sie, das wäre zu teuer und man müßte sparen. Trotzdem sie neulich erst einen wichtigen Termin versäumte und Schaden hatte, da sie zu svät kam, nachdem sie diese „Neuigkeit", die inzwischen alt geworden war, auf der Treppe erfahren hatte. Nun was tut Frau Müller? Sie geht eine Stiege nach oben und läutet bei Frau Schulze. Auch hier bekommt sie gern die Zeitung geliehen. Doch als sie in ihrer Wohnung die Zeitung aufschlägt, entdeckt sie, daß ein Abschnitt ausgeschnitten wurde, gerade der vielleicht, der sie interessiert hätte, denn in der ganzen Zeitung kann sie das nicht finden, auf das der Rundfunk hingewiesen hatte. Also stieg sie wieder zu Frau Schulze hinauf. Ja, meint Frau Schulze, den Artikel hätte sie ausgeschnitten und aufgerlebt, weil er so wichttg gewesen wäre. Uebri- gens spare man am verkehrten Ende, wenn man keine Zeitung halte. Man wisse durch die Zeitung, was auf der Wett vorgehe, fühle sich mit dem ganzen Volk verbunden, abgesehen von dem besonderen Nutzen, den man aus den wichttgen Bekanntmachungen ziehen könne.
Als Frau Müller später wieder ihre Wohnung aufsucht, ist sie beschämt. Der Schulzen ihr Mann ist draußen und die Frau hält die Zeitung weiter. Was die Schulzen tat, war immer recht, denn die versteht sich auf Sparen. Am anderen Tag, als die Zeitungsfrau die Treppe heraufkommt, steht Frau Müller schon an der Tür: „Also von morgen ab bringen Sie mir auch die Zeitung." Sie hatte eingesehen: Es geht nicht ohne Zeitung.
Mit den Lebensmittelkarten
zum Wochenmarkt.
Auf dem Wochenmarkt in unserer Stadt hat das Lebensmittelkartensystem genau so Einzug gehalten, wie in den Einzelhandelsgeschäften. Zwar brauchen sich nicht alle Marktfrauen, die den Gießener Wochenmarkt besuchen, damit zu befassen, denn Gemüse und Obst unterliegen ja keinem Lebensmittelkartenzwang. Wohl aber müssen sich unsere Hüttsn- berger Bäuerinnen, die mit Butter, Käse und Eiern zum Markt kommen, sich mit der für sie neuen Materie beschäftigen. Die Marktfrauen mußten sich deshalb die notwendigen Requisiten beschaffen, und zwar Stempel und Stempelkissen, außerdem auch eine Tube Leim, denn man sieht häufig, daß die Marktfrauen die Marken gleich aufkleben, um sie nicht zu verlieren. Auch für die Metzgereien, die einen Stand auf dem Wochenmarkt halten, gilt selbstverständlich die gleiche Regelung, wie für jeden anderen Metzger.
Im großen und ganzen läßt sich sagen, daß man sich auch auf dem Gießener Wochenmarkt schon recht gut mit dem Lebensmittelkartensystem vertraut gemacht hat und sich alles reibungslos und ohne jegliche Schwierigkeit abwickelt. Lediglich wenn es jetzt kalt wird, dann ist mit klammen Fingern die Handhabung der Lebensmittelmarken etwas unangenehmer als in den Läden, die ja immerhin — abgesehen von den Metzgerläden — geheizt werden können.
Du und der Sternhimmel.
