Ausgabe 
27.6.1939
 
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Saal des Saalbaues zu Frankfurt a.M.: Junge Soldaten... Frohe Weifen der jungen Mannschaft. Eine Gemeinschaftssendung von Hitler-Jugend und . mit frohen Soldatenliedern und Chören der Jugend. 22: Nachrichten. 22.15: Sportnachrichten in Kürze. 22.20: Kammermusik. 22.50 bis 24: Musik aus Wien.

48 Schafe vom Blitz erschlagen.

LPD. Frankenberg (Eder), 26.Ium. In Geismar wurden während eines Gewitters 48 Schafe vom Blitz erschlagen. Der Schäfer wurde zu Boden geschleudert, konnte sich aber bald wieder erholen.

Zellenleiter Bürgermeister Buß vom Kreisleiter bestimmt. Die Zelle Holzheim gehörte bis 1935 zur Ortsgruppe Lang-Göns und dann der Ortsgruppe Gambach an.

Kreis Büdingen.

& Schotten, 26. Juni. Am Alteburgskopf ist vom Obst-- und Gartenbauverein eine Musteranlage für die Zucht von Erd-

Aus der engeren Heimat.

Arbeitsgemeinschaft für Berwaltungs- fragen tagte auf dem Hoherodskopf.

<>.Schotten, 26. Juni. Auf dem Hoherods- köpf fand am vergangenen Samstag eine Sitzung der Arbeitsgemeinschaft für Derwal. tungsfragen der kleineren und mittleren hessi. schen Städte statt, die sehr gut besucht war. Ver­treter der Hessischen Landesregierung, der Ge­meinderechnungskammer, der Landesdienststellen Hessen-Nassau und Thüringen vom Deutschen Ge­meindetag nahmen an den Beratungen teil. Direk­tor Göb von der Landesdienststelle Hessen-Nassau erstattete ein Referat über die derzeitigen kommu­nalen Probleme. Besonders eingehend wurden die Fragen des Finanzausgleichs und dessen Rück­wirkungen auf die Gemeindefinanzen behandelt. Zu diesem Gegenstand nahmen die Vertreter der Hessi­schen Landesregierung und viele Bürgermeister ein­gehend Stellung. Das Versicherungswesen der Ge­meinden, Fragen der Energiewirtschaft und eine Reihe wichtiger Gemeindeangelegenheiten wurde be- handelt. Die Schönheit unseres Vogelsbergs wurde von allen Teilnehmern, die zum Teil zum ersten Male unser Gebirge sahen, rühmend anerkannt. Man besichtigte noch verschiedene Sehenswürdig­keiten im Vogelsberg und stattete auch dem Heimat­museum in Schotten einen Besuch ab.

Tödlicher Sturz.

* Großen-Linden, 27. Juni. Der etwa 50- jährige Landwirt und Ortsbauernführer Wilhelm Wenzel von hier kam am vergangenen Sonntag schwer zu Schaden. Bei einem unglücklichen Sturz zog er sich einen Schädelbasisbruch zu und mußte zur ärztlichen Behandlung in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. Der bedauerns­werte Mann erlag heute morgen den er­littenen Verletzungen.

und warum die Jugend eigener Heime bedürfe. Mit der Jugend, so sagte er, sei es wie mit einer kinderreichen Familie, in der sich die Kinder unter der Aufsicht der Eltern auch allein erziehen. Nachdem die Urkunde in eine Kapsel eingelötet war, nahm der Kreisleiter die Grundsteinlegung vor und sprach dabei den Wunsch aus, daß dies neue Heim Generationen hindurch als Erziehungsstätte zum Segen des Volkes und zum Nutzen der Gemeinde dienen möge.

Unfälle auf dem Lande.

