Kr. 225 (Elftes Blatt
Dienstag, 26. September 1959
189. Jahrgang
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Aufbahrung im Oberkommando des Heeres.
Berlin, 26. Sept. (DNB.) Der am 22. September vor dem Feind gefallene Generalober st von Fritsch wurde am Montag nach Berlin über geführt, wo der Sarg mit dem Danziger V-Zug kurz nach 21 Uhr auf dem Stettiner Bahnhof eintraf. Der von Motorradfahrern eskortierte Kraftwagen mit der sterblichen Hülle des ehemaligen Oberbefehlshabers des Heeres war kurz vor 10 Uhr non der Front kommend auf dem Hauptbahnhof in Danzig angelangt, wo vor der Ueberführung nach der Reichshauptstadt in Anwesenheit des Mili- tärbefehlshabers Danzig-Westpreußen, General -er Artillerie Heitz, eine schlichte soldatische Trauerfeier stattgefunden hatte.
Zahlreiche Generale, Abteilungs- und Amtsgruppenchefs unter Führung von General der Artillerie Fromm, als Stellvertreter des Oberbefehlshabers des Heeres, hatten sich auf dem Stettiner Bahnhof in Berlin eingefunden; auch den stellvertretenden Gauleiter Staatsrat
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Görlitz er sah man unter den Anwesenden. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge umsäumte den hell erleuchteten Platz vor dem Bahnhof. Acht Unteroffiziere des Infanterieregiments Großdeutschland nahmen den Sarg auf ihre Schultern und trugen ihn auf eine Lafette. Eine Ehrenkompanie erwies die^ Ehrenbezeugungen. Dann setzte sich der Trauerkondukt in Bewegung, wobei das Ehrengeleit eine motorisierte Kompanie der Panzertruppenschule Wünsdorf übernahm. Am Oberkommando des Heeres am Tirpitz-Ufer war wieder eine Ehrenkompanie angetreten. Im großen. Saal, in dem Freiherr v. Fritsch aufgebahrt wurde, hielten Offiziere die Ehrenwache.
Hier fand auch heute morgen vor Beginn des Staatsaktes eine kirchliche Trauerfeier statt, bei der der Feldbischof der Wehrmacht, D. Dohrmann, sprach. Dann wurde der Sarg mit motorisiertem Geleit zum Platz vor dem Ehrenmal Unter den Linden übergeführt, wo eine Trauerparade in Stärke von zwei Bataillonen, zwei Batterien und einer Schwadron unter dem Kommando des Kommandanten von Berlin, Generalleutnant Seifert, Aufstellung genommen hatte.
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„Sein gestaltender Geist lebt weiter in Mrung und Truppe." Der Oberbefehlshaber des Heeres hält die Trauerrede.
Ein deutscher Soldat - furchtlos und treu!
Das Staatsbegräbnis für den Generalobersten Freiherrn von Fritsch.
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Seit Beginn der Kampfhandlungen in Polen weilt der F ü h r e r in den vordersten Frontlinien. Ueberall brandet ihm der Jubel seiner Soldaten entgegen. — (PK.-Rascheit-sScherl-sM.)
Berlin, 26. SepL (DNB.-Funkfpruch) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Osten wurde die planmäßige Bewegung auf die Demarkationslinie fortgesetzt. Nur ostwärts des unteren San kam es noch zu kurzen Gefechten mit versprengten Femdleilen, wobei durch eine Panzerdivision 2000 Gefangene gemacht wurden.
Nachdem es trotz allen Bemühungen nicht gelungen ist, den polnischen Kommandanten von der Grausamkeit und Nutzlosigkeit eines Widerstandes in Warschau zu überzeugen, wurde gestern ntit den Kampfhandlungen gegen die Stadt begonnen. 3m kühnen Handstreich wurde das Fort 2N o k o t o w s k i und anschließend ein Teil der Vorstadt 2N o k o t o w genommen.
3m Westen Artilleriestörungsfeuer und geringe Spähtrupptätigkeit. Französische Flugzeuge haben — wie einwandfrei erkannt wurde — belgisches Gebiet überflogen.
3m Lustkampf wurden fünf französische Flugzeuge und zwei Fesselballone, durch Flakfeuer ein französisches Flugzeug ab- geschossen.