Unter diesem Titel eröffnete die Heimatschule im Planetarium in Jena eine neue Vortragsreihe, bei der alles in den Vordergrund der Betrachtungen gestellt werden soll, was jeder selbst am Sternenhimmel unmittelbar sehen und beobachten kann. Ueber den ersten Vortrag bringt die „Jenaische Zeitung" einen Bericht, in dem u. a. folgendes zu lesen ist:
„Gleich der erste Vortrag, in dem Dr. Werne r über die Sternbilder sprach, brachte eine unerwartete Überraschung: die jetzt übliche Auffassung der Sternbilder ist in keiner Weise befriedigend. Sie sind als Endzustand einer langen Entwicklung anzujehen. Wenn man wissen will, was eigentlich dahinter steckt, muß man sie von allem späteren Beiwerk befreien. Das hat erstmalig im letzten Jahre der Professor der Medizin Henneberg (Gießen) unternommen in seinem »Versuch der Wiederherstellung des frühklassischen Sternhimmels' (1938). Seine Ansichten wurden hier zum ersten Male öffentlich vorgettagen und wirkten überzeugend, die ursprünglich zuzgrundeliegenden wirklichen Gestalten werden sichtbar m einer Weise, die durch die späteren Umgestaltungen völlig ver
deckt war; den Fuhrmann z. B., der bisher nur eine äußerliche Etikette für eine Gruppe von Sternen war, kann man nun wirklich als Gestalt erkennen. Professor Henneberg wohnte dieser ersten Darlegung seiner Auffassungen selbst bei."
Gießener wochenmorktpretje.
* Gießen, 26.Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, Wirsing, % kg 6 bis 7, 50 kg 6 RM., Weißkraut, 50 kg 4 RM., Rotkraut, % kg 5 Rpf., 50 kg 7 RM., gelbe Rüben, Vi kg8 Rpf., rote Rüben 8 bis 10, Unterkohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat, ‘/io 10 bis 15, Tomaten, S kg 20, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Kürbis 6 bis 8, Kartoffeln, kg 4 Rpf., 5 kg 40 Rpf., 50 kg 3,15 bis 3,45 RM., Aepfel, Vi kg 10 bis 25, Birnen 10 bis 20, Zwetschen 12 bis 13, Blumenkohl, das Stück 10 bis 60, Salat 5 bis 8, Endivien 8 bis 10, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Rpf.
** Eine Fünfundsiebzigjährige Am morgigen Freitag, 27. Oktober, kann Frau Minna Weife, Frankfurter Straße 159, bei bester Gesundheit ihren 75. Geburtstag feiern. Wir beglückwünschen herzlich.
** Unfälle. Der Bergmann Heinrich A r - nold von hier, Walltorstraße, wurde auf dem Heimweg von seiner Arbeitsstelle von einem Auto angefahren. Er stürzte und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und Kopfwunden. — Dem 16- jährigen Maschinenschlosserlehrling Hebmuth Weip- pert, Landgraf-Philipp-Platz, stürzte bei seiner Arbeit eine drei Zentner schwere Last auf den Fuß. Er erlitt einen Bruch des rechten Fußes und erhebliche Quetschungen der Zehen. — Eine schwere Gehirnerschütterung erlitt der 58jährige Tapezierer Georg Götz, als er bei Derdunkelungsarbeiten rücklings, anscheinend infolge eines Schwindel- anfalls, abstürzte. Die Verunglückten wurden in die Chirurgische Klinik aufgenommen.
Dienst im Deutschen Hofen Kreuz
Bereitschaft bedeutet in ernsten Zeiten kurzweg alles. Bereit sein in Unglücksfällen, bereit sein, überall einzugreifen, wo irgend Hilfe nötig ist, das ist eine der vornehmsten Aufgaben des Deut- scheu Roten Kreuzes. Gerade heute steht die Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes im Mittelpunkt des Interesses, insbesonders der Frauen. Sie alle haben den Wunsch, zu helfen, und finden dort Aufgaben in Hülle und Fülle.
In den Ortsgemeinschaften gilt es fleißig zuzugreifen. Da wird unermüdlich Binde um Binde gewickelt, tadellos mit Cellophanpapier versehen und für soforttgen Bedarf aufgestapelt; da werden Fäden zu Scharpie gezupft, und in allen Gesichtern ist die Freude zu lesen, sich nützlich machen zu dürfen. Es sind nicht etwa nur junge oder nur bejahrte Frauen, die hier helfen. Sie kommen aus allen Berufen und aus jedem Lebensalter, vom jungen Mädel bis zur weißhaarigen Mutter einer vielköpfigen Familie. Und jede findet trotz der Sorge um Heim und Familie, trotz anstrengender Bürotätiqkeit oder sonstigen langen Dienstes Zeit und Gelegenheit, sich auf Stunden zur Verfügung zu stellen. Wer aber Zeit und Kräfte hat, noch ein Stück mehr zu leisten, der meldet sich als Hel- ferin-Anwärterin an, ist also ein Mitglied der aktt- ven Bereitschaft. Es wäre aber eine durchaus falsche Vorstellung, zu glauben, in Kriegszeiten er
folge die Ausbildung der Helferinnen im Eiltempo und weniger gründlich und nachhaltig wie es sonst üblich ist.
