306000 RR. am „Tag der Wehrmacht" im Wehrkreis II. NSG. Der „Tag der Wehrmacht für das WHW." brachte in den Standorten des Heeres im Wehrkreis IX ein Sammelergebnis von rund 306000 RM., die an die NSV. obgeführt werden konnten. Dazu kommt noch das Ergebnis der Veranstaltungen in den Luststandorten. Mit 306 000 RM. ist der Erfolg des Vorjahres fast um das Doppelte übertroffen worden. Angesichts der teilweise ungünstigen Witterung und technischer Schwierigkeiten im Zusammenhang mit den jüngsten politischen Ereignissen muß der „Tag der Wehrmacht" als ein in jeder Hinsicht erfolgreicher Großkampftag für das WHW. bezeichnet werden.
Reben dem freudigen Einsatz der Truppe ist das Gesamtergebnis der Unterstützung durch die Dienststellen der NSV. und der Gebefreudigkeit der Be- völkerung zu verdanken.
Allen Helfern und Spendern spricht der Vefchls- haber im Wehrkreis IX, General der Artillerie Doll mann, seinen allerherzlichsten Dank aus.
Oank des Standortältesten.
Der Standortälteste, Generalleutnant von A p e l l, .spricht der Bevölkerung von Gießen und Umgebung seinen herzlichsten Dank für die Unterstützung und Gebefreudigkeit anläßlich des „Tages der Wehrmacht am 18. und 10. März 1939" aus. Durch die Einsatzbereitschaft der Volksgenossen wurde der Veranstaltung ein voller Erfolg beschieden, und ein namhafter Betrag konnte dem WHW. zugeführt werden.
dein Jugendschutzgesetz und stellte als ErziehuNgs- ziel heraus, daß es gelte, die Jugend so heranwach- scn zu lassen, daß aus ihr körperlich, seelisch, geistig und sittlich vollwertige und vollverantwortlich handelnde Menschen werden könnten, die sich dem Reich und dem Volke verpslichtet fühlen. Der Staat sehe in der Jugenderziehung eine unabdingbare Pflicht!
In einem kurzen Referat sprach Ortsgruppenleiter Link (Harheim) über das Dorf- und Hausbuch und seine geschichtliche Sendung für unsere deutsche Zukunft.
Mit Worten der Aufmunterung zu weiterer Arbeit an großen Zielen und mit dem Gruß an den Führer fand die Arbeitstagung ihren Abschluß.
Vornotizen.
Tageskalender für Montag.
RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Kreisdienststelle Wetterau, im Gloria-Palast, Seltersweg: 20.30 Uhr Groß-Dariet6 „Lache mit uns". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ich verweigere die Aussage". — Verlängerung des Frühjahrsmarktes (Schaumesse) auf Oswaldsgarten.
Große Ariistenschau im Gloria-Palast.
Von der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Kreisdienststelle Gießen, wird uns geschrieben:
Der Kreisdienststelle der DAF. ist es wiederum gelungen, ein außerordentlich gutes Varietö für den heutigen 27. März im Gloriapalast zu verpflichten. Jedem Besucher wird noch in Erinnerung sein, daß unser Dariets „Lache mit uns" wirklich frohe und vergnügte Stunden bereitete. Der Vorverkauf hat bereits eingesetzt. Acht Nummern ans der Welt der Artistik und des Humors werden die Besucher unterhalten. Ein echter Rheinländer A. A. R o m m e l hat die Ansage und wird die nötige Verbindung zwischen Künstlern und Publikum schassen. Die drei Veronas bringen glänzende Rollschuhtricks. Hermann Held wird auf humoristischem Gebiet unterhalten. Hans Hartmuth schafft mit kunstfertiger Hand Momentplastiken. Ottilie Zika wirkt als bezaubernde Dortragskünstlerin. Gladios zeigt sein Können auf dem Gebiet der Fechtkunst mit scharfen Waffen. Das Jo-Tello-Ballett wird sich als Tanzgruppe von Weltruf darbieten. Rei und Schelt ein Meister der Springkunst. Aus diesem kleinen Ausschnitt ersieht man die Vielgestaltigkeit des Programms. Man versäume nicht, die Vorstellung zu besuchen.