Der Führer bei der siegreichen Bzura-Armee.
Das Warschauer Fort Mokotowski durch deutschen Handstreich genommen.
Oie Kampfhandlungen gegen Warschau begonnen. — Im Westen sechs französische Flugzeuge und zwei Feffelballone abgeschoffen.
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deutschen Soldatentums, und Geist vom Gerste des kettenbrechenden nationalsozialistischen jungen Deutschlands."
Der Oberbefehlshaber des Heeres bekannte dann mit tiefer Dankbarkeit unter Hinweis auf den deutschen Siegeszug in Polen: „Das deutsche Heer, das in überwältigender, seelischer und materieller Stärke, todesverachtend und siegheischend den Gegner einfach überrante, hat Generaloberst Freiherr v. Fritsch entsprechend dem ihm gewordenen Auftrag geformt und ausge- bildet. Wann immer vom Siegeslauf des deutschen Heeres in Polen gesprochen werden mag, niemals wird man des Generalobersten Freiherrn von Fritsch vergessen fönten, dessen gestaltender Geist in diesem Heer, in Führung und Truppe lebte."
Noch einmal ging der Oberbefehlshaber des Heeres auf den lauteren Menschen und den befähigten Offizier ein und sagte: „Alles, was der Generaloberst von anderen forderte, hat er ihnen selbst vorgelebt. Eines aber sei hier an seiner Bahre sichtbar herausgehoben: Seine Treue. So wie er s i ch selber treu blieb in Hellen und dunklen Stunden, so bewahrte er auch die Treue — unwandelbar, unerschütterlich wie ein Fels — seinem Führer, seinem Volk und seinem Heer."
Der Oberbefehlshaber des Heeres schilderte dann kurz, wie der Gefallene bei Kriegsausbruch mit dem Artillerieregiment 12, dessen Chef er war, ins Feld gezogen sei, wie es ihn stets nach vorne trieb, um durch sein Beispiel zu wirken, und wie er denn bei einem Erkundungsvorstoß in vorderster Linie den Heldentod gefunden und damit als Krönung seines Lebenswerkes seinen Soldaten nicht nur vorgelebt habe, sondern auch Beispiel- h.aft in den Tod gegangen sei. Wir trauern schwer um den Verlust dieses einzigartigen, untadeligen Mannes. Und doch sind wir von tiefem Stolz et füllt, daß er einer der Unsrigen, daß er ein Oberbefehlshaber des deutschen Heeres, daß er ein deutscher Soldat war. Und wir schätzen uns glücklich, weil wir ihn liebten und verehrten, daß er so — vorwärts und voranstürmend — sein reiches Leben erfüllen durfte, sein Leben, über dem die Worte standen: „Furchtlos und treu!"
Nach kurzem Hinweis darauf, daß sich heute die sieggekrönten Feldzeichen zu Ehren des Gefallenen senken, betonte der Generaloberst, daß Freiherr von Fritsch allezeit in der Armee und ihren Taten fortleben wird. „Werner Freiherr von Fritsch, Deine Soldaten, Deine Kameraden sind angetteten, um Dir den letzten Dienst zu erweisen. Unsere Herzen, unser Dank und unsere Treue geleiten Dich, heute und immerdar."
Die Truppen präsentierten. Im Vorgarten feuerte eine Salutbatterie den Ehrensalut von 18 Schuß. Dann erfolgte die feierliche Ueberführung nach dem Invalidenfriedhof.
Führerhauptquartier, 25.Sept. (DNB.) Der Führer begab sich heute in den Raum östlich w der Bzura, in dem vor wenigen Tagen die Schlacht in Polen ihren siegreichen Abschluß fand. Mit brausendem Jubel empfangen die siegreichen deutschen Truppen ihren Obersten Befehlshaber. U n- übersehbare Kolonnen füllen die Straßen des Weichselbogens, Infanterie, Flak, Artillerie und Panzerformationen in buntem und doch wohlberechnetem Wechsel. Immer wieder bereiten die Truppen dem Führer jubelnde Kundgebungen. Ihre Haltung ist so frisch wie am ersten Tage. Es ist die stolze Haltung einer siegreichen Armee, die neuen, unvergänglichen Ruhm an ihre Fahnen geheftet hat. i Neben den mit Truppen gefüllten Straßen hat 1 bereits wieder der friedliche Alltag des Bauern seinen Einzug gehalten. Die Felder werden gepflügt, Kartoffeln gebuddelt, da und dort geht «auch schon ein Bauer über sein Feld und streut mit vreitausholendern Schwünge die Wintersaat in den Boden. In den kleinen Städten, die wir durchfahren, sind die Läden geöffnet, die Bevölkerung kauft die notwendigen Lebensrnittel ein. An einer Stelle cm Rande einer kleinen Ortschaft, wo wir die Bahnlinie Lodz—Warschau kreuzen, müssen wir halten. Die Bahnschranken sind heruntergelassen und mit lautem Pfeifen dampft ein langer Güterzug cn uns vorüber, ein überzeugendes Bild des wieder- rlngekehrten Friedens.