Der Lehrgang für „Erste Hilfe" bildet die DRK.» Anwärterinnen in 20 Doppelstunden mit besonderer Sorgfalt aus — sie lernen nicht nur den menschlichen Körper in seiner Funktionstätigkeit kennen, sie müssen imstande fein, jede Art von Verband anzulegen und den Verletzten erste Hilfe zu bringen. Wenn bann die Prüfung bestanden ist, wird die DRK.-Helferin im Bahnhofsdienst, in Unfallhilfsstellen und sonstiger Hilfeleistung bei Kata- strophen, in Großküchen, Krankenanstalten usw. eingesetzt. Ist eine DRK.-Helferin besonders geeignet, bann kann sie nach einer praktischen Ausbildung im Krankenhaus von weiteren 12 Wochen und ferner einem theoretischen Unterricht von 20 Doppelstunden als DRK.-Schwesternhelferin Dienst tun und auch in Lazaretten und Krankenhäusern mit* herangezogen werden.
Die Arbeit der DRK.-Helferin ist gewiß kein Zeitvertteib, sondern Dienst am Volk, und zwar ein schwerer und verantwortungsreicher. Wer in den Gesichtern der DRK.-Helferinnen liest, der empfindet und weiß, daß sie diesen Dienst doppelt gern tun in einer Zeit, die von jedem einzelnen restlosen Einsatz fordert. Ba.
9 Jl.-Spott
Vor den Kämpfen um die Kmgsmeistkrschasten.
Zu den ersten Kriegs-Meisterschaften im Radsport wurden bereits einige Vorbereitungen getroffen. Im Gegensatz zu den sonstigen Gepflogenheiten kommen zu den Sommer-Bahnmeisterschaften noch zusätzlich Titelkämpfe in der Halle. Schauplatz dieser Hallenmeisterschaften wird die Berliner Deutschlandhalle sein. Die Hallen-Meisterschaften werden voraussichtlich am 10. Dezember in den vier olympischen Wettbewerben — Malfahren, 1000-Meter-Zeitfahren, Zweifitzerfahren und Mannschafts-Verfolgungsren- nen — durchgeführt. Die Radball-Meisterschaft wird dagegen erst am 21. Dezember entschieden.
Fechten.
Die Vorarbeiten zur Wiederaufnahme eines regelmäßigen Sportbetriebs mit dem Ziele der Durchführung Deutscher Kriegsmeisterschaften sind auch im Fachamt Fechten in vollem Gange. Anfangs November sollen die Wettbewerbe der Bezirks- und Gauklassen ihren Anfang nehmen und im Anschluß daran, also etwa Anfang Februar, ist die Austragung der Einzel- und Mannschaftsmeisterschaften in den Gauen vorgesehen. Die deutschen Meisterschaften werden dagegen wahrscheinlich nur im Einzelfechten durchgeführt.
Schwerathletik.
Im Lager der Schwerathleten werden die Meisterschaftskämpfe im Ringen und Gewichtheben innerhalb der Kreise und Gaue schon in Kürze beginnen. Bis zum 1. März sollen die Gaumeister feststehen, die dann an den weiteren Kämpfen um die deutschen Meisterschaften teilnehmen können.
Die noch nicht entschiedene deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Ringen 1939 wird am 11. oder 12. November in Köln durchgeführt. AC. Köln- Mülheim 92 und Reichsbahn Neuaubing haben noch den zweiten Endkampf zu beftreiten; der erste sah in München die Neuaubinger mit 4:3 Punkten siegreich.
Eissport.
Die Bemühungen, möglichst alle deutschen Kunsteisbahnen für den Sportbetrieb sicherzustellen, haben bisher schöne Erfolge gehabt, stehen doch jetzt bereits acht Bahnen zur Verfügung.
Waldlaufmeisterschaften des Äaues Hessen in Bad-Nauheim.
