und wie das e rige Schaffen heute wie damals das Gebot des Zuges ist, so hat auch immer noch das'Wort Feier- o end seinen beglückenden Inhalt. Freilich, es be- f ht ein Unterschied Zwischen dem Feierabend des SDrfes wib dem Feierabend in der Stadt. Der dörf- Iche Abendfrieden ist stiller, und wenn er hier und t auch erfüllt wird von dumpfem Rindergebrüll cis den Ställen oder von dem Gebell der Hunde, s webt in ihm doch die unendlich tiefe Ruhe des erklungenen Arbeitstages. In der Stadt verhallen
4s Stimmen der Geschäftigkeit nie ganz, auch in hn Abendstunden dringen sie verworren bis in die toten Gassen, und doch vermag man auch hier rlzvolle Bilder des Feierabends zu entdecken, die ds Zeichenstiftes würdig wären.
Da sind die vom Verkehr wenig berührten Sei- linstraßen, in denen die Nachbarn vor den Häu- jrn sich halblaut unterhalten. Sie genießen den fiUen Sommerabend in aller Beschaulichkeit, wäh- rmd aus den geöffneten Fenstern die Musik des 3abios ertönt. In einer anderen Straße stößt man c..f eine Familie, die aus dem Schrebergarten liimkehrt. Der Vater raucht bedächtig seine Pfeife tni> weist seinem Aeltesten die Himmelsgestime, butter und Tochter aber tragen plaudernd in ihren ’aetjen die sommerlichen Gartenfrüchte heim. Drü- ! hn in der Anlage ergehen sich unterdessen die ^endlichen Spaziergänger. Sie atmen den Duft und die Frische der Blumen und des Strauchwerks, spüren die Köstlichkeit der Abendstunde. Auf den hinten ringsum sitzen jedoch die Liebespaare, deren zeflüster leise verklingt wie der zarte Ton eines faeigenfpieles.
। Es ist eine beglückende Kraft, die uns täglich der «ierabend schenkt. Er gibt uns nach des Tages ;nft die erquickende Ruhe und den Ausspann der taeele. Und selbst in der Stadt weiß er freundliche loylle zu zaubern. Man muß nur die Augen ge- auchen, um sie zu sehen. H. W. Sch.


