Ausgabe 
27.6.1939
 
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Im Dienst bet* Völkerverständigung. Bei der (Erfül­lung dieser Aufgabe^ könne auf die Mitarbeit der Hochschulen nicht verzichtet werden; engste Zusam­menarbeit zwischen höheren Schulen und Hochschulen sei deshalb eine Selbstverständlichkeit.

Die Sühne für die Vorfälle in vachod.

Am 10. Juni nachts haben zwei schwer ange­trunkene Polizeibeamte in Nachod nach anderen groben Ausschreitungen einen Polizeibeamten des Protektorates erschossen. Sie wurden deshalb am 26. Juni von der Strafkammer des deutschen Landesgerichts in Prag zu je fünfzehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehr­verlust verurteilt.

Dammbruch'Kataflrophe in Belgien.

In der Nähe von H a s s e l t, der Hauptstadt der belgischen Provinz Limburg, ist am Montagnach­mittag der Damm des König-Albert- Kanals in einer Lange von fünfzig Meter ge­borsten. Die Wassermassen drangen zuerst in das Flußbett des Döner; doch bald war es gefüllt. Immer neue Wassermassen überfluteten Wiesen und Felder in weitem Umkreis. Zwei Häuser wur­den weggerissen. Ein Ingenieur und drei Arbeiter, die sich in dem einen Hause aufhielten, konnten sich nur mit Mühe retten. Ein weiterer Ingenieur ist ertrunken. Nach Bekanntwerden

des Unglücks wurde die Schleuse von Godscheide sofort geschlossen. Eine vier Kilometer lange Strecke des Kanals, der am 30. Juni durch König Leopold eingeweiht werden sollte, ist außer Betrieb gesetzt worden. Gendarmerie und Militär sind für die Rettungsarbeiten auf geboten worden.

Motorrad vom Zuge erfaßt.

Aus dem Bahnübergang zwischen Barssel und Ocholt in Oldenburg wurde ein Motorrad vom Zuge erfaßt und in den Graben geschleudert. Der Fahrer sowie der Mitfahrer, die das Herannahen des Zu­ges trotz Läutesignale nicht beachteten, wurden bei dem Sturz getötet.

Mit dem Motorrad in die Zuschauermenge.

Bei einem Motorradrennen in Belgien raste ein Motorrad mit Seitenwagen in großer Geschwin­digkeit in die Zuschauermenge. Vier Zuschauer wurden getötet. Die beiden Rennfahrer mußten schwer verletzt abtransportiert werden.

20 Tote bei einem Erdbeben in Peru.

Der Süden Perus wurde von einem heftigen Erd­beben heimgesucht. Besonders stark hat der Bezirk von Pomacanchi gelitten. Bisher wurden 20 Tote und 50 zum Teil Schwerverletzte ausgesunden. Das Ausmaß des angerichteten Sachschadens konnte bisher noch nicht geschätzt werden.

und klare Linienführung und wurde am stärksten, wo die motorischen Kräfte zugunsten eines gefuhls- mäßigen Ausdrucks zurücktraten. Aus dem Pro­gramm des letzten Kammerkonzertes fei in erster Linie die Sonate für Violoncello und Klavier von Kasimir von Paszthory (Deutschland) er­wähnt, für die der Komponist am Flügel und der Cellist Ludwig Hoelscher sich leidenschaftlich einsetzten. Das Werk besticht durch seine musikalisch- geistige Reife und ausgeglichene Vitalität, die trotz weitgespannter Linien immer übersichtlich und klar blieb. Aus einer echten Musizierfreude stammt eine liebenswürdigeKammermusik für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Streichquintett" op. 31 von dem Deutschen Egon Kornauth.

In einem repräsentativen Chorkonzert, das ganz den ausländischen Gästen überlassen war, hörte man Werke aus England, Italien, Island und Belgien. EinStabat mater von dem Italiener Mario Labroca rührt in seiner klanglichen Einfachheit an tiefste seelische Bezirke. Starke nationale Zuge wurden in derIsland-Kantate" von Jon Leifs (Island) ausgedeckt. Chorisch sehr geschlossen erschien dieAussöhnung" nach Goethes Text v»n dem tem­peramentvollen Belgier Lieven Duvosel, der mit musikalisch-geistiger Großlinigkeit der Lebens­weite des Goetheschkn Vorwurfs gerecht wurde. Mit malerisch-exotischen Farben illustriert der Engländer Constant Lambert in seinem ChorwerkThe Rio grande eine fremdartig bunte Welt.