Die Waldlaufmeisterschast des Gaues Hessen wurde am 19. November nach Bad-Nauheim ausgeschrieben. Die Senioren laufen eine Strecke von rund 10 Kilometer. Die Meisterschaften in den Kreisen finden am 29. Oktober und 5. November statt.
SleWMöerftemöe
Roman non Walther Klocpfcr
Copyright du Carl Duntfer Verlag - Berlin w 62
25. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Das war eine wohlgesetzte, eine klare Rede, finden die drei, und Weinzierl kämmt mit den Fingern durch den Bart. Leinfelder ist anderer Ansicht. Er findet die Rede unlogisch und anmaßend. Er ist ein harter Spieler, rote man so sagt, und nicht nur im Pokern, sondern auch in Geschäften. Diese Eschelbrunner — er kann den Namen nicht mchr hören — überschätzen seinen Edelmut ganz bedeutend. Er ist ärgerlich. Er weiß das eindeutige Recht auf seiner Seite.
„Alles schön, meine Herren, alles gut, aber nicht zu machen. Ich kann Ihnen nur raten, nach Hause zu gehen und zu berichten, daß mit Valentin Leinfelder in dem Punkt nicht zu diskutieren ist. Schnaps ist Schnaps und Kauf ist Kauf. Apropos Schnaps: darf ich Ihnen vielleicht einen Kognak anbieten? Oder eine Zigarre?"
Die drei machen bestürzte Mienen, lehnen beides ab und schicken sich an, die prachtvolle Wohnung dieses schwierigen Herrn zu verlassen. Unter der Tür fällt dem Stadtrat Weinzierl noch etwas ein.
„Sie haben doch sicher Sachverständige zu Rate gezogen, Herr Leinfelder; ist es wirklich ein Lulas Cranach?"
„Es ist einer, und zwar ein guter. Darüber kann ich Sie beruhigen, meine Herren. Ich habe alle erforderlichen Expertisen darüber", erläutert der Architekt selbstgefällig.
Das nächste Ziel der drei Männer ist das Ministerium. Sie haben dort wegen jener Eingabe zu tun und wollen sich vergewissern, wie man höheren Orts ihr Moorkultivierungsprojekt beurteilt. Bei dieser Gelegenheit können sie bann gleich die Sache mit dem Bild Vorbringen. Sie müssen wieder in einem Vorzimmer warten; es ist heute das dritte, sie trommeln aufgeregt mit den Fingern, zupfen ihre Beinkleider zurecht und führen lahme Gespräche, weil schon alles besprochen ist. Dann erhalten sie Audienz und unterbreiten ihr Anliegen mit dem Moor und der Wasserleitung. Der Ministerialrat erwidert, das Gesuch sei noch in der Schwebe, aber man werde selbstverständlich prüfen, versprechen könne er leider nichts, es feien jetzt so viele vordringliche Eingaben bg* und sie würden Bescheid
erhalten. Auf dem Dienstweg, versteht sich. Die drei sind halb zuversichtlich, halb bedrückt; denn sie haben ein klares Ja ober ein klares Nein erwartet. Dann fangen sie von bem Bilbe an.
„Bilberangelegenheiten sinb ein anberes Ressort, meine Herren. Ein anberes Gebäube, zweiter Stock, Zimmer 38. Wenden Sie sich getrost an Herrn Rat Ranke um Auskunft."
Sie gehen in eine andere Straße, wandeln unsicher über Treppen und durch Korridore und stehen schließlich vor jenem Herrn, der Referent für Kunst- angelegenheiten ist. Sie erzählen ausgiebig, verbohren sich in den Sachverhalt und, wenn der eine etwas ausgelassen hat, springt der andere ein. Sie versäumen auch nicht, die Armut ihrer Stadt hervorzuheben und die Hoffnungen, die allseitig in das Bild gesetzt werden.
„Ich werde dieser Geschichte mal nachgehen", versichert der Referent, „vor allem aber müssen Sie einen Bericht an das Bezirksamt machen. Wir werden dann ja sehen." Der Herr Rat verabschiedet sich freundlich.
Sie stehen wieder auf der Straße und beschließen mit Stimmeneinheit, nun ins Hofbräuhaus zu gehen, was sie sich nach den Laufereien dieses Vormittags redlich verdient haben. Gegen Abend werden sie wieder heimfahren.