Der 23 Jahre alte Schlosser Wilhelm Roth aus Hattenrod (Kreis Gießen) kam, als er sich mit sei­nem Motorrad unterwegs zu seiner Ärbeitsstätte befand, unglücklich zu Fall und erlitt einen Unter- schenkelbruch. Ebenfalls durch einen Sturz vom Motorrad kam der 17jährige Schlosserlehrling $)ucrn Bork aus Hörnsheim schwer zu Schaden. Er erlitt einen Schädelbruch, sowie erhebliche Weichteiloer­letzungen am rechten Oberschenkel. Die 36jährige Landwirtsehefrau Marie Wilhelm aus Saasen (Kreis Alsfeld) zog sich durch einen unglücklichen Sturz einen Unterarmbruch zu. Der 34jährige Sägewerksmeister Heinrich Fuhr in Homberg (Ohm) verunglückte dieser Tage beim Abladen von Stämmen. Er geriet- mit dem linken Fuß unter einen 'Stamm und brach das Fußgelenk. Die Ver­unglückten wurden zur ärztlichen Behandlung in die Chirurgische Klinik gebracht.

Landkreis Gießen

<> Holzheim, 26. Juni. Die Zelle H o l z - heim der NSDÄP. ist dieser Tage zu einer selbständigen Ortsgruppe erhoben wor­den. Zum Ortsgruppenleiter wurde der bisherige

beeren, Johannis-, Stachel. und Him- beeren in großem Umfang angelegt worden, die sich sehr gut enwickelt hat und das Interesse für Beerenobst stark fördert. Auf dem großen städtischen Kirschbaumstück war die diesjährige Kischenernte sehr reichlich und die Nachfrage nach dieser wohl­schmeckenden ersten Frucht des Jahres sehr groß.

k. Schotten, 26. Juni. Die Verkehrsverhältnisse im Vogelsberg rund um Schotten werden dadurch verbessert, daß die Reichspost die Postkraftwagen­strecke von Schotten über FeldkrückenKölzenhain PetershainerhofGötzen und zurück weiterführen wird über die Orte Babenhausen II, Wohnfeld und Altenhain. Dadurch bekommen die letztgenannten Orte eine bequeme, lang ersehnte Verbindung mit der Stadt Schotten.

Kreis Alsfeld.

c. Flensungen, 26. Juni. Dieser Tage fand hier ein Feldrundgang unter Leitung von Dr. Dienst von der Landwirtschaftsschule in Grünberg statt. Vor dem Rundgang wies Dr. Dienst auf die Bedeutung der Silos, sowie der neuen Jauchegruben und Miststätten hin, die bereits bei einigen Land­wirten und Bauern vorhanden sind. Besonders be­tonte er, daß die gewährten Reichszuschüsse sehr be­trächtlich seien und jedenfalls nur noch bis zum 31. März 1940 gewährt würden, so daß zu empseh-' len sei, den Bau dieser Anlagen bald ins Auge zu fassen. Man könne sagen, daß diese neuzeitlichen An­lagen für den Bauern eine Erleichterung bedeuteten und wertvoll seien für viele Generationen. Dr. Dienst sprach ferner noch über Helle und gesunhe Viehstallungen, über Weidekoppeln usw. Anschlie­ßend begann der Feldrundgang, bei dem der Anbau von- und Futterkartoffeln behandelt wurde. Weiter wurden noch die verschiedensten Gras- und Getreidearten durchgesprochen. Den Bauern und Landwirten wurde gesagt, daß die landwirtschaft­liche Beratungsstelle Grünberg jederzeit kostenlos für alle wichtigen Fragen zur Verfügung stehe.

Reger Gchießbetrieb

HI.-Heim-Ärundsteinlegung in Obbornhofen.

im Kreiskriegerverband Gießen.