Merus'sche Eisenwerke ehren 1275 Jubilate. Iubilarfeier anläßlich des 40jährigen Oienstjubiläums von Kommerzienrat Dr. Koehler.
Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
Im vorigen Jahre konnte der Vorsitzer des Vorstandes der B u d e r u s s ch e n Eisenwerke in Wetzlar, Kommerzienrat DrckJng. e. h. Adolf Koehler, sein 40jähriges Dienstjubiläum begehen. Aus diesem Anlaß sollte nach dem Willen des Jubilars eine besondere Feier zu Ehren aller Werksjubilare stattfinden. Mancherlei Umstände machten damals diese Feier unmöglich.
Nunmehr sah Kommerzienrat Dr. Koehler die Zeit gekommen, um den Veteranen der Arbeit in den Buderusschen Eisenwerken die geplante, wohlverdiente Ehrung zu bereiten. Mit den J-ubilaren hat er auch deren Frauen zu dieser Feier eingeladen, so daß sich der Kreis der Festgemeinde zu der Jubilarseier auf etwa 4000 Personen beläuft. Diese große Anzahl machte eine Teilung der Feier erforderlich: die eine Hälfte der Geladenen, annähernd 2000 Personen, fand sich am gestrigen Sonntag im Bad-Nauheimer Kurhaus zu der Feier ein, die andere Hälfte, wiederum etwa 2000 Personen, wird am kommenden Sonntag sich dort zu froher Gemeinschaftsfeier vereinigen.
Am gestrigen Sonntagvormittag tarnen die Ju- bilarc mit ihren Freuen in mehreren Sonderzügen aus Wetzlar, Lollar und Hirzenhain (Vogelsberg), ferner ein Teil mit Autobussen von weiter her in Bad-Nauheim an. In etwa 15 großen Führungsgruppen begab man sich zum Kurhaus, wo den Besuchern zunächst ein Frühstück gereicht wurde.
Danach sand als Höhepunkt des Tages die I u - bilarfeier im großen Kurhaussaale statt. Zur Ehrung der Jubilare hatten sich zahlreiche Vertreter der Partei und der Deutschen Arbeitsfront mit dem stellv. Gauobmann der DAF. Dr. Jung, als Vertreter des ©auobmanns der DAF. Becker, und dem Kreisorganisationswalter der DAF. Reitz (Gießen), als Vertreter des Kreisleiters Backhaus, an der Spitze eingefunden. Die Werkskapelle So- phienhütte in Wetzlar leitete die Feierstunde mit einer vortrefflichen Wiedergabe von „König Heinrichs Aufruf und Gebet" aus Lohengrin von Richard Wagner ein. Danach überbrachte
Kreisorganisationswalter Reitz
im Auftrage des Kreisleiters dessen und des Kreises Wetterau herzliche Glückwünsche an die Jubilare. Als besonders bedeutungsvoll und denkwürdig bezeichnete er die Tatsache, daß diese Feierstunde in eine Zeit falle, in der unser Füh - r e r Deutschland und das deutsche Volk von Sieg zu Sieg führe, in der die Kraft der Gemeinschaft dem deutschen Volke alles gebe, was es früher vermissen mußte. Durch seine Taten verwirkliche der Führer seine Versprechungen, die er unserem Volke in der Kampfzeit gegeben habe, und dem Führer allein sei es zu danken, daß wir alle in Ruhe und Frieden unserer Arbeit nachgehen könnten und das deutsche Wirtschaftsleben wieder zu hoher Blüte gekommen sei. Mit den herzlichen Glückwünschen an die Jubilare verband der Redner die Mahnung an die Volksgenossen, den Volksgemeinschaftsgedanken allezeit im Herzen zu bewahren und überall zur Tat werden zu lassen, zum Wohle der Familien des Einzelnen und zum Besten des ganzen Volkes. Dem Führer gebühre der unauslöschliche Dank des ganzen V,olkes. '
Nach diesem Gruß des Vertreters des Hoheitsträgers der Partei im Kreise Wetterau sprach
Kommerzienrat Or. Koehler.