14. Kapitel.
Severin versenkt sich gerade in den Stellennachweis des Aerzteblattes, als es klopft. Er hat inzwischen sein im zweiten Stock gelegenes Hotelzimmer mit einem solchen im vierten Stock vertauscht, das einfacher und billiger ist. Die Fenster gehen auf einen Hof, in dem Teppiche gebürstet werden.
„Ja, herein!"
„Eine Rechnung hätte ich abzugeben", sagt der junge Mann in seiner Ausgehe-Livree.
„Eine Rechnung? Ich wüßte nicht von wem?"
„Von Neuner und Nach. Hier, bitte."
„Kenne ich nicht. Muß ein Irrtum fein."
„Sie sind doch Herr Doktor Severin?"
„Stimmt. Um was foll's sich denn handeln?" „Weiß ich nicht, wird auf der Rechnung stehen." „Na, geben Sie her."
Er öffnet den Umschlag, der seine Anschrift trägt, und liest mit zunehmender Verwunderung:
Neuner und Nach, Möbelwerkstätten und Fachgeschäft für Raumkunst, München, Odeonsplatz 8. 1 Wohnzimmer, kaukasischer Nußbaum, 2130.— RM. Postskriptum: Fräulein Maria Fabri hat uns beauftragt, die Nota Euer Hochwohlgeboren zugehen zu taffen. Stets gern zu Ihrem Dienst D. O.
„Sie können abtreten", wendet sich Severin an den Ausgeher. „Es ist gut."
Kaum hat dieser das Hotelzimmer verlassen, da wirft Severin die Rechnung wütend auf den Tisch. Das ist ja allerliebst, denkt er. Und ausgerechnet kaukasischer Nußbaum muh es fein, wo ich mich so nicht hinaussehne! Mit verbissener Miene kramt er in seiner Brieftasche. Er ftreut ihren Inhalt aus den Tisch — drei neue Fünfziger und 60 Mark in kleinen Scheinen. In feiner Westentasche findet sich auch noch etwas Silber- und Kleingeld. Dreizeyn- hundert Mark in drei Wochen verputzt! So sieht die Bilanz aus. Eine Schande, ein Jammer. Was hat man davon gehabt? Hotel, Essen, ein paar Ausflüge, abendliche Ausgänge mit Riele, einmal Mietauto ab Garmisch, Geschenke für sie, Blumen, ein gräßlicher Porzellanhund, den sie sich gewünscht hat, eine Armbanduhr, Garderobe ergänzt... irrsinnig ist er mit dem Geld umgegangen, hier ist der Ausdruck wirklich am Platz. Das muß jetzt natürlich aufhören, Bremse, stop. Er redet laut mit sich selber und stößt den Stuhl zurück. Riele ist goldig! Kauft über feinen Kopf roeg eine ganze Wohnzimmereinrichtung! Das Feinste vom Feinen! Und er, ein Schaf ist man, hat in Eschelbrunn Stinkadores geraucht, schamlose Autoreifen gestickt und verschrumpelte Anzüge getragen!
Und immer noch nichts Positives von Fräulein Ferber. Er greift nach bem Di schiele pH on. „Eschel- brunn, OPD. Nürnberg, Nr. 7, Fräulein. Ja, ein Ferngespräch. — Sind Sie es, Fräulein Ferber? Guten Tag, alles wohlauf? Sagen Sie mal, Fräulein Ferber, wie steht es denn nun mit dem Krankenhaus? Zwei neue Interessenten waren da? Und einer davon ist so gut wie entschlossen? Es wird auch langsam Zeit. Wenn Sie etwas EndgültiAes hören, verständigen Sie mich sofort, ja? Schöne Grüße an die Kinder und an den Kollegen. Dielen Dank, Fräulein Ferber!" Er legt den Hörer roeg.