# Obbornhofen, 26. Juni. Am gestrigen Sonntag wurde hier der Grundstein für das HI.- Heim gelegt, das schon im Bau begriffen ist. Vor der Baustelle unter den Linden waren HI., BDM., SA., Arbeitsdienst und der Kriegerverein auf­marschiert. Von der Gebietsführung der HI. waren der Referent Trautmann und die Architekten Dipl.-Jng. Wagner, Wiesbaden (pon dem der Plan stammt), und W. Dubois, Lampertheim (der die Ausführungen überwacht), erschienen. Nach­dem der Musikzug der HI. zur Eröffnung gespielt hotte, begrüßte der Ortsgruppenleiter Müller den Kreisleiter und den Bannführer. Bürgermeister Kammer sagte, daß'hier unter den Linden, wo die Gemeinde immer zu ihren Festen zusammen­gekommen sei und wo sich in nächster Zeit die Sportplätze befinden, das Heim erbaut werden solle. Der Platz nehme sich besonders schön aus, weil man von hier aus das Horlofftal und die ganze Wetterau vor sich habe. Jungbannführer T a e s - ler bezeichnete diesen Platz als den schönsten in der ganzen Wetterau und dankte neben dem Streis» lei ter ganz besonders Bürgermeister Kammer, weil dieses Heim einmal weithin die Wetterau beherr- schen wird. Hierauf hielt Kreisleiter Backhaus eine Ansprache, in der er ausführte, warum die Jugend und das Volk geschult werden müsse

Am vergangenen Sonntag war an sechs Wett­kampforten ein größerer Teil Kriegerkameradschaften zur Äustragung der alljährlichen Wettkämpfe im Schießen vereinigt. Es war dabei gegenüber dem Vorjahre festzustellen, daß fast alle Kame­radschaften mehr Schützen in den Wettkampf schicken, so daß zu erwarten steht, daß der Kreisverband mit etwa 2000 Schützen an die erste Stelle im Gau­gebiet rückt. Auch die Leistungen zeigen eine be­achtliche Auswärts beweaung, so daß auch das Durchschnittsergebnis ebenfalls einen outen Nenner zeitigen wird. Erfreulich ist die Tatsache, daß sehr viele alte Kameraden bei der Sache sind und dem Befehl des Führers, sich durch Schieß­übungen wehrhaft zu erhalten, folgen. In einigen Kameradschaften wurden solche Kameraden gesehen, die 70, 74 und 78 Jahre alt sind.

Ganz besonders ist zu erwähnen, daß diesmal auch die ab 1. Oktober 1938 eingsgliederten Kamerad­schaften an dem Wettkampfschießen eine gute Be­teiligung aufzuweisen batten. Der Betrieb der G i e- ßener Kameradschaften am 18. Juni auf den Ständen des Schützenhauses war zeitweise über Erwarten stark. In kommenden Jahren wird man deshalb mehrere Wettkampftage einlegen. Am 18. und am 25. Juni fanden unter Leitung des Kreis- schießwartes Hanf Wettkämpfe folgender örtlicher

Kameradschaften statt: Burkhardsfelden mit Oppen­rod, Saasen, Beltershain, Ettingshausen, Annerod und Albach, Grünberg Leitung Kam. Schütz, Lauter, Queckborn und Stockhausen mit Larden­bach. Äuf dem schönen Stand in Laubach trafen Laubach, Gonterskirchen, Ruppertsburg und Freien­seen zusammen. Diese auch neu in den Kreisver­band Gießen einbezogenen Kameradschaften be­grüßten es herzlich, daß der Wettkampf unter der Leitung von Kreisschießwart Hanf (Gießen) durch­geführt wurde. Daß dieses Schießen mehr und mehr Interesse bei den Kameradschaften findet, ist damit bewiesen, daß die gemeldeten Schützen restlos an­traten und sogar noch Nachnenungen am Schießtag erfolgten. Für die beste Beteiligung und beste Lei­stung stehen wertvolle Gewehre als Ehrenpreise zur Verfügung. Daß auch die Stadtverwaltung großes Interesse an diesen Wettkämpfen zeigt, hat sie damit bekundet, daß sie Gewehre alsWanderpreis der Stadt Gießen" dem Kreisverband zur Verfügung gestellt hat. In Ober-Wessingen errang Kamerad Wilh. Lotz (Nieder-Bessingen) im vorgerückten Al­ter die Ehrennadel mit 135 Ringen.