Er hieß zunächst die Jubilare und deren Frauen herzlich willkommen und vermerkte es als eine besondere Auszeichnung für die Gefolgschaft, wie auch für die Buderusschen Eisenwerke, daß zahlreiche Vertreter der Partei und der DAF. zu dieser Feierstunde erschienen seien: das sei ein sichtbarer Beweis der Verbundenheit zwischen Werk und politischer Führung. Nachdem der Redner kurz die Verlegung der Feier vom vorigen Jahre in die jetzige Zeit erklärt hatte, machte er interessante Mitteilun
gen über den Kreis der Jubilare. Bei einer Gesamtgefolgschaft von nahezu 11 000 Personen beläuft sich die Zahl der in den Buderusschen Werken noch tätigen Jubilare mit 25 und mehr Dienstjyhren auf 1124, mit 40 und mehr Dienstjahren auf 139 und mit 50 und mehr Dienstjahren auf 12. Das sind insgesamt 1275 Jubilare. Dazu kommt noch die große Zahl der im Ruhestand lebenden Jubilare. Mit besonders , herzlichen Worten hob der Redner den ältesten, immer noch aktiv tätigen Jubilar, den Beschlagschlosser Ludwig Erbe hervor, der schon im Jahre 1887 auf der Main-Weser-Hütte in Lol - l a r seine erste Schicht verfahren hat, zu einer Zeit, als das Unternehmen erst drei Jahre bestand.
Kommerzienrat Dr. Koehler gab sodann in großen Zügen einen Rückblick auf die industrielle und technische Entwicklung in den letzten 50 Jahren, wobei er den gewaltigen Wandel der Dinge in Deutschland aufzeigte. In diesem Gedankenkreis Umriß er auch die Hauptmerkmale der Entwicklungsgeschichte der Buderus-Werke, die bis zur Jahrhundertwende fast während der ganzen Zeit ein reiner Rohstoffbetrieb waren, d. h. Eisenstein förderten und ihn auf den verschiedenen Hochofenwerken der Gesellschaft verhütteten, später zu einem großen gemischt-wirtschaftlichen Werk wurden, in dem neben den Eisensteinbergbau und die Hochofenwerke die Eisengießereien als ausschlaggebender Betriebszweig traten, Buderus sich also von der Jahrhundertwende ab neben der Schaffung von Eisen auch der Eisenverarbeitung widmete. Im Jahre 1900 belief sich die Gesamtbelegschaft auf 3000 Personen. Vor dem Kriegsausbruch 1914 waren es in den verschiedenen Werken rund 5500 Personen. Heute zählt die Gesamtgefolgschaft nahezu 11000 Menschen. Der Gesamtbesitz der Buderusschen Eisenwerke umfaßt heute zwei Hochofenwerke mit zusammen fünf Hochöfen, eine Zementfabrik und dreizehn Eisengießereien, in denen hauptsächlich Bau- und Handelsguß hergestellt wird. In einzelnen dieser Gießereierzeugnissen ist Buderus führend auf dem deutschen Markte. Zu dem Unternehmen gehören ferner noch einige Tochtergesellschaften.
Mit warmen Worten der Anerkennung betonte und würdigte der Redner die großen Verdienste der Jubilare an diesem Wachstum der Werke, das gerade in den letzten 25 und 40 Jahren zu so hoher Blüte geführt habe. Mit dem Dank an die Jubilare verband er auch herzliche Worte des Dankes an deren Frauen, die ihren Männern in dieser langen Zeit Kraft und Mut zu stets regem Schaffen gegeben hätten. Ferner rühmte er die Verbundenheit vieler Fanzilien mit den Werken, die darin zum Ausdruck kommt, daß aus diesen Familien dem Vater vielfach auch die Söhne und Enkel an die gleiche Arbeitsstätte gefolgt seien und immer wieder folgen, so daß die Werke sich mit Generationen von Familien verbunden wissen. Auch den bereits im Ruhestand lebenden Arbeits- und Jubilarkameraden brachte der Redner die dankbare Würdigung ihrer Verdienste durch das Werk zum Ausdruck.