Nachdenklich zieht er sich um und macht sich auf den Weg zum „Paradiesvogel", einem vornehmen Kabarett, das als Treffpuntt mit Riele ausersehen ist. Dort geht es superfein zu, und das billigste ist ein Glas Ananasbowle. Mit heftigem Mißvergnügen beäugt Severin den vielen Aufwand, die Jspcchateppiche, die Lichtverschwendung, die kasset- tierte Palisandecholzdecke. Er ist im Grunde seines Wesens ein bescheidener Mensch und hat die Gier nach diesen Läppereien, die ihm in Eschelbrunn als der Gipfel alles Erstrebenswerten erschienen, schon eingcbüßt. Er kennt solchen Krimskram nun seit drei Wochen zur Genüge und langweilt sich dabei sogar. Aber er muß wohl oder übel hier sitzen, weil es sich mit Riele verabredet hat. Seine Verlobte
tel, drei auf dem
handelt.
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»erö He Bau Bah ein ftti Hile |ie des Ba DOl leilu hes bar bet 5it rirli bei bet red non Lek <es Itiei tib ( Hnfel Ifig -ker
lichen Glückwünsche zu seinem Geburtstage.
Ein Mantelmorde!- festgenommen.
Ülst jo t e
weiter um den glimmenden Aschhaufen gekümmert Ein tn der Nähe aufgestapelter Stroyhaufer von etwa 200 Zentner Korn- und Hafersttoh öer- brannte durch das langsame Weiterftesfen der glimmenden Asche. Der fahrlässige Brandstiftet wurde mit einer Geldstrafe von 50 RM., hilfswelsi zehn Tage Gefängnis bestraft.
nen Ackerbau getrieben. Er gehört einer altei« Bauernsippe an, die vor mehr als 300 Jahren n unser Dorf aus der Fuldaer Gegend einwandert! und bei uns sich ausbreitete. Alle Träger des Na. mens Schmalz tn den benachbarten Dörfern gehe,! auf den Langsdorfer Stamm zurück. In unfern Gemeinde stirbt der Mannesstamm mit dem Juki, lar, der feit vielen Jahren dem evangelischen Kir- chenvorstand angehört, leider aus, da er finberloi ift. "Dem alten Herrn, der feit langen Jahren Leset des Gießener Anzeigers ist, gelten auch unsere Herz.
Oie Folgen eines glimmenden Aschehaufens. Lpd. Wöllstein (Rheinhessen), 25. Oft. Au
Landkreis Gießen
Langsdorf, 26. Okt. Am kommende, Samstag vollendet unser Mitbürger Heintts Schmalz II. in guter Rüstigkeit sein 7 0. Le. b e n s j a h r. In früheren Jahrzehnten als geübter Musiker bei dörflichen Festen der Umgegend weit bekannt, hat er in den letzten Jahrzehnten nur sei.
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Unfälle auf dem Lande.
Der 20jährige Landwirt Jakob Sehrt aus Stein,! bach stürzte beim Obstpflücken von einer Leiter fiinsj Meter hoch ab und blieb mit einer Gehirnerschiitle^ rung und Rippenbrüchen eine halbe Stunde lan|| bewußtlos liegen. — Frau Else Simon aus] Odenhausen zog sich am Unterarm (sie war mit bet] heißen Herdplatte in Berührung gekommen) schwey! Verbrennungen zu. — Einen komplizierten Unter., armbruch zog sich ein 36jähriger Steinbrucharbeiter aus Odenhausen zu. — Die Verunglückten mußte, in die Gießener Chirurgische Klinik gebracht wer. den.
man vermutet, um einen gewerbsmäßigen DM ils
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Rundfunkprogramm
Freitag. 27. Oktober.
6 Uhr: Landvolk, merk auf! 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7 bis 7.15: Nachrichten 8.05: Gymnastik. 8.20: Mutter turnt und spielt mi dem Kind. 8.35: Musik am Vormittag. Das Orchester des Reichssenders Leipzig. 9.30: Schulfunk, Zellwolle. Hörfolge. 10: Frohe Weisen. (Industrie- Schallplatten und Eigenaufnahmen.) 11: Kammer- mufft. 12: Stadt und Land — Hand in Hand, 12.10: Mittagskonzert. 12.30 bis 12.40: Nachrichten 14: Nachrichten. 14.15: Das Stündchen nach Tisch, 15: Singendes klingendes Frankfurt. Ausführung: Das große Orchester des Reichssenders Frankfurt, 17: Nachrichten. 17.10: Nachmittagskonzert. 18: Klingende Liebesgabe. Eine fröhliche Stunde des Reichssenders Frankfurt für die Kameraden am Westwall. 19.10: Konzert. Dazwischen: Berichte, 20: Nachrichten. 20.15: Uebertragung vom Deutschland sender. 22 bis 22.15: Nachrichten.