Den Abschluß des Musikfestes bildete ein Opern- abend, an dem das jüngste Werk des greifen Prä­sidenten des Internationalen Rates, Richard StraußDaphne" aufgeführt wurde. Das späte Werk ist übergossen von dem milden Glanz und dem tiefen Zauber der Verklärung, mit der ein genialer Geist und Gestalter noch einmal die Fülle seines nneren Reichtums aus vollen Händen verschenkt hat. Die Ausführung des Frankfurter Opernhauses gab dem Werk eine würdige Gestalt. Im Anschluß daran ging als deutsche Uraufführung das BallettLa Rasiere du Village von dem Franzosen Henri Tomafi in Szene. Die ungewöhnliche rhythmische Kraft der Musik fand in der Tanzaestaltung Inge Hertings klare Deutung. Um die Aufführung der Werke machten sich verdient das Opernhaus- und Museumsorchester unter Franz Konwitfchny, das Orchester des Reichssenders Frankfurt unter Otto Frickhoeffer, das Beronel-Ouartett, das Zernick-Quartett, die größten Frankfurter Chorver­eine und eine Reihe ausgezeichneter Solisten.

x Adolph Meuer.

Wilhelm Teil" auf der Loreley.

RSG. Nachdem zur Sommersonnwende die Fest­spiel- und Feierstätte des Gaues Hessen-Nassau a u f der Loreley ihrer Bestimmung übergeben worden war, wurde am Sonntagabend zum ersten Male auf ihr das FreiheitsspielWilhelm Teil" von Friedrich Schiller von den^Städtischen Bühnen Frankfurt a. M. aufgesührt. Schon lange vor Beginn der Aufführung strömten Tausende von Besuchern, die aus allen Teilen des Gaues mit der Reichsbahn, Omnibussen und Kraftwagen und -rädern nach St. Goarshausen gekommen waren,

Musik der Völker.

Das Internationale Musikfest in Frankfurt am Main.

Don unserem Sonderberichterstatter.

Das Musikfest des Ständigen Rates für d i e internationale Zusammenarbeit der Komponisten, das sich in Frankfurt a. M. über eine volle Woche erstreckte, ist beendet. In den Kreis dieser großen internationalen Musik- schau waren einbezogen Orchestermusik, Kammer­musik, Chormusik und die Oper. Den stärksten Eindruck hinterließen die Orchesterwerke. Das erfreulichste Erlebnis des zweiten Orchesterkonzertes war der Einblick in das Schaffen der beiden jüngsten Komponisten des Festes, des Deutschen Gerhard Maaß und des Schweizers Hein­rich Sutermeister. Sowohl Maaß wie Suter- meister können unmittelbar packen durch eine ge­sunde, in jedem Sinne positive Schöpferkraft. Ger­hard Maaß'Feiermusik für Orchester" entstammt dem Erlebnis eines erhebenden Gemein­schaftsgefühls und gestaltet den Inbegriff des Feier­lichen so zwingend, daß es sich unmittelbar über­trägt. Der neunundzwanzigsährige Schweizer Hein­rich Sutermeister zwingt in vier knappe, übersichtlich gebaute Sätze seinesDivertimento für Streichorchester" den Ausdruck eines starken, zur Gestaltung drängenden Schöpfungswillens. Die 1. Symphonie des Griechen Petro Petri dis ist von einer monumentalen symphonischen Idee beherrscht, die aber bewußt auf eine streng durch­geführte Gliederung verzichtet. Mit demKonzert "für Klavier und Orchester" G-dur von Pvonne Lefebvre, der ausgezeichneten französischen Pia­

nistin glanzvoll bargeboten entbot der Ständige Rat dem vor zwei Jahren verstorbenen Maurice Ravel Gruß und Huldigung.