Am kommenden Sonntag, 2. Juli, werden die Wettkämpfe in Hausen, Lick;, Langsdorf, Hungen, Utphe, Bellersheim und Muschenheim fortgesetzt.

GROSSGARAGE Öltet Weiten

Roman von Harald Baumgarten

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35

1.

Berlin verschluckt einen Wagen.

Die Bogenlampen blitzten auf. Die Luft bekam einen Schein. von Perlmutter. Wenn man, wie jetzt Werner Vallendar, den Kurfürstendamm um diese Abendstunde hinunterfuhr, schien das rote, grüne und blaue Licht aus den Geschäften wie Kaskaden eines Wasserfalles zu fließen und ein vibrierendes Leben zu verströmen, in dem man sich wohlfühlte wie in einer warmen Woge.

Vallendar hob den Fuß ein wenig vom Gas­pedal. Er sah, während der große Wagen lautlos über den spiegelnden Asphalt glitt, aufmerksam nach rechts und links. Er atmete sie förmlich ein, die ganze Straße, die Menschen, die von allen Seiten auf sie zueilten, sich ihr vermählten und sich von ihr trennten. Er hob den Kopf und sah die Bäume an, die in der Mitte standen: manche waren schon ganz ohne Blätter und einzelne wie Titanen, die der Zeit trotzten, noch im herlekinsfavbenen Kleide des Herbstes.

lieber sein braungebranntes Gesicht, in dem die blaugrauen Augen vor Freude blitzten, zog ein be­glücktes Lächeln. Wieder in Berlin! dachte er. Wie­der zu Hause! Mensch, Werner du fährst über den Kurfürstendamm! Dor ein paar Tagen standest du noch im heißen trockenen Wüstensand vor den Pyramiden und hattest Sehnsucht! Ja, zum Teufel, richtige Sehnsucht! Und nun ift die Sehnsucht er­füllt, nun bist du wieder da! Was für ein Gefühl! Und morgen geht's wieder los in Babelsberg. Ah, da steht mein Name! Werner Vallendar ganz groß dort über dem Portal des Riesenkinos. Dort funfelt und spritzt er hoch in bunten Leucht- buchstaben und hier sitze ich in meinem Wagen und

Stopp! Rotes Licht... Der Wagen glitt an den Bordstein, Ecke Kurfürstendamm und Joachims- thaler Straße. Werner Vallendar lehnte sich zurück. Er hatte den großflächigen Ulster aufgeknöpft. Um den Hals schlang sich ein kühner Schal, den er m letzter Minute einem braunbeinigen Hausierer auf dem Kai in Alexandria abaekaust hatte. Einen Hut trug er nie. Sein dichtes dunkelblondes Haar ließ er gern vom Winde durchwühlen. Es sah seltsam aus zu dem tiefen Braun der Wüstensonne.

Wagen surrten heran, bremsten und hielten. Er legte die Hätide aufs Steuerrad und sah sich um.

Hallo was war denn das? Ein kleiner alter Wagen glitt dicht neben den feinen. Ein ulkiger Wagen: Zweisitzer, offen wie seiner, aber schlecht im Lack, altmodisch in der Form. Doch das, was da im Wagen saß alle Wetter noch einmal! das war weder schlecht im Lack noch altmodisch nein, weder in der Form noch sonst irgendwie. Das war ein entzückendes Mädchen in einem blauen Schneiderkostüm, das oben am Hals ein weißes Blüschen freiließ. Und auf dem Kopf mit den hasel- nußbraunen gelockten Haaren saß ein winziges blaues Mützchen, das in der Mitte ein Ausrufungs­zeichen hatte. Ein richtiges Ausrufungszeichen, das Beachtung zu fordern schien: Seht her hier bin ich!