Lpd. Marburg, 25. Oktober. In einem hiess, gen Institut machte sich ein fremder Mann in ver. n dächtiger Weise in der Kleiderablage zu schaffen W Als er verschiedene Mäntel anprobierte, N kam der Hausmeister hinzu, worauf der Fremd« ieni) flüchtig ging. Der Hausmeister konnte ihn jedoch W einholen und festhalten. Dabei stellte sich heraus, * en, daß der Fremde nicht weniger als fünf Män, $\ tel, drei auf dem Leibe und zwei auf dem Arm, L 2 bei sich trug. Der Manteldieb wurde der Polizei $cr( übergeben, die nun feftftellen wird, ob es sich, tnt ii n -
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einem leeren Dreschacker hatte ein Sprendlingei 11 u. Einwohner Spreu verbrannt und sich nicht ?a n_£
nehmen.
(Fortsetzung folgt.)
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„Ich hatte Angst, es könnte mir vor der Nasi roegge lauft werden. Wie kann ich denn ahnen, daß du mir eine solche Szene machst? Wenn ich bas 8*
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„Der Kauf muß rückgängig gemacht werden. 3® bitte dich, das gleich morgen zu erledigen. Riele."
„Ausgeschlossen! Ich blamiere mich doch nicht.
„Gut, dann werde ich die Sache in die Hank
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erscheint kurz vor Beginn der Vorstellung; fw kommt von einer Freundin.
„'n Abend, Franzl. Ich bin pünktlich, wie?" Sie steht strahlend vor ihm und reicht ihm die Hantz. Er nimmt sie srvsttg und macht ein ernstes Gesicht-:
„Was soll denn das heißen? Ist dir etwas tM die Leber gelaufen?" fragt sie erstaunt.
Severin hält sich nicht lange mit Einleitung« auf. „Wie konntest du ohne meine Einwilligung dieses Zimmer kaufen?" erkundigt er sich ftrenn und wendet sich dann an den mit der Weinkarte wartenden Ober: „Noch ein Glas Bowle, bitte, ffc die Dame. Nein, keinen Wein." Und als der lästige Horcher weg ist: „Jcb bekomme da nichtsahneW eine Rechnung... ja, fug’ mir, bist du denn wchiv sinnig geworden?"
Sie blickt erschreckt und verständnislos in fefa; zorniges Gesicht und entschuldigt sich: „Es war efr Gelegenheitskauf. Ein Herr von der französischen Konsulatsbehörde hat sich diese Möbel eigens <W fertigen lassen, die Einrichtung soll breitaUfeiA Mark kosten, und nun ist er über Nacht versetz! worden. Den jetzigen Preis finde ich spottbillig, und Ulrike, bet der ich eben war, ist der gleichen Meinung. Ulrike hat das 3immer mit ausgesucht. Es ist wunderschön und hat uns gleich gefallen. Du mußt es erst sehen, bann kannst du reden. Geschmacksfragen kannst du dich auf mich verlassen.
„Geschmack hin, Geschmack her. Darum dreht tf sich doch gar nicht! Um deine Ermächtigung gehl es."
wußt hätte ...'
Ein lauter Conferencier, der um Kontakt mit dem Publikum bemüht ist, unterbricht ihren Streit. erzählt dürftige Witze, nach denen die beiden gfl1 nicht hinhoren. Severin überlegt, ob er Riele in seine Geldschroierigkeiten einweihen soll. Wozu? wenigen Wochen, ja vielleicht in wenigen Tagen schon werden diese behoben sein, und er hat M dann nur unnötig bloßgestellt. Riele macht ein Bit- terböses Gesicht: sie ist gekränkt, sie ist ungehaltem sie versteht ihren Verlobten nicht. Nach einer Weisi — der Conferencier ist unterdessen von einer wem ger tauten Tänzerin ab gelöst worden — sagt Seve'