Jtur in der Festung W arf chau selbst sind noch die fehlen Kämpfe im Gange. Von einem besonders günstigen Ausblickspunkf vom Rande eines Warschauer Vorsfadlvierlels aus können wir uns mit eigenen Augen davon überzeugen, daß diese Stadt in keiner Weise eine offene Stadt ist, wie die Polen es heute plötzlich behaupten. Schon ein Blick auf die Karte zeigt, daß Warschau im Gegenteil eine starke Festung ist, von einem Kranz zahlreicher Forts umgeben. Run lernen wir selbst diese Forts kennen und finden sie schwer betoniert und mit Waffen aller Grade ausgerüstet. Vor wenigen Stunden ist wieder eines dieser Forts durch einen blendenden Handstreich eines jungen Offiziers in deutsche Hand gefallen. Nicht nur polnisches Militär kämpft hier, man hat auch Zivilisten in die Front geholt und hat Bie verbarrikadierten Straßenmündungen mil entlassenen Zuchthäuslern und den Angehörigen der Warschauer Unterwelt besetzt, ja, man ist schließlich dazu übergegangen, Formationen von Flintenweibern gegen die deutschen Truppen mobil zu machen. Einige dieser Weiber fielen in den letzten Tagen in die Hand unserer Truppen, die nun planmäßig darangehen, die Stadt von diesen Elementen gründlich zu säubern, die ein verbrecherisches Regime unter Waffen rief.
Im Laufe des Tages haben wir dann Gelegenheit, die Kampf st ätten zwischen Bzura tu n b Weichsel, die das Ende der polnischen Armee sahen, zu besichtigen. Wir erleben noch einmal im Geiste die großartigen Taten unserer Truppen mit, ihr siegreiches Vorwärtsstürmen, ihre zähe Beharrlichkeit, mit der sie den einmal geschlossenen Ring um das polnische Heer immer enger und snger zogen, um ihm schließlich den völligen Untere , gang zu bereiten. Auf dieser Fahrt treffen mir aua) ' Teile der „Leibstandarte Ad o l f Hlt - i U e r", die auf einem Felde raffen. Zu ihrer größten I Freude können die Männer der ff nun ihren Fuh- £ rer grüßen auf dem Schlachtfelde, auf dem auch sie I kämpften und siegten.
hungrige Polenhände sich ausstreckten, für die Erhaltung O st preußens beim Reich. In Ostpreußen hat er dann später als Che" General st abes gewirkt — so, daß ein setzter kurz und klar über ihn sagen konnte: ,D e r Besten einer!' Am schönsten war wohl die Zeit, da er in Schwerin das RW.-Art.-Regt. 2 nach eigenem Geist und Vorbild formen und unmittelbar auf Offizier und Mann anleitend, erziehend und anspornend einwirken konnte. Er war ein Regimentskommandeur, für den die Truppe in höchster
Acktuna und gläubigen Vertrauen durchs Feuer zu gehen Bereit war.
Anfang 1934 trat Generaloberst Freiherr von Fritsch als Oberbefehlshr. ir an d i e Spitze des Heeres. Jetzt wurde ihm vom Führer die historische Aufgabe gestellt, die Waffe zu schmieden, deren sich die geniale Staatsführung des nationalsozialistischen Reiches bedienen konnte. Es galt, den engen Rahmen des hochqualifizierten Berufsheeres zu sprengen und bei zielsicherer Ausnutzung der großen Erfahrungswerte ein neuzeitliches gewaltiges Volks- Heer zu schaffen. Und über alles Organisieren hinaus galt es einen lebendigen, kraftvollen Körper mit einem Geist zu erfüllen, der wieder einmal die „erste Armee der Welt" erstehen ließ, Geist mußte es sein, vom Geist des Heeres von 1914, per»
Zur Rede gestellt.