Schade, ihr Gesicht konnte Vallendar nicht sehen, denn ihr kleiner Wagen stand ein paar Schritte näher der Kreuzung. Aber er wollte einen Scherz machen; dann würde sie sich umdrehen, und dann würde man weitersehen... Ach, es war ja alles nur dieser Ueberschuß von Kraft, dieser Ueberfchuß von Lebensfreude, der ihm im Blute qirlte, daß er etwas anstellen mußte, damit die tausend Teufelchen des Wohlbehagens einen Ausweg fänden.

Fräulein! Wollen Sie mich nicht ins Schlepptau nehmen?" Seine Stimme war volltönend, war ge­schult und hatte einen edlen Klang. Sie war ein köstliches Instrument, auf dem er spielen konnte; er konnte sie klagen und meinen, jauchzen und lachen lassen.Hallo Fräulein!"

Sie hatte es gehört. Sie wandte sich um.

Er hatte es gewußt. Jetzt würde sie in sein Ge­sicht sehen in dieses strahlende, glückhaftfrohe Jungengesicht, und dann würde sie erröten und sagen:Ach, Herr Vallendar!" Natürlich! Wer kennte mich nicht mich, Werner Vallendar?

Tatsächlich jetzt hatte sie ihn im Blick.

So mußte sie aussehen! frohlockte es in ihm. Ganz genau so! Haselnußaugen. Sie paßten zu dem haselnuhbraunen Haar. Feingeschnittene, hochge­zogene Brauen, die ihrem Gesicht etwas Kriege­risches verliehen. Etwas, das mahnte: Halt! Ab­stand, junger Mann! Sie hatte eine sAmalrückige Nase und einen schmalen, nicht allzu Heinen Mund. Und wie sie jetzt die Lippen öffnete, um etwas zu sprechen, etwas Abweisendes auf seinen frechen Antrag, da blitzte eine Reihe weißer, fester Zähne.

Er ließ die Hände vom Steuer und hob die Arme wollte sie ihr so ein wenig entgegenstrecken, damit sie gleich merkte, es sei alles nur -ein frohes Umarmen des Lebens, gar keine gewöhnliche Frech­heit.

Da weiteten sich die Augen des Mädchens jäh er­schrocken. Es war ein Schreck, der wie eine Wolke über das Gesicht flog und es erblassen machte. Fest schloß sich ihr Mund; sie schaute an ihm vor- bei auf die Straße, und plötzlich stieß sie einen leisen Schrei aus. Es war wie ein weher, be­klommener Schrei.

, Und Vallendar, der ein jo. seines Gehör für alle

Abstufungen hatte, erkannte unwillkürlich, daß irgendetwas in dieser Sekunde das Mädchen in tief­ster Seele erschreckt hatte... Was? Sein Heiner Scherz? Unsinn! Etwas dort drüben auf dem Bür- gerftetg?

Vallendar wandte den Kopf, spähte in das Ge­wühl der Fußgänger. Dort geschah doch nichts Be­sonderes. Was war denn nur? Sein Blick flog hin und her.

In dem Augenblick hatte das Licht gewechselt, und ehe er den ersten Gang eingeschaltet hatte, machte.der kleine Wagen einen förmlichen Sprung über die Kreuzung und jagte weiter.

Donnerwetter! dachte Vallendar. Was war denn das?

Sein Wagen stieß vor. Ader er mußte bremsen. Eine gewaltige Limousine schob sich vor ihn. Er konnte nicht an ihr vorbei. Ein dicker Bus zog ge­mächlich seines Weges.

Jetzt endlich! Vollgas an dem dicken Onkel vorbei. Straße hinab. Kreuzung. Rotes Licht... Stopp!

Der Wagen war weg war eben noch hinüber- qefommen. Vallendar sah ihn in einem weiten Bogen um die Kirche rennen, und nun bog er ab. Tauentzien wahrscheinlich.

Himmeldonnerwetter! Brannte dann ewig Rot? Na, endlich Grün! Rum um die Kirche... 'Ißatjen von allen Seiten. Flimmern der Scheinwerfer. Tuten, Gleiten und tanzende Winker.

Der kleine Wagen war weg. Berlin hatte ihn verschluckt...