Platzmeister Dietz, Burgsolms,
als Vertreter der Jubilare, sprach Kommerzienrat Dr. Koehler als Leiter des Unternehmens herzlichen Dank aus für diese Feier und den schönen Gemeinschaftsgeist, der die Werksleitung und alle Arbeitstameraden seit Jahren verbinde. Weiter brachte der Redner zum Ausdruck, daß die Jubilare sämtlich ein Stück Buderus-Geschichte miterlebt laben und als (Erinnerung für das ganze Leben bewahren. Er betonte auch das starke Derwachsensein der Arbeitskameraden mit ihrem Werk und mit der Führung, an deren Spitze der rechte Mann auf dem rechten Platze stehe.
Kreisobmann der DAF. Helsper, Wetzlar,
überreichte sodann nach herzlichen Worten der Würdigung und der Ehrung, wobei er auch die Grüße
des Kreisleiters Haus und der DAF. überbrachte, an 29 Jubilare die DAF.-Jubiläums-Urkunden. Er pries dabei das hohe Ethos der Arbeit und den Adel des schaffenden deutschen Menschen durch diese Arbeit.
Direktor Ley, Wetzlar,
hielt sodann eine kurze Schlußansprachc, in der er noch einmal die innige Verbundenheit von Werk, leitung und Gefolgschaft und das Bewußtsein der Verpflichtung des Werkes und aller feiner Ange- hörigen im Dienste unseres Volkes zum Ausdruck brachte. Mit dem freudig aufgenommenen Gruß an den Führer schloß die Ansprache und damit die Feierstunde.
Frohe Geselligkeit als Ausklang des Tages.
Nach gemeinsamem Mittagessen in zahlreichen Gaststätten Bad-Nauheims fanden sich die Festteil, nehmer am Nachmittag wieder im großen Kurhaus, saal ein, wo ihnen ein glänzendes, mit großartig, sten Darbietungen ausgefülltes Programm der Va- riete-Bühne der „KdF." einige schöne Stunden der Unterhaltung bereitete. Die Darbietungen der Künst- ler wurden verdientermaßen mit Beifallsstürmen
Die höhere Privatschule Gießen bezieht morgen, Dienstag, ihre neuen Räume im Leihgesterner Weg 16 (Studentenheim). Die Sprech, stunde findet ab 29. März täglich von 11^—13 Uhr im Leihgestemer Weg 16 statt. 2188D
— 1 "■ - lag
bedankt. Nach diesem Programm erfreute die Werks, kapelle von Lollar mit ihren ausgezeichneten musi. kalischen Darbietungen, die ebenfalls dankbaren Beifall fanden.
Die Kreisdienftstelle „Kraft durch Freude" in Wetzlar und in Gießen hatten die organisatorische Vorbereitung und Durchführung der Feier über- nommen. Ihrer sehr dankenswerten Arbeit war es in hohem Maße mit zuzuschreiben, daß alles wie am Schnürchen verlief und die große Menge der Festteilnehmer überall und zu jeder Zeit in vollstem Maße zufriedengestellt wurde, so daß sich der Tag für alle zu einem schönen Erlebnis gestaltete. Die Männer von KdF., samt ihren Helfern in Bad' Nauheim, haben sich damit auch um die schaffenden Kameraden und Jubilare der Büderus-Werke ein großes Verdienst erworben.
Chorleiter-Tagung des Sängerkreises Gießen.
Auf Veranlassung des Sängergaues XII tagten am Samstag im Hotel Kobel zu Gießen die gesamten Chorleiter des Sängerkreises Gießen. An der Tagung nahm auch der Sängerkreisführer Müller,Gießen, teil. Gegenstand der Tagung war das diesjährige Leistungs- und Wertungssingen.
Kreischormeister Blaß, Gießen, sprach über die vom Deutschen Sängerbunb gegebenen Richtlinien für die Durchführung der im Mai stattfindenden Leistungs- und Wertungssingen im Kreise Gießen. Ve- sonders eingehend sprach er über die in diesem Jahre erstmals durchzuführenden Leistungssingen, die einen wettstreitartigen Charakter tragen. Demgemäß ist auch die Beurteilung durch je zwei Gesangsrichter, die die Leistungen nach Prädikaten auswerten, eine äußerst scharfe. Aus diesen Auswertungen kann bann jeder teilnehmende Verein sofort den gesai/^'n Stand des Chors entnehmen. Die Beurteilung wird nach einheitlichen Richtlinien vorgenommen, wobei neben den gesanglichen Leistungen auch die gesamte sonstige Haltung des Vereins bei der Punktwertung eine Rolle spielt. Eine Neuerung und ein Vorteil für den teilnehmenden Verein ist die erstmalig eingefühlte Stärkemeldung nach Stimmen.