In einem letzten Orchesterkonzert bestätigte sich der Gesamteindruck, der sich aus den Bestrebungen der meisten aufgeführten Komponisten herausfinden ließ: die klare Besinnung auf die Werke vergange­ner Jahrhunderte, glücklich in Beziehung gesetzt zu den Wesenheiten der Gegenwart, so am glücklichsten in derPartita für Orchester" von Johann Ne­pomuk David (Deutschland), der in fünf aus­gedehnten Sätzen zeitnahen Geist mit alter Form glücklich verbindet. Julius Weismanns Kon­zert für Violine mit Orcheftcrbegleitung op. 08 be­sticht durch Wohllaut und Fülle des Satzes. Adriano LualdisSamnium" - Suite nach Bauernmotiven wirkt durch geschickte Gegensätzlich­keit des Stimmungsmäßigen und Rhythmischen.

Auch die Kammermusik vermeidet Problematik und hält sich an bewährte Formen. So ist aus dem zweiten Kammermusik-Konzert, in dem zwei groß- linige Werke eine Fülle kleinformatiger umrahm­ten, vor allem das Klavier-Quintett es-moll op. 26 von (Ern ft von Dohnanyi (Ungarn), zu nen­nen. Es ist der Niederschlag einer unmittelbaren schöpferischen Notwendigkeit, aus der heraus die melodische und gedankliche Substanz mühelos in klare Form gebracht ist. Das zweite Hauptwerk des Abends, das Streichquartett in a-moll von Max Dänisch bestach durch seine abgerundete Form

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Dr. Hans Thy. riot. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fn W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein (beurlaubt); i. V. Heinrich Ludwig Neunsr; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D.A.V. 1939: 9133. Druck und Verlag: Brühlsche Universitäts­druckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preis-

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vom Rheintal hinauf auf den Loreleyfels. Als zum vierten Male die Fanfaren verklungen waren und die Konturen der Rheinberge in der hereinbrechen, den Nacht schon leicht verschwammen, saßen die Besucher Kopf an Kops. Die Aufführung wurde zu einem Erlebnis, das jeden Volksgenossen packte. Den unvergleichlichen Hintergrund für das Freiheitsspiel gab die herrliche Landschaft am Rhein.

Vor Beginn der Ausführung richtete der Stell- vertretende Gauleiter ,ßi n b e r eine Ansprache an die Besucher, in der er sagte, alle wahren Künstler seien aus dem Volke heraus geboren und zum Volke zurückgekehrt. Jahrhunderte hindurch sei das Reich fremden kulturellen Einftüsfen ausgesetzt gewesen. Diese Zeiten seien vorüber. Wie sich an der Grenze ein Festungswall entlang ziehe, so müßten deutscher Kulturwille und deutsches Kulturschaffen einen neuen Wall gegen jeden Versuch' geistiger Knechtschaft bil- den. Neben dem großen Schaffen unserer Zeit müß­ten wir aber auch den Weg zu den alten deutschen Meistern finden. Diesem Ziele diene die Festspiel- und Feierstätte, die zur Pfleye großer und erhabe- ner Kunst gebaut worden fei.

IBdferbericbf

Nachdem es am Montag und in der Nacht zum Dienstag in unserem Gebiet noch vielerorts zu zeit­weise gewittrigen und örtlich sehr ergiebigen Regen, fällen gekommen war, macht sich zur Zeit in einem nachfolgenden Hochdruckgebiet von Westen her fort­schreitende Besserung geltend. Wohl entwickelt sich von Irland ein neuer Tiefdruckwirbel, der auch auf unser Wetter nicht ohne Einfluß bleiben wird, doch kann im ganzen mit freundlicherem Wetterablauf als seither gerechnet werden.

Vorhersage,für Mittwoch: Vielfach hei­ter und trocken, nachts frisch, doch tagsüber wieder wärmer als seither, Winde meist um Süd, später Bewölkungszunahme.

Vorhersage für Donnerstag: Nach vorübergehender Unbeständigkeit im wesentlichen freundlicheres und ziemlich warmes Wetter.

Lufttemperaturen am 26. Juni: mittags 16 Grad Celsius, abends 13,9 Grad; am 27. Juni: morgens 12,4 Grad. Maximum 17,1 Grad, Minimum heute nacht 10,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. Juni: abends 17,3 Grad; am 27. Juni: morgens 14,6 Grad. Niederschläge 0,9 mm. Sonn enscheindauer 1,6 Stunden.

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