Der Schauspieler Werner Vallendar umkreiste die Kirche. Was war denn eigentlich los? Was hatte er denn? Was interessierte ihn so? Ein klei­nes Mädchen, ein reizendes kleines Mädchen... Soll eine ganze Menge davon in Berlin geben. Und er hatte es doch nicht nötig, sich deswegen zu beunruhigen? Aber sie hatte aufgeschrien. Ach die Augen waren es! Die' schreckhaft geweiteten Augen und das wehe Lächeln!

Nun aber Schluß! Ein Heines Erlebnis. Es lag wohl nur an ihm, wenn er es wichtig nahm. Es war die Stimmung. Es war dieser seine herbst­liche Nebel, der alle Umrisse zu verwischen begann, der alles in den Hauch einer seltsamen Romantik tauchte.

Jetzt fahre ich in die Garage, nahm er sich vor, und stelle den Wagen ein! Bald kommt Margit. Margit will um acht bei mir zu Abend essen, eie wird vollgepfropft sein mit lauter Neuigkeiten.

Aber plötzlich war es ihm, als habe er sich wäh­rend der drei Wochen in Aegypten gar nicht nach Margit gesehnt. Nein. Sie war fern. Er konnte sich Margit gar nicht mehr vorstellen. Das Bild des Mädchens mit den Haselnußaugen stand vor seinen Äugen.

Schluß! Linker Winker eingebogen! So, da drüben blitzten Lichter, auf, formten Worte:Groß-

Gesundheitsbetreuung spart Betnebsunkosten.

NSG. Die Deutsche Arbeitsfront hat einmal alt Hand eines Einzelbeispiels berechnet, welche Be­triebsunkosten durch Krankheit entstehen, und da­bei ein dem Durchschnitt der Erkrankungen in den deutschen Betrieben entsprechendes Beispiel ge­wählt. Es liegt die Annahme eines Betrebes mit 10 000 Gefolgsleuten zugrunde. Im Jahre 1937 entfielen dort auf 100 Arbeiter 48 Krankheitsfälle, die mit Arbeitsunfähigkeit verbunden waren. Für jeden Krankheitsfall sind nun entweder auf Grund einer Tarifordnung oder einer Betriebsordnung iir fast allen Betrieben Krankengeldzuschüsse während einer Dauer von 6 bis 12 Tagen zu zahlen. Legt man als Durchschnitt neun Tage zugrunde und nimmt einen durchschnittlichen Grundlohn von 6,50 Reichsmark täglich bei den Erkrankten an, so kommt man zu folgender Berechnung:

Der Krankengeldzuschuß ist der Unterschieds­betrag zwischen dem Krankengeld in Höhe dec Hälfte des Grundlahnes und v. H. des Lohnes, beträgt also in unserem Fall 5,85 bis 3,25 RM. = 2,60 RM. Das ergibt, daß füv neun Tage ein Betrag von 23,40 RM. und in 4800 Krankheits­fällen von 112 320 RM. zuzuzahlen ist.

Es liegt auf der Hand, daß, wenn es gelänge, durch geeignete sozialpolitische Maßnahmen die Zahl der Krankheitsfälle oder die Dauer der Krankheit zu mindern, damit unmittelbar eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit des Betriebes er­reicht würde. Angenommen, allein die Dauer der Krankheit würde so herabgedrückt, daß statt für neun Tage nur für acht Tage Krankengeldzuschuß zu zahlen wäre, bann würden die Anforderungen des Betriebs mit 10 000 Gefolgsleuten an Kran- kengeldzuschuß um 12 480 RM. jährlich geringer sein.

Die "Möglichkeit, eine Krankheitsdauer zu min­dern, ist vielseitig. Hierher gehören die Reihen­untersuchungen als Gesundheitsinventur der Be­triebe, der Einsatz von Betriebsärzten, Untersuchun­gen der Jugendlichen, bei Einstellungen usw.