Weiterhin wurde über die Programmgestaltung der Vereine bei Veranstaltungen gesprochen, so daß für die Zukunft auch hier eine einheitliche Richtung gewährleistet wird. Ferner wurden noch interne Vereinsfragen besprochen, die innerhalb der einzelnen Vereine für eine Gleichrichtung Beachtung zu finden haben.
Die rege Aussprache im Anschluß an die Ausfuhr rungen des Kreischormeisters bewies die Wichtig« leit dieser Tagung.
Das Möchm MM.
Nomon von Malthec RIocpffer.
Hopprlghl bp Earl Dunckec XJetlag, Berlin W35
30 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Zu dem können Sie jetzt nicht rein", grinste der junge Mensch verlegen. Er war ein Neuer, hatte Pecy mit der Flaschenfüllmaschine gehabt und trug die Hand in der Schlinge. Er war von Dr. Holl beauftragt, während Annas Anwesenheit nimand zu ihm zu lassen. Während er noch überlegte, ob sich dieser Auftrag nur auf Personal und Patienten oder auch auf so vornehme Damen bezöge, fragte Maxie verwundert:
„So, warum denn nicht?"
„Er will nicht gestört werden, hat er gesagt. Es ist ein ganz privater Besuch bei ihm, ein Mädchen", stotterte der junge Mann, der fein Kirchenlicht war, und den Maxies Gegenwart verwirrte.
„Ach, das ist dumm", murmelte sie unschlüssig. „Wer ist es denn?"
„Schwiebus heißt sie. Sie werden sie nicht trnnen."
Maxie wurde sehr blaß. Die guten Vorsätze, mit denen sie gekommen war, gerieten ins Wanken. Sie streckte die Nase hoffärtig in die Luft und schritt an dem verdutzten Kittelmann vorbei auf Holls Tür zu. Sie wußte felbst nicht recht, was sie wollte. Während sie überlegend vor der Schwelle stand, hörte sic Holl innen sagen: „Zieh' dich jetzt an, Anna. Da ist deine Bluse.
Maxie gab einen leisen schmerzlichen Laut von sich und bekam weiße «Lippen. Dann machte sie kehrt und stürmte davon.
Einige Tage nach jener denkwürdigen Nacht in Giesekes Aepselkaminer spazierte Tinser sorgenum- flort auf dem Fabrikgelände umher. Sein Ziel war ein Föhrenwäldck^en, das nur ein paar hundert Meter vom Werk entfernt lag und noch zu Hegemanns Besitz gehörte. Dieses Wäldchen bestand aus dichtgepflanztem Jungholz, war eingepiankt und wurde nur feiten von eines Menschen Fuß betreten. Man ließ es wachsen, wie es mochte: es sollte später, großgeworden, eine Kulisse gegen das eintönige flache Land ergeben, das sich hinter der Fabrik in Gestatt von Aeckern und Wiesen auftat. Auch Kinder mieden das Hegemannwäldchen, weil es angeblich Kreuzottern dort gab.
Die Sonne war im Untergehen, eine Dohle flog krächzend auf ihren Schlafbaum, die Schlote benachbarter Fabriken hoben sich wie dürre Finger von dem rotgesäumten Hdrizont ab. Tinser nahm den letzten hastigen Zug aus seiner Zigarette, dann trat er sie aus. Er zog Gaidls Antwort, einen fettikleinen Zettel, aus der Westentasche und überlas ihn noch einmal.
„Habe Ihre Absage erhalten und bitte Sie um eine letzte Aussprache, die für Sie von Wichtigkeit fein wird. Treffpunkt großer weißer Stein am Fabrikwäldchen, heute vor Einbruch der Dunkelheit. G."