Nachdem der Führer in feiner Danziaer Rede die Fortführung des Krieges durch Englano bereits als Wahnsinn bezeichnet hatte, hat nunmehr auch Mussolini die Westmächte in dieser Frage zur Rede gestellt. Mit deutlicher Ironie sprach der Duce davon, daß die Regierungen von Paris und London gewiß mit der klugen Ueberlegung, den Konflikt nicht ausdehnen zu wollen, bisher gegenüber Der russischen „vollendeten Tatsache" nicht reagiert hätten. Daraus ergäbe sich aber, daß sie die moralische Rechtfertigung für die Rückgängigmachung der vollendeten deutschen Tatsache in Frage gestellt hätten.
Die natürliche Logik dieses Gedankenganges, den Mussolini gewissermaßen als Sprecher aller neutralen Länder entwickelte, hat sowohl in Deutschland als auch in der Presse der nichtkriegführenden Staaten allgemeine Zustimmung gefunden. Nur in Frankreich und besonders in England war man überaus peinlich berührt. Dort attestierte man dem Duce zwar mit süßsaurem Gesicht seine Aufrichtigkeit und gab auch gezwungenermaßen zu, daß man wegen des russischen Einmarsches nichts unternommen hätte, aber der Rest der amtlichen englischen Stellungnahme war bann nur noch ein wütendes Gekläff gegen Deutschland.
Denn, so behauptet man plötzlich, für Großbritannien sei bas Einrücken Deutschlands in Polen der Kriegs gründ gewesen, und Großbritanniens Ziel sei es, Europa vor deutschen Angriffen zu schützen und den Völkern zu helfen, ihre Selbständigkeit zu bewahren. Diese Sätze sind ein interessantes Eingeständnis für Englands Hilflosigkeit in der geistigpolitischen Auseinandersetzung unserer Tage. Hieß es nicht vor wenigen Wochen noch, England wolle die Souveränität und Unverletzlichkeit des ehemaligen polnischen Staates verteidigen und garantieren? Davon ist nun plötzlich nicht mehr die Rede, sondern nur noch von dem deutschen Angriff, der in Wahrheit ein Gegenfchlag gegen die von London provozierten polnischen Gewaltmaßnahmen war.
Und was sollen schließlich die Völker von England denken, denen es nun wieder in summarischer
Bei dem nun beginnenden Staatsakt für den auf dem Felde der Ehre gefallenen Generalobersten hielt dann der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitfch, die Trauerrede, in der er u.a. ausführte: „Erschüttert und in tiefer Trauer steht das deutsche Heer an der Bahre des Mannes, der einer der Besten war, die die preußisch- deutsche Armee je gekannt hat. Des Mannes, der seit jüngsten Leutnantstagen sich und sein Leben i n ernster, unermüdl.icher Hingabe dem Dienst verschrieben hatte, dem Dienst an Volk und Vaterland, dem Dienst an der Armee." Der Oberbefehlshaber des Heeres wies darauf hin, daß schon bei dem jungen Offizier durch feine Vorgesetzten sein kristallklares Denken, feine soldatische Zucht und nicht zuletzt fein froher und starker Tatwille berühmt geworden sei. „Schwere verantwortungsvolle Aufgaben wurden ihm jahraus, jahrein übertragen Vor keiner scheute er zuru ck, alle wurden sie h e r o o r r a g e n d g e m e l st e rt.
Nachdem der Generaloberst besonders der Zeit gedacht hatte, in der Freiherr von Fritsch al s e r - ster Generalstabsoffizier der IG arde- division besonders erfolgreich gewirkt hatte, betonte er- „Selbstverständlich, daß dieser Mann auch einer der ersten war, die nach dem dusteren November 1918 sich in die Bresche warfen, um den deutschen Osten zu schirmen. Vor 20 Jahren kämpfte .. , - . - - ....
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
vNl» und Verlag: vrühlsche llniverfitätzdruckerei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Seschäftrftelle: Schulstrabe 7
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