Im Leistungskampf der deutschen Betriebe prü­fen die Betriebsführer jährlich, was es in ihrem Betriebe zur Pflege der Gesundheit ihrer Gefolg­schaft noch zu tun gibt. Aus der Erkenntnis ihrer sozialen Pflicht und der wirtschaftlichen Zweck­mäßigkeit werden die betriebe des Rhein-Main- Gebietes auch in diesem Jahr dieser Aufgabe auf dem Wege zur Leistungssteigerung ihr ganz beson­deres Augenmerk zu wenden.

Da zögert man nicht, sondern macht mit beim großen FEX- Preisausschreiben. Verlangen Sie bei Ihrem Kaufmann einen Pro­spekt und beantworten Sie lie­ber heut' als morgen die Frage: Was sagen Sie zu FEX?

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III

von SUNLICHT BERLIN

SW, <ww*!

garage Alter Westen". Vallendar gab Gas. Er liebte es, mit Schwung einzufahren.

*

Wenn die Lichter in der Weltstadt aufblitzten und ein rosaroter Hauch am Himmel ihren Wider­schein spiegelte, hatte der Tankwart Fritz Hucke­mann in der Großgarage Alter Westen am meisten zu tun. Dann kamen die Wagen aus der Stadt; der Reihe nach bogen sie ein und sausten an ihm vorüber. Hinter ihm lagen die beiden Tunnel, die in den langen Gang der Garage hinabführtem Wenn die Wagen an der großen Benzinpumpe waren und die Fahrer das Gas wegnahmen, um hinabzufahren, machten die Autos vor Huckemann jedesmal eine kleine Verbeugung, weil ihre Vorder, räder die schräge Bahn hinunter glitten.

Jetzt war es seit einer kleinen Weile ruhiger. Schnell ergriff Fritz einen Lappen und putzte die Messingstücke der Schläuche, durch die das Benzin lief. Blitzen mußte alles das liebte er so.

Wenn er nur mal wegkönnte ! Vorhin war die Hilde 'reingegangen. Sie hatte ihren Wagen für morgen fertiggemacht. Er möchte sie doch mal sprechen. Drei Tage lang würde sie nun wieder im Land herumslitzen mit ihrer fahrenden Leih- bücherei. Aber am Sonntag hatte er frei, und da konnte er mit ihr ausgehen.

Die Hilde das war ein Mädel! Das war keine Liebelei für heute und morgen. Nein, die Hilde war was fürs Herz. Die wird geheiratet. Hoffentlich wenn sie will. Manchmal zweifelte er Daran. Ach, daß man nicht so schnell vorwärtskommt, wie man möchte! Jetzt wird doch die Garage verpachtet. Morgen ist der erste November, und am ersten Dezember tritt der Pächter zurück. Wenn er Die Garage mieten könnte das wäre eine Existenz! Oh, wie wollte er den Laden in Schwung bringen! Wie wollte er aufpassen! Aber dazu gehörte eben Kapital. Und das hatte Fritz Huckemann nicht.

Fritz!" brüllte ein Stimme aus dem Tunnel.

Er lief ein paar Schritte hinunter:Was ist denn los?"

Komm mal mit der Benzinkanne! Die .Gemüse« fraff will nicht anspringen."

Gleich, Hellmuth! Schraub schon mal den 23er« gaser ab!"

Natürlich wieder dieGemüsekraft", Herrn Neu­manns Wagen. Morgens fuhr er mit ihm nach dem Alexanderplatz nach der Markthalle und holte im Anhänger feinen Bedarf für den Laden, und abends fuhr er ohne Anhänger los, gondelte durch Berlin. Das freue ihn so, meinte er. Hundertmal hatte er, Fritz, Herrn Neumann schon gesagt, er solle sich nen neuen Vergaser ein bauen lassen. Immer ver­dunstete das Benzin darin.

Fritz wollte eben in den Tunnel hinunterlaufen.

Huckemann!" Der Buchhalter hatte seinen Kopf durch das Fenster geschoben.

Was denn, Herr Mühsam?" (Fortsetzung folgt.)