Tinser zerriß den Zettel in viele Stückchen und ließ sie aus der Hand flattern. Was sich da trudelnd entfernte, war der Bescheid auf einen Brief, in dem er dem ehemaligen Laboratonumsdiener in dürren Worten seine Weigerung mit geteilt hatte, noch weiterhin an seinem Unternehmen mitzuwirken. Tinser sah der kommenden Unterredung unbehaglich, aber gefaßt entgegen. Gaidl konnte ihn in seinem Entschluß, mit der Vergangenheit zu brechen, nicht wankend machen. Was wollte der Kerl eigentlich noch? Um Paula nicht zu beunruhigen, hatte ihr Tinser von diesem Zettel nichts gesagt.
Paula! Was für eine unbegreiflich herrliche Frau war sie doch. Sie war ihm Freund, Geliebte und Halt in diesen unsicheren letzten lagen gewesen. Sie war aufgeblüht wie eine Knospe, die man lange an der (Entfaltung verhindert hat, und die sich nun nicht genug tun kann an prachtvoller Verschwendung. Wer hätte gedacht, daß dieses vom Leben gezwiebelte, verbitterte Mädchen zärtlich, schelmisch, an- schmiegend und eitel sein könnte? Gerade weil ihre beiden Naturen so gegensätzlich geartet waren, zogen sie sich an und ergänzten sich. Paula hatte die bessere Zucht, den stärkeren Willen, den größeren Lebensmut. Tinser brachte die flotte Beschwingtheit, das Strahlende, Heitere mit. Zuweilen natürlich erlitt er Rückfälle in den Schlendrian vergangener Zeiten. Aber diese Rückfälle klangen immer fehr rasch ab, und er gab sich redlich Mühe, ein anderer zu werden.
Es hatte damit -angefangen, daß er „Pourquoi pas?“ verkaufte. In Dem Leben, auf das sie sich gemeinsam einrichteten, hatte ein Wagen solchen Formats keine Berechtigung mehr. Die Summe, die „Pourquoi pas?“ erbrachte, war entmutigend, immerhin ein Grundstein für die Zukunft. Denn die Stellung bei Hegemann war nur noch die Frage von Tagen: dann mußte alles zusammenkrachen. Tinser arbeitete jetzt wieder im Betrieb mit verbissenem "Fleiß, um sich zu betäuben, um Paulas Anerkcn-
nung zu erringen. (Er Durfte dieses Mädchen nicht enttäuschen. Ein so feinfühliger und stark nach innen lebender Mensch hielt Das Abenteuer nicht ein zweites Mal aus. Daß Tinser sich mit solchen lieber« legungen abgab, zeigt seine Umkehr und seelische WanDlung.
Am Abend saß Tinser bei den Giesekes im Wohnzimmer schnitzelte dem Mannderl ein nahezu echtes indianisches Blasrohr und warf zwischendurch Der Paula hurtige, heimliche Blicke zu. Daheim in seiner Junggesellenbude lag eine freundliche Einladung von Hegemann, aber Tinser hatte mit einer Ausrede abgesagt. Gestern war ihm Dr. Holl auf dem Fabrikhof begegnet und hatte seinen Gruß mit Wegschauen erwidert: was sollte man daraus machen?
Tinser setzte mit einem Sprung über die grauen Holzplanken und schritt spähend am Rand des Föh- renwäldchens entlang. Nun entdeckte er den besagten weißen Stein und eine Gestalt darauf, Gaidl war also schon da. Je schneller man diese unerfreuliche Zwiesprache hinter sich brachte, um so besser.
„Schön, daß Sie kommen", begann Gaidl und rückte zur Seite. Hinter dem Stein, der niedrig und bequem wie eine Bank war, drängten sich dichte Ligusterbüsche. „Hier sind wir wie in Abrahams Schoß, Herr Tinser. Fein ausspekuliert hab ich das Platzerl, was? Ja, der Gaidl Schani war nicht faul in der letzten Woche. Sie glauben gar nicht, mit wem alles ich schon bekannt bin. Mit so ein paar kleinen Frettern vom Werk, Arbeiterinnen, Putzfrauen und ähnlichem Geschwerl. Ich hab meine Freunderln überall. Auch das Gelände kenne ich jetzt wie meine Hosentasche. Den dicken Geldschrank von Ihrem Chef habe ich auch schon in Augenschein genommen. Bei Nacht und Nebel allerdings und bloß von außen. Gell, ich plausch' da einen Haufen Zeug, Das Sie wahrscheinlich gar nicht interessiert, Denn Sie wollen ja ausspringen, höre ich. Tinser, Tinser, was machen Sie für Geschichten?"
„Ich denke, ich hätte Ihnen alles klar genug geschrieben. Die gemütliche Walze können Sie sich schenken. Ich tue nicht mit, basta", erwiderte Tinser zornig.
„Schlimm für Sie, schlimm!"
„Tun Sie halt in Gottes Namen, was Sie nicht lassen können. Machen Sie mich unglücklich, dann haben Sie ja Ihre Rache."
Gaidl wiegte den häßlichen Kopf. Nach einer Weile meinte er:
„Sie, da steckt eine Frau dahinter!"
„Möglich." Tinser dachte in dieser Minute verzückt nn Paula. Er hatte ihr fein Work gegeben, er würde es halten.
„Ja, die Weiber. Sie sind ein Narr, Tinser, sich wegen einer Frau in solchen Mist zu begeben. Ich mache Ihnen einen allerletzten Vorschlag. Weil Sie anscheinend zu ungeschickt ober zu feige sind, um Das Ding selbst zu drehen, will ich auch den zweiten Mann auf mich nehmen. Sie brauchen mir nur den Namen zu nennen. Also wer hat den zweiten Schlüssel?" fragte Gaidl lauernd.
„Ich sage es nicht."
Gaidls Gesicht wurde blaß vor Wut.
„So, Sie sagen es nicht. Dann werde ich Ahne" etwas sagen. Dann wird der Schrank eben so auf« gespuckt. Ohne Ihren verdammten Schlüssel. übermorgen haben wir Das Werkzeug. Hatschet W Spezialist aus diesem Gebiet. Meinen Sie Huilde« knochen, ich lasse wegen Ihrer Zimperlichkeit 20000 Dollar fahren? Und wenn die Sache geklappt W- Dann rechne ich mit Ihnen ab!" schrie er voll M
„Sie wird nicht klappen", höhnte Tinser. „9® werde Herrn Hegemann ein bißchen warnen. A mache reinen Tisch zwischen uns beiden." Tinsti stieß die Worte fast genußsüchtig hervor, und ff" Herz hämmerte: „Paula, Paula!" Endlich fand id" dieser Bursche, der ihm viele Tage vergällt hatte, auf dem Plan.
„Verpfeifen wollen Sie uns? Aha!"
„Ich werde keine Namen nennen. Aber ich werde Hegemann einen Wink zukommen lassen, daß er auf seinen Geldschrank besser aufpaßt. Er wird M mit dem Manuskript bann schon vorsehen. Ich wach Ihren Dreck ganz einfach nicht mehr mit, verstehen Sie mich?"
„Ausgezeichnet. Los! Gib's ihm, diesem Huno. zischte Gaidl und drehte ein wenig den Kopf.
Tinser bekam von hinten einen Schlag, 9urfle^ ein erstauntes Ooh, fiel rückwärts in die lintenbe ftauöen hinein und versank mit einem schmerzl i fragenden Mund in eine schwarze, drehende 2-«es, aus der kein Hochkommen war.
„Den haben wir erschlagen: laß mal sehen", wuk melte Der Mann Hatschet unD warf einen saM Eichenknüppel von sich.
„Der hat's nicht besser verdient. serösesten er uns, hast du so was schon gehört? So n Sw w Dreck will den Angeber spielen", keuchte ®a,Dl hatte Schaum in den Mundwinkeln. .
„Es langt. Bei dem muß die ganze Schade hin sein. So stark habe ich eigentlich n'cht 3^*? n wollen, aber du kannst dich ja nicht nchttg^'^^ in diesen Hundsstauden. Sie mal nach , I Hatschet angstvoll.
(Fortsetzung folgte


